{"id":102,"date":"2019-07-12T15:58:54","date_gmt":"2019-07-12T15:58:54","guid":{"rendered":"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=102"},"modified":"2020-08-11T00:10:35","modified_gmt":"2020-08-11T00:10:35","slug":"%e5%8d%8f%e5%90%8c%e4%b9%a6%ef%bc%88%e5%be%b7%e6%96%87%ef%bc%89%e7%ac%ac%e4%b8%83%e9%83%a8%e5%88%86-%e5%a4%a7%e9%97%ae%e7%ad%94","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=102","title":{"rendered":"\u534f\u540c\u4e66\uff08\u5fb7\u6587\uff09\u7b2c\u516d\u90e8\u5206 \u5927\u95ee\u7b54"},"content":{"rendered":"<p>\u300a\u534f\u540c\u4e66\u300b\uff08\u5fb7\u6587\uff09\u76ee\u5f55<br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=76\">1.\u300a\u4fe1\u7ecf\u300b Glaubensbekenntnis<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=78\">2.\u300a\u5965\u65af\u5821\u4fe1\u6761\u300b Die Augsburgische Konfession<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=87\">3.\u300a\u5965\u65af\u5821\u4fe1\u6761\u300b\u7684\u8fa9\u62a4\u8bba Apologia der Konfession<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=90\">4.1\u300a\u65bd\u9a6c\u52a0\u767b\u4fe1\u6761\u300bDie Schmalkaldischen Artikel<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=93\">4.2\u300a\u8bba\u6559\u7687\u6743\u548c\u9996\u4f4d\u300bVon der Bisch\u00f6fe Gewalt und Jurisdiktion<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=98\">5.\u300a\u5c0f\u95ee\u7b54\u300bDer Kleiner Katechismus<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=102\">6.\u300a\u5927\u95ee\u7b54\u300bDer Grosse Katechismus<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=106\">7.\u300a\u534f\u540c\u5f0f\u300bDie Konkordienformel<\/a><\/p>\n<h2 id=\"opening\">\u5927\u95ee\u7b54<\/h2>\n<p>Der Grosse Katechismus<\/p>\n<p>Deutsch<\/p>\n<p>D. Martin Luther.<\/p>\n<p>Eine christliche, heilsame und n\u00f6tige Vorrede und tre\u00fc, ernstliche Vermahnung D. Martin Luthers an alle Christen, sonderlich aber an alle Pfarrherren und Prediger, da\u00df sie sich t\u00e4glich im Katechismo, so der ganzen Heiligen Schrift eine kurze Summa und Au\u00dfug ist, wohl \u00fcben und den immer treiben sollen usw.<\/p>\n<p>1] Da\u00df wir den Katechismum so fast treiben und zu treiben beide begehren und bitten, haben wir nicht geringe Ursachen, dieweil wir sehen, da\u00df leider viel Pfarrherren und Prediger hierin sehr s\u00e4umig sind und verachten beide ihr Amt und diese Lehre, etliche aus grosser, hoher Kunst, etliche aber aus lauter Faulheit und Bauchsorge, welche stellen sich nicht anders zur Sache, denn als w\u00e4ren sie um ihres Bauchs willen Pfarrherren oder Prediger und m\u00fcssten nichts tun [brauchten nichts zu tun], denn der G\u00fcter gebrauchen, weil [solange] sie leben, wie sie unter dem Papsttum gewohnt [waren.].<\/p>\n<p>2] Und wiewohl sie alles, was sie lehren und predigen sollen, jetzt so reichlich, klar und leicht vor sich haben in so viel heilsamen B\u00fcchern und, wie sie es vorzeiten heissen, die rechten Sermones per se loquentes, Dormi secure, Paratos et Thesauros, noch [dennoch] sind sie nicht so fromm und redlich, da\u00df sie solche B\u00fccher kauften, oder, wenn sie dieselben gleich haben, dennoch nicht ansehen noch lesen. Ach! das sind zumal sch\u00e4ndliche Fresslinge und Bauchdiener, die billiger Sauhirten und Hundeknechte sein sollten denn Seel[en]w\u00e4rter und Pfarrherren.<\/p>\n<p>3] Und da\u00df sie doch so viel t\u00e4ten, weil sie des unn\u00fctzen, schweren Geschw\u00e4tzes der sieben Gezeiten [sieben Zeiten, kanonischen Stunden (Horen): Mette, Prim, Terz, Sext, Non, Vesper, Komplet] nun los sind, an derselben Statt morgens, mittags und abends etwa ein Blatt oder zwei aus dem Katechismo, Betb\u00fcchlein, Ne\u00fcn Testament oder sonst aus der Biblia l\u00e4sen und ein Vaterunser f\u00fcr sich und ihre Pfarrkinder beteten, auf da\u00df sie doch dem Evangelio wiederum eine Ehre und Dank erzeigten, durch welches sie denn von so mancherlei Last und Beschwerungen erledigt sind, und sich sch\u00e4mten ein wenig, da\u00df sie, gleichwie die S\u00e4\u00fc und Hunde, nicht mehr vom Evangelio behalten denn solche faule, sch\u00e4dliche, sch\u00e4ndliche, fleischliche Freiheit. 4] Denn der P\u00f6bel leider ohnedas allzu geringe achtet des Evangelii, und wir nichts Sonderliches ausrichten, wenn wir gleich allen Fleiss vorwenden: was sollt\u2019s denn tun, wenn wir l\u00e4ssig und faul sein wollen, wie wir unter dem Papsttum gewesen sind?<\/p>\n<p>5] \u00dcber das schl\u00e4gt mit zu das sch\u00e4ndliche Laster und heimlich b\u00f6se Geschmeiss [Seuche] der Sicherheit und \u00dcberdruss, da\u00df viele meinen, der Katechismus sei eine schlechte, geringe Lehre, welche sie mit einem Mal \u00fcberlesen und dann alsbald k\u00f6nnen, das Buch in [den] Winkel werfen und gleich sich sch\u00e4men, mehr drin zu lesen.<\/p>\n<p>6] Ja man findet wohl etliche R\u00fclze [Bengel] und Filze [Geizh\u00e4lse], auch unter dem Adel, die vorgeben, man [be]d\u00fcrfe hinfort weder Pfarrherren noch Prediger, man hab\u2019s in B\u00fcchern und k\u00f6nne es von ihm selber wohl lernen, und lassen auch die Pfarren getrost fallen und verw\u00fcsten, dazu beide Pfarrherren und Prediger weidlich Not und Hunger leiden, wie sich denn geb\u00fchrt zu tun den tollen Deutschen; denn wir Deutschen haben solch sch\u00e4ndlich Volk und m\u00fcssen\u2019s leiden.<\/p>\n<p>7] Das sage ich aber f\u00fcr mich: Ich bin auch ein Doktor und Prediger, ja, so gelehrt und erfahren, als die alle sein m\u00f6gen, die solche Vermessenheit und Sicherheit haben; noch t\u00fc ich wie ein Kind, das man den Katechismum lehrt, und lese und spreche auch von Wort zu Wort des Morgens, und wenn ich Zeit habe, die zehn Gebote, Glauben, das Vaterunser, Psalmen usw.; und muss noch t\u00e4glich dazulesen und =studieren und kann dennoch nicht bestehen, wie ich gern wollte, und muss ein Kind und Sch\u00fcler des Katechismi bleiben, und bleib\u2019s auch gerne. 8] Und diese zarten, ekeln [d\u00fcnkelhaften] Gesellen wollen mit einem \u00dcberlesen flugs Doktor \u00fcber alle Doktor sein, alles k\u00f6nnen und nichts mehr bed\u00fcrfen. Wohlan, solches ist auch ein gewiss Anzeichen, da\u00df sie beide, ihr Amt und des Volks Seelen, ja dazu Gott und sein Wort verachten und d\u00fcrfen nicht [brauchen nicht zu] fallen, sondern sind schon allzu greulich gefallen, [be]d\u00fcrften wohl, da\u00df sie Kinder w\u00fcrden und das Abc anfingen zu lernen, das sie meinen l\u00e4ngst an den Schuhen zerrissen [zu] haben.<\/p>\n<p>9] Derhalben bitte ich solche faule W\u00e4nste oder vermessene Heilige, sie wollten sich um Gottes willen bereden lassen und glauben, da\u00df sie wahrlich, wahrlich nicht so gelehrt und so hohe Doctores sind, als sie sich lassen d\u00fcnken, und nimmermehr gedenken, da\u00df sie dieses St\u00fcck ausgelernt haben oder allerdinge genug wissen, ob sie es gleich d\u00fcnkt, da\u00df sie es allzu wohl k\u00f6nnen. Denn ob sie es gleich allerdings aufs allerbeste w\u00fcssten und k\u00f6nnten (das doch nicht m\u00f6glich ist in diesem Leben), so ist doch mancherlei Nutz und Frucht dahinten, so man\u2019s t\u00e4glich liest und \u00fcbt mit Gedanken und Reden, n\u00e4mlich, da\u00df der Heilige Geist bei solchem Lesen, Reden und Gedenken gegenw\u00e4rtig ist und immer neu und mehr Licht und Andacht dazu gibt, da\u00df es immerdar besser und besser schmeckt und eingeht; wie Christus auch verheisst Matth. 18: &#8220;Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrem Mittel&#8221; [in ihrer Mitte].<\/p>\n<p>10] Dazu hilft\u2019s aus der Massen gewaltiglich wider den Teufel, Welt, Fleisch und alle b\u00f6sen Gedanken, so man mit Gottes Wort umgeht, davon redet und dichtet, da\u00df auch der erste Psalm selig preist die, so Tag und Nacht vom Gesetze Gottes handeln. Ohne Zweifel wirst du keinen Weihrauch oder ander Ger\u00e4uch st\u00e4rker wider den Teufel anrichten, denn so du mit Gottes Geboten und Worten umgehst, davon redest, singst oder denkst. Das ist freilich das rechte Weihwasser und Zeichen, davor er fleucht [flieht] und damit er sich [ver]jagen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>11] Nun solltest du doch ja allein um deswillen solche St\u00fccke gern lesen, reden, denken und handeln, wenn du sonst keine andere Frucht und Nutz davon h\u00e4ttest, denn da\u00df du den Teufel und b\u00f6se Gedanken damit kannst verjagen. Denn er kann Gottes Wort nicht h\u00f6ren noch leiden, und Gottes Wort ist nicht wie ein ander, loses Geschw\u00e4tz, wie von Dieterich von Bern usw., sondern, wie St. Paulus R\u00f6m. 1 sagt, &#8220;eine Kraft Gottes&#8221;. Ja freilich eine Kraft Gottes, die dem Teufel das gebrannte Leid antut und uns aus der Massen st\u00e4rkt, tr\u00f6stet und hilft.<\/p>\n<p>12] Und was soll ich viel sagen? Wo ich allen Nutz und Frucht sollte erz\u00e4hlen, so Gottes Wort wirkt, wo wollte ich Papier und Zeit genug nehmen? Den Teufel heisst man Tausendk\u00fcnstiger; wie will man aber Gottes Wort heissen, das solchen Tausendk\u00fcnstiger mit aller seiner Kunst und Macht verjagt und zunichte macht? Es muss freilich mehr denn hundert Tausendk\u00fcnstiger sein. Und wir sollten solche Macht, Nutz, Kraft und Frucht so leichtfertiglich verachten, sonderlich die wir Pfarrherren und Prediger sein wollen? 13] So sollte man uns doch nicht allein nicht zu fressen geben, sondern auch mit Hunden aushetzen [mit Hunden hetzend vertreiben] und mit Lungen auswerfen [mit Pferdequitten bewerfend vertreiben], weil wir des alles nicht allein t\u00e4glich bed\u00fcrfen wie des t\u00e4glichen Brots, sondern auch t\u00e4glich haben m\u00fcssen wider das t\u00e4gliche und unruhige Anfechten und La\u00fcrn des tausendk\u00fcnstigen Teufels.<\/p>\n<p>14] Und ob solches nicht genug w\u00e4re zur Vermahnung, den Katechismum t\u00e4glich zu lesen, so sollte doch uns allein genugsam zwingen Gottes Gebot, welcher Deut. 6 ernstlich gebeut [gebietet], da\u00df man soll sein Gebot sitzend, gehend, stehend, liegend, aufstehend immer bedenken und gleich als ein stetiges Mal und Zeichen vor Augen und H\u00e4nden haben. Ohne Zweifel wird er solches umsonst nicht so ernstlich heissen und fordern, sondern weil er weiss unsere [Ge]Fahr und Not, dazu der Teufel stetiges und w\u00fctiges St\u00fcrmen und Anfechtung, will er uns davor warnen, r\u00fcsten und bewahren als mit gutem Harnisch wider ihre feurigen Pfeile und mit guter Arznei wider ihr giftiges, b\u00f6ses Geschmeiss und Eingeben.<\/p>\n<p>15] O welche tolle, unsinnige Narren sind wir, da\u00df wir unter solchen m\u00e4chtigen Feinden, als die Teufel sind, wohnen oder herbergen je m\u00fcssen und wollen dazu unsere Waffen und Wehre verachten und faul sein, dieselben anzusehen oder daran zu gedenken!<\/p>\n<p>16] Und was tun solche \u00fcberdr\u00fcssige, vermessene Heilige, so nicht wollen oder m\u00f6gen den Katechismum t\u00e4glich lesen und lernen, denn da\u00df sie sich selbst viel gelehrter halten, denn Gott selbst ist mit allen seinen Heiligen, Engeln, Propheten, Aposteln und allen Christen? Denn weil sich Gott selbst nicht sch\u00e4mt, solches taglich zu lehren, als der nichts Besseres wisse zu lehren, und immer solches einerlei lehrt und nichts Ne\u00fcs noch anderes vornimmt, und alle Heiligen nichts Besseres noch anderes wissen zu lernen und nicht k\u00f6nnen auslernen, sind wir uns lassen d\u00fcnken, wenn wir\u2019s einmal gelesen und geh\u00f6rt haben, da\u00df wir\u2019s alles k\u00f6nnen und nicht mehr lesen noch lernen d\u00fcrfen und k\u00f6nnen das auf eine Stunde auslernen, das Gott selbst nicht kann auslehren, so er doch dran lehrt von Anfang der Welt bis zu Ende, und alle Propheten samt allen Heiligen dran zu lernen gehabt und noch immer Sch\u00fcler sind [ge]blieben und noch bleiben m\u00fcssen?<\/p>\n<p>17] Denn das muss ja sein, wer die zehn Gebote wohl und gar kann, da\u00df der muss die ganze Schrift k\u00f6nnen, da\u00df er k\u00f6nne in allen Sachen und F\u00e4llen raten, helfen, tr\u00f6sten, urteilen, richten beide geistlich und weltlich Wesen und m\u00f6ge sein ein Richter \u00fcber alle Lehre, St\u00e4nde, Geister, Rechte, und was in der Welt sein mag. Und was ist der ganze Psalter denn eitel Gedanken und \u00dcbungen des ersten Gebots? 18] Nun weiss ich ja f\u00fcrwahr, da\u00df solche faule B\u00e4uche oder vermessene Geister nicht einen Psalm verstehen, [ge]schweige denn die ganze Heilige Schrift, und wollen den Katechismum wissen und verachten, welcher der ganzen Heiligen Schrift kurzer Au\u00dfug und Abschrift ist.<\/p>\n<p>19] Darum bitte ich abermal alle Christen, sonderlich die Pfarrherren und Prediger, sie wollten nicht zu fr\u00fch Doctores sein und alles [zu] wissen sich d\u00fcnken lassen (es geht an D\u00fcnken und gespannen [ungenetztem] Tuch viel ab), sondern sich t\u00e4glich wohl drin \u00fcben und immer treiben, dazu mit aller Sorge und Fleiss sich vorsehen vor dem giftigen Geschmeiss solcher Sicherheit oder D\u00fcnkelmeister, sondern stetig anhalten beide mit Lesen, Lehren, Lernen, Denken und Dichten und nicht also ablassen, bis solange sie erfahren und gewiss werden, da\u00df sie den Teufel tot gelehrt und gelehrter [ge]worden sind, denn Gott selber ist und alle seine Heiligen.<\/p>\n<p>20] Werden sie solchen Fleiss tun, so will ich ihnen zusagen, und sie sollen\u2019s auch innewerden, welche Frucht sie erlangen werden, und wie feine Leute Gott aus ihnen machen wird, da\u00df sie mit der Zeit selbst sein bekennen sollen, da\u00df, je l\u00e4nger und mehr sie den Katechismum treiben, je weniger sie davon wissen, und je mehr sie daran zu lernen haben, und wird ihnen als den Hungrigen und Durstigen dann allererst recht schmecken, das sie jetzt vor grosser F\u00fclle und \u00dcberdruss nicht riechen m\u00f6gen. Da gebe Gott seine Gnade zu! Amen. <\/p>\n<p>Kurze Vorrede [D. M. L.].<\/p>\n<p>1] Diese Predigt ist dazu geordnet und angefangen, da\u00df es sei ein Unterricht f\u00fcr die Kinder und Einf\u00e4ltigen, darum sie auch von alters her auf griechisch heisst Katechismus, das ist, eine Kinderlehre, 2] so ein jeglicher Christ zur Not wissen soll, also da\u00df, wer solches nicht weiss, nicht k\u00f6nnte unter die Christen gez\u00e4hlt und zu keinem Sakrament zugelassen werden [der Katechismus wurde in Wittenberg seit 1523 im Beichtverh\u00f6r abgefragt]; gleichwie man einen Handwerksmann, der seines Handwerks Recht und Gebrauch nicht weiss, [hin]auswirft und f\u00fcr unt\u00fcchtig h\u00e4lt. 3] Derhalben soll man junge Leute die St\u00fccke, so in den Katechismum oder Kinderpredigt geh\u00f6ren, wohl und fertig lernen lassen und mit Fleiss darin \u00fcben und treiben.<\/p>\n<p>4] Darum auch ein jeglicher Hausvater schuldig ist, da\u00df er zum wenigsten die Woche einmal seine Kinder und Gesinde umfrage und verh\u00f6re, was sie davon wissen oder lernen und, wo sie es nicht k\u00f6nnen, mit Ernst dazu halte. 5] Denn ich denke wohl [ich erinnere mich gut] der Zeit, ja es begibt sich noch t\u00e4glich, da\u00df man grobe, alte betagte Leute findet, die hiervon gar nichts gewusst haben oder noch wissen, gehen doch gleichwohl zur Taufe und Sakrament und [ge]brauchen alles, was die Christen haben, so doch, die zum Sakrament gehen, billig mehr wissen und v\u00f6lligeren Verstand aller christlichen Lehre haben sollten denn die Kinder und ne\u00fc Sch\u00fcler. 6] Wiewohl wir\u2019s f\u00fcr den gemeinen Haufen bei den dreien St\u00fccken bleiben lassen, so von alters her in der Christenheit [ge]blieben sind, aber wenig recht gelehrt und getrieben, so lange bis man sich in denselben wohl \u00fcbe und l\u00e4uftig [bewandert] werde beide jung und alt, was Christen [Christ] heissen und sein will. Und sind n\u00e4mlich diese: <\/p>\n<p>Zum ersten.<\/p>\n<p>Die zehn Gebote Gottes.<\/p>\n<p>1] 1. Du sollst keine andern G\u00f6tter haben neben mir.<br \/>\n2] 2. Du sollst den Namen Gottes nicht vergeblich f\u00fchren.<\/p>\n<p>3] 3. Du sollst den Feiertag heiligen.<\/p>\n<p>4] 4. Du sollst Vater und Mutter ehren.<\/p>\n<p>5] 5. Du sollst nicht t\u00f6ten.<\/p>\n<p>6] 6. Du sollst nicht ehebrechen.<\/p>\n<p>7] 7. Du sollst nicht stehlen.<\/p>\n<p>8] 8. Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen N\u00e4chsten.<\/p>\n<p>9] 9. Du sollst nicht begehren deines N\u00e4chsten Haus.<\/p>\n<p>10] 10. Du sollst nicht begehren seines Weibes [sein Weib,] Knecht, Magd, Vieh oder was sein ist. <\/p>\n<p>Zum Zweiten.<\/p>\n<p>Die Hauptartikel unsers Glaubens.<\/p>\n<p>11] 1. Ich glaube an Gott [den] Vater allm\u00e4chtigen, Sch\u00f6pfer Himmels und der Erden.<\/p>\n<p>12] 2. Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen its von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria, der Jungfrau, gelitten hat unter Pontio Pilato, gekreuzigt, gestorben und begraben ist, niedergefahren zur H\u00f6lle, am dritten Tage wider auferstanden von [den] Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, des allm\u00e4chtigen Vaters, von dannen er zuk\u00fcnftig ist, zu richten die Lebendigen und die Toten.<\/p>\n<p>13] 3. Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der S\u00fcnden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen. <\/p>\n<p>14] Zum dritten.<\/p>\n<p>Das Gebet oder Vaterunser, so Christus gelehrt hat.<\/p>\n<p>Vater unser, der du bist im Himmel.<br \/>\n1. Geheiligt werde dein Name.<\/p>\n<p>2. Zukomme dein Reich.<\/p>\n<p>3. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden.<\/p>\n<p>4. Unser t\u00e4glich Brot gib uns heute.<\/p>\n<p>5. Und verlasse [erlass, vergib] uns unsere Schuld, als wir verlassen unsern Schuldigern.<\/p>\n<p>6. Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung.<\/p>\n<p>7. Sondern erl\u00f6se uns vom \u00dcbel. Amen.<\/p>\n<p>15] Das sind die n\u00f6tigsten St\u00fccke, die man zum ersten lernen muss von Wort zu Wort erz\u00e4hlen 16] und soll die Kinder dazu gew\u00f6hnen t\u00e4glich, wenn sie des Morgens aufstehen, zu Tische gehen und sich des Abends schlafen legen, da\u00df sie es m\u00fcssen aufsagen, und ihnen nicht zu essen noch zu trinken geben, sie h\u00e4tten\u2019s denn gesagt. 17] Desgleichen ist auch ein jeglicher Hausvater schuldig, mit dem Gesinde, Knechten und M\u00e4gden, zu halten, da\u00df er sie nicht bei sich halte, wo sie es nicht k\u00f6nnen oder lernen wollen. 18] Denn es ist mitnichten zu leiden, da\u00df ein Mensch so roh und wild sei und solches nicht lerne, weil in diesen dreien St\u00fccken k\u00fcrzlich, gr\u00f6blich und aufs einf\u00e4ltigste verfasst ist alles, was wir in der Schrift haben; 19] denn die lieben V\u00e4ter oder Apostel (wer sie gewesen sind) haben also in eine Summa gestellt, was der Christen Lehre, Leben, Weisheit und Kunst sei, wovon sie reden und handeln und womit sie umgehen.<\/p>\n<p>20] Wenn nun diese drei St\u00fccke gefasst sind, geh\u00f6rt sich auch, da\u00df man wisse zu sagen von unsern Sakramenten (so Christus selbst eingesetzt hat) der Taufe und des heiligen Leibes und Blutes Christi, als n\u00e4mlich den Text, so Math\u00e4us und Markus beschreiben am Ende ihres Evangeliums, wie Christus seinen J\u00fcngern die Letze [den Abschied] gab und sie abfertigte.<\/p>\n<p>21] Von der Taufe.<\/p>\n<p>Gehet hin und lehret alle V\u00f6lker und taufet sie im Namem des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden.<\/p>\n<p>22] So viel ist genug einem Einf\u00e4ltigen aus der Schrift von der Taufe zu wissen; desgleichen auch vom andern Sakrament mit kurzen, einf\u00e4ltigen Worten, als n\u00e4mlich den Text St. Pauli.<\/p>\n<p>Vom Sakrament.<\/p>\n<p>23] Unser Her Jeus Christus in der Nacht, als er verraten ward, nahm das Brot, dankte und brach\u2019s und gab\u2019s seinen J\u00fcngern und sprach: &#8220;Nehmet hin und esset; das ist mein Leib, der f\u00fcr euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Ged\u00e4chtnis!&#8221;<\/p>\n<p>Desselbengleichen auch den Kelch nach dem Abendmahl und sprach: &#8220;Dieser Kelch ist das ne\u00fc Testament in meinem Blut, das f\u00fcr euch vergossen wird zur Vergebung der S\u00fcnden. Solches tut, sooft ihr\u2019s trinket, zu meinem Ged\u00e4chtnis!&#8221;<\/p>\n<p>24] Also h\u00e4tte man \u00fcberall [im ganzen] f\u00fcnf St\u00fccke der ganzen christlichen Lehre, die man immerdar treiben soll und von Wort zu Wort fordern und verh\u00f6ren. Denn verlass dich nicht drauf, da\u00df das junge Volk allein aus der Predigt lerne und behalte. 25] Wenn man nun solche St\u00fccke wohl weiss, so kann man danach auch etliche Psalmen oder Ges\u00e4nge, so darauf gemacht sind, vorlegen, zur Zugabe und St\u00e4rke desselben, und also die Jugend in die Schrift bringen und t\u00e4glich weiterfahren.<\/p>\n<p>26] Es soll aber nicht an dem genug sein, da\u00df man\u2019s allein den Worten nach fasse und erz\u00e4hlen k\u00f6nne, sondern lasse das junge Volk auch zur Predigt gehen, sonderlich auf die Zeit, so dem Katechismo geordnet, da\u00df sie es h\u00f6ren auslegen und verstehen lernen, was ein jeglich St\u00fcck in sich habe, also da\u00df sie es auch k\u00f6nnen aufsagen, wie sie es geh\u00f6rt haben, und fein richtig antworten, wenn man sie fragt, auf da\u00df es nicht ohne Nutz und Frucht gepredigt werde. 27] Denn darum tun wir den Fleiss, den Katechismum oft vorzupredigen, da\u00df man solches in die Jugend ble\u00fc, nicht hoch noch scharf, sondern kurz und aufs einf\u00e4ltigste, auf da\u00df es ihnen wohl eingehe und im Ged\u00e4chtnis bleibe.<\/p>\n<p>28] Derhalben wollen wir nun die angezeigten St\u00fccke nacheinander vor uns nehmen und aufs deutlichste davon reden, soviel not ist.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014<\/p>\n<p>[Das erste Teil.]<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014<\/p>\n<p>Das erste Gebot.<\/p>\n<p>Du sollst nicht andere G\u00f6tter haven.<\/p>\n<p>1] Das ist, du sollst mich allein f\u00fcr deinen Gott halten. Was ist das gesagt, und wie verstehet man\u2019s? Was heisst: einen Gott haben, oder was ist Gott? 2] Antwort: Ein Gott heisst das, dazu man sich versehen soll alles Guten und Zuflucht haben in allen N\u00f6ten, also da\u00df einen Gott haben nichts anders ist, denn ihm von Herzen tra\u00fcn und glauben; wie ich oft gesagt habe, da\u00df allein das Tra\u00fcn und Glauben des Herzens macht beide, Gott und Abgott. 3] Ist der Glaube und [das] Vertra\u00fcn rechts, so ist auch dein Gott recht; und wiederum, wo das Vertra\u00fcn falsch und unrecht ist, da ist auch der rechte Gott nicht; denn die zwei geh\u00f6ren zu Haufe: Glaube und Gott. Worauf du nun (sage ich) dein Herz h\u00e4ngst und verl\u00e4sst, das ist eigentlich dein Gott.<\/p>\n<p>4] Darum ist nun die Meinung dieses Gebots, da\u00df es fordert rechten Glauben und Zuversicht des Herzens, welche den rechten einigen Gott treffe und an ihm allein hange. Und will so viel gesagt haben: Siehe zu und lass mich allein deinen Gott sein und suche je keinen andern; das ist, was dir mangelt an Gutem, des versiehe dich zu mir und suche es bei mir, und halte dich zu mir. Ich, ich will dir genug geben und aus aller Not helfen; lass nur dein Herz an keinem andern hangen noch ruhen.<\/p>\n<p>5] Das muss ich ein wenig grob ausstreichen, da\u00df man\u2019s verstehe und merke bei gemeinen Exempeln das Widerspiels. Es ist mancher, der meint, er habe Gott und alles genug, wenn er Geld und Gut hat, verl\u00e4sst und br\u00fcstet sich darauf so steif und sicher, da\u00df er auf niemand nichts gibt. 6] Siehe, dieser hat auch einen Gott, der heisst Mammon, das ist Geld und Gut, darauf er alle sein Herz setzt, welches auch der allergemeinste Abgott ist auf Erden. 7] Wer Geld und Gut hat, der weiss sich sicher, ist fr\u00f6hlich und unerschrocken, als sitze er mitten im Paradies. 8] Und wiederum, wer keines hat, der zweifelt und zagt, als wisse er von keinem Gott. 9] Denn man wird ihrer gar wenig finden, die gutes Muts seien [sind] und nicht tra\u00fcrn noch klagen, wenn sie den Mammon nicht haben; es klebt und h\u00e4ngt der Natur an bis in die Grube.<\/p>\n<p>10] Also auch, wer darauf traut und trotzt, da\u00df er grosse Kunst, Klugheit, Gewalt, Gunst, Freundschaft und Ehre hat, der hat auch einen Gott, aber nicht diesen rechten einigen Gott. Das siehst du abermal dabei, wie vermessen, sicher und stolz man ist auf solche G\u00fcter, und wie verzagt, wenn sie nicht vorhanden [sind] oder entzogen werden. Darum sage ich abermal, da\u00df die rechte Auslegung dieses St\u00fccks sei, da\u00df einen Gott haben heisst, etwas haben, darauf das Herz g\u00e4nzlich traut.<\/p>\n<p>11] Item siehe, was wir bisher getrieben und getan haben in der Blindheit unter dem Papsttum. Wenn jemand ein Zahn weh tat, der fastete und feierte St. Apollonia; f\u00fcrchtete er sich vor Fe\u00fcrsnot, so machte er St. Lorenz zum Nothelfer; f\u00fcrchtete er sich vor Pestilenz, so gelobte er sich zu St. Sebastian oder Rochio, und des Gre\u00fcls unz\u00e4hlig viel mehr, da ein jeglicher seinen Heiligen w\u00e4hlte, anbetete und anrief, in N\u00f6ten zu helfen. 12] Daher [hierher] geh\u00f6ren auch, die es gar zu grob treiben und mit dem Teufel einen Bund machen, da\u00df er ihnen Geld genug gebe oder zur Buhlschaft [Liebschaft] helfe, ihr Vieh bewahre, verloren Gut wiederschaffe usw., als die Zauberer und Schwarzk\u00fcnstiger [Schwarzk\u00fcnstler]. Denn diese alle setzen ihr Herz und Vertra\u00fcn anderswo [hin] denn auf den wahrhaftigen Gott, versehen sich kein Gutes zu ihm, suchen\u2019s auch nicht bei ihm.<\/p>\n<p>13] Also verstehst du nun leichtlich, was und wieviel dies Gebot fordert, n\u00e4mlich das ganze Herz des Menschen und alle Zuversicht auf Gott allein und niemand anders. Denn Gott zu haben, kannst du wohl abnehmen, da\u00df man ihn nicht mit Fingern ergreifen und fassen, noch in Beutel stecken oder in Kasten schliessen kann. 14] Das heisst ihn aber gefasst, wenn ihn das Herz ergreift und an ihm h\u00e4ngt. 15] Mit dem Herzen aber an ihm hangen ist nichts anderes, denn sich g\u00e4nzlich auf ihn verlassen. Darum will er uns von allem andern abwenden, das ausser ihm ist, und zu sich ziehen, weil er das einige ewige Gut ist. Als sollte er sagen: Was du zuvor bei den Heiligen gesucht oder auf den Mammon und sonst vertraut hast, des versiehe dich alles zu mir und halte mich f\u00fcr den, der dir helfen und mit allem Guten reichlich \u00fcbersch\u00fctten will.<\/p>\n<p>16] Siehe, da hast du nun, was die rechte Ehre und Gottesdienst ist, so Gott gef\u00e4llt, welchen er auch gebeut [gebietet] bei ewigem Zorn, n\u00e4mlich da\u00df das Herz keinen andern Trost noch Zuversicht wisse denn zu ihm, lasse sich auch nicht davonreissen, sondern dar\u00fcber wage und hintansetze alles, was auf Erden ist. 17] Dagegen wirst du leichtlich sehen und urteilen, wie die Welt eitel falschen Gottesdienst und Abg\u00f6tterei treibt. Denn es ist nie kein Volk so ruchlos gewesen, da\u00df nicht einen Gottesdienst aufgerichtet und gehalten habe; da hat jedermann zu sonderlichen Gott aufgeworfen, dazu er sich Gutes, Hilfe und Trost versehen hat.<\/p>\n<p>18] Als n\u00e4mlich die Heiden, so ihr Datum [Vertra\u00fcn] auf Gewalt und Herrschaft stellten, warfen ihren Jupiter zum h\u00f6chsten Gott auf, die andern, so nach Reichtum, Gl\u00fcck oder nach Lust und guten Tagen standen, Herkules, Merkur, Venus oder andere, die schwangeren Fra\u00fcn Diana oder Lucina, und so fort machte ihm [sich] jedermann zum Gott, dazu ihn sein Herz trug, also da\u00df eigentlich, auch nach aller Heiden Meinung, einen Gott haben heisst tra\u00fcn und glauben. 19] Aber daran feilet [fehlt] es, da\u00df ihr Tra\u00fcn falsch und unrecht ist; denn es ist nicht auf den einigen Gott gestellt, ausser welchem wahrhaftig kein Gott ist im Himmel noch auf Erden. 20] Darum die Heiden eigentlich ihren eigenen erdichteten D\u00fcnkel und Traum von Gott zum Abgott machen und sich auf eitel nichts verlassen. 21] Also ist es um alle Abg\u00f6tterei getan; denn sie steht nicht allein darin, da\u00df man ein Bild aufrichtet und anbetet, sondern vornehmlich im Herzen, welches anderswo hingafft, Hilfe und Trost sucht bei den Kreaturen, Heiligen oder Teufeln und sich Gottes nicht annimmt noch so viel Gutes zu ihm versieht, da\u00df er wolle helfen; glaubt auch nicht, da\u00df von Gott komme, was ihm Gutes widerf\u00e4hrt.<\/p>\n<p>22] Dar\u00fcber ist auch ein falscher Gottesdienst und die h\u00f6chste Abg\u00f6tterei, so wir bisher getrieben haben, und noch in der Welt regiert, darauf auch alle geistlichen St\u00e4nde gegr\u00fcndet sind, welche allein das Gewissen betrifft, das da Hilfe, Trost und Seligkeit sucht in eigenen Werken, vermisst sich, Gott den Himmel abzuzwingen, und rechnet, wieviel es gestiftet, gefastet, Messe gehalten hat usw. Verl\u00e4sst sich und pocht darauf, als wolle es nichts von ihm geschenkt nehmen, sondern selbst erwerben oder \u00fcberberfl\u00fcssig verdienen, gerade als m\u00fcsste er uns zu Dienst stehen und unser Schuldner, wir aber seine Lehensherren sein. 23] Was ist das anders, denn aus Gott einen G\u00f6tzen, ja einen Apfelgott [Aftergott, aus Apfelholz geschnitzt] gemacht und sich selbst f\u00fcr Gott gehalten und aufgeworfen? Aber das ist ein wenig zu scharf, geh\u00f6rt nicht f\u00fcr die jungen Sch\u00fcler.<\/p>\n<p>24] Das sei aber den Einf\u00e4ltigen gesagt, da\u00df sie den Verstand dieses Gebots wohl merken und behalten, da\u00df man Gott allein tra\u00fcn und sich eitel Gutes zu ihm versehen und von ihm gewarten soll, als der uns gibt Leib, Leben, Essen, Trinken, Nahrung, Gesundheit, Schutz, Frieden und alle Notdurft zeitlicher und ewiger G\u00fcter, dazu bewahrt vor Ungl\u00fcck und, so uns etwas widerf\u00e4hrt, rettet und aushilft, also da\u00df Gott (wie genug gesagt) allein der ist, von dem man alles Gute empf\u00e4ngt und alles Ungl\u00fccks los wird. 25] Daher auch, achte ich, wir Deutschen Gott eben mit dem Namen von alters her nennen (feiner und artiger [treffender] denn keine andere Sprache) nach dem W\u00f6rtlein &#8220;Gut&#8221;, als der ein ewiger Q\u00fcllbrunn ist, der sich mit eitel G\u00fcte \u00fcbergeusst [ubergiesst], und von dem alles, was gut ist und heisst, ausfleusst [ausfliesst].<\/p>\n<p>26] Denn ob uns gleich sonst viel Gutes von Menschen widerf\u00e4hrt, so heisst es doch alles von Gott empfangen, was man durch seinen Befehl und Ordnung empf\u00e4ngt. Denn unsere Eltern und alle Obrigkeit, dazu ein jeglicher gegen seinen N\u00e4chsten, haben den Befehl, da\u00df sie uns allerlei Gutes tun sollen, also da\u00df wir\u2019s nicht von ihnen, sondern durch sie von Gott empfangen. Denn die Kreaturen sind nur die Hand, R\u00f6hre und Mittel, dadurch Gott alles gibt, wie er der Mutter Br\u00fcste und Milch gibt, dem Kinde zu reichen, Korn und allerlei Gew\u00e4chs aus der Erde zur Nahrung, welcher G\u00fcter keine Kreatur keines selbst machen kann.<\/p>\n<p>27] Derhalben soll sich kein Mensch unterstehen, etwas zu nehmen oder zu geben, es sei denn von Gott befohlen, da\u00df man\u2019s erkenne f\u00fcr seine Gaben und ihm darum danke, wie dies Gebot fordert; darum auch solche Mittel, durch die Kreaturen Gutes zu empfangen, nicht au\u00dfuschlagen sind, noch durch Vermessenheit andere Weise und Wege zu suchen, denn Gott befohlen hat. Denn das hiesse nicht von Gott empfangen, sondern von ihm selbst gesucht.<\/p>\n<p>28] Da sehe nun auf ein jeglicher bei sich selbst, da\u00df man dies Gebot vor allen Dingen gross und hoch achte und in keinen Scherz schlage. Frage und forsche dein eigen Herz wohl, so wirst du wohl finden, ob es allein an Gott hange oder nicht. Hast du ein solch Herz, das sich eitel Gutes zu ihm versehen kann, sonderlich in N\u00f6ten und Mangel, dazu alles gehen und fahren lassen, was nicht Gott ist, so hast du den einigen rechten Gott. Wiederum, h\u00e4ngt es auf etwas anderes, dazu sich\u2019s mehr Gutes und Hilfe vertr\u00f6stet denn zu Gott, und nicht zu ihm l\u00e4uft, sondern vor ihm fleucht, wenn es ihm \u00fcbel geht, so hast du einen andern Abgott.<\/p>\n<p>29] Derhalben, auf da\u00df man sehe, da\u00df Gott solches nicht will in [den] Wind geschlagen haben, sondern ernstlich dr\u00fcber halten, hat er bei diesem Gebot zum ersten ein schrecklich Dr\u00e4\u00fcn, danach eine sch\u00f6ne tr\u00f6stliche Verheissung gesetzt, welche man auch wohl treiben soll und dem jungen Volk vorble\u00fcn [wiederholt und eindringlich vorsagen und erkl\u00e4ren], da\u00df sie es zu Sinne nehmen und behalten.<\/p>\n<p>[Erkl\u00e4rung des Anhangs zum ersten Gebot.]<\/p>\n<p>30] Denn ich bin der Her, dein Gott, ein starker Eiferer, der da heimsucht der V\u00e4ter Missetat an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied, die mich hassen, und t\u00fc Barmherzigkeit an viel tausend, die mich liebhaben und meine Gebote halten.<\/p>\n<p>31] Wiewohl aber diese Worte auf alle Gebote gehen (wie wir hernach h\u00f6ren werden), so sind sie doch eben zu diesem Hauptgebot gesetzt, darum da\u00df daran am meisten liegt, da\u00df ein Mensch ein recht Haupt habe; denn wo das Haupt recht geht, da muss auch das ganze Leben recht gehen, und wiederum [umgekehrt]. 32] So lerne nun aus diesen Worten, wie zornig Gott ist \u00fcber die, so sich auf irgend etwas ausser ihm verlassen; wiederum, wie g\u00fctig und gn\u00e4dig er ist denen, die ihm allein von ganzem Herzen tra\u00fcn und glauben, also da\u00df der Zorn nicht abl\u00e4sst bis ins vierte Geschlecht oder Glied, 33] dagegen die Wohltat oder G\u00fcte geht \u00fcber viel tausend, auf da\u00df man nicht so sicher hingehe und sich in die Schanze schlage [sich dem Zufall \u00fcberlasse], wie die rohen Herzen denken, es liege nicht grosse Macht dran. 34] Er ist ein solcher Gott, der es nicht ungerochen l\u00e4sst, da\u00df man sich von ihm wendet, und nicht aufh\u00f6rt zu z\u00fcrnen bis ins vierte Glied, so lange, bis sie durch und durch ausgerottet werden. Darum will er gef\u00fcrchtet und nicht verachtet sein.<\/p>\n<p>35] Das hat er auch beweiset [bewiesen] in allen Historien und Geschichten, wie uns die Schrift reichlich anzeigt, und noch t\u00e4gliche Erfahrung wohl lehren kann. Denn er alle Abg\u00f6tterei von Anfang her gar ausgerottet hat und um ihrer willen beide Heiden und Juden, wie er auch bei heutigem Tage allen falschen Gottesdienst st\u00fcrzt, da\u00df endlich alle, so darin bleiben, m\u00fcssen untergehen. 36] Darum, ob man gleich jetzt stolze, gewaltige und reiche W\u00e4nste findet, die auf ihren Mammon trotzen, ungeachtet, Gott z\u00fcrne oder lache, als die seinen Zorn wohl [ge]tra\u00fcn au\u00dfustehen, so werden sie es doch nicht ausf\u00fchren, sondern, ehe man sich\u2019s versieht, zu Scheitern gehen [in St\u00fccke zerschlagen werden] mit allem, darauf sie getraut haben wie alle anderen unter[ge]gangen sind, die sich wohl sicherer und m\u00e4chtiger gewusst haben.<\/p>\n<p>37] Und eben um solcher harten K\u00f6pfe willen, die da meinen, weil er zusieht und l\u00e4sst sie fest sitzen, er wisse nichts drum oder nehme sich\u2019s nicht an, muss er also dreinschlagen und strafen, da\u00df er\u2019s nicht vergessen kann, bis auf ihre Kindeskinder, auf da\u00df sich jedermann daran stosse und sehe, da\u00df [es] ihm kein Scherz ist. 38] Denn diese sind\u2019s auch, die er meint, als er spricht: &#8220;die mich hassen&#8221;, das ist, die auf ihrem Trotz und Stolz beharren; was man ihnen predigt oder sagt, wollen sie nicht h\u00f6ren; straft man sie, da\u00df sie sich erkennen und bessern, ehe die Strafe angeht, so werden sie toll und t\u00f6richt, auf da\u00df sie den Zorn redlich verdienen, wie wir auch jetzt an Bisch\u00f6fen und F\u00fcrsten t\u00e4glich erfahren.<\/p>\n<p>39] Wie schrecklich aber diese Dr\u00e4uworte sind, so viel m\u00e4chtiger[er] Trost ist an der Verheissung, da\u00df die sich allein an Gott halten, sollen\u2019s gewiss sein, da\u00df er Barmherzigkeit an ihnen erzeigen will, das ist, eitel Gutes und Wohltat beweisen, nicht allein f\u00fcr sie, sondern auch an ihren Kindern bis ins tausend und abermal tausend Geschlecht. 40] Solches sollte uns ja bewegen und treiben, unser Herz auf Gott zu erw\u00e4gen [vertra\u00fcn zu lassen] mit aller Zuversicht, so wir begehrten, alles Gute zeitlich und ewig zu haben, weil sich die hohe Majest\u00e4t so hoch erbeut [so grosse Verheissung gibt], so herzlich reizt und so reichlich verheisst.<\/p>\n<p>41] Darum lasse es ihm [sich] ein jeglicher ernstlich zu Herzen gehen, da\u00df man\u2019s nicht achte, als habe es ein Mensch geredet. Denn es gilt dir entweder ewigen Segen, Gl\u00fcck und Seligkeit oder ewigen, Zorn, Ungl\u00fcck und Herzeleid. Was willst du mehr haben oder begehren, denn da\u00df er dir so freundlich verheisst, er wolle dein sein mit allem Guten, dich sch\u00fctzen und [dir] helfen in allen N\u00f6ten?<\/p>\n<p>42] Es fehlt aber leider daran, da\u00df die Welt der keines nicht glaubt, noch f\u00fcr Gottes Wort h\u00e4lt, weil sie sieht, da\u00df die, so Gott und nicht dem Mammon tra\u00fcn, Kummer und Not leiden, und der Teufel sich wider sie sperrt und wehrt, da\u00df sie kein Geld, Gunst noch Ehre, dazu kaum das Leben behalten; wiederum, die dem Mammon Dienen, haben Gewalt, Gunst, Ehre und Gut und alle Gemach [Annehmlichkeiten] vor der Welt. Derhalben muss man solche Worte fassen, eben wider solchen Schein gestellt, und wissen, da\u00df sie nicht l\u00fcgen noch tr\u00fcgen, sondern wahr m\u00fcssen werden.<\/p>\n<p>43] Denke du selbst zur\u00fcck oder frage ihm nach und sage mir: die alle ihre Sorge und Fleiss darauf gelegt haben, da\u00df sie gross Gut und Geld zusammenscharrten, was haben sie endlich geschafft? So wirst du finden, da\u00df sie M\u00fche und Arbeit verloren haben, oder, ob sie gleich gross Sch\u00e4tze zu Haufe [ge]bracht, doch zerstoben und zerflogen sind, also da\u00df sie selbst ihres Gutes nie sind froh [ge]worden und [es]hernach nicht an die dritten Erben gereicht hat.<\/p>\n<p>44] Exempel wirst du genug finden in allen Historien, auch von alten erfahrenen Leuten; siehe sie nur an und habe Achtung drauf.<\/p>\n<p>45] Saul war ein grosser K\u00f6nig, von Gott erw\u00e4hlt, und ein frommer Mann; aber da er eingesessen war [da er sich festgesetzt hatte] und sein Herz liess sinken, hing sich an seine Krone und Gewalt, musste er untergehen mit allem, das er hatte, da\u00df auch seiner Kinder keins blieb.<\/p>\n<p>46] Wiederum David war ein armer, verachteter Mann, verjagt und gescheucht, da\u00df er seines Lebens nirgends sicher war; noch [dennoch] musste er vor dem Saul bleiben und K\u00f6nig werden. Denn diese Worte mussten bleiben und wahr werden, weil Gott nicht l\u00fcgen noch tr\u00fcgen kann. Lass dich nur den Teufel und Welt mit ihrem Schein, der wohl eine Zeitlang w\u00e4hrt, aber endlich nichts ist, nicht betr\u00fcgen!<\/p>\n<p>47] Darum lasst uns das erste Gebot wohl lernen, da\u00df wir sehen, wie Gott keine Vermessenheit noch Vertra\u00fcn auf einig ander Ding leiden will und nicht H\u00f6heres von uns fordert denn eine herzliche Zuversicht alles Guten, also da\u00df wir richtig und stracks vor uns gehen und aller G\u00fcter, so Gott gibt, [ge]brauchen, nicht weiter, denn wie ein Schuster seiner Nadel, Ahle und Draht braucht zur Arbeit und danach hinweglegt, oder wie ein Gast der Herberge, Futter und Lager, allein zur zeitlichen Notdurft, ein jeglicher in seinem Stand nach Gottes Ordnung, und lasse nur keines seinen Herrn oder Abgott sein. 48] Das sei genug vom ersten Gebot, welches wir mit Worten haben m\u00fcssen ausstrichen, weil daran allermeist die Macht liegt, darum da\u00df (wie vor[hin] gesagt), wo das Herz wohl mit Gott dran ist und dies Gebot gehalten wird, so gehen die andern alle hernach. <\/p>\n<p>Das zweite Gebot.<\/p>\n<p>49] Du sollst Gottes Namen nicht vergeblich f\u00fchren.<\/p>\n<p>50] Gleichwie das erste Gebot das Herz unterweiset und den Glauben gelehrt hat, also f\u00fchrt uns dies Gebot heraus und richtet den Mund und die Zunge gegen Gott. Denn das erste, so aus dem Herzen bricht und sich erzeigt, sind die Worte. Wie ich nun droben gelehrt habe zu antworten, was da heisse einen Gott haben, also musst du auch den Verstand dieses und aller Gebote lernen einf\u00e4ltig fassen und von dir sagen [auf dich anwenden].<\/p>\n<p>51] Wenn man nun fragt: Wie verstehst du das andere Gebot, und was heisst Gottes Namen vergeblich f\u00fchren oder missbrauchen? antworte aufs k\u00fcrzeste also: Das heisst Gottes Namen missbrauchen, wenn man Gott den Hern nennt, welcherlei Weise es geschehen mag, zur L\u00fcge oder allerlei Untugend. Darum ist so viel geboten, da\u00df man Gottes Namen nicht f\u00e4lschlich anziehe oder in [den] Mund nehme, da das Herz wohl anders weiss oder je anders wissen soll; als unter denen, die vor Gericht schw\u00f6ren, und ein Teil dem andern leugt [l\u00fcgt]. 52] Denn Gottes Namen kann man nicht h\u00f6her missbrauchen, denn damit zu l\u00fcgen und tr\u00fcgen. Das lass das Deutsch und leichtesten Verstand dieses Gebots bleiben.<\/p>\n<p>53] Aus diesem kann nun jedermann selbst wohl ausrechnen, wann und wie mancherlei Gottes Name missbraucht wird, wiewohl alle Missbr\u00e4uche zu erz\u00e4hlen nicht m\u00f6glich ist. Doch k\u00fcrzlich au\u00dfurichten, geschieht aller Missbrauch g\u00f6ttlichen Namens erstlich in weltlichen H\u00e4ndeln und Sachen, so Geld, Gut, Ehre betreffen, es sei \u00f6ffentlich vor Gericht, auf dem Markt oder sonst, da man schw\u00f6rt und falsche Eide tut auf Gottes Namen oder die Sache auf seine Seele nimmt. Und sonderlich ist solches viel ganghaftig in Ehesachen, da ihrer zwei hingehen, einander heimlich geloben und danach verschw\u00f6ren.<\/p>\n<p>54] Allermeist aber geht der Missbrauch in geistlichen Sachen, die das Gewissen belangen, wenn falsche Prediger aufstehen und ihren L\u00fcgentand f\u00fcr Gottes Wort dargeben [ausgeben, darlegen].<\/p>\n<p>55] Siehe, das heisst sich alles mit Gottes Namen geschm\u00fcckt oder sch\u00f6n wollen sein und recht haben, es geschehe in groben Welth\u00e4ndeln oder hohen, subtilen Sachen des Glaubens und der Lehre. Und unter die L\u00fcgner geh\u00f6ren auch die L\u00e4sterm\u00e4uler, nicht allein die gar groben, jedermann wohl bekannt, die da ohne Scheu Gottes Namen sch\u00e4nden (welche nicht in unsere, sondern des Henkers Schule geh\u00f6ren), sondern auch die, so die Wahrheit und Gottes Wort \u00f6ffentlich l\u00e4stern und dem Teufel geben. Davon jetzt nicht not, weiter zu sagen.<\/p>\n<p>56] Hier lass uns nun lernen und zu Herzen fassen, wie gross an diesem Gebot gelegen ist, da\u00df wir uns mit allem Fleiss h\u00fcten und sche\u00fcn vor allerlei Missbrauch des heiligen Namens, als vor der h\u00f6chsten S\u00fcnde, so \u00e4usserlich geschehen kann. Denn l\u00fcgen und tr\u00fcgen ist an ihm selbst grosse S\u00fcnde, wird aber viel schwerer, wenn man sie noch rechtfertigen will und, sie zu best\u00e4tigen, Gottes Namen anzeucht [anzieht] und zum Schanddeckel macht, also da\u00df aus einer L\u00fcge eine zweif\u00e4ltige ja vielf\u00e4ltige L\u00fcge wird.<\/p>\n<p>57] Darum hat Gott diesem Gebot auch ein ernstlich Dr\u00e4uwort angeh\u00e4ngt, das heisst also: &#8220;Denn der Her wird den nicht unschuldig halten, der seinen Namen vergeblich f\u00fchrt.&#8221; Das ist, es soll keinem geschenkt werden noch ungestraft abgehen. Denn sowenig er will ungerochen [unger\u00e4cht] lassen, da\u00df man das Herz von ihm wende, so wenig will er leiden, da\u00df man seinen Namen f\u00fchre, die L\u00fcgen zu besch\u00f6nen [schm\u00fccken]. 58] Nun ist es leider eine gemeine Plage in aller Welt, da\u00df ja so wenig sind, die nicht Gottes Namen zur L\u00fcge und aller Bosheit brauchen, so wenig als ihrer sind, die allein von Herzen auf Gott vertra\u00fcn.<\/p>\n<p>59] Denn diese sch\u00f6ne Tugend haben wir von Natur alle an uns, da\u00df, wer eine Schalkheit getan hat, gerne wollte seine Schande decken [zudecken, verbergen] und schm\u00fccken, da\u00df niemand [es] s\u00e4he noch w\u00fcsste, und ist keiner so verwegen, der sich begangener Bosheit vor jedermann r\u00fchme, wollen\u2019s alle meuchlings [heimlich] getan haben, ehe [lieber als da\u00df] man\u2019s gewahr wird. Greift man dann einen an, so muss Gott mit seinem Namen herhalten und die B\u00fcberei fromm, die Schande zu Ehren machen. 60] Das ist der gemeine Weltlauf, wie eine grosse Sintflut eingerissen in allen Landen. Darum haben wir auch zu Lohn, was wir suchen und verdienen: Pestilenz, Krieg, Teurung, Fe\u00fcr, Wasser, ungeraten Weib, Kinder, Gesinde und allerlei Unrat. Wo sollte sonst des Jammers so viel herkommen? Es ist noch grosse Gnade, da\u00df uns die Erde tr\u00e4gt und n\u00e4hrt.<\/p>\n<p>61] Darum sollte man vor allen Dingen das junge Volk ernstlich dazu halten und gew\u00f6hnen, da\u00df sie dieses und andere Gebote hoch vor Augen h\u00e4tten und, wo sie \u00fcbertreten, flugs mit der Rute hinter ihnen her sein und das Gebot vorhalten und immer einble\u00fcn [einpr\u00e4gen], auf da\u00df sie also aufgezogen w\u00fcrden nicht allein mit Strafe, sondern auch zur Scheu und Furcht vor Gott.<\/p>\n<p>62] So verstehst du nun, was Gottes Namen missbrauchen heisse, n\u00e4mlich (aufs k\u00fcrzeste zu wiederholen) entweder bloss zur L\u00fcge und etwas unter dem Namen ausgeben, das nicht ist, oder zu fluchen, schw\u00f6ren, zaubern und Summa, wie man mag Bosheit au\u00dfurichten.<\/p>\n<p>63] Daneben musst du auch wissen, wie man des Namens recht brauche [gebrauche]. Denn neben dem Wort, als er sagt: &#8220;Du sollst Gottes Namen nicht vergeblich brauchen&#8221;, gibt er gleichwohl zu verstehen, da\u00df man sein wohl brauchen solle. Denn er ist uns eben darum offenbart und gegeben, da\u00df er im Brauch und Nutz soll stehen. 64] Darum schleusst [schliesst] sich\u2019s nun selbst, weil hier verboten ist, den heiligen Namen zur L\u00fcge oder Untugend zu f\u00fchren, da\u00df widerum [umgekehrt] geboten ist, ihn zur Wahrheit und allem Guten zu brauchen, als n\u00e4mlich, so man recht schw\u00f6rt, wo es not ist und gefordert wird; also auch, wenn man recht lehrt, item, wenn man den Namen anruft in N\u00f6ten, lobt und dankt im Guten [in guten Tagen] usw. Welches alles zuhauf gefasst und geboten ist in dem Spruch, Ps. 50: &#8220;Rufe mich an zur Zeit der Not, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen.&#8221; Denn das heisst alles ihn zur Wahrheit angezogen und seliglich gebraucht, und wird also sein Name geheiligt, wie das Vaterunser betet.<\/p>\n<p>65] Also hast du die Summa des ganzen Gebots erkl\u00e4rt. Und aus diesem Verstand hat man die Frage leichtlich aufgel\u00f6st, damit sich viel Lehrer bek\u00fcmmert haben: warum im Evangelio verboten ist zu schw\u00f6ren, so doch Christus, St. Paulus und andere Heilige oft geschworen haben. 66] Und ist k\u00fcrzlich diese Meinung: Schw\u00f6ren soll man nicht zum B\u00f6sen, das ist, zur L\u00fcge, und wo es nicht not noch n\u00fctz ist, aber zum Guten und des N\u00e4chsten Besserung soll man schw\u00f6ren. Denn es ist ein recht gut Werk, dadurch Gott gepreiset, die Wahrheit und Recht best\u00e4tigt, die L\u00fcge zur\u00fcckgeschlagen, die Leute zufrieden [ge]bracht, Gehorsam geleistet und Hader vertragen wird. Denn Gott kommt selbst da ins Mittel und scheidet Recht und Unrecht B\u00f6ses und Gutes voneinander. 67] Schw\u00f6rt ein Teil falsch, so hat es sein Urteil, da\u00df [es] der Strafe nicht wird entlaufen, und ob es eine Weile lang ansteht, soll ihnen doch nichts gelingen da\u00df alles, so sie damit gewinnen, sich unter den Handen verschleisse [zerreisse, zerrinne] und nimmer fr\u00f6hlich genossen werde, 68] wie ich an vielen erfahren habe, die ihr ehelich Gel\u00fcbde verschworen haben, da\u00df sie danach keine gute Stunde oder gesunden Tag gehabt haben und also beide an Leib, Seele und Gut dazu j\u00e4mmerlich verdorben sind.<\/p>\n<p>69] Derhalben sage und vermahne ich wie vor, da\u00df man die Kinder beizeit[en] angew\u00f6hne mit Warnen und Schrecken, Wehren und Strafen, da\u00df sie sich sche\u00fcn vor L\u00fcgen, und sonderlich, Gottes Namen dazu zu f\u00fchren. Denn wo man sie so l\u00e4sst hingehen, wird nichts Gutes daraus, wie jetzt vor Augen, da\u00df die Welt b\u00f6ser ist, denn sie je gewesen, und kein Regiment, Gehorsam, Tre\u00fc noch Glaube, sondern eitel verwegene, unb\u00e4ndige Leute, an denen kein Lehren noch Strafen hilft; welches alles Gottes Zorn und Strafe ist \u00fcber solche mutwillige Verachtung dieses Gebots.<\/p>\n<p>70] Zum andern soll man sie auch wiederum treiben und reizen, Gottes Namen zu ehren und stetig im Munde zu haben in allem, was ihnen begegnen und unter Augen stossen mag. Denn das ist die rechte Ehre des Namens, da\u00df man sich alles Trostes zu ihm versehe und ihn darum anrufe, also da\u00df das Herz (wie droben geh\u00f6rt) zuvor durch den Glauben Gott seine Ehre gebe, danach der Mund durch das Bekenntnis.<\/p>\n<p>71] Solches ist auch eine selige, n\u00fctzliche Gewohnheit und sehr kr\u00e4ftig wider den Teufel, der immerdar um uns ist und darauf la\u00fcrt, wie er uns m\u00f6chte zu S\u00fcnde und Schande, Jammer und Not bringen, aber gar ungern h\u00f6rt und nicht lange bleiben kann, wo man Gottes Namen von Herzen nennt und anruft; und sollte uns mancher schreckliche und greuliche Fall begegnen, wo uns Gott nicht durch Anrufen seines Namens erhielte. 72] Ich habe es selbst versucht und wohl erfahren, da\u00df oft pl\u00f6tzlicher grosser Unfall gleich in solchem Rufen sich gewendet hat und ab[be]gangen ist. Dem Teufel zuleid (sage ich) sollten wir den heiligen Namen immerdar im Munde f\u00fchren, da\u00df er nicht schaden k\u00f6nnte, wie er gerne wollte.<\/p>\n<p>73] Dazu dient auch, da\u00df man sich gew\u00f6hne, t\u00e4glich [sich] Gotte zu befehlen mit Seele und Leib, Weib, Kind, Gesinde, und was wir haben, f\u00fcr alle zuf\u00e4llige Not; daher auch das Benedicite, Gratias und andere Segen abends und morgens [ge]kommen und [ge]blieben sind; 74] item, die Kinder\u00fcbung, da\u00df man sich segne, wenn man etwas Ungeheures und Schreckliches sieht oder h\u00f6rt, und spreche: Her Gott, beh\u00fcte! Hilf, lieber Her Christe! oder dergleichen. Also auch wiederum, wenn jemand etwas Gutes ungedacht [unerwartet] widerf\u00e4hrt, wie gering es auch ist, da\u00df man spreche: Gott sei gelobt und gedankt; das hat mit Gott beschert! usw. Wie man vormals die Kinder gew\u00f6hnt hat, St. Niklaus und andern Heiligen zu fasten und [zu ihnen zu] beten. Solches w\u00e4re Gott angenehmer und gef\u00e4lliger denn kein Klosterleben noch Kart\u00e4userheiligkeit.<\/p>\n<p>75] Siehe, also m\u00f6chte man die Jugend kindlicher Weise und spielens [wie im Spiel] aufziehen in Gottesfurcht und Ehre, da\u00df das erste und andere Gebot sein im Schwang und steter \u00dcbung gingen. Da k\u00f6nnte etwas Gutes bekleiben [festkleben, anwachsen], aufgehen und Frucht schaffen, da\u00df solche Leute erw\u00fcchsen, deren ein ganz Land geniessen und froh werden m\u00f6chte. 76] Das w\u00e4re auch die rechte Weise, Kinder wohl zu ziehen, weil man sie mit Gutem und Lust kann gew\u00f6hnen. Denn was man allein mit Ruten und Schl\u00e4gen soll zwingen, da wird keine gute Art aus, und wenn man\u2019s weit bringt, so bleiben sie doch nicht l\u00e4nger fromm, denn die Rute auf dem Nacken liegt.<\/p>\n<p>77] Aber hier wurzelt es ins Herz, da\u00df man sich mehr vor Gott denn vor der Rute und Kn\u00fcttel f\u00fcrchtet. Das sage ich so einf\u00e4ltig f\u00fcr die Jugend, da\u00df es doch einmal eingehe; denn weil wir Kindern predigen, m\u00fcssen wir auch mit ihnen lallen. Also haben wir den Missbrauch g\u00f6ttlichen Namens verh\u00fctet und den rechten [Ge]Brauch gelehrt, welcher nicht allein in Worten, sondern auch in der \u00dcbung und Leben stehen soll, da\u00df man wisse, da\u00df solches Gotte herzlich wohlgefalle, und wolle es so reichlich belohnen, so greulich als er jenen Missbrauch strafen will. <\/p>\n<p>Das dritte Gebot.<\/p>\n<p>78] Du sollst den Feiertag heiligen.<\/p>\n<p>79] Feiertag haben wir genannt nach dem hebr\u00e4ischen W\u00f6rtlein Sabbat, welches eigentlich heisst feiern, das ist, m\u00fcssig stehen von der Arbeit; daher wir pflegen zu sagen, Feierabend machen oder heiligen Abend geben. 80] Nun hat Gott im Alten Testament den siebenten Tag ausgesondert und aufgesetzt [eingesetzt, angeordnet] zu feiern, und geboten, denselben vor allen andern heilig zu halten, und dieser \u00e4usserlichen Feier nach ist dies Gebot allein den Juden gestellt, da\u00df sie sollten von groben Werken stillstehen und ruhen, auf da\u00df sich beide Mensch und Vieh wieder erholeten und nicht von steter Arbeit geschw\u00e4cht w\u00fcrden. 81] Wiewohl sie es hernach allz\u00fcnge spannten und gr\u00f6blich missbrauchten, da\u00df sie es auch an Christo l\u00e4sterten und nicht leiden konnten solche Werke, die sie doch selbst daran taten, wie man im Evangelio liest; gerade als sollte das Gebot damit erf\u00fcllt sein, da\u00df man gar kein \u00e4usserlich Werk t\u00e4te, welches doch nicht die Meinung war, sondern endlich [letztlich] die, da\u00df sie den Feier= oder Ruhetag heiligen, wie wir h\u00f6ren werden.<\/p>\n<p>82] Darum geht nun dies Gebot nach dem groben Verstand uns Christen nichts an, denn es ein ganz \u00e4usserlich Ding ist, wie andere Satzungen des Alten Testaments an sonderliche Weise, Person, Zeit und St\u00e4tte gebunden, welche nun durch Christum alle freigelassen sind.<\/p>\n<p>83] Aber einen christlichen Verstand zu fassen f\u00fcr die Einf\u00e4ltigen, was Gott in diesem Gebot von uns fordert, so merke, da\u00df wir Feiertag halten nicht um der verst\u00e4ndigen und gelehrten Christen willen, denn diese [be]d\u00fcrfen\u2019s nirgend zu, sondern erstlich auch um leiblicher Ursache und Notdurft willen, welche die Natur lehrt und fordert, f\u00fcr den gemeinen Haufen, Knechte und M\u00e4gde, so die ganze Woche ihrer Arbeit und Gewerbe gewartet, da\u00df sie sich auch einen Tag einziehen [zur\u00fcckziehen], zu ruhen und [sich zu] erquicken.<\/p>\n<p>84] Danach allermeist darum, da\u00df man an solchem Ruhetage (weil man sonst nicht dazu kommen kann) Raum und Zeit nehme, [des] Gottesdienstes zu warten, also da\u00df man zu Haufe komme, Gottes Wort zu h\u00f6ren und handeln, danach Gott loben, singen und beten.<\/p>\n<p>85] Solches aber (sage ich) ist nicht also an Zeit gebunden wie bei den Juden, da\u00df es m\u00fcsse eben dieser oder jener Tag sein; denn es ist keiner an ihm selbst besser denn der andere, sondern sollte wohl t\u00e4glich geschehen, aber weil es der Haufe nicht warten [beobachten, einhalten] kann, muss man je zum wenigsten einen Tag in der Woche dazu ausschiessen [aussondern, ausw\u00e4hlen]. Weil aber von alters her der Sonntag dazu gestellt ist, soll man\u2019s auch dabei bleiben lassen, auf da\u00df es in eintr\u00e4chtiger Ordnung gehe, und niemand durch unn\u00f6tige Ne\u00fcrung eine Unordnung mache.<\/p>\n<p>86] Also ist das die einf\u00e4ltige Meinung dieses Gebots, weil man sonst [ohnehin] Feiertage h\u00e4lt, da\u00df man solche Feier anlege, Gottes Wort zu lernen, also da\u00df dieses Tages eigentlich Amt sei das Predigtamt um des jungen Volks und armen Haufens willen; doch da\u00df das Feiern nicht so enge gespannt [werde], da\u00df darum andere zuf\u00e4llige Arbeit, so man nicht umgehen kann, verboten w\u00e4re.<\/p>\n<p>87] Derhalben wenn man fragt, was da gesagt sei; &#8220;Du sollst den Feiertag heiligen&#8221;, so antworte: Den Feiertag heiligen heisst so viel, als heilig halten. Was ist denn heilig halten? Nichts anderes, denn heilige Worte, Werke und Leben f\u00fchren. Den der Tag [be]darf f\u00fcr sich selbst keines Heiligens nicht, denn er ist an ihm selbst heilig geschaffen; Gott will aber haben, da\u00df er dir heilig sei. Also wird er deinethalben heilig und unheilig, so du heilig oder unheilig Ding daran treibst.<\/p>\n<p>88] Wie geht nun solches Heiligen zu? Nicht also, da\u00df man hinter dem Ofen sitze und keine grobe Arbeit t\u00fc oder einen Kranz aufsetze und seine besten Kleider anziehe, sondern (wie gesagt) da\u00df man Gottes Wort handle und sich darin \u00fcbe.<\/p>\n<p>89] Und zwar [f\u00fcrwahr] wir Christen sollen immerdar solchen Feiertag halten, eitel heilig Ding treiben, das ist, t\u00e4glich mit Gottes Wort umgehen und solches im Herzen und Mund umtragen. Aber weil wir (wie gesagt) nicht alle Zeit und Musse haben, m\u00fcssen wir die Woche etliche Stunden f\u00fcr die Jugend oder zum wenigsten einen Tag f\u00fcr den ganzen Haufen dazu [ge]brauchen, da\u00df man sich allein damit bek\u00fcmmere und eben [besonders] die zehn Gebote, den Glauben und Vaterunser treibe und also unser ganzes Leben und Wesen nach Gottes Wort richte. Welche Zeit nun das im Schwang und \u00dcbung geht, da wird ein rechter Feiertag gehalten; wo nicht, so soll es kein Christenfeiertag heissen. 90] Denn feiern und m\u00fcssig gehen k\u00f6nnen die Unchristen auch wohl, wie auch das ganze Geschwarm unserer Geistlichen t\u00e4glich in der Kirche stehen, singen und klingen, heiligen aber keinen Feiertag nicht; denn sie kein Gottswort predigen noch \u00fcben, sondern eben [gerade] dawider lehren und leben.<\/p>\n<p>91] Denn das Wort Gottes ist das Heiligtum \u00fcber alle Heiligt\u00fcmer, ja das einzige, das wir Christen wissen und haben. Denn ob wir gleich aller Heiligen Gebeine oder heilige und geweihte Kleider auf einem Haufen h\u00e4tten, so w\u00e4re uns doch nichts damit geholfen; denn es ist alles tot Ding, das niemand heiligen kann. Aber Gottes Wort ist der Schatz, der alle Dinge heilig macht dadurch sie selbst, die Heiligen, alle sind geheiligt worden. 92] Welche Stunde man nun Gottes Wort handelt, predigt, h\u00f6rt, liest oder bedenkt, so wird dadurch Person, Tag und Werk geheiligt, nicht des \u00e4usserlichen Werks halben, sondern des Worts halben, so uns alle zu Heiligen macht. Derhalben sage ich allezeit, da\u00df alle unser Leben und Werke in dem Wort Gottes gehen m\u00fcssen, sollen sie Gott gef\u00e4llig oder heilig heissen. Wo das geschieht, so geht dies Gebot in seiner Kraft und Erf\u00fcllung.<\/p>\n<p>93] Wiederum, was f\u00fcr Wesen und Werk ausser Gottes Wort geht, das ist vor Gott unheilig, es scheine und gleisse, wie es wolle, wenn man\u2019s mit eitel Heiligtum behinge, als da sind die erdichteten geistlichen St\u00e4nde, die Gottes Wort nicht wissen und in ihren Werken Heiligkeit suchen.<\/p>\n<p>94] Darum merke, da\u00df die Kraft und Macht diese Gebots steht nicht im Feiern, sondern im Heiligen, also da\u00df dieser Tag eine sonderliche heilige \u00dcbung habe. Denn andere Arbeit und Gesch\u00e4fte heissen eigentlich nicht heilige \u00dcbungen, es sei denn der Mensch zuvor heilig. Hier aber muss ein solch Werk geschehen, dadurch ein Mensch selbst heilig werde, welches allein (wie geh\u00f6rt) durch Gottes Wort geschieht, dazu denn gestiftet und geordnet sind St\u00e4tte, Zeit, Personen und der ganze \u00e4usserliche Gottesdienst, da\u00df solches auch \u00f6ffentlich im Schwang gehe.<\/p>\n<p>95] Weil nun so viel an Gottes Wort gelegen ist, da\u00df ohne dasselbe kein Feiertag geheiligt wird, sollen wir wissen, da\u00df Gott dies Gebot streng will gehalten haben und strafen alle, die sein Wort verachten, nicht h\u00f6ren noch lernen wollen, sonderlich die Zeit [zu der Zeit], so dazu geordnet ist.<\/p>\n<p>96] Darum s\u00fcndigen wider dies Gebot nicht allein, die den Feiertag gr\u00f6blich missbrauchen und verunheiligen, als die um ihres Geizes oder Leichtfertigkeit willen Gottes Wort nachlassen zu h\u00f6ren oder in Tabernen [Schenken] liegen, toll und voll sind wie die S\u00e4\u00fc, sondern auch der andere Haufe, so Gottes Wort h\u00f6ren als einen andern Tand [eitles Gerede] und nur aus Gewohnheit zur Predigt und wider heraus gehen, und wenn das Jahr um ist, k\u00f6nnen sie he\u00fcr [dies Jahr] so viel als fernd [vorm Jahr]. 97] Denn bisher hat man gemeint, es w\u00e4re wohl gefeiert, wenn man des Sonntags ein Messe oder das Evangelium h\u00e4tte h\u00f6ren lesen, aber nach Gottes Wort hat niemand gefragt, wie es auch niemand gelehrt hat. Jetzt, weil wir Gottes Wort haben, tun wir gleichwohl den Missbrauch nicht ab, lassen uns immerdar predigen und vermahnen, h\u00f6ren\u2019s aber ohne Ernst und Sorge.<\/p>\n<p>98] Darum wisse, da\u00df [es] nicht allein ums H\u00f6ren zu tun ist, sondern [es] soll auch gelernt und behalten werden, und denke nicht, da\u00df es in deiner Willk\u00fcr stehe oder nicht grosse Macht dran liege, sondern da\u00df [es] Gottes Gebot ist, der es fordern wird, wie du sein Wort geh\u00f6rt, gelernt und geh\u00f6rt hast.<\/p>\n<p>99] Desgleichen sind auch zu strafen die ekeln [w\u00e4hlerischen] Geister, welche, wenn sie eine Predigt oder zwei geh\u00f6rt haben, sind sie es satt und \u00fcberdr\u00fcssig, als die es selbst wohl k\u00f6nnen und keines Meisters mehr [be]d\u00fcrfen. Denn das ist eben die S\u00fcnde, so man bisher unter die Tods\u00fcnden gez\u00e4hlt hat, und heisst ajkhdiva, das ist, Tr\u00e4gheit oder \u00dcberdruss, eine feindselige, sch\u00e4dliche Plage, damit der Teufel vieler Herzen bezaubert und betreugt [betr\u00fcgt], auf da\u00df er uns \u00fcbereile und das Wort Gottes wider heimlich entziehe.<\/p>\n<p>100] Denn das lass dir gesagt sein, ob du es gleich aufs beste k\u00f6nntest und aller Dinge Meister w\u00e4rest, so bist du doch t\u00e4glich unter des Teufels Reich, der weder Tag noch Nacht ruht, dich zu beschleichen [dir heimlich zu nahen], da\u00df er in deinem Herzen Unglauben und b\u00f6se Gedanken wider die vorigen und alle Gebote anz\u00fcnde. Darum musst du immerdar Gottes Wort im Herzen, Mund und vor den Ohren haben. Wo aber das Herz m\u00fcssig steht und das Wort nicht klingt, so bricht er ein und hat den Schaden getan, ehe man\u2019s gewahr wird. 101] Wiederum hat es die Kraft, wo man\u2019s mit Ernst betrachtet, h\u00f6rt und handelt, da\u00df es nimmer ohne Frucht abgeht, sondern allezeit ne\u00fcn Verstand, Lust und Andacht erweckt, rein Herz und Gedanken macht; denn es sind nicht faule noch tote, sondern [ge]sch\u00e4ftige, lebendige Worte. 102] Und ob uns gleich kein anderer Nutz und Not triebe, so soll doch das jedermann dazu reizen, da\u00df dadurch der Teufel gescheucht und verjagt, dazu dies Gebot erf\u00fcllt wird, und [es] Gott gef\u00e4lliger ist denn alle andern gleissenden Heuchelwerke. <\/p>\n<p>Das vierte Gebot.<\/p>\n<p>103] Bisher haben wir die ersten drei Gebote gelernt, die da gegen Gott gerichtet sind. Zum ersten, da\u00df man ihm von ganzem Herzen vertra\u00fc, ihn f\u00fcrchte und liebe in all unserm Leben. Zum andern da\u00df man seines heiligen Namens nicht missbrauche zur L\u00fcge noch einigem b\u00f6sen St\u00fccke, sondern zu Gottes Lob, Nutz und Seligkeit des N\u00e4chsten und seiner selbst. Zum dritten, da\u00df man an der Feier und Ruhe Gottes Wort mit Fleiss handle und treibe, auf da\u00df all unser Tun und Leben danach gehe. Folgen nun die andern sieben, gegen unsern N\u00e4chsten gestellt, unter welchen das erste und h\u00f6chste ist:<\/p>\n<p>104] Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.<\/p>\n<p>105] Diesem Vater= und Mutterstand hat Gott sonderlich den Preis gegeben vor allen St\u00e4nden, die unter ihm sind, da\u00df er nicht schlechts gebeut [nicht bloss gebietet], die Eltern liebzuhaben, sondern zu ehren. Denn gegen Br\u00fcder, Schwestern und den N\u00e4chsten insgemein befiehlt er nichts H\u00f6heres, denn sie zu lieben, also da\u00df er Vater und Mutter scheidet und au\u00dfeucht [ausnimmt, ausw\u00e4hlt] vor allen andern Personen auf Erden und neben sich setzt. 106] Denn es ist viel ein h\u00f6her Ding, ehren, denn lieben, als das nicht allein die Liebe begreift, sondern auch eine Zucht [H\u00f6flichkeit], Demut und Scheu, als gegen eine Majest\u00e4t, allda verborgen, auch nicht allein fordert, da\u00df man sie freundlich und mit Ehrerbietung anspreche, sondern allermeist, da\u00df man sich beide von Herzen und mit dem Leibe also stelle und erzeige, da\u00df man viel von ihnen halte und nach Gott f\u00fcr die Obersten ansehe. Denn welchen man von Herzen ehren soll, den muss man wahrlich f\u00fcr hoch und gross achten.<\/p>\n<p>108] Also da\u00df man dem jungen Volk einbilde [einpr\u00e4ge], ihre Eltern an Gottes Statt vor Augen zu halten und also [zu] denken, ob sie gleich gering, arm, gebrechlich und wunderlich seien, da\u00df sie dennoch Vater und Mutter sind, von Gott gegeben. Des Wandels oder Fehls [Gebrechens] halben sind sie der Ehren nicht beraubt. Darum ist nicht anzusehen die Person, wie sie sind, sondern Gottes Wille, der es also schafft und ordnet. Sonst sind wir zwar vor Gottes Augen alle gleich, aber unter uns kann es ohne solche Ungleichheit und ordentlichen Unterschied nicht sein, darum sie auch von Gott geboten ist zu halten, da\u00df du mir als deinem Vater gehorsam seiest, und ich die Oberhand habe.<\/p>\n<p>109] So lerne nun zum ersten, was die Ehre gegen den [die] Eltern heisse, in diesem Gebot gefordert, n\u00e4mlich da\u00df man sie vor allen Dingen herrlich und wert halte als den h\u00f6chsten Schatz auf Erden, 110] danach auch mit Worten sich z\u00fcchtig [h\u00f6flich] gegen sie stelle, [sie] nicht \u00fcbel anfahre, noch mit ihnen poche noch poltere, sondern lasse sie recht haben und schweige, ob sie gleich zu viel tun. 111] Zum dritten auch mit Werken, das ist, mit Leib und Gut solche Ehre beweise, da\u00df man ihnen diene, helfe und [sie] versorge, wen sie alt krank, gebrechlich oder arm sind, und solches alles nicht allein gern, sondern mit Demut und Ehrerbietung, als vor Gott getan. Denn wer das weiss, wie er sie im Herzen halten soll, wird sie nicht lassen Not noch Hunger leiden, sondern \u00fcber und neben sich setzen und ihnen mitteilen, was er hat und vermag [besitzt].<\/p>\n<p>112] Zum andern siehe und merke, wie gross, gut und heilig Werk allhier den Kindern vorgelegt ist, welches man leider gar verachtet und in [den] Wind schl\u00e4gt, und niemand wahrnimmt, da\u00df es Gott geboten habe, oder da\u00df es ein heilig, g\u00f6ttlich Wort und Lehre sei. Denn wenn man\u2019s daf\u00fcrgehalten h\u00e4tte, h\u00e4tte ein jeglicher daraus k\u00f6nnen nehmen, da\u00df [es] auch heilige Leute m\u00fcssten sein, die nach diesen Worten lebten. So h\u00e4tte man kein Klosterleben noch geistliche St\u00e4nde d\u00fcrfen [brauchen] aufwerfen, w\u00e4re ein jeglich Kind bei diesem Gebot [ge]blieben und h\u00e4tte sein Gewissen k\u00f6nnen richten gegen Gott und sprechen: Soll ich gute und heilige Werke tun, so weiss ich je keinen besseres, denn meinen Eltern alle Ehre und Gehorsam zu leisten, weil es Gott selbst geheissen hat. 113] Denn was Gott gebeut [gebietet], muss viel und weit edler sein denn alles, was wir selbst m\u00f6gen erdenken, und weil kein h\u00f6herer noch besserer Meister zu finden ist den Gott, wird freilich auch keine bessere Lehre sein, denn er von sich gibt. Nun lehrt er je reichlich, was man tun soll, wenn man rechtschaffene gute Werke will \u00fcben, und in dem da\u00df er\u2019s gebeut, zeuget er, da\u00df sie ihm wohlgefallen. Ist es denn Gott der solches gebeut und kein Besseres weiss zu stellen, so werde ich\u2019s je nicht besser machen.<\/p>\n<p>114] Siehe, also h\u00e4tte man ein frommes Kind recht gelehrt, seliglich erzogen und daheim behalten im Gehorsam und Dienst der Eltern, da\u00df man Gutes und Freude daran gesehen h\u00e4tte. Aber also hat man Gottes Gebot nicht m\u00fcssen aufmutzen [herausstreichen], sondern liegen lassen oder \u00fcberhinrauschen, da\u00df [es] ein Kind nicht bedenken [\u00fcberlegen, verstehen] konnte und dieweil das Maul aufsperren nach dem das wir aufgeworfen haben, und Gott keinmal darum begr\u00fcsst [angesprochen].<\/p>\n<p>115] Darum lasst uns einmal lernen um Gottes willen, da\u00df das junge Volk, alle andern Dinge aus den Augen gesetzt, erstlich auf dies Gebot sehen, wenn sie Gott mit rechten guten Werken dienen wollen, da\u00df sie tun, was Vater und Mutter, oder denen sie an ihrer Statt untertan sind, lieb ist. Denn welches Kind das weiss und tut, hat zum ersten den grossen Trost im Herzen, da\u00df es fr\u00f6hlich sagen und r\u00fchmen kann (zum Trotz und [zu]wider allen, die mit eigen erw\u00e4hlten Werken umgehen): Siehe, das Werk gef\u00e4llt meinem Gott im Himmel wohl, das weiss ich f\u00fcrwahr. 116] Lass sie mit ihren vielen, grossen, sauren, schweren Werken alle auf einen Haufen hertreten und r\u00fchmen, lass sehen, ob sie irgendeins hervorbringen k\u00f6nnten, das gr\u00f6sser und edler sei denn Vater und Mutter Gehorsam, so Gott n\u00e4chst seiner Majest\u00e4t Gehorsam gesetzt und befohlen hat, da\u00df, wenn Gottes Wort und Willen geht und ausgerichtet wird, soll keiner mehr gelten denn der Eltern Wille und Wort, also da\u00df er dennoch auch unter Gottes Gehorsam bleibe und nicht wider die vorigen Gebote gehe.<\/p>\n<p>117] Derhalben sollst du von Herzen froh sein und Gott danken, da\u00df er dich dazu erw\u00e4hlt und w\u00fcrdig gemacht hat, ihm solch k\u00f6stlich, angenehm Werk zu tun. Und halte es nur f\u00fcr gross und te\u00fcr, ob es gleich [als] das allergeringste und verachtetste angesehen wird, nicht unserer W\u00fcrdigkeit halben, sondern da\u00df es in dem Kleinod und Heiligtum, n\u00e4mlich Gottes Wort und Gebot, gefasst ist und geht. 118] O wie te\u00fcr sollten\u2019s alle Kart\u00e4user, M\u00f6nche und Nonnen kaufen, da\u00df sie in all ihrem geistlichen Wesen ein einig Werk vor Gott m\u00f6chten bringen, aus seinem Gebot getan und mit fr\u00f6hlichem Herzen vor seinen Augen sprechen: Nun weiss ich, da\u00df dir dies Werk wohlgef\u00e4llt. Wo wollen sie, die armen elenden Leute, bleiben, wenn sie vor Gott und aller Welt schamrot mit allen Schanden stehen werden vor einem jungen Kind, so in diesem Gebot gelebt hat, und bekennen m\u00fcssen, da\u00df sie mit alle ihrem Leben nicht wert sind gewesen, ihm das Wasser zu reichen! 119] Geschieht ihnen auch recht um der teuflischen Verkehrung willen, weil sie Gottes Gebot mit F\u00fcssen treten, da\u00df sie sich vergeblich mit selbsterdachten Werken martern m\u00fcssen, dazu Spott und Schaden zu Lohn haben.<\/p>\n<p>120] Sollte nun nicht ein Herz springen und von Freuden zerfliessen, wenn es zur Arbeit ginge und t\u00e4te, was ihm befohlen w\u00e4re, da\u00df es k\u00f6nnte sagen: Siehe, das ist besser denn aller Kart\u00e4user Heiligkeit, ob sie sich gleich zu Tode fasten und ohne Unterlass auf den Knien beten? Denn hier hast du einen gewissen Text und g\u00f6ttlich Zeugnis, da\u00df er dies geheissen hat, aber von jenem kein Wort befohlen. Aber das ist der Jammer und leidige Blindheit der Welt, da\u00df solches niemand glaubt; so hat uns der Teufel bezaubert mit falscher Heiligkeit und [dem] Schein eigener Werke.<\/p>\n<p>121] Derhalben wollte ich je gerne [sage ich abermal), da\u00df man Augen und Ohren auft\u00e4te und solches zu Herzen n\u00e4hme, auf da\u00df wir nicht dermaleinst wieder von dem reinen Gotteswort auf des Teufels L\u00fcgentand verleitet w\u00fcrden. So w\u00fcrde es auch wohl stehen, da\u00df die Eltern desto mehr Freude, Liebe, Freundschaft und Eintracht in H\u00e4usern h\u00e4tten; so k\u00f6nnten die Kinder den Eltern all ihr Herz nehmen [abgwinnen]. 122] Wiederum, wo sie st\u00f6rrig sind und nicht eher tun, was sie sollen, man lege ihnen denn einen Kn\u00fcttel auf den R\u00fccken, so erz\u00fcrnen sie beide Gott und Eltern, damit sie ihnen selbst solchen Schatz und Freude des Gewissens entziehen und eitel Ungl\u00fcck sammeln. 123] Darum geht es auch jetzt in der Welt also, wie jedermann klagt, da\u00df beide jung und alt gar wild und unb\u00e4ndig ist, keine Scheu noch Ehre hat, nichts tun, denn mit Schl\u00e4gen getrieben, und hinter eines andern R\u00fccken ausrichten [verleumden] und abziehen [verkleinern], was sie k\u00f6nnten, darum auch Gott straft, da\u00df sie in allen Unrat und Jammer kommen. 124] So k\u00f6nnen die Eltern gemeiniglich selbst nichts, zeucht [zieht] ein Tor den andern; wie sie gelebt haben, so leben die Kinder hinnach.<\/p>\n<p>125] Das soll nun (sage ich) das Erste und Gr\u00f6sste sein, das uns zu diesem Gebot soll treiben, um welches willen, wenn wir keinen Vater und Mutter h\u00e4tten, sollten wir w\u00fcnschen, da\u00df uns Gott Holz und Stein vorstellte, die wir Vater und Mutter m\u00f6chten heissen, Wieviel mehr, weil er uns lebendige Eltern [ge]geben hat, sollen wir froh werden, da\u00df wir ihnen m\u00f6gen Ehre und Gehorsam erzeigen, weil wir wissen, da\u00df [es] der hohen Majest\u00e4t und allen Engeln so wohl gef\u00e4llt und alle Teufel verdreusst [verdriesst], 126] dazu das h\u00f6chste Werk ist, so man tun kann nach dem hohen Gottesdienst, in den vorigen Geboten gefasst, also da\u00df Almosengeben und alle andern Werke gegen den n\u00e4chsten diesem noch [dennoch] nicht gleich sind. Denn Gott hat diesen Stand obenan gesetzt, ja, an seine Statt auf Erden gestellt. Solcher Wille Gottes und Gefallen soll uns Ursache und Reizung genug sein, da\u00df wir mit Willen und Lust t\u00e4ten, was wir k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>127] Dazu sind wir\u2019s ja auch schuldig vor der Welt, da\u00df wir der Wohltat und allem Guten, so wir von den Eltern haben, dankbar seien. 128] Aber da regiert abermal der Teufel in der Welt, da\u00df die Kinder der Eltern vergessen, wie wir alle Gottes vergessen, und niemand denkt, wie uns Gott also n\u00e4hrt, [be]h\u00fctet und sch\u00fctzt und so viel Gutes gibt an Leib und Seele; sonderlich, wenn einmal eine b\u00f6se Stunde kommt, da z\u00fcrnen und murren wir mit Ungeduld, und ist alles dahin, was wir unser Leben lang Gutes empfangen haben. Eben also tun wir den Eltern auch, und ist kein Kind, das solches erkenne und bedenke, der Heilige Geist gebe es denn.<\/p>\n<p>129] Solche Unart der Welt kennt Gott wohl; darum erinnert und treibt er sie mit Geboten, da\u00df ein jeglicher denke [erw\u00e4ge], was ihm die Eltern getan haben; so findet er, da\u00df er Leib und Leben von ihnen habe, dazu auch ern\u00e4hrt und aufgezogen sei, da er sonst hundertmal in seinem Unflat erstickt w\u00e4re. 130] Darum ist\u2019s recht und wohl gesagt von alten weisen Leuten: Deo, parentibus et magistris non potest satis gratiae rependi, das ist: Gotte, den Eltern und Schulmeistern kann man nimmer genugsam danken noch vergelten. Wer das ansieht und bedenkt, der wird wohl ungetrieben seinen Eltern alle Ehre tun und sie auf den H\u00e4nden tragen, als durch die ihm Gott alles Gute getan hat.<\/p>\n<p>131] \u00dcber das alles soll das auch eine Grosse Ursache sein, uns desto mehr zu reizen, da\u00df Gott an dieses Gebot eine leibliche Verheissung heftet und spricht: &#8220;Auf da\u00df du langes Leben habest im Lande, da du wohnest.&#8221;<\/p>\n<p>132] Da siehe selbst, wie grosser Ernst [es] Gott sei \u00fcber diesem Gebot, weil er nicht allein ausdr\u00fccke [ausdr\u00fcckt], da\u00df [es] ihm angenehm sei, [und da\u00df er] Freude und Lust darin habe, sondern [da\u00df es] solle auch uns wohl geraten und zum besten gedeihen, da\u00df wir ein sanftes, s\u00fcsses Leben m\u00f6gen haben mit allem Guten. 133] Darum auch St. Paulus Eph. 6 solches hoch anzeucht [anzeiht] und r\u00fchmt, als er spricht: &#8220;Das ist das erste Gebot, das eine Verheissung hat: Auf da\u00df dir\u2019s wohl gehe, und [du] lange lebest auf Erden.&#8221; Denn wiewohl die andern auch ihre Verheissung eingeschlossen haben, ist\u2019s doch zu keinem so deutlich und ausgedr\u00fcckt gesetzt.<\/p>\n<p>134] Da hast du nun die Frucht und den Lohn, da\u00df wer es h\u00e4lt, soll gute Tage, Gl\u00fcck und Wohlfahrt haben; wiederum auch die Strafe, da\u00df, wer ungehorsam ist, desto eher umkommen und des Lebens nicht froh werden soll. Denn langes Leben haben heisst die Schrift nicht allein wohl betagt werden, sondern alles haben, so zu langem Leben geh\u00f6rt, als n\u00e4mlich Gesundheit, Weib und Kind, Nahrung, Frieden, gut Regiment usw., ohne welche dies Leben nicht fr\u00f6hlich genossen werden noch die L\u00e4nge bestehen kann. 135] Willst du nun nicht Vater und Mutter gehorchen und dich lassen ziehen, so gehorche dem Henker; gehorchst du dem nicht, so gehorche dem Streckebein, das ist der Tod. 136] Denn das will Gott kurzum haben, entweder so du ihm gehorchst, Liebe und Dienst tust, da\u00df er dir\u2019s \u00fcberschwenglich vergelte mit allem Guten, oder wo du ihn erz\u00fcrnst, da\u00df er \u00fcber dich schicke beide Tod und Henker.<\/p>\n<p>137] Wo kommen so viele Sch\u00e4lke her, die man t\u00e4glich h\u00e4ngen, k\u00f6pfen und radbrechen muss, denn aus dem Ungehorsam, weil sie sich nicht mit Gutem ziehen lassen, da\u00df sie es durch Gottes Strafe so ausrichten, da\u00df man Ungl\u00fcck und Herzeleid an ihnen sieht. Denn gar selten geschieht, da\u00df solche verruchte Leute eines rechten oder zeitigen [nicht zu fr\u00fchen, nat\u00fcrlichen] Todes sterben.<\/p>\n<p>Die Frommen aber und Gehorsamen haben den Segen, da\u00df sie lange in guter Ruhe leben und ihr Kindeskind sehen (wie oben gesagt) ins dritte und vierte Glied.<\/p>\n<p>138] Wie man auch erf\u00e4hrt, da\u00df, wo feine alte Geschlechter sind, die da wohl stehen und viele Kinder haben, [solches] freilich daher [ge]kommen, da\u00df ihrer etliche wohl gezogen und ihre Eltern vor Augen haben gehabt. Wiederum steht geschrieben von den Gottlosen Ps. 109: &#8220;Seine Nachkommen m\u00fcssen ausgerottet werden, und ihr Name m\u00fcsse im andern Glied untergehen.&#8221; 139] Derhalben lass dir\u2019s gesagt sein, wie gross Ding es ist bei Gott um den Gehorsam, weil er ihn so hoch setzt, ihm selbst so wohl gefallen l\u00e4sst und reichlich belohnt, dazu so streng dar\u00fcber h\u00e4lt, zu strafen, die dawider tun.<\/p>\n<p>140] Das rede ich alles, da\u00df man\u2019s dem jungen Volk wohl einble\u00fc [einpr\u00e4ge]. Denn niemand glaubt, wie dies Gebot so n\u00f6tig ist, doch bisher unter dem Papsttum nicht geachtet noch gelehrt. Es sind schlechte [schlichte] und leichte Worte, meint jedermann, er k\u00f6nnte es vorhin wohl; darum f\u00e4hrt man \u00fcberhin und gafft nach andern Dingen, sieht und glaubt nicht, da\u00df man Gott so hoch erz\u00fcrnt, wenn man dies l\u00e4sst anstehen, noch so k\u00f6stliche, angenehme Werke tut, so man dabei bleibt.<\/p>\n<p>141] In dieses Gebot geh\u00f6rt auch weiter zu sagen von allerlei Gehorsam gegen Oberpersonen, die zu gebieten und zu regieren haben. Denn aus der Eltern Obrigkeit fleusst [fliesst] und breitet sich aus alle andere. Denn wo ein Vater nicht allein vermag sein Kind aufzuziehen, nimmt er einen Schulmeister dazu, der es lehre; ist er zu schwach, so nimmt er seine Freunde oder Nachbarn zu Hilfe; geht er abe [stirbt er], so befiehlt er und \u00fcbergibt das Regiment und Oberhand andern, die man dazu ordnet. 142] Item, so muss er auch Gesinde, Knechte und M\u00e4gde zum Hausregiment unter ihm [sich] haben, also da\u00df alle, die man Herren heisst, an der Eltern Statt sind und von ihnen Kraft und Macht zu regieren nehmen m\u00fcssen. Daher sie auch nach der Schrift alle V\u00e4ter heissen, als die in ihrem Regiment das Vateramt treiben und v\u00e4terlich Herz gegen die Ihren tragen sollen. Wie auch von alters her die R\u00f6mer und andere Sprachen Herren und Fra\u00fcn im Hause patres- et matresfamilias, das ist, Hausv\u00e4ter und Hausm\u00fctter, genannt haben. Also auch ihre Landesf\u00fcrsten und Oberherren haben sie patres patriae, das ist, V\u00e4ter des ganzen Landes, geheissen, uns, die wir Christen sein wollen, zu grossen Schanden, da\u00df wir sie nicht auch also heissen oder zum wenigsten daf\u00fcr halten und ehren.<\/p>\n<p>143] Was nun ein Kind Vater und Mutter schuldig ist, sind auch schuldig alle, die ins Hausregiment gefasst sind. Darum sollen Knechte und M\u00e4gde zusehen, da\u00df sie ihren Herren und Fra\u00fcn nicht allein gehorsam seien, sondern auch sie in Ehren halten als ihre eigenen V\u00e4ter und M\u00fctter und tun alles, was sie wissen, da\u00df man von ihnen haben will, nicht aus Zwang und Widerwillen, sondern mit Lust und Freuden, eben um voriger Ursachen willen, da\u00df es Gottes Gebot ist, und ihm vor allen andern Werken wohlef\u00e4llt; 144] um welches willen sie noch Lohn sollten zugeben und froh werden, da\u00df sie Herren und Fra\u00fcn m\u00f6chten \u00fcberkommen, solch fr\u00f6hlich Gewissen zu haben, und wissen, wie sie rechte g\u00fcldene Werke tun sollten; welches bisher verblieben und verachtet, und daf\u00fcr [statt dessen] jedermann in\u2019s Teufels Namen in Kl\u00f6stern, zu Wallfahrten und Ablass gelaufen ist mit Schaden und b\u00f6sem Gewissen.<\/p>\n<p>145] Wenn man nun solches k\u00f6nnte dem armen Volk einbilden [einpr\u00e4gen] so w\u00fcrde ein Meidlin in allen Spr\u00fcngen gehen, Gott loben und danken und mit s\u00e4uberlicher Arbeit, daf\u00fcr sie sonst Nahrung und Lohn nimmt, solchen Schatz kriegen, den alle, die man f\u00fcr die Heiligsten achtet, nicht haben. Ist\u2019s nicht ein trefflicher Ruhm, das zu wissen und [zu] sagen, wenn du deine t\u00e4gliche Hausarbeit tust, da\u00df [es] besser ist denn aller M\u00f6nche Heiligkeit und strenges Leben? 146] Und hast dazu die Zusagung, da\u00df [es] dir zu allem Guten gedeihen soll und wohl gehen. Wie willst du seliger sein oder heiliger leben, soviel die Werke betrifft? 147] Denn vor Gott eigentlich der Glaube heilig macht und allein ihm dient, die Werke aber den Leuten. 148] Da hast du alles Gute, Schutz und Schirm unter dem Hern, ein fr\u00f6hlich Gewissen und gn\u00e4digen Gott dazu, der dir\u2019s hundertf\u00e4ltig vergelten will, und bist gar ein Junker, wenn du nur fromm und gehorsam bist. Wo aber nicht, [so] hast du erstlich eitel Zorn und Ungnade von Gott, keinen Frieden im Herzen, danach alle Plage und Ungl\u00fcck.<\/p>\n<p>149] Welchen nun solches nicht bewegen will und fromm machen, den befehlen wir dem Henker und Streckebein [dem Tod]. Darum denke ein jeglicher, der ihm [sich] will sagen lassen, da\u00df [es] Gotte kein Scherz ist, und wisse, da\u00df Gott mit dir redet und Gehorsam fordert. Gehorchst du ihm, so bist du das liebe Kind; verachtest du es aber, so habe auch Schande, Jammer und Herzeleid zu Lohn.<\/p>\n<p>150] Desgleichen ist auch zu reden vom Gehorsam weltlicher Obrigkeit, welche (wie gesagt) alle in den Vaterstand geh\u00f6rt und am allerweitesten um sich greift. Denn hier ist nicht ein einzelner Vater [ein Vater bloss etlicher], sondern so vieler Leute Vater, so viel er Landsassen, B\u00fcrger oder Untertanen hat; denn Gott gibt und erh\u00e4lt uns durch sie, als durch unsere Eltern, Nahrung, Haus und Hof, Schutz und Sicherheit. Darum, weil sie solchen Namen und Titel als ihren h\u00f6chsten Preis mit allen Ehren f\u00fchren, sind wir auch schuldig, da\u00df wir sie ehren und gross achten f\u00fcr den te\u00fcrsten Schatz und [das] k\u00f6stlichste Kleinod auf Erden.<\/p>\n<p>151] Wer nun hier gehorsam, willig und dienstbar ist und gerne tut alles, was die Ehre belangt, der weiss, da\u00df er Gott Gefallen tut, Freude und Gl\u00fcck zu Lohn kriegt. Will er\u2019s nicht mit Liebe tun, sondern verachten und sich sperren oder rumoren, so wisse er auch wiederum, da\u00df er keine Gnade noch Segen habe, und wo er einen Gulden damit meint zu erlaufen, anderswo zehnmal mehr dagegen verliere oder dem Henker zuteil werde, durch Krieg, Pestilenz und Teurung umkomme oder an seinen Kindern kein Gutes erlebe, vom Gesinde, Nachbarn oder Fremden und Tyrannen Schaden, Unrecht und Gewalt leiden m\u00fcsse, auf da\u00df uns bezahlt werde und heimkomme, was wir suchen und verdienen.<\/p>\n<p>152] Wenn uns nur einmal zu sagen w\u00e4re, da\u00df solche Werke Gott so angenehm sind und so reichliche Belohnung haben, w\u00fcrden wir in eitel \u00fcberschwenglichen G\u00fctern sitzen und haben, was unser Herz begehrt. Weil man aber Gottes Wort und Gebot so gar ver\u00e4chtlich h\u00e4lt, als h\u00e4tte es irgendein Holhipler [eitler Schw\u00e4tzer] geredet, so lass auch sehen, ob du der Mann seiest, der ihm entsitzen [Trotz bieten] k\u00f6nnte. Wie schwer wird\u2019s ihm wohl werden, da\u00df er dich wieder bezahle! 153] Darum lebtest du je so mehr [viel besser] mit Gottes Huld, Frieden und Gl\u00fcck als mit Ungnade und Ungl\u00fcck. 154] Warum meinst du, da\u00df jetzt die Welt so voll Untre\u00fc, Schande, Jammer und Mord ist, denn da\u00df jedermann sein eigener Herr und kaiserfrei will sein, auf niemand nichts geben und alles tun, was ihn gel\u00fcstet? Darum straft Gott einen Buben mit dem andern, da\u00df, wo du deinen Herrn betreugst [betr\u00fcgst] oder verachtest, ein anderer komme, der dir wieder also mitfahre [der ebenso mit dir verfahre], ja, da\u00df du in deinem Haus von Weib, Kind oder Gesinde zehnmal mehr leiden m\u00fcssest.<\/p>\n<p>155] Wir f\u00fchlen unser Ungl\u00fcck wohl, murren und klagen \u00fcber Untre\u00fc, Gewalt und Unrecht, wollen aber nicht sehen, da\u00df wir selbst Buben sind, die Strafe redlich verdient haben und nichts davon besser werden. Wir wollen keine Gnade und Gl\u00fcck haben, darum haben wir billig eitel Ungl\u00fcck ohne alle Barmherzigkeit. 156] Es m\u00fcssen noch etwa [irgendwo] fromme Leute auf Erden sein, da\u00df uns Gott noch so viel Gutes l\u00e4sst. Unserthalben sollten wir keinen Heller im Haus, keinen Strohhalm auf dem Felde behalten. 157] Das alles hab\u2019 ich m\u00fcssen mit so viel Worten treiben, ob es einmal jemand wollte zu Herzen nehmen, da\u00df wir der Blindheit und Jammers, darin wir so tief gelegen sind, m\u00f6chten los werden, Gottes Wort und Willen recht erkennen und mit Ernst annehmen. Denn daraus w\u00fcrden wir lernen, wie wir k\u00f6nnten Freude, Gl\u00fcck und Heil zeitlich und ewig genug haben.<\/p>\n<p>158] Also haben wir zweierlei [* dreierlei] V\u00e4ter in diesem Gebot vorgestellt, des Gebl\u00fcts und des Amts oder der Sorge im Hause uns im Lande. Dar\u00fcber sind auch noch geistliche V\u00e4ter, nicht wie im Papsttum, die sich wohl also haben lassen nennen, aber kein v\u00e4terlich Amt gef\u00fchrt; denn das heissen allen geistliche V\u00e4ter, die uns durch Gottes Wort regieren und vorstehen, 159] wie sich St. Paulus einen Vater r\u00fchmt 1 Kor. 4, da er spricht: &#8220;Ich habe euch gezeugt in Christo Jeu durch das Evangelium.&#8221; 160] Weil sie nun V\u00e4ter sind, geb\u00fchrt ihnen auch die Ehre, auch wohl vor allen andern. Aber da geht sie am wenigsten, denn die Welt muss sie so ehren, da\u00df man sie aus dem Lande jage und [ihnen] nicht ein St\u00fcck Brots g\u00f6nne, und Summa, sie m\u00fcssen (wie Paulus sagt) der Welt Kehricht und jedermanns Schabab [Abfall, Auswurf] und Fesstuch sein.<\/p>\n<p>161] Doch ist not, solches auch in den P\u00f6bel [Volk] zu treiben, da\u00df, die da Christen heissen wollen, vor Gott schuldig sind, die, so ihrer Seele warten, zwiefacher Ehre wert zu halten, da\u00df sie ihnen wohltun und sie versorgen; da will dir Gott auch genug zugeben und keinen Mangel lassen. 162] Aber da sperrt und wehrt sich jedermann, haben alle Sorge, da\u00df der Bauch verschmachte, und k\u00f6nnen jetzt nicht einen rechtschaffenen Prediger n\u00e4hren, da wir zuvor zehn Mastb\u00e4uche gef\u00fcllt haben. 163] Damit wir auch verdienen, da\u00df uns Gott seines Worts und Segens beraube und wiederum L\u00fcgenprediger aufstehen lasse, die uns zum Teufel f\u00fchren, dazu unsern Schweiss und Blut aussaugen.<\/p>\n<p>164] Welche aber Gottes Willen und Gebot vor Augen halten, haben die Verheissung, da\u00df ihnen reichlich soll vergolten werden, was sie beide an leibliche und geistliche V\u00e4ter wenden und ihnen zu Ehren tun, nicht da\u00df sie ein Jahr oder zwei Brot, Kleider und Geld haben sollen, sondern langes Leben, Nahrung und Frieden, und sollen ewig reich und selig sein. 165] Darum t\u00fc nur, was du schuldig bist, und lass Gott daf\u00fcr sorgen, wie er dich n\u00e4hre und [dir] genug schaffe; hat er\u2019s verheissen und noch nie gelogen, so wird er dir auch nicht l\u00fcgen.<\/p>\n<p>166] Solches sollte uns je reizen und ein Herz machen, das zerschmelzen m\u00f6chte vor Lust und Liebe gegen die, so wir Ehre schuldig sind, da\u00df wir die H\u00e4nde aufh\u00fcben und fr\u00f6hlich Gott dankten, der uns solche Verheissung [ge]geben hat, danach wir bis an der Welt Ende laufen sollten. Denn obgleich alle Welt zusamment\u00e4te, verm\u00f6chte sie uns nicht ein St\u00fcndlein zum Leben zu[zu]legen oder ein K\u00f6rnlein aus der Erde zu[zu]geben. Gott aber kann und will dir alles \u00fcberschwenglich nach deines Herzens Lust geben. Wer nun solches erachtet und in [den] Wind schl\u00e4gt, der ist je nicht wert, da\u00df er ein Gotteswort h\u00f6re. Das ist nun zum \u00dcberfluss gesagt allen, so unter dies Gebot geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>167] Daneben w\u00e4re auch wohl zu predigen den Eltern, und was ihr Amt f\u00fchrt, wie sie sich halten sollen gegen die, so ihnen befohlen sind zu regieren, welches, wiewohl es in [den] zehn Geboten nicht ausgedr\u00fcckt steht, ist es doch sonst an vielen Orten der Schrift reichlich geboten. Auch will es Gott eben in diesem Gebot mit eingebunden haben, als er Vater und Mutter nennt. 168] Denn er will nicht Buben noch Tyrannen zu diesem Amt und Regiment haben, gibt ihnen auch nicht darum die Ehre, das ist, Macht und Recht zu regieren, da\u00df sie sich anbeten lassen, sondern denken, da\u00df sie unter Gottes Gehorsam sind und vor allen Dingen sich ihres Amtes herzlich und treulich annehmen, ihre Kinder, Gesinde, Untertanen usw. nicht allein zu n\u00e4hren und leiblich zu versorgen, sondern allermeist zu Gottes Lob und Ehre aufzuziehen. 169] Darum denke nicht, da\u00df solches zu deinem Gefallen und eigener Willk\u00fcr stehe, sondern da\u00df Gott streng geboten und aufgelegt hat, welchem du auch daf\u00fcr wirst m\u00fcssen antworten.<\/p>\n<p>170] Da ist nun abermal die leidige Plage, da\u00df niemand solches wahrnimmt noch achtet, gehen hin, als g\u00e4be uns Gott Kinder, unsere Lust und Kurzweil daran zu haben, das Gesinde wie eine Kuh oder Esel allein zur Arbeit zu [ge]brauchen oder mit den Untertanen unsers Mutwillens zu leben lassen sie gehen, als ging\u2019s uns nichts an, was sie lernen oder wie sie leben, 171] und will niemand sehen, da\u00df der hohen Majest\u00e4t Befehl ist, die solches ernstlich wird fordern und r\u00e4chen, noch da\u00df so grosse Not tut [da\u00df es so sehr not tut], da\u00df man sich der Jugend mit Ernst annehme. 172] Denn wollen wir feine, geschickte Leute haben, beide zu weltlichem und geistlichem Regiment, so m\u00fcssen wir wahrlich keinen Fleiss, M\u00fche noch Kost an unsern Kindern sparen, sie zu lehren und erziehen, da\u00df sie Gott und der Welt dienen m\u00f6gen, 173] und nicht allein denken, wie wir ihnen Geld und Gut sammeln; denn Gott kann sie wohl ohne uns n\u00e4hren und reich machen, wie er auch t\u00e4glich tut. Darum aber hat er uns Kinder gegeben und befohlen, da\u00df wir sie nach seinem Willen aufziehen und regieren, sonst [be]d\u00fcrfte er Vater und Mutter nirgend zu. 174] Darum wisse ein jeglicher, da\u00df er schuldig ist bei Verlust g\u00f6ttlicher Gnade, da\u00df er seine Kinder vor allen Dingen zu Gottesfurcht und Erkenntnis ziehe und, wo sie geschickt sind, auch etwas lernen und studieren lasse, da\u00df man sie, wozu es not ist, brauchen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>175] Wenn man nun solches t\u00e4te, w\u00fcrde uns Gott auch reichlich segnen und Gnade geben, da\u00df man solche Leute erz\u00f6ge, der [durch die] Land und Leute gebessert m\u00f6chten werden, dazu feine gezogene B\u00fcrger, z\u00fcchtige und h\u00e4usliche Fra\u00fcn, die danach fortan fromme Kinder und Gesinde ziehen m\u00f6chten. 176] Da denke nun selbst, wie m\u00f6rdlichen Schaden du tust, wo du dir darin vers\u00e4umlich bist [wenn du darin etwas vers\u00e4umst] und seliglich erzogen werde, dazu alle S\u00fcnde und Zorn auf dich bringst und also die H\u00f6lle an deinen eigenen Kindern verdienst, ob du gleich sonst fromm und heilig w\u00e4rest. 177] Derhalben auch Gott, weil man solches verachtet, die Welt so greulich straft, da\u00df man keine Zucht, Regiment noch Frieden hat, welches wir auch alle [be]klagen, sehen aber nicht, da\u00df es unsere Schuld ist; denn wie wir sie ziehen, so haben wir ungeratene und ungehorsame Kinder und Untertanen. 178] Das sie genug zur Vermahnung; denn solches in die L\u00e4nge zu treiben, geh\u00f6rt auf eine andere Zeit. <\/p>\n<p>Das f\u00fcnfte Gebot.<\/p>\n<p>179] Du sollst nicht t\u00f6ten.<\/p>\n<p>180] Wir haben nun ausgerichtet beide geistlich und weltlich Regiment, das ist, g\u00f6ttliche und v\u00e4terliche Obrigkeit und Gehorsam. Hier aber gehen wir nun aus unserm Haus unter die Nachbarn, zu lernen, wie wir untereinander leben sollen, ein jeglicher f\u00fcr sich selbst gegen seinen N\u00e4chsten. 181] Darum ist in diesem Gebot nicht eingezogen Gott und die Obrigkeit, noch die Macht genommen, so sie haben, zu t\u00f6ten. Denn Gott sein Recht, \u00dcbelt\u00e4ter zu strafen, der Obrigkeit an der Eltern Statt befohlen hat, welche vorzeiten (als man in Mose liest) ihre Kinder selbst mussten vor Gericht stellen und zum Tode [ver]urteilen. Derhalben was hier verboten ist, ist einem gegen den andern verboten und nicht der Obrigkeit.<\/p>\n<p>182] Dies Gebot ist nun leicht genug und oft gehandelt, weil man\u2019s j\u00e4hrlich im Evangelio h\u00f6rt, Matth. 5, da es Christus selbst auslegt und in eine Summa fasst, n\u00e4mlich da\u00df man nicht t\u00f6ten soll, weder mit Hand, Herzen, Mund, Zeichen, Geb\u00e4rden noch Hilfe und Rat. Darum ist darin jedermann verboten zu z\u00fcrnen, ausgenommen (wie gesagt), die an Gottes Statt sitzen, das ist, Eltern und Obrigkeit. Denn Gott, und was im g\u00f6ttlichen Stand ist, geb\u00fchrt zu z\u00fcrnen, schelten und strafen, eben um derer willen, so dies und andere Gebote \u00fcbertreten.<\/p>\n<p>183] Ursache aber und Not dieses Gebots ist, da\u00df Gott wohl weiss, wie die Welt b\u00f6se ist, und dies Leben viel Ungl\u00fccks hat; darum hat er dies und andere Gebote zwischen Gute und B\u00f6se gestellt. Wie nun mancherlei Anfechtung [Anfeindung, Kampf] ist wider alle Gebote, also geht\u2019s hier auch, da\u00df wir unter viel Leuten leben m\u00fcssen, die uns Leid tun, da\u00df wir Ursache kriegen, ihnen feind zu sein.<\/p>\n<p>184] Als wenn dein Nachbar sieht, da\u00df du besser Haus und Hof, mehr Guts und Gl\u00fccks von Gott hast denn er, so verdreusst\u2019s [verdriesst\u2019s] ihn, neidet dich und redet nichts Gutes von dir.Also kriegst du viel Feinde durch des Teufels Anreizung, die dir kein Gutes weder leiblich noch geistlich g\u00f6nnen. Wenn man denn solche sieht, so will unser Herz wiederum w\u00fcten und bluten und sich r\u00e4chen. Da hebt sich denn wider Fluchen und Schlagen, daraus endlich Jammer und Mord folgt. 185] Da kommt nun Gott zuvor wie ein freundlicher Vater, legt sich ins Mittel und will den Hader geschieden haben, da\u00df kein Ungl\u00fcck daraus entstehe, noch einer den andern verderbe. Und Summa, will er hiermit einen jeglichen beschirmt, befreit und befriedet haben vor jedermanns Frevel und Gewalt und dies Gebot zur Ringma\u00fcr, Feste und Freiheit gestellt haben um den N\u00e4chsten, da\u00df man ihm kein Leid noch Schaden am Leibe t\u00fc.<\/p>\n<p>186] So steht nun dies Gebot darauf, da\u00df niemand seinen N\u00e4chsten beleidige um irgendeines b\u00f6sen St\u00fccks willen, ob er\u2019s gleich h\u00f6chlich verdiente. Denn wo Totschlag verboten ist, da ist auch alle Ursache verboten, daher Totschlag entspringen mag. Denn mancher, ob er nicht t\u00f6tet, so flucht er doch und w\u00fcnscht [etwas, das ist, Unheil, die Pest], da\u00df, wer es sollte am Halse haben, w\u00fcrde nicht weit laufen. 187] Weil nun solches jedermann von Natur anh\u00e4ngt und in gemeinem Brauch ist, da\u00df keiner [etwas] vom andern leiden will, so will Gott die Wurzel und Ursprung wegr\u00e4umen, durch welche das Herz wider den N\u00e4chsten erbittert wird, und uns gew\u00f6hnen, da\u00df wir allezeit dies Gebot vor Augen haben und uns darin spiegeln, Gottes Willen ansehen und ihm das Unrecht, so wir leiden, befehlen mit herzlichem Vertra\u00fcn und Anrufen seines Namens und also jene feindlich scharren [toben, sich ereifern] und z\u00fcrnen lassen, da\u00df sie tun, was sie k\u00f6nnten, also da\u00df ein Mensch lerne den Zorn stillen und ein geduldiges, sanftes Herz tragen, sonderlich gegen die, die ihm Ursache zu z\u00fcrnen geben, das ist, gegen die Feinde.<\/p>\n<p>188] Darum ist die ganze Summa davon den Einf\u00e4ltigen aufs deutlichste einzubilden [einzupr\u00e4gen], was da heisse &#8220;nicht t\u00f6ten&#8221;: zum ersten, da\u00df man niemand Leid t\u00fc, erstlich mit der Hand oder Tat; danach die Zunge nicht [ge]brauchen lasse, dazu zu reden oder zu raten; \u00fcber das keinerlei Mittel oder Weise [ge]brauche noch bewillige, dadurch jemand m\u00f6chte beleidigt werden; und endlich, da\u00df das Herz niemand feind sei noch aus Zorn und Hass B\u00f6ses g\u00f6nne, also da\u00df Leib und Seele unschuldig sei an jedermann, eigentlich [sonderlich] aber an dem, der dir B\u00f6ses w\u00fcnscht oder zuf\u00fcgt. Denn dem, der dir Gutes g\u00f6nnt und tut, B\u00f6ses tun, ist nicht menschlich, sondern teuflisch.<\/p>\n<p>189] Zum andern ist auch dieses Gebots schuldig nicht allein, der da B\u00f6ses tut, sondern auch, wer dem N\u00e4chsten Gutes tun, zuvorkommen, wehren, ihn sch\u00fctzen und retten kann, da\u00df ihm kein Leid noch Schaden am Leibe widerfahre, und tut es nicht. 190] Wenn du nun einen Nackten l\u00e4ssest gehen und k\u00f6nntest ihn kleiden, so hast du ihn erfrieren lassen; siehst du jemand Hunger leiden und speist ihn nicht, so l\u00e4ssest du ihn Hungers sterben; also siehst du jemand unschuldig zum Tode verurteilt oder in gleicher Not und nicht rettest, so du Mittel und Wege dazu w\u00fcsstest, so hast du ihn get\u00f6tet. Und wird nicht helfen, da\u00df du vorwendest, du habest keine Hilfe, Rat noch Tat dazu gegeben; denn du hast ihm die Liebe entzogen und [ihn] der Wohltat beraubt, dadurch er bei dem Leben [ge]blieben w\u00e4re.<\/p>\n<p>191] Darum heisst auch Gott billig die alle M\u00f6rder, so in N\u00f6ten und [Ge]Fahr Leibes und Lebens nicht raten noch helfen, und wird gar ein schrecklich Urteil \u00fcber sie gehen lassen am J\u00fcngsten Tage, wie Christus selbst verk\u00fcndigt, da er sprechen wird: &#8220;Ich bin hungrig und durstig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeiset noch getr\u00e4nket; ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht geherberget; ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet; ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besuchet.&#8221; Das ist: Ihr h\u00e4ttet mich und die Meinen wohl lassen Hungers, Durstes und Frosts sterben, die wilden Tiere zerreissen, im Gef\u00e4ngnis verfaulen und in N\u00f6ten verderben lassen. 192] Was heisst das anders denn M\u00f6rder und Bluthunde gescholten? Denn ob du solches nicht mit der Tat begangen hast, so hast du ihn doch im Ungl\u00fcck stecken und umkommen lassen, soviel an dir gelegen ist. Und ist ebensoviel, als ob ich jemand sehe auf tiefem Wasser fahren und arbeiten [sich abm\u00fchen] oder in ein Fe\u00fcr gefallen und k\u00f6nnte ihm die Hand reichen, [ihn] herausreissen und retten, und doch nicht t\u00e4te, wie w\u00fcrde ich anders auch vor aller Welt bestehen denn ein M\u00f6rder und B\u00f6sewicht?<\/p>\n<p>193] Darum ist die endliche Meinung Gottes, da\u00df wir keinem Menschen Leid widerfahren lassen, sondern alles Gute und Liebe beweisen, 194] und ist (wie gesagt) eigentlich gegen die gerichtet, so unsere Feinde sind. Denn da\u00df wir Freunden Gutes tun, ist noch eine schlechte [blosse] heidnische Tugend, wie Christus Matth. am 5. sagt.<\/p>\n<p>195] Da haben wir nun abermal Gottes Wort, damit er uns reizen und treiben will zu rechten, edlen, hohen Werken, als Sanftmut, Geduld und, Summa, Liebe und Wohltat gegen unsere Feinde, und will uns immerdar erinnern, da\u00df wir zur\u00fcckdenken des ersten Gebots, da\u00df er unser Gott sei das ist, uns helfen, beistehen und sch\u00fctzen wolle, auf da\u00df er die Lust, uns zu r\u00e4chen, d\u00e4mpfe.<\/p>\n<p>196] Solches sollte man nun treiben und ble\u00fcn [wiederholen, einpr\u00e4gen], so w\u00fcrden wir gute Werke alle H\u00e4nde voll zu tun haben. 197] Aber das w\u00e4re nicht f\u00fcr die M\u00f6nche gepredigt, dem geistlichen Stande zu viel abgebrochen, der Kart\u00e4user Heiligkeit zu nahe und sollte wohl eben gute Werke verboten und Kl\u00f6ster ger\u00e4umt heissen. Denn mit der Weise w\u00fcrde der gemeine Christenstand gleich so viel, ja weit und viel mehr gelten und jedermann sehen, wie sie die Welt mit falschem, heuchlerischem Schein der Heiligkeit \u00e4ffen [zum Affen machen, verspotten] und verf\u00fchren, weil sie dies und andere Gebote in [den] Wind geschlagen und f\u00fcr unn\u00f6tig gehalten, als w\u00e4ren\u2019s nicht Gebote, sondern R\u00e4te, und daneben unversch\u00e4mt ihren Heuchelstand und Werke f\u00fcr das vollkommenste Leben ger\u00fchmt und ausgeschrien, auf da\u00df sie ja ein gut, sanftes Leben f\u00fchreten ohne Kreuz und Geduld, darum sie auch in die Kl\u00f6ster gelaufen sind, da\u00df sie von niemand nichts leiden noch jemand Gutes tun d\u00fcrften [brauchten]. 198] Du aber wisse, da\u00df dies die rechten, heiligen und g\u00f6ttlichen Werke sind, welcher er sich mit allen Engeln freut, dagegen alle menschliche Heiligkeit Stank und Unflat ist, dazu nichts anderes denn Zorn und Verdammnis verdient. <\/p>\n<p>Das sechste Gebot.<\/p>\n<p>199] Du sollst nicht ehebrechen.<\/p>\n<p>200] Diese Gebote sind nun an ihnen selbst leicht zu verstehen aus dem n\u00e4chsten [vorhergehenden]; denn sie gehen alle dahin, da\u00df man sich h\u00fcte vor allerlei Schaden des N\u00e4chsten. Sind aber fein ordentlich gestellt. Zum ersten auf seine eigene Person. Danach fortgefahren auf die n\u00e4chste Person oder das n\u00e4chste Gut nach seinem Leibe, n\u00e4mlich sein ehelich Gemahl, welches mit ihm ein Fleisch und Blut ist, also da\u00df man ihm an keinem Gut h\u00f6her Schaden tun kann. Darum auch deutlich hier ausgedr\u00fcckt wird, da\u00df man ihm keine Schande zuf\u00fcgen soll an seinem Eheweibe. 201] Und lautet eigentlich auf den Ehebruch, darum da\u00df im j\u00fcdischen Volk so geordnet und geboten war, da\u00df jedermann musste ehelich erfunden werden. Darum auch die Jugend aufs zeitlichste beraten [in die Ehe gebracht] ward, also da\u00df Jungfra\u00fcnstand nichts galt, auch kein \u00f6ffentlich Huren= und Bubenleben (wie jetzt) gestattet ward; darum ist der Ehebruch die gemeinste Unkeuschheit bei ihnen gewesen.<\/p>\n<p>202] Weil aber bei uns ein solch sch\u00e4ndlich Gemeng und Grundsuppe aller Untugend und B\u00fcberei ist, ist dies Gebot auch wider allerlei Unkeuschheit gestellt, wie man sie nennen mag, 203] und nicht allein \u00e4usserlich die Tat verboten, sondern auch allerlei Ursache, Reizung und Mittel, also da\u00df Herz, Mund und der ganze Leib keusch sei, keinen Raum, Hilfe noch Rat zur Unkeuschheit gebe, 204] und nicht allein das, sondern auch wehre, sch\u00fctze und rette, wo die [Ge]Fahr und Not ist, und wiederum helfe und rate, da\u00df sein N\u00e4chster bei Ehren bleibe. Denn wo du solches nachl\u00e4ssest, so du k\u00f6nntest daf\u00fcr sein [es verhindern], oder durch die Finger siehst, als ginge dich\u2019s nicht an, bist du ebensowohl schuldig als der T\u00e4ter selbst. 205] Also ist, aufs k\u00fcrzeste zu fassen, so viel gefordert, da\u00df ein jeglicher beide f\u00fcr sich selbst keusch lebe und dem N\u00e4chsten auch dazu helfe, also da\u00df Gott durch dies Gebot eines jeglichen ehelich Gemahl will umschr\u00e4nkt und bewahrt haben, da\u00df sich niemand daran vergreife.<\/p>\n<p>206] Dieweil aber dies Gebot so eben auf den Ehestand gerichtet ist und Ursache gibt, davon zu reden, sollst du wohl fassen und merken zum ersten, wie Gott diesen Stand so herrlich ehrt und preist damit, da\u00df er ihn durch sein Gebot beide best\u00e4tigt und bewahrt. Best\u00e4tigt hat er ihn droben im vierten Gebot: &#8220;Du sollst Vater und Mutter ehren&#8221;; hier aber hat er ihn (wie gesagt) verwahrt und besch\u00fctzt. 207] Darum will er ihn auch von uns geehrt und also gehalten und gef\u00fchrt haben als einen g\u00f6ttlichen, seligen Stand, weil er ihn erstlich vor allen andern eingesetzt hat und darum unterschiedlich Mann und Weib geschaffen (wie vor Augen), nicht zur B\u00fcberei, sondern da\u00df sie sich zusammenhalten, fruchtbar seien, Kinder zeugen, n\u00e4hren und aufziehen zu Gottes Ehren.<\/p>\n<p>208] Darum ihn auch Gott vor allen St\u00e4nden aufs reichlichste gesegnet hat, da\u00df dieser Stande je wohl und reichlich versorgt w\u00fcrde, also da\u00df [es] kein Scherz noch Vorwitz [Neugier], sondern trefflich Ding und g\u00f6ttlicher Ernst ist um das eheliche Leben; denn es liegt ihm alle Macht daran, da\u00df man Leute ziehe, die der Welt dienen und helfen zu Gottes Erkenntnis, seligem Leben und allen Tugenden, wider die Bosheit und den Teufel zu streiten.<\/p>\n<p>209] Darum habe ich immerdar gelehrt, da\u00df man diesen Stand nicht verachte noch schimpflich halte, wie die blinde Welt und unsere falschen Geistlichen tun, sondern nach Gottes Wort ansehe, damit er geschm\u00fcckt und geheiligt ist, also da\u00df er nicht allein andern St\u00e4nden gleich gesetzt ist, sondern vor und \u00fcber sie alle geht, es seien Kaiser, F\u00fcrsten, Bisch\u00f6fe, und wer sie wollen. Denn was beide geistliche und weltliche St\u00e4nde sind, m\u00fcssen sich dem\u00fctigen und alle in diesem Stande finden lassen, wie wir h\u00f6ren werden. 210] Darum ist es nicht ein sonderlicher, sondern der gemeinste edelste Stand, so durch den ganzen Christenstand, ja durch alle Welt geht und reicht.<\/p>\n<p>211] Zum andern sollst du auch wissen, da\u00df [es] nicht allein ein ehrlicher, sondern auch ein n\u00f6tiger Stand ist und ernstlich von Got geboten, da\u00df sich ingemein hindurch alle St\u00e4nde [durch alle St\u00e4nde hin], Manns= und Weibsbilde, so dazu geschaffen sind, darin finden lassen, doch etliche (wiewohl wenig) ausgenommen, welche Gott sonderlich ausgezogen [ausgenommen], da\u00df sie zum ehelichen Stand nicht t\u00fcchtig sind, oder durch hohe \u00fcbernat\u00fcrliche Gabe befreit hat, da\u00df sie ausser dem Stande Keuschheit halten k\u00f6nnen. 212] Denn wo die Natur geht, wie sie von Gott eingepflanzt ist, ist es nicht m\u00f6glich, ausser der Ehe keusch zu bleiben; denn Fleisch und Blut bleibt Fleisch und Blut, und geht die nat\u00fcrliche Neigung und Reizung ungewehrt und unverhindert, wie jedermann sieht und f\u00fchlt. Derhalben, auf da\u00df desto leichter w\u00e4re, Unkeuschheit etlichermassen zu meiden, hat auch Gott den Ehestand befohlen, da\u00df ein jeglicher sein bescheiden [zugemessen] Teil habe und ihm daran gen\u00fcgen lasse, wiewohl noch Gottes Gnade dazu geh\u00f6rt, da\u00df das Herz auch keusch sei.<\/p>\n<p>213] Daraus siehst du, wie unser p\u00e4pstlicher Haufe, Pfaffen, M\u00f6nche, Nonnen wider Gottes Ordnung und Gebot streben, so den Ehestand verachten und verbieten und sich ewige Keuschheit zu halten vermessen und geloben, dazu die Einf\u00e4ltigen mit l\u00fcgenhaftigen Worten und Schein betr\u00fcgen. 214] Denn niemand so wenig Liebe und Lust zur Keuschheit hat, als eben die den Ehestand vor grosser Heiligkeit meiden und entweder \u00f6ffentlich und unversch\u00e4mt in Hurerei liegen oder [es] heimlich noch \u00e4rger treiben, da\u00df man\u2019s nicht sagen darf, wie man leider allzuviel erfahren hat. 215] Und k\u00fcrzlich, ob sie gleich des Werks sich enthalten, so stecken sie doch im Herzen voll unkeuscher Gedanken und b\u00f6ser L\u00fcste, da\u00df da ein ewiges Brennen und heimliches Leiden ist, welches man im ehelichen Leben umgehen kann. 216] Darum ist durch dies Gebot aller Unehelichen Keuschheitsgel\u00fcbde verdammt und Urlaub gegeben, ja auch geboten allen armen gefangenen Gewissen, so durch ihre Klostergel\u00fcbde betrogen sind, da\u00df sie aus dem unkeuschen Stand in eheliche Leben treten, angesehen, da\u00df, ob sonst gleich das Klosterleben g\u00f6ttlich w\u00e4re, [es] doch nicht in ihrer Kraft steht, Keuschheit zu halten, und wo sie darin bleiben, nur mehr und weiter wider dies Gebot s\u00fcndigen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>217] Solches rede ich nun darum, da\u00df man das junge Volk dazu halte, da\u00df sie Lust zum Ehestand gewinnen und wissen, da\u00df es ein seliger Stand und Gott gef\u00e4llig ist. Denn damit k\u00f6nnte man\u2019s mit der Zeit wiederum dahin bringen, da\u00df er wieder zu seinen Ehren k\u00e4me und des unfl\u00e4tigen, w\u00fcsten, unordigen [unordentlichen] Wesens weniger w\u00fcrde, so jetzt allenthalben in der Welt zu Zotten geht [wie verflochtenes Haar wirr durcheinander geht] mit \u00f6ffentlicher Hurerei und andern sch\u00e4ndlichen Lastern, so aus Verachtung des ehelichen Lebens gefolgt sind. 218] Darum sind hier die Eltern und Obrigkeit auch schuldig, auf die Jugend zu sehen, da\u00df man sie zur Zucht und Ehrbarkeit aufziehe und, wenn sie erwachsen, mit Gott und Ehren berate [verheirate]; dazu w\u00fcrde er seinen Segen und Gnade geben, da\u00df man Lust und Freude davon h\u00e4tte.<\/p>\n<p>219] Aus dem allem sei nun zu beschliessen gesagt, da\u00df dies Gebot nicht allein fordert, da\u00df jedermann mit Werken, Worten und Gedanken keusch lebe in seinem, das ist, allermeist im ehelichen Stande, sondern auch sein Gemahl, von Gott gegeben, lieb und wert halte. Denn wo eheliche Keuschheit soll gehalten werden, da m\u00fcssen Mann und Weib vor allen Dingen in Liebe und Eintracht beieinander wohnen, da\u00df eins das andere von Herzen und mit ganzer Tre\u00fc meine. Denn das ist der vornehmsten St\u00fccke eines, das Liebe und Lust zur Keuschheit macht, welches, wo es geht, wird auch Keuschheit wohl von ihr selbst folgen, ohne alles Gebieten; 220] deshalben auch St. Paulus so fleissig die Eheleute vermahnt, da\u00df eins das andere liebe und ehre. 221] Da hast du nun abermal ein k\u00f6stlich, ja viele und grosse gute Werke, welche du fr\u00f6hlich r\u00fchmen kannst wider alle geistlichen St\u00e4nde, ohne Gottes Wort und Gebot erw\u00e4hlt. <\/p>\n<p>Das siebente Gebot.<\/p>\n<p>222] Du sollst nicht stehlen.<\/p>\n<p>223] Nach deiner Person und ehelichem Gemahl ist zeitlich Gut das n\u00e4chste; das will Gott auch verwahrt haben und geboten, da\u00df niemand dem N\u00e4chsten das Seine abbreche noch verk\u00fcrze. 224] Denn stehlen heisst nichts anderes, denn eines andern Gut mit Unrecht zu sich bringen, damit k\u00fcrzlich begriffen ist allerlei H\u00e4ndeln. Das ist nun gar ein weitl\u00e4uftig, gemein Laster, aber so wenig geachtet und wahrgenommen, da\u00df \u00fcber die Massen ist, also da\u00df, wo man sie alle an Galgen henken sollte, was Diebe sind und doch nicht heissen wollen, sollte die Welt bald w\u00fcste werden und beide an Henkern und Galgen gebrechen. Denn es soll, wie jetzt gesagt, nicht allein gestohlen heissen, da\u00df man Kasten und Taschen r\u00e4umt, sondern um sich greifen auf dem Markt, in allen Kr\u00e4men, Scharren [Verkaufsl\u00e4den], Wein= und Bierkellern, Werkst\u00e4tten, und k\u00fcrzlich, wo man hantiert, Geld um Ware oder Arbeit nimmt und gibt.<\/p>\n<p>225] Als n\u00e4mlich, da\u00df wir\u2019s f\u00fcr den gemeinen Haufen ein wenig grob ausstreichen, da\u00df man doch sehe, wie fromm wir sind: wenn ein Knecht oder Magd im Hause nicht treulich dient und Schaden tut oder geschehen l\u00e4sst, den sie wohl verwahren [verwehren] k\u00f6nnte, oder sonst ihr Gut verwahrlost und vers\u00e4umt aus Faulheit, Unfliss oder Bosheit, zu Trotz und Verdriess Herren und Fra\u00fcn, und wie solches mutwillig geschehen kann (denn ich rede nicht von dem, das versehen und ungern getan ist), da kannst du ein Jahr einen Gulden dreissig oder vierzig und mehr entwenden, welches, so ein anderer heimlich genommen oder enttragen [weggetragen] h\u00e4tte, m\u00fcsste er am Strick erw\u00fcrgen. Aber hier darfst du noch trotzen und pochen, und darf dich niemand einen Dieb heissen.<\/p>\n<p>226] Desgleichen rede ich auch von Handwerksleuten, Arbeitern, Tagl\u00f6hnern, so alle ihren Mutwillen brauchen und nicht wissen, wie sie die Leute \u00fcbersetzen [\u00fcberfordern] sollen, und doch l\u00e4ssig und untreu in der Arbeit sind. Diese alle sind weit \u00fcber die heimlichen Diebe, vor denen man Schloss und Riegel legen kann, oder wo man sie begreift [ergreift], also mitf\u00e4hrt, da\u00df sie es nicht mehr tun. Vor diesen aber kann sich niemand h\u00fcten, darf sie auch niemand sa\u00fcr ansehen oder einiges Diebstahls zeihen, da\u00df einer zehnmal lieber aus dem Beutel verlieren sollte. Denn da sind meine Nachbarn, gute Freunde, mein eigen Gesinde, dazu ich mich Gutes versehe, die mich am allerersten ber\u00fccken [\u00fcberlisten, betr\u00fcgen].<\/p>\n<p>227] Also auch fort [ferner] auf dem Markt und [in] gemeinen H\u00e4ndeln geht es mit voller Macht und Gewalt, da einer den andern \u00f6ffentlich mit falscher Ware, Mass, Gewicht, M\u00fcnze betr\u00fcgt und mit Behendigkeit und seltsamen Finanzen [Betr\u00fcgereien] oder geschwinden F\u00fcndlein [geschickten Kniffen] \u00fcbervorteilt; item mit dem Kauf \u00fcbersetzt und nach seinem Mutwillen beschwert, schindet und plagt. Und wer kann solches alles erz\u00e4hlen oder erdenken? 228] Summa, das ist das gemeinste Handwerk und die gr\u00f6sste Zunft auf Erden, und wenn man die Welt jetzt durch alle St\u00e4nde ansieht, so ist sie nichts anderes denn ein grosser, weiter Stall voll grosser Diebe.<\/p>\n<p>229] Darum heissen sie auch die Stuhlr\u00e4uber [Wucherer, die daheim auf dem Stuhl sitzen, rauben und stehlen mit einem guten Schein], Land= und Strassendiebe, nicht Kastenr\u00e4uber noch Meucheldiebe, so aus der Barschaft zwacken, sondern die auf dem Stuhl sitzen und heissen grosse Junker und ehrsame, fromme B\u00fcrger und mit gutem Schein rauben und stehlen.<\/p>\n<p>230] Ja, hier w\u00e4re noch zu schweigen von geringen einzelnen Dieben, wenn man die grossen, gewaltigen Erzdiebe sollte angreifen, mit welchen Herren und F\u00fcrsten Gesellschaft machen, die nicht eine Stadt oder zwei, sondern ganz Deutschland t\u00e4glich ausstehlen. Ja, wo bliebe das Haupt und oberster Schutzherr aller Diebe, der heilige Stuhl zu Rom mit aller seiner Zugeh\u00f6r, welcher aller Welt G\u00fcter mit Dieberei zu sich [ge]bracht und bis auf diesen Tag innehat?<\/p>\n<p>231] K\u00fcrzlich, so geht\u2019s in der Welt, da\u00df, wer \u00f6ffentlich stehlen und rauben kann, geht sicher und frei dahin, von jedermann ungestraft, und will dazu geehrt sein. Dieweil m\u00fcssen die kleinen, heimlichen Diebe, so sich einmal vergriffen haben, die Schande und Strafe tragen, jene fromm und zu Ehren machen. Doch sollen sie wissen, da\u00df sie vor Gott die gr\u00f6ssten Diebe sind, der sie auch, wie sie wert sind und verdienen, strafen wird.<\/p>\n<p>232] Weil nun dies Gebot so weit um sich greift, wie jetzt angezeigt, ist\u2019s not, dem P\u00f6bel [dem einf\u00e4ltigen Volk] wohl vorzuhalten und au\u00dfustreichen, da\u00df man sie nicht so frei und sicher hingehen lasse, sondern [ihnen] immer Gottes Zorn vor Augen stelle und einble\u00fc. Denn wir solches nicht Christen, sondern allermeist Buben und Sch\u00e4lken predigen m\u00fcssen, welchen wohl billiger Richter, Stockmeister oder Meister Hans [der Henker] predigen sollte. 233] Darum wisse ein jeglicher, da\u00df er schuldig ist bei Gottes Ungnaden, nicht allein seinem N\u00e4chsten keinen Schaden zu tun, noch seinen Vorteil zu entwenden, noch im Kauf oder irgendeinem Handel einerlei [irgendwelche] Untre\u00fc oder T\u00fccke zu beweisen, sondern auch sein Gut treulich zu verwahren, seinen Nutzen zu verschaffen und f\u00f6rdern, sonderlich so er Geld, Lohn und Nahrung daf\u00fcr nimmt.<\/p>\n<p>234] Wer nun solches mutwillig verachtet, mag wohl hingehen und dem Henker entlaufen, wird aber Gottes Zorn und Strafe nicht entgehen und, wenn er seinen Trotz und Stolz lang treibt, doch ein Landl\u00e4ufer und Bettler bleiben, alle Plage und Ungl\u00fcck dazu haben. 235] Jetzt gehst du hin, da du sollest deines Herrn oder Fra\u00fcn Gut bewahren, daf\u00fcr du deinen Kropf und Bauch f\u00fcllst, nimmst deinen Lohn als ein Dieb, l\u00e4sst dich dazu feiern als ein Junker, als ihrer viel sind, die Herren und Fra\u00fcn noch trotzen und ihnen ungern zu Lieb und Dienst t\u00e4ten, einen Schaden zu verwahren [verh\u00fcten].<\/p>\n<p>236] Siehe aber zu, was du daran gewinnst, da\u00df, wo [wenn] du dein Eigenes \u00fcberkommst und zu Hause sitzest, dazu Gott mit allem Ungl\u00fcck helfen wird, soll sich\u2019s wieder finden und heimkommen, da\u00df, wo du einen Heller abgebrochen oder Schaden getan hast, [du] dreissigf\u00e4ltig bezahlen m\u00fcssest.<\/p>\n<p>237] Desgleichen soll es Handwerksleuten und Tagel\u00f6hnern gehen, von welchen man jetzt unleidlichen Mutwillen h\u00f6ren und leiden muss, als w\u00e4ren sie Junker im fremden Gut, und jedermann m\u00fcsse ihnen wohl geben, wieviel sie wollen. 238] Solche lass nur getrost schinden, solang sie k\u00f6nnen, aber Gott wird seines Gebotes nicht vergessen und ihnen auch lohnen, wie sie gedient haben, und h\u00e4ngen nicht an einen gr\u00fcnen, sondern d\u00fcrren Galgen, da\u00df sie ihr Leben lang nicht gediehen noch etwas vor sich bringen. Und zwar, wenn ein recht geordnet Regiment in Landen [im Lande] w\u00e4re, k\u00f6nnte man solchem Mutwillen bald ste\u00fcrn und wehren, wie vorzeiten bei den R\u00f6mern gewesen ist, da man solchen flugs auf die Haube griff [sie beim Schopf nahm], da\u00df sich andere daran stossen mussten.<\/p>\n<p>240] Also soll es allen andern gelingen, so aus dem offenen, freien Markt nichts denn ein Schindeleich [einen Schindanger] und Raubhaus machen, da man t\u00e4glich die Armen \u00fcbersetzt [\u00fcberfordert], ne\u00fc Beschwerung und Teurung macht, und jeglicher des Markts braucht nach seinem Mutwillen, trotzet und stolzet dazu, als habe er gut Fug und Recht, das Seine so te\u00fcr zu geben, als ihn gel\u00fcstet, und soll ihm niemand dreinreden. 241] Denen wollen wir zwar zusehen, [sie] schinden, zwacken und geizen lassen, 242] aber Gott vertra\u00fcn (der es doch ohnedas tun wird), da\u00df er, wenn du lange geschunden und geschreppelt [m\u00fchsam zusammengescharrt] hast, einen Segen dar\u00fcber spreche, da\u00df dir dein Korn auf dem Boden, dein Bier im Keller, dein Vieh im Stall verderbe; ja, wo du jemand um einen Gulden t\u00e4uschest und vervorteilst, soll dir\u2019s den ganzen Haufen wegrosten und fressen, da\u00df du sein nimmer froh werdest.<\/p>\n<p>243] Solches sehen und erfahren wir zwar vor Augen t\u00e4glich erf\u00fcllt werden, da\u00df kein gestohlen und f\u00e4lschlich gewonnen Gut gedeiht. Wieviel sind ihrer, so Tag und Nacht scharren und kratzen und doch keines Hellers reicher werden, und ob sie viel sammeln, doch so viel Plage und Ungl\u00fcck m\u00fcssen haben, da\u00df sie es nicht mit Freuden geniessen noch auf ihre Kinder erben k\u00f6nnen. 244] Aber weil sich niemand daran kehrt, und [wir] hingehen, als ging\u2019s uns nichts an, muss er uns anders heimscuchen und mores lehren, da\u00df er eine Landschatzung \u00fcber die andere \u00fcber uns schicke, oder einen Haufen Landsknechte zu Gaste lade, die uns auf eine Stunde Kasten und Beutel r\u00e4umen und nicht aufh\u00f6ren, weil [solange] wir einen Heller behalten, dazu zu Dank Haus und Hof verbrennen und verheeren, Weib und Kinder sch\u00e4nden und umbringen.<\/p>\n<p>245] Und Summa, stiehlst du viel, so versiehe dich gewisslich, da\u00df dir noch so viel [noch einmal so viel] gestohlen werde, und wer mit Gewalt und Unrecht raubt und gewinnt, einen andern leide, der ihm auch also mitspiele. Denn die Kunst kann Gott meisterlich, weil jedermann den andern beraubt und stiehlt, da\u00df er ein Dieb mit dem andern straft; wo[her] wollte man sonst Galgen und Stricke genug nehmen?<\/p>\n<p>246] Wer ihm nun will sagen lassen, der wisse, da\u00df [es] Gottes Gebot ist und f\u00fcr keinen Scherz will gehalten sein. Denn ob du uns verachtest, betreugst [betr\u00fcgst], stiehlst und raubst, wollen wir\u2019s zwar noch zukommen [dulden] und deinen Hochmut ausstehen, leiden und dem Vaterunser nach vergeben und [uns deiner] erbarmen; denn wir wissen, da\u00df die Frommen doch genug haben m\u00fcssen, und du dir selbst mehr denn einem andern Schaden tust.<\/p>\n<p>247] Aber da h\u00fcte dich vor, wenn das liebe Armut (welches jetzt viel ist) kommt, so um den t\u00e4glichen Pfennig kaufen und zehren muss, und du zuf\u00e4hrst, als m\u00fcsste jedermann deiner Gnade leben, schindest und schabst bis auf den Grat [Knochen], dazu mit Stolz und \u00dcbermut abweist, dem du solltest geben und schenken, so geht es dahin elend und betr\u00fcbt, und weil es solches niemandem klagen kann, schreit und ruft es gen Himmel\u2014da h\u00fcte dich (sage ich abermal) als vor dem Teufel selbst. Denn solch Seufzen und Rufen wird nicht scherzen, sondern einen Nachdruck haben, der dir und aller Welt zu schwer werden wird. Denn es wird den treffen, der sich der armen, betr\u00fcbten Herzen annimmt und nicht will ungerochen [unger\u00e4cht] lassen. Verachtest du es aber und trotzest, so siehe, wen du auf dich geladen hast; wird dir\u2019s gelingen und wohl gehen, sollst du Gott und mich vor aller Welt L\u00fcgner schelten.<\/p>\n<p>248] Wir haben genug vermahnt, gewarnt und gewehrt; wer es nicht achten noch glauben will, den lassen wir gehen, bis er\u2019s erfahre. Doch muss man dem jungen Volk solches einbilden [einpr\u00e4gen], da\u00df sie sich h\u00fcten und dem alten, unb\u00e4ndigen H\u00e4ufen nicht nachfolgen, sondern Gottes Gebot vor Augen halten, da\u00df nicht Gottes Zorn und Strafe auch \u00fcber sie gehe. 249] Uns geb\u00fchrt nicht weiter, denn zu sagen und zu strafen mit Gottes Wort; aber da\u00df man solchem \u00f6ffentlichen Mutwillen steure, da geh\u00f6ren F\u00fcrsten und Obrigkeit zu, die selbst Augen und den Mut h\u00e4tten, Ordnung zu stellen und zu halten in allerlei H\u00e4ndel und Kauf, auf da\u00df das Armut nicht beschwert und verdr\u00fcckt [unterdr\u00fcckt] w\u00fcrde, noch sie sich mit fremden S\u00fcnden beladen d\u00fcrften.<\/p>\n<p>250] Das sei genug davon gesagt, was stehlen heisse, da\u00df man\u2019s nicht so eng spanne, sondern gehen lasse, so weit als wir mit dem N\u00e4chsten zu tun haben. Und kurz in eine Summa, wie in den vorigen, zu fassen, ist dadurch verboten, erstlich dem N\u00e4chsten Schaden und Unrecht zu tun (wie mancherlei Weise zu erdenken sind, hab\u2019 und Gut abzubrechen, [zu] verhindern und vorzuhalten [[vorz\u00fcnthalten]), auch solches nicht bewilligen noch gestatten, 251] sondern wehren und vorkommen, und wiederum geboten, sein Gut [zu] f\u00f6rdern, bessern und, wo er Not leidet, helfen, mitteilen, vorstrecken beide Freunden und Feinden.<\/p>\n<p>252] Wer nun gute Werke sucht und begehrt, wird hier \u00fcbrig genug finden, die Gott von Herzen angenehm und gef\u00e4llig sind, dazu mit trefflichem Segen begnadet und \u00fcbersch\u00fcttet, da\u00df es reichlich soll vergolten werden, was wir unserm N\u00e4chsten zu Nutz und Freundschaft tun, wie auch der K\u00f6nig Salomo lehrt Prov. 19: &#8220;Wer sich des Armen erbarmt, der leihet dem Hern; der wird ihm wieder vergelten seinen Lohn.&#8221; 253] Da hast du einen wird gebrechen noch mangeln lassen; so kannst du mit fr\u00f6hlichem Gewissen hundertmal mehr geniessen, denn du mit Untre\u00fc und Unrecht erschreppelst [erschindest, zusammenscharrst]. Wer nun des Segens nicht mag, der wird Zorn und Ungl\u00fcck genug finden. <\/p>\n<p>Das achte Gebot.<\/p>\n<p>254] Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen N\u00e4chsten.<\/p>\n<p>255] \u00dcber unsern eigenen Leib, ehelich Gemahl und zeitlich Gut haben wir noch einen Schatz, n\u00e4mlich Ehre und gut Ger\u00fccht, welches wir auch nicht entbehren k\u00f6nnen. Denn es gilt nicht, unter den Leuten in \u00f6ffentlicher Schande, von jedermann verachtet, zu leben. 256] Darum will Gott des N\u00e4chsten Leumund, Glimpf [guten Namen] und Gerechtigkeit so wenig als Geld und Gut genommen oder verk\u00fcrzt haben, auf da\u00df ein jeglicher vor seinem Weibe, Kind, Gesinde und Nachbar ehrlich bestehe [in Ehren dastehe]. 257] Und zum ersten ist der gr\u00f6bste Verstand dieses Gebots, wie die Worte lauten; &#8220;Du sollst nicht falsch Zeugnis reden&#8221;, auf \u00f6ffentlich Gericht gestellt, da man einen armen unschuldigen Mann verklagt und durch falsche Zeugen unterdr\u00fcckt, damit er gestraft werde an Leib, Gut oder Ehre.<\/p>\n<p>258] Das scheint nun jetzt, als gehe es uns wenig an, aber bei den Juden ist\u2019s gar ein trefflich, gemein Ding gewesen. Denn das Volk war in feinem, ordentlichem Regiment gefasst, und wo noch ein solch Regiment ist, da geht\u2019s ohne diese S\u00fcnde nicht ab. Ursache ist diese: Denn wo Richter, B\u00fcrgermeister, F\u00fcrst oder andere Obrigkeit sitzt, da fehlt es nimmer, es geht nach der Welt Lauf, da\u00df man niemand gerne beleidigen will, heuchelt und redet nach Gunst, Geld, Hoffnung oder Freundschaft; dar\u00fcber muss ein armer Mann mit seiner Sache verdr\u00fcckt [unterdr\u00fcckt werden], unrecht haben und Strafe leiden. Und ist eine gemeine Plage in der Welt, da\u00df im Gericht selten fromme Leute sitzen.<\/p>\n<p>259] Denn es geh\u00f6rt vor allen andern Dingen ein frommer Mann zu einem Richter und nicht allein ein frommer, sondern auch ein weiser, bescheidener, ja auch ein k\u00fchner und kecker Mann; als auch geh\u00f6rt ein kecker, dazu vornehmlich ein frommer Mann zum Zeugen. Denn wer alle Sachen recht richten und mit dem Urteil hindurchreissen soll, wird oftmals gute Freunde, Schw\u00e4ger, Nachbarn, Reiche und Gewaltige erz\u00fcrnen, die ihm viel dienen oder schaden k\u00f6nnen; darum muss er gar blind sein, Augen und Ohren zugetan, nicht sehen noch h\u00f6ren denn stracks vor sich, was ihm vorkommt, und dem nach schliessen.<\/p>\n<p>260] Darum ist nun erstlich dies Gebot gestellt, da\u00df ein jeglicher seinem N\u00e4chsten helfe zu seinem Rechten und dasselbe nicht hindern noch beugen lasse, sondern f\u00f6rdere und stracks dar\u00fcber halte, Gott gebe [gleichviel ob] es sei Richter oder Zeuge, und treffe an [betreffe], was es wolle. 261] Und sonderlich ist hiermit unsern Herren Juristen ein Ziel gesteckt, da\u00df sie zusehen, recht und aufgericht [aufrichtig] mit den Sachen umgehen, was recht ist, recht bleiben lassen und wiederum nicht verdrehen noch verm\u00e4nteln oder [ver]schweigen, unangesehen Geld, Gut, Ehre oder Herrschaft. Das ist ein St\u00fcck und der gr\u00f6bste Verstand dieses Gebots von allem, das vor Gericht geschieht.<\/p>\n<p>262] Danach greift es gar viel weiter, wenn man\u2019s soll ziehen ins geistliche Gericht oder Regiment; da geht\u2019s also, da\u00df ein jeglicher wider seinen N\u00e4chsten f\u00e4lschlich zeugt. Denn wo fromme Prediger und Christen sind, die haben vor der Welt das Urteil, da\u00df sie Ketzer, abtr\u00fcnnige, ja aufr\u00fchrerische und verzweifelte B\u00f6sewichte heissen. Dazu muss sich Gottes Wort aufs sch\u00e4ndlichste und giftigste verfolgen, l\u00e4stern, l\u00fcgenstrafen, verkehren und f\u00e4lschlich ziehen und deuten lassen. Aber das gehe seinen Weg; denn es ist der blinden Welt Art, da\u00df sie die Wahrheit und Gottes Kinder verdammt und verfolgt und doch f\u00fcr keine S\u00fcnde achtet.<\/p>\n<p>263] Zum dritten so uns allzumal belangt, ist in diesem Gebot verboten alle S\u00fcnde der Zunge, dadurch man dem N\u00e4chsten mag Schaden tun oder zu nahe sein. Denn falsch Zeugnis reden ist nichts anderes denn Mundwerk. Was man nun mit Mundwerk wider den N\u00e4chsten tut, das will Gott gewehrt haben, es seien falsche Prediger mit der Lehre und L\u00e4stern, falsche Richter und Zeugen mit dem Urteil oder sonst ausser dem Gericht mit L\u00fcgen und \u00dcbelreden. 264] Daher geh\u00f6rt sonderlich das leidige, sch\u00e4ndliche Laster: afterreden oder verleumden, damit uns der Teufel reitet, davon viel zu reden w\u00e4re. Denn es ist eine gemeine sch\u00e4dliche Plage, da\u00df jedermann lieber B\u00f6ses denn Gutes von dem N\u00e4chsten h\u00f6rt sagen, und wiewohl wir selbst so b\u00f6se sind, da\u00df wir nicht leiden k\u00f6nnen, da\u00df uns jemand ein b\u00f6s St\u00fcck nachsage, sondern jeglicher gerne wollte, da\u00df alle Welt Goldenes von ihm redete, doch k\u00f6nnen wir nicht h\u00f6ren, da\u00df man das Beste von andern sage.<\/p>\n<p>265] Derhalben sollen wir merken, solche Untugend zu meiden, da\u00df niemand zugelassen [erlaubt] ist, seinen N\u00e4chsten \u00f6ffentlich zu [ver]urteilen und [zu] strafen, ob er ihn gleich sieht s\u00fcndigen, er habe denn Befehl zu richten und [zu] strafen. 266] Denn es ist gar ein grosser Unterschied zwischen den zweien: S\u00fcnde richten und S\u00fcnde wissen. Wissen magst du sie wohl, aber richten sollst du sie nicht. Sehen und h\u00f6ren kann ich wohl, da\u00df mein N\u00e4chster s\u00fcndigt, aber gegen andere nachzusagen habe ich keinen Befehl. Wenn ich nun zufahre, richte und urteile, so falle ich in eine S\u00fcnde, die gr\u00f6sser ist denn jene. Weisst du es aber, so t\u00fc nicht anders, denn mache aus den Ohren ein Grab und scharre es zu, bis da\u00df dir befohlen werde, Richter zu sein und von Amts wegen zu strafen.<\/p>\n<p>267] Das heissen nun Afterreder, die es nicht bei dem Wissen bleiben lassen, sondern fortfahren und ins Gericht greifen, und wenn sie ein St\u00fccklein von einem andern wissen, tragen sie es in alle Winkel, kitzeln und kra\u00fcn [kratzen] sich, da\u00df sie m\u00f6gen eines andern Unlust r\u00fchren wie die S\u00e4\u00fc, so sich im Kot w\u00e4lzen und mit dem R\u00fcssel darin w\u00fchlen. 268] Das ist nichts anderes, denn Gott in sein Gericht und Amt fallen, urteilen und strafen mit dem sch\u00e4rfsten Urteil. Denn kein Richter h\u00f6her strafen kann noch weiter fahren, denn da\u00df er sage: Dieser ist ein Dieb, M\u00f6rder, Verr\u00e4ter usw. Darum wer sich solches untersteht, vom N\u00e4chsten zu sagen, greift ebenso weit als Kaiser und alle Obrigkeit. Denn ob du das Schwert nicht f\u00fchrst, so brauchst du doch deiner giftigen Zunge, dem N\u00e4chsten zu Schand\u2019 und Schaden.<\/p>\n<p>269] Darum will Gott gewehrt haben, da\u00df niemand dem andern \u00fcbel nachrede, wenn er\u2019s gleich schuldig ist, und dieser [es] wohl weiss; viel weniger, so er\u2019s nicht weiss und allein vom H\u00f6rensagen genommen hat. 270] Sprichst du aber: Soll ich\u2019s denn nicht sagen, wenn es die Wahrheit ist? Antwort: Warum tr\u00e4gst du es nicht vor ordentliche Richter? Ja, ich kann\u2019s nicht \u00f6ffentlich bezeugen [mit Zeugen beweisen]; so m\u00f6chte man mir vielleicht \u00fcbers Maul fahren und [mich] \u00fcbel abweisen. Ei, lieber, reuchst du [riechst du] den Braten, traust du nicht [getraust du dich nicht], vor geordneten Personen zu stehen und zu verantworten, so halte auch das Maul; weisst du es aber, so wisse es f\u00fcr dich, nicht f\u00fcr einen andern; denn wo du es weiter sagst, ob es gleich wahr ist, so bestehst du doch wie ein L\u00fcgner, weil du es nicht kannst wahr machen, tust dazu wie ein B\u00f6sewicht. Denn man soll niemand seine Ehre und Ger\u00fccht nehmen, es sei ihm denn zuvor genommen \u00f6ffentlich.<\/p>\n<p>271] Also heisst nun falsch Gezeugnis [Zeugnis] alles, was man nicht, wie sich\u2019s geh\u00f6rt, \u00fcberweisen [beweisen] kann. 272] Darum, was nicht mit genugsamer Beweisung offenbar ist, soll niemand offenbar machen noch f\u00fcr Wahrheit sagen, und Summa: was heimlich ist, soll man heimlich bleiben lassen oder je heimlich strafen, wie wir h\u00f6ren werden. 273] Darum, wo dir ein unn\u00fctz Maul vorkommt, das einen andern austr\u00e4gt und verleumdet, so rede ihm frisch unter Augen, da\u00df er schamrot werde so wird mancher das Maul halten, der sonst einen armen Menschen ins Geschrei bringt, daraus er schwerlich wieder kommen kann. Denn Ehre und Glimpf [guter Name] ist bald genommen, aber nicht bald wieder [ge]geben.<\/p>\n<p>274] Also siehst du, da\u00df kurzum verboten ist, von dem N\u00e4chsten etwas B\u00f6ses zu reden, doch ausgenommen weltliche Obrigkeit, Prediger, Vater und Mutter, da\u00df man dennoch dies Gebot so verstehe, da\u00df das B\u00f6se nicht ungestraft bleibe. Wie man nun laut des f\u00fcnften Gebots niemand schaden soll am Leibe, doch ausgezogen [besonders ausgenommen] Meister Hansen [den Henker], der seines Amts halben dem N\u00e4chsten kein Gutes, sondern nur Schaden und B\u00f6ses tut und nicht wider Gottes Gebot s\u00fcndigt, darum da\u00df Gott solch Amt von seinetwegen geordnet hat; denn er ihm die Strafe seines Gefallens vorbehalten hat, wie er im ersten Gebot dr\u00e4\u00fct: also auch, wiewohl ein jeglicher f\u00fcr seine Person niemand richten noch verdammen soll, doch, wo es die nicht tun, denen es befohlen ist, s\u00fcndigen sie ja so wohl, als der\u2019s ausser dem Amt von sich selbst t\u00e4te. 275] Denn hier fordert die Not, von dem \u00dcbel zu reden, Klagen vor [zu] bringen, [zu] fragen und zeugen, und geht nicht anders zu denn mit einem Arzt, der zuweilen dem, den er heilen soll, an heimliche Orte sehen und greifen muss. Br\u00fcder und Schwestern und sonst gute Freunde untereinander schuldig, wo es not und n\u00fctze ist, B\u00f6ses zu strafen.<\/p>\n<p>276] Das w\u00e4re aber die rechte Weise, wenn man die Ordnung nach dem Evangelio hielte Matth. 18, da Christus spricht: &#8220;S\u00fcndiget dein Bruder an dir, so gehe hin und strafe ihn zwischen dir und ihm allein.&#8221; Da hast du eine k\u00f6stliche, feine Lehre, die Zunge wohl zu regieren, die wohl zu merken ist wider den leidigen Missbrauch. Danach richte dich nun, da\u00df du nicht so bald den N\u00e4chsten anderswo austragest und ihm nachredest, sondern ihn heimlich vermahnest, da\u00df er sich bessere. Desgleichen auch wenn dir ein anderer etwas zu Ohren tr\u00e4gt, was dieser oder jener getan hat, lehre ihn auch also, da\u00df er hingehe und strafe ihn selbst, wo er\u2019s gesehen hat; wo nicht, da\u00df er das Maul halte.<\/p>\n<p>277] Solches magst du auch lernen aus t\u00e4glichem Hausregiment. Denn so tut der Herr im Haus; wenn er sieht, da\u00df der Knecht nicht tut, was er soll, so spricht er ihm selbst zu. Wenn er aber so toll w\u00e4re, liesse den Knecht daheim sitzen und ginge heraus auf die Gassen, den Nachbarn \u00fcber ihn zu klagen, w\u00fcrde er freilich m\u00fcssen h\u00f6ren: Du Narr, was geht\u2019s uns an? 278] Warum sagst du es ihm selbst nicht? Siehe, das w\u00e4re nun recht br\u00fcderlich gehandelt, da\u00df dem \u00dcbel geraten w\u00fcrde und dein N\u00e4chster bei Ehren bliebe. Wie auch Christus daselbst sagt: &#8220;H\u00f6ret er dich, so hast du deinen Bruder gewonnen.&#8221; Da hast du ein gross, trefflich Werk getan; denn meinst du, da\u00df ein gering Ding sei, einen Bruder gewinnen? Lass alle M\u00f6nche und heiligen Orden mit allen ihren Werken zu Haufe geschmelzt hervortreten, ob sie den Ruhm k\u00f6nnen aufbringen, da\u00df sie einen Bruder gewonnen haben.<\/p>\n<p>279] Weiter lehrt Christus: &#8220;Will er dich aber nicht h\u00f6ren, so nimm noch einen oder zween zu dir, auf da\u00df alle Sache bestehe auf zweier oder dreier Zeugen Mund&#8221;, also da\u00df man je mit dem selbst handle, den es belangt, und nicht hinter seinem Wissen ihm nachrede. 280] Will aber solches nicht helfen, so trage es dann \u00f6ffentlich vor die Gemeinde, es sei vor weltlichem oder geistlichem Gericht. Denn hier stehst du nicht allein, sondern hast jene Zeugen mit dir, durch welche du den Schuldigen \u00fcberweisen kannst, darauf der Richter gr\u00fcnden, urteilen und strafen kann. So kann man ordentlich und recht dazu kommen, da\u00df man dem B\u00f6sen wehrt oder bessert; 281] sonst, wenn man einen andern mit dem Maul umtr\u00e4gt durch alle Winkel und den Unflat r\u00fchrt, wird niemand gebessert, und danach, wenn man stehen und zeugen soll, will man\u2019s nicht gesagt haben. 282] Darum gesch\u00e4he solchen M\u00e4ulern recht, da\u00df man ihnen den Kitzel wohl b\u00fcsste [die Lust zum Verleumden entgelten liesse und so austriebe], da\u00df sich andere daran stiessen. 283] Wenn du es deinem N\u00e4chsten zur Besserung oder aus Liebe der Wahrheit t\u00e4test, w\u00fcrdest du nicht heimlich schleichen noch den Tag und Licht sche\u00fcn.<\/p>\n<p>284] Das alles ist nun von heimlichen S\u00fcnden gesagt. Wo aber die S\u00fcnde ganz \u00f6ffentlich ist, da\u00df Richter und jedermann wohl weiss, so kannst du ihn ohne alle S\u00fcnde meiden und fahren lassen, als der sich selbst zuschanden gemacht hat, dazu auch \u00f6ffentlich von ihm zeugen. Denn was offenbar am Tage ist, da kann kein Afterreden noch falsch Richten oder Zeugen sein; als, da\u00df wir jetzt den Papst mit seiner Lehre strafen, so \u00f6ffentlich in B\u00fcchern an [den] Tag gegeben und in aller Welt ausgeschrien ist. Denn wo die S\u00fcnde \u00f6ffentlich ist, soll auch billig \u00f6ffentliche Strafe folgen, da\u00df sich jedermann davor wisse zu h\u00fcten.<\/p>\n<p>285] Also haben wir nun die Summa und gemeinen Verstand von diesem Gebot, da\u00df niemand seinem N\u00e4chsten, beide Freund und Feind, mit der Zunge sch\u00e4dlich sein noch B\u00f6ses von ihm reden soll, Gott gebe, es sei wahr oder erlogen, so es nicht aus Befehl oder zur Besserung geschieht; sondern seine Zunge brauchen und dienen lassen, von jedermann das Beste zu reden, des N\u00e4chsten S\u00fcnde und Gebrechen zudecken, entschuldigen und mit seiner Ehre besch\u00f6nen [besch\u00f6nigen] und schm\u00fccken. Ursache soll sein allermeist diese, so Christus im Evangelio anzeucht [anzieht] und damit alle Gebote gegen den N\u00e4chsten will gefasst haben: &#8220;Alles, was ihr wollet, da\u00df euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch.&#8221;<\/p>\n<p>287] Auch lehrt solches die Natur an unserm eigenen Leibe, wie St. Paulus 1 Kor. 12 sagt: &#8220;Die Glieder des Leibes, so uns d\u00fcnken die schw\u00e4chsten sein, sind die n\u00f6tigsten, und die uns d\u00fcnken die unehrlichsten sein, denselbigen legen wir am meisten Ehre an, und die uns \u00fcbel anstehen, die schm\u00fcckt man am meisten.&#8221; Das Angesicht, Augen, Nase und Mund deckt niemand zu, denn sie [be]d\u00fcrfen\u2019s nicht, als an ihm selbst die ehrlichsten Glieder, so wir haben; aber die allergebrechlichsten, deren wir uns sch\u00e4men, deckt man mit allem Fleiss; da muss H\u00e4nde, Augen samt dem ganzen Leibe helfen decken und verh\u00fcllen. 288] Also sollen auch wir alle untereinander, was an unserm N\u00e4chsten unehrlich und gebrechlich ist, schm\u00fccken und mit allem, so wir verm\u00f6gen, zu seinen Ehren dienen, helfen und f\u00f6rderlich sein; und wiederum wehren, was ihm mag zu Unehren [ge]reichen. 289] Und ist sonderlich eine feine, edle Tugend, wer alles, was er vom N\u00e4chsten h\u00f6rt reden (so nicht \u00f6ffentlich b\u00f6se ist), wohl auslegen und aufs beste deuten oder je zugut halten kann wider die giftigen M\u00e4uler, die sich fleissen [befleissigen], wo sie etwas ergr\u00f6beln [ausspionieren] und erhaschen k\u00f6nnen, am N\u00e4chsten zu tadeln, und aufs \u00e4rgste ausecken [auslegen] und verkehren, wie jetzt vornehmlich dem lieben Gotteswort und seinen Predigern geschieht.<\/p>\n<p>290] Darum sind in diesem Gebot gar m\u00e4chtig viel gute Werke gefasst, die Gott aufs h\u00f6chste wohlgefallen und \u00fcberfl\u00fcssig Gut und Segen mit sich bringen, wenn sie nur die blinde Welt und falschen Heiligen erkennen wollten. 291] Denn es ist nichts an [am] und im ganzen Menschen, das mehr und weiter beide Gutes schaffen und Schaden tun kann in geistlichen und weltlichen Sachen denn die Zunge, so doch das kleinste und schw\u00e4chste Glied ist. <\/p>\n<p>Das neunte und zehnte Gebot.<\/p>\n<p>292] Du sollst nicht begehren deines N\u00e4chsten Haus. Du sollst nicht begehren seines Weibes [sein Weib], Knecht, Magd, Vieh, oder was sein ist.<\/p>\n<p>293] Diese zwei Gebote sind fast den Juden sonderlich gegeben, wiewohl sie uns dennoch auch zum Teil betreffen. Denn sie legen sie nicht aus von Unkeuschheit noch Diebstahl, weil davon droben genug verboten ist, heilten\u2019s auch daf\u00fcr, sie h\u00e4tten jene alle gehalten, wenn sie \u00e4usserlich die Werke getan oder nicht getan h\u00e4tten. Darum hat Gott diese zwei hinzugesetzt, da\u00df man\u2019s auch halte f\u00fcr S\u00fcnde und verboten, des N\u00e4chsten Weib oder Gut [zu] begehren und einerlei Weise [auf irgendeine Weise] danach zu stehen, 294] und sonderlich darum, weil in dem j\u00fcdischen Regiment Knechte und M\u00e4gde nicht, wie jetzt, frei waren, um Lohn zu dienen, wie lang sie wollten, sondern des Herrn eigen mit Leib, und was sie hatten, wie das Vieh und ander Gut; 295] dazu auch ein jeglicher \u00fcber sein Weib die Macht hatte, sie durch einen Scheidebrief \u00f6ffentlich von sich zu lassen und eine andere zu nehmen. Da mussten sie nun untereinander die Fahr stehen [auf die Gefahr gefasst sein], wenn jemand eines andern Weib gerne gehabt h\u00e4tte, da\u00df er irgendeine Ursache nehme, beide sein Weib von sich zu tun und dem andern seines auch zu entfremden, da\u00df er\u2019s mit gutem Fug [Recht] zu sich br\u00e4chte. Das war nun bei ihnen keine S\u00fcnde noch Schande, so wenig als jetzt mit dem Gesinde, wenn ein Hausherr seinem Knecht oder Magd Urlaub gibt oder einer dem andern sonst abdringt.<\/p>\n<p>296] Darum haben sie nun (sage ich) diese Gebote also gedeutet, wie es auch recht ist (wiewohl es auch etwas weiter und h\u00f6her geht), das niemand dem andern das Seine, als Weib, Gesinde, Haus und Hof, Acker, Wiesen, Vieh, denke und vornehme, an sich zu bringen, auch mit gutem Schein und Behelf, doch mit des N\u00e4chsten Schaden. Denn droben im siebenten Gebot ist die Untugend verboten, da man fremdes Gut zu sich reisst oder dem N\u00e4chsten vorh\u00e4lt [vorenth\u00e4lt], dazu man kein Recht haben kann. Hier aber ist auch gewehrt, dem N\u00e4chsten nichts abzuspannen [abspenstig zu machen, abzulocken], ob man gleich mit Ehren vor der Welt dazu kommen kann, da\u00df dich niemand zeihen noch tadeln darf, als habest du es mit unrecht erobert.<\/p>\n<p>297] Denn die Natur so geschickt [geartet] ist, da\u00df niemand dem andern so viel als ihm selbst g\u00f6nnt, und ein jeglicher, soviel er immer kann, zu sich bringt, ein anderer bleibe, wo er kann. 298] Und wollen noch dazu fromm sein, k\u00f6nnen uns aufs feinste schm\u00fccken und den Schalk bergen, suchen und dichten so behende F\u00fcndlin [Kniffe] und schwinde [listige] Griffe (wie man jetzt t\u00e4glich aufs beste erdenkt), als aus den Rechten gezogen, d\u00fcrfen uns darauf kecklich berufen und trotzen und wollen solches nicht Schalkheit, sondern Gescheidigkeit [solches nicht Schalkheit, sondern Gescheidigkeit [Gescheitheit] und Vorsichtigkeit genannt haben. 299] Dazu helfen auch Juristen und Rechtsprecher, so das Recht lenken und dehnen, wie es zur Sache helfen will, die Worte zwacken und zu Behelf nehmen, unangesehen Billigkeit und des N\u00e4chsten Notdurft. Und Summa, wer in solchen Sachen der geschickteste und gescheiteste ist, dem hilft das Recht am besten, wie sie auch sprechen: Vigilantibus iura subveniunt.<\/p>\n<p>300] Darum ist dies letzte Gebot nicht f\u00fcr die b\u00f6sen Buben vor der Welt, sondern eben f\u00fcr die Fr\u00f6mmsten gestellt, die da wollen gelobt sein, redliche und aufrichtige Leute heissen, als die wider die vorigen Gebote nichts verschulden, wie vornehmlich die Juden sein wollten und noch viel grosse Junker, Herren und F\u00fcrsten. Denn der andere gemeine Haufe geh\u00f6rt noch weit herunter in das siebente Gebot, als die nicht viel danach fragen, wie sie das Ihre mit Ehren und Recht gewinnen.<\/p>\n<p>301] So begibt sich nun solches am meisten in den H\u00e4ndeln, so auf Recht gestellt werden, dadurch man vornimmt, dem N\u00e4chsten etwas abzugewinnen und ihn von dem Seinen abzusch\u00fcpfen [wegzustossen]. Als (da\u00df wir Exempel geben) wenn man hadert und handelt um gross Erbfall, liegende G\u00fcter usw., da f\u00fchrt man herzu und nimmt zu Hilfe, was einen Schein des Rechten haben will mutzt und schm\u00fcckt\u2019s also hervor, da\u00df das Recht diesem zufallen muss, und beh\u00e4lt das Gut mit solchem Titel, da\u00df niemand keine Klage noch Anspruch dazu hat. 302] Item, wenn jemand gern ein Schloss, Stadt, Grafschaft oder sonst etwas Grosses h\u00e4tte und treibt so viel Finanzerei [Betrug, R\u00e4nke] durch Freundschaft und womit er kann, da\u00df es einem andern ab= und ihm zugesprochen wird, dazu mit Brief und Siegel best\u00e4tigt, da\u00df [es] mit f\u00fcrstlichem Titel und redlich gewonnen heisse.<\/p>\n<p>303] Desgleichen auch in gemeinen Kaufh\u00e4ndeln, wo einer dem andern etwas behendiglich aus der Hand r\u00fcckt, da\u00df jener muss hinnach sehen, oder ihn \u00fcbereilt und betreugt [betr\u00fcgt], woran er seinen Vorteil und Geniess ersieht, da\u00df jener vielleicht aus Not oder Schuld nicht erhalten noch ohne Schaden l\u00f6sen kann, auf da\u00df er\u2019s halb oder mehr gefunden habe, und muss gleichwohl nicht mit Unrecht genommen oder entwendet, sondern redlich gekauft sein. Da heisst\u2019s: Der erste, der beste, und: Jeglicher sehe auf seine Schanz [Gelegenheit, Vorteil]; ein anderer habe, was er kann! 304] Und wer wollte so klug sein, alles zu erdenken, wieviel man mit solchem h\u00fcbschen Schein kann zu sich bringen? Das die Welt f\u00fcr kein Unrecht h\u00e4lt und nicht sehen will, da\u00df damit der N\u00e4chste enhindernbracht [zur\u00fcckgebracht, benachteiligt] wird und lassen muss, das er nicht ohne Schaden entbehren kann, so doch niemand ist, der ihm [sich] solches wollte getan haben; daran wohl zu sp\u00fcren ist, da\u00df solcher Behelf und Schein falsch ist.<\/p>\n<p>305] Also ist\u2019s nun vorzeiten auch mit den Weibern zu[ge]gangen; da kunnten [konnten, kannten] sie solche F\u00fcndlein [klug ersonnenen Kniffe], wenn einem eine andere gefiel, da\u00df er durch sich oder andere (wie denn mancherlei Mittel und Wege zu erdenken waren) zurichte, da\u00df ihr Mann einen Unwillen auf sie warf, oder sie sich gegen ihn sperrte und so stellte, da\u00df er sie musste von sich tun und diesem lassen. Solches hat ohne Zweifel stark regiert im Gesetze [im alten Testament], wie man auch im Evangelio liest von dem K\u00f6nige Herodes, da\u00df er seines eigenen Bruders Weib noch bei seinem Leben freite, welcher doch ein ehrbarer, frommer Mann sein wollte, wie ihm auch St. Markus Zeugnis gibt. 306] Aber solch Exempel, hoffe ich, soll bei uns nicht statthaben, weil im ne\u00fcn Testament den Ehelichen verboten ist, sich voneinander zu scheiden, es w\u00e4re denn in solchem Fall, da\u00df einer dem andern eine reiche Braut mit Behendigkeit entr\u00fcckte. Das ist aber bei uns nicht seltsam [selten], da\u00df einer dem andern seinen Knecht oder Deinstmagd abspannt [abspenstig, abwendig macht] und entfremdet oder sonst mit guten Worten abdringt.<\/p>\n<p>307] Es geschehe nun solches alles, wie es wolle, so sollen wir wissen, da\u00df Gott nicht haben will, da\u00df du dem N\u00e4chsten etwas, das ihm geh\u00f6rt, also entziehst, da\u00df er\u2019s entbehre und du deinen Geiz f\u00fcllst, ob du es gleich mit Ehren vor der Welt behalten kannst; denn es ist eine heimliche, meuchlinge Schalkheit und, wie man spricht, unter dem H\u00fctlein gespielt, da\u00df man\u2019s nicht merken soll. Denn ob du gleich hingehst, als habest du niemand unrecht getan, so bist du doch deinem N\u00e4chsten zu nahe [getreten], und heisst es nicht gestohlen noch betrogen, so heisst es dennoch des N\u00e4chsten Guts begehrt, das ist, danach gestanden und ihm abwendig gemacht ohne seinen Willen, und nicht wollen g\u00f6nnen, das ihm Gott beschert hat. 308] Und ob dir\u2019s der Richter und jedermann lassen muss, so wird dir\u2019s doch Gott nicht lassen; denn er sieht das Schalksherz und der Welt T\u00fccke wohl, welche, wo man ihr einen Finger breit einr\u00e4umt, nimmt sie eine Elle lange dazu, und auch \u00f6ffentlich Unrecht und Gewalt folgt.<\/p>\n<p>309] Also lassen wir dies Gebote bleiben in dem gemeinen Verstand, da\u00df erstlich geboten sei, da\u00df man des N\u00e4chsten Schaden nicht begehre, auch nicht dazu helfe noch Ursache gehe, sondern ihm g\u00f6nne und lasse, was er hat, dazu f\u00f6rdere und erhalte, was ihm zu Nutz und Dienst geschehen mag, wie wir wollten uns getan haben, 310] also da\u00df es sonderlich wider die Abgunst und den leidigen Geiz gestellt sei, auf da\u00df Gott die Ursache und Wurzel aus dem Wege r\u00e4ume, daher alles entspringt, dadurch man dem N\u00e4chsten Schaden tut, darum er\u2019s auch deutlich mit den Worten setzt: &#8220;Du sollst nicht begehren&#8221; usw. Denn er will vornehmlich das Herz rein haben, wiewohl wir\u2019s solange wir hier leben, nicht dahin bringen k\u00f6nnen, also da\u00df dies wohl ein Gebot bleibt wie die andern alle, das uns ohne Unterlass beschuldigt und anzeigt, wie fromm wir vor Gott sind.<\/p>\n<p>Beschluss der zehn Gebote.<\/p>\n<p>311] So haben wir nun die zehn Gebote, einen Ausbund [das Beste, Vorz\u00fcglichste] g\u00f6ttlicher Lehre, was wir tun sollen, da\u00df unser ganzes Leben Gott gefalle, und den rechten Born und R\u00f6hre, aus und in welchen q\u00fcllen und gehen m\u00fcssen [muss] alles, was gute Werke sein sollen, also da\u00df ausser den zehn Geboten kein Werk noch Wesen gut und Gott gef\u00e4llig kann sein, es sei so gross und k\u00f6stlich vor der Welt, wie es wolle. 312] Lass nun sehen, was unsere grossen Heiligen r\u00fchmen k\u00f6nnen von ihren geistlichen Orden und grossen, schweren Werken, die sie erdacht und aufgeworfen haben, und diese fahren lassen, gerade als w\u00e4ren diese viel zu gering oder allbereit l\u00e4ngst ausgerichtet.<\/p>\n<p>313] Ich meine je, man sollte hier alle H\u00e4nde voll zu schaffen haben, da\u00df man diese hielte: Sanftmut, Geduld und Liebe gegen Feinde, Keuschheit, Wohltat usw., und was solche St\u00fccke mit sich bringen. Aber solche Werke gelten und scheinen nicht vor der Welt Augen; denn sie sind nicht seltsam und aufgeblasen, an sonderliche eigene Zeit, St\u00e4tte, Weise und Geb\u00e4rde geheftet, sondern gemeine t\u00e4gliche Hauswerke, so ein Nachbar gegen den andern treiben kann; darum haben sie kein Ansehen.<\/p>\n<p>314] Jene aber sperren Augen und Ohren auf, dazu helfen sie selbst mit grossem Gepr\u00e4nge, Kost [Aufwand] und herrlichem Geb\u00e4u und schm\u00fccken sie hervor, da\u00df alles gleissen und leuchten muss. Da r\u00e4uchert man, da singt und klingt man, da z\u00fcndet man Kerzen und Lichter an, da\u00df man vor diesen keine andern h\u00f6ren noch sehen k\u00f6nne. Denn da\u00df da ein Pfaff in einer g\u00fclden Kasel [in einem goldenen Messkleid] steht, oder ein Laie den ganzen Tag in der Kirche auf den Knien liegt, das heisst ein k\u00f6stlich Werk, das niemand genug loben kann. Aber da\u00df ein armes Meidlin [M\u00e4dchen] eines jungen Kindes wartet und treulich tut, was ihr befohlen ist, das muss nichts heissen; was sollten sonst M\u00f6nche und Nonnen in ihren Kl\u00f6stern suchen?<\/p>\n<p>315] Siehe aber, ist das nicht eine verfluchte Vermessenheit der verzweifelten Heiligen, so da sich unterstehen, h\u00f6her und besser Leben und St\u00e4nde zu finden, denn die zehn Gebote lehren, geben vor (wie gesagt), es sei ein schlecht [ein ordin\u00e4res, geringes] Leben f\u00fcr den gemeinen Mann, ihres aber sei f\u00fcr die Heiligen und Vollkommenen, 316] und sehen nicht, die elenden, blinden Leute, da\u00df kein Mensch [es] so weit bringen kann, da\u00df er eins von den zehn Geboten halte, wie es zu halten ist, sondern noch beide der Glaube und das Vaterunser zu Hilfe kommen muss (wie wir h\u00f6ren werden), dadurch man solches suche und bitte und ohne Unterlass empfange? Darum ist ihr R\u00fchmen geradeso viel, als wenn ich r\u00fchmte und sagte: Ich habe zwar nicht einen Groschen zu bezahlen, aber zehn Gulden tra\u00fc ich wohl zu bezahlen.<\/p>\n<p>317] Das rede und treibe ich darum, da\u00df man doch des leidigen Missbrauchs, der so tief eingewurzelt hat und noch jedermann anh\u00e4ngt, los werde und sich gew\u00f6hne, in allen St\u00e4nden auf Erden allein hierher zu sehen und sich damit zu bek\u00fcmmern. Denn man wird noch lange keine Lehre noch St\u00e4nde aufbringen, die den zehn Geboten gleich sind, weil sie so hoch sind, da\u00df sie niemand durch Menschenkraft erlangen kann, und wer sie erlangt, ist ein himmlischer, engelischer Mensch, weit \u00fcber alle Heiligkeit der Welt. 318] Nimm sie nur vor und versuche dich wohl, lege alle Kraft und Macht daran, so wirst du wohl so viel zu schaffen gewinnen, da\u00df du keine andern Werke oder Heiligkeit suchen noch achten wirst.<\/p>\n<p>319] Das sei genug von dem ersten Teil der gemeinen christlichen Lehre, soviel not ist, beide zu lehren und vermahnen; doch m\u00fcssen wir, zu beschliessen, wiederholen den Text, so dazu geh\u00f6rt, welchen wir auch droben im ersten Gebot gehandelt haben, auf da\u00df man lerne, was Gott darauf will gewendet haben, da\u00df man die zehn Gebote wohl lerne treiben und \u00fcben.<\/p>\n<p>320] Ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der \u00fcber die, so mich hassen, die S\u00fcnde der V\u00e4ter heimsucht an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied; aber denen, so mich lieben und meine Gebote halten, t\u00fc ich wohl in tausend Glied.<\/p>\n<p>321] Dieser Zusatz, wiewohl er (wie oben geh\u00f6rt) zuv\u00f6rderst zum ersten Gebot angeh\u00e4ngt ist, so ist er doch um aller Gebote willen gesetzt, als die sich s\u00e4mtlich hierher ziehen und darauf gerichtet sollen sein. Darum habe ich gesagt, man solle der Jugend auch solches vorhalten und einble\u00fcn [einpr\u00e4gen], da\u00df sie es lerne und behalte, auf da\u00df man sehe, was uns dringen und zwingen soll, solche zehn Gebote zu halten, und soll es nicht anders ansehen, denn als sei dies St\u00fcck zu einem jeglichen sonderlich gesetzt, also da\u00df es in und durch sie alle gehe.<\/p>\n<p>322] Nun ist (wie vor[hin] gesagt) in diesen Worten zusammengefasst beide ein zornig Dr\u00e4uwort und freundliche Verheissung, uns zu schrecken und warnen, dazu zu locken und reizen, auf da\u00df man sein Wort als einen g\u00f6ttlichen Ernst annehme und gross achte, weil er selbst ausdr\u00fcckt, wie gross ihm daran gelegen sei und wie hart er dar\u00fcber halten wolle; n\u00e4mlich da\u00df er greulich und schrecklich strafen will alle, die seine Gebote verachten und \u00fcbertreten, 323] und wiederum, wie reichlich er\u2019s belohnen will, wohltun und alles Gute geben denen, die sie gross achten und gerne danach tun und leben. Damit er will gefordert haben, da\u00df sie alle aus solchem Herzen gehen, das alleine Gott f\u00fcrchtet und vor Augen hat und aus solcher Furcht alles l\u00e4sst, das wider seinen Willen ist, auf da\u00df [es] ihn nicht erz\u00fcrne, und dagegen auch ihm allein vertraut und ihm zu Liebe tut, was er haben will, weil er sich so freundlich als ein Vater h\u00f6ren l\u00e4sst und uns alle Gnade und Gutes anbeut [anbietet].<\/p>\n<p>324] Das ist auch eben die Meinung und rechte Auslegung des ersten und vornehmen Gebots, daraus alle andern q\u00fcllen und gehen sollen, also da\u00df dies Wort: &#8220;Du sollst nicht andere G\u00f6tter haben&#8221; nichts anderes aufs einf\u00e4ltigste will gesagt haben, denn so viel hier gefordert: Du sollst mich als deinen einigen, rechten Gott f\u00fcrchten, lieben und mir vertra\u00fcn. Denn wo ein solches Herz gegen Gott ist, das hat dieses und alle andern erf\u00fcllt. Wiederum, wer etwas anderes im Himmel und auf Erden f\u00fcrchtet und liebt, der wird weder dieses noch keines halten. 325] Also hat die ganze Schrift \u00fcberall dies Gebot gepredigt und getrieben, alles auf die zwei St\u00fccke, Gottesfurcht und Vertra\u00fcn, Psalter durch und durch, als da er spricht: &#8220;Der Her hat Gefallen an denen, die ihn f\u00fcrchten und auf seine G\u00fcte warten&#8221;; als w\u00e4re das ganz Gebot mit einem Vers ausgestrichen [erkl\u00e4rt] und ebensoviel gesagt: Der Her hat Gefallen an denen, die keine andern G\u00f6tter haben.<\/p>\n<p>326] Also soll nun das erste Gebot leuchten und seinen Glanz geben in die andern alle. Darum musst du auch dies St\u00fcck lassen gehen durch alle Gebote, als die Schele [Schale] oder B\u00f6gel [Bogen, Reif] im Kranz da\u00df [es] Ende und Anfang zu Haufe f\u00fcge und alle zusammerhalte, auf da\u00df man\u2019s immer wiederhole und nicht vergesse, als n\u00e4mlich im andern Gebot, da\u00df man Gott f\u00fcrchte und seines Namens nicht missbrauche zu fluche, l\u00fcgen, tr\u00fcgen und anderer Verf\u00fchrung oder B\u00fcberei, sondern recht und wohl [ge]brauche mit Anrufen, Beten, Loben, und Danken, aus Liebe und Vertra\u00fcn nach dem ersten Gebot gesch\u00f6pft. Des gleichen soll solche Furcht, Liebe und Vertra\u00fcn trieben und zwingen, da\u00df man sein Wort nicht verachte, sondern lerne, gerne h\u00f6re, heilig halte und ehre.<\/p>\n<p>327] Danach weiter durch die folgenden Gebote gegen den N\u00e4chsten auch also, alles aus Kraft des ersten Gebots, da\u00df man Vater und Mutter, Herren und all Obrigkeit ehre, [ihnen] untertan und gehorsam sei, nicht um ihretwillen, sondern [um] Gottes willen. Denn du darfst weder Vater noch Mutter ansehen noch f\u00fcrchten noch [solches] ihnen zulieb tun oder lassen. Siehe aber zu, was Gott von dir haben will und gar getrost fordern wird; l\u00e4ssest du es, so hast du einen zornigen Richter oder wiederum [umgekehrt] einen gn\u00e4digen Vater.<\/p>\n<p>328] Item, da\u00df du deinem N\u00e4chsten kein Leid, Schaden noch Gewalt tust, noch einerlei Weise [in irgendeiner Weise] zu nahe seiest, es treffe seinen Leib, Gemahl, Gut, Ehre oder Recht an, wie es nacheinander geboten ist, ob du gleich Raum und Ursache dazu h\u00e4ttest, und dich kein Mensch darum strafte, wie und wo du kannst, allein Gott zuleib und Gefallen, in dem Vertra\u00fcn, da\u00df er dir alles reichlich will erstatten. 329] Also siehst du, wie das erste Gebot das Haupt und Q\u00fcllborn ist, so durch die andern alle geht, und wiederum alle sich zur\u00fcckziehen und hangen an diesem, da\u00df Ende und Anfang alles ineinandergekn\u00fcpft und gebunden ist.<\/p>\n<p>330] Solches (sage ich nun) ist n\u00fctz und not, dem jungen Volk immer vorzuhalten, vermahnen und erinnern, auf da\u00df sie nicht allein wie das Vieh mit Schl\u00e4gen und Zwang, sondern in Gottesfurcht und Ehre aufgezogen werden. Denn wo man solches bedenkt und zu Herzen nimmt, da\u00df es nicht Menschentand, sondern der hohen Majest\u00e4t Gebote sind, der mit solchem Ernst dr\u00fcber h\u00e4lt, z\u00fcrnt und straft, die sie verachten, und widerum so \u00fcberschwenglich vergilt denen, die sie halten, daselbst wird sich\u2019s selbst reizen und trieben, gerne Gottes Willen zu tun. 331] Darum ist nicht umsonst im alten Testament geboten, da\u00df man sollte die zehn Gebote schreiben an all W\u00e4nde und Ecken, ja auch an die Kleider, nicht da\u00df man\u2019s allein lasse da geschrieben stehen und [zur] Schau trage, wie die Juden taten, sondern da\u00df man\u2019s ohne Unterlass vor Augen und im stetem Ged\u00e4chtnis habe, in alle unser, Tun und Wesen treibe, 332] und ein jeglicher lasse es seine t\u00e4gliche \u00dcbung sein in allerlei F\u00e4llen, Gesch\u00e4ften und H\u00e4ndeln als st\u00fcnde es an allen Orten geschrieben, wo er hinsieht, ja, wo er geht oder steht. So w\u00fcrde man beide f\u00fcr sich daheim in seinem Hause und gegen Nachbarn Ursache genug finden, die zehn Gebote zu treiben, da\u00df niemand weit danach laufen d\u00fcrfte [brauchte].<\/p>\n<p>333] Aus dem sieht man abermal, wie hoch diese zehn Gebote zu heben und preisen sind, \u00fcber alle St\u00e4nde, Gebote und Werke, so man sonst lehrt und treibt. Denn hier k\u00f6nnen wir trotzen und sagen: Lass auftreten alle Weisen und Heiligen, ob sie k\u00f6nnten ein Werk hervorbringen als diese Gebote, so Gott mit solchem Ernst fordert, und befiehlt bei seinem h\u00f6chsten Zorn und Strafe, dazu so herrliche Verheissung dazusetzt, da\u00df er uns mit allen G\u00fctern und Segen \u00fcbersch\u00fctten will. Darum soll man sie je vor allen andern lehren, te\u00fcr und wert halten als den h\u00f6chsten Schatz, von Gott gegeben.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014<\/p>\n<p>Das zweite Teil.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014\u2014<\/p>\n<p>Von dem Glauben.<\/p>\n<p>1] Bisher haben wir geh\u00f6rt das erste St\u00fcck christlicher Lehre und darin gesehen alles, was Gott von uns will getan und gelassen haben. Darauf folgt nun billig der Glaube, der uns vortr\u00e4gt alles, was wir von Gott gewarten [erwarten] und empfangen m\u00fcssen, und aufs k\u00fcrzeste zu reden ihn ganz und gar erkennen lehrt. 2] Welches eben dazu dienen soll, da\u00df wir dasselbe tun k\u00f6nnen, so wir laut der zehn Gebote tun sollen. Denn sie sind (wie droben gesagt) so hoch gestellt, da\u00df aller Menschen Verm\u00f6gen viel zu gering und schwach ist, dieselben zu halten. Darum ist dies St\u00fcck ja so n\u00f6tig als jenes zu lernen, da\u00df man wisse, wie man dazu komme, woher und wodurch solche Kraft zu nehmen sei. 3] Denn so wir k\u00f6nnten aus eigenen Kr\u00e4ften die zehn Gebote halten, wie sie zu halten sind, [be]d\u00fcrften wir nichts weiter, weder Glauben noch Vaterunser. 4] Aber ehe man solchen Nutz und Not des Glaubens ausstreicht, ist genug erstlich f\u00fcr die gar Einf\u00e4ltigen, da\u00df sie den Glauben an ihm selbst fassen und verstehen lernen.<\/p>\n<p>5] Aufs erste hat man bisher den Glauben geteilt in zw\u00f6lf Artikel, wiewohl, wenn man alle St\u00fccke, so in der Schrift stehen und zum Glauben geh\u00f6ren, einzeln fassen sollte, gar viel mehr Artikel sind, auch nicht alle deutlich mit so wenig Worten m\u00f6gen ausgedr\u00fcckt werden. 6] Aber da\u00df man\u2019s aufs leichteste und einf\u00e4ltigste fassen k\u00f6nnte, wie es f\u00fcr die Kinder zu lehren ist, wollen wir den ganzen Glauben k\u00fcrzlich fassen in drei Hauptartikel nach den dreien Personen der Gottheit, dahin alles, was wir glauben, gerichtet ist, also da\u00df der erste Artikel, von Gott dem Vater, erkl\u00e4re die Sch\u00f6pfung, der andere, von dem Sohn, die Erl\u00f6sung, der dritte, von dem Heiligen Geist, die Heiligung. 7] Als w\u00e4re der Glaube aufs allerk\u00fcrzeste in so viel Worte gefasst: Ich glaube an Gott Vater, der mich geschaffen hat; ich glaube an Gott den Sohn, der mich erl\u00f6st hat; ich glaube an den Heiligen Geist, der mich heilig macht. Ein Gott und ein Glaube, aber drei Personen, darum auch drei Artikel oder Bekenntnisse. 8] So wollen wir nun k\u00fcrzlich die Worte \u00fcberlaufen. <\/p>\n<p>Der erste Artikel.<\/p>\n<p>9] Ich glaube an Gott den Vater allm\u00e4chtigen, Sch\u00f6pfer Himmels und der Erden.<\/p>\n<p>10] Da ist aufs allerk\u00fcrzeste abgemalt und vorgebildet, was Gottes des Vaters Wesen, Wille, Tun und Werk sei. Denn weil die zehn Gebote haben vorgehalten, man solle nicht mehr denn einen Gott haben, m\u00f6chte man nun fragen: Was ist denn Gott f\u00fcr ein Mann? Was tut er? Wie kann man ihn preisen oder abmalen und beschreiben, da\u00df man ihn kenne? Das lehrt nun dieser und folgende Artikel, also da\u00df der Glaube nichts anderes ist denn eine Antwort und Bekenntnis der Christen, auf das erste Gebot gestellt. 11] Als wenn man ein junges Kind fragte: Lieber, was hast du f\u00fcr einen Gott, was weisst du von ihm? Da\u00df es k\u00f6nnte sagen: Das ist mein Gott: zum ersten der Vater, der Himmel und Erde geschaffen hat; ausser diesem einigen halte ich nichts f\u00fcr Gott, denn sonst keiner ist, der Himmel und Erde schaffen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>12] F\u00fcr die Gelehrten aber, und die etwas l\u00e4uftig [bewandert, fortgeschritten] sind, kann man die Artikel alle drei weit ausstreichen und teilen in so viel St\u00fccke, als es Worte sind. Aber jetzt f\u00fcr die jungen Sch\u00fcler sei genug, das N\u00f6tigste anzuzeigen, n\u00e4mlich, wie gesagt, da\u00df dieser Artikel belangt die Sch\u00f6pfung, da\u00df man stehe auf dem Wort &#8220;Sch\u00f6pfer Himmels und der Erden&#8221;. 13] Was ist\u2019s nun gesagt, oder was meinst du mit dem Wort: &#8220;Ich glaube an Gott Vater allm\u00e4chtigen, Sch\u00f6pfer&#8221; usw.? Antwort: Das meine und glaube ich, da\u00df ich Gottes Gesch\u00f6pf bin, das ist, da\u00df er mir gegeben hat und ohne Unterlass erh\u00e4lt Leib, Seele und Leben, Gliedmassen klein und gross, alle Sinne, Vernunft und Verstand, und so fort an, Essen und Trinken, Kleider, Nahrung, Weib und Kind, Gesinde, Haus und Hof usw., 14] dazu alle Kreaturen zu Nutz und Notdurft des Lebens dienen l\u00e4sst, Sonne, Mond und Sterne am Himmel, Tag und Nacht, Luft, Fe\u00fcr, Wasser, Erde, und was sie tr\u00e4gt und vermag, V\u00f6gel, Fische, Tiere, Getreide und allerlei Gew\u00e4chs; 15] item, was mehr leibliche und zeitliche G\u00fcter sind, gut Regiment, Friede, Sicherheit, 16] also da\u00df man aus diesem Artikel lerne, da\u00df unser keiner das Leben noch alles, was jetzt erz\u00e4hlt ist und erz\u00e4hlt mag werden, von ihm selbst hat noch erhalten kann, wie klein und gering es ist; denn es alles gefasst ist in das Wort &#8220;Sch\u00f6pfer&#8221;.<\/p>\n<p>17] Dar\u00fcber bekennen wir auch, da\u00df Gott der Vater nicht allein solches alles, was wir haben und vor Augen sehen, uns gegeben hat, sondern auch t\u00e4glich vor allem \u00dcbel und Ungl\u00fcck [uns] beh\u00fctet und besch\u00fctzt, allerlei F\u00e4hrlichkeit und Unfall abwendet, und solches alles aus lauter Liebe und G\u00fcte, durch uns unverdient, als ein freundlicher Vater, der f\u00fcr uns sorgt, da\u00df uns kein Leid widerfahre. 18] Aber davon weiter zu sagen, geh\u00f6rt in die andern zwei St\u00fccke dieses Artikels, da man spricht: &#8220;Vater allm\u00e4chtigen&#8221;.<\/p>\n<p>19] Hieraus will sich\u2019s nun selbst schliessen und folgen, weil uns das alles, so wir verm\u00f6gen [besitzen], dazu was im Himmel und [auf] Erden ist, t\u00e4glich von Gott gegeben, erhalten und bewahrt wird, so sind wir ja schuldig, ihn darum ohne Unterlass zu lieben, loben und danken, und k\u00fcrzlich, ihm ganz und gar damit zu dienen, wie er durch die zehn Gebote fordert und befohlen hat.<\/p>\n<p>20] Hier w\u00e4re nun viel zu sagen, wenn man\u2019s sollte ausstreichen, wie wenig ihrer sind, die diesen Artikel glauben. Denn wir gehen alle \u00fcberhin [dr\u00fcber hin], h\u00f6ren\u2019s und sagen\u2019s, sehen aber und bedenken nicht, was uns die Worte vortragen. 21] Denn wo wir\u2019s von Herzen glaubten, w\u00fcrden wir auch danach tun und nicht so stolz [ein]hergehen, trotzen und uns br\u00fcsten, als h\u00e4tten wir das Leben Reichtum, Gewalt und Ehre usw. von uns selbst, da\u00df man uns f\u00fcrchten und dienen m\u00fcsste, wie die unselige, verkehrte Welt tut, die in ihrer Blindheit ersoffen ist, aller G\u00fcter und Gaben Gottes allein zu ihrer Hoffart, Geiz, Lust und Wohltagen [Freude, Genuss] missbraucht und Gott nicht einmal ansehe [ansieht], da\u00df sie ihm dankte oder f\u00fcr einen Hern und Sch\u00f6pfer erkennte.<\/p>\n<p>22] Darum sollte uns dieser Artikel alle dem\u00fctigen und erschrecken, wo wir\u2019s glaubten. Denn wir s\u00fcndigen t\u00e4glich mit Augen, Ohren, H\u00e4nden, Leib und Seele, Geld und Gut und mit allem, das wir haben, sonderlich diejenigen, so noch wider Gottes Wort fechten. Doch haben die Christen den Vorteil, da\u00df sie sich des schuldig erkennen, ihm daf\u00fcr zu dienen und gehorsam zu sein.<\/p>\n<p>23] Derhalben sollen wir diesen Artikel t\u00e4glich \u00fcben, einbilden [einpr\u00e4gen] und uns erinnern in allem, was uns vor Augen kommt und Gutes widerf\u00e4hrt, und wo wir aus N\u00f6ten oder F\u00e4hrlichkeit kommen, wie uns Gott solches alles gibt und tut, da\u00df wir daran sp\u00fcren und entz\u00fcndet werden, dankbar zu sein und aller solcher G\u00fcter zu Gottes Ehre und Lob zu [ge]brauchen.<\/p>\n<p>24] Also haben wir aufs k\u00fcrzeste die Meinung dieses Artikels, soviel den Einf\u00e4ltigen erstlich not ist zu lernen, beide was wir von Gott haben und empfangen, und was wir daf\u00fcr schuldig sind, welches gar eine grosse, treffliche Erkenntnis ist, aber viel ein h\u00f6herer Schatz. Denn da sehen wir, wie sich der Vater uns gegeben hat samt allen Kreaturen und [uns] aufs allerreichlichste in diesem Leben versorgt, ohne da\u00df er uns sonst auch mit unausprechlichen ewigen G\u00fctern durch seinen Sohn und Heiligen Geist \u00fcbersch\u00fcttet, wie wir h\u00f6ren werden. <\/p>\n<p>Der zweite Artikel.<\/p>\n<p>25] Und an Jeum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Hern, der empfangen ist vom Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontio Pilato, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur H\u00f6lle, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, des allm\u00e4chtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten.<\/p>\n<p>26] Hier lernen wir die andere Person der Gottheit kennen, da\u00df wir sehen, was wir \u00fcber die vorigen zeitlichten G\u00fcter von Gott haben, n\u00e4mlich, wie er sich ganz und gar ausgesch\u00fcttet hat und nichts behalten, das er nicht uns gegeben habe. Dieser Artikel ist nun sehr reich und weit; aber da\u00df wir\u2019s auch kurz und kindlich handeln, wollen wir ein Wort vor uns nehmen und darin die ganze Summa davon fassen, n\u00e4mlich (wie gesagt) da\u00df man hieraus lerne, wie wir erl\u00f6st sind, und soll stehen auf diesen Worten: &#8220;an Jeum Christum, unsern Hern&#8221;.<\/p>\n<p>27] Wenn man nun fragt: Was glaubst du im andern Artikel von Jeu Christo? antworte aufs k\u00fcrzeste: Ich glaube, da\u00df Jeus Christus, wahrhaftiger Gottessohn, sei mein Her [ge]worden. Was ist nun das: ein Her werden? Das ist\u2019s, da\u00df er mich erl\u00f6st hat von S\u00fcnden, vom Teufel, vom Tode und allem Ungl\u00fcck. Denn zuvor hab\u2019 ich keinen Hern noch K\u00f6nig gehabt, sondern bin unter des Teufels Gewalt gefangen, zum Tode verdammt, in der S\u00fcnde und Blindheit verstrickt gewesen.<\/p>\n<p>28] Denn da wir geschaffen waren und allerlei Gutes von Gott dem Vater empfangen hatten, kam der Teufel und brachte uns in Ungehorsam, S\u00fcnde, Tod und alles Ungl\u00fcck, da\u00df wir in seinem Zorn und Ungnade lagen, zu ewigem [ewiger] Verdammnis verurteilt, wie wir verwirkt und verdient hatten. 29] Da war kein Rat, Hilfe noch Trost, bis da\u00df sich dieser einige und ewige Gottessohn unsers Jammers und Elends aus grundloser G\u00fcte erbarmte und vom Himmel kam, uns zu helfen. 30] Also sind nun jene Tyrannen und Stockmeister alle vertrieben, und ist an ihre Statt getreten Jeus Christus, ein Her des Lebens, Gerechtigkeit, alles Gutes und Seligkeit, und hat uns arme verlorne Menschen aus der H\u00f6lle Rachen gerissen, gewonnen, freigemacht und wiederbracht [zur\u00fcckgebracht] in des Vaters Huld und Gnade und als sein Eigentum unter seinen Schirm und Schutz genommen, da\u00df er uns regiere durch seine Gerechtigkeit, Weisheit, Gewalt, Leben und Seligkeit.<\/p>\n<p>31] Das sei nun die Summa dieses Artikels, da\u00df das W\u00f6rtlein &#8220;Herr&#8221; aufs einf\u00e4ltigste so viel heisse als ein Erl\u00f6ser, das ist, der uns vom Teufel zu Gott, vom Tode zum Leben, von [der] S\u00fcnde zur Gerechtigkeit [ge]bracht hat und dabei erh\u00e4lt. Die St\u00fccke aber, so nacheinander in diesem Artikel folgen, tun nichts anderes, denn da\u00df sie solche Erl\u00f6sung erkl\u00e4ren und ausdr\u00fccken, wie und wodurch sie geschehen sei, das ist, was ihm gestanden [was es ihn gekostet], und was er daran gewendet und gewagt hat, da\u00df er uns gew\u00f6nne und zu seiner Herrschaft br\u00e4chte, n\u00e4mlich da\u00df er Mensch [ge]worden, vom dem Heiligen Geist und der Jungfrau ohne alle S\u00fcnde empfangen und geboren, auf da\u00df er der S\u00fcnden Herr w\u00e4re; dazu gelitten, gestorben und begraben, da\u00df er f\u00fcr mich genugt\u00e4te und bezahlte, was ich verschuldet habe, nicht mit Silber noch Gold, sondern mit seinem eigenen teuren Blut. Und dies alles darum, da\u00df er mein Her w\u00fcrde; denn er f\u00fcr sich der keines getan noch bedurft hat. Danach wieder auferstanden, den Tod verschlungen und gefressen und endlich gen Himmel gefahren und das Regiment genommen zur Rechten des Vaters, da\u00df ihm Teufel und alle Gewalt muss untertan sein und zu den F\u00fcssen liegen so lange, bis er uns endlich am J\u00fcngsten Tage gar scheide und sondere von der b\u00f6sen Welt, Teufel, Tod, S\u00fcnde usw.<\/p>\n<p>32] Aber diese einzelnen St\u00fccke alle sonderlich [her]au\u00dfustreichen, geh\u00f6rt nicht in die kurze Kinderpredigt, sondern in die grossen Predigten \u00fcber das ganze Jahr, sonderlich auf die Zeiten, so dazu geordnet sind, einen jeglichen Artikel in die L\u00e4nge zu handeln, von der Geburt, Leiden, Auferstehen, Himmelfahrt Christi usw.<\/p>\n<p>33] Auch steht das ganze Evangelium, so wir predigen, darauf, da\u00df man diesen Artikel wohl fasse, als an dem all unser Heil und Seligkeit liegt, und [der] so reich und weit ist, da\u00df wir immer genug daran zu lernen haben. <\/p>\n<p>Der dritte Artikel.<\/p>\n<p>34] Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der S\u00fcnden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.<\/p>\n<p>35] Diesen Artikel kann ich nicht besser \u00f6rtern [besser ordnen, mit passenderer \u00dcberschrift versehen] denn (wie gesagt) von der Heiligung, da\u00df dadurch der Heilige Geist mit seinem Amt ausgedr\u00fcckt und abgemalt werde, n\u00e4mlich da\u00df er heilig macht. Darum m\u00fcssen wir fussen auf das Wort &#8220;Heiligen Geist&#8221;, weil es so kurz gefasst ist, da\u00df man kein anderes haben kann. 36] Denn es sind sonst mancherlei Geist in der Schrift, als Menschengeist, himmlische Geister und b\u00f6se Geister. Aber Gottes Geist heisst allein ein heiliger Geist, das ist, der uns geheiligt hat und noch heiligt. Denn wie der Vater ein Sch\u00f6pfer, der Sohn ein Erl\u00f6ser heisst, so soll auch der Heilige Geist von seinem Werk ein Heiliger oder Heiligmacher heissen. 37] Wie geht aber solch Heiligen zu? Antwort: Gleichwie der Sohn die Herrschaft \u00fcberkommt, dadurch er uns gewinnt, durch seine Geburt, Sterben und Auferstehen usw., also richtet der Heilige Geist die Heiligung aus durch die folgenden St\u00fccke, das ist, durch die Gemeinde der Heiligen oder christliche Kirche, Vergebung der S\u00fcnden, Auferstehung des Fleisches und das ewige Leben, das ist, da\u00df er uns erstlich f\u00fchrt in seine heilige Gemeinde und in der Kirche Schoss legt, dadurch er uns predigt und [uns] zu Christo bringt.<\/p>\n<p>38] Denn weder du noch ich k\u00f6nnten immermehr [je] etwas von Christo wissen noch an ihn glauben und [ihn] zum Hern kriegen, wo es nicht durch die Predigt des Evangelii von dem Heiligen Geist w\u00fcrde angetragen und uns in Bosem [in den Busen] geschenkt. Das Werk ist geschehen und ausgerichtet; denn Christus hat uns den Schatz erworben und gewonnen durch sein Leiden, Sterben und Auferstehen usw. Aber wenn das Werk verborgen bliebe, da\u00df niemand [es] w\u00fcsste, so w\u00e4re es umsonst und verloren. Da\u00df nun solcher Schatz nicht begraben bliebe, sondern angelegt und genossen w\u00fcrde, hat Gott das Wort ausgehen und verk\u00fcndigen lassen, darin den Heiligen Geist [ge]geben, uns solchen Schatz und Erl\u00f6sung heimzubringen und zu[zu]eignen. 39] Darum ist das Heiligen nichts anderes, denn zu dem Hern Christo bringen, solch Gut zu empfangen, dazu wir von uns selbst nicht kommen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>40] So lerne nun diesen Artikel aufs deutlichste verstehen. Wenn man fragt: Was meinst du mit den Worten: &#8220;Ich glaube an den Heiligen Geist&#8221;? Da\u00df du k\u00f6nnest antworten: Ich glaube, da\u00df mich der Heilige Geist heilig macht, wie sein Name ist. 41] Womit tut er aber solches? oder was ist seine Weise und Mittel dazu? Antwort: Durch die christliche Kirche, Vergebung der S\u00fcnden, Auferstehung des Fleisches und das ewige Leben. 42] Denn zum ersten hat er eine sonderliche Gemeinde in der Welt, welche ist die Mutter, so einen jeglichen Christen zeugt und tr\u00e4gt durch das Wort Gottes, welches er offenbart und treibt, die Herzen erleuchtet und anz\u00fcndet, da\u00df sie es fassen, annehmen, daran hangen und dabei bleiben.<\/p>\n<p>43] Denn wo er\u2019s nicht predigen l\u00e4sst und im Herzen erweckt, da\u00df man\u2019s fasst, da ist\u2019s verloren, wie unter dem Papsttum geschehen ist, da der Glaube ganz unter die Bank gesteckt und niemand Christum f\u00fcr einen Hern erkannt hat, noch den Heiligen Geist f\u00fcr den, der da heilig macht, das ist, niemand hat geglaubt, da\u00df Christus also unser Her w\u00e4re, der uns ohne unsere Werke und Verdienste solchen Schatz gewonnen h\u00e4tte, und uns dem Vater angenehm gemacht. 44] Woran hat es denn gemangelt? Daran, da\u00df der Heilige Geist nicht ist dagewesen, der solches h\u00e4tte offenbart und predigen lassen, sondern Menschen und b\u00f6se Geister sind dagewesen, die uns haben gelehrt, durch unsere Werke selig zu werden und Gnade [zu] erlangen. 45] Darum ist\u2019s auch keine christliche Kirche; denn wo man nicht von Christo predigt, da ist kein Heiliger Geist, welcher die christliche Kirche macht, beruft und zusammenbringt, ausser welcher niemand zu dem Hern Christo kommen kann.<\/p>\n<p>46] Das sei genug von der Summa dieses Artikels. Weil aber die St\u00fccke, so darin erz\u00e4hlt, f\u00fcr die Einf\u00e4ltigen nicht so gar klar sind, wollen wir sie auch \u00fcberlaufen.<\/p>\n<p>47] Die heilige christlich Kirche heisst der Glaube communionem sanctorum, eine Gemeinschaft der Heiligen; denn es ist beides einerlei zusammengefasst, aber vorzeiten [ist] das eine St\u00fcck nicht dabeigewesen, ist auch \u00fcbel und unverst\u00e4ndlich verdeutscht: &#8220;eine Gemeinschaft der Heiligen&#8221;. Wenn man\u2019s deutlich geben sollte, m\u00fcsste man\u2019s auf deutsche Art gar anders reden [ausdr\u00fccken] denn das Wort ecclesia heisst eigentlich auf deutsch eine Versammlung. 48] Wir sind aber gewohnt des W\u00f6rtleins &#8220;Kirche&#8221;, welches die Einf\u00e4ltigen nicht von einem versammelten Haufen, sondern von dem geweihten Hause oder Geb\u00e4u verstehen, wiewohl das Haus nicht sollte eine Kirche heissen, ohne allein darum, da\u00df der Haufe darin zusammenkommt; denn wir, die zusammenkommen, machen und nehmen uns einen sonderlichen Raum und geben dem Hause nach dem Haufen einen Namen.<\/p>\n<p>Also heisst das W\u00f6rtlein &#8220;Kirche&#8221; eigentlich nichts anderes denn eine gemeine Sammlung und ist von Art nicht deutsch, sondern griechisch (wie auch das Wort ecclesia), denn sie heissen\u2019s auf ihre Sprache kyria, wie man\u2019s auch lateinisch curiam nennt. Darum sollt\u2019s auf recht deutsch und unsere Muttersprache heissen: eine christliche Gemeinde oder Sammlung oder aufs allerbeste und kl\u00e4rste: eine heilige Christenheit.<\/p>\n<p>49] Also auch das Wort communio, das daran geh\u00e4ngt ist, sollte nicht &#8220;Gemeinschaft&#8221;, sondern &#8220;Gemeinde&#8221; heissen. Und ist nichts anderes denn die Glosse oder Auslegung, da jemand hat wollen deuten, was die christliche Kirche heisse. Daf\u00fcr haben die Unsern, so weder Lateinisch noch Deutsch gekonnt haben gemacht: &#8220;Gemeinschaft der Heiligen&#8221;, so doch keine deutsche Sprache so redet noch versteht. Aber recht deutsch zu reden, sollte es heissen: &#8220;eine Gemeinde der Heiligen&#8221;, das ist, eine Gemeinde, darin eitel Heilige sind, oder noch kl\u00e4rlicher: &#8220;eine heilige Gemeinde&#8221;. 50] Das rede ich darum, da\u00df man die Worte &#8220;Gemeinschaft der Heiligen&#8221; verstehe, weil es so in die Gewohnheit eingerissen ist, da\u00df schwerlich wieder herau\u00dfureissen ist, und muss bald [sofort] Ketzerei sein, wo man ein Wort \u00e4ndert.<\/p>\n<p>51] Das ist aber die Meinung und Summa von diesem Zusatz: Ich glaube, da\u00df da sei ein heiliges H\u00e4uflein und Gemeinde auf Erden eitler Heiligen, unter einem Haupt, Christo, durch den Heiligen Geist zusammenberufen in einem Glauben, Sinn und Verstand, mit mancherlei Gabe, doch eintr\u00e4chtig in der Liebe, ohne Rotten und Spaltung. 52] Derselben bin ich auch ein St\u00fcck und Glied, aller G\u00fcter, so sie hat, teilhaftig und Mitgenosse, durch den Heiligen Geist dahin gebracht und eingeleibt dadurch, da\u00df ich Gottes Wort geh\u00f6rt habe und noch h\u00f6re, welches ist der Anfang hineinzukommen. Denn vorhin, ehe wir dazu[ge]kommen sind, sind wir gar des Teufels gewesen, als die von Gott und von Christo nichts gewusst haben. 53] So bleibt der Heilige Geist bei der heiligen Gemeinde oder Christenheit bis auf den J\u00fcngsten Tag, dadurch er uns holt, und braucht sie dazu, das Wort zu f\u00fchren und zu treiben, dadurch er die Heiligung macht und mehrt, da\u00df sie t\u00e4glich zunehme und stark werde im Glauben und seinen Fr\u00fcchten, so er schafft.<\/p>\n<p>54] Danach weiter glauben wir, da\u00df wir in der Christenheit haben Vergebung der S\u00fcnden, welches geschieht durch die heiligen Sakramente und Absolution, dazu allerlei Trostspr\u00fcche des ganzen Evangelii. Darum geh\u00f6rt hierher, was von den Sakramenten zu predigen ist, und, Summa, das ganze Evangelium und alle \u00cbmter der Christenheit, welches auch not ist, da\u00df [es] ohne Unterlass gehe. Denn wiewohl Gottes Gnade durch den Heiligen Geist gemacht, durch Gottes Wort in der Vereinigung der christlichen Kirche, so sind wir doch nimmer ohne S\u00fcnde unsers Fleisches halben, so wir noch am Halse tragen.<\/p>\n<p>55] Darum ist alles in der Christenheit dazu geordnet, da\u00df man da t\u00e4glich eitel Vergebung der S\u00fcnden durchs Wort und Zeichen hole, unser Gewissen zu tr\u00f6sten und aufzurichten, solange wir hier leben. Also macht der Heilige Geist, da\u00df, ob wir gleich S\u00fcnde haben, doch sie uns nicht schaden kann, weil wir in der Christenheit sind, da eitel Vergebung der S\u00fcnden ist, beide da\u00df uns Gott vergibt, und wir untereinander vergeben, tragen und aufhelfen.<\/p>\n<p>56] Ausser der Christenheit aber, da das Evangelium nicht ist, ist auch keine Vergebung nicht, wie auch keine Heiligkeit da sein kann. Darum haben sich alle selbst herausgeworfen und gesondert, die nicht durchs Evangelium und Vergebung der S\u00fcnden, sondern durch ihre Werke Heiligkeit suchen und verdienen wollen.<\/p>\n<p>57] Indes aber, weil die Heiligkeit angefangen ist und t\u00e4glich zunimmt, warten wir, da\u00df unser Fleisch hingerichtet [get\u00f6tet] und mit allem Unflat bescharrt [verscharrt, begraben] werde, aber herrlich hervorkomme und auferstehe zu ganzer und v\u00f6lliger Heiligkeit in einem ne\u00fcn ewigen Leben. 58] Denn jetzt bleiben wir halb und halb rein und heilig, auf da\u00df der Heilige Geist immer an uns arbeite durch das Wort und t\u00e4glich Vergebung austeile bis in jenes Leben, da nicht mehr Vergebung wird sein, sondern ganz und gar reine und heilige Menschen, voller Fr\u00f6mmigkeit und Gerechtigkeit, entnommen und ledig von S\u00fcnde, Tod und allem Ungl\u00fcck, in einem ne\u00fcn unsterblichen und verkl\u00e4rten Leibe.<\/p>\n<p>59] Siehe, das alles soll des Heiligen Geistes Amt und Werk sein, da\u00df er auf Erden die Heiligkeit anfange und t\u00e4glich mehre durch die zwei St\u00fccke, christliche Kirche und Vergebung der S\u00fcnden. Wenn wir aber verwesen, wird er\u2019s ganz auf einen Augenblick vollf\u00fchren und uns ewig dabei erhalten durch die letzten zwei.<\/p>\n<p>60] Da\u00df aber hier steht &#8220;Auferstehung des Fleisches&#8221;, ist auch nicht wohl deutsch geredet. Denn wo wir Deutschen Fleisch h\u00f6ren, denken wir nicht weiter denn in die Scherren [an die Fleischl\u00e4den]. Auf recht deutsch aber w\u00fcrden wir also reden: &#8220;Auferstehung des Leibes&#8221; oder Leichnams. Doch liegt nicht grosse Macht dran, so man nur die Worte recht versteht.<\/p>\n<p>61] Das ist nun der Artikel, der da immerdar im Werk gehen und bleiben muss. Denn die Sch\u00f6pfung haben wir nun hinweg, so ist die Erl\u00f6sung auch ausgerichtet; aber der Heilige Geist treibt sein Werk ohne Unterlass bis auf den J\u00fcngsten Tag, dazu er verordnet eine Gemeinde auf Erden, dadurch er alles redet und tut. 62] Denn er seine Christenheit noch nicht zusammen[ge]bracht noch die Vergebung ausgeteilt [hat]. Darum glauben wir an den, der uns t\u00e4glich herzuholt durch das Wort und den Glauben gibt, mehrt und st\u00e4rkt durch dasselbe Wort und Vergebung der S\u00fcnden, auf da\u00df er uns, wenn das alles ausgerichtet, und wir dabei bleiben, der Welt und allem Ungl\u00fcck absterben, endlich gar und ewig heilig mache, welches wir jetzt durchs Wort im Glauben warten.<\/p>\n<p>63] Siehe, da hast du das ganze g\u00f6ttliche Wesen, Willen und Werk, mit ganz kurzen und doch reichen Worten aufs allerfeinste abgemalt, darin all unsere Weisheit steht, so \u00fcber aller Menschen Weisheit, Sinne und Vernunft geht und schwebt. Denn alle Welt, wiewohl sie mit allem Fleiss danach getracht hat, was doch Gott w\u00e4re, und was er im Sinn h\u00e4tte und t\u00e4te, so hat sie doch der keines je erlangen m\u00f6gen [k\u00f6nnen]. 64] Hier aber hast du es alles aufs allerreichste; denn da hat er selbst offenbart und aufgetan den tiefsten Abgrund seines v\u00e4terlichen Herzens und eitel unausprechlicher Liebe in allen drei Artikeln. Denn er hat uns eben dazu geschaffen, da\u00df er uns erl\u00f6ste und heiligte, und \u00fcber das, da\u00df er uns alles [ge]geben und eingetan [einger\u00e4umt] hatte, was im Himmel und auf Erden ist, hat er uns auch seinen Sohn und Heiligen Geist [ge]geben, durch welche er uns zu sich br\u00e4chte. 65] Denn wir k\u00f6nnten (wie droben erkl\u00e4rt) nimmermehr dazu kommen, da\u00df wir des Vaters Huld und Gnade erkennten ohne durch den Herrn Christum, der ein Spiegel ist des v\u00e4terlichen Herzens, ausser welchem wir nichts sehen denn einen zornigen und schrecklichen Richter. Von Christo aber k\u00f6nnten wir auch nichts wissen, wo es nicht durch den Heiligen Geist offenbart w\u00e4re.<\/p>\n<p>66] Darum scheiden und sondern diese Artikel des Glaubens uns Christen von allen andern Leuten auf Erden. Denn was ausser der Christenheit ist, es seien Heiden, Turken, Juden oder falsche Christen und Heuchler, ob sie gleich nur einen wahrhaftigen Gott glauben und anbeten, so wissen sie doch nicht, was er gegen ihnen [wie er gegen sie] gesinnt ist, k\u00f6nnen sich auch keiner Liebe noch Gutes zu ihm versehen, darum sie im ewigen Zorn und Verdammnis bleiben. Denn sie den Hern Christum nicht haben, dazu mit keinen Gaben durch den Heiligen Geist erleuchtet und begnadet sind.<\/p>\n<p>67] Aus dem siehst du nun, da\u00df der Glaube gar viel eine andere Lehre ist denn die zehn Gebote; denn diese lehrt wohl, was wir tun sollen, jene aber sagt, was uns Gott t\u00fc und gebe. Die zehn Gebote sind auch sonst in aller Menschen Herzen geschrieben, den Glauben aber kann keine menschliche Klugheit begreifen, und muss allein vom Heiligen Geist gelehrt werden. 68] Darum macht jene Lehre noch keinen Christen, denn es bleibt noch immer Gottes Zorn und Ungnade \u00fcber uns, weil wir\u2019s nicht halten k\u00f6nnen, was Gott von uns fordert; aber diese bringt eitel Gnade, macht uns fromm und Gott angenehm. 69] Denn durch diese Erkenntnis kriegen wir Lust und Liebe zu allen Geboten Gottes, weil wir hier sehen, wie sich Gott ganz und gar mit allem, das er hat und vermag [besitzt], uns gibt, zu Hilfe und Ste\u00fcr, die zehn Gebote zu halten: der Vater alle Kreaturen, Christus alle seine Werke, der Heilige Geist alle seine Gaben.<\/p>\n<p>70] Das sei jetzt genug vom Glauben, einen Grund zu legen f\u00fcr die Einf\u00e4ltigen, da\u00df man sie nicht \u00fcberlade, auf da\u00df [sie], wenn sie die Summa davon verstehen, danach selbst weiter nachtrachten, und was sie in der Schrift lernen, hieher ziehen und immerdar in reicherem Verstand zunehmen und wachsen; denn wir haben doch t\u00e4glich, solange wir hier leben, daran zu predigen und zu lernen.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014<\/p>\n<p>Das dritte Teil, vom Gebet.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014<\/p>\n<p>Das Vaterunser.<\/p>\n<p>1] Wir haben nun geh\u00f6rt, was man tun und glauben soll, darin das beste und seligste Leben steht. Folgt nun das dritte St\u00fcck, wie man beten soll. 2] Denn weil es mit uns also getan ist, da\u00df kein Mensch die zehn Gebote vollkommen halten kann, ob er gleich angefangen hat zu glauben, und sich der Teufel mit aller Gewalt samt der Welt und unserm eigenen Fleisch dawider sperrt, ist nichts so not, denn da\u00df man Gott immerdar in [den] Ohren liege, rufe und bitte, da\u00df er den Glauben und Erf\u00fcllung der zehn Gebote uns gebe, erhalte und mehre und alles, was uns im Wege liegt und daran hindert, hinwegr\u00e4ume. 3] Da\u00df wir aber w\u00fcssten, was und wie wir beten sollen, hat uns unser Her Christus selbst Weise und Worte gelehrt, wie wir sehen werden.<\/p>\n<p>4] Ehe wir aber das Vaterunser nacheinander erkl\u00e4ren, ist wohl am n\u00f6tigsten, vorhin die Leute zu vermahnen und reizen zum Gebet, wie auch Christus und die Apostel getan haben, 5] und soll n\u00e4mlich das erste sein, da\u00df man wisse, wie wir um Gottes Gebots willen schuldig sind zu beten. Denn so haben wir geh\u00f6rt im andern Gebot: &#8220;Du sollst Gottes Namen nicht unn\u00fctzlich f\u00fchren&#8221;, da\u00df darin gefordert werde, den heiligen Namen preisen und in aller Not anrufen oder beten. 6] Denn anrufen ist nichts anderes denn beten, als da\u00df es streng und ernstlich geboten ist, so hoch als alle andern [Gebote]: keinen andern Gott haben, nicht t\u00f6ten, nicht stehlen usw.; da\u00df niemand denke, es sei gleich so viel [es sei einerlei], ich bete oder bete nicht; wie die groben Leute hingehen in solchem Wahn und Gedanken: Was sollte ich beten? Wer weiss, ob Gott mein Gebet achtet oder h\u00f6ren will? Bete ich nicht, so betet ein anderer; und kommen also in die Gewohnheit, da\u00df sie nimmermehr beten, und nehmen zu Behelf [zum Vorwand unsere Worte], da wir falsche und Heuchelgebete verwerfen, als lehrten wir, man solle oder d\u00fcrfe nicht beten.<\/p>\n<p>7] Das ist aber je wahr, was man bisher f\u00fcr Gebete getan hat, gepl\u00e4rrt und get\u00f6nt in der Kirche usw., ist freilich kein Gebet gewesen; denn solch \u00e4usserlich Ding, wo es recht geht, mag eine \u00dcbung f\u00fcr die jungen Kinder, Sch\u00fcler und Einf\u00e4ltigen sein und mag gesungen oder gelesen heissen, es heisst aber nicht eigentlich gebetet. 8] Das heisst aber gebetet, wie das andere Gebot lehrt: &#8220;Gott anrufen in allen N\u00f6ten&#8221;. Das will er von uns haben, und soll nicht in unser[er] Willk\u00fcr stehen, sondern [wir] sollen und m\u00fcssen beten, wollen wir Christen sein, sowohl als wir sollen und m\u00fcssen Vater und Mutter und der Obrigkeit gehorsam sein; denn durch das Anrufen und Bitten wird der Name Gottes geehrt und n\u00fctzlich gebraucht. 9] Das sollst du vor allen Dingen merken, da\u00df man damit schweige [zum Schweigen bringe] und zur\u00fcckstosse solche Gedanken, die uns davonhalten und abschrecken. Denn gleichwie es nichts gilt, da\u00df ein Sohn zum Vater sagen wollte: Was liegt an meinem Gehorsam? Ich will hingehen und tun, was ich kann, es gilt doch gleich so viel; sondern da steht das Gebot: du sollst und musst es tun: also auch hier steht es nicht in meinem Willen zu tun und zu lassen, sondern soll und muss gebetet sein [* bei Gottes Zorn und Ungnade.<\/p>\n<p>10] Das soll man nun vor allen Dingen fassen und merken, da\u00df man damit schweige und zur\u00fcckschlage die Gedanken, so uns davonhalten und abschrecken, als liege keine grosse Macht daran, ob wir nicht beten, oder sei denen befohlen, die heiliger und mit Gott besser daran sind denn wir; wie denn das menschliche Herz von Natur so verzweifelt ist, da\u00df es immer vor Gott fleucht [fleiht] und denkt, er wolle und m\u00f6ge unsers Gebets nicht, weil wir S\u00fcnder sind und nichts denn Zorn verdient haben. 11] Wider solche Gedanken (sage ich) sollen wir dies Gebot ansehen und uns zu Gott kehren, auf da\u00df wir ihn durch solchen Ungehorsam nicht h\u00f6her erz\u00fcrnen. Denn durch solch Gebot gibt er genugsam zu verstehen, da\u00df er uns nicht von sich stossen noch verjagen will, ob wir gleich S\u00fcnder sind, sondern vielmehr zu sich ziehen, da\u00df wir uns vor ihm dem\u00fctigen, solchen unsern Jammer und Not klagen, um Gnade und Hilfe bitten. Daher liest man in der Schrift, da\u00df er auch z\u00fcrnt \u00fcber die, so um ihrer S\u00fcnde willen geschlagen worden, da\u00df sie sich nicht wieder zu ihm kehrten und durch das Gebet wider seinen Zorn gelegt und Gnade gesucht haben].<\/p>\n<p>12] Daraus sollst du nun schliessen und denken, weil es so hoch geboten ist zu beten, da\u00df beileibe niemand sein Gebet verachten soll, sondern gross und viel davon halten, 13] und nimm immer das Gleichnis von den andern Geboten. Ein Kind soll beileibe nicht seinen Gehorsam gegen Vater und Mutter verachten, sondern immer gedenken: Das Werk ist nicht anderer Meinung, denn da\u00df [es] in dem Gehorsam und Gottes Gebot geht, darauf ich k\u00f6nnte gr\u00fcnden und fussen und solches gross achten, nicht um meiner W\u00fcrdigkeit willen, sondern um des Gebots willen. Also auch hier; was und wof\u00fcr wir bitten, sollen wir so ansehen, als von Gott gefordert und in seinem Gehorsam getan, und also denken: Meinethalben w\u00e4re es nichts, aber darum soll es gelten, da\u00df [es] Gott geboten hat. Also soll ein jeglicher, was er auch zu bitten hat, immer vor Gott kommen mit dem Gehorsam dieses Gebots.<\/p>\n<p>14] Darum bitten wir und vermahnen aufs fleissigste jedermann, da\u00df man solches zu Herzen nehme und in keinem Weg unser Gebet verachte. Denn man bisher also gelehrt hat in\u2019s Teufels Namen, da\u00df niemand solches geachtet hat und gemeint, es w\u00e4re genug, da\u00df das Werk getan w\u00e4re, Gott erh\u00f6rt\u2019s oder h\u00f6rt\u2019s nicht. Das heisst das Gebet in die Schanze geschlagen [auf gut Gl\u00fcck gebetet] und auf Abente\u00fcr hin gemurrt [aufs Geratewohl hergeleiert]; darum ist es ein verloren Gebet. 15] Denn wir uns solche Gedanken lassen irren [irremachen] und abschrecken: Ich bin nicht heilig noch w\u00fcrdig genug; wenn ich so fromm und heilig w\u00e4re als St. Petrus oder Paulus, so wollte ich beten. Aber nur weit hinweg mit solchen Gedanken! Denn eben das Gebot, das St. Paulus [ge]troffen hat, das trifft mich auch und ist ebensowohl um meinetwillen das andere Gebot gestellt als um seinetwillen, da\u00df er kein besser noch heiliger Gebot zu r\u00fchmen hat.<\/p>\n<p>16] Darum sollst du so sagen: Mein Gebet, das ich t\u00fc, ist ja so k\u00f6stlich, heilig und Gott gef\u00e4llig, als St. Paulus\u2019 und der Allerheiligsten. Ursache: denn ich will ihn gerne lassen heiliger sein der Person halben, aber des Gebots halben nicht, weil Gott das Gebet nicht der Person halben ansieht, sondern seines Worts und Gehorsams halben. Denn auf das Gebot, darauf alle Heiligen ihr Gebet setzen, setze ich meines auch; dazu bete ich eben das, darum sie allzumal bitten oder gebeten haben; so ist mir\u2019s ja so hoch und mehr vonn\u00f6ten denn jenen grossen Heiligen.<\/p>\n<p>17] Das sei das erste und n\u00f6tigste St\u00fcck, da\u00df all unser Gebet sich gr\u00fcnden und stehen soll auf Gottes Gehorsam, nicht angesehen unsere Person, wir seien S\u00fcnder oder fromm, w\u00fcrdig oder unw\u00fcrdig. 18] Und sollen wissen, da\u00df Gott [es] in keinen Scherz will geschlagen haben, sondern z\u00fcrnen und strafen, wo wir nicht bitten, sowohl als er allen andern Ungehorsam straft; danach, da\u00df er unser Gebet nicht will lassen umsonst und verloren sein. Denn wo er dich nicht erh\u00f6ren wollte, w\u00fcrde er dich nicht heissen beten und so streng Gebot darauf schlagen.<\/p>\n<p>19] Zum andern soll uns desto mehr treiben und reizen, da\u00df Gott auch eine Verheissung dazu getan und zugesagt hat, da\u00df es soll ja und gewiss sein, was wir bitten, wie er spricht im 50. Psalm: &#8220;Rufe mich an zur Zeit der Not, so will ich dich erretten.&#8221; Und Christus im Evangelio Matth. 7: &#8220;Bittet, so wird euch gegeben usw.; denn ein jeglicher, wer da bittet, der empf\u00e4het.&#8221; 20] Solches sollte je unser Herz erwecken und anz\u00fcnden, mit Lust und Liebe zu beten, weil er mit seinem Wort bezeugt, da\u00df ihm unser Gebet herzlich wohlgefalle, dazu gewisslich erh\u00f6rt und gew\u00e4hrt sein soll, auf da\u00df wir\u2019s nicht verachten noch in [den] Wind schlagen und auf ungewiss bitten.<\/p>\n<p>21] Solches kannst du ihm aufr\u00fccken [vorhalten] und sprechen: Hier komme ich, lieber Vater, und bitte, nicht aus meinem Vornehmen noch auf eigene W\u00fcrdigkeit, sondern auf dein Gebot und Verheissung, so mir nicht fehlen noch l\u00fcgen kann. Wer nun solcher Verheissung nicht glaubt, soll abermal wissen, da\u00df er Gott erz\u00fcrnt, als der ihn aufs h\u00f6chste unehrt und L\u00fcgen straft.<\/p>\n<p>22] \u00dcber das soll uns auch locken und ziehen, da\u00df Gott neben dem Gebot und Verheissung zuvorkommt und selbst die Worte und Weise stellt und uns in [den] Mund legt, wie und was wir beten sollen, auf da\u00df wir sehen, wie herzlich er sich unserer Not annimmt, und je nicht daran zweifeln, da\u00df ihm solch Gebet gef\u00e4llig sei und gewisslich erh\u00f6rt werde, welches gar ein grosser Vorteil ist vor allen andern Gebeten, so wir selbst erdenken m\u00f6chten. 23] Denn da w\u00fcrde das Gewissen immer in Zweifel stehen und sagen: Ich habe gebeten, aber wer weiss, wie es ihm gef\u00e4llt, oder ob ich die [das] rechte Mass und Weise [ge]troffen habe. Darum ist auf Erden kein edler Gebet zu finden denn das t\u00e4gliche Vaterunser, weil es solch trefflich Zeugnis hat, da\u00df [es] Gott herzlich gerne h\u00f6ret, daf\u00fcr wir nicht der Welt Gut sollten nehmen.<\/p>\n<p>24] Und ist auch darum also vorgeschrieben, da\u00df wir sehen und bedenken die Not, so uns dringen und zwingen soll, ohne Unterlass zu beten. Denn wer da bitten will, der muss etwas bringen, vortragen und nennen, des er begehrt; wo nicht, so kann es kein Gebet heissen.<\/p>\n<p>25] Darum haben wir billig der M\u00f6nche und Pfaffen Gebete verworfen, die Tag und Nacht feindlich [wie Feinde] heulen und murren; aber ihrer keiner denkt um ein Haar breit zu bitten, und wenn man alle Kirchen samt den Geistlichen zusammenbr\u00e4chte, so m\u00fcssten sie bekennen, da\u00df sie nie von Herzen um ein Tr\u00f6pflein Weins gebeten h\u00e4tten. Denn ihrer keiner je hat aus Gottes Gehorsam und Glauben der Verheissung vorgenommen zu beten, auch keine Not angesehen, sondern nicht weiter gedacht (wenn man\u2019s aufs beste ausgerichtet hat), denn ein gut Werk zu tun, damit sie Gott bezahlten, als die nicht von ihm nehmen, sondern nur ihm geben wollten.<\/p>\n<p>26] Wo aber ein recht Gebet sein soll, da muss ein Ernst sein, da\u00df man seine Not f\u00fchle, und solche Not, die uns dr\u00fcckt und treibt zu rufen und schreien; so geht denn das Gebet von sich selbst, wie es gehen soll, da\u00df man keines Lehrens [be]darf, wie man sich dazu bereiten und Andacht sch\u00f6pfen soll. 27] Die Not aber, so uns beide f\u00fcr uns und jedermann anliegen soll, wirst du reichlich genug im Vaterunser finden; darum soll es auch dazu dienen, da\u00df man sich derselben daraus erinnere, sie betrachte und zu Herzen nehme, auf da\u00df wir nicht lass werden zu beten. Denn wir haben alle genug, das uns mangelt; es fehlt aber daran, da\u00df wir\u2019s nicht f\u00fchlen noch sehen. Darum auch Gott haben will, da\u00df du solche Not und Anliegen klagest und anziehest, nicht da\u00df er\u2019s nicht wisse, sondern da\u00df du dein Herz entz\u00fcndest, desto st\u00e4rker und mehr zu begehren, und nur den Mantel weit ausbreitest und auftust, viel zu empfangen.<\/p>\n<p>28] Darum sollten wir uns von Jugend auf gew\u00f6hnen, ein jeglicher f\u00fcr alle seine Not, wo er nur etwas f\u00fchlt, das ihn anst\u00f6sst, und auch anderer Leute, unter welchen er ist, t\u00e4glich zu bitten, als f\u00fcr Prediger, Obrigkeit, Nachbarn, Gesinde, und immer (wie gesagt) Gott sein Gebot und Verheissung aufr\u00fccken [vorhalten] und wissen, da\u00df er\u2019s nicht will verachtet haben. 29] Das sage ich darum denn ich wollte gerne, da\u00df man solches wieder in die Leute br\u00e4chte, da\u00df sie lernten recht beten und nicht so roh und kalt hingehen, davon sie t\u00e4glich ungeschickter werden zu beten; welches auch der Teufel haben will und mit allen Kr\u00e4ften dazu hilft; denn er f\u00fchlt wohl, was [es] ihm f\u00fcr Leid und Schaden tut, wenn das Gebet recht im Schwange geht.<\/p>\n<p>30] Denn das sollen wir wissen, da\u00df all unser Schirm und Schutz allein in dem Gebet steht. Denn wir sind dem Teufel viel zu schwach samt seiner Macht und Anhang, so sich wider uns legen, da\u00df sie uns wohl k\u00f6nnten mit F\u00fcssen zertreten. Darum m\u00fcssen wir denken und zu den Waffen greifen, damit die Christen sollen ger\u00fcstet sein, wider den Teufel zu bestehen. 31] Denn was meinst du, das bisher so gross Dinge ausgerichtet habe, unserer Feinde Ratschlagen, Vornehmen, Mord und Aufruhr gewehrt oder ged\u00e4mpft, dadurch uns der Teufel samt dem Evangelio gedacht hat unterzudr\u00fccken [zu unterdr\u00fccken], wo nicht etlicher frommer Leute Gebet als eine eiserne Ma\u00fcr auf unserer Seite dazwischen [ge]kommen w\u00e4re? Sie sollten sonst selbst gar viel ein ander Spiel gesehen haben, wie der Teufel ganz Deutschland in seinem eigenen Blut verderbt h\u00e4tte. Jetzt aber m\u00f6gen sie es getrost verlachen und ihren Spott haben; wir wollen aber dennoch beide ihnen und dem Teufel allein durch das Gebet Manns genug sein, wo wir nur fleissig anhalten und nicht lass werden. 32] Denn wo irgendein frommer Christ bittet: Lieber Vater, lass doch deinen Willen geschehen! so spricht er droben: Ja, liebes Kind, es soll ja sein und geschehen dem Teufel und aller Welt zu Trotz.<\/p>\n<p>33] Das sei nun zur Vermahnung gesagt, da\u00df man vor allen Dingen lerne das Gebet gross und te\u00fcr achten und einen rechten Unterschied wisse zwischen dem Plappern und etwas bitten. Denn wir verwerfen mitnichten das Gebet, sondern das lauter unn\u00fctze Geheule und Gemurre verwerfen wir; wie auch Christus selbst lange Gew\u00e4sche verwirft und verbeut [verbietet]. 34] Nun wollen wir das Vaterunser aufs k\u00fcrzeste und kl\u00e4rlichste handeln. Da sind nun in sieben Artikel oder Bitten nacheinander gefasst alle Not, so uns ohne Unterlass belangt [so one Unterlass an uns herantritt], und eine jegliche so gross, da\u00df sie uns treiben sollte, unser Leben lang daran zu bitten. <\/p>\n<p>Die erste Bitte.<\/p>\n<p>35] Geheiligt werde dein Name.<\/p>\n<p>36] Das ist nun etwas finster und nicht wohl deutsch geredet; denn auf unsere Muttersprache w\u00fcrden wir also sprechen: Himmlischer Vater, hilf, da\u00df nur dein Name m\u00f6ge heilig sein. 37] Was ist\u2019s nun gebetet, da\u00df sein Name heilig werde? Ist er nicht vorhin heilig? Antwort: Ja, er ist allezeit heilig in seinem Wesen, aber in unserm [Ge] Brauch ist er nicht heilig. Denn Gottes Name ist uns gegeben, weil wir Christen [ge]worden und getauft sind, da\u00df wir Gottes Kinder heissen und die Sakramente haben, dadurch er uns mit ihm verleibt, also da\u00df alles, was Gottes ist, zu unserm Brauch dienen soll.<\/p>\n<p>38] Da ist nun die grosse Not, daf\u00fcr wir am meisten sorgen sollen, da\u00df der Name seine Ehre habe, heilig und hehr gehalten werde als unser h\u00f6chster Schatz und Heiligtum, so wir haben, und da\u00df wir als die frommen Kinder darum bitten, da\u00df sein Name, der sonst im Himmel heilig ist, auch auf Erden bei uns und aller Welt heilig sei und bleibe.<\/p>\n<p>39] Wie wird er nun unter uns heilig? Antwort, aufs deutlichste, so man\u2019s sagen kann: Wenn beide unsere Lehre und Leben g\u00f6ttlich und christlich ist. Denn weil wir in diesem Gebet Gott unsern Vater heissen, so sind wir schuldig, da\u00df wir uns allenthalben halten und stellen wie die frommen Kinder, da\u00df er unser nicht Schande, sondern Ehre und Preis habe.<\/p>\n<p>40] Nun wird er von uns entweder mit Worten oder mit Werken verunheiligt (denn was wir auf Erden machen, muss entweder Wort oder Werk, Reden oder Tun sein). 41] Zum ersten also, wenn man predigt, lehrt und redet unter Gottes Namen, das doch falsch und verf\u00fchrerisch ist, da\u00df sein Name die L\u00fcge schm\u00fccken und verkaufen [annehmbar aufputzen] muss. Das ist nun die gr\u00f6sste Schande und Unehre g\u00f6ttliches Namens; danach auch, wo man gr\u00f6blich den heiligen Namen zum Schanddeckel f\u00fchrt mit Schw\u00f6ren, Fluchen, Zaubern usw. 42] Zum andern auch mit \u00f6ffentlichem b\u00f6sen Leben und Werken, wenn die, so Christen und Gottes Volk heissen, Ehebrecher, S\u00e4ufer, geizige W\u00e4nste, neidisch und Afterreder sind; da muss abermal Gottes Name um unsertwillen mit Schanden bestehen und gel\u00e4stert werden. 43] Denn gleichwie es einem leiblichen Vater eine Schande und Unehre ist, der ein b\u00f6se, ungeratenes Kind hat, das mit Worten und Werken wider ihn handelt, da\u00df er um seinetwillen muss verachtet und geschm\u00e4ht werden, 44] also auch [ge]reicht es auch zu Gottes Unehre, so wir, die nach seinem Namen genannt sind und allerlei G\u00fcter von ihm haben, anders lehren, reden und leben denn fromme und himmlische Kinder, da\u00df er h\u00f6ren, muss, da\u00df man von uns sagt, wir m\u00fcssen nicht Gottes, sondern des Teufels Kinder sein.<\/p>\n<p>45] Also siehst du, da\u00df wir eben das in diesem St\u00fcck bitten, so Gott im andern Gebot fordert, n\u00e4mlich, da\u00df man seines Namens nicht missbrauche zu schw\u00f6ren, fluchen, l\u00fcgen, tr\u00fcgen usw., sondern n\u00fctzlich brauche zu Gottes Lob und Ehre. Denn wer Gottes Namen zu irgendeiner Untugend braucht, der entheiligt und entweiht diesen heiligen Namen, wie man vorzeiten eine Kirche entweiht heiss, wenn ein Mord oder andere B\u00fcberei darin begangen war, oder wenn man eine Monstranz oder Heiligtum unehrte, als das wohl an ihm selbst heilig und doch im [Ge]Brauch unheilig ward. 46] Also ist dies St\u00fcck leicht und klar, wenn man nur die Sprache versteht, da\u00df heiligen heisst so viel, als auf unsere Weise loben, preisen und ehren, beide mit Worten und Werken.<\/p>\n<p>47] Da siehe nun, wie hoch solch Gebet vonn\u00f6ten ist. Denn weil wir sehen, wie die Welt so voll Rotten und falscher Lehrer ist, die alle den heiligen Namen zum Deckel und Schein ihrer Teufelslehre f\u00fchren, sollten wir billig ohne Unterlass schreien und rufen wider solche alle, beide, die f\u00e4lschlich predigen und glauben, und was unser Evangelium und reine Lehre anficht, verfolgt und d\u00e4mpfen will, als Bisch\u00f6fe, Tyrannen, Schw\u00e4rmer usw.; item auch f\u00fcr uns selbst, die wir Gottes Wort haben, aber nicht dankbar daf\u00fcr sind noch danach leben, wie wir sollen. 48] Wenn du nun solches von Herzen bittest, kannst du gewiss sein, da\u00df [es] Gott wohlgef\u00e4llt; denn Lieberes wird er nicht h\u00f6ren, denn da\u00df seine Ehre und Preis vor und \u00fcber alle Dinge gehe, sein Wort rein gelehrt, te\u00fcr und wert gehalten werde. <\/p>\n<p>Die zweite Bitte.<\/p>\n<p>Dein Reich komme.<\/p>\n<p>49] Wie wir im ersten St\u00fcck gebeten haben, das Gottes Ehre und Namen betrifft, da\u00df Gott wehre, da\u00df die Welt nicht ihre L\u00fcge und Bosheit darunter schm\u00fccke, sondern hehr und heilig halte beide mit Lehre und Leben, da\u00df er an uns gelobt und gepreiset werde: also bitten wir hier, da\u00df auch sein Reich kommen solle. 50] Aber gleichwie Gottes Name an ihm selbst heilig ist, und wir doch bitten, da\u00df er bei uns heilig sei, also kommt auch sein Reich ohne unser Bitten von sich selbst; doch bitten wir gleichwohl, da\u00df es zu uns komme, das ist, unter uns und bei uns gehe, also da\u00df wir auch ein St\u00fcck seien, darunter sein Name geheiligt werde und sein Reich im Schwange gehe.<\/p>\n<p>51] Was heisst nun Gottes Reich? Antwort: Nichts anderes, denn wie wir droben im Glauben geh\u00f6rt haben, da\u00df Gott seinen Sohn, Christum, unsern Hern, in die Welt geschickt, da\u00df er uns erl\u00f6ste und freimachte von der Gewalt des Teufels und zu sich br\u00e4chte und regierte als ein K\u00f6nig der Gerechtigkeit, des Lebens und Seligkeit wider S\u00fcnde, Tod und b\u00f6ses Gewissen. Dazu er auch seinen Heiligen Geist [ge]geben hat, der uns solches heimbr\u00e4chte durch sein heiliges Wort und [uns] durch seine Kraft im Glauben erleuchtete und st\u00e4rkte.<\/p>\n<p>52] Derhalben bitten wir nun hier zum ersten, da\u00df solches bei uns kr\u00e4ftig werde, und sein Name so gepreiset durch das heilige Wort Gottes und christlich Leben, beide, da\u00df wir, die es angenommen haben, dabei bleiben und t\u00e4glich zunehmen, und da\u00df es bei andern Leuten einen Zufall [Beifall] und Anhang gewinne und gewaltiglich durch die Welt gehe, auf da\u00df ihrer viele zu dem Gnadenreich kommen, der Erl\u00f6sung teilhaftig werden, durch den Heiligen Geist herzu[ge]bracht, auf da\u00df wir also allesamt in einem K\u00f6nigreich, jetzt angefangen, ewiglich bleiben.<\/p>\n<p>53] Denn &#8220;Gottes Reich zu uns kommen&#8221; geschieht auf zweierlei Weise, einmal hier zeitlich durch das Wort und den Glauben, zum andern ewig, durch die Offenbarung. Nun bitten wir solches beides, da\u00df es komme zu denen, die noch nicht darin sind, und zu uns, die es \u00fcberkommen haben, durch t\u00e4glich Zunehmen und k\u00fcnftig in dem ewigen Leben. 54] Das alles ist nichts anderes denn so viel gesagt: Lieber Vater, wir bitten, gib uns erstlich dein Wort, da\u00df das Evangelium rechtschaffen durch die Welt gepredigt werde; zum andern, da\u00df [es] auch durch den Glauben angenommen werde, in uns wirke und lebe, da\u00df also dein Reich unter uns gehe durch das Wort und Kraft des Heiligen Geistes und des Teufels Reich niedergelegt werde, da\u00df er kein Recht noch Gewalt \u00fcber uns habe, so lange, bis es endlich gar zerst\u00f6rt, die S\u00fcnde, Tod und H\u00f6lle vertilgt werde, da\u00df wir ewig leben in voller Gerechtigkeit und Seligkeit.<\/p>\n<p>55] Aus dem siehst du, da\u00df wir hier nicht um eine Parteken [ein geringes Almosen] oder zeitlich, verg\u00e4nglich Gut bitten, sondern um einen ewigen, \u00fcberschwenglichen Schatz und alles, was Gott selbst vermag [besitzt], das viel zu gross ist, da\u00df ein menschlich Herz solches d\u00fcrfte in [den] Sinn nehmen zu begehren, wo er\u2019s nicht selbst geboten h\u00e4tte zu bitten. 56] Aber weil er Gott ist, will er auch die Ehre haben, da\u00df er viel mehr und reichlicher gibt, denn jemand begreifen kann, als ein ewiger, unverg\u00e4nglicher Q\u00fcll, der, je mehr er ausfleusst [ausfliesst] und \u00fcbergeht, je mehr er von sich gibt und nichts h\u00f6her von uns begehrt, denn da\u00df man viel und grosse Dinge von ihm bitte, und wiederum z\u00fcrnt, wenn man nicht getrost bittet und fordert.<\/p>\n<p>57] Denn gleich als wenn der reichste, m\u00e4chtigste Kaiser einen armen Bettler heisse bitten, was er nur begehren m\u00f6chte, und bereit w\u00e4re, gross kaiserlich Geschenk zu geben, und der Narr nicht mehr denn eine Hofsuppe [Bettelsuppe, wie sie auf dem Hofe verteilt wird] bettelte, w\u00fcrde er billig als ein Schelm und B\u00f6sewicht gehalten, als der aus kaiserlicher Majest\u00e4t Befehl seinen Hohn und Spott triebe und nicht wert w\u00e4re, vor seine Augen zu kommen. Also [ge]reicht es auch Gott zu grosser Schmach und Unehre, wenn wir, denen er so viele unaussprechliche G\u00fcter anbeut [anbietet] und zusagt, solches verachten, oder nicht getra\u00fcn zu empfangen und kaum um ein St\u00fcck Brots [uns] unterwinden zu bitten.<\/p>\n<p>58] Das ist alles des sch\u00e4ndlichen Unglaubens Schuld, der sich nicht so viel Gutes zu Gott versieht, da\u00df er ihm den Bauch ern\u00e4hre, [ge]schweige, da\u00df er solche ewige G\u00fcter sollte ungezweifelt von Gott gewarten. Darum sollen wir uns dawider st\u00e4rken und dies lassen das erste sein zu bitten, so wird man freilich alles andere auch reichlich haben, wie Christus lehrt: &#8220;Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes, so soll euch solches alles zufallen.&#8221; Denn wie sollte er uns an Zeitlichem mangeln und darben lassen, weil er das Ewige und Unverg\u00e4ngliche verheisst? <\/p>\n<p>Die dritte Bitte.<\/p>\n<p>59] Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden.<\/p>\n<p>60] Bisher haben wir gebeten, da\u00df sein Name von uns geehrt werde und sein Reich unter uns gehe; in welchen zweien ganz begriffen ist, was Gottes Ehre und unsere Seligkeit belangt, da\u00df wir Gott samt allen seinen G\u00fctern zu eigen kriegen. Aber hier ist nun ja so grosse Not, da\u00df wir solches festhalten und uns nicht lassen davonreissen. 61] Denn wie in einem guten Regiment nicht allein m\u00fcssen sein, die da ba\u00fcn und wohl regieren, sondern auch die da wehren, sch\u00fctzen und fest dar\u00fcber halten, als auch hier: wenn wir gleich f\u00fcr die h\u00f6chste Not gebeten haben, um das Evangelium, Glauben und Heiligen Geist, da\u00df er uns regiere, aus des Teufels Gewalt erl\u00f6se, so m\u00fcssen wir auch bitten, da\u00df er seinen Willen geschehen lasse. Denn es wird sich gar wunderlich anlassen, wenn wir dabei bleiben sollen, da\u00df wir viel Anst\u00f6sse und P\u00fcffe dar\u00fcber m\u00fcssen leiden von dem allem, so sich untersteht, die zwei vorigen St\u00fccke zu hindern und zu wehren.<\/p>\n<p>62] Denn niemand glaubt, wie sich der Teufel dawidersetzt und =sperrt, als der nicht leiden kann, da\u00df jemand recht lehre oder glaube, und tut ihm \u00fcber die Massen weh, da\u00df er muss seine L\u00fcgen und Gre\u00fcl, unter dem sch\u00f6nsten Schein g\u00f6ttliches Namens geehrt, aufdecken lassen und mit allen Schanden stehen, dazu aus dem Herzen getrieben werden und einen solchen Riss in sein Reich lassen geschehen. Darum tobt und w\u00fctet er als ein zorniger Feind mit aller seiner Macht und Kraft, h\u00e4ngt an sich alles, was unter ihm ist; dazu nimmt er zu Hilfe die Welt und unser eigen Fleisch. 63] Denn unser Fleisch ist an ihm selbst faul und zum B\u00f6sen geneigt, ob wir gleich Gottes Wort angenommen haben und glauben. Die Welt aber ist arg und b\u00f6se; da hetzt er an, bl\u00e4st und sch\u00fcrt zu, da\u00df er uns hindere, zur\u00fccktreibe, f\u00e4lle und wieder unter seine Gewalt bringe. 64] Das ist all sein Wille, Sinn und Gedanken, danach er Tag und Nacht trachtet und keinen Augenblick feiert, braucht alle K\u00fcnste, T\u00fccke, Weise und Wege dazu, die er immer erdenken kann.<\/p>\n<p>65] Darum m\u00fcssen wir uns gewisslich des versehen und erw\u00e4gen, so wir Christen sein wollen, da\u00df wir den Teufel samt allen seinen Engeln und die Welt zu Feinden haben, die uns alles Ungl\u00fcck und Herzeleid anlegen. Denn wo Gottes Wort gepredigt, angenommen oder geglaubt wird und Frucht schafft, da soll das liebe heilige Kreuz auch nicht aussen bleiben. Und denke nur niemand, da\u00df er Frieden haben werde, sondern hinansetzen m\u00fcsse, was er auf Erden hat: Gut, Ehre, Haus und Hof, Weib und Kind, Leib und Leben. 66] Das tut nun unserm Fleisch und alten Adam weh; denn es heisst festhalten und mit Geduld leiden, wie man uns angreift, und fahren lassen, was man uns nimmt.<\/p>\n<p>67] Darum ist je so grosse Not als in allen andern [Bitten], da\u00df wir ohne Unterlass bitten: Lieber Vater, dein Wille geschehe, nicht des Teufels und unserer Feinde Wille, noch alles des, so dein heiliges Wort verfolgen und d\u00e4mpfen will oder dein Reich hindern; und gib uns, da\u00df wir alles, was dr\u00fcber zu leiden ist, mit Geduld tragen und \u00fcberwinden, da\u00df unser armes Fleisch aus Schwachheit oder Tr\u00e4gheit nicht weiche noch abfalle!<\/p>\n<p>68] Siehe, also haben wir aufs einf\u00e4ltigste in diesen drei St\u00fccken die Not, so Gott selbst betrifft, doch alles um unsertwillen; denn es gilt allein uns was wir bitten, n\u00e4mlich also, wie gesagt, da\u00df auch in uns geschehe, das sonst ausser uns geschehen muss. Denn wie auch ohne unser Bitten sein Name geheiligt werden und sein Reich kommen muss, also muss auch sein Wille geschehen und durchdringen, obgleich der Teufel mit all seinem Anhang fast [sehr] dawider rumoren, z\u00fcrnen und toben und sich unterstehen, das Evangelium ganz au\u00dfutilgen. Aber um unsertwillen m\u00fcssen wir bitten, da\u00df sein Wille auch unter uns wider solch ihr Toben unverhindert gehe, da\u00df sie nichts schaffen [ausrichten] k\u00f6nnen, und wir wider alle Gewalt und Verfolgung fest dabei bleiben und solchen Willen Gottes uns gefallen lassen.<\/p>\n<p>69] Solch Gebet soll nun jetzt unser Schutz und Wehr sein, die zur\u00fcckschlage und niederlege alles, was der Teufel, Papst, Bisch\u00f6fe, Tyrannen und Ketzer wider unser Evangelium verm\u00f6gen. Lass sie allzumal z\u00fcrnen und ihr H\u00f6chstes versuchen, ratschlagen und beschliessen, wie sie uns d\u00e4mpfen und ausrotten wollen, da\u00df ihr Wille und Rat fortgehe; dawider soll ein Christ oder zwei mit diesem einigen St\u00fcck unsere Ma\u00fcr sein, daran sie anlaufen und zu Scheitern gehen. 70] Den Trost und Trotz haben wir, da\u00df des Teufels und aller unserer Feinde Wille und Vornehmen soll und muss untergehen und zunichte werden, wie stolz, sicher und gewaltig sie sich wissen; denn wo ihr Wille nicht gebrochen und gehindert w\u00fcrde, so k\u00f6nnte sein Reich auf Erden nicht bleiben noch sein Name geheiligt werden. <\/p>\n<p>Die vierte Bitte.<\/p>\n<p>71] Unser t\u00e4glich Brot gib uns heute.<\/p>\n<p>72] Hier bedenken wir nun den armen Brotkorb, unsers Leibes und zeitlichen Lebens Notdurft, und ist ein kurz, einf\u00e4ltig Wort, greift aber auch sehr weit um sich. Denn wenn du t\u00e4glich Brot nennst und bittest, so bittest du alles, was dazu geh\u00f6rt, das t\u00e4gliche Brot zu haben und geniessen, und dagegen auch wider alles, so dasselbe hindert. Darum musst du deine Gedanken wohl auftun und ausbreiten, nicht allein in [den] Backofen oder Mehlk\u00e4sten, sondern ins weite Feld und ganze Land, so das t\u00e4gliche Brot und allerlei Nahrung tr\u00e4gt und uns bringt. Denn wo es Gott nicht wachsen liesse, segnete und auf dem Lande erhielte, w\u00fcrden wir nimmer kein Brot aus dem Backofen [* nehmen] noch auf den Tisch zu legen haben.<\/p>\n<p>73] Und da\u00df wir\u2019s k\u00fcrzlich fassen, so will diese Bitte mit eingeschlossen haben alles, was zu diesem ganzen Leben in der Welt geh\u00f6rt, weil wir allein um deswillen das t\u00e4gliche Brot haben m\u00fcssen. Nun geh\u00f6rt nicht allein zum Leben, da\u00df unser Leib sein Futter und Decke und andere Notdurft habe, sondern auch, da\u00df wir unter den Leuten, mit welchen wir leben und umgehen, in t\u00e4glichem Handel und Wandel und allerlei Wesen mit Ruhe und Frieden hinkommen; Summa, alles, was beide h\u00e4uslich und nachbarlich oder b\u00fcrgerlich Wesen und Regiment belangt. Denn wo diese zwei gehindert werden, da\u00df sie nicht gehen, wie sie gehen sollen, da ist auch des Lebens Notdurft gehindert, da\u00df [es] endlich nicht kann erhalten werden. 74] Und ist wohl das Allern\u00f6tigste, f\u00fcr weltliche Obrigkeit und Regiment zu bitten, als durch welches uns Gott allermeist unser t\u00e4glich Brot und alle Gemach [alle Annehmlichkeiten] dieses Lebens erh\u00e4lt. Denn ob wir gleich aller G\u00fcter von Gott die F\u00fclle haben \u00fcberkommen, so k\u00f6nnen wir doch desselben [derselben] keines behalten noch sicher und fr\u00f6hlich [ge]brauchen, wo er uns nicht ein best\u00e4ndig, friedlich Regiment g\u00e4be. Denn wo Unfriede, Hader und Krieg ist, da ist das t\u00e4gliche Brot schon genommen oder je gewehrt.<\/p>\n<p>75] Darum m\u00f6chte man billig in eines jeglichen frommen F\u00fcrsten Schild ein Brot setzen f\u00fcr einen Le\u00fcn [L\u00f6wen] oder Rautenkranz [Laubkranz im s\u00e4chsischen Wappen aus Rautenbl\u00e4ttern] oder auf die M\u00fcnze f\u00fcr das Gepr\u00e4ge schlagen, zu erinnern beide, sie und die Untertanen, da\u00df wir durch ihr Amt Schutz und Frieden haben und ohne sie das liebe Brot nicht essen noch behalten k\u00f6nnen. Darum sie auch aller Ehren wert sind, da\u00df man ihnen dazu gebe, was wir sollen und k\u00f6nnen, als denen, durch welche wir alles, was wir haben, mit Frieden und Ruhe geniessen, da wir sonst keinen Heller behalten w\u00fcrden; dazu, da\u00df man auch f\u00fcr sie bitte, da\u00df Gott desto mehr Segen und Gutes durch sie uns gebe.<\/p>\n<p>76] Also sei aufs k\u00fcrzeste angezeigt und entworfen, wie weit dies Gebet geht durch allerlei Wesen auf Erden. Daraus m\u00f6chte nun jemand ein lang Gebet machen und mit vielen Worten alle solche St\u00fccke, so darein geh\u00f6ren, verz\u00e4hlen [aufz\u00e4hlen], als n\u00e4mlich, da\u00df wir bitten, da\u00df uns Gott gebe Essen und Trinken, Kleider, Haus und Hof und gesunden Leib, dazu das Getreide und Fr\u00fcchte auf dem Felde wachsen und wohl geraten lasse; danach auch daheim wohl haushalten helfe, fromm Weib, Kinder und Gesinde gebe und bewahre, unsere Arbeit, Handwerk oder was wir zu tun haben, gedeihen und gelingen lasse, tre\u00fc Nachbarn und gute Freunde beschere usw.; 77] item, Kaiser, K\u00f6nigen und allen St\u00e4nden und sonderlich unserm Landesf\u00fcrsten, allen R\u00e4ten, Oberherren und Amtleuten Weisheit, St\u00e4rke und Gl\u00fcck gebe, wohl zu regieren, den Untertanen und gemeinem Haufen Gehorsam, Frieden und Eintracht untereinander zu leben; 78] und wiederum, da\u00df er uns beh\u00fcte vor allerlei Schaden des Leibes und Nahrung, Ungewitter, Hagel, Fe\u00fcr, Wasser, Gift, Pestilenz, Viehsterben, Krieg und Blutvergiessen, teurer Zeit, sch\u00e4dlichen Tieren, b\u00f6sen Leuten usw. 79] Welches alles gut ist, den Einf\u00e4ltigen einzubilden [einzupr\u00e4gen], da\u00df solches und dergleichen von Gott muss gegeben und von uns gebeten sein.<\/p>\n<p>80] Vornehmlich aber ist dies Gebet auch gestellt wider unsern h\u00f6chsten Feind, den Teufel. Denn das ist all sein Sinn und Begehren, solches alles, was wir von Gott haben, zu nehmen oder [zu]hindern, und l\u00e4sst ihm nicht gen\u00fcgen, da\u00df er das geistliche Regiment hindere und zerst\u00f6re, damit da\u00df er die Seelen durch seine L\u00fcgen verf\u00fchre und unter seine Gewalt bringe, sondern wehrt und hindert auch, da\u00df kein Regiment noch ehrbarlich und friedlich Wesen auf Erden bestehe. Da richtet er so viel Hader, Mord, Aufruhr und Krieg an, item Ungewitter, Hagel, das Getreide und Vieh zu verderben, die Luft zu vergiften usw. 81] Summa, es ist ihm leid, da\u00df jemand einen Bissen Brots von Gott habe und mit Frieden esse; und wenn es in seiner Macht st\u00fcnde, und unser Gebet (n\u00e4chst Gott) nicht wehrete, w\u00fcrden wir freilich keinen Halm auf dem Felde, keinen Heller im Hause, ja nicht eine Stunde das Leben behalten, sonderlich die, so Gottes Wort haben und gerne wollten Christen sein.<\/p>\n<p>82] Siehe, also will uns Gott anzeigen, wie er sich aller unserer Not annimmt und so treulich auch f\u00fcr unsere zeitliche Nahrung sorgt; 83] und wiewohl er solches reichlich gibt und erh\u00e4lt, auch den Gottlosen und Buben, doch will er, da\u00df wir darum bitten, auf da\u00df wir erkennen, da\u00df wir\u2019s von seiner Hand empfangen und darin seine v\u00e4terliche G\u00fcte gegen uns sp\u00fcren. Denn wo er die Hand abzeucht [abzieht], so kann es doch nicht endlich gedeihen noch erhalten werden, wie man wohl t\u00e4glich sieht und f\u00fchlt. 84] Was ist jetzt f\u00fcr eine Plage in der Welt allein mit der b\u00f6sen M\u00fcnze, ja mit t\u00e4glicher Beschwerung und Aufsetzen [Daraufschlagen, Wucher] in gemeinem Handel, Kauf und Arbeit derer, die nach ihrem Mutwillen das liebe Armut [die lieben Armen] dr\u00fccken und ihr t\u00e4glich Brot entziehen! Welches wir zwar m\u00fcssen leiden; sie aber m\u00f6gen sich vorsehen, da\u00df sie nicht das gemeine Gebet [die F\u00fcrbitte der Christen] verlieren und sich h\u00fcten, da\u00df dies St\u00fccklein im Vaterunser nicht wider sie gehe. <\/p>\n<p>Die f\u00fcnfte Bitte.<\/p>\n<p>85] Und verlass [erlass, vergib] uns unsere Schuld, als wir verlassen [vergeben] unsern Schuldigern.<\/p>\n<p>86] Dies St\u00fcck trifft nun unser armes und elendes Leben an, welches, ob wir gleich Gottes Wort haben, glauben, seinen Willen tun und leiden und uns von Gottes Gabe und Segen n\u00e4hren, geht es doch ohne S\u00fcnde nicht ab; denn wir noch t\u00e4glich straucheln und zu viel tun [nicht Mass halten], weil wir in der Welt leben unter den Leuten, die uns viel zuleide tun und Ursache geben zu Ungeduld, Zorn, Rache usw.; 87] dazu den Teufel hinter uns haben, der uns auf allen Seiten zusetzt und ficht (wie geh\u00f6rt) wider alle vorigen St\u00fccke, da\u00df nicht m\u00f6glich ist, in solchem steten Kampf allezeit festzustehen.<\/p>\n<p>88] Darum ist hier abermal grosse Not zu bitten und rufen: Lieber Vater, verlass uns unsere Schuld! Nicht da\u00df er auch ohne und vor unserm Bitten nicht die S\u00fcnde vergebe (denn er hat uns das Evangelium, darin eitel Vergebung ist, geschenkt, ehe wir darum gebeten oder jemals danach gesonnen haben); es ist aber darum zu tun, da\u00df wir solche Vergebung erkennen und annehmen. 89] Denn weil das Fleisch, darin wir t\u00e4glich leben, derart ist, da\u00df es Gott nicht traut und glaubt und sich immerdar regt mit b\u00f6sen L\u00fcsten und T\u00fccken, da\u00df wir t\u00e4glich mit Worten und Werken, mit Tun und Lassen s\u00fcndigen, davon das Gewissen zu Unfrieden kommt, da\u00df [es] sich vor Gottes Zorn und Ungnade f\u00fcrchtet und also den Trost und Zuversicht aus dem Evangelio sinken l\u00e4sst, so ist ohne Unterlass vonn\u00f6ten, da\u00df man hierher laufe und Trost hole, das Gewissen wieder aufzurichten.<\/p>\n<p>90] Solches aber soll nun dazu dienen, da\u00df uns Gott den Stolz breche und [uns] in der Demut halte. Denn er hat ihm [sich] vorbehalten das Vorteil [das Vorrecht], ob jemand wollte auf seine Fr\u00f6mmigkeit pochen und andere verachten, da\u00df er sich selbst ansehe und dies Gebet vor Augen stelle, so wird er finden, da\u00df er ebenso fromm ist [da\u00df er nicht fr\u00f6mmer ist] als die andern, und m\u00fcssen alle vor Gott die Federn [wie der stolze Pfau] niederschlagen und froh werden, da\u00df wir zu der Vergebung kommen. 91] Und denke es nur niemand, solange wir hier leben, dahin zu bringen, da\u00df er solcher Vergebung nicht [be]d\u00fcrfe. Summa, wo er nicht ohne Unterlass vergibt, so sind wir verloren.<\/p>\n<p>92] So ist nun die Meinung dieser Bitte, da\u00df Gott nicht wollte unsere S\u00fcnde ansehen und vorhalten, was wir t\u00e4glich verdienen, sondern mit Gnaden gegen uns handeln und vergeben, wie er verheissen hat, und also ein fr\u00f6hlich und unverzagt Gewissen geben, vor ihm zu stehen und zu bitten. Denn wo das Herz nicht mit Gott recht steht und solche Zuversicht sch\u00f6pfen kann, so wird es nimmermehr sich d\u00fcrfen unterstehen zu beten. Solche Zuversicht aber und fr\u00f6hlich Herz kann nirgend herkommen, es wisse denn, da\u00df ihm die S\u00fcnden vergeben seien.<\/p>\n<p>93] Es ist aber dabei ein n\u00f6tiger und doch tr\u00f6stlicher Zusatz angeh\u00e4ngt: &#8220;als wir vergeben unsern Schuldigern&#8221;. Er hat\u2019s verheissen, da\u00df wir sollen sicher sein, da\u00df uns alles vergeben und geschenkt sei, doch sofern, da\u00df wir auch unserm N\u00e4chsten vergeben. 94] Denn wie wir gegen Gott t\u00e4glich viel verschulden, und er doch aus Gnaden alles vergibt, also m\u00fcssen auch wir unserm N\u00e4chsten immerdar vergeben, so uns Schaden, Gewalt und Unrecht tut, b\u00f6se T\u00fccke beweist usw. 95] Vergibst du nun nicht, so denke auch nicht, da\u00df dir Gott vergebe; vergibst du aber, so hast du den Trost und Sicherheit, da\u00df dir im Himmel vergeben wird, nicht um deines Vergebens willen; denn er tut es frei umsonst, aus lauter Gnade, weil er\u2019s verheissen hat, wie das Evangelium lehrt; sondern da\u00df er uns solches zur St\u00e4rke und Sicherheit als zum Wahrzeichen setze neben der Verheissung, die mit diesem Gebete stimmt, Luc\u00e4 am 6.: &#8220;Vergebet, so wird euch vergeben.&#8221; Darum sie auch Christus bald nach dem Vaterunser wiederholt und spricht Matth\u00e4i am 6.: &#8220;Denn so ihr den Menschen ihre Fehle vergebet, so wird euch e\u00fcr himmlischer Vater auch vergeben&#8221; usw.<\/p>\n<p>97] Darum ist nun solches Zeichen bei diesem Gebet mit angeheftet, da\u00df, wenn wir bitten, [wir] uns der Verheissung erinnern und also denken: Lieber Vater, darum komme und bitte ich, da\u00df du mir vergebest, nicht da\u00df ich mit Werken genugtun oder verdienen k\u00f6nne, sondern weil du es verheissen hast und das Siegel dran geh\u00e4ngt, da\u00df [es] so gewiss sein solle, als habe ich eine Absolution, von dir selbst gesprochen. 98] Denn wieviel die Taufe und Sakrament, \u00e4usserlich zum Zeichen gestellt, schaffen, so viel vermag auch dies Zeichen, unser Gewissen zu st\u00e4rken und fr\u00f6hlich zu machen, und ist vor andern eben darum gestellt, da\u00df wir\u2019s alle Stunde k\u00f6nnten brauchen und \u00fcben, als das wir allezeit bei uns haben. <\/p>\n<p>Die sechste Bitte.<\/p>\n<p>99] Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung.<\/p>\n<p>100] Wir haben nun genug geh\u00f6rt, was [es] f\u00fcr M\u00fche und Arbeit will haben, da\u00df man das alles, so man bittet, erhalte und dabei bleibe, da\u00df [es] dennoch nicht ohne Gebrechen und Straucheln abgeht. Dazu, ob wir gleich Vergebung und gut Gewissen \u00fcberkommen haben und ganz losgesprochen sind, so ist es doch mit dem Leben so getan, da\u00df einer heute steht und morgen davonf\u00e4llt. Darum m\u00fcssen wir abermal bitten, ob wir nun fromm sind und mit gutem Gewissen gegen Gott stehen, da\u00df er uns nicht lasse zur\u00fcckfallen und der Anfechtung oder Versuchung weichen.<\/p>\n<p>101] Die Versuchung aber oder (wie es unsere Sachsen von alters her nennen) Bek\u00f6runge [Verf\u00fchrung durch Zureden] ist dreierlei: des Fleisches, der Welt und des Teufels, 102] Denn im Fleisch wohnen wir und tragen den alten Adam am Halse, der regt sich und reizt uns t\u00e4glich zur Unzucht, Faulheit, Fressen und Saufen, Geiz und T\u00e4uscherei, den N\u00e4chsten zu betr\u00fcgen und \u00fcbersetzen [zu \u00fcberfordern] und, Summa, zu allerlei b\u00f6sen L\u00fcsten, so uns von Natur ankleben, und dazu [wir] erregt werden durch anderer Leute Gesellschaft, Exempel, H\u00f6ren und Sehen, welche oftmals auch ein unschuldiges Herz verwunden und entz\u00fcnden.<\/p>\n<p>103] Danach ist [kommt] die Welt, so uns mit Worten und Werken beleidigt und treibt zu Zorn und Ungeduld. Summa, da ist nichts denn Hass und Neid, Feindschaft, Gewalt und Unrecht, Untre\u00fc, R\u00e4chen, Fluchen, Schelten, Afterreden, Hoffart und Stolz mit \u00fcberfl\u00fcssigem Schmuck, Ehre, Ruhm und Gewalt, da niemand will der Geringste sein, sondern obenan sitzen und vor jedermann gesehen sein.<\/p>\n<p>104] Dazu kommt nun der Teufel, hetzt und bl\u00e4st auch allenthalben zu; aber sonderlich treibt er, was das Gewissen und geistliche Sachen betrifft, n\u00e4mlich da\u00df man beide Gottes Wort und Werk in [den] Wind schlage und verachte, da\u00df er uns vom Glauben, Hoffnung und Liebe reisse und bringe zu Missglauben, falscher Vermessenheit und Verstockung oder wiederum [umgekehrt] zur Verzweiflung, Gottes Verleugnung und L\u00e4sterung und andern unz\u00e4hligen greulichen St\u00fccken. Das sind nun Stricke und Netze, da die rechten feurigen Pfeile, die nicht Fleisch und Blut, sondern der Teufel aufs allergiftigste ins Herz scheusset [schiesst].<\/p>\n<p>105] Das sind je gross, schwere Fahr [Gefahren] und Anfechtungen, so ein jeglicher Christ tragen muss, wenn auch jegliche f\u00fcr sich alleine w\u00e4re; auf da\u00df wir je getrieben werden, alle Stunden zu rufen und bitten, weil [solange] wir in dem sch\u00e4ndlichen Leben sind, da man uns auf allen Seiten zusetzt, jagt und treibt, da\u00df uns Gott nicht lasse matt und m\u00fcde werden und wieder zur\u00fcckfallen in S\u00fcnde, Schande und Unglauben; denn sonst ist\u2019s unm\u00f6glich, auch die allergeringsten Anfechtungen zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>106] Solches heisst nun: &#8220;nicht einf\u00fchren in Versuchung&#8221;, wenn er uns Kraft und St\u00e4rke gibt zu widerstehen, doch die Anfechtung nicht weggenommen noch aufgehoben. Denn Versuchung und Reizung kann niemand umgehen, weil wir im Fleisch leben und den Teufel um uns haben, und wird nichts anderes draus, wir m\u00fcssen Anfechtung leiden, ja darin stecken; aber da bitten wir f\u00fcr, da\u00df wir nicht hineinfallen und darin ersaufen.<\/p>\n<p>107] Darum ist\u2019s viel ein ander Ding, Anfechtung f\u00fchlen und darein verwilligen oder ja dazu sagen. F\u00fchlen m\u00fcssen wir sie alle, wiewohl nicht alle einerlei, sondern etliche mehr und schwerer, als die Jugend vornehmlich vom Fleisch; danach was erwachsen und alt wird, von der Welt; die andern aber, so mit geistlichen Sachen umgehen, das ist, die starken Christen, vom Teufel. 108] Aber solch F\u00fchlen, weil es wider unsern Willen ist und wir sein lieber los waren, kann niemand schaden. Denn wo man\u2019s nicht f\u00fchlte, k\u00f6nnte es keine Anfechtung heissen. Bewilligen aber ist, wenn man ihm dem Zaum lasst [ihm die Z\u00fcgel schiessen l\u00e4sst], nicht dawider steht noch bittet.<\/p>\n<p>109] Derhalben m\u00fcssen wir Christen des ger\u00fcstet sein und t\u00e4glich gewarten, da\u00df wir ohne Unterlass angefochten werden, auf da\u00df niemand so sicher und unachtsam hingehe, als sei der Teufel weit von uns, sondern allenthalben der Streiche gewarten und ihm versetzen [entgegentreten, den Streich parieren]. Denn ob ich jetzt keusch, geduldig, freundlich bin und in festem Glauben stehe, soll [so kann] der Teufel noch diese Stunde einen solchen Pfeil ins Herz treiben, da\u00df ich kaum bestehen bleibe. Denn er ist ein solcher Feind, der nimmer abl\u00e4sst noch m\u00fcde wird, da\u00df, wo eine Anfechtung aufh\u00f6rt, gehen immer andere und ne\u00fc auf.<\/p>\n<p>110] Darum ist kein Rat noch Trost denn hierher gelaufen, da\u00df man das Vaterunser ergreife und von Herzen mit Gott rede: Lieber Vater, du hast mich heissen beten, lass mich nicht durch die Versuchung zur\u00fcckfallen! so wirst du sehen, da\u00df sie ablassen muss und sich endlich gewonnen geben. Sonst, wo du mit deinen Gedanken und eigenem Rat [dich] unterstehst, dir zu helfen, wirst du es nur \u00e4rger machen und dem Teufel mehr Raum geben. Denn er hat einen Schlangenkopf, welcher, wo er eine L\u00fccke gewinnt, darein er schliefen [schl\u00fcfen] kann, so geht der ganze Leib hinnach unaufgehalten; aber das Gebet kann ihm wehren und ihn zur\u00fccktreiben. <\/p>\n<p>Die siebente und letzte Bitte.<\/p>\n<p>112] Sondern erl\u00f6se uns von dem \u00dcbel. Amen.<\/p>\n<p>113] Im Griechischen lautet das St\u00fccklein also: Erl\u00f6se oder beh\u00fcte uns von dem Argen oder Boshaftigen, und sieht eben, als rede er vom Teufel, als wollte er alles auf einen Haufen fassen, da\u00df die ganze Summa alles Gebets geht wider unsern Hauptfeind. Denn er ist der, so solches alles, was wir bitten, unter uns hindert, Gottes Namen oder Ehre, Gottes Reich und Willen, das t\u00e4gliche Brot, fr\u00f6hlich, gut Gewissen usw.<\/p>\n<p>114] Darum schlagen wir solches endlich zusammen und sagen: Lieber Vater, hilf doch, da\u00df wir des Ungl\u00fccks alles los werden! 115] Aber nichtsdestoweniger ist auch mit eingeschlossen, was uns B\u00f6ses widerfahren mag unter des Teufels Reich: Armut, Schande, Tod und k\u00fcrzlich aller unseliger Jammer und Herzeleid, so auf Erden unz\u00e4hlig viel ist. Denn der Teufel, weil er nicht allein ein L\u00fcgner, sondern auch ein Totschl\u00e4ger ist, ohne Unterlass auch nach unserm Leben trachtet und sein M\u00fctlein k\u00fchlt, wo er uns zu Unfall und Schaden am Leibe bringen kann. Daher kommt\u2019s, da\u00df er manchem den Hals bricht oder [ihn] von Sinnen bringt, etliche im Wasser ers\u00e4uft und viele dahin treibt, da\u00df sie sich selbst umbringen, und zu viel andern schrecklichen F\u00e4llen. 116] Darum haben wir auf Erden nichts zu tun, denn ohne Unterlass wider diesen Hauptfeind zu bitten; denn wo uns Gott nicht erhielte, w\u00e4ren wir keine Stunde vor ihm sicher.<\/p>\n<p>117] Daher siehst du abermal, wie Gott f\u00fcr alles, was uns auch leiblich anficht, will gebeten sein, da\u00df man nirgend keine Hilfe denn bei ihm suche und gewarte. 118] Solches hat er aber zum letzten gestellt; Denn sollen wir von allem \u00dcbel beh\u00fctet und los werden, muss zuvor sein Name in uns geheiligt [werden], sein Reich bei uns sein und sein Wille geschehen. Danach will er uns endlich vor S\u00fcnden und Schanden beh\u00fcten, daneben von [vor] allem, was uns weh tut und sch\u00e4ndlich ist.<\/p>\n<p>119] Also hat uns Gott aufs k\u00fcrzeste vorgelegt alle Not, die uns immer anliegen mag, da\u00df wir je keine Entschuldigung haben [nicht] zu beten. Aber da liegt die Macht an, da\u00df wir auch lernen &#8220;Amen&#8221; dazu sagen, das ist, nicht zweifeln, da\u00df es gewisslich erh\u00f6rt sei und geschehen werde. Denn es ist nichts anderes denn eines ungezweifelten Glaubens Wort, der da nicht auf Ebente\u00fcr [auf gut Gl\u00fcck, aufs Geratewohl] betet, sondern weiss, da\u00df ihm Gott nicht leugt [l\u00fcgt], weil er\u2019s verheissen hat zu geben. 120] Wo nun solcher Glaube nicht ist, da kann auch kein recht Gebet sein.<\/p>\n<p>121] Darum ist\u2019s ein sch\u00e4dlicher Wahn derer, die also beten, da\u00df sie nicht d\u00fcrfen von Herzen ja dazu sagen und gewisslich schliessen, da\u00df Gott erh\u00f6rt, sondern bleiben in dem Zweifel und sagen: Wie sollte ich so k\u00fchn sein und r\u00fchmen, da\u00df Gott mein Gebet erh\u00f6re? Bin ich doch ein armer S\u00fcnder usw.<\/p>\n<p>122] Das macht, da\u00df sie nicht auf Gottes Verheissung, sondern auf ihre Werke und eigene W\u00fcrdigkeit sehen, damit sie Gott verachten und L\u00fcgen strafen; derhalben sie auch nichts empfangen, 123] wie St. Jakobus sagt: &#8220;Wer da betet, der bete im Glauben und zweifle nicht. Denn wer da zweifelt, ist gleich wie eine Woge des Meeres, so vom Winde getrieben und gewebt [bewegt] wird. Solcher Mensch denke nur nicht, da\u00df er etwas von Gott empfangen werde.&#8221; 124] Siehe, so viel ist Gott daran gelegen, da\u00df wir gewiss sollen sein, da\u00df wir nicht umsonst bitten und in keinem Wege unser Gebet verachten.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014<\/p>\n<p>Das vierte Teil.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014<\/p>\n<p>Von der Taufe.<\/p>\n<p>1] Wir haben nun ausgerichtet die drei Hauptst\u00fccke der gemeinen christliche Lehre. \u00dcber dieselbe [ausser diesen] ist noch zu sagen von unsern zwei Sakramenten, von Christo eingesetzt, davon auch ein jeglicher Christ zum wenigsten einen gemeinen kurzen Unterricht haben soll, weil ohne dieselben kein Christ sein kann, wiewohl man leider bisher nichts davon gelehrt hat. 2] Zum ersten aber nehmen wir vor uns die Taufe, dadurch wir erstlich in die Christenheit genommen werden. Da\u00df man\u2019s aber wohl fassen k\u00f6nne, wollen wir\u2019s ordentlich handeln und allein dabei bleiben, was uns n\u00f6tig ist zu wissen. Denn wie man\u2019s erhalten und verfechten m\u00fcsse wider die Ketzer und Rotten, wollen wir den Gelehrten befehlen.<\/p>\n<p>3] Aufs erste muss man vor allen Dingen die Worte wohl wissen, darauf die Taufe gegr\u00fcndet ist, und dahin alles geht, was davon zu sagen ist, n\u00e4mlich da der Her Christus spricht Matth\u00e4i am letzten:<\/p>\n<p>4] Gehet hin in alle Welt, lehret alle Heiden und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.<\/p>\n<p>5] Item, Marci am letzten Kapitel:<\/p>\n<p>Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig. Wer aber nicht glaubet, der wird verdammt.<\/p>\n<p>6] In diesen Worten sollst du zum ersten merken, da\u00df hier steht Gottes Gebot und Einsetzung, da\u00df man nicht zweifle, die Taufe sei ein g\u00f6ttlich Ding, nicht von Menschen erdacht noch erfunden. Denn so wohl als ich sagen kann: die zehn Gebote, Glauben und Vaterunser hat kein Mensch aus seinem Kopf gesponnen, sondern sind von Gott selbst offenbart und gegeben, so kann ich auch r\u00fchmen, da\u00df die Taufe kein Menschentand sei, sondern von Gott selbst eingesetzt, dazu ernstlich und streng geboten, da\u00df wir uns m\u00fcssen taufen lassen, oder sollen nicht selig werden, da\u00df man nicht denke, es sei so leichtfertig [gleichg\u00fcltig] Ding, als einen ne\u00fcn roten Rock anziehen. 7] Denn da liegt die h\u00f6chste Macht an, da\u00df man die Taufe trefflich, herrlich und hoch halte, dar\u00fcber wir allermeist streiten und fechten, weil die Welt jetzt so voll Rotten ist, die da schreien, die Taufe sei ein \u00e4usserlich Ding, \u00e4usserlich Ding aber sei kein n\u00fctze. 8] Aber lass \u00e4usserlich Ding sein, als es immer kann; da steht aber Gottes Wort und Gebot, so die Taufe einsetzt, gr\u00fcndet und best\u00e4tigt. Was aber Gott einsetzt und gebeut [gebietet], muss nicht vergeblich, sondern eitel k\u00f6stlich Ding sein, wenn es auch dem Ansehen nach geringer denn ein Strohhalm w\u00e4re. 9] Hat man bisher k\u00f6nnen grossachten, wenn der Papst mit seinen Briefen und Bullen Ablass austeilte, Altar oder Kirchen best\u00e4tigte, allein um der Briefe und Siegel willen, so sollen wir die Taufe viel h\u00f6her und k\u00f6stlicher halten, weil es Gott befohlen hat, dazu in seinem Namen geschieht; denn also lauten die Worte: &#8220;Gehet hin, taufet&#8221;, aber nicht in eurem, sondern in Gottes Namen.<\/p>\n<p>10] Denn &#8220;in Gottes Namen getauft werden&#8221; ist nicht von Menschen, sondern von Gott selbst getauft werden. Darum ob es gleich durch des Menschen Hand geschieht, so ist es doch wahrhaftig Gottes eigen Werk, daraus ein jeglicher selbst wohl schliessen kann, da\u00df es viel h\u00f6her ist denn kein Werk, von einem Menschen oder Heiligen getan. Denn was kann man f\u00fcr Werke gr\u00f6sser machen denn Gottes Werk?<\/p>\n<p>11] Aber hier hat der Teufel zu schaffen, da\u00df er uns mit falschem Schein blende und von Gottes Werk auf unser Werk f\u00fchre. Denn das hat viel einen k\u00f6stlicheren Schein, da\u00df ein Kart\u00e4user viel schwere grosse Werke tut, und halten alle viel mehr von dem, das wir selbst tun und verdienen. 12] Aber die Schrift lehrt also: wenn man gleich aller M\u00f6nche Werke auf einen Haufen schl\u00fcge, wie k\u00f6stlich sie gleissen m\u00f6gen, so w\u00e4ren sie doch nicht so edel und gut, als wenn Gott einen Strohhalm aufh\u00fcbe. Warum? Darum, da\u00df die Person edler und besser ist. Nun muss man hier nicht die Person nach den Werken, sondern die Werke nach der Person achten, von welcher sie ihren Adel nehmen m\u00fcssen. 13] Aber das will die tolle Vernunft nicht achten, und weil es nicht gleisst wie die Werke, so wir tun, so soll es nicht gelten.<\/p>\n<p>14] Aus diesem lerne nun einen richtigen Verstand fassen und antworten auf die Frage, was die Taufe sei, n\u00e4mlich also, da\u00df sie nicht ein bloss, schlecht Wasser ist, sondern ein Wasser in Gottes Wort und Gebot gefasst und dadurch geheiligt, da\u00df [sie] nichts anderes ist denn ein Gotteswasser; nicht da\u00df das Wasser an ihm selbst edler sei denn andere Wasser, sondern da\u00df Gottes Wort und Gebot dazukommt.<\/p>\n<p>15] Darum ist\u2019s ein lauter Bubenst\u00fcck und des Teufels Gesp\u00f6tt, da\u00df jetzt unsere ne\u00fcn Geister, die Taufe zu l\u00e4stern, Gottes Wort und Ordnung davonlassen und nicht anders ansehen denn das Wasser, das man aus dem Brunnen sch\u00f6pft, und danach dahergeifern: Was sollte eine Hand voll Wassers der Seele helfen? 16] Ja, Lieber, wer weiss das nicht, da\u00df Wasser Wasser ist, wenn es Voneinandertrennens soll gelten? Wie darfst du aber so in Gottes Ordnung greifen und das beste Kleinod davonreissen, damit es Gott verbunden und eingefasst hat und nicht will getrennt haben? Denn das ist der Kern in dem Wasser, Gottes Wort oder Gebot und Gottes Name, welcher Schatz gr\u00f6sser und edler ist denn Himmel und Erde.<\/p>\n<p>17] Also fasse nun den Unterschied, da\u00df viel ein ander Ding ist Taufe denn alle andern Wasser: nicht des nat\u00fcrlichen Wesens halben, sondern da\u00df hier etwas Edleres dazukommt; denn Gott selbst seine Ehre hinansetzt, seine Kraft und Macht daran legt. Darum ist es nicht allein ein nat\u00fcrlich Wasser, sondern ein g\u00f6ttlich, himmlisch, heilig und selig Wasser, und wie man\u2019s mehr loben kann, alles um des Worts willen, welches ist ein himmlisch, heilig Wort, das niemand genug preisen kann; denn es hat und vermag alles, was Gottes ist. 18] Daher hat es auch sein Wesen, da\u00df es ein Sakrament heisst, wie auch St. Augustinus gelehrt hat: Accedat verbum ad elementum et fit sacramentum; das ist, wenn das Wort zum Element oder nat\u00fcrlichen Wesen kommt, so wird ein Sakrament daraus, das ist, ein heilig g\u00f6ttlich Ding und Zeichen.<\/p>\n<p>19] Darum lehren wir allezeit, man solle die Sakramente und alle \u00e4usserlichen Dinge, so Gott ordnet und einsetzt, nicht ansehen nach der groben \u00e4usserlichen Larve, wie man die Schalen von der Nuss sieht, sondern wie Gottes Wort darein geschlossen ist. 20] Denn also reden wir auch vom Vater= und Mutterstand und weltlicher Obrigkeit. Wenn man die will ansehen, wie sie Nasen, Augen, Haut und Haar, Fleisch und Bein haben so sehen sie T\u00fcrken und Heiden gleich, und m\u00f6chte auch jemand zufahren und sprechen: Warum sollte ich mehr von diesen halten denn von ander? Weil aber das Gebot dazukommt: &#8220;Du sollst Vater und Mutter ehren&#8221;, so sehe ich einen andern Mann geschm\u00fcckt und angezogen mit der Majest\u00e4t und Herrlichkeit Gottes. Das Gebot (sage ich) ist die g\u00fcldene Kette, so er am Hals tr\u00e4gt, ja die Krone auf seinem Haupt, die mir anzeigt, wie und warum man dies Fleisch und Blut ehren soll.<\/p>\n<p>21] Also und viel mehr sollst du die Taufe ehren und herrlich halten um des Worts willen als die er selbst beide mit Worten und Werken geehrt hat, dazu mit Wundern vom Himmel best\u00e4tigt. Denn meinst du, da\u00df ein Scherz war, da sich Christus taufen liess, der Himmel sich auftat, der Heilige Geist sichtiglich herabfuhr und war eitel g\u00f6ttliche Herrlichkeit und Majest\u00e4t?<\/p>\n<p>22] Derhalben vermahne ich abermal da\u00df man beileibe die zwei, Wort und Wasser, nicht voneinander scheiden und trennen lasse. Denn wo man das Wort davon sondert, so ist\u2019s nicht ander Wasser, denn damit die Magd kocht, und mag wohl eine Badertaufe heissen; aber wenn es dabei ist, wie es Gott geordnet hat, so ist\u2019s ein Sakrament und heisst Christus\u2019 Taufe. Das sei das erste St\u00fcck von dem Wesen und W\u00fcrde des heiligen Sakraments.<\/p>\n<p>23] Aufs andere, weil wir nun wissen, was die Taufe ist und wie sie zu halten sei, m\u00fcssen wir auch lernen, warum und wozu sie eingesetzt sei, das ist, was sie n\u00fctze, gebe und schaffe. Solches kann man auch nicht besser denn aus den Worten Christi, oben angezogen, fassen, n\u00e4mlich: &#8220;Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig.&#8221; 24] Darum fasse es aufs allereinf\u00e4ltigste also, da\u00df dies der Taufe Kraft, Werk, Nutz, Frucht und Ende ist, da\u00df sie selig mache. Denn man tauft niemand darum, da\u00df er ein F\u00fcrst werde, sondern, wie die Worte lauten, da\u00df er selig werde. 25] Selig werden aber weiss man wohl, da\u00df [es] nichts anderes heisse, denn von S\u00fcnden, Tod, Teufel erl\u00f6st, in Christus\u2019 Reich kommen und mit ihm ewig leben.<\/p>\n<p>26] Da siehst du abermal, wie te\u00fcr und wert die Taufe zu halten sei, weil wir solchen unausprechlichen Schatz darin erlangen, welches auch wohl anzeigt, da\u00df [sie] nicht kann ein schlecht lauter Wasser sein. Denn lauter Wasser k\u00f6nnte solches nicht tun; aber das Wort tut\u2019s, und da\u00df (wie oben gesagt) Gottes Name darin ist. 27] Wo aber Gottes Name ist, da muss auch Leben und Seligkeit sein, da\u00df es wohl ein g\u00f6ttlich, selig, fruchtbarlich und gnadenreich Wasser heisst; denn durchs Wort kriegt sie die Kraft, da\u00df sie ein Bad der Wiedergeburt ist, wie sie auch St. Paulus nennt an Titum 3.<\/p>\n<p>28] Da\u00df aber unsere Kl\u00fcglinge, die ne\u00fcn Geister, vorgeben: der Glaube macht allein selig, die Werke aber und \u00e4usserliche Dinge tun nichts dazu, antworten wir, da\u00df [es] freilich nichts in uns tut denn der Glaube, wie wir noch weiter h\u00f6ren werden. 29] Das wollen aber die blinden Leiter nicht sehen, da\u00df der Glaube etwas haben muss, das er glaube, das ist, daran er sich halte und darauf er stehe und fusse. Also h\u00e4ngt nun der Glaube am Wasser und glaubt, da\u00df [es] die Taufe sei, darin eitel Seligkeit und Leben ist, nicht durchs Wasser (wie genug gesagt), sondern dadurch, da\u00df [es] mit Gottes Wort und Ordnung verleibt [verbunden] ist und sein Name darin klebt. Wenn ich nun solches glaube, was glaube ich anders denn an Gott, als an den, der sein Wort darein gegeben und gepflanzt hat und uns dies \u00e4usserlich Ding vorschl\u00e4gt [vorlegt], darin wir solchen Schatz ergreifen k\u00f6nnten?<\/p>\n<p>30] Nun sind sie so toll, da\u00df sie voneinander scheiden den Glauben und das Ding, daran der Glaube haftet und gebunden ist, ob es gleich \u00e4usserlich ist. Ja, es soll und muss \u00e4usserlich sein, da\u00df man\u2019s mit Sinnen fassen und begreifen [betasten] und dadurch ins Herz bringen k\u00f6nne, wie denn das ganze Evangelium eine \u00e4usserliche m\u00fcndliche Predigt ist. Summa, was Gott in uns tut und wirkt, will er durch solche \u00e4usserliche Ordnung wirken. Wo er nun redet, ja wohin oder wodurch er redet, da soll der Glaube hinsehen und sich daran halten. 31] Nun haben wir hier die Worte: &#8220;Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig.&#8221; Worauf sind sie geredet anders denn auf die Taufe, das ist, das Wasser, in Gottes Ordnung gefasst? Darum folgt, da\u00df, wer die Taufe verwirft, der verwirft Gottes Wort, den Glauben und Christum, der uns dahin weist und an die Taufe bindet.<\/p>\n<p>32] Aufs dritte, weil wir den grossen Nutzen und Kraft der Taufe haben, so lass nun weiter sehen, wer die Person sei, die solches empfange, was die Taufe gibt und n\u00fctzt. 33] Das ist abermal aufs feinste und kl\u00e4rlichste ausgedr\u00fcckt eben mit den Worten: &#8220;Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig.&#8221; Das ist, der Glaube macht die Person allein w\u00fcrdig, das heilsame, g\u00f6ttliche Wasser n\u00fctzlich zu empfangen. Denn weil solches allhier in den Worten bei und mit dem Wasser vorgetragen und verheissen wird, kann es nicht anders empfangen werden, denn da\u00df wir solches von Herzen glauben. 34] Ohne Glauben ist es nichts n\u00fctz, ob es gleich an ihm selbst ein g\u00f6ttlicher, \u00fcberschwenglicher Schatz ist. Darum vermag das einige Wort (&#8220;wer da glaubet&#8221;) so viel, da\u00df es ausschleusst [ausschliesst] und zur\u00fccktreibt alle Werke, die wir tun k\u00f6nnen der Meinung, als dadurch Seligkeit zu erlangen und verdienen. Denn es ist beschlossen, was nicht Glaube ist, das tut nichts dazu, empf\u00e4ngt auch nichts.<\/p>\n<p>35] Sprechen sie aber, wie sie pflegen: Ist doch die Taufe auch selbst ein Werk; so sagst du, die Werke gelten nichts zur Seligkeit, wo bleibt denn der Glaube? Antwort: Ja, unsere Werke tun freilich nichts zur Seligkeit, die Taufe aber ist nicht unser, sondern Gottes Werk (denn du wirst, wie gesagt, Christus\u2019 Taufe gar weit m\u00fcssen scheiden von der Badertaufe); Gottes Werke aber sind heilsam und not zur Seligkeit und schliessen nicht aus, sondern fordern den Glauben; denn ohne Glauben k\u00f6nnte man sie nicht fassen. 36] Denn damit, da\u00df du l\u00e4sst das Wasser \u00fcber dich giessen, hast du die Taufe noch nicht also empfangen, da\u00df sie dir etwas n\u00fctze; aber davon wird sie dir n\u00fctze, wenn du dich der Meinung l\u00e4sst taufen, als aus Gottes Befehl und Ordnung, dazu in Gottes Namen, auf da\u00df du in dem Wasser die verheissene Seligkeit empfangest. Nun kann solches die Faust noch der Leib nicht tun, sondern das Herz muss es glauben.<\/p>\n<p>37] Also siehst du klar, da\u00df da kein Werk ist, von uns getan, sondern ein Schatz, den er uns gibt und der Glaube ergreift: so wohl als der Her Christus am Kreuz nicht ein Werk ist, sondern ein Schatz, im Wort gefasst und uns vorgetragen und durch den Glauben empfangen. Darum tun sie uns Gewalt, da\u00df sie wider uns schreien, als predigten wir wider den Glauben, so wir doch allein darauf treiben, als der so n\u00f6tig dazu ist, da\u00df ohne ihn [der Nutzen der Taufe] nicht empfangen noch genossen mag werden.<\/p>\n<p>38] Also haben wir die drei St\u00fccke, so man von diesem Sakrament wissen muss, sonderlich da\u00df Gottes Ordnung ist in allen Ehren zu halten, welches allein genug w\u00e4re, ob es gleich ganz ein \u00e4usserlich Ding ist wie das Gebot: &#8220;Du sollst Vater und Mutter ehren&#8221;, allein auf ein leiblich Fleisch und Blut gestellt, da man nicht das Fleisch und Blut, sondern Gottes Gebot ansieht, darin es gefasst ist und um welches willen das Fleisch Vater und Mutter heisst: also auch, wenn wir gleich nicht mehr h\u00e4tten denn diese Worte: &#8220;Gehet hin und taufet&#8221; usw., m\u00fcssten wir\u2019s dennoch als Gottes Ordnung annehmen und tun. Nun ist nicht allein das Gebot und Befehl da, sondern auch die Verheissung. 39] Darum ist es noch viel herrlicher, denn was Gott sonst geboten und geordnet hat; Summa, so voll Trosts und Gnade, da\u00df [es] Himmel und Erde nicht kann begreifen. 40] Aber da geh\u00f6rt Kunst zu, da\u00df man solches glaube; denn es mangelt nicht am Schatz, aber da mangelt\u2019s an, da\u00df man ihn fasse und festhalte.<\/p>\n<p>41] Darum hat ein jeglicher Christ sein Leben lang genug zu lernen und zu \u00fcben an der Taufe; denn er hat immerdar zu schaffen, da\u00df er festiglich glaube, was sie zusagt und bringt: \u00dcberwindung des Teufels und Todes, Vergebung der S\u00fcnden, Gottes Gnade, den ganzen Christum und Heiligen Geist mit seinen Gaben. 42] Summa, es ist so \u00fcberschwenglich, da\u00df, wenn\u2019s die bl\u00f6de Natur k\u00f6nnte bedenken, sollte sie wohl zweifeln, ob es k\u00f6nnte wahr sein. 43] Denn rechne du: Wenn etwo [irgendwo] ein Arzt w\u00e4re, der die Kunst k\u00f6nnte, da\u00df die Leute nicht st\u00fcrben oder, ob sie gleich st\u00fcrben, doch bald wieder lebend w\u00fcrden und danach ewig lebten, wie w\u00fcrde die Welt mit Geld zuschneien und regnen, da\u00df vor den Reichen niemand k\u00f6nnte zukommen [herankommen]! Nun wird hier in der Taufe jedermann umsonst vor die T\u00fcr gebracht ein solcher Schatz und Arznei, die den Tod verschlingt und alle Menschen beim Leben erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>44] Also muss man die Taufe ansehen und uns n\u00fctze [zunutze] machen, da\u00df wir uns des st\u00e4rken und tr\u00f6sten, wenn uns unsere S\u00fcnde und Gewissen beschwert, und sagen: Ich bin dennoch getauft; bin ich aber getauft, so ist mir zugesagt, ich solle selig sein und das ewige Leben haben beide an Seele und Leib. 45] Denn darum geschieht solches beides in der Taufe, da\u00df der Leib begossen wird, welcher nicht mehr fassen kann denn das Wasser, und dazu das Wort gesprochen wird, da\u00df [es] die Seele auch k\u00f6nne fassen. 46] Weil nun beide Wasser und Wort eine Taufe ist, so muss auch beide Leib und Seele selig werden und ewig leben: die Seele durchs Wort, daran sie glaubt, der Leib aber, weil er mit der Seele vereinigt ist und die Taufe auch ergreift, wie er\u2019s ergreifen kann. Darum haben wir unserm Leib und Seele kein gr\u00f6sser Kleinod; denn dadurch werden wir gar heilig und selig, welches sonst kein Leben, kein Werk auf Erden erlangen kann.Das sei nun genug gesagt von dem Wesen, Nutz und [Ge]Brauch der Taufe, soviel hierher dient.<\/p>\n<p>Von der Kindertaufe.<\/p>\n<p>47] Hierbei f\u00e4llt nun eine Frage ein, damit der Teufel durch seine Rotten die Welt verwirrt: von der Kinder Taufe, ob sie auch glauben und recht getauft werden. Dazu sagen wir k\u00fcrzlich: 48] Wer einf\u00e4ltig ist, der schlage die Frage von sich und weise sie zu den Gelehrten. Willst du aber antworten, so antworte also:<\/p>\n<p>49] Da\u00df die Kindertaufe Christo gefalle, beweist sich genugsam aus seinem eigenen Werk, n\u00e4mlich, da\u00df Gott deren viele heilig macht und den Heiligen Geist gegeben hat, die also getauft sind, und heutigestags noch viel sind, an denen man sp\u00fcrt, da\u00df sie den Heiligen Geist haben, beide der Lehre und Lebens halben; als uns von Gottes Gnaden auch gegeben ist, da\u00df wir ja k\u00f6nnen die Schrift auslegen und Christum erkennen, welches ohne den Heiligen Geist nicht geschehen kann. 50] Wo aber Gott die Kindertaufe nicht ann\u00e4hme, w\u00fcrde er derer keinem den Heiligen Geist noch ein St\u00fcck davon geben; Summa, es m\u00fcsste so lange Zeit her bis auf diesen Tag kein Mensch auf Erden Christ sein [ein Christ gewesen sein]. Weil nun Gott die Taufe best\u00e4tigt durch Eingeben [durch die Gabe und Mitteilung] seines Heiligen Geistes, als man in [an] etlichen V\u00e4tern, als St. Bernhard, Gerson, Johann Hus und andern, so in der Kindheit getauft sind, wohl sp\u00fcrt, und die heilige christlich Kirche nicht untergeht bis ans Ende der Welt, so m\u00fcssen sie bekennen, da\u00df solche Kindertaufe Gott gef\u00e4llig sei. Denn er kann je nicht wider sich selbst sein oder der L\u00fcge und B\u00fcberei helfen, noch seine Gnade und Geist dazu geben. 51] Dies ist fast die beste und st\u00e4rkste Beweisung f\u00fcr die Einf\u00e4ltigen und Ungelehrten. Denn man wird uns diesen Artikel: &#8220;Ich glaube eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen&#8221; usw. nicht nehmen noch umstossen.<\/p>\n<p>52] Danach sagen wir weiter, da\u00df uns nicht die gr\u00f6sste Macht daran liegt, ob, der da getauft wird, glaube oder nicht glaube; denn darum wird die Taufe nicht unrecht; sondern an Gottes Wort und Gebot liegt es alles. 53] Das ist nun wohl ein wenig scharf, steht aber gar darauf, da\u00df ich gesagt habe, da\u00df die Taufe nichts anderes ist denn Wasser und Gottes Wort bei= und miteinander; das ist, wenn das Wort bei dem Wasser ist, so ist die Taufe recht, obschon der Glaube nicht dazukommt. Denn mein Glaube macht nicht die Taufe, sondern empf\u00e4ngt die Taufe. Nun wird die Taufe davon nicht unrecht, ob sie gleich nicht recht empfangen oder gebraucht wird, als die (wie gesagt) nicht an unsern Glauben, sondern an das Wort gebunden ist.<\/p>\n<p>54] Denn wenngleich diesen Tag ein Jude mit Schalkheit und b\u00f6sem Vorsatz herzuk\u00e4me, und wir ihn mit ganzem Ernst tauften, sollen wir nichtsdestoweniger sagen, da\u00df die Taufe recht w\u00e4re. Denn da ist das Wasser samt Gottes Wort, ob er sie gleich nicht empf\u00e4ngt, wie er soll; gleich als die unw\u00fcrdig zum Sakrament gehen, das rechte Sakrament empfangen, ob sie gleich nicht glauben.<\/p>\n<p>55] Also siehst du, da\u00df der Rottengeister Einrede nichts tauge. Denn (wie gesagt), wenngleich die Kinder nicht glaubten, welches doch nicht ist, als jetzt beweist [beweisen], so w\u00e4re doch die Taufe recht und soll sie niemand wieder taufen; gleich als dem Sakrament [des Altars] nichts abgebrochen wird, ob jemand mit b\u00f6sem Vorsatz hinzuginge, und nicht zu leiden w\u00e4re, da\u00df er\u2019s um des Missbrauchs willen auf dieselbe Stunde abermal nehme, als h\u00e4tte er zuvor nicht wahrhaftig das Sakrament empfangen; denn das heisse das Sakrament aufs h\u00f6chste gel\u00e4stert und gesch\u00e4ndet. Wie k\u00e4men wir dazu, da\u00df Gottes Wort und Ordnung darum sollte unrecht sein und nichts gelten, da\u00df wir\u2019s unrecht [ge]brauchen?<\/p>\n<p>56] Darum sage ich: Hast du nicht geglaubt, so glaube noch und sprich also: Die Taufe ist wohl recht gewesen, ich habe sie aber leider nicht recht empfangen. Denn auch ich selbst und alle, so sich taufen lassen, m\u00fcssen vor Gott also sprechen: Ich komme her in meinem Glauben und auch der andern, noch [dennoch] kann ich nicht darauf ba\u00fcn, da\u00df ich glaube, und viele Leute f\u00fcr mich bitten, sondern darauf ba\u00fc ich, da\u00df es dein Wort und Befehl ist; gleichwie ich zum Sakrament gehe, nicht auf meinen Glauben, sondern auf Christus\u2019 Wort, ich sei stark oder schwach, das lasse ich Gott walten. Das weiss ich aber, da\u00df er mich heisst hingehen, essen und trinken usw. und mir seinen Leib und Blut schenkt; das wird mir nicht l\u00fcgen noch tr\u00fcgen.<\/p>\n<p>57] Also tun wir nun auch mit der Kindertaufe: Das Kind tragen wir herzu der Meinung und Hoffnung, da\u00df es glaube, und bitten, da\u00df ihm Gott den Glauben gebe; aber darauf taufen wir\u2019s nicht, sondern allein darauf, da\u00df [es] Gott befohlen hat. Warum das? Darum, da\u00df wir wissen, da\u00df Gott nicht leugt [l\u00fcgt]: ich und mein N\u00e4chster und, Summa, alle Menschen m\u00f6gen fehlen und tr\u00fcgen, aber Gottes Wort kann nicht fehlen.<\/p>\n<p>58] Darum sind es je vermessene, t\u00f6lpische Geister, die also folgern und schliessen: wo der Glaube nicht recht ist, da m\u00fcsse auch die Taufe nicht recht sein. Gerade als [wie wenn] ich wollte schliessen: Wenn ich nicht glaube, so ist Christus nichts; oder als: Wenn ich nicht gehorsam bin, so ist Vater, Mutter und Obrigkeit nichts. Ist das wohl geschlossen, wo jemand nicht tut, was er tun soll, da\u00df darum das Ding an ihm selbst nichts sein noch gelten soll? 59] Lieber, kehre es um und schleuss [schliesse] vielmehr also: Eben darum ist die Taufe etwas und recht, da\u00df man sie unrecht empfangen hat. Denn wo sie an ihr selbst nicht recht w\u00e4re, k\u00f6nnte man ihrer nicht missbrauchen noch daran s\u00fcndigen. Es heisst also: Abusus non tollit, sed confirmat substantiam, Missbrauch nimmt nicht hinweg das Wesen, sondern best\u00e4tigt\u2019s. Denn Gold bleibt nichts weniger Gold, ob es gleich eine B\u00fcbin mit S\u00fcnden und Schanden tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>60] Darum sei bechlossen, da\u00df die Taufe allezeit recht und in vollem Wesen bleibt, wenngleich nur ein Mensch getauft w\u00fcrde und dazu nicht rechtschaffen glaubte. Denn Gottes Ordnung und Wort l\u00e4sst sich nicht von Menschen wandelbar machen noch \u00e4ndern. 61] Sie aber, die Schw\u00e4rmergeister, sind so verblendet, da\u00df sie Gottes Wort und Gebot nicht sehen und die Taufe und Obrigkeit nicht weiter ansehen denn als Wasser im Bach und T\u00f6pfen oder als einen andern Menschen, und weil sie keinen Glauben noch Gehorsam sehen, soll es an ihm selbst auch nichts gelten. 62] Da ist ein heimlicher, aufr\u00fchererischer Teufel, der gerne die Krone von der Obrigkeit reissen wollte, da\u00df man sie danach mit F\u00fcssen trete, dazu alle Gotteswerke und =ordunungen uns verkehren und zunichte machen. 63] Darum m\u00fcssen wir wacker [wachsam] und ger\u00fcstet sein und uns von dem Wort nicht lassen weisen noch wenden, da\u00df wir die Taufe nicht lassen ein bloss ledig Zeichen sein, wie die Schw\u00e4rmer tr\u00e4umen.<\/p>\n<p>64] Aufs letzte ist auch zu wissen, was die Taufe bedeutet und warum Gott eben solch \u00e4usserlich Zeichen und Geb\u00e4rde ordnet zu dem Sakrament, dadurch wir erstlich in die Christenheit genommen werden. 65] Das Werk aber oder Geb\u00e4rde ist das, da\u00df man uns ins Wasser senkt, das \u00fcber uns hergeht, und danach wieder herau\u00dfeucht [herau\u00dfieht]. Diese zwei St\u00fccke, unter das Wasser sinken und wieder herauskommen, [be]deutet die Kraft und [das] Werk der Taufe, welches nichts anderes ist denn die T\u00f6tung des alten Adams, danach die Auferstehung des ne\u00fcn Menschen, welche beide unser Leben lang in uns gehen sollen, also da\u00df ein christlich Leben nichts anderes ist denn eine t\u00e4gliche Taufe, einmal angefangen und immer darin gegangen. Denn es muss ohne Unterlass also getan sein, da\u00df man immer ausfege, was des alten Adams ist, und hervorkomme, was zum ne\u00fcn geh\u00f6rt. Was ist denn der alte Mensch? 66] Das ist er, so uns angeboren ist von Adam: zornig, [ge]h\u00e4ssig, neidisch, unkeusch, geizig, faul, hoff\u00e4rtig, ja ungl\u00e4ubig, mit allen Lastern besetzt, und von Art kein Gutes an ihm hat. Wenn wir nun in Christus\u2019 Reich kommen, soll solches t\u00e4glich abnehmen, da\u00df wir je l\u00e4nger, je milder, geduldiger, sanstm\u00fctiger werden, dem Unglauben, Geiz, Hass, Neid, Hoffart je mehr abbrechen.<\/p>\n<p>68] Das ist der rechte [Ge]Brauch der Taufe unter den Christen, durch das Wassertaufen bedeutet. Wo nun solches nicht geht, sondern dem alten Menschen der Zaum gelassen wird, da\u00df er nur st\u00e4rker wird, das heisst nicht der Taufe gebraucht, sondern wider die Taufe gestrebt. 69] Denn die ausser Christ sind, k\u00f6nnen nichts anderes tun, denn t\u00e4glich \u00e4rger werden, wie auch das Sprichwort lautet und die Wahrheit ist: Immer je \u00e4rger; je l\u00e4nger, je b\u00f6ser. 70] Ist einer vorm Jahr stolz und geizig gewesen, so ist er he\u00fcr [dieses Jahr] viel geiziger und stolzer, also da\u00df die Untugend von Jugend auf mit ihm w\u00e4chst und fortf\u00e4hrt. Ein junges Kind hat keine sonderliche Untugend an sich; wo es aber erw\u00e4chst [aufw\u00e4chst], so wird es unz\u00fcchtig und unkeusch; kommt es zu seinem vollen Mannesalter, so gehen die rechten Laster an, je l\u00e4nger, je mehr.<\/p>\n<p>71] Darum geht der alte Mensch in seiner Natur unaufgehalten, wo man nicht durch der Taufe Kraft wehrt und d\u00e4mpft. Wiederum, wo Christen [ge]worden sind, nimmt er t\u00e4glich ab, so lange, bis er gar untergeht. Das heisst recht in die Taufe gekrochen und t\u00e4glich wieder hervor[ge]kommen. 72] Also ist das \u00e4usserliche Zeichen gestellt, nicht allein, da\u00df es solle kr\u00e4ftiglich wirken, sondern auch etwas [be]deuten. 73] Wo nun der Glaube geht mit seinen Fr\u00fcchten, da ist\u2019s nicht eine lose [Be]Deutung, sondern das Werk dabei; wo aber der Glaube nicht ist, da bleibt ein bloss unfruchtbar Zeichen.<\/p>\n<p>74] Und hier siehst du, da\u00df die Taufe beide mit ihrer Kraft und [Be]Deutung begreift auch das dritte Sakrament [vgl. 578, 20; 732, 1: &#8220;von unsern zwei Sakramenten&#8221;], welches man genennet [genannt] hat die Busse, 75] als die eigentlich nichts anderes ist denn die Taufe. Denn was heisst Busse anders, denn den alten Menschen mit Ernst angreifen und in ein ne\u00fcs Leben treten? Darum, wenn du in der Busse lebst, so gehst du in der Taufe, welche solch ne\u00fcs Leben nicht allein [be]deutet, sondern auch wirkt, anhebt und treibt; 76] denn darin wird [ge]geben Gnade, Geist und Kraft, den alten Menschen zu unterdr\u00fccken, da\u00df der ne\u00fc hervorkomme und stark werde.<\/p>\n<p>77] Darum bleibt die Taufe immerdar stehen, und obgleich jemand davonf\u00e4llt und s\u00fcndigt, haben wir doch immer einen Zugang dazu, da\u00df man den alten Menschen wieder unter sich werfe. 78] Aber mit Wasser darf man uns nicht mehr begiessen; denn ob man sich gleich hundertmal liesse ins Wasser senken, so ist\u2019s doch nicht mehr denn eine Taufe; das Werk aber und [Be]Deutung geht und bleibt. 79] Also ist die Busse nichts anderes denn ein Wiedergang und Zutreten [eine R\u00fcckkehr und ein Hinzutreten] zur Taufe, da\u00df man das wiederholt und treibt, so man zuvor angefangen und doch davon gelassen hat.<\/p>\n<p>80] Das sage ich darum, da\u00df man nicht in die Meinung komme, darin wir lange Zeit gewesen sind und gew\u00e4hnt haben, die Taufe w\u00e4re nun hin [mit der Taufe w\u00e4re es nun vorbei], da\u00df man ihrer nicht mehr [ge]brauchen k\u00f6nnte, nachdem wir wieder in S\u00fcnde gefallen sind. Das macht, da\u00df man\u2019s nicht weiter ansieht denn nach dem Werk, so einmal geschehen ist. 81] Und ist zwar daher [ge]kommen, da\u00df St. Hieronymus geschrieben hat: &#8220;Die Busse sei die andere Tafel [tabula, Brett], damit wir m\u00fcssen [her]ausschwimmen und [hin]\u00fcberkommen, nachdem das Schiff gebrochen ist, darein wir treten und [hin]\u00fcberfahren, wenn wir in die Christenheit kommen.&#8221; 82] Damit ist nun der [Ge]Brauch der Taufe weggenommen, da\u00df sie uns nicht mehr n\u00fctzen kann. Darum ist\u2019s nicht recht geredet oder je nicht recht verstanden; denn das Schiff zerbricht nicht, weil es [wie gesagt] Gottes Ordnung und nicht unser Ding ist; aber das geschieht wohl, da\u00df wir gleiten und herausfallen; f\u00e4llt aber jemand heraus, der sehe, da\u00df er wieder hinzuschwimme und sich daran halte, bis er wieder hineinkomme und darin gehe, wie vorhin angefangen.<\/p>\n<p>83] Also sieht man, wie ein hoch, trefflich Ding es ist um die Taufe, so uns dem Teufel aus dem Halse reisst, Gott zu eigen macht, die S\u00fcnde d\u00e4mpft und wegnimmt, danach t\u00e4glich den ne\u00fcn Menschen st\u00e4rkt und immer geht und bleibt, bis wir aus diesem Elend zur ewigen Herrlichkeit kommen.<\/p>\n<p>84] Darum soll ein jeglicher die Taufe halten als ein t\u00e4glich Kleid, darin er immerdar gehen soll, da\u00df er sich allezeit in dem Glauben und seinen Fr\u00fcchten finden lasse, da\u00df er den alten Menschen d\u00e4mpfe und im ne\u00fcn erwachse. 85] Denn wollen wir Christen sein, so m\u00fcssen wir das Werk treiben, davon wir Christen sind; 86] f\u00e4llt aber jemand davon, so komme er wieder hinzu. Denn wie Christus, der Gnadenstuhl, darum nicht weicht noch uns wehrt, wieder zu ihm zu kommen, ob wir gleich s\u00fcndigen, also bleibt auch alle sein Schatz und Gabe. Wenn [* wie] nun einmal in der Taufe Vergebung der S\u00fcnden \u00fcberkommen ist, so bleibt sie noch t\u00e4glich, solange wir leben, das ist, den alten Menschen am Halse tragen.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014<\/p>\n<p>[Das f\u00fcnfte Teil.]<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014<\/p>\n<p>Von dem Sakrament des Altars.<\/p>\n<p>1] Wie wir von der heiligen Taufe geh\u00f6rt haben, also m\u00fcssen wir von dem andern Sakrament auch reden, n\u00e4mlich die drei St\u00fccke: was es sei, was es n\u00fctze, und wer es empfangen soll. Und solches alles aus den Worten gegr\u00fcndet, dadurch es von Christo eingesetzt ist, 2] welche auch ein jeglicher wissen soll, der ein Christ will sein und zum Sakrament gehen. Denn wir sind\u2019s nicht gesinnt, dazuzulassen und [es] zu reichen denen, die nicht wissen, was sie da suchen oder warum sie kommen [daher die schon 1523 zu Wittenberg eingef\u00fchrte Anmeldung mit Beichtverh\u00f6r]. Die Worte aber sind diese:<\/p>\n<p>3] Unser Her Jeus Christus in der Nacht, als er verraten ward, nahm er das Brot, dankete und brach\u2019s und gab\u2019s seinen J\u00fcngern und sprach: Nehmet hin, esset, das ist mein Leib, der f\u00fcr euch gegeben wird; solches tut zu meinem Ged\u00e4chtnis!<\/p>\n<p>Desselbigengleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankete und gab ihnen den und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus; dieser Kelch ist das ne\u00fc Testament in meinem Blut, das f\u00fcr euch vergossen wird zur Vergebung der S\u00fcnden; solches tut, sooft ihr\u2019s trinket, zu meinem Ged\u00e4chtnis!<\/p>\n<p>4] Hier wollen wir uns auch nicht in die Haare legen und fechten mit den L\u00e4sterern und Sch\u00e4ndern dieses Sakraments, sondern zum ersten lernen, da die Macht an liegt (wie auch von der Taufe), n\u00e4mlich da\u00df das vornehmste St\u00fcck sei Gottes Wort und Ordnung oder Befehl; denn es ist von keinem Menschen erdacht noch auf [ge]bracht, sondern ohne jemandes Rat und Bedacht von Christo eingesetzt. 5] Derhalben, wie die zehn Gebote, Vaterunser und Glaube bleiben in ihrem Wesen und W\u00fcrden, ob du sie gleich nimmermehr h\u00e4ltst, betest noch glaubst, also bleibt auch dies hochw\u00fcrdige Sakrament unverr\u00fcckt, da\u00df ihm nichts abgebrochen noch genommen wird, ob wir\u2019s gleich unw\u00fcrdig [ge]brauchen und handeln. 6] Was meinst du, da\u00df Gott nach unserm Tun oder Glauben fragt, da\u00df er um deswillen sollte seine Ordnung wandeln lassen? Bleibt doch in allen weltlichen Dingen alles, wie es Gott geschaffen und geordnet hat, Gott gebe, wie wir\u2019s [ge]brauchen und handeln. 7] Solches muss man immerdar treiben, denn damit kann man fast aller Rottengeister Geschw\u00e4tz zur\u00fcckstossen; denn sie die Sakramente ausser Gottes Wort ansehen als ein Ding, das wir tun.<\/p>\n<p>8] Was ist nun das Sakrament des Altars?<\/p>\n<p>Antwort:<\/p>\n<p>Es ist der wahre Leib und Blut des Hern Christi, in und unter dem Brot und Wein durch Christus\u2019 Wort uns Christen befohlen zu essen und zu trinken. 9] Und wie von der Taufe gesagt, da\u00df [sie] nicht schlecht [blosses] Wasser ist, so sagen wir hier auch, das Sakrament ist Brot und Wein, aber nicht schlecht Brot und Wein, so man sonst zu Tische tr\u00e4gt, sondern Brot und Wein in Gottes Wort gefasst und daran gebunden.<\/p>\n<p>10] as Wort (sage ich) ist das, das dies Sakrament macht und unterscheidet, da\u00df es nicht lauter Brot und Wein, sondern Christus\u2019 Leib und Blut ist und heisst. Denn es heisst: Accedat verbum ad elementum et fit sacramentum; &#8220;Wenn das Wort zum \u00e4usserlichen Ding kommt, so wird\u2019s ein Sakrament.&#8221; Dieser Spruch St. Augustini ist so eigentlich [treffend] und wohl geredet, da\u00df er kaum einen besseren gesagt hat. Das Wort muss das Element zum Sakrament machen; wo nicht, so bleibt\u2019s ein lauter Element. 11] Nun ist\u2019s nicht eines F\u00fcrsten oder Kaisers, sondern der hohen Majest\u00e4t Wort und Ordnung, davor alle Kreaturen sollen zu F\u00fcssen fallen und ja sprechen, da\u00df es sei, wie er sagt, und [es] mit allen Ehren, Furcht und Demut annehmen.<\/p>\n<p>12] Aus dem Wort kannst du dein Gewissen st\u00e4rken und sprechen: Wenn hunderttausend Teufel samt allen Schw\u00e4rmern herfahren: Wie kann Brot und Wein Christus\u2019 Leib und Blut sein usw. so weiss ich, da\u00df alle Geister und Gelehrten auf einem Haufen nicht so klug sind als die g\u00f6ttliche Majest\u00e4t im kleinsten Fingerlein. 13] Nun steht hier Christus\u2019 Wort: &#8220;Nehmet, esset, das ist mein Leib. Trinket alle daraus, das ist das ne\u00fc Testament in meinem Blut&#8221; usw. Da bleiben wir bei und wollen sie ansehen, die ihn meistern werden und anders machen, denn er\u2019s geredet hat. Das ist wohl wahr, wenn du das Wort davontust oder ohne Wort ansiehst, so hast du nichts denn lauter Brot und Wein; 14] wenn sie aber dabei bleiben, wie sie sollen und m\u00fcssen, so ist\u2019s laut derselben wahrhaftig Christus\u2019 Leib und Blut. Denn wie Christus\u2019 Mund redet und spricht, also ist es, als der nicht l\u00fcgen noch tr\u00fcgen kann.<\/p>\n<p>15] Daher ist nun leicht zu antworten auf allerlei Fragen, damit man sich jezt bek\u00fcmmert, als diese ist: ob auch ein b\u00f6ser Priester k\u00f6nnte das Sakrament handeln und geben und was mehr desgleichen ist. 16] Denn da schlie\u00dfen wir und sagen: Obgleich ein Bube das Sakrament nimmt oder gibt, so nimmt er das rechte Sakrament, das ist, Christus\u2019 Leib und Blut, ebensowohl, als der es aufs allerw\u00fcrdigste handelt. Denn es ist nicht gegr\u00fcndet auf Menschenheiligkeit, sondern auf Gottes Wort; und wie kein Heiliger auf Erden, ja kein Wort; und wie kein Heiliger auf Erden, ja kein Engel im Himmel das Brot und Wein zu Christus\u2019 Leib und Blut machen kann, also kann\u2019s auch niemand \u00e4ndern noch wandeln, ob es gleich missbraucht wird. 17] Denn um der Person oder Unglaubens willen wird das Wort nicht falsch, dadurch es ein Sakrament [ge]worden und eingesetzt ist. Denn er spricht nicht: Wenn ihr glaubt oder w\u00fcrdig seid, so habt ihr meinen Leib und Blut, sondern: &#8220;Nehmet, esset und trinket; das ist mein Leib und Blut&#8221;; item: &#8220;Solches tut&#8221; (n\u00e4mlich das ich jetzt t\u00fc, einsetze, euch gebe und nehmen hei\u00dfe). 18] Das ist so viel gesagt: Gott gebe, du seiest unw\u00fcrdig oder w\u00fcrdig, so hast du hier seinen Lieb und Blut uas Kraft dieser Worte, so zu dem Brot und Wein kommen. Soches merke und behalte nur wohl; denn auf d4en Worten steht alle unser Grund, Schutz und Wehr wider all Irrt\u00fcmer und Vers\u00fchrung, so je [ge]kommen sind oder noch kommen m\u00f6gen.<\/p>\n<p>20] Also haben wir k\u00fcrzlich das erste St\u00fcck, so das Wesen dieses Sakraments belangt. Nun siehe weiter auf die Kraft und Nutz, darum endlich [schle\u00dflich, im Grunde] das Sakrament eingesetzt ist, welches auch das N\u00f6tigste darin ist, da\u00df man wisse, was wir da suchen und holen sollen. 21] Das ist nun klar und leicht eben aus den gedachten Worten: &#8220;Das ist mein Leib und Blut, f\u00fcr euch gegeben und vergossen zur Vergebung der S\u00fcnden.&#8221; 22] Das ist k\u00fcrzlich so viel gesagt: Darum gehen wir zum Sakrament, da\u00df wir da empfangen solchen Schatz durch und in dem wir Vergebung der S\u00fcnden \u00fcberkommen. Warum das? Darum, da\u00df die Worte dastehen und uns solches geben; denn darum heisst er mich essen und trinken, da\u00df es mein sei und mir nutze, als ein gewi\u00df Pfand und Zeichen, ja eben dasselbe Gut, so f\u00fcr mich gesezt ist wider meine S\u00fcnde, Tod und alles Ungl\u00fcck.<\/p>\n<p>23] Darum hei\u00dft es wohl eine Speise der Seele, die den ne\u00fcn Menschen n\u00e4hrt und st\u00e4rkt. Denn durch die Taufe werden wir erstlich neugeboren, aber daneben (wie gesagt ist) bleibt gleichwohl die alte Haut im Fleisch und Blut am Menschen; da ist so viel Hindernis und Anfechtung vom Teufel und der Welt, da\u00df wir oft m\u00fcde und matt werden und zuweilen auch straucheln.<\/p>\n<p>24] Darum ist es gegeben zur t\u00e4glichen Weide und F\u00fctterung, da\u00df sich der Glaube erhole und st\u00e4rke, da\u00df er in solchem Kampf nicht zur\u00fcckfalle, sondern immerdar je st\u00e4rker werde. 25] Denn das ne\u00fc Leben soll also getan sein, da\u00df es stets zunehme und fortfahre; 26] es muss aber dagegen viel leiden. Denn so ein zorniger Feind ist der Teufel; wo er sieht, da\u00df man sich wider ihn legt und den alten Menschen angreift, und er uns nicht mit Macht \u00fcberpoltern kann, da schleicht und streicht er auf allen Seiten umher, versucht alle K\u00fcnste und l\u00e4sst nicht ab, bis er uns zuletzt m\u00fcde macht, da\u00df man entweder den Glauben l\u00e4sst fallen oder H\u00e4nde und F\u00fcsse gehen und wird unlustig oder ungeduldig. 27] Dazu ist nun der Trost gegeben, wenn das Herz solches f\u00fchlt, da\u00df [es] ihm will zu schwer werden, da\u00df es hier ne\u00fc Kraft und Labsal hole.<\/p>\n<p>28] Hier verdrehen sich aber unsere klugen Geister mit ihrer grossen Kunst und Klugheit, die schreien und poltern: Wie kann Brot und Wein die S\u00fcnde vergeben oder den Glauben st\u00e4rken? so sie doch h\u00f6ren und wissen, da\u00df wir solches nicht von Brot und Wein sagen, als an ihm selbst Brot Brot ist, sondern von solchem Brot und Wein, das Christus\u2019 Leib und Blut ist und die Worte bei sich hat. 29] Dasselbige, sagen wir, ist je der Schatz und kein anderer, dadurch solche Vergebung erworben ist. Nun wird es uns ja nicht anders denn in den Worten: &#8220;F\u00fcr euch gegeben und vergossen&#8221; gebracht und zugeeignet; denn darin hast du beides, da\u00df es Christus\u2019 Leib und Blut ist, und da\u00df es dein ist als ein Schatz und Geschenk. 30] Nun kann je Christus\u2019 Leib nicht ein unfruchtbar, vergeblich Ding sein, das nichts schaffe noch n\u00fctze. Doch wie gross [auch immer] der Schatz f\u00fcr selbst ist, so muss er in das Wort gefasst und uns gereicht werden; sonst w\u00fcrden wir\u2019s nicht k\u00f6nnen wissen noch suchen.<\/p>\n<p>31] Darum ist\u2019s auch nichts geredet, da\u00df sie sagen, Christus\u2019 Leib und Blut ist nicht im Abendmahl f\u00fcr uns gegeben noch vergossen, darum k\u00f6nnte man im Sakrament nicht Vergebung der S\u00fcnden haben. Denn obgleich das Werk am Kreuz geschehen und die Vergebung der S\u00fcnden erworben ist, so kann sie doch nicht anders denn durchs Wort zu uns kommen. Denn was m\u00fcssten wir sonst davon, da\u00df solches geschehen w\u00e4re oder uns geschenkt sein sollte, wenn man\u2019s nicht durch die Predigt oder m\u00fcndlich Wort vortr\u00fcge? Woher wissen sie es, oder wie k\u00f6nnen sie die Vergebung ergreifen und zu sich bringen, wo sie sich nicht halten und glauben an die Schrift und das Evangelium? 32] Nun ist je das ganze Evangelium und Artikel des Glaubens: &#8220;Ich glaube eine heilige christliche Kirche, Vergebung der S\u00fcnden&#8221; usw. durch das Wort in dies Sakrament gesteckt und uns vorgelegt. Warum sollten wir denn solchen Schatz aus dem Sakrament lassen reissen, so sie doch bekennen m\u00fcssen, da\u00df [es] eben die Worte sind, die wir allenthalben im Evangelio h\u00f6ren, und ja so wenig sagen k\u00f6nnen, diese Worte im Sakrament sind kein n\u00fctz, sowenig sie d\u00fcrfen sprechen, da\u00df das ganze Evangelium oder Wort Gottes ausser dem Sakrament kein n\u00fctze sei?<\/p>\n<p>33] Also haben wir nun das ganze Sakrament, beide was es an ihm selbst ist, und was es bringt und n\u00fctzt. Nun muss man auch sehen, wer die Person sei, die solche Kraft und Nutz empfange. Das ist aufs k\u00fcrzeste, wie droben von der Taufe und sonst oft gesagt ist: wer da solches glaubt, der hat, wie die Worte lauten und was sie bringen. Denn sie sind nicht Stein noch Holz gesagt oder verk\u00fcndigt, sondern denen, die sie h\u00f6ren, zu welchen er spricht: &#8220;Nehmet und esset&#8221; usw. 34] Und weil er Vergebung der S\u00fcnden anbeut [anbietet] und verheisst, kann es nicht anders denn durch den Glauben empfangen werden. Solchen Glauben fordert er selbst in dem Wort, als er spricht: &#8220;F\u00fcr euch vergossen&#8221;; als sollte er sagen: Darum gebe ich\u2019s und heisse euch essen und trinken, da\u00df ihr euch\u2019s sollt annehmen und geniessen [da\u00df ihr euch um dasselbe bek\u00fcmmern und es geniessen sollt]. 35] Wer nun ihm [sich] solches l\u00e4sst gesagt sein und glaubt, da\u00df [es] wahr sei, der hat es; wer aber nicht glaubt, der hat nichts, als der\u2019s ihm [sich] l\u00e4sst umsonst vortragen und nicht will solches heilsamen Gutes geniessen. Der Schatz ist wohl aufgetan und jedermann vor die T\u00fcr, ja auf den Tisch gelegt; es geh\u00f6rt aber dazu, da\u00df du dich auch seiner annehmest und gewisslich daf\u00fcrhaltest, wie dir die Worte geben.<\/p>\n<p>36] Das ist nun die ganze christliche Bereitung, dies Sakrament w\u00fcrdig zu empfangen. Denn weil solcher Schatz gar in den Worten vorgelegt wird, kann man\u2019s nicht anders ergreifen und zu sich nehmen denn mit dem Herzen. Denn mit der Faust wird man solch Geschenk und ewigen Schatz nicht fassen. 37] Fasten und Beten usw. mag wohl eine \u00e4usserliche Bereitung und Kinder\u00fcbung sein, da\u00df sich der Leib z\u00fcchtig [anst\u00e4ndig] und ehrerbietig gegen den Leib und Blut Christi h\u00e4lt und geb\u00e4rdet; aber das darin und damit gegeben wird, kann nicht der Leib fassen noch zu sich bringen. 38] Der Glaube aber tut\u2019s des Herzens, so da solchen Schatz erkennt und sein begehrt. Das sei genug, soveil zum gemeinen Unterricht not ist von diesem Sakrament; denn was weiter davon zu sagen ist, geh\u00f6rt auf eine andere Zeit.<\/p>\n<p>39] Am Ende [zuletzt], weil nun den rechten Verstand und die Lehre von dem Sakrament haben, ist wohl not [sehr n\u00f6tig] auch eine Vermahnung und Reizung, da\u00df man nicht lasse solchen grossen Schatz, so man t\u00e4glich unter den Christen handelt und austeilt, umsonst vor\u00fcbergehen, das ist, da\u00df, die Christen wollen sein, sich dazu schicken, das hochw\u00fcrdige Sakrament oft zu empfangen. 40] Denn wir sehen, da\u00df man sich eben lass und faul dazu stellt, und ein grosser Haufe ist derer, die das Evangelium h\u00f6ren, welche, weil des Papsts Land ist ab[ge]kommen, da\u00df wir gefreit [befreit] sind von seinem Zwang und Gebot, gehen sie wohl dahin ein Jahr zwei oder drei und l\u00e4nger ohne Sakrament, als seien sie so starke Christen, die sein nicht [be]d\u00fcrfen, 41] und lassen sich etliche hindern und davonschrecken, da\u00df wir gelehrt haben, es solle niemand dazu gehen, ohne die Hunger und Durst f\u00fchlen, so sie treibt. Etliche wenden vor, es sei frei und nicht vonn\u00f6ten, und sei genug, da\u00df sie sonst glauben, und kommen also das mehrere Teil dahin, da\u00df sie gar roh werden und zuletzt beide das Sakrament und Gottes Wort verachten.<\/p>\n<p>42] Nun ist\u2019s wahr, was wir gesagt haben, man solle beileibe niemand treiben und zwingen, auf da\u00df man nicht wieder eine ne\u00fc Seelenm\u00f6rderei anrichte; aber das soll man dennoch wissen, da\u00df solche Leute f\u00fcr keine Christen zu halten sind, die sich so lange Zeit des Sakraments \u00e4ussern [enthalten] und entziehen. Denn Christus hat es nicht darum eingesetzt, da\u00df man\u2019s f\u00fcr ein Schauspiel handle [da\u00df man es als ein Schauspiel auff\u00fchre], sondern seinem Christen geboten, da\u00df sie es essen und trinken und sein dar\u00fcber gedenken.<\/p>\n<p>43] Und zwar welche rechte Christen sind und das Sakrament te\u00fcr und wert halten, sollen sich wohl selbst treiben und hinzudringen. Doch da\u00df die Einf\u00e4ltigen und Schwachen, die da auch gerne Christen w\u00e4ren, desto mehr gereizt werden, die Ursache und Not zu bedenken, so sei treiben sollen, wollen wir ein wenig davon reden. 44] Denn wie es in andern Sachen, so den Glauben, Liebe und Geduld betrifft, ist nicht genug allein lehren und unterrichten, sondern auch t\u00e4glich vermahnen, also ist es auch hier not, mit Predigen an[zu]halten, da\u00df man nicht lass noch verdrossen werde, weil wir wissen und f\u00fchlen, wie der Teufel sich immer wider solches und alles christliche Wesen sperrt und, soviel er kann, davonhetzet und =treibt.<\/p>\n<p>45] Und zum ersten haben wir den hellen Text in den Worten Christi: &#8220;Das tut zu meinem Ged\u00e4chtnis.&#8221; Das sind Worte, die uns heissen und befehlen, dadurch denen, so Christen wollen sein, aufgelegt ist, das Sakrament zu geniessen. Darum, wer Christus\u2019 J\u00fcnger will sein, mit denen er hier redet, der denke und halte sich auch dazu, nicht aus Zwang als von Menschen gedrungen, sondern dem Hern Christo zu Gehorsam und Gefallen. 46] Sprichst du aber: Steht doch dabei: &#8220;sooft ihr\u2019s tut&#8221;; da zwingt er je niemand, sondern l\u00e4sst\u2019s in freier Willk\u00fcr. Antwort: 47] Ist wahr; es steht aber nicht [da], da\u00df man\u2019s nimmermehr tun solle; ja, weil er eben die Worte spricht: &#8220;so oft, als ihr\u2019s tut&#8221;, ist dennoch mit eingebunden [eingesch\u00e4rft], da\u00df man\u2019s oft tun soll, und ist darum hinzugesetzt, da\u00df er will das Sakrament frei haben, ungebunden an sonderliche Zeit, wie der Juden Osterlamm, welches sie alle Jahre nur einmal und eben auf den vierzehnten Tag des ersten vollen Monds des Abends mussten essen und keinen Tag \u00fcberschreiten. Als er damit sagen wollte: Ich setze euch ein Osterfest oder Abendmahl, das ihr nicht eben diesen Abend des Jahres einmal, sondern oft sollt geniessen, wann und wo ihr wollt, nach eines jeglichen Gelegenheit und Notdurft, an keinen Ort oder bestimmte Zeit angebunden; 48] wiewohl der Papst hernach solches um[ge]kehrt und wieder ein Judenfest daraus gemacht hat.<\/p>\n<p>49] Also siehst du, da\u00df nicht also Freiheit gelassen ist, als m\u00f6ge man\u2019s verachten. Denn das heisse ich verachten, wenn man so lange Zeit hingeht und sonst kein Hindernis hat und doch sein nimmer begehrt. Willst du solche Freiheit haben, so habe ebensomehr [ebensogut] Freiheit, da\u00df du kein Christ seiest und nicht glauben noch beten d\u00fcrfest; denn das ist ebensowohl Christus\u2019 Gebot als jenes. Willst du aber ein Christ sein, so musst du je zuweilen diesem Gebot genugtun und gehorchen; 50] denn solch Gebot sollte dich je bewegen, in dich selbst zu schlagen und zu denken: Siehe, was bin ich f\u00fcr ein Christ? W\u00e4re ich\u2019s, so w\u00fcrde ich mich je ein wenig sehnen nach dem, das mein Her befohlen hat zu tun.<\/p>\n<p>51] Und zwar, weil wir uns so fremd dazu stellen, sp\u00fcrt man wohl, was wir f\u00fcr christen in dem Papsttum gewesen sind, als die aus lauterem Zwang und Furcht menschlichen Gebots sind hin[ge]gangen, ohne Lust und Liebe, und Christus, Gebot nie angesehen. wir aber zwingen noch dringen niemand, darf\u2019s uns auch niemand zu Dienst und Gefallen tun. 52] Das soll dich aber reizen und selbst zwingen, da\u00df er\u2019s haben will und ihm gef\u00e4llt. Menschen soll man sich weder zum Glauben noch irgendeinem guten Werk n\u00f6tigen lassen. wir tun nicht mehr, denn da\u00df wir sagen und vermahnen, was du tun sollst, nicht um unsert=, sondern um deinetwilllen. Er lockt und reizt dich; willst du solches verachten, so antworte selbst daf\u00fcr [so verantworte es selbst].<\/p>\n<p>53] Das soll nun das erste sein, sonderlich f\u00fcr die Kalten und Nachl\u00e4ssigen, da\u00df sie sich selbst bedenken [pr\u00fcfen] und erwecken. Denn das ist gewi\u00dflich wahr, als ich wohl bei mir selbst erfahren habe und ein jeglicher bei sich finden wird, wenn man sich also davon zeucht [zieht], da\u00df man von Tag zu Tage je mehr roh und kalt wird und gar in [den] wind schl\u00e4gt. 54] Sonst mu\u00df man sich je mit dem Herzen und Gewissen befragen und stellen als ein Mensch, das [der] gerne wollte mit Gott recht stehen. Je mehr nun solches geschieht, je mehr das Herz erw\u00e4rmt und entz\u00fcndet wird, da\u00df, [es] nicht gar erkalte.<\/p>\n<p>55] Sprichst du aber: wie denn, wenn ich f\u00fchle, da\u00df ich nicht geschickt bin? Antwort: Das ist : meine Anfechtung auch, sonderlich aus dem alten : Wesen her unter dem Papst, da man sich so zermartert hat, da\u00df man ganz rein w\u00e4re und Gott kein T\u00e4dlin [T\u00e4delein, Makel, Fehl] an uns f\u00e4nde, davon wir so sch\u00fcchtern davor [ge]worden sind, da\u00df flugs sich jedermann entsetzt und gesagt hat: 56] O weh, du bist nicht w\u00fcrdig! Denn da hebt Natur und Vernunft an zu rechnen unsere Unw\u00fcrdigkeit gegen das gro\u00dfe, teure Gut; da findet sich\u2019s denn als eine finstere Laterne gegen die lichte Sonne oder Mist gegen Edelsteine; und weil sie solches sieht, will sie nicht hinan und harrt, bis sie geschickt werde, so lange, da\u00df eine Woche die andere und ein halb Jahr das andere bringt. 57] Aber wenn du das willst ansehen, wie fromm und rein du seiest, und danach arbeiten, da\u00df dich nichts bei\u00dfe [im Gewissen], so mu\u00dft du nimmermehr hinzukommen.<\/p>\n<p>58] Derhalben soll man hier die Leute unterscheiden. Denn was freche und wilde sind, denen soll man sagen, da\u00df sie davonbleiben; denn sie sind nicht geschickt, Vergebung der S\u00fcnden zu empfangen, als die sie nicht begehren und ungerne wollten fromm sein. 59] Die andern aber, so nicht solche rohe und lose Leute sind und gerne fromm w\u00e4ren, sollen sich nicht davonsondern, ob sie gleich sonst schwach und gebrechlich sind, wie auch St. Hilarius gesagt hat: &#8220;wenn eine S\u00fcnde nicht also getan ist, da\u00df man jemand billig aus der Gemeinde sto\u00dfen und f\u00fcr einen Unchristen halten kann, soll man nicht vom Sakrament bleiben, auf da\u00df man sich nicht des Lebens beraube.&#8221; 60] Denn so weit wird niemand kommen, da\u00df er nicht viel t\u00e4glicher Gebrechen im Fleisch und Blut behalte.<\/p>\n<p>61] Darum sollen solche Leute lernen, da\u00df die h\u00f6chste Kunst ist, da\u00df man wisse, da\u00df unser Sakrament steht nicht auf unserer W\u00fcrdigkeit; denn wir lassen uns nicht taufen, als die w\u00fcrdig und heilig sind, kommen auch nicht zur Beichte, als seien wir rein und ohne S\u00fcnde, sondern das Widerspiel, als arme elende Menschen, und eben darum, da\u00df wir unw\u00fcrdig sind; es w\u00e4re denn ein solcher, der keine Gnade und Absolution begehrte, noch sich d\u00e4chte zu bessern.<\/p>\n<p>62] Wer aber gerne wollte Gnade und Trost haben, soll sich selbst treiben und [durch] niemand [sich] davonschrecken lassen und also sprechen: lch wollte wohl gerne w\u00fcrdig sein, aber ich komme auf keine W\u00fcrdigkeit, sondern auf dein Wort, da\u00df du es befohlen hast, als der gerne dein J\u00fcnger w\u00e4re; meine W\u00fcrdigkeit bleibe, wo sie kann. 63] Es ist aber schwer; denn das liegt uns immer im Wege und hindert, da\u00df wir mehr auf uns selbst denn auf Christus\u2019 Wort und Mund sehen. Denn die Natur wollte gern so handeln, da\u00df sie gewi\u00df aus sich selbst m\u00f6chte fu\u00dfen und stehen; wo nicht, so will sie nicht hinan. Das sei genug vom ersten St\u00fcck.<\/p>\n<p>64] Zum andern ist \u00fcber das Gebot auch eine Verhei\u00dfung, wie auch oben geh\u00f6rt, die uns aufs allerst\u00e4rkste reizen und treiben soll. Denn da stehen die freundlichen, lieblichen Worte: &#8220;Das ist mein Leib, f\u00fcr euch gegeben. Das ist mein Blut, f\u00fcr euch vergossen zur Vergebung der S\u00fcnden.&#8221;; 65] Diese Worte, habe ich gesagt, sind keinem Stock noch Stein gepredigt, sondern mir und dir; sonst m\u00f6chte er ebensomehr [ebensogut] stillschweigen und: kein Sakrament einsetzen. Drum denke und bringe dich auch in das &#8220;euch&#8221;, da\u00df er nicht umsonst mit dir rede!<\/p>\n<p>66] Denn da beut [bietet] er uns an alle den Schatz, so er uns vom Himmel [ge]bracht hat, dazu er uns auch sonst lockt aufs allersfreundlichste, als da er spricht Matth. am 11.: &#8220;Kommt her zu mir alle, die ihr m\u00fchselig und beladen seid; ich will euch erquicken!&#8221; 67] Nun ist\u2019s je S\u00fcnde und Schande, da\u00df er uns so herzlich und treulich fordert und vermahnt zu unserm h\u00f6chsten und besten Gut, und wir uns so fremd dazu stellen und so lange hingehen, bis wir gar erkalten und verharten, da\u00df wir keine Lust noch Liebe dazu haben. 68] Man mu\u00df je das Sakrament nicht ansehen als ein sch\u00e4dlich Ding, da\u00df man davor laufen solle, sondern als eitel heilsame, tr\u00f6stliche Arznei, die dir helfe und das Leben gebe beide an Seele und Leib; denn wo die Seele genesen ist, da ist dem Leibe auch geholfen. wie stellen wir uns denn dazu, als sei es ein Gift, daran man den Tod fresse?<\/p>\n<p>69] Das ist wohl wahr, da\u00df, die es verachten und unchristlich leben, nehmen\u2019s ihnen [sich] zu schaden und Verdammnis; denn solchen soll nichts gut noch heilsam sein, eben als einem Kranken, der aus Mutwillen i\u00dft und trinkt, das ihm vom Arzt verboten ist. 70] Aber denen [die], so ihre Schwachheit f\u00fchlen und ihrer gerne los w\u00e4ren und Hilfe begehren, sollen\u2019s nicht anders ansehen und [ge] brauchen denn als ein k\u00f6stlich Tyriak [Theriat, ein altes Heilmittel] wider das Gift, so sie bei sich haben. Denn hier sollst du im Sakrament empfangen aus Christus\u2019 Mund Vergebung der S\u00fcnden, welche bei sich hat und mit sich bringt Gottes Gnade und Geist mit all seinen Gaben, Schutz, Schirm und Gewalt wider Tod und Teufel und alles Ungl\u00fcck.<\/p>\n<p>71] Also hast du von Gottes wegen beide des Hern Christi Gebot und Verhei\u00dfung; zudem soll dich deinethalben treiben deine eigene Not, so dir auf dem Halse liegt, um welcher willen solch Gebieten, Locken und Verhei\u00dfen geschieht. Denn er spricht selbst: &#8220;Die starken [be]d\u00fcrfen des Arztes nicht, sondern die Kranken&#8221;, das ist, die m\u00fchselig und beschwert sind mit S\u00fcnde, Furcht des Todes, Anfechtung des Fleisches und Teufels. 72] Bist du nun beladen und f\u00fchlst deine Schwachheit, so gehe fr\u00f6hlich hin und la\u00df dich erquicken, tr\u00f6sten und st\u00e4rken. 73] Denn willst du harren, bis du solches los werdest, da\u00df du rein und w\u00fcrdig zum Sakrament kommest, so mu\u00dft du ewig davonbleiben. Denn da f\u00e4llt er das Urteil und spricht: 74] Bist du rein und fromm, so [be]darfst du mein nichts und ich dein wieder nichts. Darum hei\u00dfen die allein unw\u00fcrdig, die ihr Gebrechen nicht f\u00fchlen noch wollen S\u00fcnder sein.<\/p>\n<p>75] Sprichst du aber: wie soll ich ihm denn tun, wenn ich solche Not nicht f\u00fchlen kann, noch Hunger und Durst zum Sakrament empfinden? Antwort: Denselbigen, die so gesinnt sind, da\u00df sie sich nicht f\u00fchlen, wei\u00df ich keinen besseren Rat, denn da\u00df sie doch in ihren Busen greifen, ob sie auch Fleisch und Blut haben. Wo du denn solches findest, so gehe doch dir zugut in St. Paulus\u2019 Epistel an die Galater und h\u00f6re, was dein Fleisch f\u00fcr ein Fr\u00fcchtlein sei. &#8220;offenbar sind aber&#8221; (spricht er) &#8220;die Werke des Fleisches, als da sind: Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Geilheit, Abg\u00f6tterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifer, Zorn, Zank, Zwietracht, Sekten, Ha\u00df, Mord, Saufen, Fressen und dergleichen.&#8221;<\/p>\n<p>76] Derhalben, kannst du es nicht f\u00fchlen, so glaube doch der Schrift, die wird dir nicht l\u00fcgen, als die dein Fleisch besser kennt denn du selbst. Ja, weiter schleu\u00dft [schlie\u00dft] St. Paulus zu den R\u00f6mern [am] 7.: &#8220;Denn ich wei\u00df, da\u00df in mir, das ist, in meinem Fleische, wohnet nichts Gutes.&#8221; Darf St. Paulus solches von seinem Fleisch reden, so wollen wir auch nicht besser noch heiliger sein. 77] Da\u00df wir\u2019s aber nicht f\u00fchlen, ist so viel desto \u00e4rger; denn es ist ein Zeichen, da\u00df [es] ein auss\u00e4tzig Fleisch ist, das da nichts empfindet und doch w\u00fctet und um sich fri\u00dft. 78] Doch, wie gesagt, bist du so gar erstorben, so glaube doch der Schrift, so das Urteil \u00fcber dich spricht. Und summa, je weniger du deine S\u00fcnden und Gebrechen f\u00fchlst, je mehr Ursache hast du hinzuzugehen, Hilfe und Arznei zu suchen.<\/p>\n<p>79] Zum andern siehe dich um, ob du auch in der Welt seiest; oder wei\u00dft du es nicht, so frage deine Nachbarn darum. Bist du in der Welt, so denke nicht, da\u00df [es] an S\u00fcnden und Not werde fehlen. Denn fange nur an und stelle dich, als wolltest du fromm werden und beim Evangelio bleiben, und siehe zu, ob dir niemand werde feind werden, dazu Leid, unrecht und Gewalt tun, item zu S\u00fcnden und Untugend Ursache geben. Hast du es nicht erfahren, so la\u00df dir\u2019s die Schrift sagen, die der Welt allenthalben solchen Preis und Zeugnis gibt.<\/p>\n<p>80] \u00dcber das wirst du ja auch den Teufel um dich haben, welchen du nicht wirst gar unter dich treten, weil es unser Her Christus selbst nicht hat k\u00f6nnen umgehen. Was ist nun der Teufel? 81] Nichts anderes, denn wie ihn die Schrift nennt, ein L\u00fcgner und M\u00f6rder: ein L\u00fcgner, das Herz zu verf\u00fchren von Gottes Wort und [zu] verblenden, da\u00df du deine Not nicht f\u00fchlest noch zu Christo kommen k\u00f6nntest; ein M\u00f6rder, der dir keine Stunde das Leben g\u00f6nnt. 82] Wenn du sehen solltest, wieviel Messer, Spie\u00dfe und Pfeile alle Augenblicke auf dich gezielt werden, du solltest froh werden, sooft du k\u00f6nntest, zu dem Sakrament zu kommen. Da\u00df man aber so sicher und unachtsam dahingeht, macht nichts anderes, denn da\u00df wir nicht denken noch glauben, da\u00df wir im Fleisch und in der b\u00f6sen Welt oder unter des Teufels Reich seien.<\/p>\n<p>83] Darum versuche und \u00fcbe solches wohl und gehe nur in dich selbst; oder stehe dich ein wenig um und halte dich nur [zu] der Schrift. F\u00fchlst du alsdann auch nichts, so hast du desto mehr Not zu klagen beide Gott und deinem Bruder. Da la\u00df dir raten und f\u00fcr dich bitten und la\u00df nur nicht ab so lange, bis der Stein von deinem Herzen komme: 84] so wird sich die Not wohl finden, und du gewahr werden, da\u00df du zweimal tiefer liegst denn ein anderer armer S\u00fcnder und des Sakraments viel mehr [be]d\u00fcrfest wider das Elend, so du leider nicht stehst, ob Gott Gnade gebe, da\u00df du es mehr f\u00fchltest und je hungriger dazu w\u00fcrdest, sonderlich weil dir der Teufel so zusetzt und ohne Unterla\u00df auf dich h\u00e4lt, wo er dich erhasche und bringe um Seele und Leib, da\u00df du keine Stunde vor ihm sicher kannst sein. Wie bald m\u00f6chte er dich pl\u00f6tzlich in Jammer und Not [ge]bracht haben, wenn du dich\u2019s am wenigsten versiehst!<\/p>\n<p>85] Solches sei nun zur Vermahnung gesagt, nicht allein f\u00fcr uns Alte und Gro\u00dfe, sondern auch f\u00fcr das junge Volk, so man in der christlichen Lehre und Verstand aufziehen soll. Denn damit k\u00f6nnte man desto leichter die zehn Gebote, Glauben und Vaterunser in die Jugend bringen, da\u00df es ihnen mit Lust und Ernst einginge, und also von Jugend auf \u00fcbten und gew\u00f6hnten. 86] Denn es ist doch nun fast [beinahe, vielfach] mit den Alten geschehen, da\u00df man solches und anderes nicht erhalten kann, man ziehe denn die Leute auf, so nach uns kommen sollen und in unser Amt und Werk treten, auf da\u00df sie auch ihre Kinder fruchtbarlich erziehen, damit Gottes Wort und die Christenheit erhalten werde. 87] Darum wisse ein jeglicher Hausvater, da\u00df er aus Gottes Befehl und Gebot schuldig ist, seine Kinder solches zu lehren oder lernen [zu] lassen, was sie k\u00f6nnen sollen. Denn weil sie getauft sind und in die Christenheit genommen, sollen sie auch solcher Gemeinschaft des Sakraments genie\u00dfen, auf da\u00df sie uns m\u00f6gen dienen und n\u00fctze werden; denn sie m\u00fcssen doch alle uns helfen glauben, lieben, beten und wider den Teufel fechten. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u300a\u534f\u540c\u4e66\u300b\uff08\u5fb7\u6587\uff09\u76ee\u5f55 1.\u300a\u4fe1\u7ecf\u300b Glaubensbekenntnis 2.\u300a\u5965\u65af\u5821\u4fe1\u6761\u300b Die Augsburgische Konfession 3.\u300a\u5965\u65af\u5821\u4fe1\u6761\u300b\u7684\u8fa9\u62a4\u8bba Apologia der Konfession 4.1\u300a\u65bd\u9a6c\u52a0\u767b\u4fe1\u6761\u300bDie Schmalkaldischen Artikel 4.2\u300a\u8bba\u6559\u7687\u6743\u548c\u9996\u4f4d\u300bVon der Bisch\u00f6fe Gewalt und Jurisdiktion<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[45],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/102"}],"collection":[{"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=102"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/102\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":124,"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/102\/revisions\/124"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=102"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=102"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=102"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}