{"id":87,"date":"2019-07-12T15:44:34","date_gmt":"2019-07-12T15:44:34","guid":{"rendered":"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=87"},"modified":"2020-08-11T00:11:04","modified_gmt":"2020-08-11T00:11:04","slug":"%e5%8d%8f%e5%90%8c%e4%b9%a6%ef%bc%88%e5%be%b7%e6%96%87%ef%bc%89%e7%ac%ac%e4%b8%89%e9%83%a8%e5%88%86-%e3%80%8a%e5%a5%a5%e6%96%af%e5%a0%a1%e4%bf%a1%e6%9d%a1%e3%80%8b%e7%9a%84%e8%be%a9%e6%8a%a4%e8%ae%ba","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=87","title":{"rendered":"\u534f\u540c\u4e66\uff08\u5fb7\u6587\uff09\u7b2c\u4e09\u90e8\u5206 \u300a\u5965\u65af\u5821\u4fe1\u6761\u300b\u7684\u8fa9\u62a4\u8bba"},"content":{"rendered":"<p>\u300a\u534f\u540c\u4e66\u300b\uff08\u5fb7\u6587\uff09\u76ee\u5f55<br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=76\">1.\u300a\u4fe1\u7ecf\u300b Glaubensbekenntnis<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=78\">2.\u300a\u5965\u65af\u5821\u4fe1\u6761\u300b Die Augsburgische Konfession<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=87\">3.\u300a\u5965\u65af\u5821\u4fe1\u6761\u300b\u7684\u8fa9\u62a4\u8bba Apologia der Konfession<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=90\">4.1\u300a\u65bd\u9a6c\u52a0\u767b\u4fe1\u6761\u300bDie Schmalkaldischen Artikel<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=93\">4.2\u300a\u8bba\u6559\u7687\u6743\u548c\u9996\u4f4d\u300bVon der Bisch\u00f6fe Gewalt und Jurisdiktion<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=98\">5.\u300a\u5c0f\u95ee\u7b54\u300bDer Kleiner Katechismus<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=102\">6.\u300a\u5927\u95ee\u7b54\u300bDer Grosse Katechismus<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=106\">7.\u300a\u534f\u540c\u5f0f\u300bDie Konkordienformel<\/a><\/p>\n<h2 id=\"opening\">\u300a\u5965\u65af\u5821\u4fe1\u6761\u300b\u7684\u8fa9\u62a4\u8bba<\/h2>\n<p>Apologia der Konfession <\/p>\n<p> Aus dem Latein verdeutscht durch Justus Jonas<\/p>\n<p>Vorrede.<\/p>\n<p>Philippus Melanchthon dem Leser.<\/p>\n<p>1] Als das Bekenntnis unserer gn\u00e4digsten und gn\u00e4digen Herren, des Kurf\u00fcrsten zu Sachsen und der F\u00fcrsten diese Teils, zu Augsburg \u00f6ffentlich vor kaiserlicher Majest\u00e4t und den St\u00e4nden des Reichs ist verlesen worden, haben etliche Theologi und M\u00f6nche wider dasselbe Bekenntnis und Konfession eine Antwort und Verlegung [Widerlegung] gestellt, welche dann kaiserliche Majest\u00e4t hernach vor Ihrer Majest\u00e4t, den Kurf\u00fcrsten, F\u00fcrsten und St\u00e4nden des Reichs verlesen lassen, und hat begehrt, da\u00df unsere F\u00fcrsten aus solche Meinung forthin wollten zu glauben, auch zu lehren und zu halten willigen.<\/p>\n<p>2] Dieweil aber die unsern angeh\u00f6rt, da\u00df in solcher Antwort der Theologen viele Artikel verworfen, welche sie ohne Beschwerung der Gewissen und mit Gott nicht k\u00f6nnten lassen verwerfen, haben sie der Antwort oder [der] Konfutation Abschrift gebeten, damit sie eigentlich sehen und erw\u00e4gen m\u00f6chten, was die Widersacher zu verdammen sich unterst\u00fcnden, und desto richtiger aus ihre Ursache und vorgebrachten Gr\u00fcnde wieder antworten m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Und in dieser grossen, hochwichtigsten Sache, welche nicht Zeitliches, sondern eine gemeine Religion, aller Heil und Wohlfahrt der Gewissen und wiederum auch grosse F\u00e4hrlichkeit und Beschwerung derselben belangt, haben es die unsern gewiss daf\u00fcrgehalten, da\u00df die Widersacher solche Abschrift ohne alle Beschwerung ganz willig und gern \u00fcberreichen oder auch uns anbieten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Aber die unsern haben solches gar nicht anders erlangen m\u00f6gen denn mit fast [sehr] beschwerlichen angehefteten Verpflichtungen und Konditionen, welche sie in keinem Weg haben willigen m\u00f6gen.<\/p>\n<p>3] Danach ist eine Unterhandlung und etliche Wege der G\u00fcte oder S\u00fchne vorgenommen, da sich denn die unsern aufs h\u00f6chste erboten, alles gern zu tragen, zu dulden und zu tun, was ohne Beschwerung der Gewissen geschehen k\u00f6nnte. 4] Aber die Widersacher haben darauf allein hart gestanden, da\u00df wir in etliche \u00f6ffentliche Missbr\u00e4uche und Irrt\u00fcmer haben willigen sollen, und so wir das nicht tun k\u00f6nnten noch wollten, hat die kaiserliche Majest\u00e4t wider begehrt, da\u00df unsere Herren und F\u00fcrsten willigen sollten, so zu glauben, so zu halten, wie der Theologen Konfutation lautet, welches unsere F\u00fcrsten ganz und gar abgeschlagen [haben].<\/p>\n<p>Denn wie sollten Ihre Kur= und F\u00fcrstlichen Gnaden in so hoher, allerwichtigsten Sache, vieler und ihre eigene Seele und Gewissen belangend, in eine Schrift willigen, die man ihnen nicht \u00fcbergeben noch zu \u00fcberlesen verg\u00f6nnen oder \u00fcberreichen wollte, sonderlich so sie in der Verlesung angeh\u00f6rt, da\u00df solche Artikel verworfen waren, die sie nicht m\u00f6chten noch k\u00f6nnten nachgeben, sie wollten denn \u00f6ffentlich wider Gott und Ehrbarkeit handeln?<\/p>\n<p>5] Derhalben Ihre Kur= und F\u00fcrstlichen Gnaden mir und andern befohlen, eine Schutzrede oder Apologie unsers ersten Bekenntnisses zu stellen, in welcher der kaiserlichen Majest\u00e4t Ursachen angezeigt w\u00fcrden, warum wir die Konfutation nicht annehmen, und warum dieselbe nicht gegr\u00fcndet w\u00e4re. 6] Denn ob man uns wohl Abschrift und Kopie \u00fcber unser Flehen, Bitten und h\u00f6chstes Ansuchen versagt, so hatten die unsern doch in Verlesung der Konfutation die Summa der Argumente fast in Eile und als im Fluge gefangen und aufgezeichnet, darauf wir die Apologie dasmal, so uns Kopie endlich versagt, stellen mussten. 7] Dieselbe Apologie haben die unsern zuletzt, als sie von Augsburg Abschied genommen, der kaiserlichen Majest\u00e4t \u00fcberantwortet, damit Ihre Majest\u00e4t verstehen m\u00f6chte, da\u00df es ganz grosse, hochwichtige Ursache h\u00e4tte, warum wir die Konfutation nicht h\u00e4tten m\u00f6gen willigen. Aber die kaiserliche Majest\u00e4t hat die \u00fcberantwortete Apologie geweigert anzunehmen.<\/p>\n<p>8] Danach ist gleichwohl ein Dekret ausgegangen, darin die Widersacher sich mit Ungrund r\u00fchmen, da\u00df sie unser Bekenntnis aus der Heiligen Schrift verlegt [widerlegt] haben.<\/p>\n<p>9] Dagegen aber hat jedermann unsere Apologie und Schutzrede, daraus er wird sehen, wie und was die Widersacher geurteilt haben. Denn wir haben es hier eigentlich erz\u00e4hlt, wie es ergangen, und nicht anders, weiss Gott! So haben wir auch hier klar angezeigt, wie sie etliche Artikel wider die \u00f6ffentliche, helle Schrift und klare Worte des Heiligen Giestes verdammt haben, und d\u00fcrfen nimmermehr mit der Wahrheit sagen, da\u00df sie einen T\u00fcttel aus der Heiligen Schrift wider uns verantwortet h\u00e4tten.<\/p>\n<p>10] Wiewohl ich nun anf\u00e4nglich zu Augsburg diese Apologie hatte angefangen mit Rat und Bedenken etlicher anderer, so habe ich doch jetzund, so dieselbe in Druck ausgehen sollte, etwas dazugetan. Darum schreibe ich auch hier meinen Namen dran, damit niemand klagen m\u00f6ge, das Buch sei ohne Namen ausgegangen.<\/p>\n<p>11] Ich habe mich bisher, soviel mir m\u00f6glich gewesen, geflissen, von christlicher Lehre nach gew\u00f6hnlicher Weise zu reden und zu handeln, damit man mit der Zeit desto leichtlicher zusammenr\u00fccken und sich vergleichen k\u00f6nnte, wiewohl ich diese Sache mit Fug weiter von ihrer gew\u00f6hnlichen Weise h\u00e4tte f\u00fchren m\u00f6gen [k\u00f6nnen].<\/p>\n<p>12] Die Widersacher handeln aber diese Sache dagegen also unfreundlich, da\u00df sie sich genug merken lassen, da\u00df sie weder Wahrheit noch Einigkeit suchen, sondern allein unser Blut zu saufen.<\/p>\n<p>13] Nun habe ich auf diesmal auch noch aufs gelindeste geschrieben; wo aber etwas Geschwindes in diesem Buche ist, will ich solches nicht wider kaiserliche Majest\u00e4t oder die F\u00fcrsten, welchen ich geb\u00fchrliche Ehre gern erzeige, sondern wider die M\u00f6nche und Theologen geredet haben. 14] Denn ich habe erst neulich die Konfutation bekommen recht zu lesen und merke, da\u00df viel darin so gef\u00e4hrlich, so giftig und neidisch geschrieben, da\u00df es auch an etlichen Orten fromme Leute betr\u00fcgen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>15] Ich habe aber nicht alle z\u00e4nkischen, mutwilligen R\u00e4nke der Widersacher gehandelt; denn da w\u00e4ren unz\u00e4hlige B\u00fccher von zu schreiben. Ihre besten, h\u00f6chsten Gr\u00fcnde habe ich gefasst, da\u00df bei hohen und niedern St\u00e4nden, bei den jetzigen und unsern Nachkommen, bei allen eingebornen Deutschen, auch sonst aller Welt, allen fremden Nationen ein klar Zeugnis vor Augen sei und ewig stehen bleibe, da\u00df wir rein, g\u00f6ttlich, recht von dem Evangelio Christi gelehrt haben. 16] Wir haben wahrlich nicht Lust oder Freude an Uneinigkeit; auch sind wir nicht so gar stock= oder steinhart, da\u00df wir unsere Fahr [Gefahr] nicht bedenken. Denn wir sehen und merken, wie die Widersacher in dieser Sache uns so mit grossem Gift und Bitterkeit suchen und bis hieher gesucht haben an Leib, Leben und allem, was wir haben. Aber wir wissen die \u00f6ffentliche g\u00f6ttliche Wahrheit, ohne welche die Kirche Christi nicht kann sein oder bleiben, und das ewige heilige Wort des Evangelii nicht zu verleugnen oder zu verwerfen.<\/p>\n<p>Derhalben, so wir um des Herrn Christi und um dieser allerh\u00f6chsten, wichtigsten Sache willen, an welcher der ganze heilige christliche Glaube, die ganze christliche Kirche gelegen ist, noch grossern Widerstand, Fahr oder Verfolgung warten oder ausstehen sollen, wollen wir in so ganz g\u00f6ttlicher, rechter Sache gern leiden und vertr\u00f6sten uns des g\u00e4nzlich, sind\u2019s auch gewiss, da\u00df der heiligen, g\u00f6ttlichen Majest\u00e4t im Himmel und unserm lieben Heiland Jesu Christo dieses wohlgef\u00e4llt, und nach dieser Zeit werden Leute sein und unsere Nachkommen, die gar viel anders und mit mehr Tra\u00fcn von diesen Sachen urteilen werden.<\/p>\n<p>17] Denn es k\u00f6nnen die Widersacher selbst nicht verneinen noch leugnen, da\u00df viele und die h\u00f6chsten, n\u00f6tigsten Artikel der christlichen Lehre, ohne welche die christliche Kirche samt der ganzen christlichen Lehre und Namen w\u00fcrde vergessen und untergehen, durch die unsern wieder an Tag gebracht seien. Denn mit was z\u00e4nkischen, vergeblichen, unn\u00fctzen, kindischen Lehren viele n\u00f6tige St\u00fccke vor wenig Jahren bei M\u00f6nchen, Theologen, Kanonisten und Sophisten unterdr\u00fcckt gewesen, will ich hier diesmal nicht erz\u00e4hlen; es soll noch wohl kommen.<\/p>\n<p>18] Wir haben, Gott Lob! Zeugnis von vielen hohen, ehrlichen, redlichen, gottesf\u00fcrchtigen Leuten, welche Gott von Herzen danken f\u00fcr die unaussprechlichen Gaben und Gnaden, da\u00df sie in den allern\u00f6tigsten St\u00fccken der ganzen Schrift von uns viel klarere, gewissere, eigentlichere, richtigere Lehre und Trost der Gewissen haben, denn in allen B\u00fcchern der Widersacher immer [je] gefunden ist.<\/p>\n<p>19] Darum wollen wir, so die erkannte helle Wahrheit je mit F\u00fcssen getreten wird, diese Sache hier Christo und Gott im Himmel befehlen, der der Waisen und Witwen Vater und aller Verlassenen Richter ist; der wird (das wissen wir je f\u00fcrwahr) diese Sache urteilen und recht richten. Und du, Herr Jesu Christ, dein heiliges Evangelium, deine Sache ist es; wollest ansehen so manch betr\u00fcbt Herz und Gewissen und deine Kirchen und H\u00e4uflein, die vom Teufel Angst und Not leiden, erhalten und st\u00e4rken deine Wahrheit! Mache zuschanden alle Heuchelei und L\u00fcgen und gib also Frieden und Einigkeit, da\u00df deine Ehre vorgehe und dein Reich wider alle Pforten der H\u00f6lle kr\u00e4ftig ohne Unterlass wachse und zunehme! <\/p>\n<p>Apologia der Konfession.<\/p>\n<p>verdeutscht aus dem Latein durch Justus Jonas.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014<\/p>\n<p>Artikel I. Von Gott.<\/p>\n<p>1] Den ersten Artikel unsers Bekenntnisses lassen ihnen die Widersacher gefallen, in welchem angezeigt wird, wie wir glauben und lehren, da\u00df da sei ein ewiges, einiges, unzerteiltes g\u00f6ttliches Wesen und doch drei unterschiedene Personen in einem g\u00f6ttlichen Wesen, gleich m\u00e4chtig, gleich ewig, Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist. 2] Diesen Artikel haben wir allzeit also rein gelehrt und verfochten, halten auch und sind gewiss, da\u00df derselbe so starken, guten, gewissen Grund in der Heiligen Schrift hat, da\u00df [es] niemand m\u00f6glich, den zu tadeln oder umzustossen. Darum schliessen wir frei, da\u00df alle diejenigen abg\u00f6ttisch, Gottesl\u00e4sterer und ausserhalb der Kirche Christi seien, die da anders halten oder lehren. <\/p>\n<p>Artikel II. (I.) Von der Erbs\u00fcnde.<\/p>\n<p>1] Den andern Artikel, von der Erbs\u00fcnde, lassen ihnen auch die Widersacher gefallen, doch fechten sie an, als haben wir\u2019s nicht recht getroffen, da wir gesagt, was die Erbs\u00fcnde sei, so wir doch zuf\u00e4llig allein des Orts davon geredet. Da wird alsbald im Eingang die kaiserliche Majest\u00e4t befinden, da\u00df unsere Widerw\u00e4rtigen in dieser hochwichtigen Sache oft gar nichts merken noch verstehen, widerum auch oft unsere Worte b\u00f6slich und mit Fleiss uns verkehren oder je zu Missverstand deuten. Denn so wir aufs allereinf\u00e4ltigste und kl\u00e4rste davon geredet, was die Erbs\u00fcnde sei oder nicht sei, so haben sie aus eitel Gift und Bitterkeit die Worte, so an ihnen selbst recht und schlecht geredet, mit Fleiss \u00fcbel und unrecht gedeutet, Denn also sagen sie: &#8220;Ihr sprecht, die Erbs\u00fcnde sei dieses, da\u00df uns ein solcher Sinn und Herz angeboren ist, darin keine Furcht Gottes, kein Vertra\u00fcn gegen Gott ist, das ist je eine wirkliche Schuld und selbst ein Werk oder actualis culpa; darum ist\u2019s nicht Erbs\u00fcnde.&#8221;<\/p>\n<p>2] Es ist leichtlich zu merken und abzunehmen, da\u00df solche cavillatio von Theologen, nicht von des Kaisers Rat herkommt. Wiewohl wir nun solche neidische, gef\u00e4hrliche, mutwillige Deutungen wohl wissen zu verlegen [widerlegen], doch, da\u00df alle redlichen und ehrbaren Leute verstehen m\u00f6gen, da\u00df wir in dieser Sache nichts Ungeschicktes lehren, so bitten wir, sie wollen unsere vorige deutsche Konfession, so zu Augsburg \u00fcberantwortet, ansehen; die wird genug anzeigen, da\u00df wir nichts Ne\u00fcs oder Ungeh\u00f6rtes lehren. Denn in derselben ist also geschrieben: &#8220;Weiter wird gelehrt, da\u00df nach dem Fall Adams alle Menschen, so nat\u00fcrlich geboten werden, in S\u00fcnden empfangen und geboren werden, das ist, da\u00df sie alle von Mutterleibe an voll b\u00f6ser L\u00fcste und Neigung sind, keine wahre Gottesfurcht, keinen wahren Glauben an Gott von Natur haben k\u00f6nnen.&#8221; 3] In diesem erscheint genug, da\u00df wir von allen, so aus Fleisch geboren sind, sagen, da\u00df sie unt\u00fcchtig sind zu allen Gottessachen, Gott nicht herzlich f\u00fcrchten, ihm nicht glauben noch vertra\u00fcn k\u00f6nnen. Da reden wir von angeborner b\u00f6ser Art des Herzens, nicht allein von actuali culpa oder von wirklicher Schuld und S\u00fcnde. Denn wir sagen, da\u00df in allen Adamskindern eine b\u00f6se Neigung und Lust sei, und da\u00df niemand ihm selbst ein Herz k\u00f6nne oder verm\u00f6ge zu machen, das Gott erkenne oder Gott herzlich vertra\u00fc, herzlich f\u00fcrchte. Ich wollte doch gerne h\u00f6ren, was sie da schelten wollen oder m\u00f6chten. Denn fromme, redliche Leute, denen die Wahrheit lieb, sehen ohne allen Zweifel, da\u00df dieses recht und wahr ist. Denn auf die Meinung sagen wir in unserm lateinischen Bekenntnis, da\u00df in einem nat\u00fcrlichen Menschen nicht potentia, das ist, nicht so viel T\u00fcgens [Taugens, K\u00f6nnens], Verm\u00f6gens sei auch nicht an unschuldigen Kindlein, welche auch aus Adam unt\u00fcchtig sind, immer herzlich Gott zu f\u00fcrchten und herzlich Gott zu lieben. In den Alten aber und Erwachsenen sind noch \u00fcber die angeborne b\u00f6se Art des Herzens auch noch actus und wirkliche S\u00fcnden. Darum wenn wir angeborne b\u00f6se Lust nennen, meinen wir nicht allein die actus, b\u00f6se Werke oder Fr\u00fcchte, sondern inwendig die b\u00f6se Neigung, welche nicht aufh\u00f6rt, solange wir nicht neugeboren werden durch Geist und Glauben.<\/p>\n<p>4] Aber danach wollen wir mit mehr Worten anzeigen, da\u00df wir von der Erbs\u00fcnde, n\u00e4mlich was dieselbe sei oder nicht, auch auf ge\u00fcbte, alte Weise der Scholastiker und nicht so ungew\u00f6hnlich geredet haben. Ich muss aber erst anzeigen, aus was Ursachen ich an dem Ort vornehmlich solcher und nicht anderer Worte habe brauchen wollen. Die Widersacher selbst reden also davon in ihren Schulen und bekennen, da\u00df die Materie oder Materiale der Erbs\u00fcnde, wie sie es nennen, sei b\u00f6se Lust. Darum, so ich habe wollen sagen, was Erbs\u00fcnde sei, ist das nicht zu \u00fcbergehen gewesen, sonderlich dieser Zeit, da etliche von derselben angebornen b\u00f6sen Lust mehr heidnisch aus der Philosophie denn nach dem g\u00f6ttlichen Wort oder nach der Heiligen Schrift reden.<\/p>\n<p>5] Denn etliche reden also davon, da\u00df die Erbs\u00fcnde an der menschlichen Natur nicht sei eine angeborne b\u00f6se Art, sondern allein ein Gebrechen und aufgelegte Last oder B\u00fcrde, die alle Adamskinder um fremder S\u00fcnde willen, n\u00e4mlich Adams S\u00fcnde halben, tragen m\u00fcssen, und darum alle sterblich seien, nicht da\u00df sie selbst alle von Art und aus Mutterleibe S\u00fcnde ererbten. Dar\u00fcber sagen sie dazu, da\u00df kein Mensch ewig verdammt werde allein um der Erbs\u00fcnde oder Erbjammers willen, sondern gleichwie von einer leibeigenen Magd leibeigene Leute und Erbknechte geboren werden, nicht ihrer eigenen Schuld halben, sondern da\u00df sie der Mutter Ungl\u00fccks und Elends entgelten und tragen m\u00fcssen, so sie doch an ihnen selbst, wie andere Menschen, ohne Wandel geboren werden: so sei die Erbs\u00fcnde auch nicht ein angebornes \u00dcbel, sondern allein ein Gebrechen und Last, die wir von Adam tragen, aber f\u00fcr uns selbst darum nicht in S\u00fcnden und Erbungnaden stecken. 6] Damit ich nun anzeigte, da\u00df uns solche unchristliche Meinung nicht gefiele, habe ich dieser Worte gebraucht: &#8220;Alle Menschen von Mutterleibe an sind alle voll b\u00f6ser L\u00fcste und Neigung&#8221; und nenne die Erbs\u00fcnde auch darum eine Seuche, anzuzeigen, da\u00df nicht ein St\u00fcck, sondern der ganze Mensch mit seiner ganzen Natur mit einer Erbseuche von Art in S\u00fcnden geboren wird.<\/p>\n<p>7] Darum nennen wir es auch nicht allein eine b\u00f6se Lust, sondern sagen auch, da\u00df alle Menschen in S\u00fcnden ohne Gottesfurcht, ohne Glauben geboren werden. Dasselbe setzen wir nicht ohne Ursache dazu. Die Schulz\u00e4nker oder Scholastici, die reden von der Erbs\u00fcnde, als sei es allein ein liederliches [leichtes], geringes Gebrechen, und verstehen nicht, was die Erbs\u00fcnde sei, oder wie es die andern heiligen V\u00e4ter gemeint haben. Wenn die Sophisten schreiben, was Erbs\u00fcnde sei, was der fomes oder b\u00f6se Neigung sei, reden sie unter andern davon, als sei es ein Gebrechen am Leibe, wie sie denn wunderkindisch von Sachen zu reden pflegen, und geben Fragen vor: ob dasselbe Gebrechen aus Vergiftung des verbotenen Apfels im Paradies oder aus Anblasen der Schlange Adam erst angekommen sei; item, ob es mit dem Gebrechen die Arznei je l\u00e4nger, je \u00e4rger macht. 8] Mit solchen z\u00e4nkischen Fragen haben sie diese ganze Hauptsache und die vornehmste Frage, was die Erbs\u00fcnde doch sei, gar verwirrt und unterdr\u00fcckt. Darum, wenn sie von der Erbs\u00fcnde reden, lassen sie das Gr\u00f6sste und N\u00f6tigste aussen, und unsers rechten, gr\u00f6ssten Jammers gedenken sie gar nicht, n\u00e4mlich da\u00df wir Menschen alle also von Art geboren werden, da\u00df wir Gott oder Gottes Werk nicht kennen, nicht sehen noch merken, Gott verachten, Gott nicht ernstlich f\u00fcrchten noch vertra\u00fcn, seinem Gericht oder Urteil feind sind; item, da\u00df wir alle von Natur vor Gott als einem Tyrannen fliehen, wider seinen Willen z\u00fcrnen und murren, item, uns auf Gottes G\u00fcte gar nicht lassen [verlassen] noch wagen, sondern allzeit mehr auf Geld, Gut, Freunde [uns] verlassen. Diese geschwinde Erbseuche, durch welche die ganze Natur verderbt, durch welche wir alle solch Herz, Sinn und Gedanken von Adam ererben, welches stracks wider Gott und das erste, h\u00f6chste Gebot Gottes ist, \u00fcbergehen die Scholastici und reden davon, als sei die menschliche Natur unverderbt, verm\u00f6ge, Gott gross zu achten, zu lieben \u00fcber alles, Gottes Gebote zu halten usw., und sehen nicht, da\u00df sie wider sich selbst sind. 9] Denn solches aus eigenen Kr\u00e4ften verm\u00f6gen, n\u00e4mlich Gott gross zu achten, herzlich zu lieben, seine Gebote zu halten, was w\u00e4re das anders, denn eine ne\u00fc Kreatur im Paradies, gar rein und heilig sein? 10] So wir nun aus unsern Kr\u00e4ften so Grosses verm\u00f6chten, Gott \u00fcber alles zu lieben, seine Gebote zu halten, wie die Scholastici tapfer d\u00fcrfen heraussagen, was w\u00e4re dann die Erbs\u00fcnde? Und so wir aus eigenen Kr\u00e4ften gerecht w\u00fcrden, so ist die Gnade Christi vergeblich; was d\u00fcrften wir auch des Heiligen Geistes, so wir aus menschlichen Kr\u00e4ften Gott \u00fcber alles lieben und seine Gebote halten k\u00f6nnen? 11] Hier steht je jedermann, wie ungeschickt die Widersacher von diesem hohen Handel reden. Sie bekennen die kleinen Gebrechen an der s\u00fcndlichen Natur, und des allergr\u00f6ssten Erbjammers und Elendes gedenken sie nicht, da doch die Apostel alle \u00fcber klagen, das die ganze Schrift allenthalben meldet, da alle Propheten \u00fcber schreien, wie der 13[14.] Psalm und etliche andere Psalmen sagen: &#8220;Da ist nicht, der gerecht sei, auch nicht einer; da ist nicht, der nach Gott fraget; da ist nicht, der Gutes tut, auch nicht einer.&#8221; &#8220;Ihr Schlund ist ein offenes Grab, Otterngift ist unter ihren Lippen. Es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen&#8221;, Ps. 5, 10. So doch auch die Schrift klar sagt, da\u00df uns solches alles nicht angeflogen, sondern angeboren sei. 12] Dieweil aber die Scholastici unter die christliche Lehre viel Philosophie gemengt und viel von dem Licht der Vernunft und den actibus elicitis reden, halten sie zu viel vom freien Willen und unsern Werken. Dar\u00fcber haben sie gelehrt, da\u00df die Menschen durch ein \u00e4usserlich ehrbar Leben vor Gott, fromm werden, und haben nicht gesehen die angeborne Unreinigkeit inwendig der Herzen, 13] welche niemand gewahr wird denn allein durch das Wort Gottes, welches die Scholastici in ihren B\u00fcchern fast [sehr] sp\u00e4rlich und selten handeln. Wir sagen auch wohl, da\u00df \u00e4usserlich ehrbar zu leben etlichermassen in unserm Verm\u00f6gen stehe, aber vor Gott fromm und heilig zu werden, ist nicht unsers Verm\u00f6gens.<\/p>\n<p>14] Das sind die Ursachen, warum ich des Orts, als ich habe wollen sagen, was die Erbs\u00fcnde sei, der angebornen b\u00f6sen Lust gedacht habe und gesagt, da\u00df aus nat\u00fcrlichen Kr\u00e4ften kein Mensch vermag Gott zu f\u00fcrchten oder ihm zu vertra\u00fcn. Denn ich habe wollen anzeigen, da\u00df die Erbs\u00fcnde auch diesen Jammer in sich begreife, n\u00e4mlich, da\u00df kein Mensch Gott kennt oder achtet, keiner ihn herzlich f\u00fcrchten oder lieben oder ihm vertra\u00fcn kann. Das sind die gr\u00f6ssten St\u00fccke der Erbs\u00fcche, durch welche wir alle aus Adam stracks wider Gott, wider die erste Tafel Mosis und das gr\u00f6sste, h\u00f6chste g\u00f6ttliche Gebot gesinnt und geartet sind.<\/p>\n<p>15] Und wir haben da nichts Ne\u00fcs gesagt. Die alten Scholastici, so man sie recht versteht, haben auch gleich dasselbe gesagt; denn sie sagen, die Erbs\u00fcnde sei ein Mangel der ersten Reinigkeit und Gerechtigkeit im Paradies. Was ist aber justitia orginalis oder die erste Gerechtigkeit im Paradies? 16] Gerechtigkeit und Heiligkeit in der Schrift heisst je nicht allein, wenn ich die andere Tafel Mosis halte, gute Werke t\u00fc und dem N\u00e4chsten diene, sondern denjenigen nennt die Schrift fromm, heilig und gerecht, der die erste Tafel, der das erste Gebot h\u00e4lt, das ist, der Gott von Herzen f\u00fcrchtet, ihn liebt und sich auf Gott verl\u00e4sst. 17] Darum ist Adams Reinigkeit und unverr\u00fccktes Wesen nicht allein eine feine, vollkommene Gesundheit und allenthalben reines Gebl\u00fct, unverderbte Kr\u00e4fte des Leibes gewesen, wie sie davon reden, sondern das Gr\u00f6sste an solcher edlen ersten Kreatur ist gewesen ein helles Licht im Herzen, Gott und sein Werk zu erkennen, eine rechte Gottesfurcht, ein recht herzliches Vertra\u00fcn gegen Gott und allenthalben ein rechtschaffener, gewisser Verstand, ein feines, gutes, fr\u00f6hliches Herz gegen Gott und alle g\u00f6ttlichen Sachen. 18] Und das bezeugt auch die Heilige Schrift, da sie sagt, da\u00df der Mensch nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen sei. Denn was ist das anders, denn da\u00df g\u00f6ttliche Weisheit und Gerechtigkeit, die aus Gott ist, sich im Menschen bildet, dadurch wir Gott erkennen, durch welche Gottes Klarheit sich in uns spiegelt, das ist, da\u00df dem Menschen erstlich, als er geschaffen, diese Gaben gegeben seien, recht, klare Erkenntnis Gottes, rechte Furcht, rechtes Vertra\u00fcn und dergleichen? 19] Denn also legt auch solches aus vom Bild und Gleichnis Gottes Iren\u00e4us; und Ambrosias, so er allerlei auf die Meinung redet, sagt unter anderm: &#8220;Die Seele ist nicht nach dem Bilde Gottes geschaffen, in welcher Gott nicht allzeit ist.&#8221; 20] Und Paulus zu den Ephesern und Kolossern zeigt genug an, da\u00df Gottes Bild in der Schrift nichts anderes heisse denn Erkenntnis Gottes und rechtschaffenes Wesen und Gerechtigkeit vor Gott. 21] Und Longobardus sagt frei heraus, da\u00df &#8220;die erstgeschaffene Gerechtigkeit in Adam sei das Bild und Gleichnis Gottes, welches an dem Menschen von Gott gebildet ist&#8221;. 22] Ich erz\u00e4hle die Meinung und Spr\u00fcche der Alten, welche an der Auslegung Augustini, wie derselbe vom Bilde Gottes redet, nichts hindern.<\/p>\n<p>23] Darum die Alten, da sie sagen, was die Erbs\u00fcnde sei, und sprechen, es sie ein Mangel der ersten angeschaffenen Gerechtigkeit, da ist ihre Meinung, da\u00df der Mensch nicht allein am Leibe oder geringsten, niedersten Kr\u00e4ften verderbt sei, sondern da\u00df er auch dadurch verloren habe diese Gaben: rechte Erkenntnis Gottes, recht Liebe und Vertra\u00fcn gegen Gott und die Kraft, das Licht im Herzen, so ihm zu dem allem Liebe und Lust macht. Denn die Scholastici oder Theologen selbst in Schulen lehren, da\u00df dieselbe angeborne Gerechtigkeit uns nicht m\u00f6glich w\u00e4re gewesen ohne sonderliche Gaben und ohne Hilfe der Gnade. Und dieselben Gaben nennen wir Gottesfurcht, Gotteserkenntnis und Vertra\u00fcn gegen Got, damit man es verstehen m\u00f6ge. Aus diesem allem erscheint genugsam, da\u00df die Alten, da sie sagen, was die Erbs\u00fcnde sei, gleich mit uns stimmen, und auch ihre Meinung ist, da\u00df wir durch die Erbs\u00fcnde in den Jammer gekommen, geboren, da\u00df wir kein gutes Herz, welches Gott recht liebt, gegen Gott haben, nicht allein kein reines, gutes Werk zu tun oder [zu] vollbringen verm\u00f6gen.<\/p>\n<p>24] Gleich dasselbe meint auch Augustinus, da er auch will sagen, was die Erbs\u00fcnde sei, und pflegt die Erbs\u00fcnde eine b\u00f6se Lust zu nennen; denn er will anzeigen, da\u00df nach Adams Fall anstatt der Gerechtigkeit b\u00f6se Lust uns angeboren wird. Denn von dem Fall an, dieweil wir, als von Art s\u00fcndlich geboren, Gott nicht f\u00fcrchten, lieben noch ihm vertra\u00fcn, so tun wir nichts anderes, denn da\u00df wir uns auf uns selbst verlassen, verachten Gott oder erschrecken und fliehen von Gott. 25] Und also ist in Augustinus\u2019 Worten auch die Meinung gefasst und begriffen derjenigen, die da sagen, die Erbs\u00fcnde sei ein Mangel der ersten Gerechtigkeit, das ist, die b\u00f6se Lust, welche anstatt derselben Gerechtigkeit uns anh\u00e4ngt. Und ist die b\u00f6se Lust nicht allein eine Verderbung oder Verr\u00fcckung der ersten reinen Leibesgesundheit Adams im Paradies, sondern auch eine b\u00f6se Lust und Neigung, da wir nach den allerbesten, h\u00f6chsten Kr\u00e4ften und Licht der Vernunft dennoch fleischlich wider Gott geneigt und gesinnt sind. Und diejenigen wissen nicht, was sie sagen, die da lehren, der Mensch verm\u00f6ge aus seinen Kr\u00e4ften Gott \u00fcber alles zu lieben, und m\u00fcssen doch zugleich bekennen, es bleibe solange dies Leben w\u00e4hrt, noch b\u00f6se Lust, sofern sie vom Heiligen Geist nicht g\u00e4nzlich get\u00f6tet ist.<\/p>\n<p>26] Derhalben wir so eigentlich beides erw\u00e4hnt und ausgedr\u00fcckt, da wir haben lehren wollen, was die Erbs\u00fcnde sei, beide die b\u00f6se Lust und auch den Mangel der ersten Gerechtigkeit im Paradies, und sagen, derselbe Mangel sei, da\u00df wir Adamskinder Gott von Herzen nicht vertra\u00fcn, ihn nicht f\u00fcrchten noch lieben. Die b\u00f6se Lust sei, da\u00df nat\u00fcrlich wider Gottes Wort all unser Sinn, Herz und Mut steht, da wir nicht allein suchen allerlei Wollust des Liebes, sondern auch auf unsere Weisheit und Gerechtigkeit vertra\u00fcn und dagegen Gottes vergessen und wenig, ja gar nichts achten. 27] Und nicht allein die alten V\u00e4ter, als Augustinus und dergleichen, sondern auch die neulichsten Lehrer und Scholastici, die etwas Verstand gehabt, lehren, da\u00df diese zwei St\u00fccke s\u00e4mtlich die Erbs\u00fcnde sind, n\u00e4mlich der Mangel und die b\u00f6se Lust. Denn also sagt St. Thomas, da\u00df &#8220;Erbs\u00fcnde ist nicht allein ein Mangel der ersten Gerechtigkeit, sondern auch eine unordentliche Begierde oder Lust in der Seele. Derhalben ist es&#8221;, sagt er, &#8220;nicht allein ein lauterer Mangel, sondern auch aliquid positivum&#8221;. 28] Und Bonaventura sagt auch klar: &#8220;Wenn man fragt, was die Erbs\u00fcnde sei, ist dies die rechte Antwort, da\u00df es eine ungewehrte b\u00f6se Lust sei. Auch ist die rechte Antwort, das es ein Mangel sei der Gerechtigkeit, und eins gibt das andere.&#8221; 29] Gleich dasselbe meint auch Hugo, da er sagt: &#8220;Die Erbs\u00fcnde ist Blindheit im Herzen und b\u00f6se Lust im Fleische.&#8221; Denn er will anzeigen, da\u00df wir Adamskinder alle so geboren werden, da\u00df wir Gott nicht kennen, Gott verachten, ihm nicht vertra\u00fcn, ja ihn auch fliehen und hassen. Denn das hat Hugo wollen kurz begreifen, da er gesagt: ignorantia in mente, Blindheit oder Unwissenheit im Herzen. 30] Und die Spr\u00fcche auch der ne\u00fcsten Lehrer stimmen \u00fcberein mit der Heiligen Schrift. Denn Paulus nennt die Erbs\u00fcnde unter Zeiten mit klaren Worten einen Mangel g\u00f6ttlichen Lichtes usw. 1. Kor. 2, 14: &#8220;Der nat\u00fcrliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geiste Gottes.&#8221; Und an andern Orten nennt er es b\u00f6se Lust, als zu den R\u00f6mern am 7, 23, da er sagt: &#8220;Ich sehe ein ander Gesetz in meinen Gleidern&#8221; usw., welche Lust allerlei b\u00f6se Fr\u00fcchte gebiert. 31] Ich k\u00f6nnte hier wohl viel mehr Spr\u00fcche der Schrift vorbringen von beiden diesen St\u00fccken; aber in dieser \u00f6ffentlichen Wahrheit ist es nicht not. Ein jeder Verst\u00e4ndiger wird leichtlich sehen und merken, da\u00df also ohne Gottesfurcht, ohne Vertra\u00fcn im Herzen sein, sind nicht allein actus oder wirkliche S\u00fcnden, sondern ein angeborner Mangel des g\u00f6ttlichen Lichtes und alles Guten, welcher da bleibt, solange wir nicht durch den Heiligen Geist neugeboren und durch den [ihn] erleuchtet werden.<\/p>\n<p>32] Wie wir nun bisher von der Erbs\u00fcnde geschrieben und gelehrt, so lehren wir nichts Ne\u00fcs, nichts anderes denn die Heilige Schrift, die gemeine heilige christliche Kirche; sondern solche n\u00f6tige, tapfere, klare Spr\u00fcche der Heiligen Schrift und der V\u00e4ter, welche durch ungeschicktes Gez\u00e4nk der Sophisten unterdr\u00fcckt gewesen, bringen wir wieder an Tag und wollten gerne die christliche Lehre rein haben. 33] Denn es ist je am Tage, da\u00df die Sophisten und Schulz\u00e4nker nicht verstanden haben, was die V\u00e4ter mit dem Wort &#8220;Mangel der ersten Gerechtigkeit&#8221; gemeint. Dies St\u00fcck aber eigentlich und richtig zu lehren, und was die Erbs\u00fcnde sei oder nicht sei, ist gar hoch vonn\u00f6ten, und kann niemand sich nach Christo, nach dem unaussprechlichen Schatz g\u00f6ttlicher Huld und Gnade, welche das Evangelium vortr\u00e4gt, herzlich sehnen oder danach Verlangen haben, der nicht seinen Jammer und Seuche erkennt, wie Christus sagt Matth. 9, 12; Mark 2, 17: &#8220;Die Gesunden bed\u00fcrfen des Arztes nicht.&#8221; Alles heilige ehrbare Leben, alle guten Werke, soviel immer ein Mensch auf Erden tun mag, sind vor Gott eitel Heuchelei und Gre\u00fcl, wir erkennen denn erst, da\u00df wir von Art elende S\u00fcnder sind, welche in Ungnade Gottes sind, Gott weder f\u00fcrchten noch lieben. 34] Also sagt der Prophet Jeremias 31, 19: &#8220;Dieweil du mir es gezeiget hast, bin ich erschrocken.&#8221; Und der 116. Psalm: &#8220;Alle Menschen sind L\u00fcgner&#8221;, das ist, sie sind nicht recht gesinnt von Gott.<\/p>\n<p>35] Hier schreien nun die WIdersacher heftig wider D. Luther, da\u00df er geschrieben hat, die Erbs\u00fcnde bleibe auch nach der Taufe, und sagen dazu, derselbe Artikel sei billig verdammt von Papst Leo X. Aber kaiserliche Majest\u00e4t wird hier \u00f6ffentlich finden, da\u00df sie uns ganz unrecht tun; denn die Widersacher verstehen fast [seht] wohl, auf was Meinung D. Luther das geredet will haben, da er sagt, die Erbs\u00fcnde bleibe nach der Taufe. Er hat allzeit klar also geschrieben, da\u00df die heilige Taufe die ganze Schuld und Erbpflicht der Erbs\u00fcnde wegnimmt und austilgt, wiewohl das Material (wie sie es nennen) der S\u00fcnde, n\u00e4mlich die b\u00f6se Neigung und Lust, bleibt. Dar\u00fcber in allen seinen Schriften setzt er noch dazu vom selben Material, da\u00df der Heilige Geist, welcher gegeben wird durch die Taufe, anf\u00e4ngt, inwendig die \u00fcbrigen b\u00f6sen L\u00fcste t\u00e4glich zu t\u00f6ten und zu l\u00f6schen, und bringt ins Herz ein ne\u00fcs Licht, einen ne\u00fcn Sinn und Mut. 36] Auf die Meinung redet auch Augustinus, da er also sagt; &#8220;Die Erbs\u00fcnde wird in der Taufe vergeben, nicht da\u00df sie nicht mehr sei, sondern da\u00df sie nicht zugerechnet werde.&#8221; Da bekennt Augustinus \u00f6ffentlich, da\u00df die S\u00fcnde in uns bleibt, wiewohl sie uns nicht zugerechnet wird. Und dieser Spruch Augustini hat den Lehrern hernach so wohl gefallen, da\u00df er auch im Dekret angezogen wird. Und wider Julianus sagt Augustinus: &#8220;Das Gesetz, das in unsern Gleidern ist, ist weggetan durch die geistliche Wiedergeburt und bleibt doch im Fleische, welches ist sterblich. Es ist hinweggetan, denn die Schuld ist ganz los durch das Sakrament, dadurch die Gl\u00e4ubigen neugeboren werden; und bleibt noch da, denn es wirkt b\u00f6se L\u00fcste, wider welche k\u00e4mpfen die Gl\u00e4ubigen.&#8221; 37] Da\u00df D. Luther so h\u00e4lt und lehrt, wissen die Widersacher fast wohl, und so sie es nicht k\u00f6nnen anfechten, sondern selbst bekennen m\u00fcssen, verkehren sie ihm b\u00f6slich die Worte und deuten ihm seine Meinung f\u00e4lschlich, die Wahrheit unterzudr\u00fccken [zu unterdr\u00fccken] und unschuldig zu verdammen.<\/p>\n<p>38] Aber weiter disputieren die Widersacher, da\u00df die b\u00f6se Lust eine Last und aufgelegte Strafe sei und sei nicht eine solche S\u00fcnde, die des Todes und Verdammnis schuldig [sei]. Dawider sagt D. Luther, es sei eine solche verdammliche S\u00fcnde. Ich habe heir oben gesagt, da\u00df Augustinus auch solches meldet, die Erbs\u00fcnde sei die angeborne b\u00f6se Lust. Soll dieses \u00fcbel geredet sein, m\u00f6gen sie es mit Augustino ausfechten. 39] Dar\u00fcber sagt Paulus R\u00f6m. 7, 7. 23: &#8220;Die S\u00fcnde erkannte ich nicht ohne durch das Gesetz; denn ich wusste nichts von der Lust, wo das Gesetz nicht gesagt h\u00e4tte: Lass dich nicht gel\u00fcsten.&#8221; Da sagt je Paulus d\u00fcrre heraus: Ich wusste nicht, da\u00df die Lust S\u00fcnde war usw. Item: &#8220;Ich sehe ein ander Gesetz in meinen Gleidern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem Gem\u00fcte und nimmt mich gefangen in der S\u00fcnde Gesetz, welches ist in meinen Gleidern.&#8221; 40] Dieses sind Pauli helle, gewisse Worte und klare Spr\u00fcche; da vermag keine Glosse, kein listiges F\u00fcndlein nichts wider; diese Spr\u00fcche werden alle Teufel, alle Menschen nicht m\u00f6gen [k\u00f6nnen] umstossen. Da nennt er klar die b\u00f6se Lust eine S\u00fcnde; doch sagt er, da\u00df solche S\u00fcnde denjenigen, so an Christum glauben, nicht wird zugerechnet; doch an ihr selbst ist es gleichwohl wahrlich eine S\u00fcnde, des Todes und ewiger Verdammnis schuldig. 41] Und hat keinen Zweifel, da\u00df auch solches der alten V\u00e4ter Meinung gewesen. Denn Augustinus disputiert und ficht heftig wider diejenigen, die da hielten, da\u00df die b\u00f6se Neigung und Lust am Menschen nicht S\u00fcnde w\u00e4re und weder gut noch b\u00f6se, wie schwarzen oder weissen Leib haben auch weder gut noch b\u00f6se ist.<\/p>\n<p>42] Und wenn die Widersacher werden vorgeben, da\u00df fomes oder die b\u00f6se Neigung weder gut noch b\u00f6se sei, da werden nicht allein viele Spr\u00fcche der Schrift dawider sein, sondern auch die ganze Kirche und alle V\u00e4ter. Denn alle erfahrenen, christlichen Herzen wissen, da\u00df diese St\u00fccke leider uns in der Haut stecken, angeboren sind, n\u00e4mlich da\u00df wir Geld, Gut und alle andern Sachen gr\u00f6sser denn Gott achten, sicher dahingehen und leben; item, da\u00df wir immer nach Art fleischlicher Sicherheit also gedenken, Gottes Zorn und Ernst sei nicht so gross \u00fcber die S\u00fcnde, als er doch gewiss ist; item, da\u00df wir den edlen, unaussprechlichen Schatz des Evangelii und Vers\u00f6hnung Christi nicht herzlich [von Herzen] so te\u00fcr und edel achten, als sie [er] ist; item, da\u00df wir wider Gottes Werk und Willen murren, da\u00df er in Tr\u00fcbsalen nicht bald hilft und macht\u2019s, wie wir wollen. 43] Item, wir erfahren t\u00e4glich, da\u00df es uns wehe tut, wie auch David und alle Heiligen geklagt, da\u00df [es] den Gottlosen in dieser Welt wohl geht. Dar\u00fcber f\u00fchlen alle Menschen, wie leicht ihr Herz entbrennt, jetzund mit Ehrgeiz, dann mit Grimm und Zorn, dann mit Unzucht. So nun die Widersacher selbst bekennen m\u00fcssen, da\u00df solcher Unglaube, solcher Ungehorsam wider Gott im Herzen ist, wennschon nicht ganze Verwilligung (wie sie davon reden), sondern allein die Neigung und Lust da ist, wer will so k\u00fchn sein, da\u00df er diese groben St\u00fccke weder b\u00f6se noch gut achte? Nun sind die klaren Psalmen und klaren Worte der Propheten da, da\u00df die bekennen, da\u00df sie sich also f\u00fchlen. Aber die Sophisten in Schulen haben zu dieser Sache wider die klare, \u00f6ffentliche Schrift geredet und aus der Philosophie ihre eigenen Tr\u00e4ume und Spr\u00fcche erdichtet, sagen, da\u00df wir um der b\u00f6sen L\u00fcste willen weder b\u00f6se noch gut, noch zu schelten noch zu loben sind; item, da\u00df L\u00fcste und Gedanken inwendig nicht S\u00fcnde sind, wenn ich nicht ganz drein verwillige. Dieselben Reden und Worte in der Philosophen B\u00fcchern sind zu verstehen von \u00e4usserlicher Ehrbarkeit vor der Welt und auch [von] \u00e4usserlicher Strafe vor der Welt. Denn da ist\u2019s wahr, wie die Juristen sagen: L. cogitationis, &#8220;Gedanken sind zollfrei und straffrei&#8221;. Aber Gott erforscht die Herzen; mit Gottes Gericht und Urteil ist\u2019s anders. Also flicken sie auch an diese Sache andere ungereimte Spr\u00fcche, n\u00e4mlich: Gottes Gesch\u00f6pf und die Natur k\u00f6nne an ihr selbst nicht b\u00f6se sein. Das fechte ich nicht an, wenn es irgend geredet wird, da es statthat; aber dazu soll dieser Spruch nicht angezogen werden, die Erbs\u00fcnde gering zu machen. 44] Und dieselben Spr\u00fcche der Sophisten haben viel uns\u00e4glichen Schaden getan, durch welche sie die Philosophie und die Lehre, welche \u00e4usserliches Leben vor der Welt belangen, vermischen mit dem Evangelio und haben doch solches nicht allein in der Schule gelehrt, sondern auch \u00f6ffentlich unversch\u00e4mt vor dem Volk gepredigt. Und die ung\u00f6ttlichen, irrigen, gef\u00e4hrlichen, sch\u00e4dlichen Lehren hatten in aller Welt \u00fcberhandgenommen; da ward nichts gepredigt denn unser Verdienst in aller Welt; dadurch ward die Erkenntnis Christi und das Evangelium ganz unterdr\u00fcckt. 45] Derhalben hat D. Luther aus der Schrift lehren und erkl\u00e4ren wollen, wie eine gro\u00dfe Todesschuld die Erbs\u00fcnde vor Gott sei, und wie in grossem Elend wir geboren werden, und da\u00df die \u00fcbrige Erbs\u00fcnde, so nach der Taufe bleibt, an ihr selbst nicht indifferens sei, sondern bedarf des Mittlers Christi, da\u00df sie uns Gott nicht zurechne, und ohne Unterlass des Lichtes und Wirkung des Heiligen Geistes, durch welchen sie ausgefegt und get\u00f6tet werde.<\/p>\n<p>46] Wiewohl nun die Sophisten und Scholastici anders lehren und beide von der Erbs\u00fcnde und von derselben Strafe der Schrift ungem\u00e4ss lehren, da sie sagen, der Mensch verm\u00f6ge aus seinen Kr\u00e4ften Gottes Gebote zu halten, so wird doch die Strafe, so Gott auf Adams Kinder auf die Erbs\u00fcnde gelegt, im ersten Buch Mosis viel anders beschrieben. Denn da wird die menschliche Natur verurteilt nicht allein zum Tod und [zu] anderm leiblichen \u00fcbel, sondern dem Reich des Teufels unterworfen. Denn da wird dieses schreckliche Urteil gef\u00e4llt: &#8220;Ich will Feindschaft zwischen dir und dem Weibe, zwischen ihrem Samen und deinem Samen setzen&#8221; usw. 47] Der Mangel erster Gerechtigkeit und die b\u00f6se Lust sind S\u00fcnde und Strafe. Der Tod aber und die andern leiblichen \u00fcbel, die Tyrannei und Herrschaft des Teufels sind eigentlich die Strafen und poenae der Erbs\u00fcnde. Denn die menschliche Natur ist durch die Erbs\u00fcnde unter des Teufels Gewalt dahingegeben und ist also gefangen unter des Teufels Reich, welcher manchen grossen, weisen Menschen in der Welt mit schrecklichem Irrtum, Ketzerei und anderer Blindheit bet\u00e4ubt und verf\u00fchrt und sonst die Menschen zu allerlei Lastern dahinreisst. 48] Wie es aber nicht m\u00f6glich ist, den listigen und gewaltigen Geist, Satan, zu \u00fcberwinden ohne die Hilfe Christi, also k\u00f6nnen wir uns aus eigenen Kr\u00e4ften aus dem Gef\u00e4ngnis auch nicht helfen. Es ist in allen Historien vom Anfang der Welt zu sehen und zu finden, 49] wie eine uns\u00e4glich grosse Gewalt das Reich des Teufels sei. Man sieht, da\u00df die Welt vom H\u00f6chsten bis zum Niedrigsten voll Gottesl\u00e4sterung, voll grosser Irrt\u00fcmer, gottloser Lehre wider Gott und sein Wort ist. In den starken Fesseln und Ketten h\u00e4lt der Teufel j\u00e4mmerlich gefangen viel weise Leute, viel Heuchler, die von der Welt heilig scheinen. Die andern f\u00fchrt er in andere grobe Laster: Geiz, Hoffart usw. 50] So uns nun Christus darum gegeben ist, da\u00df er dieselben S\u00fcnden und schweren Strafen der S\u00fcnden wegnehme, die S\u00fcnde, den Tod, des Teufels Reich uns zugut \u00fcberwinde, kann niemand herzlich sich fre\u00fcn des grossen Schatzes, niemand die \u00fcberschwenglichen Reicht\u00fcmer der Gnade erkennen, er f\u00fchle denn von erst dieselbe Last, unser angebornes grosses Elend und Jammer. Darum haben unsere Prediger von dem n\u00f6tigen Artikel mit allem h\u00f6chsten Flei\u00dfe gelehrt und haben nichts Ne\u00fcs gelehrt, sondern eitel klare Worte der Heiligen Schrift und gewisse Spr\u00fcche der V\u00e4ter, Augustini und der andern.<\/p>\n<p>51] Dieses, achten wir, solle die kaiserliche Majest\u00e4t ihr billig lassen genug sein wider das lose; kindische, ungegr\u00fcndete Vorbringen der Widersacher, durch welches sie der unsern Artikel ohne Ursache ganz unbillig anfechten. Denn sie singen, sagen, wieviel, was und wie lange sie wollen, so wissen wir eigentlich das und sind\u2019s f\u00fcrwahr gewiss, da\u00df wir christlich und recht lehren und mit der gemeinen christlichen Kirche gleich stimmen und halten. Werden sie dar\u00fcber weiter mutwilligen Zank einf\u00fchren, so sollen sie sehen, es sollen hier, will\u2019s Gott, Leute nicht fehlen, die ihnen antworten und die Wahrheit dennoch erhalten. Denn die Widersacher wissen das mehrere Teil nicht, was sie reden. Denn wie oft reden und schreiben sie ihnen selbst Widerw\u00e4rtiges? Verstehen auch ihre eigene Dialektika nicht vom Formal der Erbs\u00fcnde, das ist, was eigentlich an ihrem Wesen die Erbs\u00fcnde sei oder nicht sei, was auch der Mangel der ersten Gerechtigkeit sei. An diesem Ort aber haben wir nicht wollen von ihrer z\u00e4nkischen DIsputation subtiler oder weiter reden, sondern allein die Spr\u00fcche und Meinung der heiligen V\u00e4ter, welchen wir auch gleichf\u00f6rmig lehren, mit klaren, gemeinen verst\u00e4ndlichen Worten erz\u00e4hlen wollen. <\/p>\n<p>Artikel III. Von Christo.<\/p>\n<p>52] Den dritten Artikel lassen ihnen die Widersacher gefallen, da wir bekennen, da\u00df in Christo zwei Naturen sind, n\u00e4mlich, da\u00df Gottes Sohn die menschliche Natur hat angenommen und also Gott und Mensch eine Person, ein Christus ist; und da\u00df derselbe f\u00fcr uns hat gelitten und ist gestorben, uns dem Vater zu vers\u00f6hnen; und da\u00df er auferstanden ist, da\u00df er ein ewig Reich besitze alle Gl\u00e4ubigen heilige und gerecht mache usw., wie das Credo der Apostel und Symbolum Nic\u00e4num lehrt. <\/p>\n<p>Artikel IV. (II.) Wie man vor Gott fromm und gerecht wird.<\/p>\n<p>1] Im vierten, f\u00fcnften und sechsten und hernach im zwanzigsten Artikel verdammen die Widersacher unser Bekenntnis, da\u00df wir lehren, da\u00df die Gl\u00e4ubigen Vergebung der S\u00fcnden durch Christum ohne alles Verdienst allein durch den Glauben erlangen, und verwerfen gar trotziglich beides. Erstlich, da\u00df wir nein dazu sagen, da\u00df den Menschen durch ihre Verdienst sollten die S\u00fcnden vergeben werden. Zum andern, da\u00df wir halten, lehren und bekennen, da\u00df niemand Gott vers\u00f6hnt wird, niemand Vergebung der S\u00fcnden erlangt denn allein durch den Glauben an Christum. 2] Dieweil aber solcher Zank ist \u00fcber dem h\u00f6chsten, vornehmsten Artikel der ganzen christlichen Lehre, also da\u00df an diesem Artikel ganz viel gelegen ist, welcher auch zu klarem, richtigem Verstande der ganzen Heiligen Schrift vornehmlich dient und zu dem unaussprechlichen Schatze und der rechten Erkenntnis Christi allein den Weg weist, auch in die ganze Bibel allein die T\u00fcr auftut, ohne welchen Artikel auch kein arm Gewissen einen rechten, best\u00e4ndigen, gewissen Trost haben oder die Reicht\u00fcmer der Gnade Christi erkennen mag: so bitten wir, kaiserliche Majest\u00e4t wolle von dieser grossen, tapfern [ernsten], hochwichtigen Sache nach Notdurft und gn\u00e4diglich uns h\u00f6ren. 3] Denn dieweil die WIdersacher gar nicht verstehen noch wissen, was durch diese Worte in der Schrift zu verstehen, was Vergebung der S\u00fcnden sei, was Glaube, was Gnade, was Gerechtigkeit sei, so haben sie diesen edeln, hochn\u00f6tigen, vornehmsten Artikel, ohne welchen niemand Christum erkennen w\u00fcrde, j\u00e4mmerlich besudelt und den hohen, teuren Schatz der Erkenntnis Christi, oder was Christus und sein Reich und Gnade sei, gar unterdr\u00fcckt und den armen Gewissen einen solchen, so edeln, grossen Schatz und ewigen Trost, daran es gar gelegen, j\u00e4mmerlich geraubt. 4] Da\u00df wir aber unser Bekenntnis bekr\u00e4ftigen und was die Widersacher vorgebracht, verlegen [widerlegen] m\u00f6gen, so wollen wir zuvor erst anzeigen Grund und Ursache beiderlei Lehre, damit jeder Teil klarer zu vernehmen sei.<\/p>\n<p>5] Die ganze Schrift beide Alten und Ne\u00fcn Testaments wird in die zwei St\u00fccke geteilt und lehrt diese zwei St\u00fccke, n\u00e4mlich Gesetz und g\u00f6ttliche Verheissungen. Denn an etlichen Orten h\u00e4lt sie uns vor das Gesetz, an etlichen bietet sei Gnade an durch die herrlichen Verheissungen von Christo; als, wenn im Alten Testament die Schrift verheisst den zuk\u00fcnftigen Christum und bietet ewigen Segen, Benedeiung, ewiges Heil, Gerechtigkeit und ewiges Leben durch ihn an, oder im Ne\u00fcn Testament, wenn Christus, sieder [seitdem] er gekommen ist auf Erden, im Evangelio verheisst Vergebung der S\u00fcnden, ewige Gerechtigkeit und ewiges Leben. 6] Heir aber, an dem Orte, nennen wir das Gesetz die zehn Gebote Gottes, wo dieselben in der Schrift gelesen werden. Von den Zeremonien und den Gesetzen der Gerichtsh\u00e4ndel wollen wir hier nicht reden.<\/p>\n<p>7] Von diesen zwei St\u00fccken nehmen nun die Widersacher das Gesetz vor sich. Denn dieweil das nat\u00fcrliche Gesetz, welches mit dem Gesetz Mosis oder [den] zehn Geboten \u00fcbereinstimmt, in aller Menschen Herzen angeboren und geschrieben ist, und also die Vernunft etlichermassen die zehn Gebote fassen und verstehen kann, will sie w\u00e4hnen, sie habe genug am Gesetz, und durchs Gesetz k\u00f6nne man Vergebung der S\u00fcnden erlangen. 8] Die zehn Gebote aber erfordern nicht allein ein \u00e4usserlich ehrbar Leben oder gute Werke, welche die Vernunft etlichermassen vermag zu tun, sondern erfordern etwas viel H\u00f6heres. welches \u00fcber alle menschlichen Kr\u00e4fte, \u00fcber alles Verm\u00f6gen der Vernunft ist; n\u00e4mlich will das Gesetz von uns haben, da\u00df wir Gott sollen mit ganzem Ernst von Herzensgrund f\u00fcrchten und lieben, ihn in allen N\u00f6ten allein anrufen und sonst auf nichts einigen Trost setzen. Item, das Gesetz will haben, da\u00df wir nicht weichen noch wanken sollen, sondern aufs allergewisseste im Herzen schliessen, da\u00df Gott bei uns sei, unser Gebet erh\u00f6rt, und da\u00df unser Seufzen und Bitten Ja sei; item, da\u00df wir von Gott noch Leben und allerlei Trost erwarten sollen mitten im Tode, in allen Anfechtungen seinem WIllen uns g\u00e4nzlich [an]heimgeben, in Tod und Tr\u00fcbsal nicht von ihm fliehen, sondern ihm gehorsam sein, gerne alles tragen und leiden, wie es uns geht.<\/p>\n<p>9] Hier haben die Scholastici den Philosophis gefolgt, und wenn sie wollen sagen, wie man vor Gott fromm wird, lehren sie allein eine Gerechtigkeit und Fr\u00f6mmigkeit, da ein Mensch \u00e4usserlich vor er Welt ein ehrbar Leben f\u00fchrt und gute Werke tut, und erdichten diesen Traum dazu, da\u00df die menschliche Vernunft ohne den Heiligen Geist verm\u00f6ge Gott \u00fcber alles zu lieben. Denn wohl ist\u2019s wahr, wenn ein Menschenherz m\u00fcssig ist und nicht in Anfechtungen, und dieweil es Gottes Zorn und Gericht nicht f\u00fchlt, so mag es einen solchen Traum ihm erdichten, als liebe es Gott \u00fcber alles und t\u00fc viel Gutes, viele Werke um Gottes willen; aber es ist eitel Heuchelei. Und auf die Weise haben doch die Widersacher gelehrt, da\u00df die Menschen Vergebung der S\u00fcnden verdienen, wenn sie so viel tun, als an ihnen ist, das ist, wenn die Vernunft ihr l\u00e4sst die S\u00fcnde leid sein und erdichtet einen Willen dazu, Gott zu lieben. 10] Und diese Meinung und irrige Lehre, dieweil die Leute nat\u00fcrlich dazu geneigt sind, da\u00df ihre Verdienste und Werke vor Gott etwas geachtet und verdienen m\u00f6chten, hat unz\u00e4hlig viel missbr\u00e4uchliche Gottesdienste in der Kirche angerichtet und geursacht, als [da] sind die Klostergel\u00fcbde, Missbr\u00e4uche der Messe, wie denn solches unz\u00e4hlig, immer ein Gottesdienst \u00fcber den andern, aus diesem Irrtum erdacht ist. 11] Und da\u00df nur solch Vertra\u00fcn auf unsere Verdienste und Werke immer weiter ausgebreitet worden, haben sie unversch\u00e4mt d\u00fcrfen sagen und schliessen, Gott der Herr m\u00fcsse von Not Gnade geben denjenigen, die also gute Werke tun, nicht da\u00df er gezwungen w\u00e4re, sondern da dies die Ordnung also sei, die Gott nicht \u00fcbergehe noch \u00e4ndere.<\/p>\n<p>12] Und in diesen St\u00fccken, eben in dieser Lehre, sind viel andere grosse, ganz sch\u00e4dliche Irrt\u00fcmer und schreckliche L\u00e4sterungen Gottes begriffen und verborgen, welche alle bei Namen zu erz\u00e4hlen jetzt zu lang w\u00e4re. Allein das wolle doch um Gottes willen ein jeglicher christlicher Leser bedenken: K\u00f6nnen wir durch solche Werke vor Gott fromm und Christen werden, so wollte ich gerne h\u00f6ren (und versucht alle e\u00fcr Bestes, hier zu antworten), was doch f\u00fcr Unterschied sein wollte zwischen der Philosophen und Christi Lehre. So wir Vergebung der S\u00fcnden erlangen m\u00f6gen durch solche unsere Werke oder actus elicitos, was hilft und dann Christus? K\u00f6nnen wir heilig und fromm vor Gott werden durch nat\u00fcrliche Vernunft und unsere eigenen guten Werke, was [be]d\u00fcrfen wir denn des Blutes und Todes Christi, oder da\u00df wir durch ihn neugeboren werden, wie Petrus 1 Petr. 1, 18ff, sagt? 13] Und aus dem [ge]f\u00e4hrlichen Irrtum (dieweil man solchen \u00f6ffentlich in Schulen gelehrt und auf den Predigtst\u00fchlen getrieben), ist es leider dahin geraten, da\u00df auch grosse Theologen zu L\u00f6wen, Paris usw. von keiner andern christlichen Fr\u00f6mmigkeit oder Gerechtigkeit gewusst haben (obwohl alle Buchstaben und Syllaben im Paulo anders lehren) denn von der Fr\u00f6mmigkeit, welche die Philosophie lehrt. Und so es uns billig fremd sein sollte, und wir billig sie verlachen sollten, verlachen sie uns, ja verspotten Paulum selbst. 14] Also gar ist der sch\u00e4ndliche, greuliche Irrtum eingerissen. Ich habe selbst einen grossen Prediger geh\u00f6rt, welcher Christi und des Evangeliums nicht gedacht und Aristotelis &#8220;Ethicorum&#8221; predigte; heisst das nicht kindisch, n\u00e4rrisch unter Christen gepredigt? Aber ist der Widersacher Lehre wahr, so ist das &#8220;Ethicorum&#8221; ein k\u00f6stlich Predigtbuch und eine feine ne\u00fc Bibel. 15] Denn von \u00e4usserlich ehrbarem Leben wird nicht leicht jemand besser schreiben denn Aristoteles. Wir sehen, da\u00df etliche Hochgelehrte haben B\u00fccher geschrieben, darin sie anzeigen, als stimmten die Worte Christi und die Spr\u00fcche Sokratis und Zenonis fein zusammen, gleich als sie Christus gekommen, da\u00df er gute Gesetze und Gebote gebe, durch welche wir Vergebung der S\u00fcnden verdienen sollten, und nicht vielmehr Gnade und Frieden Gottes zu verk\u00fcnden und den Heiligen Geist au\u00dfuteilen durch sein Verdienst und Blut. 16] Darum so wir der Widersacher Lehre annehmen, da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden verdienen m\u00f6gen aus Verm\u00f6gen nat\u00fcrlicher Vernunft und [durch] unsere Werke, so sind wir schon aristotelisch und nicht christisch, und ist kein Unterschied zwischen ehrbarem, heidnischem, zwischen pharis\u00e4ischem und christlichem Leben, zwischen der Philosophie und dem Evangelio.<\/p>\n<p>17] Wiewohl nun die WIdersacher, damit sie des Namens Christi nicht gar als die gottlosen, rohen Heiden schweigen, also vom Glauben reden, da\u00df sie sagen, es sei eine Erkenntnis der Historie von Christo, und wiewohl sie von Christo auch dennoch etwas sagen, n\u00e4mlich da\u00df er uns verdient habe einen habitum oder, wie sie es nennen, primam gratiam, die erste Gnade, welche sei achten f\u00fcr eine Neigung, dadurch wir dennoch Gott leichter denn sonst lieben k\u00f6nnen: so ist es doch eine schwache, geringe, kleine, schlechte Wirkung, die Christus also h\u00e4tte, oder die durch solchen habitus gesch\u00e4he. Denn sie sagen nichtsdestoweniger, da\u00df die Werke unserer Vernunft und Willens, ehe derselbe habitus da ist, und auch danach, wenn derselbe habitus da ist, eiusdem speciei, das ist, vor und nach einerlei und ein Ding sei. Denn sie sagen, da\u00df unsere Vernunft und menschlicher Wille an ihm selbst verm\u00f6ge, Gott zu lieben, allein der habitus bringe eine Neigung, da\u00df die Vernunft dasselbe, das sie zuvor wohl vermag, desto lieber und leichter t\u00fc. Darum lehren sie auch, da\u00df derselbe habitus m\u00fcsse verdient werden durch unsere vorgehenden Werke, und da\u00df wir durch die Werke des Gesetzes Vermehrung solcher guten Neigung und das ewige Leben verdienen. 18] Also verbergen uns die Leute Christum und begraben ihn aufs ne\u00fc, da\u00df wir ihn nicht f\u00fcr einen Mittler erkennen k\u00f6nnen. Denn sie schweigen gar, da\u00df wir lauter aus Gnaden, ohne Verdienst Vergebung der S\u00fcnden durch ihn erlangen, sondern bringen ihre Tr\u00e4ume aus, als k\u00f6nnten wir durch gute Werke und des Gesetzes Werke Vergebung der S\u00fcnden verdienen, so doch die ganze Schrift sagt, da\u00df wir das Gesetz nicht verm\u00f6gen zu erf\u00fcllen oder zu halten. Und so die Vernunft am Gesetz nichts ausrichtet, denn da\u00df sie allein \u00e4usserliche Werke tut, im Herzen aber f\u00fcrchtet sie Gott nicht, so glaubt sie auch nicht, da\u00df Gott ihrer wahrnehme. Und wiewohl sie von dem habitus also reden, so ist es doch gewiss, da\u00df ohne den Glauben an Christum rechte Gottesliebe in keinem Herzen sein kann; so kann auch niemand verstehen, was Gottes Liebe ist, ohne den Glauben.<\/p>\n<p>19] Da\u00df sie aber einen Unterschied erdichten unter dem meritum congrui und meritum condigni, unter dem geb\u00fchrlichen Verdienst und rechtem, ganzem Verdienst, spielen und zanken sie allein mit Worten, damit sie sich nicht \u00f6ffentlich als Pelagianer merken lassen. Denn so Gott von Not muss Gnade geben um Geb\u00fchrverdienst, so ist es nicht Geb\u00fchrverdienst, sondern eine rechte Pflicht und ganz Verdienst, wiewohl sie selbst nicht wissen, was sie sagen. Denn sie erdichten und tr\u00e4umen, da\u00df, wenn der habitus der Liebe Gottes (davon ober gesagt), da ist, so verdiene der Mensch geb\u00fchrlich oder de congruo [de condigno, mit ganzem Verdienst] die Gnade Gottes, und sagen doch, es k\u00f6nne niemand so gewiss sein, ob derselbe habitus da sei. 20] Nun h\u00f6rt, liebe Herren, wie wissen sie denn, oder wann wissen wie es, ob sie geb\u00fchrlich oder durch ganz Verdienst, f\u00fcr voll oder halb, unserm Herrgott seine Gnade abverdienen? Aber, ach lieber Herr Gott! das sind eitel kalte Gedanken und Tr\u00e4ume m\u00fcssiger, heilloser, unerfahrener Leute, welche die Bibel nicht viel in Praktiken bringen, die gar nicht wissen noch erfahren, wie einem S\u00fcnder ums Herz ist, was Anfechtungen des Todes oder des Teufels sind, die gar nicht wissen, wie rein wir alles Verdienstes, aller Werke vergessen, wenn das Herz Gottes Zorn f\u00fchlt, oder das Gewissen in \u00cbngsten ist. Die sicheren, unerfahrenen Leute gehen wohl immer dahin in dem Wahn, als verdienten sie mit ihren Werken de congruo Gnade. Denn es ist ohne das uns angeboren nat\u00fcrlich, da\u00df wir von uns selbst und unsern Werken gern etwas viel wollten halten. Wenn aber ein Gewissen recht seine S\u00fcnde und Jammer f\u00fchlt, so ist aller Scherz, so sind alle Spielgedanken aus, und ist eitel grosser, rechter Ernst; da l\u00e4sst sich kein Herz noch Gewissen stillen noch zufriedenstellen, sucht allerlei Werke und aber[mals] Werke und wollte gern Gewissheit, wollte gern Grund f\u00fchlen und gewiss auf etwas fu\u00dfen und ruhen. Aber dieselben erschrockenen Gewissen f\u00fchlen wohl, da\u00df man de condigno noch de congruo nichts verdienen kann, sinken bald dahin in Verzagen und Verzweiflung, wenn ihnen nicht ein anderes Wort denn des Gesetzes Lehre, n\u00e4mlich das Evangelium von Christo, da\u00df der f\u00fcr uns gegeben ist, gepredigt wird. Daher weiss man etliche Historien, da\u00df die Barf\u00fcsserm\u00f6nche, wenn sie etlichen guten Gewissen an [in] der Todesstunde lange haben umsonst ihren Orden und gute Werke gelobt, da\u00df sie zuletzt haben m\u00fcssen ihres Ordens und St. Franzisken schweigen und dies Wort sagen: Lieber Mensch, Christus ist f\u00fcr dich gestorben! da\u00df hat in \u00cbngsten erquickt und erk\u00fchlt, Frieden und Trost allein gegeben.<\/p>\n<p>21] Also lehren die Widersacher nichts denn eine \u00e4usserliche Fr\u00f6mmigkeit \u00e4usserlicher guter Werke, welche Paulus des Gesetzes Fr\u00f6mmigkeit nennt, und sehen also, wie die Juden, das verdeckte Angesicht Mosis, tun nichts, denn da\u00df sie in etlichen sicheren Heuchlern die Sicherheit und H\u00e4rtigkeit st\u00e4rken, f\u00fchren die Leute auf einen Sandgrund, aus ihre eigenen Werke, dadurch Christus und das Evangelium verachtet wird, geben manchen elenden Gewissen Ursache zur Verweiflung; denn sie tun gute Werke auf ungewissen Wahn, erfahren nimmer, wie ein gross, kr\u00e4ftig Ding der Glaube ist, fallen zuletzt ganz in Verzweiflung.<\/p>\n<p>22] Wir halten und reden von der \u00e4usserlichen Fr\u00f6mmigkeit also, da\u00df Gott wohl fordert und haben will ein solch \u00e4usserlich ehrbar Leben, und um Gottes Gebotes willen m\u00fcsse man dieselben guten Werke tun, welche in [den] zehn Geboten werden geboten. Denn das Gesetz ist unser Zuchtmeister und das Gesetz ist den Ungerechten gegeben. Denn Gott der Herr will, da\u00df den groben S\u00fcnden durch eine \u00e4usserliche Zucht gewehrt werde, und dasselbe zu erhalten, gibt er Gesetze, ordnet Obrigkeit, gibt gelehrte, weise Leute, die zum Regiment dienen. 23] Und also \u00e4usserlich ehrbaren Wandel und Leben zu f\u00fchren, vermag etlichermassen die Vernunft aus ihren Kr\u00e4ften, wiewohl sie oft durch angeborne Schwachheit und durch List des Teufels auch daran gehindert wird. 24] Wiewohl ich nun einem solchen \u00e4usserlichen Leben und den guten Werken gerne so viel Lobes lasse, als ihm geb\u00fchrt; denn in diesem Leben und im weltlichen Wesen ist je nichts Besseres denn Redlichkeit und Tugend, wie denn Aristoteles sagt, da\u00df weder der Morgenstern noch Abendstern lieblicher und sch\u00f6ner sei denn Ehrbarkeit und Gerechtigkeit, wie denn Gott solche Tugend auch belohnt mit leiblichen Gaben: so soll man doch gute Werke und solchen Wandel nicht also hoch haben, da\u00df es Christo zur Schmach [ge]reiche.<\/p>\n<p>25] Denn also schliesse ich und bin des gewiss: erdichtet ist\u2019s und nicht wahr, da\u00df wir durch unsere Werke sollten Vergebung der S\u00fcnden verdienen.<\/p>\n<p>26] Auch ist\u2019s L\u00fcge und nicht wahr, da\u00df ein Mensch vor Gott k\u00f6nne gerecht und fromm werden durch seine Werke und \u00e4usserliche Fr\u00f6mmigkeit.<\/p>\n<p>27] Auch ist es Ungrund und nicht wahr, da\u00df die menschliche Vernunft aus ihren Kr\u00e4ften verm\u00f6gen sollte, Gott \u00fcber alles zu lieben, sein Gebot zu halten, ihn zu f\u00fcrchten, gewiss darauf zu stehen, da\u00df Gott das Gebet erh\u00f6re, Gott zu danken und gehorsam zu sein in Tr\u00fcbsalen und anderm, was Gottes Gesetz gebietet, als, nicht fremdes Gut begehren usw. Denn das alles vermag die Vernunft nicht, wiewohl sie \u00e4usserlich ehrbares Leben und gute Werke etlichermassen vermag.<\/p>\n<p>28] Auch ist es erdichtet und nicht wahr und eine L\u00e4sterung wider Christum, da\u00df diejenigen sollten ohne S\u00fcnde sein, die Gottes Gebote allein \u00e4usserlich halten ohne Geist und Gnade im Herzen.<\/p>\n<p>29] Dieses meines Beschlusses habe ich Zeugnis nicht allein aus der Heiligen Schrift, sondern auch aus den alten V\u00e4tern. Augustinus redet und handelt solches aufs allerreichlichste wider die Pelagianer, da\u00df die Gnade nicht gegeben wird um unsers Verdienstes willen. Und im Buche De Natura et Gratia, das ist, von der Natur und Gnade, sagt er also: &#8220;So das Verm\u00f6gen der Natur durch den freien Willen genug ist, beide, zu erkennen, wie man leben soll, und also recht zu leben, so ist Christus umsonst gestorben. Warum sollte ich hier auch nicht rufen und schreien mit Paulo? 30] Ich mag billig schreien: \u2018Ihr habt Christum verloren, die ihr durch des Gesetzes Werke gerecht werden wollt, und seid von der Gnade gefallen.\u2019 Denn ihr erkennt die Gerechtigkeit nicht, die vor Gott gilt, und trachtet eure eigene Gerechtigkeit aufzurichten, und seid der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, nicht untertan. Denn wie das Ende des Gesetzes Christus ist, also ist auch der Heiland der verderbten Natur Christus. 31] Item, Joh. 8, 36: \u2018So euch der Sohn freimacht, so seid ihr recht frei.\u2019&#8221; Derhalben k\u00f6nnen wir durch die Vernunft oder unsere guten Werke nicht frei werden von den S\u00fcnden oder Vergebung der S\u00fcnden verdienen. Item, Joh. am 3, 5 steht geschrieben: &#8220;Es sei denn, da\u00df jemand neugeboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.&#8221; So nun das dazu geh\u00f6rt, da\u00df wir durch den Heiligen Geist m\u00fcssen neugeboren werden, so werden uns unsere guten Werke oder eigen Verdienst nicht rechtfertig machen vor Gott, so k\u00f6nnen wir das Gesetz nicht halten noch erf\u00fcllen. 32] Item, R\u00f6m. 3, 23: &#8220;Sie sind allzumal S\u00fcnder und mangeln des Ruhmes, den sie an Gott haben sollten&#8221;, das ist, ihnen mangelt die Weisheit und Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, dadurch sie Gott recht erkennen, gross achten und preisen sollten. Item, R\u00f6m. 8, 7. 8: &#8220;Fleischlich gesinnet sein, ist eine Feindschaft wider Gott, sintemal es dem Gesetz Gottes nicht untertan ist, denn es vermag es auch nicht; die aber fleischlich gesinnet sind, m\u00f6gen Gott nicht gefallen.&#8221; 33] Das sind so gar klare, helle Spr\u00fcche der Schrift, da\u00df sie nicht so scharfes Verstandes bed\u00fcrfen, sondern allein, da\u00df man\u2019s lese und die klaren Worte wohl ansehe, wie auch Augustinus in der Sache sagt. Ist nun die Vernunft und fleischlich gesinnt sein eine Feindschaft wider Gott, so kann kein Mensch ohne den Heiligen Geist herzlich Gott lieben. Item, ist fleischlich gesinnt sein wider Gott, so sind wahrlich die besten guten Werke unrein und S\u00fcnden, die immer ein Adamskind tun mag. Item, kann das Fleisch Gottes Gesetz nicht untertan sein, so s\u00fcndigt wahrlich auch ein Mensch, wenn er gleich edle, sch\u00f6ne, k\u00f6stliche gute Werke tut, die die Welt grossachtet. 34] Die Widersacher sehen allein die Gebote an der andern Tafel Mosis, die da auch von der \u00e4usserlichen Ehrbarkeit redet, welche die Vernunft besser vernimmt, und wollen w\u00e4hnen, mit solchen \u00e4usserlichen guten Werken halten sie Gottes Gesetz. Sie sehen aber die erste Tafel nicht an, welche gebietet und von uns haben will, da\u00df wir Gott herzlich sollen lieben, daran gar nicht wanken noch zweifeln sollen, da\u00df Gott um der S\u00fcnde willen z\u00fcrne, da\u00df wir Gott herzlich f\u00fcrchten sollen, da\u00df wir uns gewiss in unsern Herzen sollen darauf verlassen, Gott sei nicht ferne, er erh\u00f6re unser Gebet usw. Nun sind wir, ehe wir durch den Heiligen Geist neugeboren werden, alle der Art aus Adam, da\u00df unser Herz in Sicherheit Gottes Zorn, Urteil und Dr\u00e4\u00fcn verachtet, seinem Urteil und Strafen geh\u00e4ssig und feind ist. 35] So nun alle Adamskinder in so grossen S\u00fcnden geboren werden, da\u00df wir alle von Art Gott verachten, sein Wort, seine Verheissung und Dr\u00e4\u00fcn in Zweifel setzen, so m\u00fcssen wahrlich unsere besten guten Werke, die wir tun, ehe wir durch den Heiligen Geist neugeboren werden, s\u00fcndliche und verdammte Werke vor Gott sein, wenn sie gleich vor der Welt sch\u00f6n sind; denn sie gehen aus einem b\u00f6sen, gottlosen, unreinen Herzen, wie Paulus sagt R\u00f6m. 14, 23: &#8220;Was nicht aus dem Glauben gehet, das ist S\u00fcnde.&#8221; Denn alle solche Werkheilige tun Werke ohne Glauben, verachten Gott im Herzen und glauben als wenig, da\u00df Gott sich ihrer annehme, als Epikurus geglaubt hat. Die Verachtung Gottes inwendig muss je die Werke unfl\u00e4tig und s\u00fcndlich machen, wenn sie gleich vor den Leuten sch\u00f6n sind; denn Gott forscht die Herzen.<\/p>\n<p>36] Zuletzt, so ist je das auch aufs n\u00e4rrischste und ungeschickteste von den Widersachern geredet, da\u00df die Menschen, die auch ewiges Zornes schuldig sind, Vergebung der S\u00fcnden erlangen durch die Leibe oder actum elicitum dilectionis, so es doch unm\u00f6glich ist, Gott zu lieben, wenn das Herz nicht erst durch den Glauben Vergebung der S\u00fcnden ergriffen hat. Denn es kann je ein Herz, das in \u00cbngsten ist und Gottes Zorn recht f\u00fchlt, Gott nicht lieben, er gebe denn dem Herzen Luft, er tr\u00f6ste und erzeige sich denn wieder gn\u00e4dig. Denn dieweil er schreckt und also uns angreift, als wolle er uns in ewiger Ungnade in den ewigen Tod von sich stossen, so muss der armen schwachen Natur das Herz und Mut entfallen und muss je vor so grossem Zorn erzittern, der so greulich schreckt und straft, und kann je alsdann, ehe Gott selbst tr\u00f6stet, kein F\u00fcnklein Liebe f\u00fchlen. 37] M\u00fcssige und unerfahrene Leute m\u00f6gen ihnen wohl selbst einen Traum von der Liebe erdichten, darum reden sie auch so kindisch davon, da\u00df einer, der gleich einer Tods\u00fcnde schuldig ist, k\u00f6nne gleichwohl Gott \u00fcber alles lieben; denn sie wissen noch nicht recht, was S\u00fcnde f\u00fcr eine Last, was f\u00fcr eine grosse Qual sei, Gottes Zorn f\u00fchlen. Aber fromme Herzen, die es im rechten Kampf mit dem Satan und rechten \u00cbngsten des Gewissens erfahren haben, die wissen wohl, da\u00df solche Worte und Gedanken eitel Gedanken, eitel Tr\u00e4ume sind. Paulus sagt: &#8220;Das Gesetz richtet nur Zorn an&#8221;, R\u00f6m. 4, 15. 38] Er sagt nicht, da\u00df durch das Gesetz die Leute verdienen Vergebung der S\u00fcnden. Denn das Gesetz klagt allzeit das Gewissen an und erschreckt\u2019s. Derhalben macht das Gesetz niemand fromm und gerecht vor Gott; denn ein erschrocken Gewissen fleucht vor Gott und seinem Urteil. Derhalben irren diejenigen, die durch ihre Werke oder durch das Gesetz wollen verdienen Vergebung der S\u00fcnden. 39] Dieses sei genug gesagt von der Gerechtigkeit der Werkheiligen oder der Vernunft, welche die Widersacher lehren. Denn bald hernach, wenn wir werden sagen von der Fr\u00f6mmigkeit und Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, die aus dem Glauben kommt, wird die Sache an ihr selbst mit sich bringen, mehr Spr\u00fcche aus der Schrift einzuf\u00fchren, welche denn alle auch gleich stark dienen werden, die obangezeigten Irrt\u00fcmer der Widersacher umzustossen<\/p>\n<p>40] Dieweil denn kein Mensch aus seinen Kr\u00e4ften Gottes Gesetz zu halten vermag, und sind alle unter der S\u00fcnde, schuldig des ewigen Zornes und Todes, so k\u00f6nnten wir durch das Gesetz der S\u00fcnde nicht los noch vor Gott fromm werden, sondern es ist verheissen Vergebung der S\u00fcnden und Gerechtigkeit durch Christum, welcher f\u00fcr uns gegeben ist, da\u00df er die S\u00fcnden der Welt bezahlte, und ist der einige Mittler und Erl\u00f6ser. 41] Und diese Verheissung lautet nicht also: Durch Christum habt ihr Gnade, Heil usw., wo ihr\u2019s verdient, sondern lauter aus Gnade bietet er an Vergebung der S\u00fcnden, wie Paulus sagt: &#8220;So aus den Werken Vergebung der S\u00fcnden ist, so ist\u2019s nicht Gnade.&#8221; Und an einem andern Ort: &#8220;Diese Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, ist ohne Gesetz offenbart&#8221;, das ist, umsonst wird Vergebung der S\u00fcnden angeboten. Und darum liegt\u2019s nicht an unserm Verdienst, da\u00df wir Gott vers\u00f6hnt werden. 42] Denn wenn\u2019s an unserm Verdienst l\u00e4ge, Vergebung der S\u00fcnden und die Vers\u00f6hnung Gottes aus dem Gesetz w\u00e4re, so w\u00e4re es verloren und w\u00e4ren wir wahrlich \u00fcbel Gott vereinigt und vers\u00f6hnt. Denn wir halten das Gesetz nicht und verm\u00f6gen es nicht zu halten; so w\u00fcrde folgen, da\u00df wir auch die zugesagte Gnade und Vers\u00f6hnung nimmermehr erlangten. Denn also schleusst Paulus zu den R\u00f6mern am 4, 14: &#8220;So aus dem Gesetz das Erbe ist, so ist der Glaube nichts, und die Verheissung ist ab.&#8221; So sich nun die Verheissung gr\u00fcndete auf unser Verdienst und auf das Gesetz, so folgte, dieweil wir das Gesetz nicht halten k\u00f6nnen, da\u00df die Verheissung vergeblich w\u00e4re.<\/p>\n<p>43] So wir aber vor Gott fromm und gerecht werden allein aus lauter Gnade und Barmherzigkeit, die in Christo verheissen ist, erfolgt, da\u00df wir durch unsere Werke nicht fromm werden. Denn was w\u00e4re sonst der herrlichen g\u00f6ttlichen Verheissungen vonn\u00f6ten, und was d\u00fcrfte Paulus die Gnade so hoch heben und preisen? Derhalben lehrt, r\u00fchmt, predigt und preist das Evangelium die Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt an Christum, welche nicht eine Gerechtigkeit des Gesetzes ist. 44] So lehrt auch das Gesetz davon nichts, und ist gar viel eine h\u00f6here Gerechtigkeit, denn des Geseztes Gerechtigkeit ist. Denn das Gesetz fordert von uns unsere Werke und will haben, da\u00df wir inwendig im Herzen gottesf\u00fcrchtig und ganz rechtschaffen sind. Aber die g\u00f6ttliche Zusage, die bietet uns an, als denjenigen, die von der S\u00fcnde und Tode \u00fcberw\u00e4ltigt sind, Hilfe, Gnade und Vers\u00f6hnung um Christus\u2019 willen, welche Gnade niemand mit Werken fassen kann, sondern allein durch den Glauben an Christum. 45] Derselbe Glaube bringt noch schenkt Gott dem Herrn kein Werk, kein eigen Verdienst, sondern baut bloss auf lauter Gnade und weiss sich nichts zu tr\u00f6sten noch zu verlassen denn allein auf Barmherzigkeit, die verheissen ist in Christo. Derselbe Glaube nun, da ein jeder f\u00fcr sich glaubt, da\u00df Christus f\u00fcr ihn gegeben ist, der erlangt allein Vergebung der S\u00fcnden um Christus\u2019 willen und macht uns vor Gott fromm und gerecht. Und dieweil derselbe in rechtschaffener Busse ist, unsere Herzen auch im Schrecken der S\u00fcnde und des Todes wieder aufrichtet, so werden wir durch denselben neugeboren, und kommt durch den Glauben der Heilige Geist in unser Herz, welcher unsere Herzen verne\u00fcrt, da\u00df wir Gottes Gesetz halten k\u00f6nnen, Gott recht lieben, gewisslich f\u00fcrchten, nicht wanken noch zweifeln, Christus sei uns gegeben, er erh\u00f6re unser Rufen und Bitten, und da\u00df wir in Gottes Willen uns fr\u00f6hlich geben k\u00f6nnen auch mitten im Tode. 46] Also derselbe Glaube, der aus Gnaden umsonst empf\u00e4ngt und erlangt Vergebung der S\u00fcnde, ist rechtschaffen, der gegen Gottes Zorn nicht sein Verdienst oder Werk setzt, welches ein Federlein gegen einen Sturmwind w\u00e4re, sondern der Christum der Mittler darstellt; und derselbe Glaube ist eine rechte Erkenntnis Christi. Wer also glaubt, der erkennt die grosse Wohltat Christi und wird eine ne\u00fc Kreatur; und ehe ein solcher Glaube im Herzen ist, kann niemand das Gesetz erf\u00fcllen. 47] Von demselben Glauben und Erkenntnis Christi ist nicht eine Syllabe, nicht ein T\u00fcttel in allen B\u00fcchern der Widersacher. Darum schelten wir auch die Widersacher, da\u00df sie allein das Gesetz lehren von unsern Werken und nicht das Evangelium, das da lehrt, da\u00df man gerecht werde, wenn man an Christum glaubt. <\/p>\n<p>Was der Glaube sei, der vor Gott fromm und gerecht macht.<\/p>\n<p>48] Die Widersacher wollen w\u00e4hnen, der Glaube sei dieses, da\u00df ich wisse oder geh\u00f6rt habe die Historie von Christo; darum lehren sie, ich k\u00f6nne wohl glauben, ob ich gleich in Tods\u00fcnden sei. Darum, von dem rechten christlichen Glauben, davon Paulus an allen Orten so oft redet, da\u00df wir durch den Glauben vor Gott fromm werden, da wissen oder reden sie gar nichts von. Denn welche vor Gott heilig und gerecht geachtet werden, die sind je nicht in Tods\u00fcnden. Darum, der Glaube, welcher vor Gott fromm und gerecht macht, ist nicht allein dieses, da\u00df ich wisse die Historie, wie Christus geboren, gelitten usw. (das wissen die Teufel auch), sondern ist die Gewissheit oder das gewisse, starke Vertra\u00fcn im Herzen, da ich mit ganzem Herzen die Zusage Gottes f\u00fcr gewiss und wahr halte, durch welche mir angeboten wird ohne mein Verdienst Vergebung der S\u00fcnden, Gnade und alles Heil durch den Mittler Christum. Und damit da\u00df niemand w\u00e4hne, es sei allein ein blosses Wissen der Historie, so setze ich das dazu: Der Glaube ist, da\u00df sich mein ganzen Herz desselben Schatzes annimmt, und ist nicht mein Tun, nicht mein Schenken noch Geben, nicht mein Werk oder Bereiten; sondern da\u00df ein Herz sich des tr\u00f6stet und ganz darauf verl\u00e4sst, da\u00df Gott uns schenkt, uns gibt, und wir ihm nicht, da\u00df er uns mit allem Schatz der Gnade in Christo \u00fcbersch\u00fcttet.<\/p>\n<p>49] Aus diesem ist leicht zu merken Unterschied zwischen dem Glauben und zwischen der Fr\u00f6mmigkeit, die durchs Gesetz kommt. Denn der Glaube ist ein solcher Gottesdienst und latria, da ich mir schenken und geben lasse. Die Gerechtigkeit aber des Gesetzes ist ein solcher Gottesdienst, der da Gott anbietet unserer Werke. So will Gott nun durch den Glauben also geehrt sein, da\u00df wir von ihm empfangen, was er verheisst und anbietet.<\/p>\n<p>50] Da\u00df aber der Glaube nicht allein sei die Historie wissen, sondern der da festh\u00e4lt die g\u00f6ttlichen Verheissungen, zeigt Paulus genugsam an, der da sagt zu den R\u00f6mern am 4, 16: &#8220;Derhalben muss die Gerechtigkeit durch den Glauben kommen, auf da\u00df die Verheissung fest bleibe.&#8221; Da heftet und verbindet Paulus die zwei also zusammen, da\u00df, wo Verheissung ist, da muss auch Glaube sein usw.; und wiederum correlative, wo Verheissung ist, da fordert Gott auch Glauben. 51] Wiewohl noch klarer und schlechter zu zeigen ist, was der Glaube, der da gerecht macht, sei, wenn wir unser eigen Credo und Glauben ansehen. Denn im Symbolo steht je dieser Artikel: Vergebung der S\u00fcnden. Darum ist\u2019s nicht genug, da\u00df ich wisse oder glaube, da\u00df Christus geboren ist, gelitten hat, auferstanden ist, wenn wir nicht auch diesen Artikel, darum das alles endlich geschehen, glauben, n\u00e4mlich: Ich glaube, da\u00df mir die S\u00fcnden vergeben seien. Auf den Artikel muss das andere alles gezogen werden, n\u00e4mlich, da\u00df um Christus\u2019 willen, nicht um meines Verdienstes willen, uns die S\u00fcnden vergeben werden. 52] Denn was w\u00e4re not, da\u00df Gott Christum f\u00fcr unsere S\u00fcnden g\u00e4be, wenn unser Verdienst f\u00fcr unsere S\u00fcnden k\u00f6nnte genugtun?<\/p>\n<p>53] Derhalben, so oft wir reden von dem Glauben, der gerecht macht, oder fide iustificante, so sind allezeit diese drei St\u00fccke oder obiecta beieinander: erstlich, die g\u00f6ttliche Verheissung, zum andern, da\u00df dieselbe umsonst, ohne Verdienst Gnade anbietet, f\u00fcr das dritte, da\u00df Christi Blut und Verdienst der Schatz ist, durch welchen die S\u00fcnde bezahlt ist. Die Verheissung wird durch den Glauben empfangen; da\u00df sie aber ohne Verdienst Gnade anbietet, da geht alle unsere W\u00fcrdigkeit und Verdienst unter und zu Boden, wird gepriesen die Gnade und gro\u00dfe Barmherzigkeit. Das Verdienst Christi aber ist der Schatz; denn es mu\u00df je ein Schatz und edles Pfand sein, dadurch die S\u00fcnden aller Welt bezahlt sind. 54] Die ganze Schrift, Alten und Ne\u00fcn Teftaments, wenn sie von Gott und Glauben redet, braucht viel dieses Wortes: G\u00fcte, Barmherzigkeit, misericordia. Und die heiligen V\u00e4ter in allen ihren B\u00fcchern sagen alle, da\u00df wir durch Gnade, durch G\u00fcte, durch Vergebung selig werden. 55] Sooft wir nun das Wort Barmherzigkeit in der Schrift oder in den V\u00e4tern finden, follen wir wissen, da\u00df da vom Glauben gelehrt wird, der die Verhei\u00dfung solcher Barmherzigkeit fa\u00dft. Wiederum, sooft die Schrift vom Glaube redet, meint sie den Glauben, der auf lauter Gnade baut; 56] denn der Glaube nicht darum vor Gott fromm und gerecht macht, da\u00df er an ihm selbst unser Werk und unser ist, sondern allein darum, da\u00df er die verhei\u00dfene, angebotenen Gnade ohne Verdienst aus reichem Schatz geschenkt nimmt.<\/p>\n<p>57] Und solcher Glaube und Vertra\u00fcn auf Gottes Barmherzigkeit wird als der gr\u00f6\u00dfte, heiligste Gottesdienst gepriesen, sonderlich in propheten und Psalmen. Denn wiewohl das Gesetz nicht vornehmlich predigt Gnade und Vergebung der S\u00fcnden wie das Evangelium, so sind doch die Verhei\u00dfungen von dem k\u00fcnftigen Christo von einem Patriarchen auf den andern geerbt, und [sie] haben gewu\u00dft, auch geglaubt, da\u00df Gott durch den gebenedeiten Samen, durch Christum, wollte Segen, Gnade, Heil und Trost geben. Darum, so sie verstanden, da\u00df Christus sollte der Schatz sein, dadurch unsere S\u00fcnden bezahlt werden, haben sie gewu\u00dft, da\u00df unsere Werke eine solche gro\u00dfe Schuld nicht bezahlen k\u00f6nnten. Darum haben sie Vergebung der S\u00fcnden, Gnade und Heil ohne alles Verdienst empfangen und sind durch den Glauben an die g\u00f6ttliche Verhei\u00dfung, an das Evangelium von Christo, selig geworden als wohl als wir oder die Heiligen im Ne\u00fcn Testament. 58] Daher kommt\u2019s, da\u00df diese Worte: Barmherzigkeit, G\u00fcte, Glaube, so oft in Psalmen und Propheten wiederholt werden. Als im 130. Psalm: &#8220;So du willst, Her, achthaben auf Missetat, Her, wer wird bestehen?&#8221; Da bekennt David seine S\u00fcnde, r\u00fchmt nicht viel Verdienst, sagt auch weiter: &#8220;Denn bei dir ist Vergebung, da\u00df man sich f\u00fcrchte.&#8221; Da f\u00fchlt er wieder Trost und verl\u00e4\u00dft sich auf Gnade und Barmherzigkeit, verl\u00e4\u00dft sich auf die g\u00f6ttliche Zusage und spricht: &#8220;Meine Seele harret des Hern, Und ich warte auf sein Wort.&#8221; Und aber[mals]: &#8220;Meine Seele wartet doch auf den Hern.&#8221; Das ist, dieweil du verhei\u00dfen hast Vergebung der S\u00fcnden, so halte ich mich an die ZUsage, so verlasse und wage ich nicht auf die gn\u00e4dige Verhei\u00dfung. 59] Darum werden die heiligen Patriarchen vor Gott fromm und heilig auch nicht durchs Gesetz, sondern durch Gottes Zusage und den Glauben. Und sollte wahrlich jedermann sich hoch verwundern, warum die Wiudersacher doch so wenig oder gar nichts vom Glauben lehren, so sie doch sehen gar nahe in allen Syllaben der Bibel, da\u00df der Glaube f\u00fcr den allerh\u00f6chsten, edelsten, heiligsten, gr\u00f6\u00dften, angenehmsten, besten Gottesdienst gelobt und gepriesen wird, Also sagt er in 50. Psalm: &#8220;Rufe mich an in der Zeit der Not, und ich will dich erretten.&#8221; 60] Also nun und durch diese Weise will Gott uns bekannt werden. Also will er geehrt sein, da\u00df wir von ihm Gnade, Heil, alles Gute nehmen und empfangen sollen, und n\u00e4mlich aus Gnaden, nicht um unsers Verdienstes willen. Diese Erkenntnis ist gar eine edle Erkenntnis und ein gro\u00dfm\u00e4chtiger Trost in allen Anfechtungen, leiblichen und geistlichen, es komme zu sterben oder zu leben, wie fromme Herzen wissen; und denselben edeln, te\u00fcrn, gewissen Trost rauben und nehmen die Widersacher den armen Gewissen, wenn sie vom Glauben so kalt, so ver\u00e4chtlich reden und lehren und dagegen mit Gott, der hohen Majest\u00e4t, durch unser elend, bettelisch Werk und Verdienst handeln. <\/p>\n<p>Da\u00df der Glaude an Christum gerecht macht.<\/p>\n<p>61] F\u00fcr das erste, da\u00df niemand gedenke, wir reden von einem schlechten Wissen oder Erkenntnis der Historie von Christo, so m\u00fcssen wir erstlich Sagen, wie es zugeht, wie ein Herz anf\u00e4ngt zu glauben, und wie es zum Glauben kommt. Danach wollen wir anzeigen, da\u00df derselbe Glaube vor Gott fromm macht, und wie das zu verstehen sei, und wollen der Widersacher Gr\u00fcnde eigentlich klar und gewiss ablehnen. 62] Christus befiehlt Luc\u00e4 am letzten, zu predigen &#8220;Busse und Vergebung der S\u00fcnden&#8221;. Das Evangelium auch straft alle Menschen, da\u00df sie in S\u00fcnden geboren seien, und da\u00df sie alle schuldig des ewigen Zorns und Todes seien, und bietet ihnen an Vergebung der S\u00fcnden und Gerechtigkeit durch Christum. Und dieselbe Vergebung, Vers\u00f6hnung und Gerechtigkeit wird durch den Glauben empfangen. Denn die Predigt von der Busse oder diese Stimme des Evangelii: &#8220;Bessert euch, tut Busse&#8221;, wenn sie recht in der Herzen geht, erschreckt sie die Gewissen und ist nicht ein Scherz, sondern ein gross Schrecken, da das Gewissen seinen Jammer und S\u00fcnde und Gottes Zorn f\u00fchlt. In dem Erschecken sollen die Herzen wieder Trost suchen. Das geschieht, wenn sie glauben an die Verheissung von Christo, da\u00df wir durch ihn Vergebung der S\u00fcnden haben. Der Glaube, welcher in solchem Zagen und Schrecken die Herzen wieder aufrichtet und tr\u00f6stet, empf\u00e4ngt und empfindet Vergebung der S\u00fcnden, macht gerecht und bringt Leben; denn derselbe starke Trost ist eine ne\u00fc Geburt und ein neu Leben. 63] Dieses ist je einf\u00e4ltig und klar geredet; so wissen fromme Herzen, da\u00df es also ist; so sind die Exempel, da\u00df es mit allen Heiligen so gegangen von Anbeginn, in der Kirche vorhanden, wie an der Bekehrung Pauli und Augustini zu sehen ist. Die Widersacher haben nichts Gewisses, k\u00f6nnen nirgend recht sagen oder verst\u00e4ndlich davon reden, wie der Heilige Geist gegeben wird. Die erdichten ihnen eigene Tr\u00e4ume, da\u00df durch schlecht leiblich Empfangen und Brauchen der Sakramente, ex opere operato, die Leute Gnade erlangen und den Heiligen Geist empfangen, wennschon das Herz gar nicht dabei ist; gleich als sei das Licht des Heiligen Geistes so ein schlecht, schwach, nichtig Ding.<\/p>\n<p>64] So wir aber von einem solchen Glauben reden, welcher nicht ein m\u00fcssiger Gedanke ist, sondern ein solch ne\u00fcs Licht, Leben und Kraft im Herzen, welche Herz, Sinn und Mut verne\u00fcrt, einen andern Menschen und ne\u00fc Kreatur aus uns macht, n\u00e4mlich ein ne\u00fcs Licht und Werk des Heiligen Geistes: so versteht ja m\u00e4nniglich, da\u00df wir nicht von solchem Glauben reden, dabei Tods\u00fcnde ist, wie die Widersacher vom Glauben reden. Denn wie will Licht und Finsternis beieinander sein? Denn der Glaube, wo er ist, und dieweil er da ist, gebiert er gute Fr\u00fcchte, wie wir danach sagen wollen. 65] Dieses ist je mit klaren, deutlichen, einf\u00e4ltigen Worten geredet, wie es zugeht, wenn ein S\u00fcnder recht sich bekehrt, was die ne\u00fc Geburt sei oder nicht sei. Trotz [sei] nun geboten alle den Sententiariis, ob sie unter den unz\u00e4hligen Rommenten, Glossen und Skribenten \u00fcber Sententiarum [des Petrus Lombardus] einen k\u00f6nnen vorbringen, der ein W\u00f6rtlein, einen T\u00fcttel recht davon setzt, wie es zugeht, wenn ein S\u00fcnder bekehrt wird. 66] Wenn sie von der Liebe reden, oder wenn sie von ihrem habitu dilectionis reden, so bringen sie wohl ihre Tr\u00e4ume vor, da\u00df denselben habitum die Leute verdienen durch ihre Werke, reden aber gar nichts von Gottes Verheissung oder Wort, wie auch zu dieser Zeit die Wiedert\u00e4ufer lehren. 67] Nun kann man mit Gott doch je nicht handeln, so l\u00e4sst sich Gott nicht erkennen, suchen noch fassen denn allein im Wort und durchs Wort, wie Paulus sagt: &#8220;Das Evangelium ist eine Kraft Gottes allen, die daran glauben.&#8221; Item, zu den R\u00f6mern am 10: &#8220;Der Glaube ist aus dem Geh\u00f6r.&#8221; Und aus dem allein sollte je klar genug sein, da\u00df wir allein durch den Glauben vor Gott fromm werden. Denn so wir allein durchs Wort Gottes zu Gott kommen und gerecht werden, und das Wort kann niemand fassen denn durch den Glauben, so folgt, da\u00df der Glaube gerecht macht. 68] Doch sind andere Ursachen, die sich zu dieser Sache besser reimen. Dieses habe ich bisher gesagt, da\u00df ich anzeige, wie es zugeht, wie wir neugeboren werden, und da\u00df man verstehen m\u00f6chte, was der Glaube ist oder nicht ist, davon wir reden.<\/p>\n<p>69] Nun wollen wir anzeigen, da\u00df derselbe Glaube, und sonst nichts, uns vor Gott gerecht macht. Und erstlich will ich dieses hier den Leser verwarnen, gleichwie dieser Spruch muss und soll stehenbleiben, und kann ihn niemand umstossen: Christus ist unser einiger Mittler, also kann auch diesen Spruch niemand umstossen: Durch den Glauben werden wir rechtfertig, ohne Werke. Denn wie will Christus der Mittler sein und bleiben, wenn wir nicht durch den Glauben uns an ihn halten als an den Mittler und also Gott vers\u00f6hnt werden, wenn wir nicht gewiss im Herzen halten, da\u00df wir um seinetwillen vor Gott gerecht gesch\u00e4tzt werden? Das heisst nun glauben: also vertra\u00fcn, also sich getr\u00f6sten des Verdienstes Christi, da\u00df um seinetwillen Gott gewiss uns wolle gn\u00e4dig sein. 70] Item, wie dieses klar in der Schrift ist, da\u00df \u00fcber das Gesetz zur Seligkeit not ist die Verheissung Christi, also ist auch klar, da\u00df der Glaube gerecht macht; denn das Gesetz predigt nicht Vergebung der S\u00fcnden aus Gnaden. Item, das Gesetz k\u00f6nnen wir nicht erf\u00fcllen noch halten, ehe wir den Heiligen Geist empfangen. Darum muss das bestehen, da\u00df zur Seligkeit die Verheissung Christi vonn\u00f6ten ist. Dieselbe kann nun niemand fassen noch empfangen denn allein durch den Glauben. Darum diejenigen, so lehren, da\u00df wir nicht durch den Glauben vor Gott gerecht und fromm werden, was tun die anders, denn da\u00df sie Christum und das Evangelium unterdr\u00fccken und das Gesetz lehren?<\/p>\n<p>71] Aber etliche, wenn man sagt, der Glaube macht rechtfertig vor Gott, verstehen solches vielleicht vom Anfang, n\u00e4mlich da\u00df der Glaube sei nur der Anfang oder eine Vorbereitung zu der Rechtfertigung, also da\u00df nicht der Glaube selbst daf\u00fcrgehalten werden soll, da\u00df wir dadurch Gott gefallen und angenehm sind, sondern da\u00df wir Gott angenehm sind von wegen der Liebe und Werke, so folgen, nicht von wegen des Glaubens. Und solche meinen der Glaube werde allein derhalben gelobt in der Schrift, da\u00df er ein Anfang sei guter Werke, wie denn allezeit viel am Anfang gelegen ist. 72] Dies aber ist nicht unsere Meinung, sondern wir lehren also vom Glauben, da\u00df wir durch den Glauben selbst vor Gott angenehm sind. Und nachdem das Wort iustificari auf zweierlei Weise gebraucht wird, n\u00e4mlich, f\u00fcr bekehrt werden oder neugeboren, item, f\u00fcr gerecht gesch\u00e4tzt werden, wollen wir das erst anzeigen, da\u00df wir allein durch den Glauben aus dem gottlosen Wesen bekehrt, neugeboren und gerecht werden.<\/p>\n<p>73] Etliche fechten gross an das Wort SOLA, so doch Paulus klar sagt zu den R\u00f6mern am 3, 28: &#8220;So halten wir nun, da\u00df der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke&#8221;; item, zu den Ephesern am 2, 8. 9: &#8220;Gottes Gabe ist es, nicht aus euch noch aus den Werken, auf da\u00df sich nicht jemand r\u00fchme&#8221;; item, zu den R\u00f6mern am 3, 24 dergleichen. So nun dieses Wort und diese exclusiva SOLA etlichen so hart entgegen ist und so \u00fcbel gef\u00e4llt, die m\u00f6gen an so vielen Orten in den Episteln Pauli auch diese Worte auskratzen: &#8220;aus Gnaden&#8221;; item: &#8220;nicht aus Werken&#8221;; item: &#8220;Gottes Gabe&#8221; usw.; item: &#8220;das sich niemand r\u00fchme&#8221; und dergleichen; denn es sind ganz starke exclusivae. Das Wort &#8220;aus Gnaden&#8221; schliesst Verdienst und alle Werke aus, wie die Namen haben. Und durch das Wort, SOLA, so wir sagen: &#8220;Allein der Glaube macht fromm&#8221;, schliessen wir nicht aus das Evangelium und die Sakramente, da\u00df darum das Wort und [die] Sakramente sollten vergeblich sein. So es der Glaube alles allein tut, wie die WIdersacher uns alles gef\u00e4hrlich deuten; sondern unser Verdienst daran schliessen wir aus. Denn wir haben oben genug gesagt, da\u00df der Glaube durchs Wort kommt: So preisen wir das Predigtamt und Wort h\u00f6her und mehr denn die Widersacher; 74] so sagen wir auch, die Liebe und Werke sollen dem Glauben folgen. Darum schliessen wir die Werke durchs Wort SOLA nicht also aus, da\u00df sie nicht folgen sollten, sondern das Vertra\u00fcn auf Verdienst, auf Werke, das schliessen wir aus und sagen, sie verdienen nicht Vergebung der S\u00fcnden. Und das wollen wir noch richtiger, heller und klarer zeigen. <\/p>\n<p>Da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden (allein) durch den Glauben an Christum erlangen.<\/p>\n<p>75] Wir halten, die Widersacher m\u00fcssen bekennen, da\u00df vor allen Dingen zu der Rechtfertigung vonn\u00f6ten sei Vergebung der S\u00fcnden. Denn wir sind alle unter der S\u00fcnde geboren. Darum so schliessen wir nun also:<\/p>\n<p>76] Vergebung der S\u00fcnden erlangen und haben, dasselbe heisst vor Gott gerecht und fromm werden, wie der 32. Psalm sagt: &#8220;Wohl dem, dem die \u00dcbertretung vergeben ist.&#8221; 77] Allein aber durch den Glauben an Christum, nicht durch die Liebe, nicht um der Liebe oder Werke willen, erlangen wir Vergebung der S\u00fcnden, wiewohl die Liebe folgt, wo der Glaube ist, Derhalben muss folgen, 78] da\u00df wir allein durch den Glauben gerecht werden. Denn gerecht werden heisst ja, aus einem S\u00fcnder fromm werden und durch den Heiligen Geist neugeboren werden.<\/p>\n<p>79] Da\u00df wir aber allein durch den Glauben, wie die minor meldet, nicht durch die Liebe Vergebung der S\u00fcnden erlange, wollen wir jetzund klarmachen, Die Widersacher reden kindisch von diesen hohen Dingen; sie fragen, ob es einerlei Ver\u00e4nderung sei, Vergebung der S\u00fcnden und Eingiessung der Gnade, oder ob es zwei seien. Die m\u00fcssigen, unerfahrenen Leute k\u00f6nnen doch gar nicht von diesen Sachen reden. Denn S\u00fcnde recht f\u00fchlen und Gottes Zorn, ist nicht so ein schlecht, schl\u00e4frig Ding. Wiederum, Vergebung der S\u00fcnden ergreifen ist nicht so ein schwacher Trost. Denn also sagt Paulus 1 Kor, 15, 56f.: &#8220;Der Stachel des Todes ist die S\u00fcnde, die Kraft aber der S\u00fcnde ist das Gesetz. Gott aber sei Lob, der uns gibt \u00dcberwindung durch Jesum Christum, unsern Herrn.&#8221; Das ist, die S\u00fcnde erschreckt das Gewissen, das geschieht durchs Gesetz, welches uns Gottes Ernst und Zorn zeigt wider die S\u00fcnde; aber wir liegen ob durch Christum. Wie geschieht das? Wenn wir glauben, wenn unsere Herzen wieder aufgerichtet werden und sich halten an die Verheissung der Gnade durch Christum. 80] So beweisen wir nun dieses also, da\u00df wir durch den Glauben an Christum und nicht durch Werke Vergebung der S\u00fcnden erlangen. N\u00e4mlich Gottes Zorn kann nicht vers\u00f6hnt noch gestillt werden durch unsere Werke, sondern allein Christus ist der Mittler und Vers\u00f6hner, und um seinetwillen allein wird uns der Vater gn\u00e4dig. Nun kann Christum niemand als einen Mittler fassen durch Werke, sondern allein, da\u00df wir dem Wort glauben, welches ihn als einen Mittler predigt. Darum erlangen wir allein durch den Glauben Vergebung der S\u00fcnden, wenn unser Herz getr\u00f6stet und aufgerichtet wird durch die g\u00f6ttliche Zusage, welche uns um Christus\u2019 willen angeboten wird. 81] Item, Paulus zu den R\u00f6mern am 5, 2: &#8220;Durch ihn haben wir einen Zugang zum Vater&#8221;; und sagt klar dazu: &#8220;durch den Glauben&#8221;. Also werden wir nun, und nicht anders, dem Vater vers\u00f6hnt, also erlangen wir Vergebung der S\u00fcnden, wenn wir aufgerichtet werden, festzuhalten, an der Zusage, da uns Gnade und Barmherzigkeit verheissen ist durch Christum. Die Widersacher, die verstehen dieses vom Mittler und Vers\u00f6hner Christo also, da\u00df Christus uns verdiene die Liebe oder den habitum dilectionis, und sagen nicht, da\u00df wir ihn als einen einigen Mittler brauchen m\u00fcssen, sondern stecken Christum wieder ins Grab, erdichten ein anderes, als h\u00e4tten wir einen Zutritt durch unsere Werke, item, als verdienten wir durch Werke den habitum und k\u00f6nnten danach durch die Liebe zu Gott kommen. Das heisst je Christum wieder ins Grab stecken und die ganze Lehre von Glauben wegnehmen. Dagegen aber lehrt Paulus klar, da\u00df wir einen Zutritt haben, das ist, Vers\u00f6hnung Gottes, durch Christum. Und da\u00df er anzeige, wie dasselbe geschehe, so setzt er dazu: &#8220;Durch den Glauben haben wir den Zutritt, durch den Glauben empfangen wir Vergebung der S\u00fcnden aus dem Verdienst Christi&#8221;, und k\u00f6nnen Gottes Zorn nicht stillen denn durch Christum. So ist leicht zu verstehen, da\u00df wir nicht Vergebung verdienen durch unsere Werke oder Liebe.<\/p>\n<p>82] Zum andern ist\u2019s gewiss, da\u00df die S\u00fcnden vergeben werden um des Vers\u00f6hners Christi willen, R\u00f6m. 3, 25: &#8220;Welchen Gott dargestellet hat zu einem Gnadenstuhl&#8221; oder zu einem Vers\u00f6hner, und setzt klar dazu: &#8220;durch den Glauben&#8221;. So wird uns der Vers\u00f6hner nun also n\u00fctz, wenn wir durch den Glauben fassen das Wort, dadurch verheissen wird Barmherzigkeit, und dieselbe halten gegen Gottes Zorn und Urteil. Und dergleichen steht geschrieben Hebr. am 4, 14. 16: &#8220;Wir haben einen Hohenpriester, Christum usw. Lasst uns zu ihm treten mit Freudigkeit.&#8221; Er heisst uns zu Gott treten, nicht im Vertra\u00fcn unserer Werke, sondern im Vertra\u00fcn auf den Hohenpriester Christum; derhalben fordert er je klar den Glauben.<\/p>\n<p>83] F\u00fcr das dritte, Petrus in Geschichten der Apostel am 10, 43 sagt: &#8220;Dem Jesu geben Zeugnis alle Propheten, da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden durch seinen Namen erlangen sollen, alle, die in ihn glauben.&#8221; Wie h\u00e4tte doch Petrus klarer k\u00f6nnen reden? Er sagt: &#8220;Vergebung der S\u00fcnden empfangen wir durch seinen Namen&#8221;, das ist, durch ihn erlangen wir sie, nicht durch unser Verdienst, nicht durch unsere Re\u00fc oder Attrition, nicht durch unsere Liebe, nicht durch eigenen Gottesdienst, nicht durch eigene Menschensatzung oder Werke, und setzt dazu: &#8220;wo wir in ihn glauben&#8221;. Derhalben will er, da\u00df ein Glaube im Herzen sei, darum sagt er: es zeugen mit einem Munde von dem Christo alle Propheten. Das, meine ich, heisst recht die christliche Kirche oder katholische Kirche allegiert. Denn wenn alle heiligen Propheten zeugen, das ist je ein herrlich, gross trefflich, stark Dekret und Zeugnis. Aber von dem Spruch wollen wir drunten weiter reden.<\/p>\n<p>84] Zum vierten, Vergebung der S\u00fcnden ist verheissen um Christus\u2019 willen. Darum kann sie niemand erlangen denn allein durch den Glauben. Denn die Verheissung kann man nicht fassen noch derselben teilhaftig werden denn allein durch den Glauben. R\u00f6m. 4, 16: &#8220;Derhalben muss die Gerechtigkeit durch den Glauben kommen, auf da\u00df sie sei aus Gnaden und die Verheissung fest bleibe.&#8221; Gleich als sollte er sagen: so unser Heil und Gerechtigkeit auf unserm Verdienst st\u00fcnde, so w\u00e4re die Verheissung Gottes immer noch ungewiss und w\u00e4re uns unn\u00fctz; denn wir k\u00f6nnen nimmer des gewiss sein, wann wir genug verdient h\u00e4tten. Und dieses verstehen fromme Herzen und christliche Gewissen fast [sehr] wohl, n\u00e4hmen nicht tausend Welten, da\u00df unser Heil auf uns st\u00fcnde. Damit stimmt Paulus zu den Galatern: &#8220;Gott hat alles unter die S\u00fcnde beschlossen, da\u00df die Verheissung aus dem Glauben Jesu Christi den Gl\u00e4ubigen widerfahre.&#8221; Da st\u00f6sst Paulus all unser Verdienst danieder; denn er sagt, wir sind alle schuldig des Todes und unter der S\u00fcnde beschlossen; und gedenkt der g\u00f6ttlichen Zusage, dadurch wir allein Vergebung der S\u00fcnden erlangen, und setzt noch weiter dazu, wie wir der Verheissung teilhaftig werden, n\u00e4mlich durch den Glauben. Und dieser Grund, dieses Argument, da Paulus aus Art und Natur der g\u00f6ttlichen Verheissung schliesst, n\u00e4mlich also: So Gottes Verheissung gewiss sein und feststehen soll, wie sie nicht fehlen kann, so muss Vergebung der S\u00fcnden nicht aus unserm Verdienst sein, sonst w\u00e4re sie ungewiss, und [wir] w\u00fcssten nicht, wann wir genug verdient h\u00e4tten: ja, dies Argument, sage ich, und der Grund ist ein rechter Fels und fast das St\u00e4rkste im ganzen Paulo und wird gar oft erholt [wiederholt] und angezogen in allen Episteln. Es wird auch nimmermehr auf Erden ein Mensch etwas trachten und dichten oder erdenken, dadurch der einige Grund allein, wenn sonst nichts w\u00e4re, m\u00f6ge umgestossen werden. 85] Es werden auch fromme Herzen und christliche Gewissen sich in keinem Weg lassen hievon abf\u00fchren, n\u00e4mlich, da\u00df wir allein durch den Glauben, um Christus\u2019 Verdienstes willen Vergebung der S\u00fcnden haben. Denn da haben sie einen gewissen, starken, ewigen Trost wider die S\u00fcnde, Teufel, Tod, H\u00f6lle. Das andere alles ist ein Sandgrund und besteht nicht in Anfechtungen.<\/p>\n<p>86] So wir nun allein durch den Glauben Vergebung der S\u00fcnden erlangen und den Heiligen Geist, so macht allein der Glaube vor Gott fromm. Denn diejenigen, so mit Gott vers\u00f6hnt sind, die sind vor Gott fromm und Gottes Kinder, nicht um ihrer Reinigkeit willen, sondern um Gottes Barmherzigkeit willen, so sie dieselbe fassen und ergreifen durch den Glauben. Darum zeugt die Schrift, da\u00df wir durch den Glauben vor Gott fromm werden. So wollen wir nun Spr\u00fcche erz\u00e4hlen, welche klar melden, da\u00df der Glaube fromm und gerecht mache, nicht derhalben, da\u00df unser Glauben ein solch k\u00f6stlich, rein Werk sei, sondern allein derhalben, da\u00df wir durch [den] Glauben und sonst mit keinem Dinge die angebotene Barmherzigkeit empfangen.<\/p>\n<p>87] Paulus in der Epistel zu den R\u00f6mern handelt vornehmlich dieses St\u00fcck, wie ein Mensch vor Gott fromm werde, und beschliesst, da\u00df alle die da glauben, da\u00df sie durch Christum einen gn\u00e4digen Gott haben, ohne Verdienst durch den Glauben vor Gott fromm werden. Und diesen gewaltigen Beschluss, diese Proposition, in welcher gefasst ist die Hauptsache der ganzen Episteln, ja der ganzen Schrift, setzt er im dritten Kapitel mit d\u00fcrren, klaren Worten also: &#8220;So halten wir es nun, da\u00df der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben&#8221;, R\u00f6m. 3, 28. Da wollen die Widersacher sagen, Paulus habe ausgeschlossen allein die j\u00fcdischen Zeremonien, nicht andere tugendliche Werke. Aber Paulus redet nicht allein von Zeremonien, sondern eigentlich gewiss redet er auch von allen andern Werken und von dem ganzen Gesetze oder zehn Geboten. Denn im 7. Kapitel hernach zieht er an den Spruch aus den zehn Geboten: &#8220;Lass dich nicht gel\u00fcsten!&#8221; Und so wir durch andere Werke, welche nicht j\u00fcdische Zeremonien w\u00e4ren, konnten Vergebung der S\u00fcnden erlangen und dadurch Gerechtigkeit verdienen, was w\u00e4re denn Christus und seine Verheissung vonn\u00f6ten? Da l\u00e4ge schon danieder alles, was Paulus von der Verheissung an so viel Orten redet. So schriebe auch Paulus unrecht zu den Ephesern, da er sagt Eph. 2, 8: &#8220;ohne Verdienst, umsonst seid ihr selig worden; denn Gottes Gabe ist\u2019s, nicht aus Werken.&#8221; Item, Paulus zieht an in der Epistel zu den R\u00f6mern Abraham und David. Dieselben hatten einen Befehl und Gottes Gebot von der Beschneidung. So nun irgendein Werk vor Gott fromm machte, so m\u00fcssten je die Werke, die dazumal Gottes Befehl hatten, auch gerecht und fromm gemacht haben. Aber Augustinus, der lehrt klar, da\u00df Paulus von dem ganzen Gesetz rede, wie er denn nach der L\u00e4nge solches disputiert De Spiritu et Litera, &#8220;Von dem Geist und Buchstaben&#8221;, da er zuletzt sagt: &#8220;So wir nun dieses St\u00fcck nach [dem] Verm\u00f6gen, das Gott verliehen hat, bewogen [erwogen] und gehandelt haben, so schliessen wir, da\u00df kein Mensch fromm wird durch Gebote eines guten Lebens, sondern durch den Glauben Jesu Christi.&#8221;<\/p>\n<p>88] Und das niemand denken darf, als sei Paulo dieses Wort (&#8220;der Mensch wird gerecht allein durch den Glauben&#8221;) entfahren, so f\u00fchrt er das nach der L\u00e4nge aus im 4. Kapitel zu den R\u00f6mern und erholt solches in allen seinen Episteln. 89] Denn also sagt er am 4. Kapitel: &#8220;Dem, der mit Werken umgehet, wird der Lohn nicht aus Gnaden zugerechnet, sondern aus Pflicht; dem aber, der nicht mit Werken umgehet, glaubet aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit.&#8221; So ist\u2019s nun aus den Worten klar, da\u00df der Glaube das Ding und das Wesen ist, welches er Gottes Gerechtigkeit nennt, und setzt dazu, sie werde aus Gnaden zugerechnet, und sagt, sie k\u00f6nnte uns aus Gnaden nicht zugerechnet werden, so Werke oder Verdienst da w\u00e4ren. Darum schliesst er gewisslich aus alles Verdienst und alle Werke nicht allein j\u00fcdischer Zeremonien, sondern auch alle andern guten Werke. Denn so wir durch dieselben Werke fromm w\u00fcrden vor Gott, so w\u00fcrde uns der Glaube nicht gerechnet zur Gerechtigkeit ohne alle Werke, wie doch Paulus klar sagt. 90] Und hernach spricht er: &#8220;und wir sagen, da\u00df Abraham sein Glaube ist gerechnet zur Gerechtigkeit.&#8221; 91] Item, Kap. 5, 1: &#8220;Nun wir denn sind gerecht worden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christ&#8221;, das ist, wir haben fr\u00f6hliche, stille Gewissen vor Gott. 92] R\u00f6m. 10, 10: &#8220;So man von Herzen glaubt, so wird man gerecht.&#8221; Da nennt er den Glauben die Gerechtigkeit des Herzens. 93] Zu den Galatern am 2, 16: &#8220;So glauben wir auch an Christum Jesum auf da\u00df wir gerecht werden durch den Glauben an Christum und nicht durch\u2019s Gesetzes Werke.&#8221; Eph. 2, 8: &#8220;Denn aus Gnaden seid ihr selig worden durch den Glauben, und dasselbige nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus den Werken, auf da\u00df sich niemand r\u00fchme.&#8221;<\/p>\n<p>94] Joh. 1, 12: &#8220;Denen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, die da an seinen Namen glauben, welche nicht von dem Gebl\u00fct noch von dem Willen des Fleisches noch von dem WIllen des Mannes, sondern von Gott geboren sind.&#8221; 95] Johannes am 3, 14.15: &#8220;Wie Moses in der W\u00fcste eine Schlange erh\u00f6het hat, also muss des Menschen Sohn auch erh\u00f6het werden, auf da\u00df alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden.&#8221; 96] Item V. 17: &#8220;Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, da\u00df er die Welt richte, sondern da\u00df die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet.&#8221;<\/p>\n<p>97] Act. 13, 38.39: &#8220;So sei es nun euch kund, liebe Br\u00fcder, da\u00df euch verk\u00fcndigt wird Vergebung der S\u00fcnden und von dem allem, durch welches ihr nicht konntet im Gesetz Mosis gerecht werden. Wer aber an diesen glaubet, der ist gerecht.&#8221; Wie h\u00e4tte er doch klarer reden k\u00f6nnen von dem Reich Christi und von der Rechtfertigung? Er sagt, das Gesetz habe nicht k\u00f6nnen jemand gerecht machen, und sagt, darum sei Christus gegeben, da\u00df wir glauben, da\u00df wir durch ihn gerecht werden. Mit klaren Worten sagt er: Das Gesetz kann niemand gerecht machen. Darum wird uns durch Christum Gerechtigkeit zugerechnet, wenn wir glauben, da\u00df uns Gott durch ihn gn\u00e4dig ist. 98] Act. 4, 11.12: &#8220;Das ist der Stein, von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein worden ist; und ist in keinem andern Heil, und ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig werden.&#8221; An den Namen aber Christi kann ich nicht andern glauben, denn da\u00df ich h\u00f6re predigen das Verdienst Christi und solches fasse. Derhalben durch Glauben an den Namen Christi und nicht durch Vertra\u00fcn auf unsere Werke werden wir selig. Denn das Wort &#8220;Name&#8221; an dem Ort bedeutet Ursache, dadurch und darum das Heil kommt. Darum den Namen Christi r\u00fchmen oder bekennen ist als viel, als vertra\u00fcn auf den, der Christus allein ist und heisst, da\u00df der causa meines Heils und Schatzes sei, dadurch ich erl\u00f6st bin. 99] Act. 15, 9: &#8220;Durch den Glauben reinigte er ihre Herzen.&#8221; Darum ist der Glaube, da die Apostel von reden, nicht eine schlechte Erkenntnis der Historie, sondern ein stark, kr\u00e4ftig Werk des Heiligen Geistes, das die Herzen ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>100] Hab. 2, 4: &#8220;Der Gerechte lebt seines Glaubens.&#8221; Da sagt er erstlich, da\u00df der Gerechte durch den Glauben gerecht wird, so er glaubt, da\u00df Gott durch Christum gn\u00e4dig sei. Zum andern sagt er, da\u00df der Glaube lebendig macht. Denn der Glaube bringt allein den Herzen und Gewissen Frieden und Freude und das ewige Leben, welches hier in diesem Leben anf\u00e4ngt.<\/p>\n<p>101] Jes. 53, 11: &#8220;Seine Erkenntnis wird viele gerecht machen.&#8221; Was ist aber die Erkenntnis, Christi, denn seine Wohltaten kennen und seine Verheissungen, die er in die Welt hat gepredigt und predigen lassen? Und die Wohltaten kennen, das heisst an Christum wahrlich glauben, n\u00e4mlich glauben das, was Gott durch Christum verheissen hat, da\u00df er das gewiss geben wolle.<\/p>\n<p>102] Aber die Schrift ist voll solcher Spr\u00fcche und Zeugnisse. Denn diese zwei St\u00fccke handelt die Schrift: Gesetz Gottes und Verheissung Gottes. Nun reden die Verheissungen von Vergebung der S\u00fcnden und Gottes Vers\u00f6hnung durch Christum.<\/p>\n<p>103] Und bei den V\u00e4tern findet man auch viel der Spr\u00fcche. Denn auch Ambrosius zu Iren\u00e4o schreibt: &#8220;Die ganze Welt aber wird darum Gott untertan, unterworfen durchs Gesetz; denn durch das Gebot des Gesetzes werden wir alle angeklagt, aber durch die Werke des Gesetzes wird niemand gerecht. Denn durch das Gesetz wird die S\u00fcnde erkannt, aber die Schuld wird aufgel\u00f6st durch den Glauben; und es scheint wohl, als h\u00e4tte das Gesetz Schaden getan, denn es alle zu S\u00fcndern gemacht hat; aber der Herr Christus ist gekommen und hat uns die S\u00fcnde, welche niemand konnte meiden, geschenkt und hat die Handschrift durch Vergiessen seines Bluts ausgel\u00f6scht. Und das ist, das Paulus sagt zu den R\u00f6mern am 5, 20: \u2018Die S\u00fcnde ist m\u00e4chtig worden durchs Gesetz, aber die Gnade ist noch m\u00e4chtiger worden durch Jesum.\u2019 Denn dieweil die ganze Welt ist schuldig worden, so hat er der ganzen Welt S\u00fcnde weggenommen, wie Johannes zeugt: \u2018Siehe, das ist das Lamm Gottes, welches der Welt S\u00fcnde wegnimmt.\u2019 Und darum soll niemand seiner Werke sich r\u00fchmen; denn durch sein eigen Tun wird niemand gerecht; wer aber gerecht ist, dem ist\u2019s geschenkt in der Taufe in Christo, da er ist gerecht worden. Denn der Glaube ist\u2019s, der uns losmacht durch das Blut Christi, und wohl dem, welchem die S\u00fcnde vergeben wird und Gnade widerf\u00e4hret.&#8221; 104] Diese sind Ambrosii klare Worte, die doch ganz \u00f6ffentlich mit unsere Lehre auch stimmen. Er sagt, da\u00df die Werke nicht gerecht machen, und sagt, da\u00df der Glaube uns erl\u00f6se durch das Blut Christi. 105] Wenn man alle Sententiarios \u00fcber einen Haufen zusammenschmelzte, die doch grosse Titel f\u00fchren, denn etliche nennen sie engelisch, angelicos, etliche subtiles, etliche irrefragabiles, das ist, Doctores, die nicht irren k\u00f6nnen, und wenn man sie alle l\u00e4se, so w\u00fcrden sie alle miteinander nicht so n\u00fctze sein, Paulum zu verstehen, als der einige Spruch Ambrosii. [Thomas Aquinas wurde Doctor angelicus genannt; Duns Scotus Doctor subtilis; Alexander Halesius Doctor irrefragabilis; Bonaventura Doctor seraphicus. Die Kommentatoren des Petrus Lombardus hiessen Sententiarii.]<\/p>\n<p>106] Auf die Meinung hat auch Augustinus viel wider die Pelagianer geschrieben, und De Spiritu et Litera sagt er also: &#8220;Darum wird uns das Gesetz und seine Gerechtigkeit vorgehalten, da\u00df, wer sie tut, dadurch lebe, und da\u00df ein jeder, so er seine Schwachheit erkennt, zu Gott, welcher allein gerecht macht, komme, nicht durch seine eigenen Kr\u00e4fte noch durch den Buchstaben des Gesetzes, welchen wir nicht erf\u00fcllen k\u00f6nnen, sondern durch den Glauben. Ein recht gut Werk kann niemand tun, denn der zuvor selbst gerecht, fromm und gut sei; Gerechtigkeit aber erlangen wir allein durch den Glauben.&#8221; Da sagt er klar, da\u00df Gott, welcher allein seligt und heiligt, durch den Glauben vers\u00f6hnt wird, und da\u00df der Glaube uns vor Gott fromm und gerecht macht. Und bald hernach: &#8220;Aus dem Gesetz f\u00fcrchten wir Gott, durch den Glauben hoffen und vertra\u00fcn wir in Gott. Die aber die Strafe f\u00fcrchten, denen wird die Gnade verborgen, unter welcher Furcht, wenn ein Mensch in Angst ist usw., soll er durch den Glauben fliehen zu der Barmherzigkeit Gottes, da\u00df er dasjenige gebe, dazu Gnade verleihe, das er im Gesetz gebietet.&#8221; Da lehrt er, da\u00df durch das Gesetz die Herzen geschreckt werden und durch den Glauben wieder Trost empfangen.<\/p>\n<p>107] Es ist wahrlich Wunder, da\u00df die Widersacher k\u00f6nnen so blind sein und so viel klare Spr\u00fcche nicht ansehen, die da klar melden, da\u00df wir durch den Glauben gerecht werden und nicht aus den Werken. Wo denken doch die armen Leute hin? 108] Meinen sie, da\u00df die Schrift ohne Ursache einerlei so oft mit klaren Worten erholt [wiederholt]? Meinen sie, da\u00df der Heilige Geist sein Wort nicht gewiss und bed\u00e4chtlich setze oder nicht wisse, was er rede? 109] Dar\u00fcber haben die gottlosen Leute eine sophistische Glosse erdichtet und sagen, die Spr\u00fcche der Schrift, so sie vom Glauben reden, sind von fide formata zu verstehen. Das ist, sie sagen: Der Glaube macht niemand fromm oder gerecht denn um der Liebe oder Werke willen. Und in Summa, nach ihrer Meinung so macht der Glaube niemand gerecht, sondern die Liebe allein. Denn sie sagen, der Glaube k\u00f6nne neben einer Tods\u00fcnde sein. 110] Was ist das anders, denn alle Zusage Gottes und Verheissung der Gnade umgestossen und das Gesetz und Werke gepredigt? So der Glaube Vergebung der S\u00fcnden und Gnade erlangt um der Liebe willen, so wird die Vergebung der S\u00fcnden allezeit ungewiss sein. Denn wir lieben Gott nimmer so vollk\u00f6mmlich, als wir sollten. Ja, wir k\u00f6nnen Gott nicht lieben, denn das Herz sei erst gewiss, da\u00df ihm die S\u00fcnden vergeben seien. Also, so die Widersacher lehren auf [die] Liebe Gottes [zu Gott], die wir verm\u00f6gen, und eigene Werke vertra\u00fcn, stossen sie das Evangelium, welches Vergebung der S\u00fcnden predigt, gar zu Boden, so doch die Liebe niemand recht haben noch verstehen kann, er glaube denn, da\u00df wir aus Gnaden, umsonst Vergebung der S\u00fcnden erlangen durch Christum.<\/p>\n<p>111] Wir sagen auch, da\u00df die Liebe dem Glauben folgen soll, wie Paulus sagt: &#8220;In Christo Jesu ist weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern der Glaube, welcher durch die Liebe wirkt.&#8221; 112] Man soll aber darum auf die Liebe nicht vertra\u00fcn noch ba\u00fcn, als erlangten wir um der Liebe willen oder durch die Liebe Vergebung der S\u00fcnden und Vers\u00f6hnung Gottes, gleichwie wir nicht Vergebung der S\u00fcnden erlangen um anderer Werke willen, die da folgen, sondern allein durch den Glauben, Denn die Verheissung Gottes kann niemand durch Werke fassen, sondern allein mit dem Glauben. 113] Und der Glaube eigentlich oder fides proprie dicta ist, wenn mir mein Herz und der Heilige Geist im Herzen sagt, die Verheissung Gottes ist wahr und ja; 114] von demselben Glauben redet die Schrift. Und dieweil der Glaube, ehe wir etwas tun oder wirken, nur ihm schenken und geben l\u00e4sst und empf\u00e4ngt, so wird uns der Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet wie Abraham, ehe wir lieben, ehe wir das Gesetz tun oder einig Werk. 115] Wiewohl es wahr ist, da\u00df Fr\u00fcchte und Werke nicht aussen bleiben, und der Glaube ist nicht eine blosse, schlechte Erkenntnis der Historie, sondern ein neu Licht im Herzen und kr\u00e4ftig Werk des Heiligen Geistes, dadurch wir neugeboren werden, dadurch die erschrockenen Gewissen wieder aufgerichtet [werden] und Leben erlangen. 116] Und dieweil der Glaube allein Vergebung der S\u00fcnden erlangt und uns Gott angenehm macht, bringt er mit sich den Heiligen Geist und sollte billiger genannt werden gratia gratum faciens, das ist, die Gnade, die da angenehm macht, denn die Liebe, welche folgt.<\/p>\n<p>117] Bisanher haben wir reichlich angezeigt aus Spr\u00fcchen der V\u00e4ter und der Schrift, damit doch diese Sache gar klar w\u00fcrde, da\u00df wir allein durch den Glauben Vergebung der S\u00fcnden erlangen um Christus\u2019 willen, und da\u00df wir allein durch den Glauben gerecht werden, das ist, aus Ungerechten fromm, heilig und neugeboren werden. 118] Fromme Herzen aber sehen hie und merken, wie ganz \u00fcberaus hochn\u00f6tig diese Lehre vom Glauben ist; denn durch sie allein lernt man Christum erkennen und seine Wohltaten, und durch die [diese] Lehre finden die Herzen und Gewissen allein rechte, gewisse Ruhe und Trost. 119] Denn soll eine christliche Kirche sein, soll ein Christenglaube sein, so muss je eine Predigt und Lehre darin sein, dadurch die Gewissen auf keinen Wahn noch Sandgrund gebaut werden, sondern darauf sie sich gewiss verlassen und vertra\u00fcn m\u00f6gen. Darum sind wahrlich die Widersacher untre\u00fc Bisch\u00f6fe, untre\u00fc Prediger und Doctores, haben bisanher den Gewissen \u00fcbel geraten und raten ihnen noch \u00fcbel, da\u00df sie solche Lehre f\u00fchren, da sie die Leute lassen im Zweifel stecken, ungewiss schweben und hangen, ob sie Vergebung der S\u00fcnden erlangen oder nicht. Denn wie ist\u2019s m\u00f6glich, da\u00df diejenigen in Todesn\u00f6ten und letzten Z\u00fcgen und \u00cbngsten bestehen sollten, die diese n\u00f6tige Lehre von Christo nicht geh\u00f6rt haben oder nicht wissen, die da noch wanken und im Zweifel stehen, ob sie Vergebung der S\u00fcnden haben oder nicht? 120] Item, soll eine christliche Kirche sein, so muss je in der Kirche das Evangelium Christi bleiben, n\u00e4mlich diese g\u00f6ttliche Verheissung, da\u00df uns ohne Verdienst S\u00fcnden vergeben werden um Christus\u2019 willen. Dasselbe heilige Evangelium dr\u00fccken diejenigen gar unter, die von dem Glauben, davon wir reden, gar nichts lehren. 121] Nun lehren noch schreiben die Scholastici nicht ein Wort, nicht einen T\u00fcttel vom Glauben, welches schrecklich ist zu h\u00f6ren. Denen folgen unsere Widersacher und verwerfen diese h\u00f6chste Lehre vom Glauben und sind so verstockt und blind, da\u00df sie nicht sehen, da\u00df sie damit das ganze Evangelium, die g\u00f6ttliche Verheissung von der Vergebung der S\u00fcnden und den ganzen Christum unter die F\u00fcsse treten. <\/p>\n<p>(Art. III.) Von der Liebe und Erf\u00fcllung des Gesetzes.<\/p>\n<p>1] Hier werfen uns die WIdersacher diesen Spruch vor: &#8220;Willst du ewig leben, so halte die Gebote Gottes.&#8221; Item zu den R\u00f6mern am 2, 13: &#8220;Nicht die das Gesetz h\u00f6ren, werden gerecht sein, sondern die das Gesetz tun&#8221;; und dergleichen viel vom Gesetz und von Werken. Nun, ehe wir darauf antworten, m\u00fcssen wir sagen von der Liebe, und was wir von [der] Erf\u00fcllung des Gesetzes halten.<\/p>\n<p>2] Es steht geschrieben im Propheten: &#8220;Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben.&#8221; Und R\u00f6m. 3, 31 sagt Paulus: &#8220;Wir heben das Gesetz nicht auf durch den Glauben, sondern richten das Gesetz auf.&#8221; Item, Christum sagt: &#8220;Willst du ewig leben, so halte die Gebote.&#8221; Item, zu den Korinthern sagt Paulus: &#8220;So ich nicht die Liebe habe, bin ich nichts.&#8221; 3] Diese und dergleichen Spr\u00fcche zeigen an, da\u00df wir das Gesetz halten sollen, wenn wir durch den Glauben gerecht worden sind, und also je l\u00e4nger je mehr im Geist zunehmen. Wir reden aber hier nicht von Zeremonien Mosis, sondern von den zehn Geboten, welche von uns fordern, da\u00df wir von Herzensgrund Gott recht f\u00fcrchten und lieben sollen. 4] Dieweil nun der Glaube mit sich bringt den Heiligen Geist und ein neu Licht und Leben im Herzen wirkt, so ist es gewiss und folgt von Not, da\u00df der Glaube das Herz verneut und \u00e4ndert. Und was das f\u00fcr eine Ne\u00fcrung der Herzen sei, zeigt der Prophet an, da er sagt: &#8220;Ich will mein Gesetz in ihre Herzen geben.&#8221; Wenn wir nun durch den Glauben neugeboren sind und erkannt haben, da\u00df uns Gott will gn\u00e4dig sein, will unser Vater und Helfer sein, so heben wir an, Gott zu f\u00fcrchten, zu lieben, ihm zu danken, ihn zu preisen, von ihm alle Hilfe zu bitten und [zu] gewarten, ihm auch nach seinem Willen in Tr\u00fcbsalen gehorsam zu sein. Wir heben alsdann auch an, den N\u00e4chsten zu lieben; da ist nun inwendig durch den Geist Christi ein neu Herz, Sinn und Mut.<\/p>\n<p>5] Dieses alles kann nicht geschehen, ehe wir durch den Glauben gerecht werden, ehe wir neugeboren werden durch den Heiligen Geist. 6] Denn erstlich kann niemand das Gesetz halten ohne Christus\u2019 Erkenntnis; so kann auch niemand das Gesetz erf\u00fcllen ohne den Heiligen Geist. Den Heiligen Geist aber k\u00f6nnen wir nicht empfangen denn durch den Glauben, wie zu den Galatern am 3, 14 Paulus sagt, da\u00df wir &#8220;Die Verheissung des Geistes durch den Glauben empfangen&#8221;. 7] Item, es ist unm\u00f6glich, da\u00df ein Menschenherz allein durch das Gesetz oder sein Werk Gott liebe. Denn das Gesetz zeigt allein an Gottes Zorn und Ernst; das Gesetz klagt uns an und zeigt an, wie er so schrecklich die S\u00fcnde strafen wolle beide mit zeitlichen und ewigen Strafen. Darum was die Scholastici von der Liebe Gottes reden, ist ein Traum, 8] und ist unm\u00f6glich, Gott zu lieben, ehe wir durch den Glauben die Barmherzigkeit erkennen und ergreifen. Denn alsdann erst wird Gott obiectum amabile, ein lieblicher seliger Anblick.<\/p>\n<p>9] Wiewohl nun ein ehrbar Leben zu f\u00fchren und a\u00fcsserliche Werke des Gesetzes zu tun, die Vernunft etlichermassen ohne Christum, ohne den Heiligen Geist aus angebornem Licht vermag, so ist es doch gewiss, wie oben angezeigt, da\u00df die h\u00f6chsten St\u00fccke des g\u00f6ttlichen Gesetzes, als, das ganze Herz zu Gott zu kehren, von ganzem Herzen ihn gross zu achten (welches in der ersten Tafel und im ersten, h\u00f6chsten Gebot gefordert wird), niemand vermag ohne den Heiligen Geist. 10] Aber unsere Widersacher sind gute, rohe, faule, unerfahrene Theologen. Sie sehen allein die andere Tafel Mosis an und die Werke derselben. Aber die erste Tafel, da die h\u00f6chste Theologie innen steht, da es alles an gelegen ist, achten sie gar nicht; ja dasselbe h\u00f6chste, heiligste, gr\u00f6sste, vornehmste Gebot, welches allen menschlichen und engelischen Verstand \u00fcbertrifft, welches den h\u00f6chsten Gottesdienst, die Gottheit selbst und die Ehre der ewigen Majest\u00e4t belangt, da Gott gebietet, da\u00df wir herzlich ihn sollen f\u00fcr einen Herrn und Gott halten, f\u00fcrchten und lieben, halten sie so gering, so klein, als geh\u00f6rte es zu der Theologie nicht.<\/p>\n<p>11] Christus ist uns aber dazu dargestellt, da\u00df um seinetwillen uns S\u00fcnden vergeben und der Heilige Geist geschenkt wird, der ein neu Licht und ewiges Leben, ewige Gerechtigkeit in uns wirkt, da\u00df er uns Christum im Herzen zeigt, wie Johannis am 16, 15 geschrieben: &#8220;Er wird\u2019s von dem Meinen nehmen und euch verk\u00fcndigen.&#8221; Item, er wirkt auch andere Gaben: Liebe, Danksagung, Keuschheit, Geduld usw. Darum vermag das Gesetz niemand ohne den Heiligen Geist zu erf\u00fcllen; darum sagt Paulus: &#8220;Wir richten das Gesetz auf durch den Glauben und tun\u2019s nicht ab&#8221;; denn so k\u00f6nnen wir erst das Gesetz erf\u00fcllen und halten, wenn der Heilige Geist uns gegeben wird. 12] Und Paulus 2 Kor. 3, 15f. sagt, da\u00df die Decke des Angesichts Mosis k\u00f6nne nicht weggetan werden denn allein durch den Glauben an den Herrn Christum, durch welchen gegeben wird der Heilige Geist. Denn also sagt er: &#8220;Bis auf diesen Tag, wenn Moses gelesen wird, ist die Decke \u00fcber ihrem Herzen; wenn sie sich aber zum Herrn bekehren, wird die Decke weggetan. Denn der Herr ist ein Geist; wo aber des Herrn Geist ist, da ist Freiheit.&#8221; 13] Die Decke nennt Paulus den menschlichen Gedanken und Wahn von [den] zehn Geboten und Zeremonien, n\u00e4mlich da\u00df die Heuchler w\u00e4hnen wollen, da\u00df das Gesetz m\u00f6ge erf\u00fcllt und gehalten werden durch \u00e4usserliche Werke, und als machten die Opfer, item allerlei Gottesdienst, ex opere operato jemand gerecht vor Gott. 14] Dann wird aber die Decke vom Herzen genommen, das ist, der Irrtum und Wahn wird weggenommen, wenn Gott im Herzen uns zeigt unsern Jammer und l\u00e4sst uns Gottes Zorn und unsere S\u00fcnde f\u00fchlen. Da merken wir erst, wie gar fern und weit wir vom Gesetz seien. Da erkennen wir erst, wie sicher und verblendet alle Menschen dahingehen, wie sie Gott nicht f\u00fcrchten, in Summa, nicht glauben, da\u00df Gott Himmel, Erde und alle Kreaturen geschaffen hat, unsern Odem und Leben und die ganze Kreatur alle Stunden erh\u00e4lt und wider den Satan bewahrt. Da erfahren wir erst, da\u00df eitel Unglaube, Sicherheit, Verachtung Gottes in uns so tief verborgen steckt. Da erfahren wir erst, da\u00df wir so schwach oder gar nichts glauben, da\u00df Gott S\u00fcnde vergebe, da\u00df er Gebet erh\u00f6re usw. Wenn wir nun das Wort und Evangelium h\u00f6ren und durch den Glauben Christum erkennen, empfangen wir den Heiligen Geist, da\u00df wir dann recht von Gott halten, ihn f\u00fcrchten, ihm glauben usw. In diesem ist nun genugsam angezeigt, da\u00df wir Gottes Gesetz ohne den Glauben, ohne Christum, ohne den Heiligen Geist nicht halten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>15] Darum sagen wir auch, da\u00df man muss das Gesetz halten, und ein jeder Gl\u00e4ubiger f\u00e4het es an [f\u00e4ngt an, es] zu halten, und nimmt je l\u00e4nger, je mehr zu in Liebe und Furcht Gottes, welches ist recht Gottes Gebote erf\u00fcllt. Und wenn wir vom Gesetzhalten reden oder von guten Werken, begreifen wir beides, das gute Herz inwendig und die Werke auswendig. Darum tun uns die Widersacher unrecht, da sie uns schuld geben, wir lehrten nicht von guten Werken; so wir nicht allein sagen, man m\u00fcsse gute Werke tun, sondern sagen auch eigentlich, wie das Herz m\u00fcsse dabei sein, damit es nicht lose, taube, kalte Heuchlerwerke seien. 16] Es lehrt die Erfahrung, da\u00df die Heuchler, wiewohl sie sich unterstehen, aus ihren Kr\u00e4ften das Gesetz zu halten, da\u00df sie es nicht verm\u00f6gen, noch mit der Tat beweisen. Denn wie fein sind sie ohne Hass, Neid, Zank, Grimm, Zorn, ohne Geiz, Ehebruch usw.! Also, da\u00df nirgend die Laster gr\u00f6sser sind denn in Kl\u00f6stern und Stiften. 17] Es sind alle menschlichen Kr\u00e4fte viel zu schwach dem Teufel, da\u00df sie seiner List und St\u00e4rke aus eigenem Verm\u00f6gen widerstehen sollten, welcher alle diejenigen gef\u00e4nglich h\u00e4lt, die nicht durch Christum erl\u00f6st werden. 18] Es muss g\u00f6ttliche St\u00e4rke sein und Christus\u2019 Auferstehung, die den Teufel \u00fcberwinde. Und so wir wissen, da\u00df wir Christi St\u00e4rke, seines Sieges durch den Glauben teilhaftig werden, k\u00f6nnen wir auf die Verheissung, die wir haben, Gott bitten, da\u00df er uns durch seines Geistes St\u00e4rke beschirme und regiere, da\u00df uns der Teufel nicht f\u00e4lle oder st\u00fcrze; sonst fielen wir alle Stunden in Irrtum und greuliche Laster. Darum sagt Paulus nicht von uns, sondern von Christo Eph. 4, 8: &#8220;Er hat das Gef\u00e4ngnis gefangen gef\u00fchrt.&#8221; Denn Christus hat den Teufel \u00fcberwunden und durchs Evangelium verheissen den Heiligen Geist, da\u00df wir durch Hilfe desselben auch alles \u00dcbel \u00fcberwinden. Und 1 Joh. 3, 8 ist geschrieben: &#8220;Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, da\u00df er aufl\u00f6se die Werke des Teufels.&#8221; 19] Darum so lehren wir nicht allein, wie man das Gesetz halte, sondern auch wie es Gott gefalle alles, was wir tun, n\u00e4mlich, nicht da\u00df wir in diesem Leben das Gesetz so vollk\u00f6mmlich und rein halten k\u00f6nnen, sondern da\u00df wir in Christo sind, wie wir hernach wollen sagen. So ist es nun gewiss, da\u00df die unsern auch von guten Werken recht lehren. 20] Und wir setzen noch dazu, da\u00df es unm\u00f6glich sei, da\u00df rechter Glaube der das Herz tr\u00f6stet und Vergebung der S\u00fcnden empf\u00e4ngt, ohne die Liebe Gottes sei. Denn durch Christum kommt man zum Vater, und wenn wir durch Christum Gott vers\u00f6hnt sind, so glauben und schliessen wir dann erst recht gewiss im Herzen, da\u00df ein wahrer Gott lebe und sei, da\u00df wir einen Vater im Himmel haben, der auf uns allzeit steht, der zu f\u00fcrchten sei, der um so uns\u00e4gliche Wohltat zu lieben sei, dem wir sollen allezeit herzlich danken, ihm Lob und Preis sagen, welcher unser Gebet, auch unser Sehnen und Seufzen erh\u00f6rt, wie denn Johannes in seiner ersten Epistel sagt, 1 Joh. 4, 19: &#8220;Wir lieben ihn, denn er hat uns zuvor geliebet.&#8221; Uns n\u00e4mlich; denn er hat seinen Sohn f\u00fcr uns gegeben und uns S\u00fcnde vergeben. Da zeigt Johannes genug an, da\u00df der Glaube also vorgehe und die Liebe alsdann folge. 21] Item, dieser Glaube ist in denen, da rechte Busse ist, das ist, da ein erschrocken Gewissen Gottes Zorn und seine S\u00fcnde f\u00fchlt, Vergebung der S\u00fcnden und Gnade sucht. Und in solchem Schrecken, in solchen \u00cbngsten und N\u00f6ten beweist sich erst der Glaube und muss auch also bew\u00e4hrt werden und zunehmen. 22] Darum kann der Glaube nicht sein in fleischliche, sicheren Leuten, welche nach des Fleisches Lust und Willen dahinleben. Denn also sagt Paulus R\u00f6m. 8, 1: &#8220;So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist.&#8221; Item, V. 12.13: &#8220;So sind wir nun Schuldner, nicht dem Fleisch, da\u00df wir nach dem Fleisch leben; denn wo ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben m\u00fcssen; wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Gesch\u00e4fte t\u00f6tet, so werdet ihr leben.&#8221; 23] Derhalben kann der Glaube, welcher allein in den Herzen und Gewissen ist, denen ihre S\u00fcnde herzlich leid sind, nicht zugleich neben einer Tods\u00fcnde sein, wie die Widersacher lehren. So kann er auch nicht in denjenigen sein, die nach der Welt fleischlich, nach des Satans und des Fleisches Willen leben.<\/p>\n<p>24] Aus diesen Fr\u00fcchten und Werken des Glaubens klauben die Widersacher nur ein St\u00fcck, n\u00e4mlich die Liebe, und lehren, da\u00df die Liebe vor Gott gerecht mache; also sind sie nichts anderes denn Werkprediger und Gesetzlehrer. Sie lehren nicht erst, da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden erlangen durch den Glauben. Sie lehren nichts von dem Mittler Christo, da\u00df wir durch denselben einen gn\u00e4digen Gott erlangen, sondern reden von unserer Liebe und unsern Werken und sagen doch nicht, was es f\u00fcr eine Liebe sei, und k\u00f6nnen es auch nicht sagen. 25] Sie r\u00fchmen, sie k\u00f6nnten das Gesetz erf\u00fcllen oder halten, so doch die Ehre niemand geh\u00f6rt denn Christo, und halten also ihr eigen Werk gegen Gottes Urteil, sagen, sie verdienten de condigno Gnade und ewiges Leben. Das ist doch ein ganz vergeblich und gottlos Vertra\u00fcn auf eigene Werke. Denn in diesem Leben k\u00f6nnen auch Christen und die Heiligen selbst Gottes Gesetz nicht vollk\u00f6mmlich halten; denn es bleiben immer b\u00f6se Neigungen und L\u00fcste in uns, wiewohl der Heilige Geist denselben widersteht.<\/p>\n<p>26] Es m\u00f6chte aber jemand unter ihnen fragen: So wir selbst bekennen, da\u00df die Liebe eine Frucht des Geistes sei, und so die Liebe dennoch ein heilig Werk und Erf\u00fcllung des Gesetzes genannt wird, warum wir denn auch nicht lehren, da\u00df sie vor Gott gerecht mache? Antwort: Erstlich ist das gewiss, da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden nicht empfangen weder durch die Liebe noch um der Leibe willen, sondern allein durch den Glauben um Christus\u2019 willen. 27] Denn allein der Glaube im Herzen steht auf Gottes Verheissung; und allein der Glaube ist die Gewissheit, da das Herz Gewiss drauf steht, da\u00df Gott gn\u00e4dig ist, da\u00df Christus nicht umsonst gestorben sei usw. Und derselbe Glaube \u00fcberwindet allein das Schrecken des Todes und der S\u00fcnde. 28] Denn wer noch wankt oder zweifelt, ob ihm die S\u00fcnden vergeben seien, der vertraut Gott nicht und verzagt an Christo; denn er h\u00e4lt seine S\u00fcnde f\u00fcr gr\u00f6sser und st\u00e4rker denn den Tod und Blut Christi, so doch Paulus sagt zu den R\u00f6mern am 5, 20, &#8220;die Gnade sei m\u00e4chtiger denn die S\u00fcnde&#8221;, das ist, kr\u00e4ftiger, reicher und st\u00e4rker. 29] So nun jemand meint, da\u00df er darum Vergebung der S\u00fcnden will erlangen, da\u00df er die Liebe hat, der schm\u00e4ht und sch\u00e4ndet Christum und wird am letzten Ende, wenn er vor Gottes Gericht stehen soll, finden, da\u00df solch Vertra\u00fcn vergeblich ist. Darum ist es gewiss, da\u00df allein der Glaube gerecht macht. 30] Und gleichwie wir nicht erlangen Vergebung der S\u00fcnden durch andere gute Werke und Tugenden, als, um Geduld willen, um Keuschheit, um Gehorsams willen gegen die Obrigkeit, und folgen doch die Tugenden, wo Glaube ist: 31] also empfangen wir auch nicht um der Leibe Gottes willen Vergebung der S\u00fcnden, wiewohl sie nicht aussenbleibt, wo dieser Glaube ist. Das aber Christus Luc\u00e4 am 7, 47 spricht: &#8220;Ihr werden viel S\u00fcnden vergeben werden, denn sie hat viel geliebet&#8221;, da legt Christus sein Wort selbst aus, da er sagt V. 50: &#8220;Dein Glaube hat dir geholfen.&#8221; Und Christus will nicht, da\u00df die Frau durch das Werk der Liebe verdient habe Vergebung der S\u00fcnden; darum sagt er klar: &#8220;Dein Glaube hat dir geholfen.&#8221;<\/p>\n<p>32] Nun ist das der Glaube, welcher sich verl\u00e4sst auf Gottes Barmherzigkeit und Wort, nicht auf eigene Werke. Und meint jemand, da\u00df der Glaube sich zugleich auf Gott und eigene Werke verlassen k\u00f6nne, der versteht gewisslich nicht, was Glaube sei. Denn das erschrockene Gewissen wird nicht zufrieden durch eigene Werke, sondern muss nach Barmherzigkeit schreien und l\u00e4sst sich allein durch Gottes Wort tr\u00f6sten und aufrichten. 33] Und die Historie selbst zeigt an dem Ort wohl an, was Christus Liebe nennt. Die Frau kommt in der Zuversicht zu Christo, da\u00df sie wolle Vergebung der S\u00fcnden bei ihm erlangen; das heisst recht Christum erkennen und ehren; denn gr\u00f6ssere Ehre kann man Christo nicht tun. Denn das heisst Messiam oder Christum wahrlich erkennen, bei ihm suchen Vergebung der S\u00fcnden. Dasselbe von Christo halten, also Christum erkennen und annehmen, das heisst recht an Christum glauben. Christus aber hat dieses Wort, da er sagt: &#8220;Sie hat viel geliebet&#8221;, nicht gebraucht, als er mit der Frau redete, sondern als er mit dem Pharis\u00e4er redete. Denn der Herr Christus h\u00e4lt gegeneinander die ganze Ehre, die ihm der Pharis\u00e4er getan hat, mit dem Erbieten und Werken, so die Frau ihm erzeigt hat. Er straft den Pharis\u00e4er, da\u00df er ihn nicht hat erkannt f\u00fcr Christum, wiewohl er ihn \u00e4usserlich geehrt als einen Gast und frommen, heiligen Mann. Aber den Gottesdienst der Frau, da\u00df sie ihre S\u00fcnde erkennt und bei Christo Vergebung der S\u00fcnden sucht, diesen Dienst lobt Christus. Und es ist ein grosses Exempel, welches Christum billig bewogen hat, da\u00df er den Phari\u00e4er als einen weisen, ehrlichen Mann, der doch nicht an ihn glaubt, straft. Den Unglauben wirft er ihm vor und vermahnt ihn durch das Exempel, als sollte er sagen: Billig solltest du dich sch\u00e4men, du Pharis\u00e4er, da\u00df du so blind bist, mich f\u00fcr Christum und Messiam nicht erkennt\u2019s, so du ein Lehrer des Gesetzes bist, und das Weib, das ein ungelehrt, arm Weib ist, mich erkennt. 34] Darum lobt er da nicht allein die Liebe, sondern den ganzen cultum oder Gottesdienst, den Glauben mit den Fr\u00fcchten, und nennt doch vor dem Pharis\u00e4er die Frucht. Denn man kann den Glauben in Herzen andern nicht weisen und anzeigen denn durch die Fr\u00fcchte, die beweisen vor den Menschen den Glauben im Herzen. Darum will Christus nicht, da\u00df die Liebe und die Werke sollen der Schatz sein, dadurch die S\u00fcnden bezahlt werden, welches Christus\u2019 Blut ist. 35] Derhalben ist dieser Streit \u00fcber einer hohen, wichtigen Sache, da den frommen Herzen und Gewissen ihr h\u00f6chster, gewi\u00dfester, ewiger Trost an gelegen ist, n\u00e4mlich von Christo, ob wir sollen vertra\u00fcn auf des Verdienst Christi oder auf unsere Werke. 36] Denn so wir auf unsere Werke vertra\u00fcn, so wird Christo seine Ehre genommen, so ist Christus nicht der Vers\u00f6hner noch Mittler, und werden doch endlich erfahren, da\u00df solch Vertra\u00fcn vergeblich sei, und da\u00df die Gewi\u00dfen dadurch nur in Verzweiflung fallen. 37] Denn das Gesetz macht niemand gerecht vor Gott, solange es uns anklagt. Nun kann sich ja niemand r\u00fchmen, da\u00df er dem Gesetz genuggetan habe. Darum m\u00fcssen wir sonst Trost suchen, n\u00e4mlich ab Christo.<\/p>\n<p>38] Nun wollen wir antworten auf die Fragen, welche wir oben angezeigt: warum die Liebe oder dilectio niemand vor Gott gerecht mache. Die Widersacher denken also, die Liebe sei die Erf\u00fcllung des Gesetzes, darum w\u00e4re es wohl wahr, da\u00df die Liebe uns gerecht macht, wenn wir das Gesetz hielten. Wer darf aber mit Wahrheit sagen oder r\u00fchmen, da\u00df er das Gesetz halte und Gott liebe, wie des Gesetz gebietet? Wir haben oben angezeigt, da\u00df darum Gott die Verhei\u00dfung der Gnade getan hat, da\u00df wir das Gesetz nicht halten k\u00f6nnen. Darum sagt auch allenthalben Paulus, da\u00df wir durch das Gesetz nicht k\u00f6nnen vor Gott gerecht werden. Die Widersacher m\u00fcssen die wohl weit fehlen und der Hauptfrage irregehen, denn sie sehen die in diesem Handel allein das Gesetz an. Denn alle menschliche Vernunft und Weisheit kann nicht anders urteilen, denn da\u00df man durch Gesetze m\u00fcsse fromm werden, und wer \u00e4u\u00dferlich das Gesetz halte, der sei heilig und fromm. Aber das Evangelium r\u00fcckt uns herum and weist uns von dem Gesetz zu den g\u00f6ttlichen Verhei\u00dfungen und lehrt, da\u00df wir nicht gerecht werden durchs Gesetz (denn niemand kann es halten), sondern dadurch, da\u00df uns um Christus\u2019 willen Vers\u00f6hnung geschenkt ist, und die empfangen wir allein durch den Glauben. Denn ehe wir einen T\u00fcttel am Gesetz erf\u00fcllen, mu\u00df erst da sein der Glaube an Christum, durch welchen wir Gott vers\u00f6hnt werden und erst Vergebung der S\u00fcnden erlangen. Lieber Herrgott, wie d\u00fcrfen doch die Leute sich Christen nennen oder sagen, da\u00df sie auch die B\u00fccher des Evangelii einmal je angesehen oder gelesen haben, die noch dieses anfechten, da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden durch den Glauben an Christum erlangen? Ist es doch einem Christenmenschen schrecklich allein zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>39] Zum andern ist\u2019s gewi\u00df, da\u00df auch diejenigen, so durch den Glauben und Heiligen Geist neugeboren sind, doch gleichwohl noch, solange dies Leben w\u00e4hrt, nicht gar rein sind, auch das Gesetz nicht vollk\u00f6mmlich halten. Denn wiewohl sie die Erstlinge des Geistes empfangen, und wiewohl sich in ihnen das ne\u00fc, ja das ewige Leben angefangen, so bleibt doch noch etwas da von der S\u00fcnde und b\u00f6ser Lust und findet das Gesetz noch viel, das es uns anzuklagen hat. Darum, obschon Liebe Gottes und gute Werke in Christen sollen und m\u00fcssen sein, sind sie dennoch vor Gott nicht gerecht um solcher ihrer Werke willen, sondern um Christus\u2019 willen durch den Glauben. 40] Und Vertra\u00fcn auf eigene Erf\u00fcllung des Gesetzes ist eitel Abg\u00f6tterei und L\u00e4sterung Christi und f\u00e4llt doch zuletzt weg und macht, da\u00df die Gewissen verzweifeln. Derhalben soll dieser Grund feststehen bleiben, da\u00df wir um Christus\u2019 willen Gott angenehm und gerecht sind durch Glauben, nicht von wegen unserer Liebe und Werke. Da\u00df wollen wir also klar und gewi\u00df machen, da\u00df man\u2019s greifen m\u00f6ge. Solange das Herz nicht Frieden vor Gott hat, kann es nicht gerecht sein; denn es flieht vor Gottes Zorn und verzweifelt und wollte, da\u00df Gott nicht richtete. Darum kann das Herz nicht gerecht und Gott angenehm sein, dieweil es nicht Frieden mit Gott hat. Nun macht der Glaube allein, da\u00df das Herz zufrieden wird, und erlangt Ruhe und Leben, R\u00f6m. 5, 1, so es sich getrost und frei verl\u00e4\u00dft auf Gottes Zusage um Christus\u2019 willen. Aber unsere Werke bringen das Herz nicht zufrieden, denn wir finden allezeit, da\u00df sie nicht rein sind. Darum mu\u00df folgen, da\u00df wir allein durch Glauben Gott angenehm und gerecht sind, so wir im Herzen schlie\u00dfen, Gott wolle uns gn\u00e4dig sein, nicht von wegen unserer Werke und Erf\u00fcllung des Gesetzes, sondern aus lauter Gnade um Christus\u2019 willen. Was k\u00f6nnen die Widersacher wider diesen Grund aufbringen? Was k\u00f6nnen sie wider die \u00f6ffentliche Wahrheit erdichten oder erdenken? Denn dies ist je gewi\u00df, und die Erfahrung lehrt stark genug, da\u00df, wenn wir Gottes Urteil und Zorn recht f\u00fchlen oder in Anfechtung kommen, unsere Werke oder Gottesdienste das Gewissen nicht k\u00f6nnen zur Ruhe bringen. Und das zeigt die Schrift oft genug an, als im Psalm, 143, 2: &#8220;Du wollest mit deinem Knechte nicht in das Gericht gehen; denn vor dir wird keiner, der da lebt, gerecht sein.&#8221; Da zeigt er klar an, da\u00df alle Heiligen, alle frommen Kinder Gottes, welche den Heiligen Geist haben, wenn Gott nicht aus Gnaden ihnen will ihre S\u00fcnden vergeben, noch \u00fcbrige S\u00fcnde im Fleisch an sich haben. Denn da\u00df David an einem andern Ort, Ps. 7, 9, sagt: &#8220;Herr, richte mich nach meiner Gerechtigkeit!&#8221; da redet er von seiner Sache und nicht von eigener Gerechtigkeit, sondern bittet, da\u00df Gott seine Sache und Wort sch\u00fctzen wolle; wie er denn sagt: &#8220;Richte meine Sache!&#8221; Wiederum Ps. 130, 3 sagt er klar, da\u00df keiner, auch nicht die h\u00f6chsten Heiligen, k\u00f6nnen Gottes Urteil ertragen, wenn er will auf Missetat achtgeben, wie er sagt: &#8220;So du willst achthaben auf Missetat, Herr, wer wird bestehen?&#8221; und also sagt Hiob an 9, [28.30.31]: &#8220;Ich entstehe mich vor allen meinen Werken&#8221;: item: &#8220;Wenn ich gleich scheewei\u00df gewaschen w\u00e4re, und meine H\u00e4nde gleich gl\u00e4nzeten vor Reinigkeit, noch w\u00fcrdest du Unreines an mir finden.&#8221; Und in [den] Spr\u00fcchen Salomonis, 20, 9: &#8220;Wer kann sagen: Mein Herz ist rein?&#8221; Und 1 Joh. 1, 8: &#8220;So wir werden sagen, da\u00df wir keine S\u00fcnde haben, verf\u00fchren wir uns selbst und ist die Wahrheit nicht in uns.&#8221; Item, im Vaterunser bitten auch die Heiligen: &#8220;Vergib uns unsere Schuld!&#8221; Darum haben auch die Heiligen Schuld und S\u00fcnde. Item, im 4. Buch Mosis, 14, 18: &#8220;Auch der unschuldige wird nicht unschuldig sein.&#8221; Und Zacharias der Prophet sagt im 2. Kap., v 13: &#8220;Alles Fleisch sei stille vor dem Herrn!&#8221; Und Jesaias sagt 40, 6: &#8220;Alles Fleisch ist Gras&#8221;, das ist, das Fleisch und alle Gerechtigkeit, so wir verm\u00f6gen, die k\u00f6nnen Gottes Urteil nicht ertragen. Und Jonas sagt am 2. Kap., v. 9: &#8220;Welche sich verlassen auf Eitelkeit vergeblich, die lassen Barmherzigkeit fahren.&#8221; Derhalben erh\u00e4lt uns eitel Barmherzigkeit; unsere eigenen Werke, Verdienst und Verm\u00f6gen k\u00f6nnen uns nicht helfen. Diese Spr\u00fcche und dergleichen in der Schrift zeigen an, da\u00df unsere Werke unrein sind, und da\u00df wir Gnade und Barmherzigkeit bed\u00fcrfen. Darum stellen die Werke die Gewissen nicht zufrieden, sondern allein die Barmherzigkeit, welche wir durch den Glauben ergreifen.<\/p>\n<p>41] Zum dritten, Christus bleibt nichts destoweniger vor als nach der einige Mittler und Vers\u00f6hner, wenn wir in ihm also neugeboren sind. Darum irren diejenigen, die da erdichten, da\u00df Christus uns allein primam gratiam oder die erste Gnade verdiene, und da\u00df wir hernach durch unsere eigenen Werke und Verdienst m\u00fcssen das ewige Leben verdienen. 42] Denn er bleibt der einige Mittler, and wir sollen des gewi\u00df sein, da\u00df wir um seinetwillen allein einen gn\u00e4digen Gott haben; ob wir es auch gleich unw\u00fcrdig sind, wie Paulus sagt R\u00f6m. 5, 2: &#8220;Durch ihn haben wir einen Zugang zu Gott.&#8221; Denn unsere besten Werke, auch nach empfangener Gnade des Evangelii (wie ich gesagt), sind noch schwach und nicht gar rein; denn es ist je nicht so ein schlecht Ding um die S\u00fcnde und Adams Fall, wie die Vernunft meint oder gedenkt, und ist \u00fcber allen menschlichen Verstand und Gedanken, was durch den Ungehorsam f\u00fcr ein schrecklicher Gotte\u00dforn auf uns geerbt ist. Und ist gar eine greulich Verderbung an der ganzen menschlichen Natur geschehen, welche kein Menschenwerk, sondern allein Gott selbst kann herwiederbringen. Darum sagt der Psalm: &#8220;Wohl denen, welchen ihre S\u00fcnden vergeben sind.&#8221; Darum d\u00fcrfen [bed\u00fcrfen] wir Gnade und Gottes gn\u00e4diger G\u00fcte und Vergebung der S\u00fcnden, wenn wir gleich viele gute Werke getan haben. Dieselbe Gnade aber l\u00e4\u00dft sich allein durch den Glauben fassen. 44] Also bleibt Christus allein der Hohepriester und Mittler, und was wir nun Gutes tun, oder was wir des Gesetzes halten, gef\u00e4llt Gott nicht f\u00fcr sich selbst, sondern da\u00df wir uns an Christum halten und wissen, da\u00df wir einen gn\u00e4digen Gott haben nicht um des Gesetzes willen, sondern um Christus\u2019 willen.<\/p>\n<p>45] Zum vierten, so wir hielten, da\u00df [wir], wenn wir nun zu dem Evangelium kommen and neugeboren sind, hernach durch unsere Werke verdienen sollen, da\u00df uns Gott gn\u00e4dig forthin w\u00e4re, nicht durch Glauben, so k\u00e4me das Gewissen nimmer zur Ruhe, sondern m\u00fcsste verzweifeln; 46] denn das Gesetz klagt uns ohne Unterla\u00df an, dieweil wir es nicht vollk\u00f6mmlich halten k\u00f6nnen usw. Wie denn die ganze heilige christliche Kirche, alle Heiligen allzeit bekannt haben und noch bekennen. 47] Denn also sagt Paulus zu den R\u00f6mern am 7, 19: &#8220;Das Gute, das ich will, das t\u00fc ich nicht, sondern das B\u00f6se, das ich nicht will, das t\u00fc ich&#8221; usw. Item: &#8220;Mit dem Fleische diene ich dem Gesetz der S\u00fcnde&#8221; usw. Denn es ist keiner, der Gott den Herrn so von ganzem Herzen f\u00fcrchtet und liebt, als er schuldig ist; keiner, der Kreuz und Tr\u00fcbsal in ganzem Gehorsam gegen Gott tr\u00e4gt; keiner, der nicht durch Schwachheit oft zweifelt, ob auch Gott sich unser annehme, ob er uns achte, ob er unser Gebet erh\u00f6re. Dar\u00fcber murren wir oft aus Ungeduld wider Gott, da\u00df es den Gottlosen wohl geht, den Frommen \u00fcbel. Item, wer ist, der seinem Beruf recht genug tut, der nicht wider Gott z\u00fcrnt in Anfechtungen, wenn Gott sich verbirgt? Wer liebt seinen N\u00e4chsten als sich selbst? Wer ist ohne allerlei b\u00f6se L\u00fcste? von den S\u00fcnder allen sagt der Psalm: &#8220;Daf\u00fcr werden bitten alle Heiligen zu rechter Zeit.&#8221; 48] Da sagt er, da\u00df alle Heiligen m\u00fcssen um Vergebung der S\u00fcnden bitten. Derhalben sind diejenigen gar stockblind, welche die b\u00f6sen L\u00fcste im Fleisch nicht f\u00fcr S\u00fcnde halten, von welchen Paulus sagt: &#8220;Das Fleisch strebet wider den Geist, und der Geist strebet wider das Fleisch.&#8221; 49] Denn das Fleisch vertraut Gott nicht, verl\u00e4\u00dft sich auf diese Welt und zeitliche G\u00fcter, sucht in Tr\u00fcbsalen menschlichen Trost und Hilfe, auch wider Gottes Willen, zweifelt an Gottes Gnade und Hilfe murrt wider Gott in Kreuz und Anfechtungen, welches alles wider Gottes Gebot ist. Wider die Adamss\u00fcnde streitet und strebt der Heilige Geist in den Herzen der Heiligen, da\u00df er dasselbe Gift des alten Adams, die b\u00f6se verzweifelte Art, ausfege und t\u00f6te und in das Herz einen andern Sinn und Mut bringe.<\/p>\n<p>51] Und Augustinus sagt auch: &#8220;Alle Gebote Gottes halten wir dann, wenn uns alles, was wir nicht halten, vergeben wird.&#8221; Darum will Augustinus, da\u00df auch die guten Werke, welche der Heilige Geist wirkt in uns, Gott nicht anders gefallen denn also, da\u00df wir glauben, da\u00df wir Gott angenehm seien um Christus\u2019 willen, nicht da\u00df sie an ihnen selbst Gott sollten gefallen. 52] Und Hieronymus sagt wider Pelagius: &#8220;Dann sind wir gerecht, wenn wir uns f\u00fcr S\u00fcnder erkennen; Und unsere Gerechtigkeit steht nicht in unserm Verdienst, sondern in Gottes Barmherzigkeit.&#8221; Darum, wenn wir gleich ganz reich von [an] rechten guten Werken sind und also angefangen haben, Gottes Gesetz zu halten, wie Paulus, da er treulich gepredigt hat usw., so mu\u00df dennoch der Glaube da sein, dadurch wir vertra\u00fcn, da\u00df Gott uns gn\u00e4dig und vers\u00f6hnt sei um Christus\u2019 willen und nicht um unserer Werke willen. Denn die Barmherzigkeit l\u00e4\u00dft sich nicht fassen denn allein durch den Glauben. Darum diejenigen, so lehren, da\u00df wir um Werke willen, nicht um Christus\u2019 willen Gott angenehm werden, die f\u00fchren die Gewissen in Verzweiflung.<\/p>\n<p>61] Aus dem allem ist\u2019s klar genug, da\u00df allein der Glaube uns vor Gott gerecht macht, das ist, er erlangt Vergebung der S\u00fcnden und Gnade um Christus\u2019 willen und bringt uns zu einer ne\u00fcn Geburt. Item so ist\u2019s klar genug, da\u00df wir allein durch den Glauben den Heiligen Geist empfangen; item, da\u00df unsere Werke, und da wir anfangen, das Gesetz zu halten, an ihm selbst Gott nicht gefallen. So ich nun, wenn ich gleich voll guter Werke bin, wie Paulus war und Petrus, dennoch anderswo mu\u00df meine Gerechtigkeit suchen, n\u00e4mlich in der Verhei\u00dfung der Gnade Christi, item, so allein der Glaube das Gewissen stillt, so mu\u00df je das gewi\u00df sein, da\u00df allein der Glaube vor Gott gerecht macht. Denn wir m\u00fcssen allezeit dabei bleiben, wollen wir recht lehren, da\u00df wir nicht um des Gesetzes willen, nicht um Werke willen, sondern um Christus\u2019 willen Gott angenehm sind. Denn die Ehre, so Christo geb\u00fchrt, soll man nicht dem Gesetze oder unsern elenden Werken geben. <\/p>\n<p>Antwort auf die Argumente der Widersacher.<\/p>\n<p>62] So wir nun die rechten Gr\u00fcnde dieser Sache haben angezeigt, n\u00e4mlich den Unterschied unter g\u00f6ttlicher Verhei\u00dfung und des Gesetzes, so kann man leichtlich verlegen [widerlegen] dasjenige, so die Widersacher dagegen vorbringen. Denn sie f\u00fchren Spr\u00fcche ein vom Gesetz und guten Werken. Die Spr\u00fcche aber, so von g\u00f6ttlicher Verhei\u00dfung reden, lassen sie au\u00dfen. 63] Man kann aber kurz antworten auf alle Spr\u00fcche, so sie einf\u00fchren von dem Gesetze, n\u00e4mlich, da\u00df das Gesetz ohne Christum niemand halten kann, und wenngleich \u00e4u\u00dferlich gute Werke geschehen ohne Christum, so hat doch Gott darum an der Person nicht Gefallen. Darum wenn man will von guten Werken lehren oder predigen, soll man allezeit dazusetzen, da\u00df zuv\u00f6rderst Glaube da sein m\u00fcsse, und da\u00df sie allein um des Glaubens willen an Christum Gott angenehm seien, und da\u00df sie Fr\u00fcchte und Zeugnisse des Glaubens sind. Diese unsere Lehre ist je klar, sie l\u00e4\u00dft sich auch wohl am Licht sehen und gegen die Heilige Schrift halten, und ist auch hie klar und richtig vorgetragen, wer ihm will sagen lassen und die Wahrheit nicht wissentlich verleugnen. Denn Christi Wohltat und den gro\u00dfen Schatz des Evangelii (welchen Paulus so hoch hebt) recht zu erkennen, m\u00fcssen wir je auf einem Teil Gottes Verhei\u00dfung und angebotene Gnade, auf dem andern Teil das Gesetz so weit voneinander scheiden als Himmel und Erde. In bauf\u00e4lligen Sachen bedarf man viele Glossen; aber in guten Sachen ist allezeit eine solutio oder zwei, die durchaus gehen und l\u00f6sen alles auf, so man dagegen vermeint aufzubringen. 64] Also hier in dieser Sache: diese einige solutio l\u00f6st alle Spr\u00fcche auf, die wider uns angezogen werden, n\u00e4mlich da\u00df man das Gesetz ohne Christum nicht recht tun kann, und obschon \u00e4u\u00dferliche Werke geschehen, da\u00df doch Gott die Person nicht gef\u00e4llt au\u00dfer Christo. 65] Denn wir bekennen, da\u00df die Schrift diese zwei Lehren f\u00fchrt: Gesetz und Verhei\u00dfung der Gnade. Die Widersacher aber, die treten schlechts das ganze Evangelium mit F\u00fc\u00dfen und alle Verhei\u00dfungen der Gnade in Christo; so lehren sie, da\u00df wir um unserer Liebe und Werke willen Vergebung der S\u00fcnden erlangen und nicht durch den Glauben. 66] Denn so Gottes Gnade and Hilfe gegen uns gebaut ist auf unsere Werke, so ist sie gar ungewi\u00df. Denn wir k\u00f6nnen nimmermehr gewi\u00df sein, wann wir Werke genug tun, oder ob die Werke heilig oder rein genug seien. So wird auch also die Vergebung der S\u00fcnden ungewi\u00df, und geht Gottes Zusage unter, wie Paulus sagt R\u00f6m. 4, 14: &#8220;Die g\u00f6ttliche Zusage ist dann umgesto\u00dfen, und ist alles ungewi\u00df.&#8221; 67] Darum lehren wir die Herzen und Gewissen, da\u00df sie sich tr\u00f6sten durch dieselbe Verhei\u00dfung Gottes, welche fest steht und bietet Gnade an und Vergebung der S\u00fcnden um Christus\u2019 willen, nicht um unserer Werke willen. Danach lehren wir auch von guten Werken und von dem Gesetz, nicht da\u00df wir durch des Gesetz verdienen Vergebung der S\u00fcnden, oder da\u00df wir um des Gesetzes willen Gott angenehm seien, sondern da\u00df Gott gute Werke haben will. Denn man mu\u00df, wie Paulus sagt, recht schneiden und teilen Gottes Wort, das Gesetz auf einen Ort, die Zusage Gottes auf den andern. Man mu\u00df sehen, wie die Schrift von der Verhei\u00dfung, wie sie von dem Gesetz redet. Denn die Schrift gebietet und lobt also gute Werke, da\u00df sie doch gleichwohl Gottes Verhei\u00dfung und den rechten Schatz, Christum, noch viel tausendmal h\u00f6her setzt.<\/p>\n<p>68] Denn gute Werke soll und mu\u00df man tun, denn Gott will sie haben; so sind es Fr\u00fcchte des Glaubens, wie Paulus zu den Ephesern am 2, 10 sagt: &#8220;Denn wir sind geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken.&#8221; Darum sollen gute Werke dem Glauben folgen als Danksagungen gegen Gott, item, da\u00df der Glaube dadurch ge\u00fcbt werde, wachse und zunehme, und da\u00df durch unser Bekenntnis und guten Wandel andere auch erinnert werden.<\/p>\n<p>80] Also sagt Paulus, da\u00df Abraham habe die Beschneidung empfangen, nicht da\u00df er um des Werkes willen w\u00e4re gerecht geworden, sondern da\u00df er an seinem Leibe ein Zeichen h\u00e4tte, dadurch er erinnert w\u00fcrde und immer im Glauben zun\u00e4hme; item, da\u00df er seinen Glauben bekennete vor andern und durch sein Zeugnis die andern auch zu glauben reizte. 81] Also hat Abel durch den Glauben Gott ein angenehm Opfer getan. Denn das Opfer hat Gott nicht gefallen ex opere operato sondern Abel hielt\u2019s gewi\u00df daf\u00fcr, da\u00df er einen gn\u00e4digen Gott h\u00e4tte; das Werk aber tat er, da\u00df er seinen Glauben \u00fcbte und die andern durch sein Exempel und Bekenntnis zu glauben reizte.<\/p>\n<p>82] So nun also und nicht anders die guten Werke sollten dem Glauben folgen, so tun die viel anderer Meinung ihre Werke, die nicht glauben, da\u00df ihnen ohne Verdienst [die] S\u00fcnden vergeben werden um Christus\u2019 willen, Denn wenn dieselben sehen gute Werke an den Heiligen, richten sie menschlicherweise von den Heiligen, wollen w\u00e4hnen, die Heiligen haben mit ihren Werken Vergebung der S\u00fcnden erlangt oder seien durch Werke vor Gott gerecht geworden. Darum tun sie dergleichen ihnen nach und meinen, sie wollen auch also Vergebung der S\u00fcnden erlangen und Gottes Zorn vors\u00f6hnen. Solchen \u00f6ffentlichen Irrtum und falsche Lehre von den Werken verdammen wir. Erstlich, da\u00df dadurch Christo, dem rechten Mittler, die Ehre genommen wird und wird den elenden Werken gegeben, wenn wir an Christus\u2019 Statt unsere Werke wollen darstellen f\u00fcr einen Schatz und Vers\u00f6hnung des g\u00f6ttlichen Zorns und der S\u00fcnde. Denn die Ehre geh\u00f6rt allein Christo, nicht unsern elenden Werken. Zum andern, so finden doch die Gewissen auch nicht Frieden in solchen Werken. Denn wenn sie schon der Werke viel tun and zu tun sich beflei\u00dfigen, so findet sich doch kein Werk, das rein genug sei, das wichtig, k\u00f6stlich genug sei, einen gn\u00e4digen Gott zu machen, das ewige Leben gewi\u00df zu erlangen, in Summa, das Gewissen ruhig und friedlich zu machen. F\u00fcr das dritte, die auf Werke ba\u00fcn, die lernen nimmermehr Gott recht kennen noch seinen Willen. Denn ein Gewissen, das an Gottes Gnade zweifelt, das kann nicht glauben, da\u00df es erh\u00f6rt werde. Und dieweil es Gott nicht anrufen kann, wird es auch g\u00f6ttlicher Hilfe nicht inne, kann also Gott nicht kennen lernen. Wenn aber der Glaube da ist, n\u00e4mlich da\u00df wir durch Christum einen gn\u00e4digen Gott haben, der darf fr\u00f6hlich Gott anrufen, lernt Gott and seinen Willen kennen<\/p>\n<p>85] Aber der Irrtum von den Werken klebt der Welt gar hart an. Die Heiden haben auch Opfer, welche von [den] Patriarchen erstlich herkommen; dieselbe Opfer und Werke der V\u00e4ter haben sie nachgetan. Vom Glauben wu\u00dften sie nicht, hielten daf\u00fcr, da\u00df dieselben Werke ihnen einen gn\u00e4digen Gott machten. 86] Die Isr\u00e4liten erdichteten ihnen auch Werke und Opfer der Meinung, da\u00df sie dadurch wollten einen gn\u00e4digen Gott machen durch ihr opus operatum, da\u00df ist, durch das blo\u00dfe Werk, welches ohne Glauben geschah. Da sehen wir, wie heftig die Propheten dawider schreien und rufen, als im 50. Psalm: &#8220;Deines Opfers halben strafe ich dich nicht&#8221; usw. Item, Jeremias sagt: &#8220;Ich habe nicht mit euren V\u00e4tern von Brandopfern geredet.&#8221; Da verdammen die Propheten nicht die Opfer an ihnen selbst, denn die hat Gott geboten als \u00e4u\u00dferliche \u00dcbungen in demselben seinem Volk, sondern sie treffen vornehmlich ihr gottlos Herz, da sie die Opfer der Meinung taten, da\u00df sie meinten, dadurch w\u00fcrde God ex opere operato vers\u00f6hnt; dadurch ward der Glaube unterdr\u00fcckt. 87] Und so nun kein Werk das Gewissen recht zufriedenstellt, so pflegen die Heuchler auf ein blindes Geratewohl und Wagendahin gleichwohl ein Werk \u00fcber das andere, ein Opfer \u00fcber das andere zu erfinden, und alles ohne Gottes Wort und Befehl mit b\u00f6sem Gewissen, wie wir im Papsttum gesehen. Und vornehmlich lassen sie sich bewegen durch die Exempel der Heiligen. Denn wenn sie denen also nachfolgen, meinen [sie], sie wollen Vergebung der S\u00fcnden erlangen, wie die Heiligen erlangt haben usw. Aber die Heiligen glaubten. Das Volk Isr\u00e4l hatte gesehen, da\u00df die Propheten opferten auf den H\u00f6hen und Hainen; das Werk taten sie nach, da\u00df sie durch das Werk Gottes Zorn vers\u00f6hnten. Die Propheten aber hatten da Opfer getan, nicht da\u00df sie durch die Werke Vergebung der S\u00fcnden verdienen wollten, sondern da\u00df sie an den Orten predigten und lehrten. Darum taten sie die Opfer zu einem Zeugnis ihres Glaubens. 88] Item, da\u00df Volk hatte nun geh\u00f6rt, da\u00df Abraham seinen Sohn geopfert hatte; da\u00df sie nun auch Werke t\u00e4ten, die sie schwer und sa\u00fcr ank\u00e4men, so opferten sie ihre S\u00f6hne auch. Abraham aber was nicht der Meinung, seinen Sohn zu opfern, da\u00df solches sollte eine Vers\u00f6hnung sein, dadurch er vor Gott gerecht w\u00fcrde usw. 89] Also in der Kirche hat Christus Zusage Vergebung der S\u00fcnden wird angeboten, da\u00df wir erinnert werden, da\u00df durch das \u00e4u\u00dferliche Zeichen unser Glaube gest\u00e4rkt werde, da\u00df wir dadurch auch vor den Leuten unsern Glauben bekennen und die Wohltat Christi preisen und predigen, wie Paulus sagt: &#8220;Sooft ihr das tut, sollte ihr den Tod des Herrn verk\u00fcndigen&#8221; usw. Die Widersacher aber geben vor, die Messe sei ein solch Werk, das ex opere operato vor Gott uns gerecht mache und erl\u00f6se diejenigen von Pein und Schuld, f\u00fcr welche es geschieht.<\/p>\n<p>90] St. Antonius, Bernhardus, Dominikus und andere Heilige haben durch ein eigen Leben von Leuten sich getan, damit sie desto leichter die Heilige Schrift k\u00f6nnten lesen, oder um anderer \u00dcbung willen. Nichtsdestoweniger haben sie bei sich gehalten, da\u00df sie durch den Glauben an Christum vor Gott gerecht w\u00e4ren, da\u00df sie allein durch Christum einen gn\u00e4digen Gott erlangten. Aber der gro\u00dfe Haufe ist hernach zugefahren, haben den Glauben an Christum fahren lassen, haben allein gesehen auf die Exempel ohne Glauben und sich unterstanden, durch dieselben Klosterwerke Vergebung der S\u00fcnden zu erlangen. Also setzt allezeit die Vernunft die guten Werke zu hoch und an einen unrechten Ort. Den Irrtum ficht nun an das Evangelium und lehrt, da\u00df wir vor Gott gerecht werden nicht um des Gesetzes oder unserer Werke willen, sondern allein um Christus\u2019 willen. Christum aber kann man nicht fassen denn allein durch den Glauben. Darum so werden wir auch allein durch den Glauben vor Gott gerecht.<\/p>\n<p>97] Dagegen ziehen die Widersacher an den Spruch Pauli zu den Korinthern am 13: &#8220;Wenn ich h\u00e4tte allen Glauben usw. Und h\u00e4tte aber die Liebe nicht, so w\u00e4re ich nichts.&#8221; Da rufen die Widersacher mit einem gro\u00dfen Triumph und r\u00fchmen, sie seien durch diesen Spruch gewi\u00df, da\u00df nicht allein der Glaube vor Gott und gerecht mache, sondern auch die Liebe. 98] Es ist aber ganz leicht zu antworten, nachdem wir oben haben angezeigt, was wir von der Liebe und Werken halten. Paulus will in dem Spruche, da\u00df in den Christen solle Liebe sein gegen den N\u00e4chsten; das sagen wir auch. Denn wir haben je hier oben gesagt: Wenn wir neugeboren sind, so, fangen wir an, das Gesetz zu halten und Gottes Gesetz gehorsam zu sein. Darum wenn jemand die christliche Liebe nachl\u00e4\u00dft, so ist er, wenn er gleich gro\u00dfen, starken Glauben gehabt, kalt geworden und ist nun wieder fleischlich, ohne Geist und Glauben. 99] Denn da ist nicht der Heilige Geist, wo nicht christliche Leibe ist und andere gute Fr\u00fcchte. Es folgt aber daraus nicht, da\u00df uns die Liebe vor Gott gerecht macht, das ist, da\u00df wir darum durch die Liebe Vergebung der S\u00fcnden erlangen, da\u00df die Liebe die Schrecken der S\u00fcnde und des Todes \u00fcberwinde, da\u00df die Liebe an Christus\u2019 Statt gegen Gottes Zorn und Gericht solle gehalten werden, da\u00df die Liebe das Gesetz erf\u00fclle, da\u00df wir durch die Liebe Gott vers\u00f6hnt und angenehm werden und nicht um Christus\u2019 willen. Von dem allem sagt Paulus nichts, und die Widersacher erdichten es doch auch ihrem Hirn. Denn so wir durch unsere Liebe Gottes Zorn \u00fcberwinden, so wir durch unser Gesetzerf\u00fcllen Gott angenehm sind, m\u00f6gen die Widersacher auch sagen, da\u00df die g\u00f6ttliche Verhei\u00dfung, das ganze Evangelium nichts sei. Denn dasselbe lehrt, da\u00df wir einen Zugang haben zu Gott allein durch Christum, da\u00df wir nicht durch unser Gesetzwerk, sondern um Christus\u2019 willen Gott angenehm sind, als durch den einigen Mittler und Vers\u00f6hner. Die Widersacher deuten viele Spr\u00fcche auf ihre Meinung, die doch nicht also lauten; aber sie machen Zusatz daran, wie hier. Denn dieser Spruch ist klar genug, wenn allein die Widersacher ihre eigenen Tr\u00e4ume au\u00dferhalb der Schrift nicht daran flickten; so sie doch nicht verstehen, was Glaube sei, was Christus ist, oder wie es zugeht, wenn ein Mensch vor Gott gerecht wird. Die Korinther und etliche auch ihnen hatten das Evangelium geh\u00f6rt und viele treffliche Gaben empfangen, und wie es denn in solchen Sachen zugeht, im Anfang waren sie hitzig und wacker zu allen Sachen, danach erwuchsen Rotten und Sekten unter ihnen, wie Paulus anzeigt, hoben an, die rechten Apostle zu verachten. Darum straft sie Paulus, vermahnt sie wieder zur Einigkeit und zu christlicher Liebe. Und Paulus redet an dem Ort nicht von Vergebung der S\u00fcnden, oder wie man vor Gott fromm und gerecht wird, oder wie es zugeht, wenn ein S\u00fcnder zu Christo bekehrt wird, sondern redet von den Fr\u00fcchten des Glaubens, redet auch nicht von der Liebe gegen Gott, sondern von der Liebe gegen den N\u00e4chsten. Nun ist es fast n\u00e4rrisch, da\u00df die Liebe gegen den N\u00e4chsten, dadurch wir hier auf Erden mit den Leuten handeln, uns vor Gott soll gerecht machen, so doch zu der Gerechtigkeit, welche vor Gott gilt, dieses geh\u00f6rt, da\u00df wir etwas erlange, dadurch Gotten Zorn gestillt und das Gewissen gegen Gott im Himmel zum Frieden komme. Der keines geschieht durch die Liebe, sondern allein durch den Glauben, durch welchen man fa\u00dft Christum und Gottes Zusage. Das ist aber wahr: wer die Liebe verliert, der verliert auch Geist und Glauben. Und also sagt Paulus: &#8220;Wenn ich die Liebe nicht habe, so bin ich nichts.&#8221; Er setzt aber nicht die \u2018affirmativam\u2019 dazu, da\u00df die Liebe vor Gott gerecht mache.<\/p>\n<p>104] Aber hier sagen sie auch, die Liebe werde dem Glauben und der Hoffnung vorgezogen. Denn Paulus sagt 1 Kor. 13, 13: &#8220;Die Liebe ist die gr\u00f6\u00dfte unter den dreien.&#8221; Nun sei es zu achten, da\u00df die Tugend, so Paulus die gr\u00f6\u00dfte nennt, vor Gott uns gerecht und heilig mache. 105] Wiewohl nun Paulus da eigentlich redet von der Liebe gegen den N\u00e4chsten, und so er spricht: &#8220;Die Liebe ist die gr\u00f6\u00dfte&#8221;, sagt er darum denn die Liebe geht weit und tr\u00e4gt viel fr\u00fcchte auf Erden. Denn Glaube und Hoffnung handeln allein mit Gott. Aber die Liebe geht auf Erden unter den Leuten um und tut viel Gutes mit Tr\u00f6sten, Lehren, Unterrichten, Helfen, Raten, heimlich und \u00f6ffentlich. Doch lassen wir zu, da\u00df Gott und den N\u00e4chsten lieben die h\u00f6chste Tugend sei. Denn dies ist das h\u00f6chste Gebot: &#8220;Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen.&#8221; Daraus folgt nun nicht, da\u00df die Liebe uns gerecht macht. 106] Ja, sprechen sie, die h\u00f6chste Tugend soll billig gerecht machen. Antwort: Es w\u00e4re wahr, wenn wir um unserer Tugend willen einen gn\u00e4digen Gott h\u00e4tten. Nun ist droben bewiesen, da\u00df wir um Christus\u2019 willen, nicht um unserer Tugend willen angenehm und gerecht sind; denn unsere Tugenden sind unrein. Ja, wie dieses Gesetz das h\u00f6chste ist: &#8220;Du sollst Gott lieben&#8221;, also kann diese Tugend, Gott lieben, am allerwenigsten gerecht machen. Denn so das Gesetz und Tugend h\u00f6her ist, so wir es weniger tun k\u00f6nnen, darum sind wir nicht um der Liebe willen gerecht. Der Glaube aber macht gerecht, nicht um unsers Tuns willen, sondern allein derhalben, da\u00df er Barmherzigkeit sucht und empf\u00e4ngt und will sich auf kein eigen Tun verlassen, das ist, da\u00df wir lehren, Gesetz macht nicht gerecht, sondern das Evangelium, das glauben hei\u00dft, da\u00df wir um Christus\u2019 willen, nicht um unsers Tuns willen einen gn\u00e4digen Gott haben.<\/p>\n<p>108] Die Widersacher lehren aber darum also von der Liebe, da\u00df sie uns Gott vers\u00f6hne; denn sie wissen nichts vom Evangelio, sondern sehen allein das Gesetz an, wollen damit um eigener Heiligkeit willen einen gn\u00e4digen Gott haben, nicht aus Barmherzigkeit um Christus\u2019 willen. Also sind sie allein Gesetzlehrer und nicht Lehrer des Evangelii.<\/p>\n<p>110] Auch ziehen die Widersacher wider uns an den Spruch zu den Kolossern: &#8220;Die Liebe ist ein Band der Vollkommenheit.&#8221; Daher schlie\u00dfen sie, da\u00df die Liebe vor Gott gerecht mache, denn sie macht uns vollkommen. Wiewohl wir hier allerlei antworten k\u00f6nnten von der Vollkommenheit, doch wollen wir hier den Spruch Pauli einf\u00e4ltig handeln. Es ist gewi\u00df, da\u00df Paulus von der Liebe des N\u00e4chsten redet; so darf man auch nicht gedenken, da\u00df Paulus\u2019 Meinung sei, da\u00df wir sollten vor Gott eher gerecht werden durch die Werke der andern Tafel denn durch die Werke der ersten Tafel. Item, so die Liebe eine Vollkommenheit ist oder vollk\u00f6mmliche Erf\u00fcllung des Gesetzes, so ist des Mittlers Christi nicht vonn\u00f6ten. Paulus aber, der lehrt an allen Orten, da\u00df wir darum Gott angenehm seien um Christus\u2019 willen, nicht am unserer Liebe oder unserer Werke oder Gesetzes willen. Denn auch kein Heiliger (wie oben gesagt) erf\u00fcllt des Gesetz vollk\u00f6mmlich. Darum so er, an allen andern Orten schreibt und lehrt, da\u00df in diesem Leben an unsern Werken keine Vollkommenheit ist, so ist nicht zu gedenken, da\u00df er zu den Kolossern von Vollkommenheit der Person rede, sondern er redet von Einigkeit der Kirche, und das Wort, so sie Vollkommenheit deuten, hei\u00dft nichts anderes, denn unzerrissen sein, das ist, einig sein. 111] Da\u00df er nun sagt: &#8220;Die Liebe ist ein Band der Vollkommenheit&#8221;, das ist, sie bindet, f\u00fcgt und h\u00e4lt zusammen die vielen Gliedma\u00dfen der Kirche unter sich selbst (denn gleichwie in einer Stadt oder in einem Hause die Einigkeit dadurch erhalten wird, da\u00df einer dem andern zugute halte, und kann nicht Friede noch Ruhe bleiben, wo nicht einer dem andern viel versieht, wo wir nicht einander tragen), also will Paulus da vermahnen zu der christlichen Liebe, da\u00df einer des andern Fehle, Gebrechen dulden und tragen soll, da\u00df sie einander vergeben sollen, damit Einigkeit erhalten werde in der Kirche, damit der Christenhaufe nicht zerrissen, zertrennt werde und sich in allerlei Rotten und Sekten teile, daraus dann gro\u00dfer Unrat, Ha\u00df und Neid, allerlei Bitterkeit und b\u00f6ses Gift, endlich \u00f6ffentliche Ketzerei erfolgen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>112] Denn die Einigkeit kann nicht bleiben, wenn die Bisch\u00f6fe ohne alle Ursache zu schwere B\u00fcrden auflegen dem Volk. Auch werden daraus leichtlich Rotten, wenn das Volk aufs geschwindeste [heftigste] alles will meistern und ausecken an der Bisch\u00f6fe oder Prediger Wandel und Leben, oder wenn sie alsbald der Prediger m\u00fcde werden, etwa um eines kleinen Gebrechens willen; da folgt viel gro\u00dfen Unrats. Alsdann bald sucht man aus derselben Verbitterung andere Lehrer und andere Prediger. 113] Wiederum wird erhalten Vollkommenheit und Einigkeit, das ist, die Kirche bleibt unzertrennt und ganz, wenn die Starken die Schwachen dulden und tragen, wenn das Volk mit seinen Predigern auch Geduld hat, wenn die Bisch\u00f6fe und Prediger wiederum allerlei Schwachheit, Gebrechen dem Volk nach Gelegenheit wissen zugut zu halten. 114] Von dem Wege und der Weise, Einigkeit zu halten, ist auch viel allenthalben geschrieben in den B\u00fcchern der Philosophen und Weltweisen. Denn wir m\u00fcssen einander viel vergeben und f\u00fcr gut haben um Einigkeit willen. Und davon redet Paulus mehr denn an einem Ort. Darum schlie\u00dfen die Widersacher nicht recht, da\u00df die Liebe solle vor Gott gerecht machen. Denn Paulus redet da nicht von den Vollkommenheit oder Heiligkeit der Personen, wie sie w\u00e4hnen, sondern sagt: &#8220;Die Liebe macht ein stilles Wesen in der Kirche.&#8221; Und also legt den Spruch auch Ambrosius aus: &#8220;Gleichwie wie Geb\u00e4u ganz ist, wenn alle St\u00fccke zusammenhangen&#8221; usw. 115] Es sollten sich aber die Widersacher auch wohl sch\u00e4men, da\u00df sie so trefflich hoch von der Liebe schreiben und predigen und Liebe, Liebe in allen ihren B\u00fcchern schreiben und schreien und gar keine Liebe erzeigen. Denn wie eine sch\u00f6ne Christenliebe ist das, da\u00df sie durch ihre unerh\u00f6rte Tyrannei zertrennen und zerrei\u00dfen die Einigkeit der Kirche, so sie nichts denn Blutbriefe und tyrannische Gebote ausgehen zu lassen, dem allerl\u00f6blichsten Kaiser gern das \u00cbrgste wollten einbilden. Sie erw\u00fcrgen die Priester und viele andere fromme, ehrliche Leute keiner andern Ursache halben, denn da\u00df sie allein \u00f6ffentliche, sch\u00e4ndliche Mi\u00dfbr\u00e4uche anfechten. Sie wollten gerne, da\u00df alle die tot w\u00e4ren, die wider ihre gottlose Lehre mit einem Wort mucken. Das alles reimt sich gar \u00fcbel zu dem gro\u00dfen R\u00fchmen von Liebe, von caritas usw. Denn wenn bei den Widersachern ein Tr\u00f6pflein Liebe w\u00e4re, so k\u00f6nnte man wohl Frieden und Einigkeit in der Kirche machen, wenn sie ihre Menschensatzungen, welche doch nichts zu christlicher Lehre oder Leben n\u00fctze sind, nicht also aus lauter rachgieriger Bitterkeit und pharis\u00e4ischem Neid wider die erkannte Wahrheit verf\u00f6chten, sonderlich so sie ihre Satzungen selbst nicht halten.<\/p>\n<p>117] Aus dem Apostel Petro ziehen sie auch an den Spruch, da er sagt: &#8220;Die Liebe deckt zu die Menge der S\u00fcnden.&#8221; Nun ist es gewi\u00df, da\u00df Petrus da auch redet von der Liebe gegen den N\u00e4chsten. Denn er redet daselbst von dem Gebot der Liebe, da geboten ist, da\u00df wir uns untereinander lieben sollen. So ist es auch keinem Apostel nie in seine Gedanken kommen, da\u00df die Liebe sollte den Tod \u00fcberwinden oder die S\u00fcnde, da\u00df die Liebe sollte eine Vers\u00f6hnung sein ohne den Mittler Christum, da\u00df die Liebe sollte unsere Gerechtigkeit sein ohne den Vers\u00f6hner Christum. Denn die Liebe, wenn wir sie schon gleich haben, so ist es nichts mehr denn eine Gerechtigkeit des Gesetzes; sie ist je nicht Christus, durch welchen wir allein gerecht werden, wenn wir glauben, da\u00df um des Mittlers willen uns der Vater gn\u00e4dig ist, da\u00df uns sein Verdeinst geschenkt wird. 118] Darum kurz zuvor vermahnt Petrus, da\u00df wir uns sollen zu Christo halten, da\u00df wir auf ihn als den Eckstein erbaut werden. Denn er sagt: &#8220;Wer an ihn glaubet, der wird nicht zuschanden werden.&#8221; Mit unsern Werken und Leben werden wir wahrlich vor Gottes Urteil und Angesicht mit Schanden bestehen. Aber der Glaube, durch welchen Christus unser wird, der erl\u00f6st uns von solchen Schrecken des Todes. Denn durch die Verhei\u00dfung sind wir recht gewi\u00df, da\u00df uns durch Christum die S\u00fcnde vergeben ist.<\/p>\n<p>119] Und das Word 1 Petr. 4: &#8220;Die Liebe deckt der S\u00fcnden Menge&#8221; usw. ist genommen aus den Spr\u00fcchen Salomonis, da er sagt: &#8220;Ha\u00df richtet Hader an, aber die Liebe deckt der S\u00fcnden Menge zu.&#8221; 120] Da gibt der Text klar an ihm selbst genug, da\u00df er von der Liebe redet gegen den N\u00e4chsten und nicht von der Liebe gegen Gott. Und er will gleich dasselbe, da\u00df der n\u00e4chste Spruch Pauli zu den Kolossern sagt, n\u00e4mlich, da\u00df wir uns sollen flei\u00dfigen, br\u00fcderlich, freundlich zu leben, also da\u00df einer dem andern viel zugute halte, da\u00df Unlust und Zwiespalt vermieden werden, als sollte er sagen: Zwiespalt vermieden werden, als sollte er sagen: Zwiespalt erw\u00e4chst aus Ha\u00df; wie wir denn sehen, da\u00df aus geringen F\u00fcnklein oft gro\u00dfes Fe\u00fcr angeht. Es waren nicht so gro\u00dfe Sachen, dar\u00fcber erst C. C\u00e4sar und Pompejus uneins geworden, und wo einer dem andern gewichen h\u00e4tte, so w\u00e4re der folgende gro\u00dfe Krieg, so viel Blutvergie\u00dfen, so manch gro\u00df Ungl\u00fcck und Unrat nicht daraus gekommen. Aber da ein jeder mit dem Kopf hindurch wollte, ist der gro\u00dfe, uns\u00e4gliche Schade, Zerr\u00fcttung des ganzen r\u00f6mischen Regiments der Zeit erfolgt. 121] Und es sind viele Ketzereien daher erwachsen, da\u00df Prediger aufeinander sind verbittert worden. So ist nun Petri Spruch also zu verstehen: &#8220;Die Liebe deckt den S\u00fcnden Menge zu&#8221;, das ist, die Liebe deckt des N\u00e4chsten S\u00fcnde. Das ist, ob sich gleichwohl Unwille unter Christen begibt, so tr\u00e4gt doch die Liebe alles, \u00fcbersieht gern, weicht dem N\u00e4chsten, duldet und tr\u00e4gt br\u00fcderlich seine Gebrechen und sucht nicht alles aufs sch\u00e4rfste. So will nun Petrus das gar nicht, da\u00df die Liebe vor Gott verdiene Vergebung der S\u00fcnden, da\u00df die Liebe uns Gott vers\u00f6hne ohne den Mittler Christum, da\u00df wir durch die Liebe sollten Gott angenehm sein ohne den Mittler Christum, sondern da\u00df will Petrus, da\u00df, in welchem christliche Liebe ist, der ist nicht eingesinnig, nicht hart und unfreundlich, sondern h\u00e4lt leichtlich dem N\u00e4chsten, seine Gebrechen und Fehle zugute, vergibt br\u00fcderlich dem N\u00e4chsten, stillt, weist sich selbst und weicht um Friedens willen, wie auch lehrt der Spruch: Amici vitia noris, non oderis, das ist, ich soll meines Freundes Weise lernen, aber ihn (ob es nicht alles schnurgleich ist) darum nicht hassen. 122] Und die Apostel vermahnen nicht ohne Ursache zu solcher Liebe, welches die Philosophi ejpieivkeian genannt haben. Denn sollen Leute in Einigkeit beieinander sein oder bleiben, es sei in der Kirche oder auch weltlichem Regiment, so m\u00fcssen sie nicht alle Gebrechen gegeneinander auf der Goldwage abrechnen, sie m\u00fcssen lassen einander fast veil mit dem Wasser vor\u00fcbergehen und immer zugute halten, soviel auch immer m\u00f6glich, br\u00fcderlich miteinander Geduld haben.<\/p>\n<p>123] Auch ziehen sie den Spruch aus dem Apostel Jakobo an und sagen: &#8220;Sehet ihr nun, da\u00df wir nicht allein durch den Glauben, sondern durch Werke vor Gott gerecht werden?&#8221; Und sie wollen w\u00e4hnen, der Spruch sei fest, stark wider unsere Lehre. Aber wenn die Widersacher allein ihre Tr\u00e4ume au\u00dfen lassen und nicht hinanflicken, was sie wollen, so ist die Antwort leicht. Denn des Apostels Jakobi Spruch hat wohl seinen einf\u00e4ltigen Verstand, aber die Widersacher erdichten das dazu, da\u00df wir durch unsere Werke verdienen Vergebung der S\u00fcnden; item, da\u00df die guten Werke eine Vers\u00f6hnung seien, dadurch uns Gott gn\u00e4dig wird; item, da\u00df wir durch die guten Werke \u00fcberwinden k\u00f6nnen die gro\u00dfe Macht des Teufels, des Todes und der S\u00fcnde; item, da\u00df unsere guten Werke an ihnen selbst vor Gott so angenehm und gro\u00df geachtet seien, da\u00df wir des Mittlers Christi nicht bed\u00fcrfen. Der keines ist dem Apostel Jakobo in sein Herz gekommen, welches doch alles die Widersacher sich zu erhalten unterstehen durch den Spruch Jakobi.<\/p>\n<p>124] So m\u00fcssen wir nun erst dieses merken, da\u00df dieser Spruch mehr ist wider die Widersacher denn f\u00fcr sie. Denn die Widersacher lehren, der Mensch werde vor Gott fromm and gerecht durch die Liebe und Werke. Von dem Glauben, dadurch wir uns hatten an den Mittler Christum, reden sie nichts. Und das mehr ist, von dem Glauben wollen sie nichts h\u00f6ren noch sehen, unterstehen sich, diese Lehre vom Glauben mit dem Schwert und Fe\u00fcr zu tilgen. Jakobus aber tut anders; er l\u00e4\u00dft den Glauben nicht au\u00dfen, sondern redet vom Glauben, damit l\u00e4\u00dft er Christum den Schatz und den Mittler bleiben, dadurch wir vor Gott gerecht werden, wie auch Paulus, das er die Summa setzt christlichen Glaubens, setzt er Glauben und Liebe zusammen, 1 Tim. 1, 5: &#8220;Die Summa des Gesetzes ist die Liebe aus ungef\u00e4rbtem Glauben.&#8221;<\/p>\n<p>125] Zum andern zeigt die Sache an ihr selbst an, da\u00df er von Werken redet, welche dem Glauben folgen; denn er zeigt an, da\u00df des Glaube nicht m\u00fcsse tot, sondern lebendig, kr\u00e4ftig, gesch\u00e4ftig und t\u00e4tig im Herzen sein. Darum ist Jakobi Meinung nichtgewesen, da\u00df wir durch Werke Gnade oder Vergebung der S\u00fcnden verdienen. Denn er redet von Werken derjenigen, welche schon durch Christum gerecht geworden sind, welche schon Gott vers\u00f6hnt sind und Vergebung der S\u00fcnden durch Christum erlangt haben. Darum irren die Widersacher weit, wenn sie aus dem Spruche schlie\u00dfen wollen, da\u00df wir durch gute Werke Gnade und Vergebung der S\u00fcnden verdienen, oder da\u00df Jakobus dies wolle, da\u00df wir durch unsere Werke einen Zugang zu Gott haben ohne den Mittler und Vers\u00f6hner Christum.<\/p>\n<p>126] Zum dritten, so hatte St. Jakobus zuvor gesagt von der geistlichen Wiedergeburt, da\u00df sie durch des Evangelium geschieht. Denn also sagt er im 1. Kapitel: &#8220;Er hat uns gezeuget nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, auf da\u00df wir w\u00e4ren Erstlinge seiner Kreaturen.&#8221; So er nun sagt, da\u00df wir durch das Evangelium neugeboren seien, so will er, da\u00df wir durch den Glauben gerecht seien vor Gott geworden. Denn die Verhei\u00dfung von Christo fa\u00dft man allein durch den Glauben, wenn wir durch dieselbe getr\u00f6stet werden wider die Schrecken des Todes, der S\u00fcnde usw. Darum ist seine Meinung nicht, da\u00df wir durch unsere Werke sollten neugeboren werden.<\/p>\n<p>127] Aus diesem allem ist klar genug, da\u00df der Spruch Jakobi nicht wider uns ist. Denn er schilt da etliche faule Christen, welche allzu sicher waren geworden, machten ihnen Gedanken, sie h\u00e4tten den Glauben, so sie doch ohne Glauben waren. Darum macht er Unterschied zwischen lebendigem und totem Glauben. 128] Den toten Glauben nennt er, wo nicht allerlei gute Werke und Fr\u00fcchte des Geistes folgen: Gehorsam, Geduld, Keuschheit, Liebe, usw. Lebendigen Glauben nennt er, das gute Fr\u00fcchte folgen. Nun haben wir gar oft gesagt, was wir glauben nennen. Denn wir nennen da\u00df nicht Glauben, da\u00df man die schlechte Historie wisse von Christo, welches auch in Teufeln ist, sondern das ne\u00fc Licht und die Kraft, welche der Heilige Geist in den Herzen wirkt, durch welche wir die Schrecken des Todes, der S\u00fcnde usw. \u00fcberwinden. Das hei\u00dfen wir Glauben. 129] Ein solch recht christlicher Glaube ist nicht so ein leicht, schlecht Ding, als die Widersacher w\u00e4hnen wollen. Wie sie denn sagen: Glaube, Glaube, wie bald kann ich glauben! usw. Es ist auch nicht ein Menschengedanke, den ich mir selbst machen k\u00f6nne, sondern ist eine g\u00f6ttliche Kraft im Herzen, dadurch wir neugeboren werden, dadurch wir die gro\u00dfe Gewalt des Teufels und des Todes \u00fcberwinden, wie Paulus sagt zu den Kolossern: &#8220;In welchem ihr auch seid auferstanden durch den Glauben, den Gott wirkt&#8221; usw. Derselbe Glaube, dieweil es ein neu g\u00f6ttliche Licht und Leben im Herzen ist, dadurch wir andern Sinn und Mut kriegen, ist lebendig, gesch\u00e4ftig und reich von [an] guten Werken. Darum ist das recht geredet, da\u00df der Glaube nicht recht ist, der ohne Werke ist. 130] Und ob er sagte, da\u00df wir durch den Glauben und Werke gerecht werden, so sagt er doch nicht, da\u00df wir durch die Werke neugeboren werden; so sagt er auch nicht, da\u00df Christus halb der Vers\u00f6hner sei, halb unsere Werke, sondern er redet von Christen, wie sie sein sollen, nachdem sie nun neugeboren sind durch das Evangelium. Denn er redet von Werken, die nach dem Glauben folgen sollen; da ist\u2019s recht geredet: Wer Glauben und gute Werke hat, der ist gerecht. Ja, nicht um der Werke willen, sondern um Christus\u2019 willen, durch den Glauben. Und wie ein guter Baum gute Fr\u00fcchte tragen soll, und doch die Fr\u00fcchte machen den Baum nicht gut, also m\u00fcssen gute Werke folgen nach der ne\u00fcn Geburt, wiewohl sie den Menschen nicht vor Gott angenehm machen, sondern wie der Baum zuvor gut sein mu\u00df, also m\u00fcsse der Mensch zuvor Gott angenehm sein durch den Glauben, um Christus\u2019 willen. Die Werke sind viel zu gering dazu, da\u00df uns Gott um ihretwillen gn\u00e4dig sein sollte, wo er uns nicht um Christus\u2019 willen gn\u00e4dig w\u00e4re. Also ist Jakobus St. Paulo nicht entgegen, sagt auch nicht, da\u00df wir durch die Werke verdienen Vergebung der S\u00fcnden; sagt nicht, da\u00df unsere Werke des Teufels Macht, den Tod, die S\u00fcnde, der H\u00f6lle Schrecken \u00fcberwinden und dem Tode Christi gleich seien; er sagt nicht, da\u00df wir durch Werke Gott angenehm werden; er sagt nicht da\u00df unsere Werke die Herzen zur Ruhe bringen und Gottes Zorn \u00fcberwinden, oder da\u00df wir Barmherzigkeit nicht bed\u00fcrfen, wenn wir Werke haben: der keines sagt Jakobus, welchen Zusatz doch die Widersacher hinzuflicken an die Worte Jakobi.<\/p>\n<p>133] Auch f\u00fchren sie noch mehr Spr\u00fcche wider uns, als diesen: Danielis am 4. sagt der Text: &#8220;Deine S\u00fcnden l\u00f6se mit Gerechigkeit und deine \u00dcbertretungen mit Almosen gegen die Armen.&#8221; Und Jesaias am 58.: &#8220;Brich den Hungrigen dein Brot.&#8221; Item, Luk. 6: &#8220;Vergebet, so wird euch vergeben werden.&#8221; Und Matth\u00e4i am 5.: &#8220;Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden die Barmherzigkeit erlangen.&#8221; Auf diese Spr\u00fcche und dergleichen von den Werken antworten wir erstlich dieses, n\u00e4mlich da\u00df (wie wir oben gesagt) das Gesetz niemand halten kann ohne Glauben, so kann niemand Gott gefallen ohne Glauben an Christum, wie er sagt: &#8220;ohne mich k\u00f6nnt ihr nichts tun&#8221;; item, wie Paulus sagt: &#8220;Durch Christum haben wir einen Zugang zu Gott durch den Glauben.&#8221; Darum, sooft die Schrift der Werke gedenkt, so will sie allenthalben das Evangelium von Christo und den Glauben mit gemeint haben. Zum andern, so sind die Spr\u00fcche aus Daniel und andern (so jetzund erz\u00e4hlt) fast alle Predigten von der Bu\u00dfe. Erstlich predigen sie das Gesetz, zeigen die S\u00fcnde an und vermahnen zur Besserung und guten Werken. Zum andern ist daneben eine Verhei\u00dfung, da\u00df Gott wolle gn\u00e4dig sein. Nun ist es gewi\u00df, da\u00df zu einer rechten Bu\u00dfe nicht genug ist, allein das Gesetz zu predigen, denn es schreckt allein die Gewissen; sondern es much dazukommen auch das Evangelium, n\u00e4mlich da\u00df die S\u00fcnden ohne Verdienst vergeben werden um Christus\u2019 willen, da\u00df wir durch den Glauben erlangen Vergebung der S\u00fcnden. Das ist so gewi\u00df und also klar, da\u00df, wo die Widersacher das werden anfechten und Christum und den Glauben von der Bu\u00dfe scheiden, [sie] billig f\u00fcr L\u00e4sterer des Evangelii und Christi geachtet werden.<\/p>\n<p>140] Darum soll man die Worte des gro\u00dfen, hohen Propheten Daniel nicht allein auf des blo\u00dfe Werk, auf die Almosen, deuten und ziehen, sondern auch den Glauben ansehen. Man mu\u00df der Propheten Worte, welche voll Glaubens und Geistes gewesen, nicht so heidnisch ansehen als Aristotelis oder eines andern Heiden. Aristoteles hat auch Alexandrum vermahnt, da\u00df er seine Macht nicht zu eigenem Mutwillen, sondern zur Besserung [von] Landen und Leuten brauchen sollte. Das ist recht und wohl geschrieben; man kann auch vom k\u00f6niglichen Amt nicht Besseres predigen oder schreiben. Aber Daniel sagt seinem K\u00f6nig nicht allein von seinem k\u00f6niglichen Amt, sondern von Vers\u00f6hnung gegen [mit] Gott und von den hohen, gro\u00dfen, geistlichen Sachen, welche gar hoch und weit \u00fcber alle menschlichen Gedanken und Werke gehen. Darum sind seine Worte nicht allein von Werken und Almosen zu verstehen, welche auch ein Heuchler tun kann, sondern vornehmlich vom Glauben. Da\u00df man aber mu\u00df Glauben hier verstehen, da wir von reden, das ist, glauben, da\u00df Gott S\u00fcnde durch Barmherzigkeit, nicht um unsers Verdienstes willen vergebe, das beweist der Text selbst. Erstlich damit, denn es sind zwei St\u00fccke in Daniels Predigt. Das eine ist Gesetzpredigt und Strafe. 141] Das andere ist die Verhei\u00dfung oder Absolution. Wo nun Verhei\u00dfung ist, mu\u00df Glaube sein. Denn Verhei\u00dfung kann nicht anders empfangen werden, denn da\u00df sich das Herz verl\u00e4\u00dft auf solch Gotteswort und siehet nicht an eigene W\u00fcrdigkeit oder Unw\u00fcrdigkeit. Darum fordert Daniel auch Glauben; denn also lautet die Verhei\u00dfung: &#8220;Deine S\u00fcnden werden geheilet.&#8221; Dieses Wort ist eine recht prophetische und evangelische Predigt. Denn Daniel wei\u00df, da\u00df durch den k\u00fcnftigen Samen, Christum, nicht allein den Juden, sondern auch den Heiden Vergebung der S\u00fcnden, Gnade und ewiges Leben zugesagt war, sonst h\u00e4tte er den K\u00f6nig nicht also k\u00f6nnen tr\u00f6sten. Denn es ist nicht Menschenwerk, einem erschrockenen Gewissen gewi\u00dflich Vergebung der S\u00fcnden zusagen und tr\u00f6sten, da\u00df Gott nicht mehr z\u00fcrnen wolle; da mu\u00df man von Gottes Willen Zeugnis aus Gottes Wort haben, wie denn Daniel die hohen Verhei\u00dfungen vom k\u00fcnftigen Samen gewu\u00dft und verstanden hat. Dieweil er nun eine Promission setzt, ist klar und offenbar, da\u00df er Glauben fordert, da wir von reden. Da\u00df er aber spricht: &#8220;Deine S\u00fcnden l\u00f6se mit Gerechtigkeit und deine \u00dcbertretungen mit Wohltaten gegen die Armen&#8221;, ist eine Summa einer ganzen Predigt und ist so viel: Bessere dich! Und ist wahr, so wir uns bessern, werden wir los von S\u00fcnden. 142] Darum sagt er recht: &#8220;L\u00f6se deine S\u00fcnden.&#8221; Daraus folgt aber nicht, da\u00df wir von S\u00fcnden los werden um unserer Werke willen, oder da\u00df unsere Werke die Bezahlung sind f\u00fcr die S\u00fcnde. Auch setzt Daniel nicht allein die Werke, sondern spricht: &#8220;L\u00f6se deine S\u00fcnden mit Gerechtigkeit.&#8221; Nun wei\u00df m\u00e4nniglich, da\u00df Gerechtigkeit in der Schrift nicht allein \u00e4u\u00dferliche Werke hei\u00dft, sondern fa\u00dft den Glauben, wie Paulus spricht: Iustus ex fide vivet, &#8220;der Gerechte lebt seines Glaubens&#8221;, Hebr. 10, 38. Darum fordert Daniel erstlich Glauben, da er Gerechtigkeit nennt, und spricht: &#8220;L\u00f6se deine S\u00fcnden mit Gerechtigkeit&#8221;, das ist, mit Glauben gegen Gott, dadurch du gerecht wirst. Dazu t\u00fc auch gute Werke, n\u00e4mlich warte deines Amtes; sei nicht ein Tyrann, sondern siehe zu, da\u00df dein Regiment Landen und Leuten n\u00fctzlich sei, halte Frieden und sch\u00fctze die Armen wider unrechte Gewalt. Das sind f\u00fcrstliche eleemosynae. 143] Also ist klar, da\u00df dieser Spruch der Lehre vom Glauben nicht entgegen ist. Aber unsere Widersacher, die groben Esel, flicken ihre Zus\u00e4tze an alle solche Spr\u00fcche, n\u00e4mlich da\u00df uns die S\u00fcnden um unserer Werke willen vergeben werden, und lehren vertra\u00fcn auf Werke, so doch die Spr\u00fcche nicht also reden, sondern fordern gute Werke, wie denn wahr ist, da\u00df mu\u00df ein ander und besser Leben in uns werden. Aber dennoch sollen dieselben Werke Christo seine Ehre nicht nehmen.<\/p>\n<p>Also ist auch auf den Spruch aus dem Evangelio zu antworten: &#8220;Vergebet, so wird euch vergeben.&#8221; Denn es ist gleich eine solche Lehre von der Bu\u00dfe. Da\u00df erst St\u00fcck an diesem Spruch fordert Besserung und gute Werke, das andere St\u00fcck setzt dazu die Verhei\u00dfung, und man soll daraus nicht schlie\u00dfen, da\u00df unser Vergeben uns ex opere operato Vergebung der S\u00fcnden verdiene. Denn das sagt Christus nicht, sondern wie in andern Sakramenten Christus die Verhei\u00dfung heftet an das \u00e4u\u00dferliche Zeichen, also heftet er auch hier die Verhei\u00dfung von Vergebung der S\u00fcnden an die \u00e4u\u00dferlichen guten Werke. Und wie wir im Abendmahl nicht erlangen Vergebung der S\u00fcnden ohne den Glauben, ex opere operato, also auch nicht in diesem Werke und unserm Vergeben; denn unser Vergeben ist auch kein gut Werk, es geschehe denn von denjenigen, welchen von Gott in Christo die S\u00fcnden schon zuvor vergeben sind. Darum unser Vergeben, soll es Gott gefallen, so mu\u00df es nach der Vergebung, da uns Gott vergibt, folgen. Denn Christus pflegt die zwei also zusammenzusetzen, das Gesetz und Evangelium, beide den Glauben und auch die guten Werke, da\u00df er anzeige, da\u00df kein Glaube da sei, wenn nicht gute Werke folgen; item, da\u00df wir \u00e4u\u00dferliche Zeichen haben, welche uns erinnern des Evangelii und Vergebung der S\u00fcnden, dadurch wir getr\u00f6stet werden, da\u00df also mannigfaltig unser Glaube ge\u00fcbt werde. Also sollen solche Spr\u00fcche verstanden werden, denn sonst w\u00e4re es stracks wider das ganze Evangelium, und w\u00fcrde unser bettelisch Werk an Christus\u2019 Statt gesetzt, welcher allein soll die Vers\u00f6hnung sein, welcher je nicht zu verachten ist. Item, wo sie sollten von Werken vestanden werden, so w\u00fcrde die Vergebung der S\u00fcnden ganz ungewi\u00df; denn sie st\u00fcnde auf einem losen Grunde, auf unsern elenden Werken.<\/p>\n<p>156] Auch ziehen sie an einen Spruch aus Tobias: &#8220;Die Almosen erl\u00f6sen von der S\u00fcnde und von dem Tode.&#8221; Wir wollen nicht sagen, da\u00df da eine Hyperbole sei, wiewohl wir es sagen m\u00f6chten, damit Christi Ehre erhalten werde; denn dies ist Christus\u2019 Amt allein, von der S\u00fcnde, vom Tode erl\u00f6sen, usw. Wir wollen aber uns zu unserer alten Regel halten, n\u00e4mlich da\u00df das Gesetz oder die Werke au\u00dfer Christo niemand gerecht machen vor Gott. 157] So gefallen nun die Almosen (welche dem Glauben folgen) dann erst Gott, wenn ich durch Christum vers\u00f6hnt bin, nicht die vorhergehen. Darum erl\u00f6sen sie vom Tode nicht ex opere operato, sondern wie ich kurz zuvor von der Bu\u00dfe gesagt habe, da\u00df man den Glauben mit den Fr\u00fcchten zugleich mu\u00df zusammenfassen, also ist auch von den Almosen zu sagen, da\u00df sie Gott gefallen, dieweil sie geschehen in den Gl\u00e4ubigen. Denn Tobias redet nicht allein von Almosen, sondern auch vom Glauben. Denn er sagt: &#8220;Lobe Gott and bitte ihn, da\u00df er dich wolle auf deinen Wegen leiten&#8221; usw. Da redet er eigentlich von dem Glauben, da wir von reden, der da glaubt, da\u00df er einen gn\u00e4digen Gott habe, den er zu loben schuldig ist f\u00fcr eitel gro\u00dfe G\u00fcte und Gnade, von dem er auch t\u00e4glich erwarte Hilfe, und bittet ihn, da\u00df er ihn im Leben und Sterben leiten und regieren wolle. Auf die Weise m\u00f6gen wir nachgeben, da\u00df die Almosen nicht unverdienstlich seien gegen Gott, nicht aber, da\u00df sie k\u00f6nnen den Tod, die H\u00f6lle, den Teufel, die S\u00fcnde \u00fcberwinden, die Gewissen zur Ruhe stellen (denn das mu\u00df durch den Glauben an Christum allein geschehen], sondern verdienen, da\u00df uns Gott sch\u00fctzt vor k\u00fcnftigem \u00dcbel und Fahr [Gefahr] Leibes und der Seele. Das ist der einf\u00e4ltige Verstand, welcher auch mit andern Spr\u00fcchen der Schrift \u00fcbereinstimmt. Denn wo gute Werke gelobt werden in der Schrift, so [da] soll man es allezeit nach der Regel Pauli verstehen, da\u00df man das Gesetz und die Werke nicht \u00fcber Christum hebe, da\u00df Christus und der Glaube so hoch \u00fcber alle Werke gehen, als der Himmel \u00fcber der Erde ist.<\/p>\n<p>160] Auch ziehen sie an den Spruch Christi: &#8220;Gebet Almosen, so wird euch alles rein sein.&#8221; Die Widersacher sind taub und haben dicke Ohren, darum m\u00fcssen wir ihnen die Regel oft erholen [wiederholen], da\u00df das Gesetz ohne Christum niemand vor Gott fromm mache, und da\u00df alle Werke allein um Christus\u2019 willen angenehm sind. Aber die Widersacher schlie\u00dfen Christum allenthalben aus, tun gleich, als sei Christus nichts, und lehren unversch\u00e4mt, da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden erlangen durch gute Werke usw. 161] Wenn wir aber den Spruch unzerrissen, ganz ansehen, so werden wir sehen, da\u00df er auch vom Glauben mit redet. Christus schilt die Pharis\u00e4er, da\u00df si wollten w\u00e4hnen, sie w\u00fcrden vor Gott heilig und rein durch allerlei baptismata carnis, das ist, durch allerlei leibliches Baden, waschen und Reinigung am Leibe, an Gef\u00e4\u00dfen, an Kleidern, wie auch ein Papst in seine Canones gesetzt hat ein n\u00f6tig p\u00e4pstlich St\u00fcck vom Weihwasser, da\u00df, wenn es mit geweihtem Salz besprengt wird, so heiligt\u2019s und reinigt\u2019s das Volk von S\u00fcnden. Und die Glosse sagt, es reinige von t\u00e4glichen S\u00fcnden. Also hatten die Pharis\u00e4er auch Irrt\u00fcmer unter sich, welche Christus straft und setzt gegen die erdichteten Reinigungen zweierlei Reinigkeit, eine innerlich, die andere \u00e4u\u00dferlich, und vermahnt, da\u00df sie inwendig sollen rein sein; das geschieht, wie Petrus sagt in Geschichten der Apostel am 15., &#8220;durch den Glauben&#8221;. Und setzt dazu von \u00e4u\u00dferlicher Reinigkeit: &#8220;Gebet Almosen von dem, das ihr \u00fcbrig habt, so wird euch alles rein sein.&#8221; 162] Die Widersacher f\u00fchren nicht recht ein das Wort: &#8220;alles&#8221;. Denn Christus setzt den Beschlu\u00df auf beide St\u00fccke, auf die innerliche und \u00e4u\u00dferliche Reinigkeit, und sagt: &#8220;alles wird euch rein sein.&#8221; Das ist wenn ihr euch nicht allein leiblich badet, sondern Gott glaubt und also inwendig rein seid und auswendig Almosen gebt, so wird euch alles rein sein. Und zeigt an, da\u00df auch die rechte \u00e4u\u00dferliche Reinigkeit stehe in den Werken, welche Gott geboten habe, und nicht in menschlichen Satzungen, als da waren dieselben traditiones Pharisaeorum usw., und wie bei unserer Zeit ist das Bespritzen und Sprengen den Weihwassers, die scheewei\u00dfen M\u00f6nchskleider, die Unterschiede der Speisen und dergleichen. Die Widersacher aber ziehen dies signum universale, n\u00e4mlich das Wort &#8220;alles&#8221;, sophistisch allein auf einen Teil und sagen: Alles wird euch rein sein, wenn ihr Almosen gebt usw. Als wenn einer sagt: Andreas ist da, darum sind alle Apostel da. Darum im antecedente oder vor[auf]gehenden St\u00fcck dieses Spruchs soll beiden beieinander bleiben: Glaubt und: Gebt Almosen. Denn darauf geht die ganze Sendung, das ganze Amt Christi, darum ist er da, da\u00df sie glauben sollen. Wenn nun beide St\u00fccke zusammengefa\u00dft werden: glauben und Eleemosynen geben, so folgt recht, da\u00df alles rein sei, das Herz durch Glauben, der \u00e4u\u00dferliche Wandel durch gute Werke. Also soll man die Predigt ganz fassen und nicht das eine St\u00fcck umkehren und deuten, da\u00df das Herz von S\u00fcnden rein wird durch unsere Eleemosynen. Es sind auch wohl etliche, die da meinen, da\u00df es wider die Pharis\u00e4er von Christo ironice oder sp\u00f6ttisch geredet sei, als sollte er sagen: Ja, liebe Junker, raubt und stehlt und geht danach hin, gebt Almosen, so werdet ihr bald rein sein! Da\u00df also Christus etwas herbe und h\u00f6hnisch austeche ihre pharis\u00e4ische Heuchelei. Denn wiewohl sie voll Unglaubens, voll Geizen und alles Argen waren, so hielten sie doch ihre Reinigung, gaben Almosen und meinten, sie w\u00e4ren gar reine, zarte Heilige. Die Auslegung ist dem Text daselbst nicht entgegen.<\/p>\n<p>Was nun auf andere dergleichen mehr Spr\u00fcche zu antworten sei, ist leichtlich abzunehmen aus diesem, so wir erkl\u00e4rt haben. Denn die Regel legt aus alle Spr\u00fcche von guten Werken, da\u00df sie au\u00dfer Christo vor Gott nichts gelten, sondern das Herz mu\u00df zuvor Christum haben und glauben, da\u00df es Gott gefalle um Christus\u2019 willen, nicht von wegen eigener Werke. Die Widersacher f\u00fchren auch etliche Schulargumente, darauf leichtlich zu antworten ist, wenn man wei\u00df, was Glaube ist. Erfahrene Christen reden viel anders vom Glauben denn die Sophisten, wie wir droben angezeigt, da\u00df glauben hei\u00dft vertra\u00fcn auf Gottes Barmherzigkeit, da\u00df er gn\u00e4dig sein wolle um Christus\u2019 willen, ohne unser Verdienst, und das hei\u00dft glauben den Artikel: Vergebung der S\u00fcnde. Dieser Glaube ist nicht allein die Historia wissen, die auch die Teufel wissen. Darum ist das Schulargument leichtlich aufzul\u00f6sen, da\u00df sie sprechen, die Teufel glauben auch, darum mache der Glaube nicht gerecht. Ja, die Teufel wissen die Historia, glauben aber nicht Vergebung der S\u00fcnden. Item, da\u00df sie sprechen, gerecht sein hei\u00dft Gehorsam; nun ist ja Werke tun ein Gehorsam, darum m\u00fcssen die Werke gerecht machen. Darauf soll man also antworten: Gerecht sein hei\u00dft ein solcher Gehorsam, den Gott daf\u00fcr annimmt. Nun will Gott unsern Gehorsam in Werken nicht annehmen f\u00fcr Gerechtigkeit; denn es ist nicht ein herzlicher Gehorsam, dieweil niemand das Gesetz recht h\u00e4lt. Darum hat er einen andern Gehorsam geordnet, den er will f\u00fcr Gerechtigkeit annehmen, n\u00e4mlich da\u00df wir unsern Ungehorsam erkennen und vertra\u00fcn, wir gefallen Gott um Christus\u2019 willen, nicht von wegen unsers Gehorsams. Derhalben hei\u00dft nun hier gerecht sein, Gott angenehm sein, nicht von wegen eigenen Gehorsams, sondern aus Barmherzigkeit, um Christus\u2019 willen. Item. S\u00fcnde ist Gott hassen, darum mu\u00df Gerechtigkeit sein, Gott lieben. Wahr ist\u2019s Gott lieben ist Gerechtigkeit des Gesetzes; aber dieses Gesetz erf\u00fcllt niemand. Darum lehrt das Evangelium eine ne\u00fc Gerechtigkeit, da\u00df wir um Christus\u2019 willen Gott gefallen, ob wir schon das Gesetz nicht erf\u00fcllen, und sollen doch anheben, das Gesetz zu tun. Item, was ist der Unterschied zwischen Glauben und Hoffen? Antwort: Hoffnung wartet k\u00fcnfitiger G\u00fcter und Rettung aus der Tr\u00fcbsal; Glaube empf\u00e4ngt gegenw\u00e4rtige Vers\u00f6hnung und schlie\u00dft im Herzen, da\u00df Gott die S\u00fcnden vergeben habe, und das er jetzt mir gn\u00e4dig sei. Und dieses ist ein hoher Gottesdienst, der Gott damit dient da\u00df er ihm die Ihre tut und die Barmherzigkeit und Verhei\u00dfung so gewi\u00df h\u00e4lt, da\u00df er ohne Verdienst kann allerlei G\u00fcter von ihm empfangen und warten [erwarten]. Und in diesem Gottesdienst soll das Herz ge\u00fcbt werden und zunehmen; davon wissen die tollen Sophisten nichts.<\/p>\n<p>195] Aus diesem allem ist leichtlich zu verstehen, was man halten soll vom merito condigni, da die Widersacher erdichten, da\u00df wir vor Gott gerecht sind durch die Liebe und unsere Werke. Da gedenken sie nicht einmal des Glaubens und anstatt des Mittlers Christi setzen sie unsere Werke, unsere Erf\u00fcllung des Gesetzes; das ist in keinem Weg zu leiden. 196] Denn wiewohl wir oben gesagt, so die ne\u00fc Geburt ist durch Geist und Gnade, da folgt auch gewi\u00dflich die Liebe, so soll man doch die Ehre Christi nicht unsern Werken geben; sondern das ist gewi\u00df, da\u00df wir vor und nach, wenn wir zu dem Evangelio kommen, gerecht gesch\u00e4tzt werden um Christus\u2019 willen, und der Christus bleibt der Mittler und Vers\u00f6hner vor als [wie] nach, nach als vor, und durch Christum haben wir einen Zugang zu Gott, nicht darum, da\u00df wir das Gesetz gehalten haben und viel Gutes getan, sondern da\u00df wir so fr\u00f6hlich, getrost auf Gnade ba\u00fcn und so gewi\u00df uns verlassen, da\u00df wir aus Gnaden um Christus\u2019 willen gerecht vor Gott gesch\u00e4tzt werden. Und das lehrt, predigt, bekennt die heilige catholica, christliche Kirche, da\u00df wir selig werden durch Barmherzigkeit, wie wir oben haben angezogen aus Hieronymo. 197] Unsere Gerechtigkeit steht nicht auf eigenem Verdienst, sondern auf Gottes Barmherzigkeit, und dieselbe Barmherzigkeit fa\u00dft man durch den Glauben.<\/p>\n<p>Hier wollen aber alle Verst\u00e4ndigen sehen, was aus der Widersacher Lehre folgen wollte. Denn so wir halten werden, da\u00df Christus allein uns primam gratiam, das ist, die erst Gnade, verdient h\u00e4tte (wie sie es nennen), und wir hernach durch unsere Werke erst das ewige Leben m\u00fc\u00dften verdienen, so werden die Herzen oder Gewissen weder an [in] der Todesstunde noch sonst nimmermehr zufrieden werden, werden nimmermehr ba\u00fcn k\u00f6nnen auf gewissen Grund, werden nimmer gewi\u00df, ob uns Gott gn\u00e4dig w\u00e4re. Also f\u00fchrt ihre Lehre die Gewissen ohne Unterla\u00df auf eitel Herzeleid und endlich auf Verzweiflung. Denn Gottes Gesetz ist nicht ein Scherz; das klagt die Gewissen an au\u00dfer Christo ohne Unterla\u00df, wie Paulus sagt R\u00f6m. 4, 15: &#8220;Das Gesetz richtet Zorn an.&#8221; Also dann, wenn die Gewissen Gottes Urteil f\u00fchlen und haben keinen gewissen Trost, fallen sie dahin in Verzweiflung.<\/p>\n<p>Paulus sagt R\u00f6m. 14, 23: &#8220;Alles, was nicht aus dem Glauben ist, das ist S\u00fcnde.&#8221; Diejenigen aber k\u00f6nnen nichts aus Glauben tun, die dann sollen einen gn\u00e4digen Gott erst bekommen, wenn sie mit ihren Werken das Gesetz erf\u00fcllt haben. Denn sie werden allezeit wanken und zweifeln, ob sie Werke genug getan haben, ob des Gesetz genug geschehen sei. Ja, sie werden stark f\u00fchlen und empfinden, da\u00df sie noch dem Gesetz schuldig seien; darum werden sie nimmermehr bei sich gewi\u00df halten, da\u00df sie einen gn\u00e4digen Gott haben, oder da\u00df ihr Gebet erh\u00f6rt werde. Derhalben k\u00f6nnen sie Gott nimmer recht lieben, auch nichts Gutes sich zu Gott versehen oder Gott recht dienen. Denn was sind doch solche Herzen und Gewissen anders denn die H\u00f6lle selbst, so nichts anderes in solchen Herzen ist denn eitel Zweifeln, eitel Verzagen, eitel Murren, Verdrie\u00df und Ha\u00df wider Gott. Und in dem Ha\u00df rufen sie doch gleichwohl Gott heuchlerisch an, wie der gottlose K\u00f6nig Saul tat.<\/p>\n<p>Hier k\u00f6nnen wir uns berufen auf alle christlichen Gewissen und alle diejenigen, die Anfechtungen versucht haben; die m\u00fcssen bekennen und sagen, da\u00df solche gro\u00dfe Ungewi\u00dfheit, solche Unruhe, solche Qual und Angst, solch schrecklich Zagen und Verzweiflung aus solcher Lehre der Widersacher folgt, da sie lehren oder w\u00e4hnen, da\u00df wir durch unsere Werke oder Erf\u00fcllung des Gesetzes, so wir tun, vor Gott gerecht werden, und weisen uns den Holzweg, zu vertra\u00fcn nicht auf die reichen, seligen Zusagungen der Gnade, welche uns durch den Mittler Christum werden angeboten, sondern auf unsere elenden Werke.<\/p>\n<p>Darum bleibt dieser Beschlu\u00df wie eine Ma\u00fcr, ja wie ein Fels feststehen, da\u00df wir schon angefangen haben, das Gesetz zu tun, dennoch nicht um solcher Werke willen, sondern um Christus\u2019 willen durch den Glauben Gott angenehm sind und mit Gott Frieden haben, und ist uns Gott f\u00fcr dieselben Werke nicht schuldig das ewige Leben, sondern gleichwie uns Vergebung der S\u00fcnden und Gerechtigkeit um Christus\u2019 willen, nicht um unserer Werke oder des Gesetzes willen, wird zugerechnet, also wird uns auch nicht um unserer Werke willen noch um des Gesetzes willen, sondern um Christus\u2019 willen samt der Gerechtigkeit ewiges Leben angeboten, wie denn Christus sagt Joh. 6, 40: &#8220;Das ist der Wille des Vaters, der mich gesandt hat, da\u00df ein jeglicher, der den Sohn siehet und glaubet an ihn, habe das ewige Leben&#8221;; item V. 47: &#8220;Der da glaubet in den Sohn, hat des ewige Leben.&#8221;<\/p>\n<p>Nun sind hier wohl die Widersacher zu fragen, was sie doch den armen Gewissen in der Todesstunde f\u00fcr Rat geben; ob sie die Gewissen vertr\u00f6sten, da\u00df sie sollen wohl fahren, selig werden, einen gn\u00e4digen Gott haben um ihres eigenen Verdienstes willen oder aus Gottes Gnade und Barmherzigkeit um Christus\u2019 willen. Denn St. Peter, St. Paul und dergleichen Heilige k\u00f6nnen nicht r\u00fchmen, da\u00df ihnen Gott f\u00fcr ihre Marter das ewige Leben schuldig sei, haben auch nicht auf ihre Werke vertraut, sondern auf der Barmherzigkeit, in Christo verhei\u00dfen.<\/p>\n<p>Und es w\u00e4re auch nicht m\u00f6glich, da\u00df ein heiligen, wie gro\u00df und hoch er ist, wider des Anklagen g\u00f6ttliches Gesetzes, wider die gro\u00dfe Macht des Teufels, wider die Schrecken das Todes und endlich wider die Verzweiflung und Angst der H\u00f6lle sollte bleiben oder bestehen k\u00f6nnen, wenn er nicht die g\u00f6ttliche Zusage, das Evangelium, wie einen Baum oder Zweig ergriffe in der gro\u00dfen Flut, in dem starken, gewaltigen Strome, unter den Wellen und Bulgen [Wogen] der Todesangst, wenn er nicht durch den Glauben sich an das Wort, welches Gnade verk\u00fcndigt, hielte, und also ohne alle Werke, ohne Gesetz, lauter aus Gnaden, das ewige Leben erlangte. Den diese Lehre allein erh\u00e4lt die christlichen Gewissen in Anfechtungen und Todes\u00e4ngsten, von welchen die Widersacher nichts wissen und reden davon wie der Blinde von der Farbe.<\/p>\n<p>Hier werden sie aber sagen: So wir aus lauter Barmherzigkeit sollen selig werden, was ist dann f\u00fcr ein Unterschied unter denen, die da selig werden, und die da nicht selig werden? Gilt kein Verdienst, so ist kein Unterschied unter B\u00f6sen und Guten und folgt, da\u00df sie zugleich selig werden. Das Argument hat die Scholastiker bewegt, da\u00df sie haben erfunden das meritum condigni; denn es mu\u00df ein Unterschied unter denen sein, die da selig werden und die verdammt werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr das erst aber sagen wir, da\u00df das ewige Leben geh\u00f6re denen, die Gott gerecht sch\u00e4tzt, und wenn sie sind gerecht gesch\u00e4tzt, sind sie damit Gottes Kinder und Christi Miterben geworden, wie Paulus zu den R\u00f6mern am 8, 30 sagt: &#8220;Welche er hat gerecht gemacht, die hat er auch herrlich gemacht.&#8221; Darum wird niemand selig denn allein, die da glauben dem Evangelio. Wie aber unsere Vers\u00f6hnung gegen Gott ungewi\u00df [w\u00e4re], wenn sie sollte auf unsern Werken stehen und nicht auf Gottes gn\u00e4diger Verhei\u00dfung, welche nicht fehlen kann, also auch w\u00e4re alles ungewi\u00df, was wir durch die Hoffnung erwarten, wenn sie sollte gebaut sein auf unser Verdienst und Werke. Denn Gottes Gesetz klagt das Gewissen an ohne Unterla\u00df, und [wir] f\u00fchlen im Herzen nichts anderes denn diese Stimme aus der Wolke und Fe\u00fcrflammen, Deut. am 5, 6ff.: &#8220;Ich bin der Herr, dein Gott; das sollst du tun, das bist du schuldig, das will ich haben&#8221; usw. Und kein Gewissen kann Ruhe haben einen Augenblick, wenn das Gesetz und Moses im Herzen dr\u00e4ngt, ehe es Christum ergreift durch den Glauben. Es kann auch nicht recht hoffen das ewige Leben, es sei denn erst zur Ruhe [gekommen]. Denn ein Gewissen, das da zweifelt, das flieht vor Gott and verzweifelt und kann nicht hoffen. Nun mu\u00df aber die Hoffnung des ewigen Lebens gewi\u00df sein. Damit sie nun nicht wanke, sondern gewi\u00df sei, so m\u00fcssen wir glauben, da\u00df wir das ewige Leben haben nicht durch unsere Werke oder Verdienst, sondern aus lauter Gnade, durch den Glauben an Christum.<\/p>\n<p>In Welth\u00e4ndeln und in den weltlichen Gerichtsst\u00fchlen, das ist zweierlei, Gnade und Recht. Recht ist durch die Gesetze und Urteil gewi\u00df, Gnade ist ungewi\u00df. Hier vor Gott ist\u2019s ein ander Ding; denn die Gnade und Barmherzigkeit ist durch ein gewi\u00df Wort zugesagt, und das Evangelium ist das Wort, das uns gebietet zu glauben, da\u00df uns Gott gn\u00e4dig sei und selig machen wolle um Christus\u2019 willen, wie der Text lautet, Joh. 3, 17: &#8220;Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt geschickt, da\u00df er die Welt richte, sondern da\u00df die Welt selig werde durch ihn. Wer in ihn glaubet, der wird nicht gerichtet.&#8221;<\/p>\n<p>Sooft als man nun redet von Barmherzigkeit, so ist\u2019s also zu verstehen, da\u00df Glaube gefordert wird, und derselbe Glaube, der macht den Unterschied unter denen, die selig, und unter denen, die verdammt werden, unter W\u00fcrdigen und Unw\u00fcrdigen. Denn das ewige Leben ist niemand zugesagt denn den Vers\u00f6hnten in Christo, Der Glaube aber vers\u00f6hnt und macht uns gerecht vor Gott, wenn und zu welcher Zeit wir die Zusage durch den Glauben ergreifen. Und das ganze Leben durch sollen wir Gott bitten und uns flei\u00dfigen, da\u00df wir den Glauben bekommen und in dem Glauben zunehmen. Denn, wie oben gesagt ist, der Glaube ist, wo Bu\u00dfe ist, und ist nicht in denen, die nach dem Fleisch wandeln. Derselbe Glaube soll auch durch allerlei Anfechtungen das ganze Leben durch wachsen und zunehmen. Und welche den Glauben erlangen, die werden neugeboren, da\u00df sie auch ein neu Leben f\u00fchren und gute Werke tun.<\/p>\n<p>Wie wir nun sagen, da\u00df die rechte Bu\u00dfe soll das ganze Leben durch w\u00e4hren, also sagen wir auch, da\u00df die guten Werke und Fr\u00fcchte des Glaubens das ganze Leben durch geschehen sollen; wiewohl unsere Werke nimmermehr so te\u00fcr werden, da\u00df sie sollten dem Schatze Christi gleich sein oder das ewige Leben verdienen. Wie auch Christus sagt Luk 17, 10: &#8220;wenn ihr alles getan habt, so sprecht: Wir sind unn\u00fctze Knechte.&#8221; Und St. Bernhardus sagt recht: &#8220;Es ist not, und du mu\u00dft erst glauben, da\u00df du Vergebung der S\u00fcnden nicht haben k\u00f6nnest denn allein durch Gottes Gnade, und danach, da\u00df du auch sonst hernach kein gut Werk haben und tun k\u00f6nnest, wenn dir dasselbe auch nicht ohne Verdienst gegeben wird.&#8221; Und bald hernach: &#8220;Niemand wolle sich selbst verf\u00fchren; denn wenn du w\u00fcrdest recht die Sache bedenken, so w\u00fcrdest du ohne Zweifel finden, da\u00df du mit zehntausend nicht k\u00f6nnest entgegenkommen dem, der dir mit zwanzigtausend begegnet&#8221; usw. Das sind je starke Spr\u00fcche St. Bernhardi; sie m\u00f6chten doch denselben glauben, ob sie uns nicht glauben wollten. [Im Original lauten Bernhards Worte, die auch in die Oktavausgabe der Apologie von 1531 Aufnahme fanden, also: &#8220;Necesse est primo credere, quod remissionem peccatorum habere non possis nisi per indulgentiam Dei. Deinde, quod nihil prorsus habere queas operis boni, nisi et hoc dederit ipse. Postremo, quod aeternam vitam nullis possis operibus promereri, nisi gratis detur et illa. Nemo itaque se seducat, quia, si bene cogitare voluerit, inveniet procul dubio, quod nec cum decem millibus possit occurrere ei, qui cum viginti millibus venit ad se.&#8221;]<\/p>\n<p>Darum damit die Herzen einen rechten, gewissen Trost und Hoffnung haben m\u00f6gen, so weisen wir sie, wie Paulus tut, auf die g\u00f6ttliche Zusage der Gnade in Christo und lehren, da\u00df man m\u00fcsse glauben, da\u00df Gott nicht um unserer Werke, nicht um Erf\u00fcllung des Gesetzes willen, uns das ewige Leben gibt, sondern um Christus\u2019 willen; wie Johannes der Apostel in seiner Epistel spricht, 1 Joh. 5, 12: &#8220;Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn nicht hat, der hat nicht das Leben.&#8221;<\/p>\n<p>213] Hier haben die Widersacher ihre gro\u00dfe Kunst trefflich bewiesen und den Spruch Christi verkehrt: &#8220;Wenn ihr alles getan habt, so sprecht: Wir sind unn\u00fctze Knechte.&#8221; Ziehen ihn von Werken auf Glauben, sagen vielmehr, wenn wir alles glauben, sind wir unn\u00fctze Knechte. 214] Das sind je sch\u00e4ndlich Sophisten, die die tr\u00f6stliche Lehre vom Glauben so gar verkehren. Sagt, ihr Esel, wenn einer da liegt am Tode und f\u00fchlt, da\u00df er kein Werk hat, das vor Gottes Gericht genug sei, und kann auf kein Werk vertra\u00fcn, was wollt ihr demselben raten? Wollt ihr ihm auch sagen: Wenn du schon glaubst, so bist du doch ein unn\u00fctzer Knecht, und hilft dir nichts? Da mu\u00df das arme Gewissen in Verzweiflung fallen, wenn es nicht wei\u00df, da\u00df das Evangelium den Glauben eben darum fordert, dieweil wir unt\u00fcchtige Knechte sind und nicht Verdienst haben. Darum soll man sich h\u00fcten vor den Sophisten, so die Worte Christi also l\u00e4sterlich verkehren. 218] Denn es folgt nicht: Die Werke helfen nicht, darum hilft der Glaube auch nicht. Wir m\u00fcssen den groben Eseln ein grob Exempel geben. Es folgt nicht: Der Heller hilft nicht, darum hilft der Gulden auch nicht. Also, wie der Gulden viel h\u00f6her und st\u00e4rker ist denn der Heller, soll man verstehen, da\u00df Glaube viel h\u00f6her und st\u00e4rker ist denn Werke. Nicht, da\u00df Glaube helfe um seiner W\u00fcrdigkeit willen, sondern darum, da\u00df er auf Gottes Verhei\u00dfung und Barmherzigkeit vertraut. Glaube ist stark, nicht um seiner W\u00fcrdigkeit willen, sondern von wegen der g\u00f6ttlichen Verhei\u00dfung. Und darum verbietet er nicht Vertra\u00fcn auf Gottes Verhei\u00dfung. Ja, er fordert dasselbe Vertra\u00fcn auf Gottes Verhei\u00dfung eben darum, dieweil wir unt\u00fcchtige Knechte sind und die Werke nicht helfen k\u00f6nnen. Derhalben ziehen die B\u00f6sewichter die Worte Christi unrecht von Vertra\u00fcn eigener W\u00fcrdigkeit auf Vertra\u00fcn g\u00f6ttlicher Zusage. Damit ist ihre Sophisterei klar verlegt [widerlegt] und aufgel\u00f6st. Der Herr Christus wolle die Sophisten, so sein heiliges Wort also zerrei\u00dfen, bald zuschanden machen! Amen.<\/p>\n<p>235] Die Widersacher aber wollen beweisen, da\u00df wir das ewige Leben mit Werken verdienen de condigno, damit, da\u00df das ewige Leben wird genannt ein Lohn. Wir wollen darauf kurz und richtig antworten. Paulus nennt das ewige Leben ein Geschenk und Gabe; denn wenn wir durch den Glauben gerecht werden, so werden wir Gottes S\u00f6hne und Miterben Christi. An einem andern Ort aber steht geschrieben: &#8220;E\u00fcr Lohn ist reichlich im Himmel.&#8221; 236] Wenn nun die Widersacher d\u00fcnkt, da\u00df dieses widereinander sei, so m\u00f6gen sie es ausrichten. Sie tun, wie sie pflegen: sie lassen das Wort donum au\u00dfen und lassen allenthalben au\u00dfen das Hauptst\u00fcck, wie wir vor Gott gerecht werden, item, da\u00df Christus allezeit der Mittler bleibt, und klauben danach heraus das Wort merces oder: &#8220;Lohn&#8221; und legen dann dasselbe ihres Gefallens aufs \u00e4rgste aus, nicht allein wider die Schrift, sondern auch wider gemeinen Gebrauch zu reden, und schlie\u00dfen dann also: Da steht in der Schrift: &#8220;E\u00fcr Lohn&#8221; usw.; darum sind unsere Werke so w\u00fcrdig, da\u00df wir dadurch das ewige Leben verdienen. 237] Das ist gar einen ne\u00fc Dialektika, da finden wir das einzelne Wort: &#8220;Lohn&#8221;; darum tun unsere Werke vollk\u00f6mmlich genug dem Gesetz, darum sind wir durch unsere Werke Gott angenehm, bed\u00fcrfen keiner Gnade noch keines Mittlers Christi. Unsere guten Werke sind der Schatz, dadurch das ewige Leben erkauft und erlangt wird. Darum k\u00f6nnen wir durch unsere guten Werke das erste, h\u00f6chste Gebot Gottes und das ganze Gesetz halten. Weiter k\u00f6nnen wir auch tun opera supererogationis, das ist, \u00fcbrige Werke und mehr, denn das Gesetz fordert. 240] Darum haben die M\u00f6nche, so sie mehr tun, denn sie schuldig sind, \u00fcbriges, \u00fcberfl\u00fcssiges Verdienst, das m\u00f6gen sie andern schenken oder um Geld mitteilen und m\u00f6gen des Geschenks, als die ne\u00fcn G\u00f6tter, ein neu Sakrament einsetzen, damit sie bezeugen, da\u00df sie ihre Verdienste jenen verkauft und mitgeteilt haben; wie denn die Barf\u00fc\u00dferm\u00f6nche und andere Orden unversch\u00e4mt getan, da\u00df sie den toten K\u00f6rpern haben Ordenskappen angezogen. Das sind feine, starke Gr\u00fcnde, welche sie alle aus der einigen Syllabe &#8220;Lohn&#8221; spinnen k\u00f6nnen, damit sie Christum und den Glauben verdunkeln.<\/p>\n<p>241] Wir aber zanken nicht um das Wort: &#8220;Lohn&#8221; sondern von diesen gro\u00dfen, hohen, allerwichtigsten Sachen, n\u00e4mlich wo christliche Herzen rechten, gewissen Trost suchen sollen; item, ob unsere Werk die Gewissen k\u00f6nnen zu Ruhe oder Frieden bringen; item, ob wir halten sollen, da\u00df unsere Werke des ewigen Lebens w\u00fcrdig sind, oder ob es um Christus\u2019 willen gegeben werde. Dieses sind die rechten Fragen in diesen Sachen; wenn da die Gewissen nicht recht berichtet sind, so k\u00f6nnen sie keinen gewissen Trost haben. Wir aber haben klar genug gesagt, da\u00df die guten Werke das Gesetz nicht erf\u00fcllen, da\u00df wir Gottes Barmherzigkeit bed\u00fcrfen, und da\u00df wir durch den Glauben Gott angenehm werden, und da\u00df die guten Werke, sie seien, wie k\u00f6stlich sie wollen, wenn es auch St. Paulus\u2019 Werke selbst w\u00e4ren, kein Gewissen k\u00f6nnen zu Ruhe machen. Aus dem allem folgt, da\u00df wir sollen glauben, da\u00df wir das ewige Leben erlangen durch Christum aus Gnaden, nicht um der Werke oder des Gesetzes willen. Was sagen wir aber von dem Lohn, welches [dessen] die Schrift gedenkt? F\u00fcr das erste, wenn wir sagten, da\u00df das ewige Leben werde ein Lohn genannt darum, da\u00df es den Gl\u00e4ubigen Christi aus der g\u00f6ttlichen Verhei\u00dfung geh\u00f6rt, so h\u00e4tten wir recht gesagt. Aber die Schrift nennt da\u00df ewige Leben einen Lohn, nicht da\u00df Gott schuldig sei, um die Werke das ewige Leben zu geben, sondern nachdem das ewige Leben sonst gegeben wird aus andern Ursachen, da\u00df dennoch damit vergolten werden unsere Werke und Tr\u00fcbsale, obschon der Schatz so gro\u00df ist, da\u00df ihn Gott uns um die Werke nicht schuldig w\u00e4re. Gleichwie das Erbteil oder alle G\u00fcter eines Vaters dem Sohn gegeben werden und sind eine reiche Vergleichung und Belohnung seines Gehorsams; aber dennoch empf\u00e4ngt er das Erbe nicht um seines Verdienstes willen, sondern da\u00df es ihm der Vater g\u00f6nnt als ein Vater usw. Darum ist\u2019s genug, da\u00df das ewige Leben deshalb werde ein Lohn genannt, da\u00df dadurch vergolten werden die Tr\u00fcbsale, so wir leiden, und die Werke der Liebe, die wir tun, ob es wohl damit nicht verdient wird. Denn es ist zweierlei Vergelten, eins, das man schuldig ist, das andere, das man nicht schuldig ist. Als, so der Kaiser einem Diener ein F\u00fcrstentum gibt, damit wird vergolten des Dieners Arbeit, und ist doch die Arbeit nicht w\u00fcrdig des F\u00fcrstentums, sondern der Diener bekennt, es sei ein Gnadenlehen. Also ist und Gott um die Werke nicht schuldig das ewige Leben; aber dennoch, so er\u2019s gibt um Christus\u2019 willen den Gl\u00e4ubigen, so wird damit unser Leiden und Werke vergolten. Weiter sagen wir, da\u00df die guten Werke wahrlich verdienstlich und meritoria seien. Nicht da\u00df sie Vergebung des S\u00fcnden uns sollten verdienen oder vor Gott gerecht machen. Denn sie gefallen Gott nicht, sie geschehen denn von denjenigen, welchen die S\u00fcnden schon vergeben sind. So sind sie auch nicht wert des ewigen Lebens, sondern sie sind verdienstlich zu andern Gaben, welche in diesem und nach diesem Leben gegeben werden. Denn Gott, der verzieht viele Gaben bis in jenes Leben, da nach diesem Leben Gott die Heiligen wird zu Ehren setzen. Denn hier in diesem Leben will er den alten Adam kreuzigen und t\u00f6ten mit allerlei Anfechtgungen und Tr\u00fcbsalen. Und dahin geh\u00f6rt der Spruch Pauli: &#8220;Ein jeder wird Lohn empfangen nach seiner Arbeit.&#8221; Denn die Seligen werden Belohnung haben, einer h\u00f6her denn der andere. Solchen Unterschied macht das Verdienst, nachdem es nun Gott gef\u00e4llt, und ist Verdienst, dieweil diejenigen solche gute Werke tun, die Gott zu Kindern und Erben angenommen hat. So haben sie denn eigenes und sonderliches Verdienst, wie ein Kind vor dem andern.<\/p>\n<p>249] Die Widersacher ziehen auch andere Spr\u00fcche an, zu beweisen, da\u00df die Werke das ewige Leben verdienen. Als diese: Paulus sagt: &#8220;Er wird einem jeden geben nach seinen Werken.&#8221; Item Joh. am 5.: &#8220;Die Gutes getan haben, werden auferstehen zur Auferstehung des Lebens.&#8221; Item Matth. 25.: &#8220;Mich hat gehungert, und ihr habt mich gespeiset.&#8221; 250] Antwort: Diese Spr\u00fcche alle, welche die Werke loben, sollen wir verstehen nach der Regel, welche ich oben gesetzt habe, n\u00e4mlich, da\u00df die Werke au\u00dferhalb Christ Gott nicht gefallen, und da\u00df man in keinem Wege ausschlie\u00dfen soll den Mittler Christum. Darum, so der Text sagt, da\u00df das ewige Leben werde gegeben denen, &#8220;die Gutes getan haben&#8221;, so zeigt er an, da\u00df es werde denjenigen gegeben, die durch den Glauben an Christum zuvor gerecht sind worden. Denn Gott gefallen keine guten Werke, es sei denn der Glaube dabei, dadurch sie glauben, da\u00df sie Gott angenehm seien um Christus\u2019 willen; Und welche also durch den Glauben sind gerecht worden, die bringen gewi\u00dflich gute Werke und gute Fr\u00fcchte; als der Text sagt: &#8220;Mich hat gehungert, und ihr habt mich gespeiset&#8221; usw. Da mu\u00df man ja bekennen, da\u00df Christus nicht allein das Werk verstehe, sondern das Herz haben wolle, das da recht von Gott h\u00e4lt und glaubt, da\u00df es Gott gefalle durch Barmherzigkeit. Also lehrt Christus, da\u00df das ewige Leben den Gerechten gegeben wird, wie dabei Christus spricht Matth. 25, 46: &#8220;Die Gerechten werden ins ewige Leben gehen&#8221;, und nennt doch droben die Fr\u00fcchte, da\u00df wir lernen sollen, da\u00df Gerechtigkeit und Glaube nicht eine Heuchelei, sondern ein neu Leben sei, das gute Werke m\u00fcssen folgen.<\/p>\n<p>Wir suchen hier nicht eine unn\u00f6tige Subtilit\u00e4t, sondern es hat gro\u00dfe Ursache, warum man in diesen Fragen einen gewissen Bericht mu\u00df haben. Denn alsbald, wenn man den Widersachern zul\u00e4\u00dft, da\u00df die Werke das ewige Leben verdienen, bald spinnen sie diese ungeschickte Lehre daraus, da\u00df wir verm\u00f6gen Gottes Gesetz zu halten, da\u00df wir keiner Barmherzigkeit bed\u00fcrfen, da\u00df wir vor Gott gerecht seien, das ist, Gott angenehm, durch unsere Werke, nicht um Christus\u2019 willen, da\u00df wir auch opera supererogationis und mehr tun k\u00f6nnen, denn das Gesetz erfordert. Also wird dann die ganze Lehre vom Glauben gar unterdr\u00fcckt. Soll aber eine christliche Kirche sein und bleiben, so mu\u00df je die reine Lehre von Christo, von Gerechtigkeit des Glaubens erhalten werden. Darum m\u00fcssen wir solche gro\u00dfe pharis\u00e4ische Irrt\u00fcmer anfechten, damit wir den Namen Christi und die Ehre des Evangelii und Christi erretten und den christliche Herzen einen rechten, best\u00e4ndigen, gewissen Trost erhalten. Denn wie ist es m\u00f6glich, da\u00df ein Herz oder Gewissen k\u00f6nne zur Ruhe kommen oder die Seligkeit hoffen, wenn in Anfechtungen und Todes\u00e4ngsten vor Gottes Urteil und Augen unsere Werke so gar zu Staub werden, wo es nicht durch Glauben des gewi\u00df wird, da\u00df wir selig werden aus Gnaden, um Christus\u2019 willen, nicht um unsere Werke, um unsere Erf\u00fcllung des Gesetzes? Und freilich St. Lorenz, da er auf dem Rost gelegen und um Christus\u2019 willen gemartert, ist nicht also gesinnt gewesen, da\u00df dasselbe sein Werk Gottes Gesetz vollk\u00f6mmlich und rein erf\u00fcllte, da\u00df er ohne S\u00fcnde w\u00e4re, da\u00df er des Mittlers Christi oder der Gnade nicht bed\u00fcrfte. Er hat\u2019s freilich bleiben lassen bei dem Worte des Propheten David, Ps. 143, 2: &#8220;Du wollest nicht ins Gericht gehen, Herr, mit deinem Knechte&#8221; usw. St. Bernhardus had auch nicht ger\u00fchmt, da\u00df seine Werke w\u00fcrdig w\u00e4ren des ewigen Lebens, da er spricht: &#8220;Perdite vixi, ich habe f\u00fcndlich gelebt&#8221; usw. Doch richtet er sich getrost wieder aus, h\u00e4lt sich an die Berhei\u00dfung der Gnade und glabt, ba\u00df er um Christus\u2019 willen Bergebung der S\u00fcnden das ewige Leben, wie der Psalm sagt, 32, 1: &#8220;Wohl denen, welchen die S\u00fcnden vergeben sind&#8221;, Und Paulus zu den R\u00f6mern am 4, 6: &#8220;Dies ist des Menschen Seligkeit, wenn ihm die Gerechtigkeit wird zugerechnet ohne Werke.&#8221; So sagt nun Paulus, der sei selig, welchem die Gerechtigkeit wird zugerechenet durch den Glauben an Christum, ob er gleich kein gut Werk getan hat. Das ist der rechte best\u00e4ndige Trost, welcher in Anfechtungen besteht, damit die Herzen und Gewissen k\u00f6nnen gest\u00e4rkt und getr\u00f6stet werden, n\u00e4mlich, da\u00df um Christus\u2019 willen durch den Glauben uns Vergebung der S\u00fcnden, Gerechtigkeit und ewiges Leben gegeben wird. Wenn nun die Spr\u00fcche, so von Werken reden, derma\u00dfen verstanden werden, da\u00df sie den Glauben mitbegreifen, so sind sie gar nichts wider diese Lehre. Und man mu\u00df allezeit den Glauben mitbegreifen, damit wir den Mittler Christum nicht ausschlie\u00dfen. Dem Glauben aber folgt Erf\u00fcllung des Gesetzes; denn der Heilige Geist ist da, der macht ein neu Leben. Das sei genug von diesem Artikel. <\/p>\n<p>Art. VII und VIII (IV). Von der Kirche<\/p>\n<p>1] Den siebten Artikel unsers Bekenntnisses, das wir sagen, da\u00df die christliche Kirche sei die Versammlung der Heiligen, verdammen die Widersacher und f\u00fchren weitl\u00e4uftig Geschw\u00e4tz ein, da\u00df die B\u00f6sen oder Gottlosen von der Kirche nicht sollen gesondert werden, dieweil Johannes der T\u00e4ufer die Kirche vergleicht einer Tenne, in welcher Korn und Spreu beieinander liegen; item, Christus die Kirche vergleicht einem Netze, da b\u00f6se und gute Fische innen sind. 2] Da sehen wir, da\u00df [es] wahr ist, wie man sagt, da\u00df man nicht so deutlich reden kann, b\u00f6se Zungen k\u00f6nnen\u2019s verkehren. 3] Wir haben eben darum und aus dieser Ursache den achten Artikel dazugesetzt, da\u00df niemand darf Gedanken fassen, als wollten wir die B\u00f6sen und Heuchler von der \u00e4u\u00dferlichen Gesellschaft der Christen oder Kirche absondern, oder als w\u00e4re unsere Meinung, da\u00df die Sakramente, wenn sie durch Gottlose gereicht werden, ohne Kraft oder Wirkung seien. Darum darf [bedarf] diese falsche, unrechte Deutung keiner langen Antwort; der achte Artikel entschuldigt uns genugsam. Wir bekennen und sagen auch, da\u00df die Heuchler und B\u00f6sen auch m\u00f6gen Glieder der Kirche sein in \u00e4u\u00dferlicher Gemeinschaft des Namens und der \u00cbmter, und da\u00df man von B\u00f6sen m\u00f6ge die Sakramente recht empfangen, sonderlich wenn sie nicht verbannt [gebannt] sind. Und die Sakramente sind darum nicht ohne Kraft oder Wirkung, da\u00df sie durch Gottlose gereicht werden. 5] Denn auch Paulus zuvor hat prophezeit, da\u00df antichristus soll sitzen im Tempel Gottes, herrschen und regieren in der Kirche, Regiment und Amt darin haben. Aber die christliche Kirche steht nicht allein in Gesellschaft \u00e4u\u00dferlicher Zeichen, sondern steht vornehmlich in Gemeinschaft inwendig der ewigen G\u00fcter im Herzen, als des Heiligen Geistes, das Glaubens, der Furcht und Liebe Gottes. Und dieselbe Kirche hat doch auch \u00e4u\u00dferliche Zeichen, dabei man sie kennt, n\u00e4mlich, wo Gottes Wort rein geht, wo die Sakramente demselben gem\u00e4\u00df gereicht werden, da ist gewi\u00df die Kirche, da sind Christen, und dieselbe Kirche wird allein genannt in der Schrift Christus\u2019 Leib. Denn Christus ist ihr Haupt und heiligt und st\u00e4rkt sie durch seinen Geist, wie Paulus zu den Ephesern am 1. sagt: &#8220;und hat ihn gesetzt zum Haupt der Gemeinde, welche ist sein Leib und die F\u00fclle des, der alles in allem erf\u00fcllt.&#8221; Darum in welchen Christus durch seinen Geist nichts wirkt, die sind nicht Gliedma\u00dfen Christi. 6] Und das bekennen auch die Widersacher, da\u00df die B\u00f6sen allein tote Gliedma\u00dfen der Kirche sind. Darum dann ich mich nicht genugsam verwundern, warum sie doch unsern Beschlu\u00df von der Kirche anfechten, so wir von lebendigen Gliedma\u00dfen der Kirche reden. 7] Und wir haben nichts Ne\u00fcs gesagt. Denn Paulus zu den Ephesern am 5. Kapitel sagt gleich auch also, was die Kirche sei, und setzt auch die \u00e4u\u00dferlichen Zeichen, n\u00e4mlich das Evangelium, die Sakramente; denn also sagt er: &#8220;Christus hat geliebet die Gemeinde und sich selbst f\u00fcr sie gegeben, auf da\u00df er sie heiligte, und hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Word, auch da\u00df er sie ihm selbst zurichtete eine Gemeinde, die herrlich sei, die nicht hebe Flecken oder Runzel [oder des etwas], sondern da\u00df sie heilig sei, unstr\u00e4flich&#8221; usw. Diesen Spruch des Apostels haben wir gar nahe von Wort zu Wort gesetzt in unser Bekenntnis und also bekennen wir auch in unserm heiligen Symbolo und Glauben: &#8220;Ich glaube eine heilige christliche Kirche.&#8221; 8] Da sagen wir, da\u00df die Kirche heilig sei; die Gottlosen aber und B\u00f6sen k\u00f6nnen nicht die heilige Kirche sein. In unserm Glauben folgt bald hernach: &#8220;Gemeinschaft der Heiligen&#8221;, welches noch klarer, deutlicher auslegt, was die Kirche hei\u00dft, n\u00e4mlich der Haufe und die Versammlung, welche ein Evangelium bekennen, gleich eine Erkenntnis Christi haben, einen Geist haben, welcher ihre Herzen verne\u00fcrt, heiligt und regiert.<\/p>\n<p>9] Und der Artikel von der katholischen oder gemeinen Kirche, welche von aller Nation unter der Sonne zusammen sich schickt, ist gar tr\u00f6stlich und hochn\u00f6tig. Denn des Haufe der Gottlosen ist viel gr\u00f6\u00dfer, gar nahe unz\u00e4hlig, welche das Wort verachten, bitter hassen und aufs \u00e4u\u00dferste verfolgen, als da sind T\u00fcrken, Mahometisten, andere Tyrannen, Ketzer usw. Dar\u00fcber wird die rechte Lehre und Kirche oft so gar untergedr\u00fcckt [unterdr\u00fcckt] und verloren, wie unterm Papsttum geschehen, als sei keine Kirche, und l\u00e4\u00dft sich oft ansehen, als sei sie gar untergegangen. Dagegen, da\u00df wir gewi\u00df sein m\u00f6gen, nicht zweifeln, sondern fest und g\u00e4nzlich glauben, da\u00df eigentlich eine christliche Kirche bis an das Ende der Welt auf Erden sein und bleiben werde; da\u00df wir auch gar nicht zweifeln, da\u00df eine christliche Kirche auf Erden lebe und sei, welche Christi Braut sei, obwohl der gottlose Haufe mehr und gr\u00f6\u00dfer ist; da\u00df auch der Herr Christus hier auf Erden in dem Haufen, welcher Kirche hei\u00dft, t\u00e4glich wirke, S\u00fcnden vergebe, t\u00e4glich das Gebet erh\u00f6re, t\u00e4glich in Anfechtungen mit reichem, starkem Trost die Seinen erquicke und immer wieder aufrichte; 10] so ist der tr\u00f6stliche Artikel im Glauben gesetzt: &#8220;Ich glaube eine katholische christliche Kirche&#8221;, damit niemand denken m\u00f6chte, die Kirche sei, wie eine andere \u00e4u\u00dferliche Polizei, an dieses oder jenes Land, K\u00f6nigreich oder Stand gebunden, wie der Papst von Rom sagen will, sondern da\u00df [es] gewi\u00df wahr bleibt, da\u00df der Haufe und die Menschen die rechte Kirche seien, welche hin und wieder in der Welt, vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang, an Christum wahrlich glauben, welche denn ein Evangelium, einen Christum, einerlei Taufe und Sakramente haben, durch einen Heiligen Geist regiert werden, ob sie wohl ungleiche Zeremonien haben. 11] Denn auch im Dekret Gratiani sagt klar die Glosse, da\u00df dies Wort: &#8220;Kirche&#8221;, large zu nehmen, begreift B\u00f6se und Gute; item, da\u00df die B\u00f6sen allein mit dem Names in der Kirche seien, nicht mit dem Werke; Die Guten aber sind beide mit Namen und Werken darin. Und auf die Meinung liest man viel Spr\u00fcche bei den V\u00e4tern. Denn Hieronymus sagt: &#8220;Welcher ein S\u00fcnder ist und in S\u00fcnden noch unrein liegt, der kann nicht genannt werden ein Gliedma\u00df der Kirche, noch in dem Reich Christi sein.&#8221;<\/p>\n<p>12] Wiewohl nun die B\u00f6sen und [die] gottlosen Heuchler mit der rechten Kirche Gesellschaft haben in \u00e4u\u00dferlichen Zeichen, in Namen und \u00cbmtern, dennoch, wenn man eigentlich reden will, was die Kirche sei, mu\u00df man von dieser Kirche sagen, die der Leib Christi hei\u00dft und Gemeinschaft hat nicht allein in \u00e4u\u00dferlichen Zeichen, sondern die G\u00fcter im Herzen hat, den Heiligen Geist und Glauben. 13] Denn man mu\u00df je recht eigentlich wissen, wodurch wir Gliedmas\u00dfen Christi werden, und was uns macht zu lebendigen Gliedma\u00dfen der Kirche. Denn so wir w\u00fcrden sagen, da\u00df die Kirche allein eine \u00e4u\u00dferliche Polizei w\u00e4re, wie andere Regimente, darin B\u00f6se und Gute w\u00e4ren usw., so wird [w\u00fcrde] niemand daraus lernen noch verstehen, da\u00df Christi Reich geistlich ist, wie es doch ist, darin Christus inwendig die Herzen regiert, st\u00e4rkt, tr\u00f6stet, den Heiligen Geist und mancherlei geistliche Gaben austeilt, sondern man wird gedenken, es sei einen \u00e4u\u00dferliche Weise, gewisse Ordnung etlicher Zeremonien und Gottesdiensts. 14] Item, was wollte f\u00fcr ein Unterschied sein zwischen dem Volk des Gesetzes und der Kirche, so die Kirche allein eine \u00e4u\u00dferliche Polizei w\u00e4re? Nun unterscheidet Paulus also die Kirche von den Juden, da\u00df er sagt, die Kirche sei ein geistlich Volk, das ist, ein solch Volk, welches nicht allein in der Polizei und b\u00fcrgerlichem Wesen unterschieden sei von den Heiden, sondern ein recht Volk Gottes, welches im Herzen erleuchtet wird und neugeboren durch den Heiligen Geist. Item, in dem j\u00fcdischen Volk, da hatten alle diejenigen, so von Natur Juden und aus Abrahams Samen geboren waren, \u00fcber die Verhei\u00dfung der geistlichen G\u00fcter in Christo auch viele Zusagen von leiblichen G\u00fctern, als vom K\u00f6nigreich usw. Und um der g\u00f6ttlichen Zusagen willen waren [wurden] auch die B\u00f6sen unter ihnen Gottes Volk genannt. Denn den leiblichen Samen Abrahams und alle gebornen Juden hatte Gott abgesondert von andern Heiden durch dieselben leiblichen Verhei\u00dfungen; Und dieselben Gottlosen und B\u00f6sen waren doch nicht das rechte Gottesvolk, gefielen auch Gott nicht. 15] Aber da Evangelium, welches in der Kirche gepredigt wird, bringt mit sich nicht allein den Schatten der ewigen G\u00fcter, sondern ein jeder rechter Christ, der wird hier auf Erden der ewigen G\u00fcter selbst, auch des ewigen Trostes, des ewigen Lebens und Heiligen Geistes und der Gerechtigkeit, die aus Gott ist, teilhaftig, bis da\u00df er dort vollk\u00f6mmlich selig werde.<\/p>\n<p>16] Derhalben sind die allein nach dem Evangelio Gottes Volk, welche die geistlichen G\u00fcter, den Heiligen Geist empfangen, und dieselbe Kirche ist das Reich Christi, unterschieden von dem Reich des Teufels. Denn es ist gewi\u00df, da\u00df alle Gottlosen in der Gewalt des Teufels sind und Gliedma\u00dfen seines Reichs, wie Paulus zu den Ephesern sagt, da\u00df: &#8220;der Teufel kr\u00e4ftig regiere in den Kindern des Unglaubens&#8221;. Und Christus sagt zu den Pharis\u00e4ern (welche die Heiligsten waren und auch den Namen hatten, da\u00df sie Gottes Volk und die Kirche w\u00e4ren, welche auch ihr Opfer t\u00e4ten): &#8220;Ihr seid aus eurem Vater, dem Teufel.&#8221; Darum, die rechte Kirche ist das Reich Christi, das ist, die Versammlung aller Heiligen; denn die Gottlosen werden nicht regiert durch den Geist Christi.<\/p>\n<p>17] Was sind aber viele Worte vonn\u00f6ten in so klarer, \u00f6ffentlicher Sache? Allein die Widersacher widersprechen der hellen Wahrheit. So die Kirche, welche je gewi\u00df Christi und Gottes Reich ist, unterschieden ist von den Teufels Reich, so k\u00f6nnen did Gottlosen, welche in des Teufels Reich sind, je nicht die Kirche sein, wiewohl sie in diesem Leben, dieweil das Reich Christi noch nicht offenbart ist, unter den rechten Christen und in der Kirche sind, darin auch Lehramt und andere \u00cbmter mit haben. 18] Und die Gottlosen sind darum mittlerzeit nicht ein St\u00fcck des Reichs Christi, weil es noch nicht offerbart ist. Denn das rechte Reich Christi, der rechte Hause Christi, sind und bleiben allezeit diejenigen, welche Gottes Geist erleuchtet hat, st\u00e4rkt, regiert, ob es wohl vor den Welt noch nicht offenbart, sondern unterm Kreuz verborgen ist, gleichwie es allzeit ein Christus ist und bleibt, der die Zeit gekreuzigt ward und nun in ewiger Herrlichkeit herrscht und regiert im Himmel. 19] Und da reimen sich auch die Gleichnisse Christi hin, da er klar sagt Matth. 13, da\u00df: &#8220;der gute Same seien die Kinder des Reichs, das Unkraut seien die Kinder des Teufels, der Acker sei die Welt&#8221;, nicht die Kirche. Also ist auch zu verstehen das Wort Johannis, da er sagt Matth. 3: &#8220;Er wird seine Tenne fegen und den Weizen in seine Sche\u00fcr sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen.&#8221; Da redet er von dem ganzen j\u00fcdischen Volk und sagt, die rechte Kirche solle von dem Volk abgesondert werden. Derselbe Spruch ist den Widersachern mehr entgegen denn f\u00fcr sie. Denn er zeigt klar an, wie das recht gl\u00e4ubige, geistliche Volk solle von dem leiblichen Isr\u00e4l abgeschieden werden. Und da Christus spricht: &#8220;Das Himmelreich ist gleich einem Netze&#8221;, item, &#8220;den zehn Jungfra\u00fcn&#8221;, will er nicht, da\u00df die B\u00f6sen die Kirche seien, sondern unterrichtet, wie die Kirche scheint [sichtbar wird] in dieser Welt. Darum spricht er, sie sei gleich diesem usw.; das ist, wie im Haufen Fische die guten und b\u00f6sen durcheinanderliegen, also ist die Kirche hier verborgen unter dem gro\u00dfen Haufen und Menge der Gottlosen, und will, da\u00df sich die Frommen nicht \u00e4rgern sollen, item, da\u00df wir wissen wollen, da\u00df das Wort und die Sakramente darum nicht ohne Kraft seien, obgleich Gottlose predigen oder die Sakramente reichen. Und lehrt uns Christus damit also, da\u00df die Gottlosen, ob sie wohl nach \u00e4u\u00dferlicher Gesellschaft in der Kirche sind, doch nicht Gliedma\u00dfen Christi, nicht die rechte Kirche seien, denn sie sind Gliedma\u00dfen des Teufels. 20] Und wir reden nicht von einer erdichteten Kirche, die nirgend zu finden sei, sondern wir sagen und wissen f\u00fcrwahr, da\u00df diese Kirche, darin Heilige leben, wahrhaftig auf Erden ist und bleibt, n\u00e4mlich da\u00df etliche Gotteskinder sind hin und wieder in aller Welt, in allerlei K\u00f6nigreichen, Inseln, L\u00e4ndern, St\u00e4dten, vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang, die Christum und das Evangelium recht erkannt haben; Und [wir] sagen, dieselbe Kirche habe diese \u00e4u\u00dferlichen Zeichen: das Predigtamt oder Evangelium und die Sakramente. Und dieselbe Kirche ist eigentlich, wie Paulus sagt, &#8220;eine S\u00e4ule der Wahrheit&#8221;, denn sie beh\u00e4lt das reine Evangelium, den rechten Grund. Und wie Paulus sagt: &#8220;Einen andern Grund kann niemand legen au\u00dfer dem, der gelegt ist, welcher ist Christus.&#8221; Auf den Grund sind nun die Christen gebaut. Und wiewohl nun in dem Haufen, welcher auf den rechten Grund, das ist, Christum und den Glauben, gebaut ist, viel Schwache sind, welche auf solchen Grund Stroh und Heu ba\u00fcn, das ist, etliche menschliche Gedanken und Opinionen, mit welchen sie doch den Grund, Christum, nicht umsto\u00dfen noch verwerfen, derhalben sie dennoch Christen sind und werden ihnen solche Fehle vergeben, werden auch etwa erleuchtet und besser unterrichtet: 21] also sehen wir in V\u00e4tern, da\u00df sie auch bisweilen Stroh und Heu auf den Grund gebaut haben, doch haben sie damit den Grund nicht umsto\u00dfen wollen. Aber viele Artikel bei unsern Widersachern sto\u00dfen den rechten Grund nieder, die Erkenntnis Christi und den Glauben. Denn sie verwerfen und verdammen den hohen, gr\u00f6\u00dften Artikel, da wir sagen, da\u00df wir allein durch den Glauben ohne alle Werke, Vergebung des S\u00fcnden durch Christum erlangen. 22] Dagegen lehren sie vertra\u00fcn auf unsere Werke, damit Vergebung der S\u00fcnden zu verdienen, und setzen anstatt Christi ihre Werke, Orden, Messe, wie auch die Juden, Heiden und T\u00fcrken mit eigenen Werken vorhaben selig zu werden. Item, sie lehren, die Sakramente machen fromm ex opere operato, ohne Glauben. Wer nun den Glauben nicht n\u00f6tig achtet, der hat Christum bereits verloren. Item, sie richten Heiligendienst an, rufen sie an anstatt Christi, als Mittler usw. Wie aber klare Verhei\u00dfungen Gottes in der Schrift stehen, da\u00df die Kirche allezeit soll den Heiligen Geist haben, also stehen auch ernste Dr\u00e4uungen in der Schrift, da\u00df neben den rechten Predigern werden einschleichen falsche Lehrer und W\u00f6lfe. Diese ist aber eigentlich die christliche Kirche, die den Heiligen Geist hat. Die W\u00f6lfe und falsche Lehrer, wiewohl sie in der Kirche w\u00fcten und Schaden tun, so sind sie doch nicht die Kirche oder das Reich Christi, wie auch Lyra bezeugt, da er sagt: &#8220;Die rechte Kirche steht nicht auf Pr\u00e4laten ihres Gewalts halben, denn viele hohen Standes, F\u00fcrsten und Bisch\u00f6fe, auch viele niedern Standes sind vom Glauben abgefallen. Darum steht die Kirche auf denjenigen, in welchen ist eine rechte Erkenntnis Christi, eine rechte Konfession und Bekenntnis des Glaubens und der Wahrheit.&#8221; Nun haben wir in unserer Konfession nichts anderes gesagt im Grunde denn eben das, was Lyra also mit klaren Worten sagt, da\u00df er nicht klarer reden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>23] Aber es wollten gern die Widersacher eine ne\u00fc r\u00f6mische Definition der Kirche haben, da\u00df wir sollten sage, die Kirche ist die oberste Monarchia, die gr\u00f6\u00dfte, m\u00e4chtigste Hoheit in der ganzen Welt, darin der r\u00f6mische Papst als das Haupt der Kirche aller hohen und niedern Sachen und H\u00e4ndel, weltlicher, geistlicher, wie er will und denken darf, durchaus ganz m\u00e4chtig ist, von welches [dessen] Gewalt (er brauch\u2019s, mi\u00dfbrauch\u2019s wie er wolle) niemand disputieren, reden oder mucken darf; item, in welcher Kirche der Papst Macht hat, Artikel des Glaubens zu machen, allerlei Gottesdienste aufzurichten, die Heilige Schrift nach allem seinem Gefallen abzutun, zu verkehren und zu deuten wider alle g\u00f6ttlichen Gesetze, wider sein eigen Dekretal, wider alle Kaiserrechte, wie oft, wieviel und wann es ihn gel\u00fcstet, Freiheit und Dispensation um Geld zu verkaufen, von welchem der r\u00f6mische Kaiser, alle K\u00f6nige, F\u00fcrsten und Potentaten schuldig seien, ihre k\u00f6nigliche Krone, ihre Herrlichkeit und Titel zu empfangen, als vom Statthalter Christi. Derhalben der Papst ein irdischer Gott, eine oberste Majest\u00e4t und allein der gro\u00dfm\u00e4chtigste Herr in aller Welt ist, \u00fcber alle K\u00f6nigreiche, \u00fcber alle Lande und Leute, \u00fcber alle G\u00fcter, geistliche und weltliche, und also in seiner Hand hat alles, beide weltliches und geistliches Schwert. 24] Diese Definition, welche sich auf die rechte Kirche gar nicht, aber auf des r\u00f6mischen Papsts Wesen wohl reimt, findet man nicht allein in der Kanonisten B\u00fcchern, sondern Daniel der Prophet malt den Antichristen auf diese Weise.<\/p>\n<p>25] Wenn wir eine solche Definition setzten und sagten, da\u00df die Kirche w\u00e4re eine solche Pracht, wie des Papsts Wesen steht, so m\u00f6chten wir vielleicht nicht so gar ungn\u00e4dige Richter haben. Denn es sind der Widersacher B\u00fccher am Tage, darin des Papsts Gewalt allzuhoch gehoben wird; dieselben straft niemand. Allein wir m\u00fcssen herhalten, derhalben, da\u00df wir Christus\u2019 Wohltat preisen und hoch heben und die klaren Worte und Lehre der Apostel schreiben und predigen, n\u00e4mlich da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden erlangen durch den Glauben an Jesum Christum und nicht durch Heuchelei oder erdichtete Gottesdienste, welche der Papst unz\u00e4hlig angerichtet. 26] Christus aber und die Propheten und Apostel schreiben und reden gar viel anders davon, was die Kirche Christi sei, und des Papsts Reich will sich zu derselben Kirche gar nicht reimen, sondern steht ihr gar un\u00e4hnlich. 27] Darum soll man die Spr\u00fcche, so von der rechten Kirche reden, nicht auf die P\u00e4pste oder Bisch\u00f6fe deuten, n\u00e4mlich da\u00df sie S\u00e4ulen der Wahrheit seien, item, da\u00df sie nicht irren k\u00f6nnen. Denn wieviel findet man wohl oder wieviel sind bisanher gefunden unter Bisch\u00f6fen, P\u00e4psten usw., die sich des Evangelii mit Ernst und herzlich angenommen oder das wert geachtet h\u00e4tten, ein Bl\u00e4ttlein, einen Buchstaben darin recht zu lesen. Man wei\u00df wohl leider viele Exempel, da\u00df ihrer viele in Welschland [Italien] und sonst sind, welche die ganze Religion, Christum und das Evangelium verlachen und \u00f6ffentlich f\u00fcr einen Spott halten. Und lassen sie ihnen etwas gefallen, so lassen sie ihnen das gefallen, das menschlicher Vernunft gem\u00e4\u00df [ist]; das andere alles halten sie f\u00fcr Fabeln. 28] Darum sagen und schlie\u00dfen wir nach der Heiligen Schrift, da\u00df die rechte christliche Kirche sei der Haufe hin und wieder in der Welt derjenigen, die da wahrlich glauben dem Evangelio Christi und den Heiligen Geist haben. Und wir bekennen doch auch, da\u00df solange dieses Leben auf Erden w\u00e4hrt, viele Heuchler und B\u00f6se in der Kirchen seien unter den rechten Christen, welche auch Glieder sind der Kirche, sofern [es] \u00e4u\u00dferliche Zeichen betrifft. Denn sie haben \u00cbmter in der Kirche, predigen, reichen Sakramente und tragen den Titel und Namen der Christen. Und die Sakramente, Taufe, usw., sind darum nicht ohne Wirkung oder Kraft, da\u00df sie durch Unw\u00fcrdige und Gottlose gereicht werden. Denn um des Berufs willen der Kirche sind solche da, nicht f\u00fcr ihre eigene Person, sondern als Christus, wie Christus zeugt: &#8220;Wer euch h\u00f6ret, der h\u00f6ret mich.&#8221; Also ist auch Judas zu predigen gesendet. Wenn nun gleich Gottlose predigen und die Sakramente reichen, so reichen sie dieselben an Christus\u2019 Statt. Und das lehrt uns das Wort Christi, da\u00df wir in solchem Fall die Unw\u00fcrdigkeit der Diener uns nicht sollen irren [irremachen] lassen.<\/p>\n<p>29] Aber von dem St\u00fcck haben wir klar genug geredet in unserer Konfession, n\u00e4mlich, da\u00df wir es nicht halten mit den Donatisten, und Wiklifiten, die da hielten, da\u00df diejenigen s\u00fcndigen, die die Sakramente in der Kirche von gottlosen Dienern empfangen. Dieses, achten wir, soll genug sein, zu sch\u00fctzen und zu erhalten die Definition, da wir gesagt, was die Kirche sei. Und nachdem [da] die rechte Kirche in der Schrift genannt wird Christus\u2019 Leib, so ist je gar nicht m\u00f6glich, anders davon zu reden, denn wie wir davon geredet haben. Denn es ist je gewi\u00df, da\u00df die Heuchler und Gottlosen nicht Christus\u2019 Leib sein k\u00f6nnen, sondern in das Reich des Teufels geh\u00f6ren, welcher sie gefangen hat und treibt, wozu er will. Dieses alles ist ganz \u00f6ffentlich und so klar, da\u00df [es] niemand leugnen mag. Werden aber die Widersacher mit ihren Kalumnien fortfahren, soll ihnen ferner Antwort gegeben werden.<\/p>\n<p>30] Auch verdammen die Widersacher dieses St\u00fcck vom siebten Artikel, das wir gesagt haben, da\u00df genug sei zur Einigkeit der Kirche, da\u00df einerlei Evangelium, einerlei Sakramente gereicht werden, und sei nicht not, da\u00df die Menschensatzungen allenthalben gleichf\u00f6rmig seien. Diese St\u00fccke lassen sie also zu, da\u00df nicht not sei zur Einigkeit der Kirche, da\u00df traditiones particulares gleich seien. Aber da\u00df traditiones universales gleich seien, das sei not zu wahrer Einigkeit der Kirche. 31] Das ist eine gute, grobe distinctio. Wir sagen, da\u00df diejenigen eine eintr\u00e4chtige Kirche hei\u00dfen, die an einen Christum glauben,ein Evangelium, einen Geist, einen Glauben, einerlei Sakramente haben, und reden also von geistlicher Einigkeit, ohne welche der Glaube und ein christlich Wesen nicht sein kann. Zu derselben Einigkeit sagen wir nun, es sei nicht not, da\u00df Menschensatzungen, sie seien universales oder particulares, allenthalben gleich seien. Denn die Gerechtigkeit, welche vor Gott gilt, die durch den Glauben kommt, ist nicht gebunden an \u00e4u\u00dferliche Zeremonien oder Menschensatzungen. Denn der Glaube ist ein Licht im Herzen, das die Herzen verne\u00fcrt und lebendig macht; da helfen \u00e4u\u00dferliche Satzungen oder Zeremonien, sie sind [seien] universal oder partikular, wenig zu.<\/p>\n<p>32] Und es hat nicht geringe Ursachen gehabt, da\u00df wir den Artikel gesetzt haben; denn es ist gar mancher gro\u00dfe Irrtum und n\u00e4rrische Opinion von den Satzungen eingerissen in der Kirche. Etliche haben wollen w\u00e4hnen, da\u00df christliche Heiligkeit und Glaube ohne solche Menschensatzungen nicht gelte vor Gott, k\u00f6nne auch niemand [ein] Christ sein, er halte denn solche traditiones, so sie doch nichts anders sind denn \u00e4u\u00dferliche Ordnungen, welche oft zuf\u00e4llig, oft auch aus Ursachen an einem Ort anders sind denn am andern; wie im weltlichen Regiment eine Stadt andere Gebr\u00e4uche hat denn die andere. Auch liest man in Historien, da\u00df eine Kirche die andern in Bann getan solcher Satzungen halben, als um des Ostertags willen, um der Bilder willen und desgleichen. Darum haben die Unerfahrenen nicht anders gehalten, denn da\u00df man durch solche Zeremonien vor Gott fromm w\u00fcrde, und da\u00df niemand [ein] Christ sein k\u00f6nnte ohne solche Gottesdienste und Zeremonien. Denn es sind gar viel ungeschickte B\u00fccher der Summisten und anderer davon noch vor Augen.<\/p>\n<p>33] Aber wie die Einigkeit der Kirche dadurch nicht getrennt wird, ob in einem Lande, an einem Ort die Tage nat\u00fcrlich l\u00e4nger oder k\u00fcrzer sind denn am andern, also halten wir auch, da\u00df die Einigkeit der Kirche dadurch nicht getrennt wird, ob solche Menschensatzungen an einem Ort diese, am andern jene Ordnung haben. Wiewohl es uns auch wohlgef\u00e4llt, da\u00df die Universalzeremonien um Einigkeit und guter Ordnung willen gleichf\u00f6rmig gehalten werden, wie wir denn in unsern Kirchen die Messe, des Sonntags Feier und die andern hohen Feiern auch behalten. Und wir lassen uns gefallen alle guten, n\u00fctzlichen Menschensatzungen, sonderlich die da1 zu einer feinen, \u00e4u\u00dferlichen Zucht dienen der Jugend und des Volks. 34] Aber hier ist die Frage dar\u00fcber nicht, ob Menschensatzungen um \u00e4u\u00dferlicher Zucht willen, um Friedens willen zu halten seien; es ist gar viel eine andere Frage, n\u00e4mlich ob solche Menschensatzungen halten ein Gottesdienst sei, dadurch man Gott vers\u00f6hne, und da\u00df ohne solche Satzungen niemand vor Gott gerecht sein m\u00f6ge. Das ist die Hauptfrage. Wenn darauf schlie\u00dflich und endlich geantwortet ist, so ist danach klar zu urteilen, ob das hei\u00dfe einig oder eintr\u00e4chtig mit der Kirche sein, wenn wir allenthalben solche Satzungen zugleich [gleich] halten. Denn so solche Menschensatzungen nicht ein n\u00f6tiger Gottesdienst sind, so folgt, da\u00df etliche fromm, gerecht, Gotteskinder und Christen sein k\u00f6nnen, die gleich nicht die Zeremonien haben, so in andern Kirchen im Gebrauch sind. Als ein Gleichnis: Wenn dies steht, da\u00df deutsche und franz\u00f6sische Kleidung tragen nicht ein n\u00f6tiger Gottesdienst sei, so folgt, da\u00df etliche gerecht, heilig und in der Kirche Christi sein k\u00f6nnen, die auch gleich nicht deutsche oder franz\u00f6sische Kleidung tragen.<\/p>\n<p>35] Also lehrt auch Paulus klar zu den Kolossern am 2: &#8220;So lasset nun niemand euch Gewissen machen \u00fcber Speise, Trank oder bestimmte Feiertage oder Neumonden oder Sabbate, welche sind der Schatten von dem, das zuk\u00fcnftig war, aber der K\u00f6rper selbst ist in Christo.&#8221; Item: &#8220;So ihr denn nun abgestorben seid mit Christo den Satzungen der Welt, was la\u00dft ihr euch denn fangen mit Satzungen, als lebtet ihr noch in der Welt? Die da sagen: Du sollst das nicht angreifen, du sollst das nicht kosten, du sollst das nicht anr\u00fchren, welches sich doch alles unter den H\u00e4nden verzehrt und ist Menschengebot und =lehre; welche haben einen Schein der Weisheit durch selbsterw\u00e4hlte Geistlichkeit und Demut.&#8221; 36] Denn das ist Pauli Meinung: Der Glaube im Herzen dadurch wir fromm werden, ist ein geistlich Ding und Licht im Herzen, dadurch wir verne\u00fcrt werden, andern Sinn und Mut gewinnen. Die Menschensatzungen aber sind nicht ein solch lebendig Licht und Kraft des Heiligen Geistes im Herzen, sind nichts Ewiges; darum machen sie nicht ewig Leben, sondern sind \u00e4u\u00dferliche, leibliche \u00dcbungen, die das Herz nicht \u00e4ndern. Darum ist nicht zu halten, da\u00df sie n\u00f6tig seien zu der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Und auf die Meinung redet Paulus auch zu den R\u00f6mern am 14: &#8220;Das Reich Gottes ist nicht Speise und Trank, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist.&#8221; 37] Aber es ist nicht not, hier viel Spr\u00fcche anzuzeigen, so die ganze Bibel deren voll ist, und wir auch in unserer Konfession, in den letzten Artikeln, deren viele vorgebracht; so wollen wir dieser Sache Hauptfrage hernach auch sonderlich handeln, n\u00e4mlich ob solche Menschensatzungen ein Gottesdienst seien, welcher not sei zur Seligkeit, da wir denn reichlicher und mehr von dieser Sache reden wollen.<\/p>\n<p>38] Die Widersacher sagen, man m\u00fcsse darum solche Satzungen, sonderlich die Universalzeremonien, halten; denn es sei vermutlich, da\u00df sie von den Aposteln auf uns geerbt [seien]. O wie gro\u00dfe, heilige, treffliche, apostolische Leute! Wie fromm und geistlich sind sie doch nun geworden! Die Satzungen und Zeremonien, von den Aposteln, wie sie sagen, aufgerichtet, wollen sie halten, und der Apostel Lehre und klare Worte wollen sie nicht halten. 39] Wir sagen aber und wissen, da\u00df es recht ist: Man soll also und nicht anders von allen Satzungen lehren, urteilen und reden, denn wie die Apostel selbst in ihren Schriften davon gelehrt haben. Die Apostel aber fechten auf das allerst\u00e4rkste und heftigste allenthalben nicht allein wider diejenigen, so Menschensatzungen wollen hoch heben, sondern auch, die das g\u00f6ttliche Gesetz, die Zeremonien der Beschneidung usw. wollten als n\u00f6tig achten zur Seligkeit. Die Apostel haben in keinem Weg eine solche B\u00fcrde auf die Gewissen legen wollen, da\u00df solche Satzungen von gewissen Tagen, von Fasten, von Speise und dergleichen sollten S\u00fcnde sein, so man\u2019s nicht hielte. 40] Und, das mehr ist, Paulus nennt klar solche Lehren Teufelslehren. Darum was die Apostel in dem f\u00fcr gut und recht gehalten, das mu\u00df man aus ihren klaren Schriften suchen und nicht allein Exempel anzeigen. Sie haben wohl gehalten etliche gewisse Tage, nicht da\u00df solches n\u00f6tig w\u00e4re, vor Gott fromm und gerecht zu werden, sondern da\u00df das Volk w\u00fc\u00dfte, wann es sollte zusammenkommen. Auch haben sie wohl etliche Gebr\u00e4uche und Zeremonien gehalten, als ordentliche Lektion in der Bibel, wenn sie zusammenkamen usw. Auch haben im Anfang der Kirche die Juden, so Christen geworden, viel behalten von ihren j\u00fcdischen Festen und Zeremonien, welches die Apostel danach auf die Historien des Evangelii gerichtet haben. Also sind unsere Ostern von der Juden und unsere Pfingsten von der Juden Pfingsten hergekommen. Und haben die Apostle nicht allein mit Lehren, sondern auch durch solche Feste von der Historie die Erkenntnis Christi und den gro\u00dfen Schatz auf die Nachkommen erben wollen. 41] So nun solche und dergleichen Zeremonien n\u00f6tig sind zur Seligkeit, warum haben hernach die Bisch\u00f6fe viel darin ver\u00e4ndert? Denn sind sie durch Gottes Befehl eingesetzt, so hat kein Mensch Macht gehabt, sie zu ver\u00e4ndern. 42] Die Ostern hat man vor dem Concilio zu Niz\u00e4a an einem Ort auf eine andere Zeit gehalten denn am andern. Und die Ungleichheit hat dem Glauben oder der christlichen Einigkeit nichts geschadet. Danach hat man mit Flei\u00df den Ostertage verr\u00fcckt, da\u00df unser Ostertag mit der Juden Ostertag je nicht sollte \u00fcbereintreffen. 43] Die Apostel aber haben befohlen, in [den] Kirchen den Ostertag also auf die Zeit zu halten, wie ihn die Br\u00fcder, so aus dem Judentum bekehrt waren, hielten. Darum haben etliche Bist\u00fcmer und V\u00f6lker, auch nach dem Concilio zu Niz\u00e4a, hart dar\u00fcber gehalten, da\u00df der Ostertag mit dem j\u00fcdischen Ostertag sollte [zu] gleicher Zeit gehalten werden. Aber die Apostel haben mit ihrem Dekret den Kirchen nicht wollen eine solche Last auflegen, als w\u00e4re solches n\u00f6tig zur Seligkeit, wie die klaren Worte auch desselben ihres Dekrets anzeigen; denn sie dr\u00fccken\u2019s mit klaren Worten aus, &#8220;da\u00df niemand sich darum bek\u00fcmmern solle, ob die Br\u00fcder, so Ostertag halten usw., gleich die Zeit nicht eigentlich abrechnen&#8221;. 44] Denn Epiphanius zieht an die Worte der Apostel, daraus ein jeder Verst\u00e4ndiger klar zu merken hat, da\u00df die Apostel die Leute von dem Irrtum haben wollen abweisen, damit ihm niemand Gewissen mache \u00fcber Feiertage, gewisse Zeit usw. Denn sie setzen klar dazu, man solle sich nicht gro\u00df darum bek\u00fcmmern, obschon in der Rechnung des Ostertags geirrt sei. [Die im lateinischen Text zitierte griechische Stelle findet sich nicht in den sogenannten Apostolischen Konstitutionen; auch Epiphanius, gestorben, findet den apostolischen Ursprung derselben zweifelhaft.]<\/p>\n<p>45] Dergleichen unz\u00e4hlig k\u00f6nnte ich aus den Historien vorbringen und noch klarer anzeigen, da\u00df solche Ungleichheit an [in] \u00e4u\u00dferlichen Satzungen niemand von der gemeinen Christenkirche obsondert oder scheidet. Die Widersacher verstehen gar nicht, was der Glaube, was das Reich Christi sei, die da lehren, da\u00df in den Satzungen, welche von Speise, von Tagen, von Kleidung und dergleichen Dingen reden, die Gott nicht geboten hat, die Einigkeit der christlichen Kirche stehe. 46] Es mag aber hier jedermann sehen und merken, wie and\u00e4chtige, \u00fcberaus heilige Leute die Widersacher seien. Denn so Universalordnungen n\u00f6tig sind und nicht sollen ge\u00e4ndert werden, wer hat ihnen befohlen, die Ordnung in Abendmahl Christi zu \u00e4ndern, welche nicht eine Menschensatzung ist, sondern eine g\u00f6ttliche Ordnung? Aber davon wollen wir hernach sonderlich handeln.<\/p>\n<p>47] Den VIII. Artikel lassen ihnen die Widersacher ganz gefallen, da wir sagen, da\u00df auch Heuchler und Gottlose in der Kirche gefunden werden, und da\u00df die Sakramente nicht darum ohne Kraft seien, ob sie durch Heuchler gereicht werden; denn sie reichen\u2019s an Christus\u2019 Statt und nicht f\u00fcr ihre Person, wie der Spruch lautet: 48] &#8220;Wer euch h\u00f6ret, der h\u00f6ret mich.&#8221; Doch soll man falsche Lehrer nicht annehmen oder h\u00f6ren; denn dieselben sind nicht mehr an Christus\u2019 Statt, sondern sind Widerchristi. Und Christus hat von denen klar befohlen: &#8220;H\u00fctet euch vor den falschen Propheten&#8221;; Und Paulus zu den Galatern: &#8220;Wer euch ein ander Evangelium prediget, der sei verflucht.&#8221;<\/p>\n<p>49] Sonst, was der Priester eigen Leben belangt, hat uns Christus vermahnt in den Gleichnissen von der Kirche, da\u00df wir nicht schismata oder Trennungen sollen anrichten, ob die Priester oder das Volk nicht allenthalben rein, christlich leben, wie die Donatisten getan haben. 50] Diejenigen aber, die darum an etlichen Orten haben schismata und Trennungen angerichtet, da\u00df sie vorgeben, die Priester d\u00fcrften nicht G\u00fcter oder Eigenes haben, die achten wir f\u00fcr aufr\u00fchrerisch. Denn Eigenes haben, G\u00fcter haben ist eine weltliche Ordnung. Die Christen aber m\u00f6gen allerlei weltliche Ordnung so frei brauchen, als sie der Luft, Speise, Tranks, gemeines Lichts brauchen. Denn gleichwie Himmel, Erde, Sonne, Mond und Sterne Gottes Ordnung sind und von Gott erhalten werden, also sind Politien und alles, was zur Polizei geh\u00f6rt, Gottes Ordnung und werden erhalten und besch\u00fctzt von Gott wider den Teufel. <\/p>\n<p>Artikel IX. Von der Taufe<\/p>\n<p>51] Den neunten Artikel lassen ihnen die Widersacher auch gefallen, da wir bekennen, da\u00df die Taufe zur Seligkeit vonn\u00f6ten sei, und da\u00df die Taufe der jungen Kinder nicht vergeblich sei, sondern n\u00f6tig und seliglich. 52] Und dieweil das Evangelium bei uns rein und mit allem Flei\u00df gepredigt wird, so haben wir auch, Gott Lob, den gro\u00dfen Nutzen und selige Frucht davon, da\u00df nicht Wiedert\u00e4ufer in unsere Kirchen eingerissen [sind]. Denn unser Volk ist, Gott Lob, unterrichtet durch Gottes Wort wider die gottlosen, Rotten derselben m\u00f6rderischen B\u00f6sewichte, und so wir viel andere Irrt\u00fcmer der Wiedert\u00e4ufer d\u00e4mpfen und verdammen, so haben wir den doch sonderlich wider sie erstritten und erhalten, da\u00df die Kindertaufe nicht unn\u00fctz sei. Denn es ist ganz gewi\u00df, da\u00df die g\u00f6ttlichen Verhei\u00dfungen der Gnade des Heiligen Geistes nicht allein die Alten, sondern auch die Kinder belangen. Nun gehen die Verhei\u00dfungen diejenigen nicht an, so au\u00dferhalb der Kirche Christi sind, da weder Evangelium noch Sakrament ist. Denn das Reich Christi ist nirgend, denn wo das Wort Gottes und die Sakramente sind. Darum ist es auch recht christlich und not, die Kinder zu taufen, damit sie des Evangelii, der Verhei\u00dfung des Heils und der Gnade teilhaftig werden, wie Christus befiehlt: &#8220;Gehet hin, taufet alle Heiden.&#8221; Wie ihnen nun wird Gnade, Heil in Christo, also wird ihnen angeboten die Taufe, beide M\u00e4nnern und Weibern, Knaben und jungen Kindern. So folgt gewi\u00df daraus, da\u00df man die jungen Kinder taufen mag und soll, denn in und mit der Taufe wird ihnen die gemeine Gnade und der Schatz des Evangelii angeboten. 53] Zum andern ist\u2019s am Tage, da\u00df Gott der Herr ihm gefallen l\u00e4\u00dft die Taufe der jungen Kinder. Derhalben lehren die Wiedert\u00e4ufer unrecht, so dieselbe Taufe verdammen. Da\u00df aber Gott Gefallen hat an der Taufe der jungen Kinder, zeigt er damit an, da\u00df er vielen, so in der Kindheit getauft sind, den Heiligen Geist hat gegeben; denn es sind viel heilige Leute in der Kirche gewesen, die nicht anders getauft sind. <\/p>\n<p>[Artikel X. Vom heiligen Abendmahl.]<\/p>\n<p>54] Den zehnten Artikel fechten die Widersacher nicht an, darin wir bekennen, da\u00df unsers Herrn Christi Leib und Blut wahrhaftiglich im Nachtmahl Christi zugegen und mit den sichtbaren Dingen, Brot und Wein, dargereicht und genommen wird; wie man bisanher in der Kirche gehalten hat, wie auch der Gr\u00e4ken [Griechen] Kanon zeugt. Und Cyrillus spricht, da\u00df uns Christus leiblich gereicht und gegeben wird im Abendmahl., Denn so sagt er: &#8220;Wir leugnen nicht, da\u00df wir durch rechten Glauben und reine Liebe Christo geistlich vereinigt werden. Da\u00df wir aber nach dem Fleisch gar keine Vereinigung mit ihm haben sollten, da sagen wir nein zu, und das ist auch wider die Schrift. Denn wer will zweifeln, da\u00df Christus auch also der Weinstock sei, wie die Reben, da\u00df wir Saft und Leben von ihm haben? H\u00f6re, wie Paulus sagt: \u2018Wir sind alle ein Leib in Christo; wiewohl unser viel sind, so sind wir in ihm doch eins; denn wir genie\u00dfen alle eines Brots.\u2019 Meinest du, da\u00df wir die Kraft des g\u00f6ttlichen Segens im Abendmahl nicht wissen? Denn wenn der geschieht, so macht er, da\u00df durch die Genie\u00dfung des Fleisches und Leibes Christi Christus auch leiblich in uns wohnt.&#8221; Item: &#8220;Darum ist das zu merken, da\u00df Christus nicht allein durch geistliche Einigkeit, durch die Liebe, sondern auch durch nat\u00fcrliche Gemeinschaft in uns ist.&#8221; Und wir reden von Gegenw\u00e4rtigkeit des lebendigen Leibes; denn wir wissen, wie Paulus sagt, &#8220;da\u00df der Tod forthin nicht \u00fcber ihn herrschen wird&#8221;. [Was den Me\u00dfkanon betrifft, auf den sich der lateinische Text bezieht, so betet der Priester in der: &#8220;Missa s. Iacobi&#8221;: &#8220;Aujto; to; pneu&#8217;mav sou to; panavgion katavpemyon, Despota, ejf j hJma'&#8221; kai; ejpi; ta; prokeivmena a{gia dw&#8217;ra tau&#8217;ta &#8230; i{na ejpifoith&#8217;san th&#8217;\/ aJgiva\/ kai; ajgaqh&#8217;\/ kai; ejndovxw\/ aujtou&#8217; parousiva\/ aJgiavsh\/ kai; poihvsh\/ to;n me;n a[rton tou&#8217;ton sw&#8217;ma a{gion tou&#8217; Cristo&#8217;` sou&#8217; &#8230; kai; to; pothvrion tou&#8217;to ai|ma tivmion to&#8217;` Christou&#8217; sou.&#8221; In der &#8220;Liturgia s. Marci&#8221; betet der Priester: &#8220;jExapovsteilon &#8230; ejf j hJma'&#8221; kai; ejpi; tou'&#8221; a[rtou&#8221; touvtou&#8221; kai; ejpi; ta; pothvria tau&#8217;ta to; pneu&#8217;mav sou to; a{gion, i{na a[vvv[vuta; aJgiavsh\/ kai; teleiwvsh\/ wJ&#8221; pantoduvnamo&#8221; qeo;&#8221; kai; poihvsh\/ to;n me;n a[rton sw&#8217;ma.&#8221; In der: &#8220;Missa .s Basilii&#8221;: &#8220;Eujlovghson, Devspota, to;n a{gion a[rton &#8230; to;n me;n a[rton tou&#8217;ton, aujto; to; tivmion sw&#8217;ma tou&#8217; Kurivou &#8230; metabalw;n tw&#8217;\/ pneuvmati tw&#8217;\/ aJgivw.&#8221; In der: &#8220;Missa s. Chrysostomi&#8221;: &#8220;Eujlovghson, Devspota, to;n a{gion a{rton &#8230; poivhson t;n me;n a[rtoi tou&#8217;ton tivmion sw&#8217;ma tou&#8217; Cristou&#8217; sou.&#8221; In der: &#8220;Liturgia s. Gregorii&#8221; betet der Priester: &#8220;Mitte super nos gratiam Spiritus Sancti tui, qui purificet et commutet has propositas oblationes in corpus et sanguinem liberationis nostrae. Et fiat panis corpus sacrosanctum tuum.&#8221; Endlich in der: &#8220;Liturgia s. Cyrilli&#8221;: &#8220;Emitte Spiritum Sanctum tuum super nos, famulos tuos, et super has oblationes venerandas, quas incipio apponere coram te, super hunc panem et super hunc calicem, ut sanctificentur et commutentur. Et hunc panem faciat corpus sanctum Christi.&#8221; Mit dem Messkanon und dem Zitat aus Theophylakt soll nur, wie der Text des zehnten Artikels klar zeigt, die reale Gegenwart des Leibes und Blutes Christi mit dem Brot und Wein bezeugt werden; was in diesen Stellen dar\u00fcber hinausgeht, ist darum selbstverst\u00e4ndlich nicht Lehre der Apologie.] <\/p>\n<p>[Artikel XI. Von der Beichte.]<\/p>\n<p>58] Den elften Artikel, da wir sagen von der Absolution, lassen ihnen die Widersacher gefallen. Aber was die Beichte belangt, setzen sie dieses dazu, da\u00df mit der Beichte soll gehalten werden nach dem Kapitel \u2018Omnis utriusque sexus,\u2019 da\u00df ein jeder Christ alle Jahr einmal beichte, und ob er alle S\u00fcnden so rein nicht kann erz\u00e4hlen, da\u00df er doch Flei\u00df habe, sich deren aller zu erinnern, und soviel er sich erinnern mag, da\u00df er die in der Beichte sage., Vom ganzen Artikel wollen wir hernach weiter handeln, wenn wir von der christlichen Bu\u00dfe werden reden. Es ist am Tage und es k\u00f6nnen die Widersacher nicht leugnen, da\u00df die unsern von der Absolution, von den Schl\u00fcsseln, also christlich, richtig, rein gepredigt, geschrieben und gelehrt haben, da\u00df viel betr\u00fcbte, angefochtene Gewissen daraus gro\u00dfen Trost empfangen, nachdem sie dieses n\u00f6tigen St\u00fccks klar unterrichtet sind, n\u00e4mlich da\u00df es Gottes Gebot ist, da\u00df es der rechte Brauch des Evangelii ist, da\u00df wir der Absolution glauben und gewi\u00df bei uns daf\u00fcrhalten, da\u00df ohne unser Verdienst uns S\u00fcnden vergeben werden durch Christum, da\u00df wir auch so wahrhaftig, wenn wir dem Wort der Absolution glauben, Gotte werden vers\u00f6hnt, als h\u00f6rten wir eine Stimme vom Himmel. 59] Diese Lehre, welche fast [sehr] n\u00f6tig, ist vielen angefochtenen Gewissen fast tr\u00f6stlich gewesen. Auch haben viel redliche, verst\u00e4ndige Leute, viel fromme Herzen im Anfang dieser unserer Lehre halben D. Luther hoch gelobt und des eine sondere Freude gehabt, da\u00df der n\u00f6tige, gewisse Trost wiederum w\u00e4re an [den] Tag gebracht. Denn zuvor war die ganze n\u00f6tige Lehre von der Bu\u00dfe und Absolution untergedr\u00fcckt [unterdr\u00fcckt], nachdem die Sophisten keinen rechten und best\u00e4ndigen Trost des Gewissens lehrten, sondern weiseten die Leute auf ihre eigenen Werke, daraus eitel Verzweiflung in erschrockene Gewissen kommt.<\/p>\n<p>60] Was aber die gewisse Zeit der Beichte belangt, so ist es wahr und den Widersachern unverborgen, da\u00df in unsern Kirchen viele Leute des Jahrs nicht allein einmal, sondern oft beichten, der Absolution und des heiligen Sakraments brauchen. Und die Prediger, wenn sie von dem Brauch und Nutz der heiligen Sakramente lehren, lehren sie also, da\u00df sie das Volk mit Flei\u00df vermahnen, des heiligen Sakraments oft zu gebrauchen. Und es sind auch die B\u00fccher und Schriften der unsern am Licht, welche also geschrieben, da\u00df die Widersacher, welche ehrbare, gottesf\u00fcrchtige Leute sind, solche nicht anfechten, sondern loben m\u00fcssen. 61] So wird auch von unsern Predigern allezeit daneben gemeldet, da\u00df die sollen verbannt und ausgeschlossen werden, die in \u00f6ffentlichen Lastern leben, Hurerei, Ehebruch usw.; item, so die heiligen Sakramente verachten. Das halten wir also nach dem Evangelio und nach den alten canonibus. 62] Aber auf gewisse Tage oder Zeit im Jahr wird niemand zum Sakrament gedrungen; denn es ist nicht m\u00f6glich, da\u00df die Leute alle gleich auf eine gewisse Zeit geschickt seien, und wenn sie alle in einer ganzen Pfarre auf eine Zeit zum Altar laufen, k\u00f6nnen sie nicht so flei\u00dfig verh\u00f6rt und unterrichtet werden, wie sie bei uns unterrichtet werden. Und die alten Canones und V\u00e4ter setzen keine gewisse Zeit; allein also sagt der Kanon: &#8220;So etliche sich zu der Kirche begeben und befunden werden, da\u00df sie das Sakrament nicht brauchen, soll man sie vermahnen.&#8221; Wo etliche nicht kommunizieren, sollen sie zur Bu\u00dfe vermahnt werden; so sie aber wollen f\u00fcr Christen gehalten sein, sollen sie sich nicht allezeit davon halten. Paulus 1 Kor. 11 sagt, da\u00df diejenigen das Sakrament zum Gericht empfangen, die es unw\u00fcrdig empfangen. Darum zwingen unsere Pfarrer diejenigen nicht, die nicht geschickt sind, das Sakrament zu empfangen.<\/p>\n<p>63] Von dem Erz\u00e4hlen aber und Erinnerung der S\u00fcnden in der Beichte unterrichten unsere Prediger also die Leute, da\u00df sie doch die Gewissen nicht verstricken. Wiewohl es nun gut ist, die Groben, unerfahrenen dazu [zu] unterweisen, da\u00df sie etliche S\u00fcnden in der Beichte namhaftig machen, was sie dr\u00fcckt, damit man sie leichtlicher unterrichten kann: so disputieren wir doch davon hier nicht, sondern davon, ob Gott geboten habe, da\u00df man die S\u00fcnden also alle erz\u00e4hlen m\u00fcsse, und ob die S\u00fcnden unerz\u00e4hlt nicht m\u00f6gen vergeben werden. Derhalben sollten die Widersacher uns nicht angezogen haben das Kapitel Omnis utruisque sexus, welches wir sehr wohl kennen, sondern aus der Heiligen Schrift, aus Gottes Wort, uns bewiesen haben, da\u00df solch Erz\u00e4hlen der S\u00fcnden von Gott geboten w\u00e4re. 64] Es ist leider allzu klar am Tage und r\u00fcchtig [ruchtbar] durch alle Kirchen in ganz Europa, wie diese particula des Kapitels Omnis utriusque sexus, da es gebietet, man solle schuldig sein, alle S\u00fcnden zu beichten, die Gewissen in Elend, Jammer und Verstrickung gebracht hat. Und der Text an ihm selbst hat nicht so viel Schaden getan als hernach der Summisten B\u00fccher, darin die Umst\u00e4nde, Zirkumstanz der S\u00fcnden zusammengelesen; denn damit haben sie erst die Gewissen recht irregemacht und uns\u00e4glich geplagt, und dazu eitel gutherzige Leute, denn die Frechen und Wilden haben danach nicht viel gefragt. 65] Dar\u00fcber, nachdem der Text also lautet: ein jeder sollte seinem eigenen Priester beichten, was gro\u00dfes Zanks und wie m\u00f6rdlichen Neid und Ha\u00df hat zwischen Pfarrern und M\u00f6nchen allerlei Ordens diese Frage angerichtet, welches doch der eigene Priester w\u00e4re! Denn da war alle Br\u00fcderschaft, alle Freundschaft aus, wenn es um die Herrschaft, um den Beichtpfennig zu tun war. Darum halten wir, da\u00df Gott nicht geboten hat, die S\u00fcnden namhaftig zu machen und zu erz\u00e4hlen. Und das h\u00e4lt auch Panormitanus und viel andere Gelehrte. Darum wollen wir keine B\u00fcrde auf die Gewissen legen durch das Kapitel Omnis utriusque sexus, sondern sagen von demselben wie von andern Menschensatzungen, n\u00e4mlich da\u00df es nicht ein Gottesdienst sei, der n\u00f6tig sei zur Seligkeit. Auch so wird in dem Kapitel ein unm\u00f6glich Ding geboten, n\u00e4mlich da\u00df wir alle S\u00fcnden beichten sollen. Nun ist\u2019s gewi\u00df, da\u00df wir vieler S\u00fcnden nicht k\u00f6nnen gedenken, auch wohl die gr\u00f6\u00dften S\u00fcnden nicht sehen, wie der Psalm sagt: &#8220;Wer kennet seine Fehle?&#8221;<\/p>\n<p>66] Wo verst\u00e4ndige, gottesf\u00fcrchtige Pfarrherren und Prediger sind, die werden wohl wissen, wiefern not und n\u00fctze sein mag, die Jugend und sonst unerfahrene Leute in der Beichte zu fragen. Aber diese Tyrannei \u00fcber die Gewissen, da die Summisten als die Stockmeister die Gewissen ohne Unterla\u00df geplagt haben, k\u00f6nnen noch wollen wir nicht loben; welche dennoch weniger beschwerlich gewesen w\u00e4ren, wenn sie doch mit einem Wort auch des Glaubens an Christum, dadurch die Gewissen recht getr\u00f6stet werden, gedacht h\u00e4tten. Nun aber ist von Christo, vom Glauben, von Vergebung der S\u00fcnde nicht eine Silbe, nicht ein T\u00fcttel in so viel gro\u00dfen B\u00fcchern ihrer Dekretale, ihrer Kommente, ihrer Summisten, ihrer Konfessionale; da wird niemand ein Wort lesen, daraus er Christum, oder was Christus sei, m\u00f6ge lernen. Allein gehen sie mit diesen Registern um, die S\u00fcnden zu sammeln, zu h\u00e4ufen, und w\u00e4re noch etwas, wenn sie doch die S\u00fcnden verst\u00fcnden, die Gott f\u00fcr S\u00fcnden h\u00e4lt. Nun ist der gr\u00f6\u00dfere Teil ihrer Summen nichts anderes denn von Narrenwerk, von Menschensatzungen. 67] O was hat die heillose, gottlose Lehre viel fromme Herzen und Gewissen, die gern recht getan h\u00e4tten, zur Verzweiflung gebracht, welche nicht haben ruhen k\u00f6nnen! Denn sie wu\u00dften nicht anders, sie m\u00fc\u00dften sich also fressen und bei\u00dfen mit dem Erz\u00e4hlen, Zusammenrechnen der S\u00fcnden, und befanden doch immer Unruhe, und da\u00df es ihnen unm\u00f6glich war. Aber nicht weniger ungeschicktes Dinges haben die Widersacher von der ganzen Bu\u00dfe gelehrt, welches wir hernach wollen erz\u00e4hlen. <\/p>\n<p>Artikel XII. (V.) Von der Bu\u00dfe<\/p>\n<p>1] In dem zw\u00f6lften Artikel lassen ihnen die Widersacher den ersten Teil gefallen, da wir sagen, da\u00df alle diejenigen, so nach der Taufe in S\u00fcnde fallen, Vergebung der S\u00fcnden erlange, zu welcher Zeit und wie oft sie sich bekehren. Den andern Teil verwerfen und verdammen sie, da wir sagen, die Bu\u00dfe habe zwei St\u00fccke, contritionem, und fidem, das ist, zur Bu\u00dfe geh\u00f6ren diese zwei, ein reuig, zerschlagen Herz und der Glaube, da\u00df ich glaube, da\u00df ich Vergebung der S\u00fcnden durch Christum erlange. Da h\u00f6re man nun, wozu die Widersacher nein sagen! Da d\u00fcrfen sie unversch\u00e4mt verneinen, da\u00df der Glaube nicht ein Stuck der Bu\u00dfe sei. 2] Was sollen wir nun hier, allergn\u00e4digster Herr Kaiser, gegen diese Leute tun? Gewi\u00df ist\u2019s, da\u00df wir durch den Glauben Vergebung der S\u00fcnden erlangen. Dieses Wort ist nicht unser Wort, sondern die Stimme und Wort Jesu Christi, unsers Heilandes. Das klare Wort Christi nun verdammen diese Meister der Konfutation, darum k\u00f6nnen wir in keinem Wege in die Konfutation willigen. Wir wollen, ob Gott will, die klaren Worte des Evangelii, die heilige g\u00f6ttlich Wahrheit und das selige Wort, darin aller Trost und Seligkeit steht, nicht verleugnen. Denn dieses also verneinen, da\u00df wir durch den Glauben Vergebung der S\u00fcnden erlangen, was w\u00e4re das anders, denn das Blut Christi und seinen Tod l\u00e4stern und sch\u00e4nden? 3] Darum bitten wir, allergn\u00e4digster Herr Kaiser, da\u00df Ew. Kaiserliche Majest\u00e4t in dieser gro\u00dfen, h\u00f6chsten, allerwichtigsten Sache, welche unsere eigene Seele und Gewissen, welche auch den ganzen Christen glauben, das ganze Evangelium, die Erkenntnis Christi und das H\u00f6chste, Gr\u00f6\u00dfte nicht allein in diesem verg\u00e4nglichen, sondern auch k\u00fcnfitigem Leben, ja unser aller ewiges Genesen und Verderben vor Gott belangt, gn\u00e4diglich und mit Flei\u00df h\u00f6ren und erkennen. Es sollen alle Gottesf\u00fcrchtigen, frommen und ehrbaren Leute nicht anders befinden denn da\u00df wir in dieser Sache die g\u00f6ttliche Wahrheit und eitel heilsamen, hochn\u00f6tigsten, tr\u00f6stlichsten Unterricht der Gewissen gelehrt haben und lehren lassen, daran allen frommen Herzen der ganzen christlichen Kirche das Merklichste und Gr\u00f6\u00dfte, ja all ihr Heil und Wohlfahrt gelegen, ohne welchen Unterricht kein Predigamt, keine christliche Kirche sein noch bleiben kann. Es sollen alle Gottesf\u00fcrchtigen befinden, da\u00df diese Lehre der unsern von der Bu\u00dfe das Evangelium und reinen Verstand wieder an [den] Tag gedacht hat, und da\u00df dadurch viel sch\u00e4dliche, h\u00e4\u00dfliche Irrt\u00fcmer abgetan, wie denn durch der Scholastiker und Kanonisten B\u00fccher diese Lehre, was doch rechte Bu\u00dfe sei oder nicht sei, gar unterdr\u00fcckt war.<\/p>\n<p>4] Und ehe wir zur Sache greifen, m\u00fcssen wir dieses anzeigen: Es werden alle ehrbaren, redlichen, gelehrten Leute hohen und niedern Standes, auch die Theologen selbst bekennen m\u00fcssen, und ohne Zweifel auch die Feinde werden von ihrem eigenen Herzen \u00fcberzeugt, da\u00df zuvor und ehe denn Doktor Luther geschrieben hat, eitel dunkle, verworrene Schriften und B\u00fccher von der Bu\u00dfe vorhanden gewesen [sind]. 5] Wie man steht bei den Sententiarien, da unz\u00e4hlige unn\u00fctze Fragen sind, welche noch keine Theologi selbst haben genugsam k\u00f6nnen aus\u00f6rtern. Viel weniger hat das Volk aus ihren Predigten und verwirrten B\u00fcchern von der Bu\u00dfe eine Summa fassen m\u00f6gen oder merken, was doch zu wahrer Bu\u00dfe vornehmlich geh\u00f6rt, wie oder durch was Weise ein Herz und Gewissen Ruhe und Frieden suchen m\u00fc\u00dfte; 6] Und Trotz! es trete noch einer hervor, der aus ihren B\u00fcchern einen einigen Menschen unterrichte, wann gewi\u00df die S\u00fcnden vergeben sind. Lieber Herr Gott, wie sieht man da Blindheit! Wie wissen sie so gar nichts davon, wie sind ihre Schriften eitel Nacht, eitel Finsternis! Sie bringen Fragen vor, ob in attritione oder contritione Vergebung der S\u00fcnden geschehe, und so die S\u00fcnde vergeben wird um der Re\u00fc oder Kontrition willen, was dann der Absolution vonn\u00f6ten sei; Und so die S\u00fcnden schon vergeben sind, was dann die Gewalt der Schl\u00fcssel vonn\u00f6ten sei. Und da \u00e4ngsten sie sich und verbrechen sich erst \u00fcber [zerbrechen sich den Kopf dar\u00fcber] und machen die Gewalt der Schl\u00fcssel gar zunichte. 7] Etliche unter ihnen erdichten und sagen, durch die Gewalt der Schl\u00fcssel werde nicht vergeben die Schuld vor Gott, sondern die ewige Pein werde dadurch verwandelt in zeitliche; und machen also aus der Absolution, aus [der] Gewalt der Schl\u00fcssel, dadurch wir Trost und Leben gewarten sollen, eine solche Gewalt, dadurch uns nur Strafe aufgelegt werde. Die andern wollen kl\u00fcger sein, die sagen, da\u00df durch [die] Gewalt der Schl\u00fcssel S\u00fcnden vergeben werden vor den Leuten oder vor der christlichen Gemeinde, aber nicht vor Gott. Das ist auch fast ein [ein sehr] sch\u00e4dlicher Irrtum; denn so die Gewalt der Schl\u00fcssel, welche von Gott gegeben ist, uns nicht tr\u00f6stet vor Gott, wodurch will denn das Gewissen zur Ruhe kommen? 8] Dar\u00fcber so lehren und schreiben sie noch ungeschickter und verwirrter Ding; sie lehren, man k\u00f6nne durch Re\u00fc Gnade verdienen, und wenn sie da gefragt werden, warum denn Saul und Judas und dergleichen nicht Gnade verdient haben, in welchen gar eine schrecklich Kontrition gewesen ist; auf diese Frage sollten sie antworten, da\u00df es Judas und Saul am Evangelio und Glauben gefehlt h\u00e4tte, da\u00df Judas sich nicht getr\u00f6stet hat durchs Evangelium und hat nicht geglaubt; denn der Glaube unterscheidet die Re\u00fc Petri und Jud\u00e4. Aber die Widersacher gedenken des Evangelii und Glaubens gar nicht, sondern des Gesetzes; sagen, Judas habe Gott nicht geliebt, sondern habe sich vor der Strafe gef\u00fcrchtet. Ist aber das nicht ungewi\u00df und ungeschickt von der Bu\u00dfe gelehrt? 9] Denn wann will ein erschrocken Gewissen, sonderlich in den rechten gro\u00dfen \u00cbngsten, welche in Psalmen und Propheten beschrieben werden, wissen, ob es Gott aus Liebe als seinen Gott f\u00fcrchtet, oder ob er seinen Zorn und ewige Verdammnis flieht und ha\u00dft? Es m\u00f6gen diejenigen von diesen gro\u00dfen \u00cbngsten nicht viel erfahren haben, dieweil sie also mit Worten spielen und nach ihren Tr\u00e4umen Unterschied machen. Aber im Herzen, und wenn es zur Erfahrung kommt, findet sich\u2019s viel anders, und mit den schlechten Syllaben und Worten findet kein Gewissen Ruhe, wie die guten sanften, m\u00fc\u00dfigen Sophisten tr\u00e4umen. 10] Hier berufen wir uns auf [die] Erfahrung aller Gottesf\u00fcrchtigen, auf alle redlichen, verst\u00e4ndigen Leute, die auch gern die Wahrheit erkennten; die werden bekennen, da\u00df die Widersacher in allen ihren B\u00fcchern nichts Rechtschaffenes gelehrt haben von der Bu\u00dfe, sondern eitel verworren, unn\u00fctz Geschw\u00e4tz; Und ist doch dies ein Hauptartikel der christlichen Lehre, von der Bu\u00dfe, von Vergebung der S\u00fcnden. Nun ist dieselbe Lehre von den Fragen, die jetzo erz\u00e4hlt, voll gro\u00dfer Irrt\u00fcmer und Heuchelei, dadurch die rechte Lehre von Christo, von den Schl\u00fcsseln, vom Glauben zu uns\u00e4glichem Schaden der Gewissen unterdr\u00fcckt gewesen.<\/p>\n<p>11] Weiter richten sie noch mehr Irrt\u00fcmer an, wenn man von der Beichte reden soll; da lehren sie nichts, denn lange Register machen und S\u00fcnden erz\u00e4hlen und mehrenteils S\u00fcnden wider Menschengebote, und treiben heir die Leute, als sei solch Z\u00e4hlen de iure divino, das ist, von Gott geboten; und dieses w\u00e4re noch so hoch beschwerlich nicht, 12] wenn sie nur auch recht von der Absolution und Glauben h\u00e4tten gelehrt. Aber da fahren sie abermal vor\u00fcber und lassen den hohen Trost liegen und dichten, das Werk, beichten und re\u00fcn, mache fromm ex opere operato, ohne Christum, ohne Glauben. Das hei\u00dfen rechte Juden.<\/p>\n<p>13] Das dritte St\u00fcck von diesem Spiel ist die satisfactio oder Genugtuung f\u00fcr die S\u00fcnde. Daselbst lehren sie noch ungeschickter, verwirrter, werfen das Hundert ins Tausend, da\u00df daselbst nicht ein Tr\u00f6pflein guten oder n\u00f6tigen Trostes ein arm Gewissen finden m\u00f6chte. Denn da erdichten sie ihnen selbst, da\u00df die ewige Pein werde vor Gott verwandelt in Pein des Fegfe\u00fcrs, und ein Teil der Pein werde vergeben und erlassen durch die Schl\u00fcssel, f\u00fcr einen Teil aber m\u00fcsse man genugtun mit Werken. 14] Dar\u00fcber sagen sie weiter und nennen die Genugtuung opera supererogationis, das sind denn bei ihnen die kindischen n\u00e4rrischen Werke, als Wallfahrten, Rosenkr\u00e4nze und dergleichen, da kein Gebot Gottes von ist. 15] Und weiter, wie sie die Pein des Fegfe\u00fcrs ablaufen und l\u00f6sen mit ihrem Genugtun, also haben sie noch weiter ein F\u00fcndlein erdacht, dieselben Genugtuungen f\u00fcr das Fegfe\u00fcr auch abzul\u00f6sen, welches denn ein recht genie\u00dflicher, reicher Kauf und gro\u00dfer Jahrmarkt geworden. Denn sie haben unversch\u00e4mt ihren Abla\u00df verkauft und gesagt, wer Abla\u00df l\u00f6se, der kaufe sich also ab, da er sonst m\u00fc\u00dfte genugtun; Und die Kretscherei, den Jahrmarkt, habe sie unversch\u00e4mt getrieben, nicht allein da\u00df sie den Lebendigen Abla\u00df verkauft, sondern auch f\u00fcr die Toten hat man Abla\u00df m\u00fcssen kaufen. 16] Dar\u00fcber haben sie auch den schrecklichen Mi\u00dfbrauch der Messe eingef\u00fchrt, da\u00df sie die Toten haben mit Messehalten erl\u00f6sen wollen, und unter solchen Teufelslehren ist unterdr\u00fcckt gewesen die ganze christliche Lehre vom Glauben, von Christo, wie wir dadurch sollen getr\u00f6stet werden. Darum merken und verstehen hier alle ehrbaren, redlichen, ehrliebenden, verst\u00e4ndigen Leute, geschweige denn Christen, da\u00df ganz hoch vonn\u00f6ten gewesen ist, solche ung\u00f6ttliche Lehre der Sophisten und Kanonisten von der Bu\u00dfe zu tadeln. Denn dieselbe ihre Lehre ist \u00f6ffentlich falsch, unrecht, wider die klaren Worte Christi, wider alle Schrift der Apostel, wider die ganze Heilige Schrift und V\u00e4ter, und sind das ihre Irrt\u00fcmer:<\/p>\n<p>17] I. Da\u00df uns Gott mu\u00df die S\u00fcnde vergeben, so wir gute Werke tun, auch au\u00dferhalb der Gnade.<\/p>\n<p>18] II. Da\u00df wir durch die Attrition oder Re\u00fc Gnade verdienen.<\/p>\n<p>19] III. Da\u00df unsere S\u00fcnde au\u00dful\u00f6schen genug sei, wenn ich die S\u00fcnde an mir selbst hasse und schelte.<\/p>\n<p>20] IV. Da\u00df wir durch unsere Re\u00fc, nicht um des Glaubens willen an Christum, Vergebung der S\u00fcnden erlangen.<\/p>\n<p>21] V. Da\u00df die Gewalt der Schl\u00fcssel verleihe Vergebung der S\u00fcnden nicht vor Gott, sondern vor der Kirche oder den Leuten.<\/p>\n<p>22] VI. Da\u00df durch die Gewalt der Schl\u00fcssel nicht allein die S\u00fcnden vergeben werden, sondern dieselbe Gewalt sei darum eingesetzt, da\u00df sie die ewige Pein verwandle in zeitliche, und da\u00df sie den Gewissen etliche Genugtuungen auflege und Gottesdienste und satisfactiones aufrichte, dazu die Gewissen vor Gott verpflichte und verbinde.<\/p>\n<p>23] VII. Da\u00df da Erz\u00e4hlen und eigentlich Rechnen aller S\u00fcnden von Gott geboten sei.<\/p>\n<p>24] VIII. Da\u00df satisfactiones, welche doch von Menschen aufgesetzt, not seien, zu bezahlen die Pein oder auch die Schuld; denn wiewohl man in der Schule die satisfactiones allein f\u00fcr die Pein abrechnet, so versteht doch m\u00e4nniglich, da\u00df man dadurch Vergebung der Schuld verdiene.<\/p>\n<p>25] IX. Da\u00df wir aus Empfangung des Sakraments der Bu\u00dfe, ex opere operato, wenn das Herz gleich nicht dabei ist, ohne den Glauben an Christum, Gnade erlangen.<\/p>\n<p>26] X. Da\u00df aus der Gewalt der Schl\u00fcssel durch den Abla\u00df die Seelen aus dem Fegfe\u00fcr erl\u00f6st werden.<\/p>\n<p>27] XI. Da\u00df in Reservatf\u00e4llen nicht die Strafe der canonum, sondern die Schuld der S\u00fcnden vor Gott durch den Papst m\u00f6ge reserviert werden in denen, die sich wahrlich [wahrhaft] zu Gott bekehren.<\/p>\n<p>28] Da\u00df wir nun den Gewissen h\u00fclfen aus den unz\u00e4hligen Stricken und verworrenen Netzen der Sophisten, so sagen wir, die Bu\u00dfe oder Bekehrung habe zwei St\u00fccke, contritionem und fidem. So nun jemand will das dritte St\u00fcck dazusetzen, n\u00e4mlich die Fr\u00fcchte der Bu\u00dfe und Bekehrung, welche sind gute Werken, so folgen sollen und m\u00fcssen, mit dem will ich nicht gro\u00df fechten. 29] Wenn wir aber de contritione, das ist, von rechter R\u00fc, reden, schneiden wir ab die unz\u00e4hligen unn\u00fctzen Fragen, da sie Fragen vorgeben, wann wir aus der Liebe Gottes, item, wann wir aus Furcht der Strafe Re\u00fc haben. Denn es sind allein blo\u00dfe Worte und vergebliche Geschw\u00e4tze derjenigen, die nicht erfahren haben, wie einem erschrockenen Gewissen zu Sinne ist. Wir sagen, da\u00df contritio oder rechte Re\u00fc das sei, wenn das Gewissen erschreckt wird und seine S\u00fcnde und den gro\u00dfen Zorn Gottes \u00fcber die S\u00fcnde anhebt zu f\u00fchlen, und ist ihm leid, da\u00df es ges\u00fcndigt hat. Und dieselbe contritio geht also zu, wenn unsere S\u00fcnde durch Gottes Wort gestraft wird. Denn in diesen zwei St\u00fccken steht die Summa des Evangelii. Erstlich sagt es: Bessert euch! Und macht jedermann zu S\u00fcndern. Zum andern bietet\u2019s an Vergebung der S\u00fcnden, das ewige Leben, Seligkeit, alles Heil und den Heiligen Geist durch Christum, durch welchen wir neugeboren werden. 30] Also fa\u00dft auch die Summa des Evangelii Christus, das er Luc\u00e4 am letzten sagt: &#8220;zu predigen in meinem Names Bu\u00dfe und Vergebung der S\u00fcnden unter allen Heiden&#8221;. 31] Und von dem Schrecken und Angst des Gewissens redet die Schrift im 38. Psalm: &#8220;Denn meine Missetaten sind \u00fcber mein Haupt gegangen; wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden.&#8221; Und im 6. Psalm: &#8220;Herr, sei mir gn\u00e4dig, denn ich bin schwach! Heile mich, Herr; denn meine Gebeine sind erschrocken, und meine Seele ist sehr erschrocken usw. Ach du Herr, wie lange!&#8221; Und Jes. 38: &#8220;Ich sprach: Nun mu\u00df ich zur H\u00f6llen Pforten fahren, da ich l\u00e4nger zu leben gedachte usw. Ich dachte: M\u00f6chte ich bis morgen leben; aber er zerbrach mir alle meine Gebeine wie ein L\u00f6we.&#8221; Item: &#8220;Meine Augen wollten mir brechen; Herr, ich leide Not!&#8221; usw. 32] In denselben \u00cbngsten f\u00fchlt das Gewissen Gottes Zorn und Ernst wider die S\u00fcnde, welches gar eine unbekannte Sache ist solchen m\u00fc\u00dfigen und fleischlichen Leuten wie den Sophisten und ihresgleichen. Denn da merkt erst das Gewissen, was die S\u00fcnde f\u00fcr ein gro\u00dfer Ungehorsam gegen Gott ist, da dr\u00fcckt erst recht das Gewissen der schreckliche Zorn Gottes, und es ist unm\u00f6glich der menschlichen Natur, denselben zu tragen, wenn sie nicht durch Gottes Wort w\u00fcrde aufgerichtet. 33] Also sagt Paulus: &#8220;Durch das Gesetz bin ich dem Gesetz gestorben.&#8221; 34] Denn das Gesetz klagt allein die Gewissen an, gebietet, was man tun solle, und erschreckt sie. Und da reden die Widersacher nicht ein Wort vom Glauben, lehren also kein Wort vom Evangelio noch von Christo, sondern eitel Gesetzlehre und sagen, da\u00df die Leute mit solchem Schmerz, Re\u00fc und Leid, mit solchen \u00cbngsten Gnade verdienen, doch wo sie aus Liebe Gottes Re\u00fc haben oder Gott lieben. Lieber Herr Gott, was ist doch das f\u00fcr eine Predigt f\u00fcr die Gewissen, denen Trosts vonn\u00f6ten ist! Wie k\u00f6nnen wir doch dann Gott lieben, wenn wir in so hohen, gro\u00dfen \u00cbngsten und uns\u00e4glichem Kampf stecken, wenn wir so gro\u00dfen, schrecklichen Gottes Ernst und Zorn f\u00fchlen, welcher sich da st\u00e4rker f\u00fchlt, denn kein Mensch auf Erden nachsagen oder reden kann? Was lehren doch solche Prediger und Doctores anders denn eitel Verzweiflung, die in so gro\u00dfen \u00cbngsten einem armen Gewissen kein Evangelium, keinen Trost, allein das Gesetz predigen?<\/p>\n<p>35] Wir aber setzen das andere St\u00fcck der Bu\u00dfe dazu, n\u00e4mlich den Glauben an Christum, und sagen, da\u00df in solchem Schrecken den Gewissen soll vorgehalten werden das Evangelium von Christo, in welchem verhei\u00dfen ist Vergebung der S\u00fcnden aus Gnaden durch Christum. Und solche Gewissen sollen glauben, da\u00df ihnen um Christus\u2019 willen S\u00fcnden vergeben werden. Derselbe Glaube richtet wieder auf, tr\u00f6stet und macht wieder lebendig und fr\u00f6hlich solche zerschlagene Herzen; wie Paulus zu den R\u00f6m. 5 sagt: &#8220;So wir nun gerechtfertigt sind, so haben wir Frieden mit Gott.&#8221; 36] Derselbe Glaube zeigt recht an den Unterschied unter der Re\u00fc Jud\u00e4 und Petri, Sauls und Davids. Und darum ist Jud\u00e4 und Sauls Re\u00fc nicht n\u00fctze gewesen; denn da ist nicht Glaube gewesen, der sich gehalten h\u00e4tte an die Verhei\u00dfung Gottes durch Christum. Dagegen sind Davids und St. Peters Re\u00fc rechtschaffen gewesen; denn da ist der Glaube gewesen, welcher gefa\u00dft hat die Zusage Gottes, welche anbietet Vergebung der S\u00fcnden durch Christum. Denn eigentlich ist in keinem Herzen einige Liebe Gottes, es sei denn, da\u00df wir erst Gott vers\u00f6hnt werden durch Christum. 37] Denn Gottes Gesetz oder das erste Gebot kann ohne Christum niemand erf\u00fcllen noch halten; wie Paulus zu den Ephesern, 2, 18; 3, 12, sagt: &#8220;Durch Christum haben wir einen Zutritt zu Gott.&#8221; Und der Glaube k\u00e4mpft das ganze Leben durch wider die S\u00fcnde und wird durch mancherlei Anfechtungen probiert und nimmt zu. Wo nun der Glaube ist, da folgt denn erst die Liebe Gottes, wie wir hier oben gesagt. 38] Und das hei\u00dft also recht gelehrt, was timor filialis sei, n\u00e4mlich ein solches F\u00fcrchten und Erschrecken vor Gott, da dennoch der Glaube an Christum uns wiederum tr\u00f6stet. Servilis timor autem, knechtliche [knechtische] Furcht, ist Furcht ohne Glauben, da wird eitel Zorn und Verzweiflung.<\/p>\n<p>39] Die Gewalt nun der Sch\u00fcssel, die verk\u00fcndigt uns durch die Absolution das Evangelium. Denn das Wort der Absolution verk\u00fcndigt mir Frieden und ist das Evangelium selbst. Darum wenn wir vom Glauben reden, wollen wir die Absolution mitbegriffen haben. Denn der Glaube ist aus dem Geh\u00f6r, und wenn ich die Absolution h\u00f6re, das ist, die Zusage g\u00f6ttlicher Gnade oder das Evangelium, so wird mein Herz und Gewissen getr\u00f6stet. 40] Und dieweil Gott durch das Wort wahrlich neu Leben und Trost ins Herz gibt, so werden auch durch [die] Gewalt der Schl\u00fcssel wahrhaftig hier auf Erden die S\u00fcnden losgez\u00e4hlt, also da\u00df sie vor Gott im Himmel los sind, wie der Spruch lautet;: &#8220;Wer euch h\u00f6ret, der h\u00f6ret mich.&#8221; Darum sollen wir das Wort der Absolution nicht weniger achten noch glauben, denn wenn wir Gottes klare Stimme vom Himmel h\u00f6rten, 41] und die Absolution, das selige, tr\u00f6stliche Wort, sollte billig das Sakrament der Bu\u00dfe hei\u00dfen, wie denn auch etliche Scholastici, welche gelehrter denn die andern gewesen, davon reden. 42] Und derselbe Glaube an das Wort soll f\u00fcr und f\u00fcr gest\u00e4rkt werden durch Predigth\u00f6ren, durch Lesen, durch Brauch der Sakramente. Denn das sind die Siegel und Zeichen des Bundes und der Gnade in ne\u00fcn Testament; das sind Zeichen der Vers\u00f6hnung und Vergebung der S\u00fcnden. Denn sie bieten an Vergebung der S\u00fcnden, wie denn klar zeugen die Worte im Abendmahl: &#8220;Das ist mein Leib, der f\u00fcr euch gegeben wird&#8221; usw. &#8220;Das ist der Kelch des ne\u00fcn Testaments&#8221; usw. Also wird auch der Glaube gest\u00e4rkt durch das Wort der Absolution, durch die Prediger des Evangelii, durch Empfangung des Sakraments, damit er in solchen Schrecken und \u00cbngsten des Gewissens nicht untergehe. 43] Das ist eine klare, gewisse, richtige Lehre von der Bu\u00dfe; dadurch kann man verstehen und wissen, was die Schl\u00fcssel sind oder nicht sind, was die Sakramente n\u00fctze sind, was Christi Wohltat ist, warum und wie Christus unser Mittler ist.<\/p>\n<p>44] Dieweil aber die Widersacher verdammen, da\u00df wir die zwei Teile der Bu\u00dfe gesetzt haben, so m\u00fcssen wir anzeigen, da\u00df nicht wir, sondern die Schrift diese zwei St\u00fccke der Bu\u00dfe oder Bekehrung also ausdr\u00fcckt. Christus sagt Matth\u00e4i 11: &#8220;Kommt zu mir alle, die ihr m\u00fchselig und beladen seid, und ich will euch erquicken.&#8221; Da sind zwei St\u00fccke: die Last oder die B\u00fcrde, da Christus von redet, das ist, der Jammer, das gro\u00dfe Erschrecken vor Gottes Zorn im Herzen; zum andern das Kommen zu Christo, denn das Kommen ist nichts anderes, denn glauben, da\u00df um Christus\u2019 willen uns S\u00fcnden vergeben werden, und da\u00df wir durch den Heiligen Geist neugeboren und lebendig werden. 45] Darum m\u00fcssen diese zwei die vornehmsten St\u00fccke in der Bu\u00dfe sein: die Re\u00fc und der Glaube. Und Marci am 1. sagt Christus: &#8220;Tut Bu\u00dfe und Glaubet dem Evangelio!&#8221; F\u00fcr das erste macht er uns zu S\u00fcndern und schreckt uns. Zum andern tr\u00f6stet er uns und verk\u00fcndigt Vergebung der S\u00fcnden. Denn dem Evangelio glauben hei\u00dft nicht allein die Historien des Evangelii glauben, welchen Glauben auch die Teufel haben, sondern hei\u00dft eigentlich glauben, da\u00df uns durch Christum S\u00fcnden vergeben sind; denn denselben Glauben predigt uns das Evangelium. Da seht ihr auch die zwei St\u00fccke: die Re\u00fc oder das Schrecken des Gewissens, da er sagt: &#8220;Tut Bu\u00dfe!&#8221; und den Glauben, das er sagt: &#8220;Glaubet dem Evangelio!&#8221; Ob nun jemand wollte sagen, Christus begreift auch die Fr\u00fcchte des Bu\u00dfe, das ganze ne\u00fc Leben, das fechten wir nicht gro\u00df an. Es ist uns hier genug, da\u00df die Schrift diese zwei St\u00fccke vornehmlich ausdr\u00fcckt: Re\u00fc und Glauben.<\/p>\n<p>46] Paulus in allen Episteln, sooft er handelt, wie wir bekehrt werden, fa\u00dft er diese zwei St\u00fccke zusammen: Sterben des alten Menschen, das ist, Re\u00fc, Erschrecken vor Gottes Zorn und Gericht, und dagegen Verne\u00fcrung durch den Glauben. Denn durch [=den] Glauben werden wir getr\u00f6stet und wieder zum Leben gebracht und errettet von Tod und H\u00f6lle. Von diesen zwei St\u00fccken redet er klar R\u00f6m. 6, 2. 4. 11: &#8220;Da\u00df wir der S\u00fcnde gestorben sind&#8221;, das geschieht durch Re\u00fc und Schrecken; &#8220;und wiederum sollen wir mit Christo auferstehen&#8221;, das geschieht, so wir durch [den] Glauben wiederum Trost und Leben erlangen. Und dieweil Glaube soll Trost und Frieden im Gewissen bringen laut des Spruchs R\u00f6m. 5, 1: &#8220;So wir gerecht sind worden durch den Glauben, haben wir Frieden&#8221;, folgt, da\u00df zuvor Schrecken und Angst im Gewissen ist. Also gehen Re\u00fc und Glaube nebeneinander.<\/p>\n<p>49] Wiewohl, was ist not, viel Spr\u00fcche oder Zeugnisse der Schrift einzuf\u00fchren, so die ganze Schrift einzuf\u00fchren, so die ganze Schrift der Spr\u00fcche voll ist? Als im 118. Psalm: &#8220;Der Herr z\u00fcchtigt mich wohl, aber er gibt mich dem Tode nicht.&#8221; Und im 119. Psalm: &#8220;Meine Seele vergehet vor Gr\u00e4men; richte mich auf nach deinen Worten!&#8221; Erstlich sagt er von Schrecken oder von der Re\u00fc. 50] Im andern St\u00fcck des Verses zeigt er klar an, wie ein reuig arm Gewissen wieder getr\u00f6stet wird, n\u00e4mlich durch das Wort Gottes, welches Gnade anbietet und wieder erquickt. Item 1 Sam. 2: &#8220;Der Herr t\u00f6tet und macht lebendig; er f\u00fchrt in die H\u00f6lle und wieder heraus&#8221; Da werden auch die zwei St\u00fccke ger\u00fchrt [ber\u00fchrt]: Re\u00fc und Glaube. 51] Item Jesaia am 28.: &#8220;Der Herr wird z\u00fcrnen, da\u00df er sein Werk t\u00fc, welches doch nicht sein Werk ist.&#8221; Er sagt: Gott werde schrecken, wiewohl dasselbe nicht Gottes Work sei; denn Gottes eigen Werk ist, lebendig machen. Andere Werke, als Schrecken, T\u00f6ten, sind nicht Gottes eigene Werke. Denn Gott macht allein lebendig, und wenn er schreckt, tut er\u2019s darum, da\u00df sein seliger Trost uns desto angenehmer und s\u00fc\u00dfer werde; denn sichere und fleischliche Herzen, die Gottes Zorn und ihre S\u00fcnde nicht f\u00fchlen, achten keines Trosts. 52] Auf die Weise pflegt die Heilige Schrift die zwei St\u00fccke beieinander zu setzen, erstlich das Schrecken, danach den Trost, da\u00df sie anzeige, da\u00df diese zwei St\u00fccke zu einer rechten Bu\u00dfe oder Bekehrung geh\u00f6ren, erstlich herzliche Re\u00fc, danach glaube, der das gewissen wieder aufrichte. Und ist je gewi\u00df also, da\u00df nicht wohl m\u00f6glich ist, von der Sache klarer oder richtiger zu reden. So wissen wir f\u00fcrwahr, da\u00df Gott in seinen Christen, in der Kirche, also wirkt.<\/p>\n<p>53] Dies sind nun die vornehmsten zwei Werke, dadurch Gott in den Seinen wirkt. Von den zwei St\u00fccken redet die ganze Schrift: erstlich, da\u00df er unsere Herzen erschreckt und uns die S\u00fcnde zeigt; zum andern, da\u00df er widererum uns tr\u00f6stet, aufrichtet und lebendig macht. Darum f\u00fchrt auch die ganze Schrift diese zweierlei Lehre: Eine ist das Gesetz, welche uns zeigt unsern Jammer, straft die S\u00fcnde. Die andere Lehre ist das Evangelium; denn Gottes Verhei\u00dfung, da er Gnade zusagt durch Christum, und die Verhei\u00dfung der Gnade wird von Adam her durch die ganze Schrift immer wiederholt. Denn erstlich ist die Verhei\u00dfung der Gnade oder das erste Evangelium Adam zugesagt: &#8220;Ich will Feindschaft setzen&#8221; usw. Hernach sind Abraham und andern Patriarchen von demselben Christo Verhei\u00dfungen geschehen, welche dann die Propheten hernach gepredigt; Und zuletzt ist dieselbe Verhei\u00dfung der Gnade durch Christum selbst, als er nun gekommen war, gepredigt unter den Juden und endlich durch die Apostel unter die Heiden in alle Welt ausgebreitet. 54] Denn durch den Glauben an das Evangelium oder an die Zusage von Christo sind alle Patriarchen, alle Heiligen von Anbeginn der Welt gerecht vor Gott geworden und nicht um ihrer Re\u00fc oder Leids oder einigerlei Werke willen.<\/p>\n<p>55] Und die Exempel, wie die Heiligen sind from geworden, zeigen auch die obgedachten zwei St\u00fccke an, n\u00e4mlich das Gesetz und Evangelium. Denn Adam, als er gefallen war, wird er erst gestraft, da\u00df sein Gewissen erschrickt und in gro\u00dfe \u00cbngste kommt; dasselbe ist die rechte Re\u00fc oder contritio. Hernach sagt ihm Gott Gnade und Heil zu durch den gebenedeiten Samen, das ist, Christum, durch welchen der Tod, die S\u00fcnde und des Teufels Reich sollte zerbrochen werden; da bietet er ihm wieder an Gnade und Vergebung der S\u00fcnden. Das sind die zwei St\u00fccke. Denn wiewohl Gott hernach Adam Strafe auflegt, so verdient er doch durch die Strafe nicht Vergebung der S\u00fcnden. Und von derselben aufgelegten Strafe wollen wir hernach sagen.<\/p>\n<p>56] Also wird David vom Propheten Nathan hart angeredet und erschreckt, da\u00df er spricht und bekennt: &#8220;Ich habe vor dem Herrn ges\u00fcndigt.&#8221; Das ist nun die Re\u00fc. Hernach h\u00f6rt er das Evangelium und die Absolution: &#8220;Der Herr hat deine S\u00fcnde weggenommen, du sollst nicht sterben.&#8221; Als David das Wort glaubt, empf\u00e4ngt sein Herz wieder Trost, Licht und Leben. 57] Und wiewohl ihm auch die Strafe wird aufgelegt, so verdient er doch durch die Strafe nicht Vergebung der S\u00fcnden. Und es sind auch wohl Exempel, da solche sonderliche Strafen nicht dazugetan werden, sondern diese zwei St\u00fccke geh\u00f6ren allzeit vornehmlich zu einer rechten Bu\u00dfe: erstlich, da\u00df unser Gewissen die S\u00fcnde erkenne und erschrecke; zum andern, da\u00df wir der g\u00f6ttlichen Zusage glauben. Als Luk. 7 kommt das arme, s\u00fcndige Weib zu Christo und weint bitterlich. Das Weinen zeigt die Re\u00fc an. Hernach h\u00f6rt sie das Evangelium: &#8220;Deine S\u00fcnden sind dir vergeben; dein Glaube hat dir geholfen; gehe hin in Frieden.&#8221; Das ist nun das andere, vornehmste St\u00fcck der Bu\u00dfe, n\u00e4mlich der Glaube, der sie wieder tr\u00f6stet. 58] Aus diesem k\u00f6nnen hier alle christlichen Leser merken, da\u00df wir nicht unn\u00f6tige Disputationes einf\u00fchren, sondern klar, richtig und eigentlich die St\u00fccke der Bu\u00dfe setzen, ohne welche die S\u00fcnden nicht k\u00f6nnen vergeben werden, ohne welche niemand vor Gott fromm, heilig oder neugeboren wird. Die Fr\u00fcchte aber und guten Werke, item Geduld, da\u00df wir gern leiden Kreuz und Strafe, was Gott dem alten Adam auflegt, das alles folgt, wenn also erst durch den Glauben die S\u00fcnde vergeben ist und wir neugeboren sind. Und wir haben diese zwei St\u00fccke klar gesetzt, damit der Glaube an Christum, davon die Sophisten, Kanonisten alle geschwiegen, auch einmal gelehrt werde, damit man auch desto klarer sehen m\u00f6ge, was der Glaube sei oder nicht sei, wenn er also gegen das gro\u00dfe Schrecken und Angst gehalten wird.<\/p>\n<p>59] Dieweil aber die Widersacher diesen klaren, gewissen, trefflichsten Artikel ohne alle Scheu und Scham namhaftig verdammen, da wir sagen, da\u00df die Menschen Vergebung der S\u00fcnden erlange durch den Glauben an Christum, so wollen wir des etliche Gr\u00fcnde und Beweisungen setzen, aus welchen zu verstehen sei, da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden nicht erlangen ex opere operato oder durch das getane Werk, durch Re\u00fc oder Leid usw., sondern allein durch den Glauben, da ein jeder f\u00fcr sich selbst glaubt, da\u00df ihm [die] S\u00fcnden vergeben sind. Denn dieser Artikel ist der vornehmste und n\u00f6tigste, darum wir mit den Widersachern streiten; welcher auch der n\u00f6tigste ist allen Christen zu wissen. So wir aber hier oben im Artikel De iustificatione von demselben genugsam gesagt, so wollen wir desto k\u00fcrzer hier dasselbe handeln.<\/p>\n<p>60] Die Widersacher, wenn sie vom Glauben reden, sagen sie, der Glaube m\u00fcsse vor der Bu\u00dfe hergehen, und verstehen nicht den Glauben, welcher vor Gott gerecht macht, sondern den Glauben, durch welchen in genere, das ist, insgemein, geglaubt wird, da\u00df ein Gott sei, da\u00df eine H\u00f6lle sei usw. Wir reden aber dar\u00fcber [au\u00dferdem] von einem Glauben, da ich f\u00fcr mich gewi\u00df glaube, da\u00df mir die S\u00fcnden vergeben sind um Christus\u2019 willen. Von diesem Glauben streiten wir, der nach dem Schrecken folgen soll und mu\u00df, und das Gewissen tr\u00f6sten und das Herz in dem schweren Kampf und Angst wieder zufrieden machen. Und das wollen wir, will\u2019s Gott, ewiglich verfechten und wider alle Pforten der H\u00f6lle erhalten, da\u00df derselbe Glaube mu\u00df da sein, sollen jemand S\u00fcnden vergeben werden. Darum setzen wir dieses St\u00fcck auch zur Bu\u00dfe. Es kann auch die christliche Kirche nicht anders halten, denn da\u00df S\u00fcnden vergeben werden durch solchen Glauben, wiewohl die Widersacher als die w\u00fctenden Hunde dawider bellen.<\/p>\n<p>61] F\u00fcr das erste Frage ich hier die Widersacher, ob es auch ein Stuck der Bu\u00dfe sei, die Absolution h\u00f6ren oder empfangen. Denn wo sie die Absolution absondern von der Beichte, wie sie denn subtil sein wollen zu distinguieren, so wird niemand wissen oder sagen k\u00f6nnen, was die Beichte ohne die Absolution n\u00fctze sei. So sie aber die Absolution von der Beichte nicht absondern, so m\u00fcssen sie sagen, da\u00df der Glaube an das Wort Christi sei ein St\u00fcck des Bu\u00dfe, so man die Absolution nicht empfangen kann denn allein durch den Glauben. Da\u00df man aber das Wort der Absolution nicht empfangen kann denn allein durch den Glauben, ist zu beweisen aus Paulo, R\u00f6m. 4, da et sagt, da\u00df die Verhei\u00dfung Gottes niemand fassen kann denn allein durch den Glauben. Die Absolution aber ist nichts anderes denn das Evangelium, eine g\u00f6ttliche Zusage der Gnade und Huld Gottes usw. 62] Darum kann man sie nicht haben noch erlangen denn allein durch den Glauben. Denn wie kann denjenigen das Wort der Absolution n\u00fctze werden, die sie nicht glauben? Die Absolution aber nicht glauben, was ist das anders, denn Gott L\u00fcgen strafen? Dieweil das Herz wankt, zweifelt, h\u00e4lt\u2019s f\u00fcr ungewi\u00df, was Gott da zusagt. Darum steht 1 Joh. 5 geschrieben: &#8220;Wer Gott nicht glaubt, der l\u00fcgenstraft ihn, denn er glaubt nicht dem Zeugnis, das Gott von seinem Sohne zeugt.&#8221;<\/p>\n<p>63] Zum andern, so m\u00fcssen je die Widersacher gewi\u00df bekennen, da\u00df die Vergebung der S\u00fcnden sei ein St\u00fcck oder, da\u00df wir auf ihre Weise reden, sei finis, das Ende, oder terminus ad quem der ganzen Bu\u00dfe. Denn was h\u00fclfe Bu\u00dfe, wenn nicht Vergebung der S\u00fcnden erlangt w\u00fcrde? Darum dasjenige, dadurch Vergebung der S\u00fcnden erlangt wird, soll und mu\u00df je ein vornehmstes St\u00fcck der Bu\u00dfe sein. Eigentlich ist es aber wahr, klar und gewi\u00df, wenn [wenngleich] alle Teufel, alle Pforten der H\u00f6lle dawider schrien, da\u00df das Wort von der Vergebung der S\u00fcnden niemand fassen kann denn allein durch den Glauben. R\u00f6m. 3: &#8220;Welchen Gott hat vorgestellt zu einem Gnadenstuhl durch den glauben&#8221; usw. Item R\u00f6m. 5: &#8220;Durch welchen wir auch einen Zutritt haben im Glauben zu dieser Gnade&#8221; usw. 64] Denn ein erschrocken Gewissen, das seine S\u00fcnde f\u00fchlt, merkt bald, da\u00df Gottes Zorn mit unsern elenden Werken nicht zu vers\u00f6hnen ist, sondern also kommt ein Gewissen recht zum Frieden, wenn es sich h\u00e4lt an den Mittler Christum und glaubt den g\u00f6ttlichen Zusagungen. Denn diejenigen verstehen nicht, was Vergebung der S\u00fcnden sei, oder wie man dieselbe erlangt, die da w\u00e4hnen, die Herzen und Gewissen k\u00f6nnten gestillt werden ohne den Glauben an Christum. 65] Petrus der Apostel f\u00fchrt ein den Spruch Jes. 49: &#8220;Wer an ihn glaubt, der wird nicht zuschanden werden.&#8221; Derhalben m\u00fcssen die Heuchler vor Gott zuschanden werden, die da meinen, sie wollen Vergebung der S\u00fcnden erlangen durch ihre Werke, nicht um Christus\u2019 willen. Und Petrus in den Geschichten der Apostel am 10. sagt: &#8220;Dem Jesu geben Zeugnis alle Propheten, da\u00df diejenigen Vergebung der S\u00fcnden durch seinen Namen erlangen, so an ihn glauben.&#8221; Er h\u00e4tte nicht klarer reden k\u00f6nnen, denn da\u00df er sagt: &#8220;durch seinen Namen&#8221;, und setzt dazu: &#8220;alle, die an ihn glauben&#8221;. Darum erlangen wir Vergebung der S\u00fcnden durch den Namen Christi, das ist, um Christus\u2019 willen, nicht um unsers Verdienstes oder Werke willen, und das geschieht also, wenn wir glauben, da\u00df uns S\u00fcnden vergeben werden um Christus\u2019 willen.<\/p>\n<p>66] Die Widersacher schreien wohl, sie seien die christliche Kirche, und sie hielten, was die catholica, gemeine Kirche h\u00e4lt. Petrus aber, der Apostle, hier in unserer Sache und unserm h\u00f6chsten Artikel r\u00fchmt auch eine catholica, gemeine Kirche, da er sagt: &#8220;Dem Jesu geben Zeugnis alle Propheten, da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden erlangen durch seinen Namen.&#8221; Ich meine je, wenn alle heiligen Propheten eintr\u00e4chtig zusammenstimmen (nachdem Gott auch einen einigen Propheten f\u00fcr einen Weltschatz actet), solle je auch ein Dekret, eine Stimme und eintr\u00e4chtiger starker Beschlu\u00df sein der gemeinen, katholischen, christlichen, heiligen Kirche und billig daf\u00fcrgehalten werden. Wir werden weder Papst, Bischof noch Kirche die Gewalt einr\u00e4umen, wider aller Propheten eintr\u00e4chtige Stimme etwas zu halten oder zu [be]schlie\u00dfen. 67] Noch [dennoch] hat Papst Leo X. diesen Artikel als irrig d\u00fcrfen verdammen. Und die Widersacher verdammen dieses auch. Darum ist genug am Tag, was das f\u00fcr eine feine christliche Kirche sei, die nicht allein durch \u00f6ffentliche, geschriebene Dekrete und Mandate diesen Artikel, n\u00e4mlich da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden ohne Werke, durch den Glauben an Christum erlangen, verdammen darf, sondern auch \u00fcber dem Bekenntnis dieses Artikels unschuldig Blut verdammen und erw\u00fcrgen. Sie d\u00fcrfen Gebote ausgehen lassen, da\u00df man fromme, redliche Leute, die also lehren, solle verjagen, und trachten ihnen durch allerlei Tyrannei, als die Bluthunde, nach Leib und Leben.<\/p>\n<p>68] Aber sie werden vielleicht sagen, sie haben [h\u00e4tten] auch Lehrer f\u00fcr sich, Scotum, Gabrielem und dergleichen, die auch gro\u00dfen Namen haben, dazu auch die Spr\u00fcche der V\u00e4ter, welche im Dekret verst\u00fcmpelt [verst\u00fcmmelt] angezogen. Ja, es ist wahr, sie hei\u00dfen alle Lehrer und Skribenten, aber am Gesange kann man merken, welche V\u00f6gel es sind. Dieselben Skribenten haben nichts anderes denn Philosophie gelehrt und von Christo und Gottes Werk nichts gewu\u00dft; das beweisen ihre B\u00fccher klar. 69] Derhalben lassen wir uns nicht irren, sondern wissen f\u00fcrwahr, da\u00df wir das Wort des heiligen Apostels Petri, als eines gro\u00dfen Doktors, fr\u00f6hlich m\u00f6gen halten gegen alle Sententiarios \u00fcber einen Haufen, und wenn ihrer viel tausend w\u00e4ren. 70] Denn Petrus sagt klar, es sei eine eintr\u00e4chtige Stimme aller Propheten, und dieselbe herrliche Predigt des hohen, gro\u00dfen Apostels hat Gott kr\u00e4ftig dasmal best\u00e4tigt durch Austeilung des Heiligen Geistes. 71] Denn also sagt der Text: &#8220;Als Petrus noch redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die dem Wort zuh\u00f6rten.&#8221; 72] Derhalben sollen die christlichen Gewissen das wohl merken, da\u00df dieses Gottes Wort und Gebot ist, da\u00df uns ohne Verdienst S\u00fcnden vergeben werden durch Christum, nicht um unserer Werke willen, und solch Gotteswort und =gebot ist ein rechter, starker, gewisser, unverg\u00e4nglicher Trost wider alles Schrecken der S\u00fcnde, des Todes, wider alle Anfechtung und Verzweiflung, Qual und Angst des Gewissens. 73] Da wissen die m\u00fc\u00dfigen Sophisten wenig von, und die selige Predigt, das Evangelium, welche Vergebung der S\u00fcnden predigt durch den gebenedeiten Samen, das ist, Christum, ist von Anbeginn der Welt aller Patriarchen, aller frommen K\u00f6nige, aller Propheten, aller Gl\u00e4ubigen gr\u00f6\u00dfter Schatz und Trost gewesen; denn sie haben an denselben Christum geglaubt, da wir an glauben. Denn von Anfang der Welt ist kein Heiliger anders denn durch den Glauben desselben Evangelii selig geworden. Darum sagt auch Petrus, es sei eine eintr\u00e4chtige Stimme aller Propheten (und die Apostel predigen auch eintr\u00e4chtig gleich dasselbe), und zeigt an, da\u00df die Propheten gleich als durch einen Mund geredet haben. Dar\u00fcber sind die Zeugnisse der heiligen V\u00e4ter. Denn Bernhardus sagt mit klaren Worten also: &#8220;Darum ist vor allen Dingen not zu wissen, da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden nicht anders haben k\u00f6nnen denn durch Gottes Gnade; doch sollst du dieses dazusetzen, da\u00df du das glaubst, da\u00df auch dir, nicht allein andern, durch Christum S\u00fcnden vergeben werden. Das ist das Zeugnis des Heiligen Geistes inwendig in deinem Herzen, dir selbst sind deine S\u00fcnden vergeben. Denn also nennt\u2019s der Apostel, da\u00df der Mensch ohne Verdienst gerecht wird, durch den Glauben.&#8221; 74] Diese Worte St. Bernhards streichen erst diese unsere Lehre recht heraus und setzen sie recht an das Licht. Denn er sagt, da\u00df wir nicht allein insgemein glauben sollen, da\u00df uns S\u00fcnden vergeben werden, sondern sagt, dieses mu\u00df dazugesetzt werden, da\u00df ich f\u00fcr mich glaube, da\u00df mir S\u00fcnden vergeben seien. Und lehrt dar\u00fcber noch eigentlicher und klarer, wie wir inwendig im Herzen der Gnade, der Vergebung unserer S\u00fcnden gewi\u00df werden, n\u00e4mlich wenn die Herzen getr\u00f6stet werden und gestillt inwendig durch diesen Trost. Wie aber nun, ihr Widersacher? Ist St. Bernhard auch ein Ketzer? Was wolt ihr doch mehr haben? Wollt ihr noch leugnen, da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden erlangen durch den Glauben.?<\/p>\n<p>75] F\u00fcr das dritte sagen die Widersacher, da\u00df die S\u00fcnde also vergeben werde, quia attritus vel contritus elicit actum dilectionis Dei; wenn wir uns aus der Vernunft vornehmen, Gott zu lieben, durch das Werk, sagen sie, erlangen wir Vergebung der S\u00fcnden. Das ist nichts anderes, denn das Evangelium und die g\u00f6ttlichen Verhei\u00dfungen abtun und eitel Gesetz lehren; denn sie reden von eitel Gesetz und unsern Werken; denn das Gesetz fordert Liebe. Darum lehren sie vertra\u00fcn, da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden erlangen durch solche Re\u00fc und unser Lieben. Was ist das anders, denn vertra\u00fcn auf unsere Werke, nicht auf die Zusage oder Verhei\u00dfung von Christo? So nun das Gesetz genug ist, Vergebung der S\u00fcnden zu erlangen, was ist Christi, was ist des Evangelii vonn\u00f6ten? 76] Wir aber weisen die Gewissen ab von dem Gesetz, von ihren Werken auf das Evangelium und die Verhei\u00dfung der Gnade. Denn das Evangelium, das bietet Christum an und eitel Gnade und hei\u00dft uns auf die Zusage vertra\u00fcn, da\u00df wir um Christus\u2019 willen vers\u00f6hnt werden dem Vater, nicht um unserer Re\u00fc oder Liebe willen; denn es ist kein anderer Mittler oder Vers\u00f6hner denn Christus. So k\u00f6nnen wir das Gesetz nicht erf\u00fcllen, wenn wir nicht erst durch Christum vers\u00f6hnt sind; Und ob wir schon etwas Gutes tun, so m\u00fcssen wir es doch daf\u00fcrhalten, da\u00df wir nicht um der Werke willen, sondern um Christus\u2019 willen Vergebung der S\u00fcnden erlangen.<\/p>\n<p>77] Derhalben hei\u00dft das Christum geschm\u00e4ht und das Evangelium abgetan, wenn jemand wollte halten, da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden durch das Gesetz oder auf andere Weise denn durch den Glauben an Christum erlangen. Und dieses haben wir auch oben gehandelt De iustificatione, da wir gesagt haben, warum wir lehren, da\u00df wir durch den Glauben gerecht werden und nicht durch die Liebe Gottes oder durch unsere Liebe gegen Gott. 78] Derhalben, wenn die Widersacher lehren, da\u00df wir durch Re\u00fc und Liebe Vergebung der S\u00fcnden erlangen und darauf vertra\u00fcn, ist nichts anderes, denn das Gesetz lehren, welches sie dennoch nicht verstehen, was es f\u00fcr eine Liebe gegen Gott fordere, sondern sehen wie die Juden allein in das verdeckte Angesicht Mosis. Denn ich will gleich setzen, da\u00df die Werke und die Liebe da seien; dennoch k\u00f6nnen weder Werke noch Liebe Gott vers\u00f6hnen, oder als viel als Christus gelten, wie der Psalm sagt: &#8220;Du wollest nicht mit deinem Knechte in das Gericht gehen&#8221; usw. Darum sollen wir die Ehre Christi nicht unsern Werken geben.<\/p>\n<p>79] Aus dieser Ursache streitet Paulus, da\u00df wir nicht durch das Gesetz gerecht werden, und h\u00e4lt gegen das Gesetz die Zusage Gottes, die Verhei\u00dfung der Gnade, welche um Christus\u2019 willen uns gegeben wird. Da r\u00fcckt uns Paulus herum und weist uns vom Gesetz auf die g\u00f6ttliche Verhei\u00dfung; da will er, da\u00df wir sollen auf Gott und seine Zusage sehen und den Herrn Christum f\u00fcr unsern Schatz halten; denn dieselbe Zusage wird vergeblich sein, so wir durch des Gesetzes Werke gerecht vor Gott werden, so wir durch unsere Gerechtigkeit Vergebung der S\u00fcnden verdienen. 80] Nun ist es gewi\u00df, da\u00df Gott darum die Zusage tut, darum Christus auch gekommen ist, da\u00df wir das Gesetz nicht halten noch erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Darum m\u00fcssen wir erst durch die Verhei\u00dfung vers\u00f6hnt werden, ehe wir das Gesetz erf\u00fcllen; die Verhei\u00dfung aber kann man nicht fassen denn allein durch den Glauben. Darum alle diejenigen, so rechte Re\u00fc haben, ergreifen die Verhei\u00dfung der Gnade durch den Glauben und glauben gewi\u00df, da\u00df wir dem Vater vers\u00f6hnt werden durch Christum. 81] Das ist auch die Meinung Pauli zu den R\u00f6mern am 4.: &#8220;Darum erlangen wir Gnade durch den Glauben, da\u00df die Verhei\u00dfung fest stehe.&#8221; Und zu den Galatern am 3.: &#8220;Die Schrift hat alles unter die S\u00fcnde beschlossen, da\u00df die Verhei\u00dfung Jesu Christi durch den Glauben werde gegeben den Gl\u00e4ubigen&#8221;, das ist, alle Menschen sind unter der S\u00fcnde und k\u00f6nnen nicht erl\u00f6st werden, sie ergreifen denn Vergebung der S\u00fcnden durch den Glauben. 82] Darum m\u00fcssen wir erst Vergebung der S\u00fcnden durch den Glauben erlangen, ehe wir das Gesetz erf\u00fcllen. Wiewohl, wie wir oben gesagt, aus dem Glauben die Liebe gewi\u00df folgt, denn diejenigen, so glauben, empfangen den Heiligen Geist. Darum fangen sie an, dem Gesetz hold zu werden und demselben zu gehorchen.<\/p>\n<p>83] Wir wollten hier mehr Spr\u00fcche einf\u00fchren, aber die Schrift ist deren allenthalben voll. Ich wollte es auch gern nicht zu lang machen, damit diese Sache desto klarer sei. 84] Denn es hat gar keinen Zweifel, da\u00df dieses Pauli Meinung sei, das wir Vergebung der S\u00fcnden erlange um Christus\u2019 willen durch den Glauben, da\u00df wir auch den Mittler setzen m\u00fcssen gegen Gottes Zorn, nicht unsere Werke. Es sollen sich auch fromme, christliche Gewissen daran nichts irren, ob die Widersacher die klaren Spr\u00fcche Pauli f\u00e4lschlich auslegen und unrecht deuten. Denn so einf\u00e4ltig, so gewi\u00df und rein, so klar kann man nichts reden oder schreiben, man kann ihm mit Worten eine andere Nase machen. Wir sind aber des gewi\u00df und wissen\u2019s f\u00fcrwahr, da\u00df die Meinung, die wir gesetzt, die rechte Meinung Pauli ist. So hat das auch keinen Zweifel, da\u00df diese Lehre allein ein recht gewisser Trost ist, die Herzen und Gewissen in rechtem Kampf und in agone des Todes und Anfechtung zu stillen, zu tr\u00f6sten, wie es die Erfahrung gibt.<\/p>\n<p>85] Derhalben nur weit, weit von uns mit den pharis\u00e4ischen Lehren der Widersacher, da sie sagen, da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden nicht durch den Glauben erlangen, sondern da\u00df wir sie verdienen m\u00fcssen mit unsern Werken und mit unserer Liebe gegen Gott; item da\u00df wir mit unsern Werken und Liebe sollen Gottes Zorn vers\u00f6hnen! Denn es ist eine recht pharis\u00e4ische Lehre, eine Lehre des Gesetzes, nicht des Evangelii, da sie lehren, da\u00df der Mensch erst durch das Gesetz gerecht werde, ehe er durch Christum Gott vers\u00f6hnt werde, so doch Christus sagt: &#8220;ohne mich k\u00f6nnt ihr nichts tun&#8221;; item: &#8220;Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.&#8221; 86] Die Widersacher aber, die reden davon, als seien wir nicht Christi Reben, sondern Mosis. Denn sie wollen erst durchs Gesetz fromm und gerecht vor Gott werden und erst unsere Werke und Dilektion Gott opfern, ehe sie Reben am Weinstock Christi sind. Paulus aber, welcher freilich ein viel h\u00f6herer Doktor ist denn die Widersacher, redet klar und streitet wiederum dies allein, da\u00df niemand das Gesetz tun k\u00f6nne ohne Christum. Darum diejenigen, so die S\u00fcnde und Angst des Gewissens recht f\u00fchlen oder erfahren haben, die m\u00fcssen sich an die Zusage der Gnade halten, da\u00df sie durch den Glauben erst Gott vers\u00f6hnt werden um Christus\u2019 willen, ehe sie das Gesetz erf\u00fcllen. 87] Dieses alles ist \u00f6ffentlich und klar genug bei gottesf\u00fcrchtigen Gewissen. Und hieraus werden Christen wohl verstehen, warum wir hieroben gesagt haben, da\u00df wir allein durch den Glauben vor Gott gerecht werden, nicht durch unsere Werke oder Dilektion usw. Denn all unser Verm\u00f6gen, alles Tun und Werk sind zu schwach, Gottes Zorn vegzunehmen und zu stillen; darum m\u00fcssen wir Christum, den Mittler, darstellen.<\/p>\n<p>88] Endlich aber sollten die Widersacher bedenken: wann will doch ein arm Gewissen zu Frieden kommen und stille werden, so wir Gnade und Vergebung der S\u00fcnden darum erlangen, da\u00df wir Gott liebhaben, oder da\u00df wir das Gesetz erf\u00fcllen? Das Gesetz wird uns allzeit anklagen; denn kein Mensch erf\u00fcllt das Gesetz, wie Paulus sagt: &#8220;Das Gesetz richtet Zorn an.&#8221; Es fragt Chrysostomus, so fragen auch die Sententarii, wie einer gewi\u00df wird, da\u00df ihm die S\u00fcnden vergeben seien. Es ist wahrlich wohl Fragens wert. Wohl dem, der da recht Antwort gibt! Auf diese allern\u00f6tigste Frage ist nicht m\u00f6glich zu antworten, es ist auch nicht m\u00f6glich, das Gewissen in Anfechtung recht zu tr\u00f6sten oder zu stillen, man antworte denn auf diese Meinung. Es ist Gottes Beschlu\u00df, Gottes Befehl von Anbeginn der Welt her, da\u00df uns durch den Glauben an den gebenedeiten Samen, das ist, durch den Glauben, um Christus\u2019 willen, ohne Verdienst sollen S\u00fcnden vergeben werden. So jemand aber daran wankt oder zweifelt, der l\u00fcgenstraft Gott in seiner Verhei\u00dfung, wie Johannes sagt. Da sagen wir nun, da\u00df ein Christ solches f\u00fcr gewi\u00df als Gottes Befehl halten soll, und h\u00e4lt er\u2019s also, so ist er gewi\u00df und f\u00fchlt Frieden und Trost. Die Widersacher, wenn sie lange predigen und lehren au\u00dfer dieser Lehre, lassen sie die armen Gewissen im Zweifel stecken. 89] Da ist nicht m\u00f6glich, da\u00df da sollte Ruhe sein, ein still oder friedlich Gewissen, wenn sie Zweifeln, ob Gott gn\u00e4dig sei. Denn so sie zweifeln, ob sie einen gn\u00e4digen Gott haben, ob sie recht tun, ob sie Vergebung der S\u00fcnden haben, wie k\u00f6nnen sie denn in dem Zweifel Gott anrufen, wie k\u00f6nnen sie gewi\u00df sein, da\u00df Gott ihr Gebet achte und erh\u00f6re? Also ist all ihr Leben ohne Glauben, und k\u00f6nnen Gott nicht recht dienen. Das ist\u2019s, das Paulus zu den R\u00f6mern sagt: &#8220;Was nicht aus dem Glauben ist, das ist S\u00fcnde.&#8221; Und dieweil sie in dem Zweifel allzeit und ewig stecken bleiben, so erfahren sie nimmer, was Gott, was Christus, was Glaube sei. Dar\u00fcber geht\u2019s zuletzt also, da\u00df sie in Verzweiflung, ohne Gott, ohne alle Gotteserkenntnis sterben. Eine solch sch\u00e4dliche Lehre f\u00fchren die Widersacher, n\u00e4mlich eine solche Lehre, dadurch das ganze Evangelium wird weggetan, Christus unterdr\u00fcckt, die Leute in Herzeleid und Qual der Gewissen, endlich, wenn Anfechtungen kommen, in Verzweiflung gef\u00fchrt. Dieses wolle nun Kaiserliche Majest\u00e4t gn\u00e4diglich betrachten und wohl aufsehen; es belangt [betrifft] nicht Gold oder Silber, sondern Seelen und Gewissen. Auch wollen alle Ehrbaren, Verst\u00e4ndigen hier wohl aufmerken, was diese Sache sei oder nicht sei. 90] Heir m\u00f6gen wir leiden, da\u00df alle ehrbaren Leute urteilen, welcher Teil f\u00fcr die christlichen Gewissen das N\u00fctzlichste gelehrt habe, wir oder die Widersacher. Denn wahrlich soll man es daf\u00fcrhalten, da\u00df uns mit Zank und Zwiespalt nicht wohl ist. Und wenn es nicht die gr\u00f6\u00dften, allerwichtigsten Ursachen h\u00e4tte, n\u00e4mlich unser aller Gewissen, Heil und Seele belangend, warum wir dieses m\u00fcssen mit den Widersachern so heftig streiten, so wollten wir wohl schweigen. Aber nachdem sie das heilige Evangelium, alle klare Schrift der Apostel, die g\u00f6ttliche Wahrheit, verdammen, so k\u00f6nnen wir mit Gott und Gewissen diese selige Lehre und g\u00f6ttliche Wahrheit, daran wir endlich, wenn dies arme zeitliche Leben aufh\u00f6rt und aller Kreaturen Hilfe aus ist, den einigen, ewigen, h\u00f6chsten Trost [er]warten, nicht verleugnen, auch von dieser Sache in keinem Wege weichen, welche nicht unser allein ist, sondern der ganzen Christenheit, und belangt den h\u00f6chsten Schatz, Jeum Christum.<\/p>\n<p>91] Wir haben nun angezeigt, aus was Ursachen wir die zwei St\u00fccke der Bu\u00dfe gesetzt haben, n\u00e4mlich die Re\u00fc und den Glauben. Und das haben wir darum auch getan, denn man findet allerlei Spr\u00fcche hin und wieder in B\u00fcchern der Widersacher von der Bu\u00dfe, welche sie aus Augustino und den andern alten V\u00e4tern st\u00fcckweise, verst\u00fcmmelt einf\u00fchren, welche sie denn allenthalben dahin gedeutet und gestreckt haben, die Lehre vom Glauben ganz unterzudr\u00fccken [zu unterdr\u00fccken]. Als diesen Spruch haben sie gesetzt: &#8220;Die Bu\u00dfe ist ein Schmerz, dadurch die S\u00fcnde gestraft wird.&#8221; Item: &#8220;Die Bu\u00dfe ist, da\u00df ich beweine die vorigen S\u00fcnden und die beklagten S\u00fcnden nicht wieder t\u00fc.&#8221; In den Spr\u00fcchen wird des Glaubens gar nicht gedacht, und auch in ihren Schulen, da sie gleich solche Spr\u00fcche nach der L\u00e4nge [weitl\u00e4ufig] handeln, gedenken sie des Glaubens gar nicht. 92] Darum, damit die Lehre vom Glauben desto bekannter w\u00fcrde, haben wir den Glauben f\u00fcr ein St\u00fcck der Bu\u00dfe gesetzt. Denn die Spr\u00fcche, die unsere Re\u00fc und unsere guten Werke lehren und des Glaubens gar nicht gedenken, die sind gar f\u00e4hrlich [ganz gef\u00e4hrlich]. wie die Erfahrung gibt. 93] Darum, wenn sie die gro\u00dfe Fahr der Seelen und Gewissen bedacht h\u00e4tten, sollten die Sententiarii und Kanonisten \u00fcber ihr Dekret billig weislicher geschrieben haben. Denn so die V\u00e4ter von dem andern Teil der Bu\u00dfe auch reden, nicht allein von einem Teil, sondern von beiden, von der Re\u00fc und vom Glauben, so sollten sie beiden beieinander gesetzt haben.<\/p>\n<p>94] Denn Tertullianus auch redet gar tr\u00f6stlich vom Glauben, und sonderlich preist er den g\u00f6ttlichen Eid, davon der Prophet redet;: &#8220;Als wahr ich lebe, sagt der Her, will ich nicht den Tod des S\u00fcnders, sondern da\u00df er sich bekehre und lebe.&#8221; Dieweil Gott schw\u00f6rt, sagt er, er wolle nicht den Tod des S\u00fcnders, so erfordert er gewi\u00df den Glauben, da\u00df wir seinem Eid und Schw\u00f6ren glauben sollen, da\u00df er uns [die] S\u00fcnden vergeben wolle. Gottes Zusagen sollen ohnedas bei uns aufs h\u00f6chste angesehen und geachtet sein. Nun ist die Zusage mit einem Eid best\u00e4tigt. Darum so jemand h\u00e4lt, da\u00df ihm [die] S\u00fcnden nicht vergeben werden, der l\u00fcgenstraft Gott, welches die gr\u00f6\u00dfte Gottesl\u00e4sterung ist. Denn also sagt Tertullianus: Invitat praemio ad salutem, iurans etiam, etc.; das ist: &#8220;Gott lockt uns zu unserm eigenen Heil mit seinem eigenen Eide, da\u00df man ihm glaube. O wohl denen, um derentwillen Gott schw\u00f6rt! O wehe uns elenden Leuten, wenn wir auch dem g\u00f6ttlichen Eide nicht glauben!&#8221; 95] Und hier m\u00fcssen wir wissen, da\u00df der Glaube gewi\u00df daf\u00fcrhalten soll, da\u00df uns Gott aus Gnaden S\u00fcnde vergibt um Christus\u2019 willen, nicht um unserer Werke willen, um Beichte oder Genugtuns willen. Denn alsbald wir uns auf Werke gr\u00fcnden, werden wir ungewi\u00df. Denn ein erschrocken Gewissen merkt bald, da\u00df seine besten Werke nichts wert seien gegen Gott. 96] Darum sagt Ambrosius ein fein Wort von der Bu\u00dfe: &#8220;Wir m\u00fcssen Bu\u00dfe tun und auch glauben, da\u00df uns Gnade widerfahre, doch also, da\u00df wir der Gnade hoffen aus dem Glauben; denn der Glaube wartet und erlangt, wie aus einer Handschrift, Gnade.&#8221; Item: &#8220;Der Glaube ist eben das, dadurch die S\u00fcnder bedeckt werden.&#8221; 97] Darum sind klare Spr\u00fcche in den B\u00fcchern der V\u00e4ter nicht allein von Werken, sondern auch vom Glauben. Aber die Widersacher, so sie nicht verstehen die rechte Art der Bu\u00dfe, verstehen auch der V\u00e4ter Spr\u00fcche nicht, klauben sie heraus etliche verst\u00fcmmelt von einem Teil der Bu\u00dfe, n\u00e4mlich von der Re\u00fc und von den Werken; Und was vom Glauben geredet ist, da laufen sie \u00fcberhin. <\/p>\n<p>(Artikel VI.). Von der Beichte und Genugtuung.<\/p>\n<p>1] Gottesf\u00fcrchtige, ehrbare, fromme, christliche Leute k\u00f6nnen hier wohl merken, da\u00df viel daran gelegen ist, da\u00df man de poenitentia, von der Re\u00fc und dem Glauben, eine rechte, gewisse Lehre in der Kirche habe und erhalte. Denn der gro\u00dfe Betrug vom Abla\u00df usw., item, die ungeschickte Lehre der Sophisten hat uns genug gewitzigt, was gro\u00dfen Unrats und F\u00e4hrlichkeit daraus entsteht, wenn man hier fehlschl\u00e4gt. Wie hat manch fromm Gewissen unter dem Papsttum hier so mit gro\u00dfer Arbeit den rechten Weg gesucht und unter solcher Finsternis nicht gefunden! Darum haben wir allezeit gro\u00dfen Flei\u00df gehabt, von diesem St\u00fcck klar, gewi\u00df, richtig zu lehren. Von der Beichte und Genugtuung haben wir nicht sonders [besonders] gezankt. 2] Denn die Beichte behalten wir auch um der Absolution willen, welche ist Gottes Wort, dadurch uns die Gewalt der Schl\u00fcssel losspricht von S\u00fcnden. 3] Darum w\u00e4re es wider Gott, die Absolution auch der Kirche also abtun usw. 4] Diejenigen, so die Absolution verachten, die wissen nicht, was Vergebung der S\u00fcnden ist, oder was die Gewalt der Schl\u00fcssel ist. 5] Von dem Erz\u00e4hlen aber der S\u00fcnden haben wir oben in unserm Bekenntnis gesagt, da\u00df wir halten, es sei von Gott nicht geboten. 6] Denn da\u00df sie sagen, ein jeglicher Richter mu\u00df erst die Sachen und Gebrechen h\u00f6ren, ehe er das Urteil spreche, also m\u00fcssen erst die S\u00fcnden erz\u00e4hlt werden usw. das tut nichts zur Sache. Denn die Absolution ist schlecht der Befehl lo\u00dfusprechen, und ist nicht ein neu Gericht, S\u00fcnde zu erforschen. Denn Gott ist der Richter, der hat den Aposteln nicht das Richteramt, sondern die Gnadenexekution befohlen, diejenigen lo\u00dfusprechen, so es begehren; Und sie entbinden auch und absolvieren von S\u00fcnden, die uns nicht einfallen. 8] Darum ist die Absolution eine Stimme des Evangelii, dadurch wir Trost empfange, und ist nicht ein Urteil oder Gesetz.<\/p>\n<p>9] Und es ist n\u00e4rrisch und kindisch genug bei Verst\u00e4ndigen, den Spruch Salomonis, da er am 27. sagt: Diligenter cognosce vultum pecoris tui, das ist: &#8220;Habe acht auf deine Schafe&#8221; usw., an dem Ort von der Beichte oder Absolution einzuf\u00fchren. Denn Salomo redet da gar nicht von der Beichte, sondern gibt ein Gebot den Hausv\u00e4tern, da\u00df sie sollen mit dem Ihren zufrieden sein und sich fremdes Guts enthalten, und befiehlt mit dem Wort, ein jeder solle seines Viehes und G\u00fcter flei\u00dfig wahrnehmen; doch soll er aus Geiz Gottesfurcht, Gottes Gebot und Wort nicht vergessen. Aber die Widersacher machen aus der Schrift Schwarz und Wei\u00df, wann und wie sie wollen, wider alle nat\u00fcrliche Art der klaren Worte an dem Ort: Cognosce vultum pecoris etc. Da mu\u00dfcognoscere Beichteh\u00f6ren hei\u00dfen. : &#8220;Vieh&#8221; oder: &#8220;Schafe&#8221; mu\u00df da Menschen hei\u00dfen. Stabulum, achten wir, hei\u00dft auch eine Schule, da solche Doctores und Oratores innen sind. Aber ihnen geschieht recht, die also die Heilige Schrift, alle guten K\u00fcnste verachten, da\u00df sie so grob in der Grammatika fehlen. Wenn jemand an dem Ort je Lust h\u00e4tten, einen Hausvater, davon Salomo redet, mit einem Seelenhirten zu vergleichen, so m\u00fc\u00dfte vultus da nicht arcana conscientiae, sondern den \u00e4u\u00dferlichen Wandel bedeuten.<\/p>\n<p>10] Aber ich lasse das fahren. Es wird an etlichen Orten in Psalmen gedacht des Worts confessio, als in 32. Psalm: &#8220;Ich will dem Hern meine \u00dcbertretung bekennen wider mich.&#8221; Dasselbe Beichten und Bekennen, das Gott geschieht, ist die Re\u00fc selbst. Denn wenn wir Gott beichten, so m\u00fcssen wir im Herzen uns f\u00fcr S\u00fcnder erkennen, nicht allein mit dem Munde, wie die Heuchler die Worte allein nachreden. So ist diese Beichte, die Gott geschieht, eine solche Re\u00fc im Herzen, da ich Gottes Ernst und Zorn f\u00fchle, Gott recht gebe, da\u00df er billig z\u00fcrnt, da\u00df er auch mit unserm Verdienst nicht k\u00f6nne vers\u00f6hnt werden, und da wir doch Barmherzigkeit suchen, nachdem Gott hat Gnade in Christo zugesagt. 11] Also ist das eine Beichte im 51. Psalm: &#8220;An dir allein hab\u2019 ich ges\u00fcndigt, da\u00df du recht erfunden werdest, wenn du gerichtet wirst.&#8221; Das ist: Ich bekenne mich einen S\u00fcnder, und da\u00df ich verdient habe ewigen Zorn, und kann mit meinen Werken noch mit meinem Verdienst deinen Zorn nicht stillen. Darum sage ich, da\u00df du gerecht bist und billig uns strafst. Ich gebe dir recht, obwohl die Heuchler dich richten, du seiest unrecht, da\u00df du ihr Verdienst und gute Werke nicht ansiehst. Ja, ich wei\u00df, da\u00df meine Werke vor einem Urteil nicht bestehen, sondern also werden wir gerecht, so du uns f\u00fcr gerecht sch\u00e4tzest durch deine Barmherzigkeit. 12] Es m\u00f6chte etwa auch einer den Spruch Jakobi anziehen: &#8220;Bekennet einander eure S\u00fcnden.&#8221; Er redet aber da nicht von der Beichte, die dem Priester geschieht usw., sondern redet von einem Vers\u00f6hnen und Bekennen, wenn ich sonst mich mit meinem N\u00e4chsten vers\u00f6hne.<\/p>\n<p>13] Es m\u00fcssen auch die Widersacher gar viel ihre eigenen Lehrer verdammen, so sie wollen sagen, da\u00df Erz\u00e4hlung der S\u00fcnden m\u00fcsse geschehen und von Gott geboten sei. Denn wiewohl wir die Beichte auch behalten und sagen, es sei nicht unn\u00fctz, da\u00df man die Jugend und unerfahrene Leute auch frage, damit sie desto besser m\u00f6gen unterrichtet werden: doch ist das alles also zu m\u00e4\u00dfigen, damit die Gewissen nicht gefangen werden, welche nimmer k\u00f6nnen zufrieden sein, solange sie in dem Wahn sind, da\u00df man vor Gott schuldig sei, die S\u00fcnden zu erz\u00e4hlen. 14] Derhalben ist das Wort der Widersacher, da sie sagen, da\u00df zur Seligkeit not sei eine ganz reine Beichte, da keine S\u00fcnde verschwiegen [wird] usw., ganz falsch. Denn solche Beichte ist unm\u00f6glich. O Her Gott, wie j\u00e4mmerlich haben sie manch fromm Gewissen geplagt und gequ\u00e4lt damit, da sie gelehrt, die Beichte m\u00fcsse ganz rein sein und keine S\u00fcnde ungebeichtet bleiben! Denn wie kann ein Mensch immer gewi\u00df werden, wann er ganz rein gebeichtet habe? 15] Die V\u00e4ter gedenken auch der Beichte, aber sie reden nicht von Erz\u00e4hlung der heimlichen S\u00fcnden, sondern von einer Zeremonie einer \u00f6ffentlichen Bu\u00dfe. Denn vorzeiten hat man diejenigen, so in \u00f6ffentlichen Lastern gewesen, nicht wieder angenommen in der Kirche ohne eine \u00f6ffentliche Zeremonie und Strafe; derhalben so mu\u00dften sie den Priestern ihre S\u00fcnden namhaftig beichten, da\u00df nach der Gr\u00f6\u00dfe der \u00dcbertretung die satisfactiones konnten aufgelegt werden. Da\u00df ganze Ding aber ist nicht gleich gewesen dem S\u00fcndererz\u00e4hlen, davon wir reden. Denn dieselbe Beichte und Bekenntnis geschah nicht darum, da\u00df ohne dieselbe Beichte Vergebung der S\u00fcnden vor Gott nicht geschehen kann, sondern da\u00df man ihnen keine \u00e4u\u00dferliche Strafe k\u00f6nnte auflegen, man w\u00fc\u00dfte denn die S\u00fcnde.<\/p>\n<p>16] Und von der \u00e4u\u00dferlichen Zeremonie der \u00f6ffentlichen Bu\u00dfe ist auch das Word satisfactio oder Genugtuung hergekommen. Denn die V\u00e4ter wollten diejenigen, so in \u00f6ffentlichen Lastern erfunden, nicht wider annehmen ohne eine Strafe. Und dieses hatte viele Ursachen. Denn es diente zu einem Exempel, da\u00df \u00f6ffentlich Laster gestraft w\u00fcrden; wie auch die Glosse im Dekret sagt. So war er auch ungeschickt, da\u00df man diejenigen, so in offenen Laster gefallen waren, sollte bald unversucht zu dem Sakrament zulassen. Dieselben Zeremonien alle sind nun vorl\u00e4ngst abgekommen, und ist nicht not, da\u00df man sie wieder aufrichte, denn sie tun gar nichts zu der Vers\u00f6hnung vor Gott. 17] Auch ist es der V\u00e4ter Meinung in keinem Wege gewesen, da\u00df die Menschen dadurch sollten Vergebung der S\u00fcnden erlangen; wiewohl solche \u00e4u\u00dferliche Zeremonien leichtlich die Unerfahrenen dahin bringen, da\u00df sie meinen, sie h\u00fclfen etwas zur Seligkeit. Wer nun das lehrt oder h\u00e4lt, der lehrt und h\u00e4lt ganz j\u00fcdisch und heidnisch. Denn die Heiden haben auch gehabt etliche Reinigungen, da sie haben wollen w\u00e4hnen, sie w\u00fcrden dadurch gegen [mit] Gott vers\u00f6hnt. 18] Nun aber, so dieselbe Weise der \u00f6ffentlichen Bu\u00dfe abgekommen ist, ist geblieben der Name satisfactio, und ist noch geblieben der Schatten des alten Brauchs, da\u00df sie in den Beichte Genugtuung auflegen und nennen\u2019s opera non debita. 19] Wir nennen\u2019s satisfactiones canonicas. Davon lehren wir, wie von Erz\u00e4hlung der S\u00fcnden, n\u00e4mlich, da\u00df dieselben \u00f6ffentlichen Zeremonien von Gott nicht geboten sind, auch nicht not sind und nicht helfen zur Vergebung der S\u00fcnden. Denn diese Lehre mu\u00df vor allen Dingen erhalten werden und stehenbleiben, da\u00df wir durch den Glauben Vergebung der S\u00fcnden erlange, nicht durch unsere Werke, die vor oder nach geschehen, wenn wir bekehrt oder neugeboren sind in Christo. Und wir haben vornehmlich aus dieser Ursache von den satisfactionibus geredet, damit niemand die Genugtuung also verst\u00fcnde, da\u00df dadurch die Lehre vom Glauben w\u00fcrde untergedr\u00fcckt [unterdr\u00fcckt]. als k\u00f6nnten wir durch unsere Werke Vergebung der S\u00fcnden verdienen. 20] Denn der gef\u00e4hrliche Irrtum von satisfactionibus ist also eingerissen und best\u00e4tigt durch etliche ungeschickte Lehren, so die Widersacher schreiben, die Genugtuung sei ein solch Werk, dadurch der g\u00f6ttliche Zorn und Ungnade vers\u00f6hnt werde.<\/p>\n<p>21] Jedoch bekennen die Widersacher selbst, da\u00df die satisfactiones nicht losmachen die Schuld vor Gott, sondern sie erdichten, da\u00df sie allein quitt= und losmachen die Pein oder Strafe. Denn so lehren sie, da\u00df, wenn die S\u00fcnde vergeben wird, so wird die Schuld oder culpa ohne Mittel, allein durch Gott, vergeben; Und doch, dieweil er ein gerechter Gott ist, l\u00e4\u00dft er S\u00fcnde nicht ohne Strafe und verwandelt die ewige Strafe in eine zeitliche Strafe. Dar\u00fcber lehren sie, da\u00df ein Teil der zeitlichen Strafe erlassen werde durch die Gewalt der Schl\u00fcssel. Ein Teil aber soll durch die satisfactiones oder Genugtuungen bezahlt werden. Und man kann nicht verstehen, welches Teil der Strafe oder Pein erlassen werde durch die Gewalt der Schl\u00fcssel, sie wollten denn sagen, da\u00df ein Teil der Pein des Fegfe\u00fcrs erlassen werde, daraus folgen wollte, da\u00df die satisfactiones allein dienten, zu erl\u00f6sen die Pein des Fegfe\u00fcrs. Und weiter sagen sie, die satisfactiones taugen vor Gott, wenn sie gleich von denjenigen geschehen, die in Tods\u00fcnden gefallen sind; gleich als lasse sich Gott von denen vers\u00f6hnen, die in Tods\u00fcnden liegen und seine Feinde sind. 22] Dieses alles sind eitel ertr\u00e4umte, erdichtete Lehren und Worte, ohne allen Grund der Schrift und wider alle Schriften der alten V\u00e4ter. Auch redet Longobardus selbst nicht auf die Weise von den satisfactionibus. 23] Die Scholastici haben wohl von H\u00f6rensagen gehabt, da\u00df etwann [vorzeiten] satisfactiones in der Kirche gewesen w\u00e4ren, und haben nicht bedacht, da\u00df es eine \u00e4u\u00dferliche Zeremonie gewesen, da die publice poenitentes oder die B\u00fc\u00dfer sich gegen die Kirche erzeigen mu\u00dften mit einer Zeremonie, welche dazu war eingesetzt, erstlich zu einem Schrecken und Exempel, daran sich andere m\u00f6chten sto\u00dfen, zum andern zu einer Probe, ob dieselben S\u00fcnder oder B\u00fc\u00dfer, so wieder Gnade begehrten, auch herzlich sich bekehrt h\u00e4tten. In Summa, sie haben nicht gesehen, da\u00df solche satisfactio eine \u00e4u\u00dferliche Zucht, Strafe und disciplina ist gewesen und ein solch Ding, wie eine andere weltliche Zucht, zu einer Scheu oder Furcht aufgerichtet. Dar\u00fcber haben sie gelehrt, da\u00df sie nicht allein zu einer Zucht, sondern auch Gott zu vers\u00f6hnen dienten und not w\u00e4ren zur Seligkeit. Wie sie aber in vielen andern St\u00fccken da\u00df Reich Christi, welches geistlich ist, und der Welt Reich und \u00e4u\u00dferliche Zucht ineinandergekocht haben, also haben sie auch getan mit den satisfactionibus. 24] Aber die Glossen in canonibus zeigen an etlichen vielen Orten an, da\u00df dieselben satisfactiones allein zu einem Exempel vor der Kirche dienen sollen.<\/p>\n<p>25] Hier la\u00dft uns aber sehen, wie die Widersacher solche ihre Tr\u00e4ume gr\u00fcnden und beweisen in der Konfutation, welche sie Kaiserlicher Majest\u00e4t zuletzt aufgeh\u00e4ngt. Sie ziehen viele Spr\u00fcche der Schrift an, da\u00df sie den Unerfahrenen einen Schein machen, als sei ihre Lehre von satisfactionibus in der Schrift gegr\u00fcndet, welche doch noch zu Longobardus\u2019 Zeiten unbekannt war. Sie bringen diese Spr\u00fcche hervor: &#8220;Tut Bu\u00dfe, bring Fr\u00fcchte der Bu\u00dfe!&#8221; Item: &#8220;Begebet eure Gliedma\u00dfen, zu dienen der Gerechtigkeit!&#8221; Item, Christus hat gesagt: &#8220;Tut Bu\u00dfe!&#8221; Item, Christus befiehlt den Aposteln, Bu\u00dfe zu predigen. Item, Petrus predigt Bu\u00dfe in Geschichten der Apostel am 2. Danach zeigen sie an etliche Spr\u00fcche der V\u00e4ter und die Kanones und beschlie\u00dfen, es sollen die Genugtuungen in der Kirche wider das Evangelium, wider der V\u00e4ter und Konzilien Dekrete, wider den Beschlu\u00df der heiligen Kirche nicht abgetan werden, sondern diejenigen, so Absolution erlangen, sollen ihre Bu\u00dfe und Satisfaktion, Genugtuung, so ihnen vom Priester aufgelegt, vollbringen.<\/p>\n<p>26] Gott wolle sch\u00e4nden und strafen solche verzweifelte Sophisten, die so verr\u00e4terisch und b\u00f6slich das heilige Evangelium auf ihre Tr\u00e4ume deuten! Welchem frommen, ehrbaren Mann sollte nicht solch gro\u00dfer, \u00f6ffentlicher Mi\u00dfbrauch g\u00f6ttlichen Wortes im Herzen wehe tun? Christus spricht: &#8220;Tut Bu\u00dfe!&#8221; Die Apostel predigen auch: &#8220;Tut Bu\u00dfe!&#8221; Darum ist durch die Spr\u00fcche bewiesen, da\u00df Gott S\u00fcnden nicht vergebe ohne um der erdichteten Satisfaktion willen? Wer hat die groben unversch\u00e4mten Esel solche Dialektika gelehrt? Es ist aber nicht Dialektik noch Sophistik, sondern es sind Bubenst\u00fccke, mit Gottes Word also zu spielen und so verdrie\u00dflichen Mutwillen [zu] treiben. Darum ziehen sie den Spruch als dunkel und verdeckt an aus dem Evangelio: &#8220;Tut Bu\u00dfe&#8221; usw., da\u00df, wenn die Unerfahrenen h\u00f6ren, da\u00df dies Wort aus dem Evangelio wird wider uns angezogen, [sie] denken sollen, wir seien solche Leute, die gar nichts von der Bu\u00dfe halten. Mit solchen B\u00f6sewichtst\u00fccken gehen sie nit uns um. Wiewohl sie wissen, da\u00df wir recht von der Bu\u00dfe lehren, so wollen sie doch die Leute abschrecken und gern viele Leute wider uns erbittern, da\u00df die Unerfahrenen schreien sollen: Kreuzige, kreuzige solche sch\u00e4dliche Ketzer, welche von der Bu\u00dfe nicht halten! Und werden also \u00f6ffentlich als die L\u00fcgner hier \u00fcberwunden.<\/p>\n<p>27] Aber wir tr\u00f6sten uns des und wissen\u2019s f\u00fcrwahr, da\u00df bei gottesf\u00fcrchtigen, ja bei ehrebaren, frommen, redlichen Leuten solche unversch\u00e4mte L\u00fcgen und F\u00e4lscherei der Heiligen Schrift doch nichts schaffen. So wird auch Gott der Her, als wahr er ein lebendiger Gott ist, solche unversch\u00e4mte Gottesl\u00e4sterung und ungeh\u00f6rte Bosheit nicht lange leiden, sie werden sich gewi\u00df am ersten und andern [zweiten] Gebot Gottes verbrennen. Und nachdem wir in unserer Konfession fast alle h\u00f6chsten Artikel der ganzen christlichen Lehre begriffen haben, also da\u00df \u00fcber diese Sache keine gr\u00f6\u00dfere, hochwichtigere Sache kann unter der Sonne sein, sollte man zu diesen hohen, allerwichtigsten H\u00e4ndeln, die ganze heilige, christliche Religion, Wohlfahrt und Einigkeit der ganzen christlichen Kirche und in aller Welt so viel unz\u00e4hlige Seelen und Gewissen jetzund dieser Zeit und bei unsern Nachkommen belangend, billig mit allem tre\u00fcn, h\u00f6chsten Flei\u00df Leute gesucht und auserlesen haben, die gottesf\u00fcrchtiger, verst\u00e4ndiger, erfahrener, tauglicher und redlicher w\u00e4ren, auch mehr tre\u00fcn, guten Herzens und Sinnes zu gemeinem Nutzen, zur Einigkeit der Kirche, zur Wohlfahrt des Reichs tr\u00fcgen und erzeigten denn die losen, leichtfertigen Sophisten, so die Konfutation geschrieben haben. 28] Und Ihr, Herr Kardinal Campegi, als der Verst\u00e4ndige, dem diese Sache zu Rom vertraut, des Weisheit man r\u00fchmen will, wenn Ihr auch nichts denn des Papsts und Stuhls zu Rom Ehre wolltet achten oder ansehen, h\u00e4ttet hier besser sollen haushalten und diesem mit h\u00f6chstem Flei\u00df vorkommen, da\u00df in solcher so gar gro\u00dfen, trefflichen Sache durch die oder dergleichen Sophisten nicht eine solch ungeschickte confutatio w\u00e4re geschrieben, welche beide zu dieser Zeit und k\u00fcnftig bei den Nachkommen Euch nicht anders denn zu eitelm Spott, zur Verkleinerung eures Ger\u00fcchts und Namens, zu ewigem, unverwindlichem Schimpf und Schaden gereichen wird. 29] Ihr Romanisten seht, da\u00df diese die letzten Zeiten sind vor dem J\u00fcngsten Tag, von welchen Christus warnt, da\u00df viele F\u00e4hrlichkeiten sollen vorfallen in der Kirche. Ihr nun, die ihr wollt W\u00e4chter, die Hirten and H\u00e4upter der Kirche genannt sein, sollt in dieser Zeit mit sonderm, tre\u00fcm, h\u00f6chstem Flei\u00df Aufsehen haben. Es sind viele Zeichen vor Augen schon, da\u00df, wo ihr euch nicht ganz wohl in die Zeit und Sachen schickt und richtet, da\u00df es mit dem ganzen r\u00f6mischen Stuhl und Wesen eine gro\u00dfe, starke Ver\u00e4nderung gewinnnen will. 30] Und d\u00fcrft euch in Sinn nicht nehmen, ja d\u00fcrft nicht gedenken, da\u00df ihr die Gemeinden und Kirchen allein mit dem Schwert und Gewalt wollt bei euch und dem r\u00f6mischen Stuhl erhalten. Denn gute Gewissen schreien nach der Wahrheit und rechtem Unterricht aus Gottes Word, und denselben ist der Tod nicht so bitter, als bitter ihnen ist, wo sie etwa in einem St\u00fccke zweifeln; darum m\u00fcssen sie such, wo sie Unterricht finden. Wollt ihr die Kirche bei euch erhalten, so m\u00fc\u00dft ihr danach trachten, da\u00df ihr recht lehren und predigen la\u00dft; damit k\u00f6nnt ihr einen guten Willen und best\u00e4ndigen Gehorsam anrichten.<\/p>\n<p>34] Wir wollen hier wieder zur Sache kommen. Die Spr\u00fcche aus der Schrift, so angezogen von Widersachern, reden nicht von den Genugtuungen und Satisfaktionen, davon die Widersacher streiten. Darum ist es lauter F\u00e4lscherei der Schrift, da\u00df sie Gottes Wort auf ihre Meinung deuten. Wir sagen, wo rechte Bu\u00dfe, Verne\u00fcrung des Heiligen Geistes, ist im Herzen, da folgen gewi\u00df gute Fr\u00fcchte, gute Werke, und ist nicht m\u00f6glich, da\u00df ein Mensch sollte sich zu Gott bekehren, rechte Bu\u00dfe tun, herzliche Re\u00fc haben, und sollten nicht folgen gute Werke, gute Fr\u00fcchte. Denn ein Herz und Gewissen, das recht seinen Jammer und S\u00fcnde gef\u00fchlt hat, recht erschreckt ist, das wird nicht viele Woll\u00fcste der Welte achten oder suchen. Und wo der Glaube ist, da ist er Gott dankbar, achtet und liebt herzlich seine Gebote. Auch ist inwendig im Herzen gewi\u00dflich keine rechte Bu\u00dfe, wenn wir nicht \u00e4u\u00dferlich gute Werke, christliche Geduld erzeigen. 35] Und also meinet\u2019s auch Johannes der T\u00e4ufer, da er sagt: &#8220;Erzeiget rechte Fr\u00fcchte der Bu\u00dfe.&#8221; Item Paulus, da er sagt zu den R\u00f6mern am 6.: &#8220;Begebet eure Glieder zu Waffen der Gerechtigkeit&#8221; usw. Und Christus, da er spricht: &#8220;Tut Bu\u00dfe!&#8221; redet wahrlich von der ganzen Bu\u00dfe und von dem ganzen ne\u00fcn Leben und seinen Fr\u00fcchten. Er redet nicht von den heuchlerischen Satisfaktionen, davon die Scholastici tr\u00e4umen und d\u00fcrfen sagen, da\u00df sie dann auch gelten vor Gott f\u00fcr die Strafe, wenn sie in Tods\u00fcnden geschehen. Das sollte freilich ein k\u00f6stlicher Gottesdienst sein!<\/p>\n<p>36] Auch so sind sonst viele Argumente und Gr\u00fcnde, da\u00df die obangezeigten Spr\u00fcche der Schrift sich nicht reimen auf die Genugtuungen, davon die Scholastici reden. Sie erdichten und sagen, die satisfactiones seien Werke, die wir nicht schuldig seien. Die Heilige Schrift aber in den Spr\u00fcchen, so eingef\u00fchrt, fordert solche Werke, die wir schuldig sind. Denn dieses Wort Christ, da er sagt: &#8220;Tut Bu\u00dfe!&#8221; ist ein Word des g\u00f6ttlichen Gebots. 37] Item, die Widersacher schreiben, da\u00df diejenigen, so da beichten, ob sie schon die aufgelegten satisfactiones nicht wollen annehmen, da\u00df sie doch darum nicht s\u00fcndigen, sondern werden im Fegfe\u00fcr m\u00fcssen Strafe tragen und genugtun. Nun hat\u2019s je keinen Zweifel, da\u00df diese Spr\u00fcche: &#8220;Tut Bu\u00dfe!&#8221; usw., item Pauli: &#8220;Gebet eure Gliedma\u00dfen, zu dienen der Gerechtigkeit&#8221; und dergleichen Spr\u00fcche, seien Christi und der Apostel, die das Fegfe\u00fcr gar nichts, sondern allein dieses Leben angehen. Derhalben k\u00f6nnen sie nicht gestreckt werden zu den aufgelegten satisfactionibus, die ich mag annehmen oder nicht annehmen; denn Gottes Gebote sind uns nicht also frei heimgestellt usw. 38] Zum dritten, so lehrt des Papsts Recht und Kanon, da\u00df durch den Abla\u00df solche satisfactiones werden erlassen, cap. Quum ex eo, de poenitentiis. Aber der Abla\u00df macht niemand los von diesen Geboten: &#8220;Tut Bu\u00dfe, erzeiget rechte Fr\u00fcchte der Bu\u00dfe!&#8221; usw., Darum ist es hell am Tage, da\u00df man ganz ungeschickt die Spr\u00fcche der Schrift einf\u00fchrt von den satisfactionibus. 39] Denn so die P\u00f6nen [Strafen] des Fegfe\u00fcrs sind satisfactiones oder satispassiones, oder so die satisfactiones sind Quittierung der Pein des Fegfe\u00fcrs, so m\u00fcssen die obangezeigten Spr\u00fcche Christi und Pauli auch beweisen und probieren [dartun], da\u00df die Seelen ins Fegfe\u00fcr fahren und daselbst Pein leiden. So nun das von Not folgt aus den Widersacher Opinion, so m\u00fcssen die Spr\u00fcche alle ne\u00fc R\u00f6cke anziehen und also ausgelegt werden: Facite fructus etc., &#8220;erzeiget rechte Fr\u00fcchte der Bu\u00dfe&#8221;, das ist: Leidet im Fegfe\u00fcr nach diesem Leben. 40] Aber es ist verdrie\u00dflich, so von \u00f6ffentlichem Irrtum der Widersacher mehr Worte zu machen. Denn man wei\u00df f\u00fcrwahr, da\u00df die Schrift an den Orten redet von Werken, die wir schuldig sind, und von dem ganzen ne\u00fcn Leben eines Christen usw., nicht von den erdichteten Werken, die wir nicht schuldig sind, davon die Widersacher reden. Und doch mit diesen L\u00fcgen verteidigen sie die M\u00f6ncherei, das Kaufen und Verkaufen der Messen und unz\u00e4hlige unsere Traditionen, n\u00e4mlich, da\u00df es Werke seien, genugzutun f\u00fcr die P\u00f6n und Strafe, ob sie gleich f\u00fcr die Schuld gegen Gott nicht genugtun.<\/p>\n<p>41] So nun die Spr\u00fcche, aus der Schrift angezogen, gar nicht melden, da\u00df durch die Werke, so wir nicht schuldig [sind], die ewige Pein oder Fegfe\u00fcr bezahlt werden, so sagen die Widersacher ohne allen Grund, da\u00df durch solche satisfactiones die Peinen des Fegfe\u00fcrs abgel\u00f6st werden. So haben auch die Schl\u00fcssel nicht Befehl, Pein aufzulegen oder die Pein zum Teil, halb oder ganz, zu quittieren. Man liest solche Tr\u00e4ume und L\u00fcgen nirgend in der Schrift. Christus redet von Vergebung der S\u00fcnden, da er sagt: &#8220;Was ihr aufl\u00f6set&#8221; usw. Wenn die S\u00fcnde vergeben ist, so ist auch der Tod weggenommen und das ewige Leben gegeben. Auch so redet der Text: &#8220;Was ihr aufl\u00f6set&#8221; usw., nicht von Strafe auflegen, sondern da\u00df auf denjenigen die S\u00fcnden bleiben, die sich nicht bekehren. 42] Wiewohl wir nun halten, da\u00df nach der rechten Bu\u00dfe gute Fr\u00fcchte und Werke folgen sollen, Gott zu Lob und Dank, und von denselben guten Werken und Fr\u00fcchten haben wir Gottes Gebote, als von Fasten, Beten, Almosen usw.: so findet man doch nirgend in der Schrift, da\u00df Gottes Zorn oder die ewigen Peinen sollten m\u00f6gen abgl\u00f6st werden durch die Pein des Fegfe\u00fcrs oder durch satisfactiones oder Genugtun, das ist, durch etliche Werke, die wir ohnedas nicht schuldig w\u00e4ren, oder da\u00df die Gewalt der Schl\u00fcssel Befehl haben, Pein aufzulegen oder einen Teil der Pein zu erlassen. Dasselbe sollten nun die Widersacher aus der Schrift beweisen; das werden sie wohl lassen.<\/p>\n<p>43] Dar\u00fcber so ist es gewi\u00df, da\u00df Christus\u2019 Tod eine Genugtuung ist nicht allein f\u00fcr die Schuld gegen Gott, sondern auch f\u00fcr den ewigen Tod, wie klar der Spruch Hoseas lautet: &#8220;Tod, ich will dein Tod sein.&#8221; Was ist es denn f\u00fcr ein Gre\u00fcl, zu sagen, da\u00df Christi Tod genugt\u00fc f\u00fcr die Schuld gegen Gott, aber die Pein, so wir leiden, die erl\u00f6se uns vom ewigen Tode, also da\u00df dies Wort des Propheten: &#8220;Tod, ich will dein Tod sein&#8221; nicht Christo, sondern von unsern Werken, und dazu von elenden menschlichen Satzungen, die Gott nicht geboten hat, sollen verstanden werden! 44] Und noch dar\u00fcber d\u00fcrfen sie sagen, da\u00df dieselben Werke f\u00fcr den ewigen Tod genugtun, wenn sie gleich in Tods\u00fcnden geschehen. Es mu\u00df billig einem frommen Herzen weh tun die ganz ungeschickte Rede der Widersacher. Denn wer es liest und bedenkt, dem m\u00fcssen je herzlich weh tun solche \u00f6ffentliche Teufelslehren, die der leidige Satan in die Welt gestreut hat, die rechte Lehre des Evangelii unterzudr\u00fccken [zu unterdr\u00fccken], damit niemand oder wenige m\u00f6chten unterrichtet werden, was Gesetz oder Evangelium, was Bu\u00dfe oder Glaube oder was die Wohltaten Christi seien. 45] Denn vom Gesetz sagen sie also: Gott hat unsere Schwachheit angesehen und hat dem Menschen ein Ziel und Ma\u00df gesetzt der Werke, welche er zu tun schuldig ist; das sind die Werke der zehn Gebote usw., da\u00df er von dem \u00fcbrigen, von den operibus supererogationis, das ist, von den Werken, die er nicht schuldig ist, m\u00f6chte genugtun f\u00fcr seine Fehle und S\u00fcnden. Da erdichten sie ihnen selbst einen Traum, als verm\u00f6ge oder k\u00f6nne ein Mensch also Gottes Gesetz erf\u00fcllen, da\u00df er etwas mehr und \u00fcbriges t\u00fc, denn das Gesetz erfordert, so doch die ganze Heilige Schrift zeugt, alle Propheten auch zeugen, da\u00df Gottes Gesetz viel H\u00f6heres fordere, denn wir immer [je] zu tun verm\u00f6gen. Aber sie wollen w\u00e4hnen, das Gesetz Gottes und Gott sei zufrieden mit \u00e4u\u00dferlichen Werken, und sehen nicht, wie das Gesetz fordert, da\u00df wir Gott lieben sollen von ganzem Herzen usw. und aller b\u00f6sen L\u00fcste los sein. Darum ist kein Mensch auf Erden, der so viel tut, als das Gesetz erfordert. Darum ist\u2019s bei Verst\u00e4ndigen ganz n\u00e4rrisch und kindisch anzusehen, da\u00df sie erdichten wir k\u00f6nnen noch etwas mehr tun, denn das g\u00f6ttliche Gesetz erfordert. Denn wiewohl wir die armen, \u00e4u\u00dferlichen Werke tun k\u00f6nnen, die nicht Gott, sondern Menschen geboten haben, welche Paulus bettelische Satzungen nennt, so ist doch das ein n\u00e4rrisch, vergeblich Vertra\u00fcn, da\u00df ich vertra\u00fcn wollte, ich h\u00e4tte damit Gottes Gesetz erf\u00fcllt, ja mehr getan, denn Gott erfordert. Item, rechte Gebete und rechte Almosen, rechte Fasten, die sind von Gott geboten, und im Fall, da sie von Gott geboten sind in Gottes Gesetz, sondern haben eine Form nach menschlicher Wahl, so sind sie nichts denn Menschensatzungen, von welchen Christus sagt: &#8220;Sie dienen mir vergeblich mit Menschengeboten.&#8221; Wie denn sind etliche gewisse Fasten, nicht dazu erfunden, das Fleisch zu z\u00e4hmen, sondern damit Gott zu ehren und, wie Scotus sagt, des ewigen Todes los zu werden. Item, wie denn sind etliche Gebete, etliche gewisse Almosen, welche sollen ein Gottesdienst sein, welcher ex opere operato Gott vers\u00f6hne und von ewiger Verdammnis erl\u00f6se. Denn sie sagen und lehren, da\u00df solche Werke ex opere operato, das ist, durchs getane Werk, f\u00fcr die S\u00fcnde genugtun, und lehren, da\u00df solche Satisfaktion gelte, obgleich einer in Tods\u00fcnden liegt. 47] Dar\u00fcber sind noch Werke, die noch weniger g\u00f6ttlichen Befehl oder Gebot haben, als da sind Rosenkr\u00e4nze, Wallfahrten, welche denn mancherlei sind. Denn etliche gehen in vollem Harnisch zu St. Jakob, etliche mit blo\u00dfen F\u00fc\u00dfen und dergleichen. Das nennt Christus vergebliche, unn\u00fctze Gottesdienste. Darum sind sie nicht n\u00fctze, Gott zu vers\u00f6hnen, wie doch die Widersacher sagen, und dieselben Werke, als Wallfahrten, r\u00fchmen sie doch und achten\u2019s f\u00fcr gro\u00dfe, k\u00f6stliche Werke, nennen es opera supererogationis, und, das sch\u00e4ndlicher ist, das noch gottesl\u00e4sterlicher ist, man gibt ihnen die Ehre, die Christi Tod und Blut allein geb\u00fchrt, da\u00df sie sollen das pretium, das ist, der Schatz, sein, damit wir von dem ewigen Tod erl\u00f6st sind. Pfui des leidigen Teufels, der Christus\u2019 heiligen und teuren Tod so schm\u00e4hen und l\u00e4stern darf! 48] Also werden dieselben Wallfahrten vorgezogen den rechten Werken, so in den zehn Geboten sind ausgedr\u00fcckt, und wird also [auf] zweierlei Weise Gottes Gesetz verdunkelt: erstlich, da\u00df sie w\u00e4hnen, sie haben dem Gesetz genuggetan, so sie die \u00e4u\u00dferlichen Werke getan haben; zum andern, da\u00df sie die elenden Menschensatzungen h\u00f6her achten denn die Werke, so Gott geboten hat.<\/p>\n<p>49] Dar\u00fcber wird auch unterdr\u00fcckt die Lehre von der Bu\u00dfe und Gnade. Denn der ewige Tod und die \u00cbngste der H\u00f6lle lassen sich nicht also quittieren, wie sie w\u00e4hnen wollen. Man mu\u00df gar viel einen andern und gr\u00f6\u00dferen Schatz haben, dadurch wir vom Tode, ewigen \u00cbngsten und Schmerzen erkauft werden, denn unsere Werke sind. Denn solche Werkheiligkeit ist ein m\u00fc\u00dfig Ding, und die Werkheiligen schmecken nicht einmal, was der Tod ist, sondern wie Gottes Zorn nicht anders mag noch kann \u00fcberwunden werden denn durch den Glauben an Christum, also wird auch der Tod \u00fcberwunden allein durch Christum, wie Paulus sagt: &#8220;Gott sei Lob, der uns Sieg gibt durch Jeum Christum, unsern Hern.&#8221; Er sagt nicht: der uns Sieg gibt durch unsere Genugtuung. 50] Die Widersacher reden fast [=sehr] kalt und schl\u00e4frig von der Vergebung der S\u00fcnden gegen Gott und sehen nicht, da\u00df Vergebung solcher Schuld und Erl\u00f6sung von Gottes Zorn und ewigem Tods ein solch gro\u00df Ding ist, da\u00df solches allein durch den einigen Mittler Christum und durch den Glauben an ihn erlangt wird. So nun der Tod und das Blut Christi die rechte Bezahlung ist f\u00fcr den ewigen Tod, und die Widersacher selbst bekennen, da\u00df solche Werke der Satisfaktion Werke seien, die wir nicht schuldig sind, sondern Menschensatzungen, von welchen Christus Matth. am 15. sagt, da\u00df es vergebliche Gottesdienste seien, so m\u00f6gen wir frei auch aus ihren eigenen Worten schlie\u00dfen, da\u00df solche satisfactiones nicht von Gott geboten sind, auch ewige Pein und Schuld oder Pein des Fegfe\u00fcrs nicht abl\u00f6sen.<\/p>\n<p>51] Es werden die Widersacher vielleicht uns hier vorwerfen, da\u00df die Pein und Strafe eigentlich zur Bu\u00dfe geh\u00f6re. Denn Augustinus sagt, &#8220;die Bu\u00dfe sei eine Rache, Angst und Strafe \u00fcber die S\u00fcnde&#8221;. Antwort: unsere Widersacher sind grobe Esel, da\u00df sie die Worte Augustini, der da redet von der Re\u00fc und ganzen Bu\u00dfe, deuten auf die Zeremonie der Satisfaktion und weiter noch daran h\u00e4ngen, da\u00df solche satisfactio soll verdienen Vergebung des ewigen Todes. Wir lehren auch, da\u00df in der Bu\u00dfe Strafe der S\u00fcnden sei; denn die gro\u00dfen Schrecken, dadurch die S\u00fcnde in uns gerichtet wird, ist eine Strafe, viel gr\u00f6\u00dfer und h\u00f6her denn Wallfahrten und dergleichen Gaukelspiel. Aber solch Schrecken geht die satisfactiones nicht an, so verdient es auch nicht Vergebung der S\u00fcnden oder des ewigen Todes, sondern wo wir nicht durch [den] Glauben getr\u00f6stet w\u00fcrden, w\u00e4re solch Schrecken und Strafe eitel S\u00fcnde und Tod. Also lehrt Augustinus von der Strafe. Aber unsere Widersacher, die groben Esel, wissen gar nicht, was Bu\u00dfe oder Re\u00fc sei, sondern gehen mit ihrem Gaukelspiel um, mit Rosenkr\u00e4nzen, Wallfahrten und dergleichen.<\/p>\n<p>53] Aber da sprechen sie: Gott, als [da] er ein gerechter Richter ist, mu\u00df die S\u00fcnde ohne Strafe nicht lassen. Ja, wahrlich straft er die S\u00fcnde, wenn er in solchem Schrecken die Gewissen so stark mit seinem Zorn dr\u00e4ngt und \u00e4ngstet, wie David im 6. Psalm sagt: &#8220;HErr, strafe mich nicht in deinem Grimm!&#8221; Und Jeremias am 10. Kapitel: &#8220;Strafe mich, Her, doch mit Gnaden, nicht in deinem Grime, da\u00df ich nicht vergehe.&#8221; Da redet er wahrlich von gro\u00dfer, uns\u00e4glicher Angst, und die Widersacher selbst bekennen, die Re\u00fc k\u00f6nne so bitter und geschwind [heftig] sein, da\u00df die Satisfaktion nicht not sei. Darum ist die contritio oder Re\u00fc gewisser eine Pein denn die satisfactio. 54] Dar\u00fcber m\u00fcssen die Heiligen den Tod, allerlei Kreuz und Tr\u00fcbsal tragen wie die andern; wie Petrus sagt 1 Petr. 4: &#8220;Es ist Zeit, das Gericht anzufangen an dem Hause Gottes.&#8221; Und wiewohl dieselben Tr\u00fcbsale oft P\u00f6n und Strafe sind \u00fcber die S\u00fcnde, so haben sie doch in den Christen eine andere Ursache, n\u00e4mlich da\u00df sie sollen die Christen treiben und \u00fcben, da\u00df sie in Anfechtung merken ihren schwachen Glauben und lernen Gottes Hilfe und Trost suchen, wie Paulus von ihm selbst sagt 2 Kor 1: &#8220;Da wir \u00fcber die Ma\u00dfen beschweret waren und \u00fcber Macht, also da\u00df wir bei uns beschlossen hatten, wir m\u00fc\u00dften sterben, damit wir lerneten nicht auf uns vertra\u00fcn.&#8221; Und Jesaias sagt: &#8220;Die Not und Angst, darin sie stecken und dich anrufen, ist ihnen eine Zucht&#8221;, das ist, die Tr\u00fcbsal ist die Kinderzucht, dadurch Gott \u00fcbt die Heiligen. 55] Item, die Tr\u00fcbsale auch schickt uns Gott zu, die S\u00fcnde in uns, so noch \u00fcbrig ist, zu t\u00f6ten und zu d\u00e4mpfen, da\u00df wir im Geist verne\u00fcrt werden; wie Paulus R\u00f6m. 8 sagt: &#8220;Der Leib ist tot um der S\u00fcnde willen&#8221;, das ist, er wird t\u00e4glich mehr und mehr get\u00f6tet um der S\u00fcnde willen, die noch im Fleisch \u00fcbrig ist, und der Tod selbst dient dazu, da\u00df er des s\u00fcndlichen Fleisches ein Ende mache, und da\u00df wir gar heilig und verne\u00fcrt aufstehen von [den] Toten. 57] Von diesen Tr\u00fcbsalen und P\u00f6nen werden wir nicht los durch die satisfactiones; derhalben kann man nicht sprechen, da\u00df die satisfactiones gelten f\u00fcr solch Kreuz und Tr\u00fcbsal und zeitliche Strafen der S\u00fcnden wegnehmen. Denn dies ist gewi\u00df, da\u00df die Gewalt der Schl\u00fcssel niemand frei, los absolvieren kann vom Kreuz oder von andern gemeinen Tr\u00fcbsalen. Und so sie wollen, da\u00df das Wort poenae, dadurch genuggetan wird, solle von gemeinen Tr\u00fcbsalen verstanden werden, wie lehren sie denn, man m\u00fcsse im Fegfe\u00fcr genugtun?<\/p>\n<p>58] Sie werfen uns Exempel vor von Adam und David, welcher um seines Ehebruchs willen gestraft ist. Aus den Exempeln mache sie eine Regel, da\u00df jegliche S\u00fcnde m\u00fcsse ihre gewisse zeitliche Strafe haben, ehe die S\u00fcnden vergeben werden. 59] Ich habe vor [hin] gesagt, da\u00df die Christen Tr\u00fcbsal leiden, dadurch sie gez\u00fcchtigt werden, so leiden sie Schrecken im Gewissen, manchen Kampf und Anfechtung. Also legt unser Hergott auch etliches S\u00fcndern eigene P\u00f6n und Strafe auf zu einem Exempel. Und mit den P\u00f6nen hat die Gewalt der Schl\u00fcssel nichts zu tun, sondern allein Gott hat sie aufzulegen und zu l\u00f6sen, wie er will.<\/p>\n<p>Es folgt auch gar nicht, ob [weil] David eine eigene Strafe aufgelegt ist, da\u00df darum \u00fcber das gemeine Kreuz und Tr\u00fcbsal aller Christen noch eine Pein des Fegfe\u00fcrs sei, da eine jegliche S\u00fcnde ihren Grad und Ma\u00df der Pein hat. 60] Denn es ist nirgend in der Schrift zu finden, da\u00df wir von ewiger Pein und Tod nicht sollten k\u00f6nnen erl\u00f6st werden denn durch solche Quittierung unsers Leidens und Genugtuns. Aber allenthalben zeugt die Schrift, da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden ohne Verdienst erlangen durch Christum, und da\u00df Christus allein die S\u00fcnde und den Tod \u00fcberwunden hat. Darum sollen wir unser Verdienst nicht daran pletzen [ann\u00e4hen] und flicken. Und wiewohl Christen allerlei P\u00f6n, Strafe und Tr\u00fcbsal leiden m\u00fcssen, so zeigt doch die Schrift an, da\u00df solche uns aufgelegt werden, den alten Adam zu t\u00f6ten und zu dem\u00fctigen, nicht damit uns von dem ewigen Tod zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>61] Hiob wird entschuldigt in der Schrift, da\u00df er nicht geplagt sei um einiger b\u00f6sen Taten willen. Darum sind die Tr\u00fcbsale und Anfechtungen nicht allezeit g\u00f6ttlichen Zornes Zeichen, sondern man mu\u00df die Gewissen flei\u00dfig unterrichten, da\u00df sie die Tr\u00fcbsale lernen gar viel anders ansehen, n\u00e4mlich als Gnadenzeichen, da\u00df sie nicht denken, Gott habe sie von sich gesto\u00dfen, wenn sie in Tr\u00fcbsalen sind. Man soll die andern rechten Fr\u00fcchte des Kreuzes ansehen, n\u00e4mlich da\u00df Gott uns angreift und darum ein fremd Werk tut, wie Jesaias sagt, damit er sein eigen Werk in uns haben m\u00f6ge; wie er denn davon eine lange, tr\u00f6stliche Predigt macht im 28. Kapitel. 62] Und da die J\u00fcnger fragten von dem Blinden, Joh. 9, sagt Christus, da\u00df weder des Blinden Eltern noch er ges\u00fcndigt habe, sondern Gottes Ehre und Werke m\u00fc\u00dften offenbart werden. Und also sagt auch Jeremias der Prophet: &#8220;Diejenigen, so nicht schuld dran haben, sollen auch den Kelch trinken&#8221; usw. Also sind die Propheten erw\u00fcrgt, also ist Johannes Baptista get\u00f6tet und andere Heilige. 63] Darum sind die Tr\u00fcbsale nicht allzeit Strafen oder P\u00f6nen f\u00fcr die vorigen S\u00fcnden, sondern sind Gottes Werke zu unserm Nutz gerichtet, da\u00df Gottes St\u00e4rke und Kraft in unserer Schwachheit desto klarer erkannt werde, wie er mitten im Tode helfen kann usw.<\/p>\n<p>Also sagt Paulus: &#8220;Gottes Kraft und St\u00e4rke l\u00e4\u00dft sich in Schwachheit erfahren und sehen.&#8221; Darum sollen wir unsere Leiber opfern in Gottes Willen, unsern Gehorsam und Geduld zu erzeigen, nicht von dem ewigen Tode oder ewiger Pein uns zu erl\u00f6sen. Denn da hat Gott einen andern Schatz verordnet, n\u00e4mlich den Tod seines Sohnes, unsers Hern Christi. 64] Und also legt St. Gregorius das Exempel Davids aus, da er sagt: &#8220;So Gott um derselben S\u00fcnde willen ihm gedr\u00e4ut hat, da\u00df er also von seinem eigenen Sohn sollte gedem\u00fctigt werden, warum hat er denn solches ergehen lassen, da die S\u00fcnde schon vergeben war? Ist zu antworten, da\u00df die Vergebung geschehen ist, da\u00df der Mensch nicht verhindert w\u00fcrde, das ewige Leben zu empfangen. Die gedr\u00e4ute Strafe ist nichtsdestoweniger gefolgt, da\u00df er ihn pr\u00fcfte und in Demut behielte. Also hat auch Gott dem Menschen den nat\u00fcrlichen Tod aufgelegt und denselben auch, als die S\u00fcnde vergeben, nicht weggenommen, damit bew\u00e4hrt werden und gepr\u00fcft diejenigen, welchen S\u00fcnde vergeben und sie geheiligt werden.&#8221;<\/p>\n<p>65] Nun ist \u00f6ffentlich, da\u00df die Schl\u00fcssel diese gemeine Strafe, als Krieg, Teurung und dergleichen Plagen, nicht wegnehmen; item, da\u00df auch canonicae satisfactiones uns nicht losmachen von solchen Plagen, also da\u00df unsere satisfactiones daf\u00fcr helfen oder gelten sollten, wenn wir schon in Tods\u00fcnden liegen. Auch bekennen die Widersacher selbst, da\u00df sie die satisfactiones auflegen nicht f\u00fcr solche gemeine Plagen, sondern f\u00fcr das Fegfe\u00fcr. Darum sind ihre satisfactiones eitel erdichtete Tr\u00e4ume. 66] Aber hier ziehen etliche den Spruch Pauli an 1 Kor. 11: &#8220;So wir uns selbst richteten, so w\u00fcrden wir nicht gerichtet.&#8221; Daraus schlie\u00dfen sie: so wir uns selbst Strafe auflegten, w\u00fcrde Gott gn\u00e4diger strafen. Antwort: Paulus redet von Besserung des ganzen Lebens, nicht von \u00e4u\u00dferlicher Strafe und Zeremonie, darum tut dieser Spruch nichts zur Satisfaktion. Denn was fragt Gott nach der Strafe ohne Besserung? Ja, es ist eine greuliche Gottesl\u00e4sterung, da\u00df man lehrt, unsere Satisfaktion lindert Gottes Strafe, wenn sie schon in Tods\u00fcnden geschieht. Paulus redet von Re\u00fc und Glauben und von der ganzen Besserung, redet nicht von der \u00e4u\u00dferlichen Strafe allein. Darum kann man hieraus nicht mehr erzwingen denn: so wir uns bessern, so wende Gott seine Strafe ab. Das ist wahr und ist n\u00fctzlich, tr\u00f6stlich und not zu predigen, da\u00df Gott die Strafe lindert, wenn wir uns bessern, wie er mit Ninive tat. Und also lehrt Jesaias im 1. Kapitel: &#8220;Wennschon eure S\u00fcnden blutrot sind, sollen sie dennoch ab und schneewei\u00df sein, wenn ihr euch bessert.&#8221; 68] Und diese Besserung steht nicht in der canonica satisfactione, sondern in andern St\u00fccken der Bu\u00dfe, in Re\u00fc, im Glauben, in guten Werken, so folgen nach dem Glauben. Aber unsere Widersacher deuten diese tr\u00f6stlichen Spr\u00fcche auf ihre L\u00fcgen und Gaukelspiel von der Satisfaktion.<\/p>\n<p>70] Da\u00df aber die alten Lehrer und V\u00e4ter der Satisfaktion gedenken, da\u00df die Concilia von den satisfactionibus Canones gemacht, habe ich droben gesagt, es sei eine \u00e4u\u00dferliche Zeremonie gewesen, und ist der V\u00e4ter Meinung nicht gewesen, da\u00df dieselbe Zeremonie der Bu\u00dfe sollte ein Ausl\u00f6schen sein der Schuld gegen Gott oder der Pein. Denn so etliche V\u00e4ter gleich sind, die des Fegfe\u00fcrs gedenken, so legen sie es doch selbst auf: ob es auch w\u00e4re, so sei es doch nicht Erl\u00f6sung von ewigem Tod und Pein, welches Christus allein tut, sondern da\u00df es ein Reinigen und Fegen sei (wie sie reden) der unvollkommenen Seelen. Also sagt Augustinus: &#8220;Die t\u00e4glichen S\u00fcnden werden verbrannt und ausgel\u00f6scht, also schwacher Glaube gegen Gott und dergleichen&#8221; usw. 71] Man findet auch an etlichen Orten, da\u00df die V\u00e4ter das Word satisfactio oder Genugtuung, welches urspr\u00fcnglich von der Zeremonie der \u00f6ffentlichen P\u00f6nitenz herkommt, wie ich gesagt, brauchen f\u00fcr rechte Re\u00fc und T\u00f6tung des alten Adams. Also sagt Augustinus [Gennadius von Massilia]: &#8220;Die rechte satisfactio oder Genugtuung ist, Ursachen der S\u00fcnden abschneiden, das ist, das Fleisch t\u00f6ten&#8221; usw. item, &#8220;das Fleisch z\u00e4hmen und kasteien; nicht da\u00df ewiger Tod oder Pein damit quittiert werde, sondern da\u00df uns das Fleisch nicht zu S\u00fcnden ziehen m\u00f6ge&#8221;.<\/p>\n<p>72] Also sagt Gregorius von Wiedergeben fremder G\u00fcter, da\u00df es eine falsche Bu\u00dfe sei, wenn denjenigen nicht genug geschieht, deren G\u00fcter wir mit Unrecht innehaben. Denn den gere\u00fct\u2019s nicht, da\u00df er gestohlen hat, der noch immer stiehlt. Denn solange er fremd Gut innehat, so lange ist er ein Dieb oder R\u00e4uber. Dieselbe satisfactio gegen die, so einer schuldig ist, soll gegen dieselben geschehen, und von derselben civili satisfactione ist nicht not, hier zu disputieren.<\/p>\n<p>74] Item, die V\u00e4ter schreiben, da\u00df es genug sei, da\u00df einmal im ganzen Leben geschehe die publica P\u00f6nitenz oder die \u00f6ffentliche Bu\u00dfe, davon die canone satisfactionum gemacht sind. Daraus kann man merken, da\u00df ihre Meinung nicht gewesen, da\u00df dieselben Canones n\u00f6tig sein sollten zur Vergebung der S\u00fcnden. Denn ohne dieselben Zeremonien der \u00f6ffentlichen Bu\u00dfe lehren sie sonst viel von der christlichen Bu\u00dfe, da sie der canones satisfactionum nicht gedenken.<\/p>\n<p>75] Die Esel so die Konfutation gestellt haben, sagen, es sei nicht zu leiden, da\u00df man die satisfactiones wider das \u00f6ffentliche Evangelium wolle abtun. Wir haben aber bisanher klar genug angezeigt, da\u00df dieselben canonicae satisfactiones, das ist, solche Werke wie sie davon reden, so wir nicht schuldig sind, in der Schrift oder Evangelio nicht gegr\u00fcndet sind. 76] So zeigt das die Sache an ihr selbst an. Dann wenn die satisfactiones Werke sind, die man nicht schuldig ist, warum sagen sie, wir lehren wider das klare Evangelium? Dann so im Evangelio st\u00fcnde, da\u00df die ewigen Pein und Tod weggenommen w\u00fcrden durch solche Werke, so w\u00e4ren es Werke, die man vor Gott zu tun schuldig w\u00e4re. Aber sie reden also, da\u00df sie den Unerfahrenen einen Schein vor der Nase machen, und ziehen Spr\u00fcche der Heiligen Schrift an, welche von rechten christlichen Werken, die wir schuldig sind, reden, so sie doch ihr Genugtun gr\u00fcnden auf Werke, die wir nicht schuldig sind, und welche sie opera non debita nennen. Sie lehren und geben selbst nach in ihren Schulen, da\u00df man ohne Tods\u00fcnde solche Satisfaktionen k\u00f6nne nachlassen. Darum ist das falsch, da\u00df sie sagen, das klare Evangelium verm\u00f6ge [verf\u00fcge, gebiete], man m\u00fcsse die satisfactiones halten.<\/p>\n<p>77] Weiter haben wir nun oft gesagt, da\u00df rechtschaffene Bu\u00dfe ohne gute Werke und Fr\u00fcchte nicht sein k\u00f6nne, und was rechte gute Werke seien, lehren die zehn Gebote, n\u00e4mlich Gott den Herrn wahrlich und von Herzen am h\u00f6chsten gro\u00df achten, f\u00fcrchten und lieben, ihn in N\u00f6ten fr\u00f6hlich anrufen, ihm allezeit danken, sein Wort bekennen, dasselbe Wort h\u00f6ren, auch andere dadurch tr\u00f6sten, lehren, Eltern und Obrigkeit gehorsam sein, seines Amts und Berufs treulich warten, nicht bitter, nicht [ge]h\u00e4ssig sein, nicht t\u00f6ten, sondern tr\u00f6stlich, freundlich sein dem N\u00e4chsten, den Armen nach Verm\u00f6gen helfen, nicht huren, nicht ehebrechen, sondern das Fleisch allenthalben im Zaum halten. Und das alles, nicht f\u00fcr den ewigen Tod oder ewige Pein genugzutun, welches Christo allein geb\u00fchrt, sondern also zu tun, damit dem Teufel nicht Raum gegeben werde und Gott erz\u00fcrnt und der Heilige Geist betr\u00fcbt und geunehrt werde. Diese Fr\u00fcchte und guten Werke hat Gott geboten, haben auch ihre Belohnung, und um Gottes Ehre und g\u00f6ttlichen Gebots willen sollen sie auch geschehen. Da\u00df aber die ewigen Peinen nicht anders erlassen werden denn allein durch Genugtun im Fegfe\u00fcr oder etliche gute Werke menschlicher Traditionen, da sagt die Heilige Schrift nirgend von. 78] Durch den Abla\u00df werden etwa solche aufgelegte Bu\u00dfe und Satisfaktion quittiert den publice poenitentibus oder B\u00fc\u00dfern, da\u00df die Leute nicht zu sehr beschwert werden. Haben nun Menschen Macht, die satisfactiones und aufgelegten Strafen oder P\u00f6nen zu erlassen, so ist solche satisfactio von Gott nicht geboten. Denn g\u00f6ttlichen Befehl und Gebot kann ein Mensch nicht abtun. Nachdem aber die alte Weise der \u00f6ffentlichen Bu\u00dfe und Genugtuung ist vorl\u00e4ngst abgetan, welches die Bisch\u00f6fe von einer Zeit auf die andere haben geschehen lassen, ist des Ablasses nicht vonn\u00f6ten, und ist doch der Name indulgentia oder Abla\u00df in der Kirche geblieben. Gleichwie nun das Wort satisfactio ist anders verstanden denn f\u00fcr eine Kirchenordnung und Zeremonie, also hat man dies Wort Indulgenz oder Abla\u00df auch unrecht gedeutet und ausgelegt f\u00fcr solche Gnade und Abla\u00df, durch welchen die Seelen aus den Fegfe\u00fcr erlosest werden, 79] so doch die ganze Gewalt der Schl\u00fcssel in der Kirche nicht weiter sich erstreckt denn allein hier auf Erden, wie der Text lautet: &#8220;Was du binden wirst auf Erden, das soll gebunden sein im Himmel; was du aufl\u00f6sen wirst auf Erden, das soll aufgel\u00f6st sein im Himmel.&#8221; So ist die Gewalt der Schl\u00fcssel nicht eine solche Gewalt, sonderliche eigene Strafen oder Gottesdienst aufzurichten, sondern allein S\u00fcnden zu vergeben denjenigen, so sich bekehren, und zu verbannen [bannen] diejenigen, so sich nicht bekehren. Denn aufl\u00f6sen an dem Ort hei\u00dft S\u00fcnden vergeben, binden hei\u00dft S\u00fcnden nicht vergeben. Denn Christus redet von einem geistlichen Reich, und Gott hat befohlen, diejenigen, so sich bekehren, von S\u00fcnden zu entbinden, wie Paulus sagt: &#8220;Die Gewalt ist uns gegeben zu erba\u00fcn und nicht zu brechen.&#8221; 80] Darum ist auch die reservatio casuum, das ist, darin der Papst und die Bisch\u00f6fe etliche F\u00e4lle vorbehalten, ein \u00e4u\u00dferlich, weltlich Ding. Denn sie behalten ihnen vor die Absolution a poena canonica, nicht von der Schuld gegen Gott. Darum lehren die Widersacher recht, da sie selbst bekennen und sagen, da\u00df an [in] der Todesstunde eine solchereservatio oder Vorbehaltung nicht solle hindern die rechte christliche Absolution.<\/p>\n<p>81] Hiermit haben wir die Summa unserer Lehre von der Bu\u00dfe angezeigt und wissen f\u00fcrwahr, da\u00df dieselbe christlich und frommen Herzen ganz n\u00fctzlich ist und hoch vonn\u00f6ten. Und so gottesf\u00fcrchtige, fromme, ehrbare Leute diesen allerwichtigsten Handel nach Notdurft bedenken werden und diese unsere, ja Christi und der Apostel Lehre halten gegen so viele ungeschickte, verworrene, kindische Disputationen und B\u00fccher der Widersacher, so werden sie befinden, da\u00df sie das allerh\u00f6chste, n\u00f6tigste St\u00fcck, n\u00e4mlich vom Glauben an Christum, ohne welches niemand etwas Rechtschaffenes, Christliches lehren oder lernen mag, gar haben ausgelassen, dadurch allein die Gewissen m\u00f6gen rechten Trost haben. Die werden auch sehen, da\u00df die Widersacher viel aus eigenem Hirn erdichten von Verdienst der Attrition, von der Erz\u00e4hlung der S\u00fcnden, von Genugtuung, welches alles in der Schrift ungegr\u00fcndet und weder oben noch unten anreicht, welches die Widersacher selbst nicht verstehen. <\/p>\n<p>Artikel XIII. (VII.) Von den Sakramenten und ihrem rechten Gebrauch<\/p>\n<p>1] Im dreizehnten Artikel lassen ihnen die Widersacher gefallen, da\u00df wir sagen, die Sakramente sind nicht schlechte Zeichen, dabei die Leute untereinander sich kennen, wie Losung im Krieg und Hoffarbe usw., sondern sind kr\u00e4ftige Zeichen und gewisse Zeugnisse g\u00f6ttlicher Gnade und Willens gegen uns, dadurch Gott unsere Herzen erinnert und st\u00e4rkt, desto gewisser und fr\u00f6hlicher zu glauben. 2] Aber hier wollen sie haben, wir sollen auch bekennen, da\u00df an der Zahl sieben Sakramente seien, nicht mehr noch weniger. Darauf sprechen wir, da\u00df not sei, diese Zeremonien und Sakramente, die Gott eingesetzt hat durch sein Wort, wie viele und in was Zahl die sind, zu erhalten. Aber von dieser Zahl der sieben Sakramente befindet man, da\u00df die V\u00e4ter selbst nicht gleich gez\u00e4hlt haben; so sind auch diese sieben Zeremonien nicht alle gleich n\u00f6tig.<\/p>\n<p>3] So wir Sakramente nennen die \u00e4u\u00dferlichen Zeichen und Zeremonien, die da haben Gottes Befehl und haben eine angeheftete g\u00f6ttliche Zusage der Gnade, so kann man bald schlie\u00dfen, was Sakramente seien. Denn Zeremonien und andere \u00e4u\u00dferliche Dinge, von Menschen eingesetzt, sind auf die Weise nicht Sakramente. Denn Menschen ohne Befehl haben nicht Gottes Gnade zu verhei\u00dfen. Darum Zeichen, so ohne Gottes Befehl sind eingesetzt, die sind nicht Zeichen der Gnade, wiewohl sie den Kindern und groben Leuten sonst m\u00f6gen eine Erinnerung bringen, als ein gemalt Kreuz. 4] So sind nun rechte Sakramente die Taufe und das Nachtmahl des Herrn, die Absolution. Denn diese haben Gottes Befehl, haben auch Verhei\u00dfung der Gnade, welche denn eigentlich geh\u00f6rt zum Ne\u00fcn Testament und ist das Ne\u00fc Testament. Denn dazu sind die \u00e4u\u00dferlichen Zeichen eingesetzt, da\u00df dadurch bewegt werden die Herzen, n\u00e4mlich durchs Wort und \u00e4u\u00dferliche Zeichen zugleich, da\u00df sie glauben, wenn wir getauft werden, wenn wir des Herrn Leib empfangen, da\u00df Gott uns wahrlich gn\u00e4dig sein will durch Christum; wie Paulus sagt: &#8220;Der Glaube ist aus dem Geh\u00f6r.&#8221; Wie aber das Wort in die Ohren geht, also ist das \u00e4u\u00dferliche Zeichen vor die Augen gestellt, als [um] inwendig das Herz zu reizen und zu bewegen zum Glauben. Denn das Wort und \u00e4u\u00dferliche Zeichen wirken einerlei im Herzen, wie Augustinus ein fein Wort geredet hat. &#8220;Das Sakrament&#8221;, sagt er, &#8220;ist ein sichtlich Wort.&#8221; Denn das \u00e4u\u00dferliche Zeichen ist das durchs Wort gepredigt wird; darum richtet beides einerlei aus.<\/p>\n<p>6] Aber die confirmatio and die letzte \u00d6lung sind Zeremonien, welche von den alter V\u00e4tern hergekommen, welche auch die Kirche nie als f\u00fcr n\u00f6tig zur Seligkeit geachtet hat. Denn sie haben nicht Gottes Befehl noch Gebot. Darum ist\u2019s wohl gut, dieselben zu unterscheiden von den obangezeigten, welche durch Gottes Wort eingesetzt und befohlen sind und eine angeheftete Zusage Gottes haben.<\/p>\n<p>7] Durch das Sakrament des Ordens oder Priesterschaft verstehen die Widersacher nicht das Predigtamt und das Amt, die Sakramente zu reichen und au\u00dfuteilen, sondern verstehen [es] von Preistern, die zu opfern geordnet seien. Gleich als m\u00fcsse im Ne\u00fcn Testament ein Priestertum sein, wie das levitische Priestertum gewesen, da die Priester f\u00fcr das Volk opfern und den andern Vergebung der S\u00fcnden erlangen. 8] Wir aber lehren, da\u00df das einige Opfer Christi am Kreuze genuggetan hat f\u00fcr aller Welt S\u00fcnden, und da\u00df wir nicht eines andern Opfers f\u00fcr die S\u00fcnden bed\u00fcrfen. 10] Denn wir haben im Ne\u00fcn Testament nicht ein solch Priestertum, wie das levitische Priestertum war, wie die Epistel zu den Hebr\u00e4ern lehrt. 11] Wo man aber das Sakrament des Ordens wollte nennen ein Sakrament von dem Predigtamt und Evangelio, so h\u00e4tte es keine Beschwerung, die Ordination ein Sakrament zu nennen. Denn das Predigtamt hat Gott eingesetzt und geboten und hat herrliche Zusage Gottes, R\u00f6m. 1: &#8220;Das Evangelium ist eine Kraft Gottes allen denjenigen, so daran glauben&#8221; usw., Jes. 55: &#8220;Das Wort, das aus meinem Munde gehet, soll nicht wieder leer zu mir kommen, sondern tun, was mir gef\u00e4llt.&#8221; 12] Wenn man das Sakrament des Ordens also verstehen wollte, so m\u00f6chte man auch das Auflegen der H\u00e4nde ein Sakrament nennen. Denn die Kirche hat Gottes Befehl, da\u00df sie soll Prediger und Diakonos bestellen. Dieweil nun solches sehr tr\u00f6stlich ist, so wir wissen, da\u00df Gott durch Menschen und diejenigen, so von Menschen gew\u00e4hlt sind, predigen und wirken will, so ist\u2019s gut, da\u00df man solche Wahl hoch r\u00fchme und ehre, sonderlich wider die teuflichen Anabaptisten, welche solche Wahl samt dem Predigtamt und leiblichen Wort verachten und l\u00e4stern.<\/p>\n<p>14] Aber der eheliche Stand ist nicht erst eingesetzt im Ne\u00fcn Testament, sondern bald als das menschliche Geschlecht erst geschaffen ist. Und er ist auch durch Gott befohlen und geboten. Er hat auch g\u00f6ttliche Zusagungen, welche wohl nicht eigentlich zum Ne\u00fcn Testament geh\u00f6ren, sondern mehr das leibliche Leben angehen. Darum so es jemand will ein Sakrament nennen, fechten wir [dies] nicht hoch an. Es soll aber gleichwohl abgesondert werden von den vorigen zwei, welche eigentlich Zeichen und Siegel sind des Ne\u00fcn Testaments. 15] Denn so der Ehestand allein darum sollte ein Sakrament hei\u00dfen, da\u00df Gott denselben eingesetzt und befohlen hat, so m\u00fc\u00dften die andern \u00cbmter und St\u00e4nde auch Sakramente genannt werden, die auch in Gottes Wort und Befehl gehen, als Obrigkeit oder Magistrat usw.<\/p>\n<p>16] Und endlich, so man alle Dinge wollte mit so herrlichem Titel Sakramente nennen, darum da\u00df sie Gottes Wort und Befehl haben, so sollte man billig vor allen andern das Gebet ein Sakrament nennen. Denn da ist ein starker Gottesbefehl und viel herrliche g\u00f6ttliche Zusage. Es h\u00e4tte auch wohl Ursache. Denn wenn man dem Gebet so gro\u00dfen Titel g\u00e4be, w\u00fcrden die Leute zum Gebet gereizt. 17] Auch k\u00f6nnte man die Almosen unter die Sakrament rechnen; item das Kreuz und die Tr\u00fcbsale der Christen, denn die haben auch Gottes Zusage. Doch wird kein verst\u00e4ndiger Mann gro\u00dfen Zank dar\u00fcber machen, ob sieben oder mehr Sakramente gez\u00e4hlt werden, doch so fern, da\u00df Gottes Wort und Befehl nicht abgebrochen werde.<\/p>\n<p>18] Das ist aber mehr vonn\u00f6ten zu disputieren und zu wissen, was der rechte Gebrauch der Sakramente sei. Da m\u00fcssen wir frei verdammen den ganzen Haufen der scholasticorum und ihren Irrtum strafen, da sie lehren, da\u00df diejenigen, so die Sakramente schlecht [hin] gebrauchen, wenn sie nicht obicem setzen, ex opere operato Gottes Gnade erlangen, wennschon das Herz alsdann keinen guten Gedanken hat. Das ist aber stracks ein j\u00fcdischer Irrtum, so sie halten, da\u00df wir sollten durch ein Werk und \u00e4u\u00dferliche Zeremonie gerecht und heilig werden ohne Glauben, und wenn das Herz schon nicht dabei ist; und diese sch\u00e4dliche Lehre wird doch gepredigt und gelehrt weit und breit, daurchaus und \u00fcberall im ganzen Papstreich und [in des] Papsts Kirchen. 19] Paulus schreit dawider und sagt, da\u00df Abraham sei vor Gott gerecht geworden nicht durch die Beschneidung, sondern die Beschneidung sei ein Zeichen gewesen, den Glauben to \u00fcben und zu st\u00e4rken. Darum sagen wir auch, da\u00df zum rechten Gebrauch der Sakramente der Glaube geh\u00f6re, der da glaube der g\u00f6ttlichen Zusage und zugesagte Gnade empfange, welche durch Sakramente und Wort wird angeboten. 20] Und dies ist ein gewisser, rechter Gebrauch der heiligen Sakramente, da sich ein Herz und ein Gewissen auf wagen und [ver]lassen mag. Denn die g\u00f6ttliche Zusage kann niemand fassen denn allein durch den Glauben. Und die Sakramente sind \u00e4u\u00dferliche Zeichen und Siegel der Verhei\u00dfung. Darum zum rechten Gebrauch derselben geh\u00f6rt Glaube. Als wenn ich das Sakrament des Leibes und Blutes Christi empfange, sagt Christus klar: &#8220;Das ist das Ne\u00fc Testament.&#8221; Da soll ich gewi\u00df glauben, da\u00df mir Gnade und Vergebung der S\u00fcnden, welche in Ne\u00fcn Testament verhei\u00dfen ist, widerfahre. Und solches soll ich empfangen im Glauben und damit tr\u00f6sten mein erschrocken, bl\u00f6d Gewissen und stehen darauf gewi\u00df, da\u00df Gottes Wort und Zusagen nicht fehlen, sondern so gewi\u00df uns noch gewisser seien, als ob Gott mir eine ne\u00fc Stimme oder neu Wunderzeichen vom Himmel lie\u00dfe geben, dadurch mir w\u00fcrde Gnade zugesagt. Was h\u00fclfen aber Wunderzeichen, wenn nicht Glaube da w\u00e4re? 21] Und wir reden hier vom Glauben, da ich selbst gewi\u00df f\u00fcr mich glaube, da\u00df mir die S\u00fcnden vergeben sind; nicht allein vom fide generali, da ich glaube, da\u00df ein Gott sei. 22] Derselbe rechte Gebrauch der Sakramente tr\u00f6stet recht und erquickt die Gewissen.<\/p>\n<p>23] Was aber die h\u00e4\u00dfliche, sch\u00e4ndliche, ung\u00f6ttliche Lehre vom opere operato, da sie gelehrt, da\u00df, wenn ich der Sakramente gebrauche, so macht das getane Werk mich vor Gott fromm und erlangt mir Gnade, obgleich das Herz keinen guten Gedanken dazu hat, f\u00fcr Mi\u00dfbrauch und Irrtum eingef\u00fchrt, kann niemand genug nachdenken, schreiben noch sagen. Denn daher ist auch der uns\u00e4gliche, unz\u00e4hlige, greuliche Mi\u00dfbrauch der Me\u00dfe gekommen. Und sie k\u00f6nnen keinen T\u00fcttel noch Buchstaben aus den alten V\u00e4tern anzeigen, dadurch der Scholaster Opinion bewiesen werde. Ja, Augustinus sagt stracks dawider, da\u00df der Glaube im Gebrauch des Sakraments, nicht das Sakrament vor Gott uns fromm mache. <\/p>\n<p>Artikel XIV. Vom Kirchenregiment.<\/p>\n<p>24] Im vierzehnten Artikel, da wir sagen, da\u00df man niemand gestatte zu predigen oder die Sakramente zu reichen in der Kirche denn allein denjenigen, so recht geb\u00fchrlich berufen sind, das nehmen sie an, wenn wir den Beruf also verstehen von Priestern, welche nach Inhalt der Canones ordiniert oder geweiht sind. Von der Sache haben wir uns etlichemal auf diesem Reichstage h\u00f6ren lassen, da\u00df wir zum h\u00f6chsten geneigt sind, alte Kirchenordnungen und der Bisch\u00f6fe Regiment, das man nennt canonicam politiam, helfen zu erhalten, so die Bisch\u00f6fe unsere Lehre dulden und unsere Priester annehmen wollten. 25] Nun haben die Bisch\u00f6fe bisanher die unsern verfolgt und wider ihre eigenen Rechte ermordet. So k\u00f6nnen wir auch noch nicht erlangen, da\u00df sie von solcher Tyrannei ablassen. Derhalben ist die Schuld unsers Gegenteils, da\u00df den Bisch\u00f6fen der Gehorsam entzogen wird, und sind wir vor Gott und allen frommen Leuten entschuldigt. Denn dieweil die Bisch\u00f6fe die unsern nicht dulden wollen, sie verlassen denn diese Lehre, so wir bekannt haben, und doch wir vor Gott schuldig sind, diese Lehre zu bekennen und zu erhalten, m\u00fcssen wir die Bisch\u00f6fe fahren lassen und Gott mehr gehorsam sein und wissen, da\u00df die christliche Kirche da ist, da Gottes Wort recht gelehrt wird. 28] Die Bisch\u00f6fe m\u00f6gen zusehen, wie sie es verantworten wollen, da\u00df sie durch solche Tyrannei die Kirche zerrei\u00dfen und w\u00fcste machen. <\/p>\n<p>Artikel XV. (VIII.) Von den menschlichen Satzungen in der Kirche.<\/p>\n<p>1] Im f\u00fcnfzehnten Artikel lassen sie ihnen gefallen, da wir sagen, die Zeremonien und Satzungen soll man halten in der Kirche, die man mit gutem Gewissen ohne S\u00fcnde halten kann und die zu guter Ordnung und Frieden dienen. Das andere St\u00fcck verdammen sie, da wir sagen, da\u00df die Satzungen, welche aufgerichtet sind, Gott zu vers\u00f6hnen und Vergebung der S\u00fcnden zu erlangen, stracks wider das Evangelium sind. 2] Wiewohl wir in der Konfession vom Unterschied der Speisen und von Satzungen viel gesagt haben, so m\u00fcssen wir es doch kurz hier wiederholen.<\/p>\n<p>3] Wiewohl wir gedacht, da\u00df die Widersacher andere Ursachen suchen w\u00fcrden, die menschlichen Satzungen zu sch\u00fctzen, so h\u00e4tten wir doch nicht gemeint, da\u00df sie diesen Artikel, n\u00e4mlich: durch Menschentraditionen verdient niemand Vergebung der S\u00fcnden, verdammen sollten. Dieweil aber derselbe ganze Artikel unversch\u00e4mt verdammt ist, so haben wir eine leichte, schlechte Sache. 4] Denn das is \u00f6ffentlich j\u00fcdisch, das hei\u00dft \u00f6ffentlich mit des Teufels Lehren das Evangelium unterdr\u00fccken. Denn die Heilige Schrift und Paulus nennen solche Satzungen dann erst rechte Teufelslehre, wenn man sie daf\u00fcr r\u00fchmt, da\u00df sie sollen dienen, dadurch Vergebung der S\u00fcnden zu erlangen. Denn da sind sie stracks wider Christum, wider das Evangelium, wie Fe\u00fcr und Wasser widereinander sind. 5] Das Evangelium lehrt, da\u00df wir durch den Glauben an Christum ohne Verdienst Vergebung der S\u00fcnden erlangen und Gott vers\u00f6hnt werden. Die Widersacher aber setzen einen andern Mittler, n\u00e4mlich Menschengesetze, durch die wollen sie Vergebung der S\u00fcnden erlangen, durch die wollen sie den Zorn Gottes vers\u00f6hnen. Aber Christus sagt klar: &#8220;Sie dienen mir vergeblich durch Menschengebote.&#8221;<\/p>\n<p>6] Droben haben wir reichlich angezeigt, da\u00df wir durch den Glauben vor Gott gerecht werden, wenn wir glauben, da\u00df wir einen gn\u00e4digen Gott haben, nicht durch unsere Werke, sondern durch Christum. Nun ist\u2019s gar gewi\u00df, da\u00df solches das reine Evangelium sei. Denn Paulus sagt klar zu den Ephesern am 2. Kapitel: &#8220;ohne Verdienst seid ihr selig worden, und das nicht aus euch, denn Gottes Gabe ist es; nicht aus den Werken.&#8221; 7] Nun sagen die Widersacher, die Leute verdienen Vergebung der S\u00fcnden durch solche menschliche Satzungen und Werke. Was ist das anders, denn \u00fcber Christum einen andern Mittler, einen andern Vers\u00f6hner stellen und setzen? 8] Paulus sagt zu den Galatern: &#8220;Ihr seid von Christo abgefallen, so ihr durchs Gesetz wollt gerecht werden&#8221;, das ist, so ihr haltet, da\u00df ihr durchs Gesetz vor Gott gerecht werdet, so ist euch Christus nichts n\u00fctze. Denn was bed\u00fcrfen diejenigen des Mittlers Christi, die durch die Werke des Gesetzes vertra\u00fcn, Gott zu vers\u00f6hnen? 9] Gott hat Christum dargestellt, da\u00df er um desselben willen, nicht um unserer Gerechtigkeit willen, uns will gn\u00e4dig sein. Aber sie halten, da\u00df Gott um ihrer Werke willen und um solcher Traditionen willen uns gn\u00e4dig sei. 10] So nehmen sie nun und rauben Christo seine Ehre, und ist kein Unterschied zwischen den Zeremonien des Gesetzes Mosis und solchen Satzungen, soviel es diese Sache belangt. Paulus verwirft Mosis Zeremonien eben darum, darum er auch Menschengebote verwirft, n\u00e4mlich da\u00df es die Juden f\u00fcr solche Werke hielten, dadurch man Vergebung der S\u00fcnden verdiente. Denn dadurch ward Christus untergedr\u00fcckt. Darum verwirft er die Werke des Gesetzes und Menschengebote zugleich und streitet dieses [dringt darauf], da\u00df noch um unserer Werke, sondern um Christus\u2019 willen, ohne Verdienst, verhei\u00dfen sei Vergebung der S\u00fcnden, doch also, da\u00df wir sie durch den Glauben fassen. Denn die Verhei\u00dfung kann man nicht anders denn durch den Glauben fassen. 11] So wir nun durch den Glauben Vergebung der S\u00fcnden erlangen, so wir durch den Glauben einen gn\u00e4digen Gott haben um Christus\u2019 willen, so ist es ein gro\u00dfer Irrtum und Gottesl\u00e4sterung, da\u00df wir durch solche Satzungen sollten Vergebung der S\u00fcnden erlangen. 12] Wenn sie hier nun sagen wollten, da\u00df wir nicht durch solche Werke Vergebung der S\u00fcnden erlangen, sondern wenn wir durch den Glauben jetzund Vergebung haben, so sollen wir danach durch solche Werke verdienen, da\u00df uns Gott gn\u00e4dig sei; da streitet aber Paulus wider zu den Galatern am 23. Kapitel, da er sagt: &#8220;Sollten wir aber, die da sich durch Christum gerecht zu werden, auch noch selber S\u00fcnder erfunden werden, so w\u00e4re Christus ein S\u00fcndendiener&#8221;; item: &#8220;Zu eines Menschen Testament soll niemand einen Zusatz machen.&#8221; Darum soll man auch zu dem Testament Gottes, da er uns verhei\u00dft, er will uns gn\u00e4dig sein um Christus\u2019 willen, nichts zutun oder dieses anflicken, als verdienten wir erst, da\u00df uns Gott um solcher Werke willen gn\u00e4dig sein m\u00fcsse.<\/p>\n<p>13] Und wenngleich noch jemand wollte solche Werke aufrichten oder erw\u00e4hlen, damit Gott zu vers\u00f6hnen, Vergebung der S\u00fcnden zu verdienen, wie wollte der gewi\u00df werden, da\u00df die Werke Gott gefielen, so er keinen Gottesbefehl noch Wort davon hat? 14] Wie wollte er die Gewissen und Herzen versichern, wie sie mit Gott stehen; item,. da\u00df die Werke Gott gefallen, wenn kein Gotteswort noch =Befehl da ist? Es verbieten die Propheten allenthalben, eigenerw\u00e4hlte, sonderliche Gottesdienste anzurichten ohne Gottes Wort und Befehl, Hesek. am 20.: &#8220;Wandelt nicht in Geboten eurer V\u00e4ter und haltet ihre Sitten nicht und werdet nicht unrein von ihren G\u00f6tzen. Ich bin der Her, e\u00fcr Gott. In meinen Geboten wandelt und haltet meine Rechte und Sitten und tut dieselbigen.&#8221;: 15] So die Menschen Macht haben, Gottesdienste anzurichten, da\u00df wir dadurch S\u00fcnden bezahlen und fromm werden vor Gott, so m\u00fcssen aller Heiden Gottesdienste, alle Abg\u00f6tterei aller gottlosen K\u00f6nige in Isr\u00e4l, Jerobeams und anderer, auch gut sein; denn es ist kein Unterschied. Steht bei Menschen die Macht, Gottesdienste aufzurichten, dadurch man m\u00f6ge Seligkeit verdienen, warum sollten der Heiden und Isr\u00e4liten selbsterw\u00e4hlte Gottesdienste unrecht sein? 16] Denn darum sind der Heiden und Isr\u00e4liten Dienste verworfen, da\u00df sie w\u00e4hnen wollten, solche Dienste gefielen Gott, und wu\u00dften nichts vom h\u00f6chsten Gottesdienst, der da hei\u00dft Glaube. 17] Item, woher sind wir gewi\u00df da\u00df solche Gottesdienste und Werke ohne Gottes Wort vor Gott gerecht machen, so kein Mensch Gottes Willen anders erfahren oder wissen kann denn allein durch die Wort? Wie, wenn solche Gottesdienste Gott der Herr nicht allein verachtet, sondern auch f\u00fcr einen Gre\u00fcl h\u00e4lt? Wie d\u00fcrfen denn die Widersacher sagen, da\u00df sie vor Gott gerecht machen? Ohne Gottes Wort kann je niemand das sagen. Paulus sagt zu den R\u00f6mern: &#8220;Alles, was nicht aus dem Glauben geschieht, das ist S\u00fcnde.&#8221; So nun dieselben Gottesdienste keinen g\u00f6ttlichen Befehl haben, so m\u00fcssen die Herzen im Zweifel stehen, ob sie Gott gefallen.<\/p>\n<p>18] Und was bedarf diese \u00f6ffentliche Sache vieler Worte? Wenn die Widersacher diese Gottesdienste also verteidigen, als seien es Werke, dadurch man Vergebung der S\u00fcnden und Seligkeit verdient, so richten sie \u00f6ffentliche antichristische Lehre und Reich an. Denn das Reich Antichristi ist eigentlich ein solch ne\u00fcr Gottesdienst, durch Menschen erdichtet, dadurch Christus verworfen wird, wie Mahomets Reich selbsterw\u00e4hlte Gottesdienste hat, eigenen Werke, dadurch sie vor Gott vermeinen heilig und fromm zu werden, und halten nicht, da\u00df man allein durch den Glauben an Christum gerecht werde. Also wird das Papsttum auch ein St\u00fcck vom Reich Antichristi, so es lehrt, durch Menschengebote Vergebung der S\u00fcnden zu erlangen und Gott [zu] vers\u00f6hnen. Denn da wird Christo seine Ehre genommen, wenn sie lehren, da\u00df wir nicht durch Christum, ohne Verdienst gerecht werden, durch den Glauben, sondern durch solche Gottesdienste, sonderlich wenn sie lehren, da\u00df solch selbsterw\u00e4hlter Gottesdienst nicht allein n\u00fctze sei, sondern auch n\u00f6tig. Wie sie denn oben im achten Artikel halten, da sie das verdammen, da\u00df wir gesagt, zu rechter Einigkeit der Kirche sei nicht not, da\u00df allenthalben gleichf\u00f6rmige Menschensatzungen seien. 19] Daniel, im 11. Kapitel, malt das Reich Antichristi also ab, da\u00df er anzeigt, da\u00df solche ne\u00fc Gottesdienste, von Menschen erfunden, werden die Politia und das rechte Wesen des antichristischen Reichs sein. Denn also sagt er: &#8220;Den Gott Maosim wird er ehren, und dem Gott, den seine V\u00e4ter nicht erkannt haben, wird er mit Gold, Silber und Edelgestein dienen.&#8221; Da beschreibt er solche ne\u00fc Gottesdienste. Denn er sagt von einem solchen Gott, davon die V\u00e4ter nichts gewu\u00dft haben. 20] Denn die heiligen V\u00e4ter, wiewohl sie auch Zeremonien und Satzungen gehabt, so haben sie doch nicht daf\u00fcrgehalten, da\u00df solche Zeremonien n\u00fctz und n\u00f6tig w\u00e4ren zur Seligkeit, so haben sie doch damit Christum nicht unterdr\u00fcckt, sondern haben gelehrt, da\u00df uns Gott um Christus\u2019 willen gn\u00e4dig sei, nicht um solcher Gottesdienste willen. Aber dieselben Satzungen haben sie gehalten von wegen leiblicher \u00dcbung, als die Feste, da\u00df das Volk w\u00fc\u00dfte, wann es sollte zusammenkommen, da\u00df in den Kirchen alles ordentlich und z\u00fcchtiglich um guter Exempel willen zuginge, da\u00df auch das gemeine, grobe Volk in einer feinen Kinderzucht gehalten w\u00fcrde. Denn solche Unterschiede der Zeit und solche mancherlei Gottesdienste dienen, das Volk in Zucht zu behalten und zu erinnern der Historien. 21] Diese Ursachen haben die V\u00e4ter gehabt, menschliche Ordnung zu erhalten. Und auf die Weise fechten wir\u2019s auch nicht an, da\u00df man gute Gewohnheit halte. Und wir k\u00f6nnen uns nicht genugsam wundern, da\u00df die Widersacher wider alle Schrift der Apostel, wider das Alte und Ne\u00fc Testament lehren d\u00fcrfen, da\u00df wir durch solche Gottesdienste sollen ewiges Heil und Vergebung der S\u00fcnden erlangen. Denn was ist das anders, denn wie Daniel sagt, &#8220;Gott ehren mit Gold, Silber und Edelgestein&#8221;, das ist, halten, da\u00df Gott uns gn\u00e4dig werde durch mancherlei Kirchenschmuck, durch Fahnen, Kerzen, wie denn unz\u00e4hlig sind bei solchen Menschensatzungen.<\/p>\n<p>22] Paulus zu den Kolossern schreibt, da\u00df solche Satzungen haben einen Schein der Weisheit. Und [es] hat auch einen gro\u00dfen Schein, als sei es fast heilig; denn Unordnung steht \u00fcbel, und solche ordentliche Kinderzucht ist n\u00fctzlich in der Kirche usw. Dieweil aber menschliche Vernunft nicht versteht, was Glauben ist, so fallen diejenigen, so nach der Vernunft richten, von Stund\u2019 an darauf und machen ein solch Werk daraus, das uns gen Himmel helfen solle und Gott vers\u00f6hnen. Also haben [sind] die Irrt\u00fcmer und sch\u00e4dliche Abg\u00f6tterei eingerissen bei den Isr\u00e4liten. 23] Darum machten sie auch einen Gottesdienst \u00fcber den andern, wie bei unserer Zeit ein Altar \u00fcber den andern, eine Kirche \u00fcber die andere gestiftet ist. 24] Also richtet auch die menschliche Vernunft von andern leiblichen \u00dcbungen, als von Fasten usw. Denn Fasten dient dazu, den alten Adam zu z\u00e4hmen; da f\u00e4llt bald die Vernunft drauf und macht ein Werk daraus, das Gott vers\u00f6hne; wie Thomas schreibt, &#8220;Fasten sei ein Werk, das da tauge, Schuld gegen Gott au\u00dful\u00f6schen und ferner zu verh\u00fcten&#8221;. Das sind die klaren Worte Thom\u00e4. Also dieselben Gottesdienste, welche sehr glei\u00dfen, haben einen gro\u00dfen Schein und ein gro\u00df Ansehen der Heiligkeit vor den Leuten. Und dazu helfen nun die Exempel der Heiligen, da sie sprechen, St. Franziskus hat eine Kappe getragen und dergleichen. Hier sehen sie allein die \u00e4u\u00dferliche \u00dcbung an, nicht das Herz und Glauben.<\/p>\n<p>25] Und wenn nun die Leute also durch so gro\u00dfen und pr\u00e4chtigen Schein der Heiligkeit betrogen werden, so folgt dann unz\u00e4hlige Fahr [Gefahr] und Unrat daraus, n\u00e4mlich da\u00df Christi Erkenntnis und das Evangelium vergessen wird, und da\u00df man alles Vertra\u00fcn auf solche Werke setzt. Dar\u00fcber so werden durch solche heuchlerische Werke die rechten guten Werke, die Gott in [den] zehn Geboten fordert, ganz unterdr\u00fcckt (welches schrecklich ist zu h\u00f6ren). Denn die Werke m\u00fcssen allein geistlich, heilig, vollkommen Leben hei\u00dfen und werden dann weit vorgezogen den rechten, heiligen guten Werken, da ein jeder nach Gottes Gebot in seinem Beruf zu wandeln, die Obrigkeit flei\u00dfig, treulich zu regieren, die Hausv\u00e4ter, die ehelichen Leute, Weib und Kind, Gesinde in christlicher Zucht zu halten schuldig sind; item, da eine Magd, ein Knecht seinem Herrn treulich zu dienen pflichtig ist. 26] Dieselben Werke h\u00e4lt man nicht f\u00fcr g\u00f6ttlich, sondern f\u00fcr weltlich Wesen, also da\u00df viele Leute dar\u00fcber ihnen [sich] ein schwer Gewissen gemacht. Denn man wei\u00df je, da\u00df etliche ihren F\u00fcrstenstand verlassen, etliche den Ehestand, und sind in Kl\u00f6ster gegangen, heilig und geistlich zu werden.<\/p>\n<p>27] Und ist \u00fcber den [au\u00dfer dem] Irrtum noch der Jammer dabei, da\u00df, wenn die Leute in dem Wahn sind, da\u00df solche Satzungen n\u00f6tig seien zur Seligkeit, die Gewissen ohne Unterla\u00df in Unruhe und Qual sind, da\u00df sie ihren Orden, ihre M\u00f6ncherei, ihre aufgelegten Werke nicht so gestrenge gehalten haben. Denn wer k\u00f6nnte die Satzungen alle erz\u00e4hlen? Es sind unz\u00e4hlig viel B\u00fccher, in welchen nicht ein T\u00fcttel, nicht eine Silbe von Christo, vom Glauben geschrieben oder von den rechten guten Werken, die Gott gebietet, welche jeder nach seinem Beruf zu tun schuldig ist; sondern allein von solchen Satzungen schreiben sie, als von den vierzig Tagen zu fasten, von Messeh\u00f6ren, von vier Gezeiten beten usw.; da ist des Deutens und Dispensierens kein Ende. 28] Wie j\u00e4mmerlich martert sich, wie ringt und windet sich \u00fcber den Dingen der gute, fromme Mann Gerson, da er gern den Gewissen mit dem rechten Trost helfen wollte, da er gradus und latitudines sucht praeceptorum, wiefern dieselben Gebote binden, und kann doch nicht finden einen gewissen Grad, da er darf dem Herzen Sicherheit und Frieden gewi\u00df zusagen. Darum klagt er auch ganz heftig, wie in gro\u00dfer Gefahr die Gewissen und Kon\u00dfienzen dadurch stehen, da\u00df man solche Satzungen also bei einer Tods\u00fcnde fordert und will gehalten haben.<\/p>\n<p>29] Wir aber sollen uns wider solch heuchlerische, glei\u00dfende Satzungen, dadurch viele verf\u00fchrt und j\u00e4mmerlich die Gewissen ohne Ursache geplagt werden, r\u00fcsten und st\u00e4rken mit Gottes Wort und sollen erstlich das [f\u00fcr] gewi\u00df halten, da\u00df Vergebung der S\u00fcnden nicht durch solche Satzungen verdient wird. 30] Wir haben den Apostel droben angezogen zu den Kolossern: &#8220;La\u00dft euch niemand Gewissen machen \u00fcber Speise, Trank, Neumonden, Sabbater.&#8221; Und der Apostel will das ganze Gesetz Mosis und solche Traditionen zugleich begriffen haben, damit die Widersacher hier nicht entschliefen [entschl\u00fcpften], wie sie pflegen, als rede Paulus allein vom Gesetz Mosis. Er zeigt aber klar genug an, da\u00df er von menschlichen Satzungen auch rede, wiewohl die Widersacher selbst nicht wissen, was sie sagen. Denn so das Evangelium und Paulus klar melden, da\u00df auch die Zeremonien und Werke der Gesetzes Mosis vor Gott nicht helfen, so werden\u2019s viel weniger menschliche Satzungen tun.<\/p>\n<p>31] Derhalben haben die Bisch\u00f6fe nicht Macht noch Gewalt, eigenerw\u00e4hlte Gottesdienste aufzurichten, welche sollen die Leute vor Gott heilig und fromm machen. Denn es sagen auch die Apostel Act. 15: &#8220;Was versucht ihr Gott und legt eine B\u00fcrde auf die J\u00fcnger?&#8221; usw. Da schilt es Petrus als eine gro\u00dfe S\u00fcnde, damit man Gott verl\u00e4stere und versuche. Darum ist es der Apostel Meinung, da\u00df diese Freiheit in der Kirche bleiben soll, da\u00df keine Zeremonien, weder das Gesetz Mosis noch andere Satzungen, sollen als n\u00f6tige Gottesdienste gesch\u00e4tzt werden; wie etliche Zeremonien im Gesetz Mosis als n\u00f6tig mu\u00dften im Alten Testament eine Zeitlang gehalten werden. Darum m\u00fcssen wir auch wehren, da\u00df die Predigt von der Gnade und von Christo, von Vergebung der S\u00fcnden aus lauter Gnade nicht unterdr\u00fcckt werde, und der sch\u00e4dliche Irrtum [nicht] einrei\u00dfe, als sind [seien] die Satzungen n\u00f6tig, fromm vor Gott zu sein. 33] Es habe Gerson und viel andere tre\u00fc, fromme Leute, welche \u00fcber die gro\u00dfen F\u00e4hrlichkeiten der Gewissen Mitleid getragen, ejpieivkeian und Linderung gesucht, wie man doch darin den Gewissen helfen m\u00f6chte [k\u00f6nnte], da\u00df sie durch die Traditionen nicht in so mannigfaltige Wege gemartert w\u00fcrden, und haben nichts Gewisses finden k\u00f6nnen, den Gewissen aus den Banden zu helfen. 34] Die Heilige Schrift und die Apostel aber sind kurz hindurchgegangen und [haben] schlecht mit einem Striche alles quittiert und klar d\u00fcrr herausgesagt, da\u00df wir in Christo frei, ledig seien von allen Traditionen, sonderlich wenn man dadurch Seligkeit und Vergebung der S\u00fcnden zu erlangen sucht. 35] Darum lehren auch die Apostel, da\u00df man der sch\u00e4dlichen pharis\u00e4ischen Lehre soll widerstreben mit Lehren und mit dem Gegenexempel. Darum lehren wir, da\u00df solche Satzungen nicht gerecht machen vor Gott, da\u00df sie auch nicht not seien zur Seligkeit, da\u00df auch niemand solche Satzungen machen oder annehmen soll der Meinung, da\u00df er wolle vor Gott dadurch gerecht werden. Wer sie aber halten will, der halte sie, wie ich einen andern Stadtgebrauch m\u00f6chte halten, da ich wohne, ohne alles Vertra\u00fcn, dadurch gerecht zu werden vor Gott. Als, da\u00df ich bei den Deutschen deutsche Kleidung trage, bei den Walen welsche, halte ich als einen Landbrauch, nicht dadurch selig zu werden. Die Apostel, wie das Evangelium anzeigt, brechen frisch solche Satzungen und werden von Christo derhalben gelobt. 36] Denn man mu\u00df es nicht allein mit Lehren, Predigen, sondern auch mit der Tat den Pharis\u00e4ern anzeigen und beweisen, da\u00df solche Gottesdienste nichts n\u00fctze sind zur Seligkeit. 37] Und darum, ob die Unsern gleich etliche Traditionen und Zeremonien nachlassen, so sind sie doch genugsam entschuldigt. Denn die Bisch\u00f6fe fordern solches als n\u00f6tig zur Seligkeit; das ist ein Irrtum, der nicht zu leiden ist.<\/p>\n<p>38] Weiter, die \u00e4ltesten Satzungen aber in der Kirche, als die drei hohen Feste usw., die Sonntagsfeier und dergleichen, welche um guter Ordnung, Einigkeit und Friedens willen erfunden usw., die halten wir gerne. Auch so predigen die Unsern aufs glimpflichste gegen [vor] dem Volk davon; allein, daneben sagen sie, da\u00df sie vor Gott nicht gerecht machen. 39] Darum reden die Widersacher ihre Gewalt und tun uns ganz vor Gott unrecht, wenn sie uns schuld geben, da\u00df wir alle guten Zeremonien, alle Ordnungen in der Kirche abbringen und niederlegen. Denn wir m\u00f6gen es mit der Wahrheit sagen, da\u00df es christlicher, ehrlicher in unsern Kirchen mit rechten Gottesdiensten gehalten wird denn bei den Widersachern. Und wo gottesf\u00fcrchtige, ehrbare, verst\u00e4ndige, unparteiische Leute sind, die diese Sache recht genau wollen bedenken und ansehen, so halten wir die alten Canones und mentem legis mehr, reiner und flei\u00dfiger denn die Widersacher. Denn die Widersacher treten unversch\u00e4mt die allerehrlichsten Canones mit F\u00fc\u00dfen, wie sie dann Christo und dem Evangelio auch tun. 40] Die Pfaffen und M\u00f6nche in Stiften mi\u00dfbrauchen der Messe aufs schrecklichste und greulichste, halten Messen t\u00e4glich in gro\u00dfer Anzahl allein um der Zinse [Abgaben] willen, um der Geldes, um des sch\u00e4ndlichen Bauchs willen. So singen sie die Psalmen in Stiften, nicht da\u00df sie studieren oder ernstlich beten (denn das mehrere Teil versteht nicht einen Vers in [den] Psalmen), sondern halten ihre Metten und Vesper als einen gedingten Gottesdienst, der ihnen ihre Rente und Zinse tr\u00e4gt. Dieses alles k\u00f6nnen sie nicht leugnen. Es sch\u00e4men sich auch selbst etliche Redliche unter ihnen desselben Jahrmarkts und sagen, clerus bed\u00fcrfe einer Reformation. Bei uns aber braucht das Volk des heiligen Sakraments willig, ungedrungen, alle Sonntage, welche man erst verh\u00f6rt, ob sie in christlicher Lehre unterrichtet sind, im Vaterunser, im Glauben, in [den] zehn Geboten etwas wissen oder verstehen. Item, die Jugend und das Volk singt ordentlich lateinische und deutsche Psalmen, da\u00df sie der Spr\u00fcche der Schrift gewohnen und beten lernen. 41] Bei den Widersachern ist kein Katechismus, da doch die Canones von reden. Bei uns werden die Canones gehalten, da\u00df die Pfarrer und Kirchendiener \u00f6ffentlich und daheim die Kinder und Jugend in Gottes Wort unterweisen. Und der Katechismus ist nicht ein Kinderwerk, wie Fahnen=, Kerzentragen, sondern eine fast [sehr] n\u00fctzliche Unterrichtung. 42] Bei den Widersachern wird in vielen L\u00e4ndern, als in Italien und Hispanien usw., das ganze Jahr durch nicht gepredigt denn allein in der Fasten. Da sollten sie schreien und billig hoch klagen; denn das hei\u00dft auf einmal alle Gottesdienste recht umgesto\u00dfen. Denn der allergr\u00f6\u00dfte, heiligste, n\u00f6tigste, h\u00f6chste Gottesdienst, welchen Gott im ersten und andern Gebot als das Gr\u00f6\u00dfte hat gefordert, ist Gottes Wort predigen: denn das Predigtamt ist das h\u00f6chste Amt in der Kirche. Wo nun der Gottesdienst ausgelassen wird, wie kann da Erkenntnis Gottes, die Lehre Christi oder das Evangelium sein? Darum, wenn sie gleich in der Fasten oder sonst zur andern Zeit predigen, lehren sie nichts denn von solchen Menschensatzungen, vom Anrufen der Heiligen, von Weihwasser und von solchen Narrenwerken und ist der Gebrauch, da\u00df ihr Volk bald, wenn der Text des Evangelii gesagt ist, aus der Kirche laufe, welches sich vielleicht davon angefangen, da\u00df sie nicht haben m\u00f6gen die andern L\u00fcgen h\u00f6ren. Etliche wenige unter ihnen heben nun auch an, von guten Werken zu predigen. Von der Erkenntnis Christi aber, vom Glauben, vom Trost der Gewissen k\u00f6nnen sie nichts predigen, sondern dieselbe selige Lehre, das liebe, heilige Evangelium, nennen sie Lutherisch. 43] In unserer Kirche aber werden von Predigern diese folgenden n\u00f6tigen St\u00fccke mit h\u00f6chstem Flei\u00df gelehrt: von rechter Bu\u00dfe, von der Furcht Gottes, von dem Glauben, was der sei, von der Erkenntnis Christi, von der Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt; item, wie die Gewissen in \u00cbngsten und Anfechtungen sollen Trost suchen, wie der Glaube durch allerlei Anfechtungen mu\u00df ge\u00fcbt werden, was ein recht Gebet sei, wie man beten soll; item, da\u00df ein Christ gewi\u00df sich tr\u00f6sten soll, da\u00df sein Rufen und Bitten Gott werde erh\u00f6ren im Himmel; von dem heiligen Kreuz, vom Gehorsam gegen die Obrigkeit; item, wie ein jeder in seinem Stande christlich leben und fahren mag; vom Gehorsam der Herrengebote, aller weltlichen Ordnungen und Gesetze; item, wie zu unterscheiden seien das geistliche Reich Christi und die Regimente und Reiche in der Welt; von dem Ehestande, und wie der christlich zu f\u00fchren sei; von Zucht der Kinder, von der Keuschheit, von allerlei Werken der Liebe gegen den N\u00e4chsten. 44] Also ist unsere Kirche mit Lehre und Wandel bestellt, daraus unparteiische Leute wohl merken und abnehmen k\u00f6nnen, da\u00df wir christliche, rechte Zeremonien nicht abtun, sondern mit Flei\u00df aufs treulichste erhalten.<\/p>\n<p>45] Und die Kasteiung des Fleisches oder alten Adams lehren wir also, wie unsere Konfession meldet, da\u00df die rechte Kasteiung dann geschieht, wenn uns Gott den Willen bricht, Kreuz und Tr\u00fcbsal zuschickt, da\u00df wir lernen seinem Willen gehorsam sein, wie Paulus zu den R\u00f6mern am 12. sagt: &#8220;Begebet eure eigenen Leiber zu einem heiligen Opfer.&#8221; Und das sind rechte heilige Kasteiungen, also in Anfechtungen lernen Gott kennen, ihn f\u00fcrchten, lieben usw. 46] \u00dcber dieselben Tr\u00fcbsale, welche nicht in unserm Willen stehen, sind auch noch die leiblichen \u00dcbungen, da Christus von sagt: &#8220;H\u00fctet euch, da\u00df eure Leiber nicht beschweret werden mit Fressen und Saufen!&#8221; und Paulus zu den Korinthern: &#8220;Ich z\u00e4hme meinen Leib&#8221; usw. 47] Die \u00dcbungen sollen darum geschehen, nicht da\u00df es n\u00f6tige Gottesdienste seien, dadurch man vor Gott fromm werde, sondern da\u00df wir unser Fleisch im Zaum halten, damit wir durch V\u00f6llerei und Beschwerung des Leibes nicht sicher und m\u00fc\u00dfig werden, des Teufels Reizungen und des Fleisches L\u00fcsten folgen. Dasselbe Fasten und Kasteien sollte nicht allein auf gewisse Zeit, sondern allezeit geschehen. 48] Denn Gott will, da\u00df wir allezeit m\u00e4\u00dfig und n\u00fcchtern leben, und wie die Erfahrung gibt, so helfen dazu nicht viel bestimmte Fastentage. Denn man hat mit Fischen und allerlei Fastenspeise mehr Unkost und Quasserei [Schwelgerei] getrieben denn au\u00dfer der Fasten; Und die Widersacher selbst haben die Fasten nie gehalten dergestalt, wie sie in canonibus angezeigt ist.<\/p>\n<p>49] Dieser Artikel von den menschlichen Traditionen oder Satzungen hat ganz viel schwere Disputationen und Fragen hinter sich, und die Erfahrung hat\u2019s allzustark gegeben, da\u00df solche Satzungen rechte schwere Ketten und Stricke sind, die Gewissen j\u00e4mmerlich zu qu\u00e4len. Denn wenn dieser Wahn da ist, da\u00df sie n\u00f6tig seien zur Seligkeit, so plagen sie \u00fcber alle Ma\u00dfen ein arm Gewissen. Die denn fromme Herzen wohl erfahren, wenn sie in horis canonicis eine Complete ausgelassen usw. oder dergleichen dawider getan. Wiederum schlechthin die Freiheit lehren, hat auch seine Bedenken und seine Fragen, nachdem das gemeine Volk \u00e4u\u00dferlicher Zucht und Anleitung bedarf. Aber die Widersacher machen diese Sache selbst gewi\u00df und schlecht. 50] Denn sie verdammen uns darum, da\u00df wir lehren, da\u00df wir durch menschliche Satzungen nicht verdienen Vergebung der S\u00fcnden vor Gott. Item, sie wollen ihre Satzungen durch die ganze Kirche universaliter durchaus gehalten haben, schlechts als n\u00f6tig, und setzen sie an Christus\u2019 Statt. Da haben wir einen starken Patron f\u00fcr uns, den Apostel Paulum, welcher an allen Orten das streitet, da\u00df solche Satzungen vor Gott nicht gerecht machen und nicht n\u00f6tig seien zur Seligkeit. 51] Auch lehren die Unsern deutlich und klar, da\u00df man der christlichen Freiheit in den Dingen also gebrauchen soll, da\u00df man vor den Schwachen, so solches nicht unterrichtet sind, nicht \u00cbrgernis anrichte, und da\u00df nicht etwa diejenigen, so der Freiheit mi\u00dfbrauchen, die Schwachen von der Lehre des Evangelii abschrecken. Darum lehren auch unsere Prediger, da\u00df ohne [be]sondere und ohne bewegende Ursachen an den Kicrhenbr\u00e4uchen nichts ge\u00e4ndert soll werden, sondern um Friedens und Einigkeit willen soll man diejenigen Gewohnheiten halten, so man ohne S\u00fcnde und ohne Beschwerung der Gewissen halten kann. 52] Und auf diesem Augsburger Reichstag haben wir uns gleich genug finden und vernehmen lassen, da\u00df wir um Liebe willen unbeschwert sein wollten, etliche adiaphora mit den andern zu halten. Denn wir haben auch bei und wohl bedacht, da\u00df gemeine Einigkeit und Friede, soviel derselben ohne Beschwerung der Gewissen zu erhalten w\u00e4re, billig allen andern, geringen Sachen w\u00fcrde vorgezogen. Aber von dem allem wollen wir hernach weiter reden, wenn wir von Klostergel\u00fcbden und von der potestate ecclesiastica handeln werden. <\/p>\n<p>Artikel XVI. Vom weltlichen Regiment.<\/p>\n<p>53] Den XVI. Artikel lassen ihnen die Widersacher gefallen ohne alle weiteren Fragen, da wir in der Konfession sagen und lehren, da\u00df ein Christ mit Gott und Gewissen in der Obrigkeit sein mag, Land und Leute regieren, Urteil und Recht sprechen aus kaiserlichen und andern landl\u00e4uftigen Rechten, die \u00dcbert\u00e4ter mit dem Schwert und sonst nach der Sch\u00e4rfe strafen, Kriege f\u00fchren, kaufen und verkaufen, Haus, Hof und sonst Eigenes haben und behalten, aufgelegte Eide in Gerichten schw\u00f6ren; in Summa, da wir lehren, da\u00df Obrigkeit und Regiment, item ihr Recht und Strafe und alles, was dazu geh\u00f6rt, seien gute Kreaturen Gottes und Gottes Ordnungen, deren ein Christ mit gutem Gewissen brauchen mag [darf]. Dieser Artikel gef\u00e4llt ihnen wohl. 54] Dieser ganz wichtige, n\u00f6tige Artikel vom Unterschied des geistlichen Reiches Christi und weltlichen Reiches, welche fast [sehr] n\u00f6tig ist zu wissen, ist durch die Unsern ganz eigentlich, richtig und klar gegeben, vielen Gewissen zu merklichem, gro\u00dfem Trost. Denn wir haben klar gelehrt, da\u00df Christi Reich geistlich ist, da er regiert durch das Wort und die Predigt, wirkt durch den Heiligen Geist und mehrt in uns den Glauben, Gottesfurcht, Liebe, Geduld inwendig im Herzen und f\u00e4ngt hier auf Erden in uns Gottes Reich und das ewige Leben an. Solange aber dies Leben w\u00e4hrt, l\u00e4\u00dft er uns nichtsdestoweniger brauchen der Gesetze, der Ordnungen und St\u00e4nde, so in der Welt gehen, danach eines jeden Beruf ist, gleichwie er uns l\u00e4\u00dft brauchen der Arznei, item Ba\u00fcns und Pflanzens, der Luft, des Wassers. 55] Und das Evangelium bringt nicht ne\u00fc Gesetze im Weltregiment, sondern gebietet und will haben, da\u00df wir den Gesetzen sollen gehorsam sein und der Obrigkeit, darunter wir wohnen, es seien Heiden oder Christen, und da\u00df wir in solchem Gehorsam unsere Liebe erzeigen sollen. Denn Carlstadt war in diesem Fall gar toll und t\u00f6richt, da\u00df er lehrte, man sollte nach dem Gesetz Mosis die Stadt= und Landregimente bestellen. 56] Von diesem St\u00fccke haben die Unsern darum desto flei\u00dfiger geschrieben, denn die M\u00f6nche hatten viel und ganz sch\u00e4dliche Irrt\u00fcmer gelehrt in der Kirche. Denn sie haben dieses ein evangelisch Leben genannt, da\u00df man nichts Eigenes h\u00e4tte, da\u00df man nicht Strafe und Rache \u00fcbte, da\u00df man nicht Weib und Kind h\u00e4tte. Solche Lehren haben die reine evangelische Lehre ganz unterdr\u00fcckt, da\u00df man gar nicht verstanden hat, was christlich oder des geistliche Reich Christi sei, und haben weltlich und geistlich Reich ineinandergekocht, daraus viel Unrat und aufr\u00fchrerische, sch\u00e4dliche Lehre erfolgt usw. 57] Denn das Evangelium zerrei\u00dft nicht weltlich Regiment, Haushaltung, Kaufen, Verkaufen und andere weltliche Polizei, sondern best\u00e4tigt Obrigkeit und Regiment und befiehlt, denselben gehorsam zu sein als Gottes Ordnung, nicht allein und der Strafe willen, sondern auch um des Gewissen willen.<\/p>\n<p>58] Julianus Apostata, Celsus und etliche andere, die haben den Christen vorgeworfen, da\u00df ihr Evangelium die Weltregimente und Polizeien zerrisse und zerr\u00fcttete, dieweil es verbiete, man solle sich nicht r\u00e4chen und dergleichen. Und die selben Fragen haben Origeni und Nazianzeno und etlichen andern viel zu tun gemacht, so man doch leichtlich darauf antworten kann, wenn wir allein wissen, da\u00df die evangelische Lehre nicht ne\u00fc Gesetze macht von Weltregimenten, sondern predigt Vergebung der S\u00fcnden, und da\u00df das geistliche Reich und ewige Leben in [den] Herzen der Gl\u00e4ubigen anf\u00e4ngt. Das Evangelium aber l\u00e4\u00dft nicht allein bleiben dieselben \u00e4u\u00dferlichen Polizeien, Weltregimente und Ordnungen, sondern will auch, da\u00df wir solchen sollen gehorsam sein, gleichwie wir in diesem zeitlichen Leben gehorsam und unterworfen sein sollen und m\u00fcssen gemeinem Lauf der Natur als Gottes Ordnung (wir lassen es Winter und Sommer werden usw.); das hindert nichts am geistlichen Reich. Das Evangelium verbietet allein privatam vindictam, da\u00df niemand der Obrigkeit in ihr Amt greife. Und das zeigt Christus darum so oft an, da\u00df die Apostel nicht d\u00e4chten, sie sollten Weltherren werden und die K\u00f6nigreiche und Obrigkeit denjenigen nehmen, die die [zu der] Zeit in Herrschaften waren, wie denn die Juden vom Reich des Messias geachten, sondern da\u00df sie w\u00fc\u00dften, da\u00df ihr Amt w\u00e4re, zu predigen vom geistlichen Reich, nicht einiges Weltregiment zu ver\u00e4ndern. Der halben ist das Gebot, da Christus verbietet, sich selbst zu r\u00e4chen, nicht allein ein Rat, sondern ein ernst Gebot, Matth. 5 und R\u00f6m. 12. Die Rache aber und Strafe des Argen, so von der Obrigkeit geschieht, ist damit nicht verboten, sondern vielmehr geboten. Denn es ist: &#8220;Gottes Werk&#8221;, wie Paulus R\u00f6m. 13 sagt. Dieselbe Rache geschieht, wenn man \u00dcbert\u00e4ter straft, Krieg f\u00fchrt um gemeinen Friedens willen, des Schwerts, der Pferde und Harnische gebraucht usw. 60] Von den Dingen haben etliche Lehrer solche sch\u00e4dliche Irrt\u00fcmer gelehrt, da\u00df gar nahe [schier] alle F\u00fcrsten, Herren, Ritter, Knechte ihren rechten Stand f\u00fcr weltlich, ung\u00f6ttlich und verdammt gehalten usw. Und ist nicht wohl mit Worten au\u00dfureden, was [f\u00fcr] uns\u00e4gliche Gefahr und Schaden der Seelen und Gewissen daraus geursacht. Denn man hat gelehrt, als sei das Evangelium und die christliche Lehre eitel M\u00f6nchsleben, und haben nicht gesehen, da\u00df das Evangelium lehrt, wie man vor Gott und im Gewissen von den S\u00fcnde, H\u00f6lle, dem Teufel erl\u00f6st wird und l\u00e4\u00dft auswendig der Welt ihr Regiment in \u00e4u\u00dferlichen Dingen.<\/p>\n<p>61] So ist das auch eine lautere L\u00fcge und Betrug gewesen, da\u00df sie gelehrt haben unversch\u00e4mt, da\u00df die christliche Vollkommenheit [=be]stehe darin, da\u00df man nichts Eigenes haben. Denn christliche Vollkommenheit [be]steht nicht darin, da\u00df ich mich \u00e4u\u00dferlich fromm stelle und von dem Weltwesen mich absondere, sondern der Glaube und rechte Gottesfurcht im Herzen ist die Vollkommenheit. Denn Abraham, David, Daniel sind in k\u00f6niglichem Stande, in gro\u00dfen F\u00fcrstenr\u00e4ten und \u00cbmtern gewesen, haben auch gro\u00dfe Reicht\u00fcmer gehabt und sind doch heiliger, vollkommener gewesen, denn je ein M\u00f6nch oder Kart\u00e4user ist auf Erden gekommen. 62] Aber die M\u00f6nche, sonderlich Barf\u00fc\u00dfer, haben den Leuten einen Schein vor den Augen gemacht; dar\u00fcber hat niemand gewu\u00dft, worin die rechte Heiligkeit [be]st\u00fcnde. 63] Denn wie hoch evangelisch, wie f\u00fcr gro\u00dfe Heiligkeit haben die M\u00f6nche allein dieses ger\u00fchmt, da\u00df man nicht Eigenes haben sollte, da\u00df man sollte willig arm sein! Aber dasselbe sind gar sch\u00e4dliche Lehren, nachdem die Schrift nichts davon meldet, sondern stracks dawider lehrt. Die zehn Gebote Gottes sagen klar: &#8220;Du sollst nicht stehlen.&#8221; Da l\u00e4\u00dft ja Gott nach, da\u00df ein jeder das Seine habe. In diesem St\u00fccke hat Wiklefus gar gew\u00fctet, da er hat darauf gedrungen, kein Bischof noch Pfaff sollte Eigenes haben. 64] So sind unz\u00e4hlige verworrene Disputationen von Kontrakten, da christliche Gewissen nimmermehr k\u00f6nnen gestillt werden, sie sind denn dieses n\u00f6tigen St\u00fcckes unterrichtet, da\u00df ein Christ mit gutem Gewissen sich halten mag nach Landrecht und Gebrauch. Denn dieser Unterricht errettet viele Gewissen, da wir lehren, da\u00df die Kontrakte sofern vor Gott ohne Gefahr seien, sofern sie in gemeinen Rechten und Landgebr\u00e4uchen (welche den Rechten gleich gelten) angenommen sind.<\/p>\n<p>65] Dieser hohe, n\u00f6tige Artikel, n\u00e4mlich von Obrigkeit, von Weltgesetzen, ist von den Unsern ganz klar und richtig gegeben, also da\u00df viel gro\u00dfe, hohe, ehrbare Leute, die nach ihrem Stand mit Regimenten m\u00fcssen umgehen und in gro\u00dfen H\u00e4ndeln sein, bekennen, da\u00df ihre Gewissen merklichen Trost empfangen haben, welche zuvor durch solche Irrt\u00fcmer der M\u00f6nche uns\u00e4gliche Qual erlitten und in Zweifel standen, ob ihre St\u00e4nde auch christlich w\u00e4ren, und ob das Evangelium solches nachlie\u00dfe. Dieses haben wir darum erz\u00e4hlt, da\u00df auch die Fremden, Feind und Freund, verstehen m\u00f6gen, da\u00df durch diese Lehre die Obrigkeit, Landregiment, kaiserlich Recht und andere nicht niedergesto\u00dfen, sondern vielmehr hoch gehoben und gesch\u00fctzt werden, da\u00df auch diese Lehre erst recht Unterricht gibt, wie ein herrlich, gro\u00df Amt, voll christlicher, guter Werke, das Amt der Regimente ist usw.; welches alles zuvor durch die heuchlerische M\u00f6nchslehre f\u00fcr s\u00fcndliche, weltliche St\u00e4nde, Leben und Wesen zu uns\u00e4glicher F\u00e4hrlichkeit [Gefahr] des Gewissens gehalten ist worden. Denn die M\u00f6nche haben solche Heuchelei erdichtet, ihre Demut und Armut viel h\u00f6her ger\u00fchmt und gehalten denn F\u00fcrsten= und Herren=, Vater= Mutter=, Hausvaterstand; So doch diese St\u00e4nde Gottes Wort und Befehl haben, die M\u00f6ncherei aber keinen Befehl Gottes hat. <\/p>\n<p>Artikel XVII. Von der Wiederkunft Christi zum Gericht.<\/p>\n<p>66] Den XVII. Artikel nehmen die Widersacher an, da wir bekennen, da\u00df Christus am J\u00fcngsten Tage kommen werde, die Toten auferwecken, den Frommen das ewige Leben und Freude geben, die Gottlosen zu ewiger Pein mit dem Teufel verdammen. <\/p>\n<p>Artikel XVIII. Vom freien Willen.<\/p>\n<p>67] Den XVIII. Artikel nehmen die Widersacher an vom freien Willen, wiewohl sie etliche Spr\u00fcche der Schrift anziehen, die sich zu der Sache nicht reimen. Auch machen sie ein gro\u00df Geschrei davon, da\u00df, [wie] man den freien Willen nicht solle zu hoch heben wie die Pelagianer, so soll man ihm nicht zu viel nehmen mit den Manich\u00e4ern. 68] Ja alles wohl geredet. Was ist aber f\u00fcr Unterschied zwischen den Pelagianern und unsern Widersachern, so sie beide lehren, da\u00df die Menschen ohne den Heiligen Geist k\u00f6nnen Gott lieben, Gottes Gebote halten quoad substantiam actuum, das ist, die Werke k\u00f6nnen sie tun durch nat\u00fcrliche Vernunft, ohne den Heiligen Geist, dadurch sie die Gnade Gottes verdienen? 69] Wie viele, unz\u00e4hlige Irrt\u00fcmer erfolgen aus dieser pelagianischen Lehre, die sie gleichwohl in ihren Schulen gar stark treiben und predigen! Dieselben Irrt\u00fcmer widerficht Augustinus aus Paulo aufs heftigste, welches [dessen] Meinung wir oben De iustificatione gesetzt. Und wir sagen auch, da\u00df die Vernunft etlicherma\u00dfen einen freien Willen hat. 70] Denn in den Dingen, welche mit der Vernunft zu fassen, zu begreifen sind, haben wir einen freien Willen. Es ist etlicherma\u00dfen in uns ein Verm\u00f6gen, \u00e4u\u00dferlich ehrbar zu leben, von Gott zu reden, einen \u00e4u\u00dferlichen Gottesdienst oder heilige Geb\u00e4rde zu erzeigen, Obrigkeit und Eltern zu gehorchen, nicht [zu] stehlen, nicht [zu] t\u00f6ten. Denn dieweil nach Adams Fall gleichwohl bleibt die nat\u00fcrliche Vernunft, da\u00df ich B\u00f6ses und Gutes kenne in den Dingen, die mit Sinnen und Vernunft zu begreifen sind, so ist auch etlicherma\u00dfen unsers freien Willens Verm\u00f6gen, ehrbar oder unehrbar zu leben. Das nennt die Heilige Schrift die Gerechtigkeit des Gesetzes oder Fleisches, welche die Vernunft etlicherma\u00dfen vermag ohne den Heiligen Geist, 71] wiewohl die angeborne b\u00f6se Lust so gewaltig ist, da\u00df die Menschen \u00f6fter derselben folgen denn der Vernunft, und der Teufel, welcher, wie Paulus sagt, kr\u00e4ftiglich wirkt in den Gottlosen, reizt ohne Unterla\u00df die arme, schwache Natur zu allen S\u00fcnden. Und das ist die Ursache, warum auch wenig der nat\u00fcrlichen Vernunft nach ein ehrbar Leben f\u00fchren, wie wir sehen, da\u00df auch wenig Philosophi, welche doch danach heftig sich bem\u00fcht, ein ehrbar \u00e4u\u00dferlich Leben recht gef\u00fchrt haben. 72] Das ist aber falsch und erdichtet, da\u00df diejenigen sollten ohne S\u00fcnde sein, die solche Werke tun au\u00dferhalb der Gnade, oder da\u00df solche gute Werke de congruo Vergebung der S\u00fcnden und Gnade verdienen sollten. Denn solche Herzen, die ohne den Heiligen Geist sind, die sind ohne Gottesfurcht, ohne Glauben, Vertra\u00fcn, glauben nicht, da\u00df Gott sie erh\u00f6re, da\u00df er ihre S\u00fcnden vergebe, da\u00df er ihnen in N\u00f6ten helfe. Darum sind sie gottlos. Nun kann &#8220;ein b\u00f6ser Baum nicht gute Frucht tragen&#8221;, und &#8220;ohne Glauben kann niemand Gott gefallen.&#8221;<\/p>\n<p>73] Darum, ob wir gleich nachgeben, da\u00df in unserm Verm\u00f6gen sei, solch \u00e4u\u00dferlich Werk zu tun, so sagen wir doch, da\u00df der freie Wille und Vernunft in geistlichen Sachen nichts vermag, n\u00e4mlich Gott wahrlich [wahrhaft] glauben, gewi\u00df sich zu verlassen, da\u00df Gott bei uns sei, uns erh\u00f6re, unsere S\u00fcnden vergebe usw. Denn das sind die rechten, hohen edelsten guten Werke der ersten Tafel in [den] zehn Geboten; die vermag kein Menschenherz ohne des Heiligen Geistes Licht und Gnade [zu tun], wie Paulus sagt zu den Korinthern: &#8220;Der nat\u00fcrliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes.&#8221; Das ist, ein Mensch, der nicht erleuchtet ist durch Gottes Geist, vernimmt gar nichts aus nat\u00fcrlicher Vernunft von Gottes Willen oder g\u00f6ttlichen Sachen. 74] Und das empfinden die Menschen, wenn sie ihr Herz fragen, wie sie gegen Gottes Willen gesinnt seien, ob sie auch gewi\u00df daf\u00fcrhalten, da\u00df Gott ihrer wahrnehme und sie erh\u00f6re. Denn solches gewi\u00df zu glauben und also auf einen unsichtbaren Gott sich ganz [zu] verlassen und, wie Petrus sagt, 1. Ep. 1, 8, den Christum, den wir nicht sehen, [zu] lieben und gro\u00df [zu] achten, das kommt auch die Heiligen schwer an; wie sollte es denn in [den] Gottlosen leicht sein? Dann heben wir an recht zu glauben, wenn unsere Herzen erst erschreckt werden und durch Christum wieder aufgerichtet, da wir durch den Heiligen Geist neugeboren werden, wie oben gesagt.<\/p>\n<p>75] Darum ist\u2019s gut, da\u00df man dieses klar unterscheidet, n\u00e4mlich, da\u00df die Vernunft und freier Wille vermag, etlicherma\u00dfen \u00e4u\u00dferlich ehrbar zu leben; aber neugeboren werden, inwendig ander Herz, Sinn und Mut kriegen, das wirkt allein der Heilige Geist. Also bleibt weltliche, \u00e4u\u00dferliche Zucht; denn Gott will ungeschicktes, wildes, freches Wesen und Leben nicht haben, und wird doch ein rechter Unterschied gemacht unter \u00e4u\u00dferlichem Weltleben und Fr\u00f6mmigkeit und der Fr\u00f6mmigkeit, die vor Gott gilt, die nicht philosophisch \u00e4u\u00dferlich ist, sondern inwendig im Herzen. 76] Und diesen Unterschied haben wir nicht erdichtet, sondern die Heilige Schrift setzt solches klar. So handelt\u2019s auch Augustinus,. Und ist neulich von Guilielmo Parisiensi auch flei\u00dfig geschrieben und gehandelt. Aber diejenigen, die ihnen [sich] selbst erdichten und ertr\u00e4umen, als verm\u00f6chten die Menschen Gottes Gesetz zu halten ohne den Heiligen Geist, und als werde der Heilige Geist uns Gnade geben in Ansehung unsers Verdienstes, haben diese n\u00f6tige Lehre sch\u00e4ndlich unterdr\u00fcckt. <\/p>\n<p>Artikel XIX. Von der Ursache der S\u00fcnde.<\/p>\n<p>77] Den XIX. Artikel lassen ihnen die Widersacher gefallen, da wir lehren, da\u00df, wiewohl der einige Gott die ganze Welt und ganze Natur geschaffen hat und alle Stunde alle Kreaturen erh\u00e4lt, so ist er doch nicht eine Ursache der S\u00fcnde, sondern der b\u00f6se Wille in Teufeln und Menschen, der sich von Gott abkehrt, der ist eine Ursache der S\u00fcnde, wie Christus sagt von dem Teufel: &#8220;Wenn er L\u00fcgen redet, so redet er aus seinem Eigenen.&#8221; <\/p>\n<p>Artikel XX. Von guten Werken.<\/p>\n<p>78] Im XX. Artikel setzen sie klar diese Worte, da\u00df sie unsere Lehre verwerfen und verdammen, da wir sagen, da\u00df die Leute durch gute Werke nicht verdienen Vergebung der S\u00fcnden. Das merke jedermann wohl: eben den Artikel verdammen und verwerfen sie mit klaren Worten. Was ist nun not, in dieser \u00f6ffentlichen Sache viel Worte zu machen? 79] Die gro\u00dfen Doctores und Meister der Konfutation geben da \u00f6ffentlich an Tag, was f\u00fcr ein Geist aus ihnen redet. Denn in der christlichen Kirche ist das kein geringer Artikel, sondern der allerh\u00f6chste und Hauptartikel, da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden erlangen ohne unser Verdienst, durch Christum, und da\u00df nicht unsere Werke, sondern Christus sei die Vers\u00f6hnung f\u00fcr unsere S\u00fcnden, wie Petrus sagt: &#8220;Dem Jesu geben Zeugnis alle Propheten, da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden erlangen, alle, die an ihn glauben.&#8221; Solch stark Zeugnis aller heiligen Propheten mag billig ein Beschlu\u00df hei\u00dfen der katholischen christlichen Kirche. Denn auch ein einiger Prophet gar gro\u00df bei Gott geachtet und ein Weltschatz ist. Derselben heiligen Kirche und dem eintr\u00e4chtigen Munde aller Propheten sollen wir billiger glauben denn den heillosen, gottlosen Sophisten, so die Konfutation gemacht haben und Christum so unversch\u00e4mt l\u00e4stern. 80] Denn wiewohl etliche Lehrer also auch davon geschrieben, da\u00df wir hernach, wenn uns die S\u00fcnde vergeben ist, nicht durch den Glauben, sondern durch unsere eigenen Werke Gnade erlangen, so haben sie doch das nicht gehalten, da\u00df die Vergebung der S\u00fcnden an ihr [sich] selbst um unserer Werke willen uns widerfahre, und nicht um Christus\u2019 willen.<\/p>\n<p>81] Darum ist es eine greuliche Gottesl\u00e4sterung, die Ehre Christi also unsern Menschenwerken zu geben. Und wir vergr\u00f6ssten und versehen uns zu Kaiserlicher Majest\u00e4t und auch andern F\u00fcrsten dieser kaiserlichen, f\u00fcrstlichen Tugend, da\u00df sie so \u00f6ffentliche Unwahrheit und Ungrund, dadurch vor aller Welt Gott und das Evangelium gel\u00e4stert wird, in keinem Wege w\u00fcrden in der Konfutation, wenn sie verwarnt w\u00e4ren, gelassen haben. Denn da\u00df dieser Artikel gewi\u00dflich g\u00f6ttlich und wahr ist, und das dies die heilige g\u00f6ttliche Wahrheit sei, 82] [daf\u00fcr] k\u00f6nnten wir hier gar nahe unz\u00e4hlige Spr\u00fcche der Schrift vorbringen, auch aus den V\u00e4tern. Und ist gar nahe keine Silbe, kein Blatt in der Bible, in den vornehmsten B\u00fcchern der Heiligen Schrift, da das nicht klar gemeldet w\u00e4re. Wir haben oben auch viel von diesen St\u00fccken gesagt, und gottesf\u00fcrchtige, fromme Herzen, die da wohl wissen, warum Christus gegeben ist, die da nicht f\u00fcr aller Welt G\u00fcter und K\u00f6nigreiche entbehren wollten, da\u00df Christus nicht unser einiger Schatz, unser einiger Mittler und Vers\u00f6hner w\u00e4re, die m\u00fcssen sich hier entsetzen und erschrecken, da\u00df Gottes heiliges Wort und Wahrheit so \u00f6ffentlich von armen Menschen verachtet und verdammt wird. Jesaias der Prophet sagt: &#8220;Der Herr hat auf ihn gelegt unser aller S\u00fcnde.&#8221; Die Widersacher aber l\u00fcgenstrafen Jesaiam und die ganze Bibel and Schrift und sagen, er habe unsere S\u00fcnde auf uns und unsere Werke und bettelische Genugtuung gelegt. Ich will dennoch hier schweigen der kindischen Werke, Rosenkr\u00e4nze, Wallfahrten und dergleichen. 83] Wir sehen gar wohl das ernstliche Mandat und das kaiserliche Edikt, wider uns und unsere Lehre ausgegangen [den Abschied des Augsburger Reichstags vom 19. November 1530] des sollten wir billig erschrecken, wenn wir von leichten, geringen Sachen oder von Sachen, die in Zweifel st\u00fcnden, zu handeln h\u00e4tten. Nachdem wir aber, Gott Lob! durch Gottes Wort in unsern Herzen und Gewissen des ganz ohne allen Zweifel vor Gott gewi\u00df sind, da\u00df die Widersacher verdammen die \u00f6ffentliche g\u00f6ttliche Wahrheit und die rechte, christliche, selige, heilige Lehre, ohne welche keine christliche Kirche irgend sein kann, welche ein jeder Christ, so fern sein Leib und Leben reicht, schuldig ist, zu der Ehre Gottes zu bekennen, zu retten und zu sch\u00fctzen: so lassen wir uns von solcher heilsamen Lehre nicht abschrecken. 84] Denn wer wollte ihm [sich] doch nicht w\u00fcnschen an seinem letzten Ende, da\u00df er im Bekenntnis des Artikels sterben m\u00f6chte, da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden durch den Glauben, ohne unser Verdienst und Werk, durch das Blut Christi erlangen? Es gibt die Erfahrung, wie die M\u00f6nche selbst bekennen m\u00fcssen, da\u00df sich die Gewissen nicht lassen stillen noch zufrieden bringen denn durch den Glauben an Christum. 85] Und die Gewissen k\u00f6nnen keinen rechten, best\u00e4ndigen Trost haben in den gro\u00dfen \u00cbngsten an [in] der Todesstunde und in Anfechtung wider das gro\u00dfe Schrecken des Todes, der S\u00fcnde, wenn sie nicht an die Zusage der Gnade in Christo sich halten. Auch k\u00f6nnen sie keinen best\u00e4ndigen Trost haben wider den Teufel, welcher dann erst stark die Herzen dr\u00e4ngt, \u00e4ngstet und zur Verzweiflung reizt und alle unsere Werke in einem Augenblick wie den Staub hinwegbl\u00e4st, wenn sie nicht an den Evangelio, an dieser Lehre, festhalten, da\u00df wir ohne unser Verdienst, durch das teure Blut Christi Vergebung der S\u00fcnden erlangen. Denn der Glaube allein erquickt und erh\u00e4lt uns in dem gro\u00dfen Todeskampf, in den gro\u00dfen \u00cbngsten, wenn keine Kreatur helfen kann, ja, wenn wir au\u00dferhalb dieser ganzen sichtlichen [sichtbaren] Kreatur von dannen in ein ander Wesen und Welt sollen abscheiden und sterben.<\/p>\n<p>86] Darum ist es eine Sache, die wahrlich der Rede wert ist, um welcher willen ein jeder Christ von Herzen gern alles wagen und in [Ge]Fahr setzen soll. Darum alle diejenigen, so dieser unserer Konfession anhangen, d\u00fcrfen sich nicht schrecken oder irren [irremachen] lassen, sondern m\u00f6gen in aller Freudigkeit auf Gott und den Herrn Christum es getrost und fr\u00f6hlich wagen und diese \u00f6ffentliche Wahrheit wider alle Welt, Tyrannei, Zorn, Drohen, Schrecken, auch wider alles tyrannische t\u00e4gliche Morden und Verfolgen fr\u00f6hlich bekennen. Denn wer wollte ihm [sich] doch solchen gro\u00dfen, ja ewigen Trost, daran der ganzen christlichen Kirche alles Heil gelegen ist, nehmen lassen? Wer die Bibel in die Hand nimmt und mit Ernst liest, der merkt bald, da\u00df allenthalben in der Schrift diese Lehre gegr\u00fcndet ist. 87] Dann Paulus sagt klar R\u00f6m. 3 und 4, da\u00df die S\u00fcnden ohne Verdienst, um Christus\u2019 willen vergeben werden; darum sagt er: &#8220;Wir werden gerecht durch den Glauben ohne Verdienst, da\u00df die Verhei\u00dfung feststehe.&#8221; Das ist, so die Verhei\u00dfung aus unsern Werken w\u00e4re, so w\u00e4re sie nicht fest. Und wenn die Gnade oder Vergebung der S\u00fcnden gegeben w\u00fcrde um unserer Werke willen, wann w\u00fcrden wir dann gewi\u00df, da\u00df wir Gnade erlangt h\u00e4tten? Wann wollte das Gewissen ein solch Werk finden, das genug w\u00e4re, Gottes Zorn zu vers\u00f6hnen? 88] Wir haben hier oben davon genug gesagt; da mag ein jeder Spr\u00fcche der Schrift, so diese Lehre gr\u00fcnden, suchen. Denn an diesem Ort hat mich bewegt, so heftig zu klagen, die greuliche, unversch\u00e4mte, \u00fcbermachte [\u00fcberm\u00e4\u00dfige], vorgefa\u00dfte Bosheit der Widersacher, da sie mit klaren Worten setzen, da\u00df sie diesen Artikel verwerfen, da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden erlange nicht durch unsere Werke, sondern ohne Verdienst, durch den Glauben an Christum.<\/p>\n<p>89] Die Widersacher f\u00fchren auch etliche Spr\u00fcche der Schrift ein, warum sie diesen Artikel verdammen. N\u00e4mlich bringen sie den Spruch Petri hervor: &#8220;Flei\u00dfiget euch, euren Beruf festzumachen durch gute Werke&#8221;, usw. Da sieht jedermann, da\u00df unsere Widersacher ihr Geld nicht \u00fcbel angelegt, da sie Dialecticam studiert haben. Denn sie m\u00f6gen die Spr\u00fcche der Schrift gereimt, ungereimt, schlie\u00dflich, unschlie\u00dflich, wie sie wollen, und wie es ihnen gef\u00e4llt, einf\u00fchren. Denn also schlie\u00dfen sie: Petrus sagt: &#8220;Flei\u00dfiget euch, durch gute Werke euren Beruf festzumachen&#8221;; darum verdienen wir durch Werke Vergebung der S\u00fcnden. Es ist wahrlich einen feine Argumentation, als wenn einer spr\u00e4che von einem Beklagten im Halsgericht, welchem das Leben gefristet w\u00e4re: Der Richter hat geboten, da\u00df der forthin sich solcher \u00dcbeltat soll enthalten; darum so hat er verdient mit solchem Enthalten, da\u00df ihm das Leben gefristet ist. 90] Also argumentieren, das hei\u00dft, ex non causa causam machen. Denn Petrus redet von guten Werken und Fr\u00fcchten, die da folgen dem Glauben, und lehrt, warum man sie tun solle, n\u00e4mlich, da\u00df wir unsern Beruf festmachen, das ist, da\u00df wir nicht wiederum vom Evangelio fallen, wenn wir wiederum s\u00fcndigten. Will sagen: Tut gute Werke, da\u00df ihr bei dem Evangelio, bei eurem himmlischen Beruf bleibt, da\u00df ihr nicht wiederum abfallt, kalt werdet, verliert Geist und Gaben, die euch aus Gnaden durch Christum widerfahren sind, nicht um der folgenden Werke willen. Denn in dem Beruf bleibt man fest durch den Glauben, und der Glauben und [der] Heilige Geist bleibt in denjenigen nicht, die s\u00fcndlich Leben f\u00fchren.<\/p>\n<p>91] Der Spr\u00fcche und Zeugnisse setzen sie mehr, die sich ebensowohl reimen. Dazu d\u00fcrfen sie sagen, da\u00df diese Meinung vor tausend Jahren zu Augustinus\u2019 Zeiten verdammt sei. Das ist nicht wahr, sondern eine L\u00fcge. Denn die christlich Kirche hat allezeit gehalten, da\u00df Vergebung der S\u00fcnden ohne Verdienst uns widerfahre, und die Pelagianer sind darum verdammt, die da sagten, die Gnade w\u00fcrde uns gegeben um unserer Werke willen. 92] Wir haben oben genug angezeigt, da\u00df wir auch lehren, da\u00df, wo Glaube ist, da sollen auch gute Fr\u00fcchte und gute Werke folgen. &#8220;Den wir tun das Gesetz nicht ab, sondern richten es auf&#8221;, wie Paulus sagt. Denn wenn wir durch den Glauben den Heiligen Geist empfangen haben, so folgen gute Fr\u00fcchte, da nehmen wir denn zu in der Liebe, in Geduld, in Keuschheit und andern Fr\u00fcchten des Geistes. <\/p>\n<p>Artikel XXI. (IX.) Vom Anrufen der Heiligen.<\/p>\n<p>1] Den einundzwanzigsten Artikel verdammen die Widersacher ganz, da\u00df wir vom Anrufen der Heiligen nichts lehren, und sie handeln kein St\u00fcck so gar mit weitl\u00e4uftigem Geschw\u00e4tze und richten doch nichts aus, denn da\u00df sie sagen, man solle die Heiligen ehren. Item, sie probieren [beweisen], die lebendigen Heiligen beten einer f\u00fcr den andern; daraus schlie\u00dfen sie, da\u00df man die toten Heiligen solle und m\u00fcsse anrufen. 2] Sie ziehen an Cyprianum, der habe Cornelium, da er noch gelebt, gebeten, da\u00df er wenn er gestorben w\u00e4re, f\u00fcr die Br\u00fcder bitten wolle. Damit beweisen sie, da\u00df man die toten Heiligen m\u00fcsse anrufen. Auch ziehen sie an Hieronymum wider Vigilantium und sagen: In dieser Sache hat vor tausend Jahren Hieronymus Vigilantium \u00fcberwunden. Also gehen sie \u00fcberhin, meinen, sie haben weit gewonnen, und sehen die groben Esel nicht, da\u00df im Hieronymo wider Vigilantium keine Silbe steht vom Anrufen der Heiligen. Hieronymus redet nicht vom Anrufen der Heiligen, sondern von Heiligen ehren. 3] Auch so haben die alten Lehrer vor Gregorius\u2019 Zeiten des Anrufens der Heiligen nicht gedacht. Und die Anrufung der Heiligen wie auch die applicatio des Verdienstes der Heiligen, davon die Widersacher lehren, hat gar keinen Grund in der Schrift.<\/p>\n<p>4] In unserer Konfession leugnen wir nicht, da\u00df man die Heiligen ehren soll. Denn dreierlei Ehre ist, damit man die Heiligen ehrt. F\u00fcr das erste, da\u00df wir Gott danksagen, da\u00df er uns an den Heiligen Exempel seiner Gnade hat dargestellt, da\u00df er hat Lehrer in der Kirche und andere Gaben gegeben, und die Gaben, weil sie gro\u00df sind, soll man sie noch preisen, auch die Heiligen selbst loben, die solche Gaben wohl gebraucht haben, wie Christus im Evangelio lobt die tre\u00fcn Knechte. 5] Die andere Ehre, so wir den Heiligen tun m\u00f6gen, [ist,] da\u00df wir an ihrem Exempel unsern Glauben st\u00e4rken; als wenn ich sehe, da\u00df Petro aus so reicher Gnade die S\u00fcnde vergeben ist, da er Christum verleugnet, wird mein Herz und Gewissen gest\u00e4rkt, da\u00df ich glaube, da\u00df die Gnade m\u00e4chtiger sei denn die S\u00fcnde. 6] F\u00fcr das dritte ehren wir die Heiligen, wenn wir ihres Glaubens, ihrer Liebe, ihrer Geduld Exempel nachfolgen, ein jeder nach seinem Beruf. 7] Von dieser rechten Ehre der Heiligen reden die Widersacher gar nichts; allein von dem Anrufen der Heiligen, welches, wenn es auch ohne F\u00e4hrlichkeit [Gefahr] der Gewissen w\u00e4re, doch nicht not ist, da zanken sie von.<\/p>\n<p>8] Dar\u00fcber so geben wir ihnen nach, da\u00df die Engel f\u00fcr uns bitten. Denn Zach. 1 steht geschrieben, da\u00df der Engel bittet: &#8220;Herr Zebaoth, wie lange willst du dich nicht erbarmen \u00fcber Jerusalem?&#8221; 9] Und wiewohl wir nachgeben, da\u00df gleichwie die lebendigen Heiligen f\u00fcr die ganze Kirche bitten insgemein oder in genere. Doch hat solches kein Zeugnis in der Schrift denn allein den Traum, der genommen ist aus dem andern Buch Maccabaeorum.<\/p>\n<p>10] Weiter, ob die Heiligen gleich beten f\u00fcr die Kirche, so folgt doch daraus nicht, da\u00df man die Heiligen solle anrufen; wiewohl unsere Konfession allein dies setzt: In der Schrift steht nichts von dem Anrufen der Heiligen, oder da\u00df man Hilfe suchen sollen bei den Heiligen. So man nun weder Gebot noch Zusage noch Exempel aus der Schrift mag vorbringen, so folgt, da\u00df kein Herz noch Gewissen darauf sich verlassen kann. Denn dieweil ein jeglich Gebet soll aus dem Glauben geschehen, woher will ich denn wissen, da\u00df Gott ihm [sich] gefallen l\u00e4\u00dft das Anrufen der Heiligen, wenn ich nicht Gottes Wort davon habe? Wodurch werde ich gewi\u00df, da\u00df die Heiligen mein Gebet und eines jeden besondern [insbesondere] h\u00f6ren? 11] Etliche machen schlechts [geradezu] G\u00f6tter aus den Heiligen und sagen, sie k\u00f6nnen unsere Gedanken wissen und uns ins Herz sehen. Dasselbe erdichten sie, nicht da\u00df sie ihre Kretschmerei [Handel] und Jahrmarkt, welcher ihnen Geld [ein]tr\u00e4gt, verteidigen. Wir sagen noch wie vor[hin]: In Gottes Wort, in der Schrift, steht nicht, da\u00df die Heiligen unser Anrufen verstehen, und ob sie es verst\u00fcnden, da\u00df Gott ihm [sich] solch Anrufen gefallen lasse; so hat\u2019s je keinen Grund. 12] Dawider k\u00f6nnen die Widersacher nichts aufbringen; 13] darum sollten die Widersacher uns zu ungewissen Dingen nicht zwingen oder dringen; denn ein Gebet ohne Glauben ist nicht ein Gebet. Denn da\u00df sie sagen, die Kirche habe es im Gebrauch, so ist es doch gewi\u00df, da\u00df solches ein ne\u00fcr Gebrauch in der Kirche ist, denn die alten Kollekten, ob sie wohl der Heiligen gedenken, so rufen sich doch die Heiligen nicht an.<\/p>\n<p>14] Dar\u00fcber reden die Widersacher nicht allein vom Anrufen der Heiligen, sondern sagen auch, das Gott der Heiligen Verdienst annehme f\u00fcr unsere S\u00fcnde, und machen also aus den Heiligen nicht allein F\u00fcrbitter, sondern Mittler und Vers\u00f6hner. Das ist nun gar nicht zu leiden; denn da geben sie die Ehre, so Christo allein geb\u00fchrt, den Heiligen; denn sie machen aus ihnen Mittler und Vers\u00f6hner. Und wiewohl sie wollen Unterschied machen unter Mittlern, die f\u00fcr uns bitten, und dem Mittler, der uns erl\u00f6st und Gott vers\u00f6hnt hat, so mache sie doch aus den Heiligen Mittler, dadurch die Leute vers\u00f6hnt werden. 15] Und da\u00df sie sagen, die Heiligen sind Mittler, f\u00fcr uns zu bitten, das sagen sie auch ohne alle Schrift; Und wenn man schon davon aufs glimpflichste reden will, so wird doch Christus und seine Wohltat durch solche Lehre unterdr\u00fcckt, und vertra\u00fcn [sie] da auf die Heiligen, da sie auf Christum vertra\u00fcn sollten. Denn die erdichten ihnen [sich] selbst einen Wahn, als sei Christus ein strenger Richter und die Heiligen gn\u00e4dige, g\u00fctige Mittler; fliehen also zu den Heiligen, sche\u00fcn sich vor Christo wie vor einem Tyrannen, vertra\u00fcn mehr auf die G\u00fcte der Heiligen denn auf die G\u00fcte Christi, laufen von Christo und suchen der Heiligen Hilfe. Also machen sie im Grunde doch mediatores redemptionis aus den Heiligen.<\/p>\n<p>16] Derhalben wollen wir beweisen, da\u00df sie aus den Heiligen machen nicht allein F\u00fcrbitter, sondern Vers\u00f6hner und mediatores redemptionis. wir reden hier noch nicht von groben Mi\u00dfbr\u00e4uchen, wie der gemeine P\u00f6bel mit den Heiligen und Wallfahrten \u00f6ffentlich Abg\u00f6tterei treibt: wir reden, was ihre Gelehrten von diesem St\u00fccke predigen, schreiben und in ihren Schulen lehren. Das andere, als die groben Mi\u00dfbr\u00e4uche, k\u00f6nnen auch unerfahrene, grobe Leute urteilen und richten.<\/p>\n<p>17] Es geh\u00f6ren zwei St\u00fccke zu einem Mittler und Vers\u00f6hner. F\u00fcr das erste ein gewi\u00df, klar Gotteswort und =verhei\u00dfung, da\u00df Gott durch den Mittler erh\u00f6ren will alle, die ihn anrufen. Eine solche g\u00f6ttliche Zusage steht in der Schrift von Christo: &#8220;Was ihr werdet bitten den Vater in meinem Namen, das wird er euch geben.&#8221; Von den Heiligen steht nirgend in der Schrift einen solche Zusage, darum kann keiner bei sich gewi\u00df schlie\u00dfen, da\u00df er auf Anrufen der Heiligen erh\u00f6rt werde; 18] darum ist solch Anrufen nicht aus dem Glauben. Dar\u00fcber haben wir Gottes Wort und Gebot, da\u00df wir sollen Christum anrufen, da er sagt: &#8220;Kommt zu mir alle, die ihr m\u00fchselig und beladen seid, und ich will euch erquicken.&#8221; Ps. 45: &#8220;Vor deinem Angesicht werden anbeten alle Reichen im Volk.&#8221; Und Ps. 45: &#8220;Vor deinem Angesicht werden anbeten alle Reichen im Volk.&#8221; Und Ps. 72: &#8220;und werden ihn anbeten alle K\u00f6nige auf Erden.&#8221; Und bald hernach: &#8220;Sie werden t\u00e4glich vor ihm knien&#8221; usw. Und Joh. 5 sagt Christus: &#8220;Damit sie alle ehren den Sohn, wie sie ehren den Vater.&#8221; Item 2 Thess. 2 sagt Paulus, da er betet: &#8220;unser Herr Jeus Christus und Gott, unser Vater, ermahne eure Herzen und st\u00e4rke euch!&#8221; Das sind eitel Spr\u00fcche von Christo. Aber vom Anrufen der Heiligen k\u00f6nnen die Widersacher kein Gottesgebot, kein Exempel der Schrift vorbringen. 19] Zum andern geh\u00f6rt zu einem Vers\u00f6hner, da\u00df sein Verdienst f\u00fcr andere Leute bezahle, da\u00df seines Verdienstes und Bezahlung ander teilhaftig werden, als h\u00e4tten sie selbst bezahlt. Als, wenn ein guter Freund f\u00fcr den andern Schuld bezahlt, da wird der Schuldiger durch eines andern Bezahlung, also durch sein eigen Bezahlen, der Schuld los. Also wird uns Christi Verdienst geschenkt und zugerechnet, wenn wir an ihn glauben, gleich als w\u00e4re sein Verdienst unser, da\u00df uns also seine Gerechtigkeit und sein Verdienst wird zugerechnet, und wird sein Verdienst unser eigen.<\/p>\n<p>20] Auf beide St\u00fccke, n\u00e4mlich auf die g\u00f6ttliche Zusage und auf Christi Verdienst, mu\u00df ein christlich Gebet sich gr\u00fcnden. Ein solcher Glaube an die g\u00f6ttliche Zusage und auf das Verdienst Christi geh\u00f6rt zum Gebet. Denn wir sollen\u2019s gewi\u00df daf\u00fcrhalten, da\u00df wir um Christus\u2019 willen erh\u00f6rt werden, und da\u00df wir um seinetwillen einen gn\u00e4digen Gott haben.<\/p>\n<p>21] Da lehren nun die Widersacher, wir sollen die Heiligen anrufen, so wir dazu weder Gebot noch Verhei\u00dfung noch Exempel in der Schrift haben, und machen doch damit, da\u00df man gr\u00f6\u00dferes Vertra\u00fcn auf die Heiligen setzt denn auf Christum, so doch Christus sagt: &#8220;Kommt zu mir&#8221;, nicht zu den Heiligen. 22] Zum andern sagen sie, da\u00df Gott der Heiligen Verdienste annehme f\u00fcr unsere S\u00fcnde, und lehren also Vertra\u00fcn auf der Heiligen Verdienste, nicht auf das Verdienst Christi. 23] Und solches lehren sie klar vom Abla\u00df, darin sie der Heiligen Verdienst austeilen als satisfactiones f\u00fcr unsere S\u00fcnden. Und Gabriel [Biel], der den canonem missae auslegt, der darf frei sagen: &#8220;Wir sollen nach der Ordnung, die Gott eingesetzt hat, fliehen zu den Heiligen, da\u00df wir durch ihre Hilfe und Verdienste selig werden.&#8221; Dies sind die klaren Worte Gabrielis. Und hin und wieder in der Widersacher B\u00fcchern findet man noch viel Ungeschickteres vom Verdienst der Heiligen. Hei\u00dft das nun die Heiligen nicht zu Vers\u00f6hnern gemacht? Denn da werden sie doch gar Christo gleich, wenn wir vertra\u00fcn sollen, das wir durch ihre Verdienste selig werden.<\/p>\n<p>24] Wo ist aber die Ordnung von Gott eingesetzt, da Gabriel von redet, da\u00df wir sollen zu den Heiligen fliehen? Er bringe doch ein Wort, ein einig Exempel aus der Heiligen Schrift. Sie machen vielleicht die Ordnung von dem Gebrauch, der in weltlichen F\u00fcrstenh\u00f6fen ist, da die R\u00e4te des F\u00fcrsten armer Leute Sachen vortragen und als Mittler f\u00f6rdern. Wie aber, wenn ein F\u00fcrst oder ein K\u00f6nig einen einigen Mittler bestellte und wollte durch keinen andern die Sachen in Gnaden h\u00f6ren, oder alle Bitte durch den allein erh\u00f6ren? Darum so Christus nun allein zu einem Hohenpriester und Mittler gesetzt ist, warum suchen wir denn andere? Was k\u00f6nnen nun hier die Widersacher dawider sagen?<\/p>\n<p>25] Es ist eine gemeine Form der Absolution bis anher gebraucht, die lautet also: &#8220;Das Leiden unsers Hern Jeu Christi, die Verdienste der Mutter Maria und aller Heiligen sollen sein dir zur Vergebung der S\u00fcnden.&#8221; Da wird \u00f6ffentlich die Absolution gesprochen nicht allein durch das Verdienst Christi, sondern auch durch Verdienste der andern Heiligen, da\u00df wir durch dieselben sollen Gnade und Vergebung der S\u00fcnden erlangen. 26] Etliche aus uns haben gesehen einen Doktor der Heiligen Schrift in agone oder an [in] seinen letzten Z\u00fcgen; dem war ein M\u00f6nch beigegeben, ihn zu tr\u00f6sten. Nun rief und schrie er dem sterbenden Menschen nichts anderes ein denn allein diese Gebet: &#8220;Maria, du Mutter der G\u00fcte und Gnade, beh\u00fcte uns vor dem Feinde und in der Todesstunde nimm uns auf, Maria, mater gratiae&#8221; etc.<\/p>\n<p>27] Ob nun gleich Maria, die Mutter Gottes, f\u00fcr die Kirche bittet, so ist doch das zu viel, da\u00df sie sollte den Tod \u00fcberwinden, da\u00df sie vor den gro\u00dfen Gewalt des Satans uns beh\u00fcten sollte. Denn was w\u00e4re Christus not, wenn Maria das verm\u00f6chte? Denn wiewohl sie alles h\u00f6chsten Lobes wert ist, so will sie doch nicht Christo gleich gehalten sein, sondern will vielmehr, da\u00df wir dem Exempel ihres Glaubens und ihrer Demut folgen sollen. 28] Nun ist dies \u00f6ffentlich am Tage, da\u00df durch solche falsche Lehre Maria an Christus\u2019 Statt ist gekommen; dieselbe haben sie angerufen, auf deren G\u00fcte haben sie vertraut, durch die haben sie gewollt [wollen] Christum vers\u00f6hnen, gleich als sei er nicht ein Vers\u00f6hner, sondern allein ein schrecklicher, rachgieriger Richter. 29] Wir sagen aber, da\u00df man nicht lehren soll auf die Heiligen vertra\u00fcn, als machte uns ihr Verdienst selig, sondern allein um Christus\u2019 Verdienstes willen erlangen wir Vergebung der S\u00fcnden und Seligkeit, wenn wir an ihn glauben. Von den andern Heiligen ist gesagt: &#8220;Ein jeder wird Lohn empfangen nach seiner Arbeit&#8221; usw. Das ist, sie untereinander k\u00f6nnen einer dem andern ihr Verdienst nicht mitteilen, wie die M\u00f6nche ihrer Orden Verdienste uns unversch\u00e4mt verkauft haben. 30] Und Hilarius sagt von den t\u00f6richten Jungfra\u00fcn: &#8220;Dieweil die tollen dem Br\u00e4utigam nicht k\u00f6nnen entgegengehen, dieweil ihre Lampen vorloschen sind, so bitten sie die weisen, da\u00df sie ihnen wollen \u00d6l leihen; aber dieselben antworten, sie konnen\u2019s ihnen nicht leihen, denn es m\u00f6chte beiden fehlen; es sei nicht genug f\u00fcr alle&#8221; usw. Da zeigt er an, da\u00df niemand unter uns durch fremde Werke oder Verdienste dem andern helfen kann.<\/p>\n<p>31] So nun die Widersacher lehren, da\u00df wir auf Anrufen der Heiligen vertra\u00fcn sollen, so sie doch des keinen Gottesbefehl haben, kein Gotteswort noch Exempel Alten oder Ne\u00fcn Testaments haben, so sie auch das Verdienst der Heiligen so hoch heben als das Verdienst Christi und die Ehre, so Christo geb\u00fchrt, den Heiligen geben, so k\u00f6nnen wir ihre Meinung und Gewohnheit vom Anbeten oder Anrufen der Heiligen nicht loben noch annehmen. Denn wir wissen, da\u00df wir unser Vertra\u00fcn sollen setzen auf Christum; da haben wir Gottes Zusage, da\u00df er soll der Mittler sein; so wissen wir, da\u00df allein Christi Verdienst eine Vers\u00f6hnung f\u00fcr unsere S\u00fcnde ist. Um Christus\u2019 willen werden wir vers\u00f6hnt, wenn wir in [an] ihn glauben, wie der Text sagt: &#8220;Alle, die an ihn glauben, die sollen nicht zuschanden werden.&#8221; Und man soll nicht vertra\u00fcn, da\u00df wir von wegen des Verdienstes Mari\u00e4 vor Gott gerecht sind.<\/p>\n<p>32] Auch so predigen ihre Gelehrten unversch\u00e4mt, da\u00df jeder unter\u2019n Heiligen eine sonderliche Gabe k\u00f6nne geben, als: St. Anna beh\u00fcte vor Armut, St. Sebastianus vor der Pestilenz, St. Valten vor der fallenden Seuche; den heiligen Ritter J\u00f6rgen haben die Reiter angerufen, vor Stich und Scho\u00df [Gescho\u00df] und allerlei Fahr zu beh\u00fcten. Und das alles im Grunde ist von Heiden hergekommen. Und ich will gleich setzen, da\u00df die Widersacher nicht so gar unversch\u00e4mt heidnische L\u00fcgen vom Anrufen der Heiligen lehrten, dennoch ist das Exempel [ge]f\u00e4hrlich. 33] So sie auch des keinen Gottesbefehl noch =wort haben, auch aus den alten V\u00e4tern davon nichts Gewisses k\u00f6nnen aufbringen: was ist denn not, da\u00df man solchen Ungrund verteidigen will? 34] Erstlich aber ist es darum ganz [ge]f\u00e4hrlich; denn so man andere Mittler sucht denn Christum, so setzt man vertra\u00fcn auf dieselben, und wird also Christus und die Erkenntnis Christi ganz unterdr\u00fcckt, wie wir leider die Erfahrung haben. Denn es mag sein, da\u00df erstlich etliche [in] guter Meinung der Heiligen gedacht haben in ihrem Gebet. Bald hernach ist gefolgt das Anrufen der Heiligen. Bald nach dem Anrufen sind einzeln eingerissen die wunderlichen heidnischen Gre\u00fcl und Mi\u00dfbr\u00e4uche usw., als, da\u00df man\u2019s daf\u00fcrgehalten, da\u00df die Bilder einen eigenen heimliche Kraft h\u00e4tten, wie die Zauberer und magi daf\u00fcrhalten, da\u00df wenn man etliche Sternzeichen zu gewisser Zeit in Gold oder ander Metall gr\u00e4bt oder bildet, die sollten eine sonderliche heimliche Kraft haben und Wirkung. Unser etliche haben etwan [vormals] in einem Kloster ein Marienbild gesehen von Holz geschnitzt, welches also inwendig mit Schn\u00fcrlein konnte gezogen werden, da\u00df es von au\u00dfen schien, als regte sich\u2019s von ihm selbst, als winkte es mit dem Haupt den Anbetern, die es erh\u00f6rt, und als wendete es das Angesicht weg von den Anbetern, die nicht viel opferten, die es nicht erh\u00f6rt.<\/p>\n<p>35] Und ob solcher Gre\u00fcl, solche Abg\u00f6tterei, Wallfahrten und Betrug mit den Bildern unz\u00e4hlig und uns\u00e4glich nicht w\u00e4ren gewesen, so sind doch noch greulicher und h\u00e4\u00dflicher gewesen die vielen Fabeln und L\u00fcgen der Legenden von Heiligen, welche man \u00f6ffentlich gepredigt. Als, von St. Barbara haben sie gepredigt, da\u00df sie an ihrem Tode Gott gebeten habe, f\u00fcr ihre Marter den Lohn zu geben, wer sie anriefe, da\u00df der nicht k\u00f6nnte ohne Sakrament sterben. St. Christophorum, welcher auf deutsch hei\u00dft Christtr\u00e4ger, hat etwan [einst] ein weiser Mann den Kindern in solcher gro\u00dfen L\u00e4nge malen lassen und hat wollen anzeigen, da\u00df eine gr\u00f6\u00dfere St\u00e4rke, denn Menschenst\u00e4rke ist, in denjenigen sein m\u00fcsse, die Christum sollen tragen, die das Evangelium predigen und bekennen sollen. Denn sie m\u00fcssen durch das gro\u00dfe Meer bei Nacht waten usw., das ist, allerlei gro\u00dfe Anfechtung und Fahr [Gefahr] ausstehen. Da sind danach die tollen, ungelehrten, heillosen M\u00f6nche zugefahren und haben das Volk also gelehrt, den Christophorum an[zu]rufen, als sei etwan [vorzeiten] ein solch gro\u00dfer Riese leiblich vorhanden gewesen, der Christum durchs Meer getragen habe. 36] So nun Gott der Allm\u00e4chtige durch seine Heiligen, als sonderliche Leute, viel gro\u00dfes Dinges gewirkt in beiden Regimenten, in der Kirche und in weltliche H\u00e4ndeln (so sind viel gro\u00dfe Exempel an der Heiligen Leben, welche F\u00fcrsten und Herren, rechten Pfarrherren und Seelsorgern, beide zum Weltregiment und Kirchenregierung, vornehmlich zur St\u00e4rkung des Glaubens gegen Gott ganz n\u00fctz w\u00e4ren): die haben sie lassen fahren und das Geringste von den Heiligen gepredigt, von ihrem harten Lager, von h\u00e4renen Hemden usw.; welches des gr\u00f6\u00dfern Teils L\u00fcgen sind. Nun w\u00e4re es je n\u00fctz und fast tr\u00f6stlich zu h\u00f6ren, wie etliche gro\u00dfe, heilige Leute (wie in der Heiligen Schrift von K\u00f6nigen Isr\u00e4ls und Judas erz\u00e4hlt wird) in ihrem Regiment Land und Leute regiert h\u00e4tten, wie sie gelehrt und gepredigt, was mancherlei Fahr [Gefahr] und Anfechtung sie ausgestanden, wie auch viel gelehrte Leute den K\u00f6nigen, F\u00fcrsten und Herren in gro\u00dfen [ge]f\u00e4hrlichen L\u00e4uften r\u00e4tig und tr\u00f6stlich seien gewesen, wie sie gelehrt und das Evangelium gepredigt haben, was mancherlei K\u00e4mpfe sie mit den Ketzern ausgestanden. So w\u00e4ren auch die Exempel, da den Heiligen gro\u00dfe, sonderliche Barmherzigkeit von Gott erzeigt, fast [sehr] n\u00fctz und tr\u00f6stlich. Als, wenn wir sehen, da\u00df Petrus, so Christum verleugnet, Gnade erlangt hat, da\u00df Cypriano seine magia vergeben ist. Item, wir lesen, da\u00df Augustinus, da er todkrank gewesen, erst die Kraft des Glaubens erfahren hat und \u00f6ffentlich Gott bekennt mit diesen Worten: &#8220;Nun habe ich erst empfunden, da\u00df Gott der Gl\u00e4ubigen Seufzen und Gebet erh\u00f6re.&#8221; 37] Solche Exempel des Glaubens, da man lernt Gott f\u00fcrchten, Gott vertra\u00fcn, daraus man recht steht, wie es gottesf\u00fcrchtigen Leuten in der Kirche, auch in gro\u00dfen Sachen der hohen weltlichen Regimente ergangen, die h\u00e4tte man flei\u00dfig und klar von den Heiligen schreiben und predigen sollen. Nun haben etliche m\u00fc\u00dfige M\u00f6nche und lose Buben (welche nicht gewu\u00dft, wie gro\u00dfe und schwere Sorge es ist, Kirchen oder sonst Leute regieren) Fabeln erdichtet, zum Teil aus der Heiden B\u00fcchern, da nicht denn Exempel sind, wie die Heiligen h\u00e4rene Hemde getragen, wie sie ihre sieben Zeiten gebetet, wie sie Wasser und Brot gegessen, und haben das alles gerichtet auf ihre Kretschmerei [Handel], aus den Wallfahrten Feld zu merken [markten, einzunehmen]; wie denn sind die Wunderzeichen, welche sie vom Rosenkranze r\u00fchmen, und wie die Barf\u00fc\u00dferm\u00f6nche von ihren h\u00f6lzernen K\u00f6rnern r\u00fchmen. Und ist hier nicht gro\u00df Not, Exempel anzuzeigen; ihre L\u00fcgenlegenden sind noch vorhanden, da\u00df man\u2019s nicht verneinen mag. [leugnen kann].<\/p>\n<p>38] Und solchen Gre\u00fcl wider Christum, solche Gottesl\u00e4sterung, sch\u00e4ndliche, unversch\u00e4mt L\u00fcgen und Fabeln, solche L\u00fcgenprediger k\u00f6nnen die Bisch\u00f6fe und Theologen leiden und haben sie lange Zeit gelitten zu gro\u00dfem Schaden der Gewissen, da\u00df es schrecklich ist zu gedenken; denn solche L\u00fcgen haben Feld und Zinse getragen. Uns aber, die wir das Evangelium rein predigen, wollten sie gern vertilgen, so wir doch darum das Anrufen der Heiligen anfechten, damit Christus allein der Mittler bleibe und der gro\u00dfe Mi\u00dfbrauch abgetan werden. 39] So auch lange vor dieser Zeit, ehe D. Luther geschrieben, ihre Theologen selbst, auch alle frommen, gottesf\u00fcrchtigen, ehrbaren Leute \u00fcber die Bisch\u00f6fe und Prediger geschrien, da\u00df sie die Mi\u00dfbr\u00e4uche um des Bauchs und Gelds willen zu strafen \u00fcbergingen, so gedenken doch unsere Widersacher in ihrer Konfutation solcher Mi\u00dfbr\u00e4uche nicht mit einem Wort, da\u00df so wir die Konfutation ann\u00e4hmen, m\u00fc\u00dften wir zugleich in alle ihre \u00f6ffentlichen Mi\u00dfbr\u00e4uche gehen.<\/p>\n<p>40] Also voll Hinterlist und gef\u00e4hrlichen Betrugs ist ihre ganze Konfutation, nicht allein an diesem Ort, sondern allenthalben. Sie stellen sich, als seien sie gar goldrein, als haben [h\u00e4tten] sie nie kein Wasser getr\u00fcbt. Denn an keinem Ort unterscheiden sie von ihren dogmatibus oder Lehren die \u00f6ffentlichen Mi\u00dfbr\u00e4uche. Und doch, viele unter ihnen sind so ehrbar und redlich, bekennen selbst, da\u00df viele Irrt\u00fcmer sind in der scholasticorum und Kanonisten B\u00fccher, da\u00df auch viele Mi\u00dfbr\u00e4uche durch ungelehrte Predigen und durch so gro\u00dfen, sch\u00e4ndlichen Unflei\u00df der Bisch\u00f6fe eingerissen sind in der Kirche. 41] Es ist auch D. Luther nicht allein noch der erste gewesen, der \u00fcber solche unz\u00e4hlige Mi\u00dfbr\u00e4uche geschrien und geklagt hat. Es sind viel gelehrte, redliche Leute vor dieser Zeit gewesen, welche erb\u00e4rmlich geklagt haben \u00fcber den gro\u00dfen Mi\u00dfbrauch der Messe, \u00fcber Mi\u00dfbrauch der M\u00f6ncherei, item, \u00fcber solchen Geiz= und Geld Markt der Wallfahrten, und sonderlich, da\u00df der n\u00f6tigste Artikel von der Bu\u00dfe, von Christo, ohne welchen keine christliche Kirche sein noch bleiben kann, welcher vor allen andern rein und richtig soll gelehrt werden, so j\u00e4mmerlich ward unterdr\u00fcckt.<\/p>\n<p>42] Darum haben die Widersacher darin nicht treulich noch christlich gehandelt, da\u00df sie in ihrer Konfutation die \u00f6ffentlichen Mi\u00dfbr\u00e4uche stillschweigend \u00fcbergangen [haben]. Und wenn es ihnen rechter Ernst w\u00e4re, der Kirche und den armen Gewissen zu helfen und nicht vielmehr Pracht und Geiz zu erhalten, so h\u00e4tten sie hier einen rechten Zutritt und Ursache gehabt und sollten sonderlich an diesem Ort die Kaiserliche Majest\u00e4t, unsern allergn\u00e4digsten Herrn, aufs untert\u00e4nigste angesucht haben, solche gro\u00dfe, \u00f6ffentliche sch\u00e4ndliche Mi\u00dfbr\u00e4uche, welche uns Christen auch bei T\u00fcrken, bei Juden und allen Ung\u00e4ubigen zum Spott gereichen, abzuschaffen. Denn wir in vielen St\u00fccken klar genug vermerkt, da\u00df Kaiserliche Majest\u00e4t, unser allergn\u00e4digster Herr, ohne Zweifel mit allem tre\u00fcn Flei\u00df die Wahrheit forschen und nachsuchen und gern die christliche Kirche recht bestellt und geordnet sehen. Aber den Widersachern ist daran nicht viel gelegen, wie sie der kaiserlichen Majest\u00e4t kaiserlichem, christlichem Gem\u00fct, willen und l\u00f6blichem Bedenken genug tun, oder wie sie den Sachen helfen, sondern wie sie nur die Wahrheit und uns unterdr\u00fccken. 43] Denn sie liegen darum nicht viel ungeschlafen, da\u00df die christliche Lehre und das Evangelium rein gepredigt werde. Das Predigtamt lassen sie ganz w\u00fcste stehen, verteidigen \u00f6ffentliche Mi\u00dfbr\u00e4uche, vergie\u00dfen noch t\u00e4glich unschuldig Blut aus ungeh\u00f6rter Tyrannei und W\u00fcterei, allein ihre \u00f6ffentlichen L\u00fcgen zu verteidigen. Auch so wollen sie fromme, christliche Predigen nicht dulden. Wo das endlich hinausgehen will, k\u00f6nnen verst\u00e4ndige Leute wohl abnehmen. Denn mit eitel Gewalt und Tyrannei werden sie nicht lange [die] Kirche regieren. Und obgleich die Widersacher nichts anderes denn allein des Papsts Reich zu erhalten suchten, so wird doch das der Weg nicht dazu sein, sondern eine eitle W\u00fcstung des Reichs und der Kirche. Denn wenn sie gleich alle frommen, christlichen Prediger also erw\u00fcrgt h\u00e4tten, und das Evangelium unterdr\u00fcckt w\u00e4re, so w\u00fcrden danach Rottengeister und Schw\u00e4rmergeister kommen, welche mit der Faust auch aufr\u00fchrerisch fechten w\u00fcrden, welche die Gemeinde und Kirche mit falschen Lehren w\u00fcrden betr\u00fcben, alle Kirchenordnung verw\u00fcsten, welche wir gerne erhalten wollten.<\/p>\n<p>44] Derhalben, allergn\u00e4digster Herr Kaiser, nachdem wir nicht zweifeln, E\u00fcr Kaiserlicher Majest\u00e4t Gem\u00fct und Herz sei, da\u00df die g\u00f6ttliche Wahrheit, die Ehre Christi und das Evangelium m\u00f6ge erhalten werden und allezeit reichlich zunehmen, bitten wir aufs untert\u00e4nigste, E\u00fcr Kaiserliche Majest\u00e4t wollen dem unbilligen Vornehmen der Widersacher nicht stattgeben, sondern gn\u00e4diglich andere Wege suchen der Einigkeit, damit die christlichen Gewissen nicht also beschwert werden, damit auch die g\u00f6ttliche Wahrheit nicht so mit Gewalt unterdr\u00fcckt oder unschuldige Leute darum durch eitel Tyrannei erw\u00fcrgt, wie bis anher geschehen. Denn Eure Kaiserliche Majest\u00e4t wissen sich des ohne Zweifel zu erinnern, da\u00df solches sonderlich Eure Kaiserlicher Majest\u00e4t Amt ist, die christliche Lehre, soviel menschlich oder m\u00f6glich, also zu erhalten, da\u00df sie m\u00f6ge auf die Nachkommen reichen, auch fromme, rechte Prediger sch\u00fctzen und handhaben. Denn das fordert Gott der Herr von allen K\u00f6nigen und F\u00fcrsten, da er ihnen seinen Titel mitteilt und nennt sie G\u00f6tter, da er sagt: &#8220;Ihr seid G\u00f6tter.&#8221; Darum nennt er sie aber G\u00f6tter, da\u00df sie g\u00f6ttliche Sachen, das ist, das Evangelium Christi und die reine g\u00f6ttliche Lehre auf Erden, soviel m\u00f6glich, sch\u00fctzen, retten und handhaben sollen, auch rechte christliche Lehrer und Prediger an Gottes Statt wider unrechte Gewalt in Schirm und Schutz haben. <\/p>\n<p>Artikel XXII. (X.) Von beiderlei Gestalt im Abendmahl.<\/p>\n<p>1] Es hat keinen Zweifel, da\u00df es g\u00f6ttlich ist und recht und dem Befehl Christi und den Worten Pauli gem\u00e4\u00df, beiderlei Gestalt im Abendmahl [zu] brauchen. Denn Christus hat beiderlei Gestalt eingesetzt, nicht allein f\u00fcr einen Teil der Kirche, sondern f\u00fcr die ganze Kirche. Denn nicht allein die Priester, sondern die ganze Kirche braucht des Sakraments aus Befehl Christi, nicht aus Menschenbefehl; Und das m\u00fcssen die Widersacher bekennen. 2] So nun Christus f\u00fcr die ganze Kirche das ganze Sakrament hat eingesetzt, warum nehmen sie denn der Kirche die eine Gestalt? Warum \u00e4ndern sie die Ordnung Christi, sonderlich so er es sein Testament nennt? Denn so man eines Menschen Testament nicht soll brechen, viel weniger soll man das Testament Christi brechen. 3] Und Paulus sagt: &#8220;Ich habe es von dem Herrn empfange, das ich euch gegeben habe.&#8221; Nun hat er ihnen je beide[rlei] Gestalt gegeben, wie der Text klar anzeigt, 1 Kor. 11: &#8220;Das tut&#8221;, sagt er, &#8220;zu meinem Ged\u00e4chtnis.&#8221; Da redet er vom Leibe. Danach [wied]erholt er dieselben Worte vom Blut Christi und sagt bald hernach: &#8220;Es pr\u00fcfe sich aber der Mensch selbst und esse also von dem Brote and trinke also vom Kelche&#8221; usw. Da nennt er sie beide. Das sind die klaren Worte des Apostels Pauli, und er macht eine Vorrede kurz zuvor, da\u00df diejenigen, so das Sakrament brauchen wollen, sollen es in einem Abendmahl zugleich brauchen. 4] Darum ist\u2019s gewi\u00df, da\u00df [es] nicht allein f\u00fcr die Priester, sondern f\u00fcr die ganze Kirche ist eingesetzt. Und solcher Gebrauch wird auch heutigestags gehalten in der griechischen Kirche; so ist er auch in den lateinischen oder r\u00f6mischen Kirchen gewesen, wie Cyprianus und Hieronymus zeugen. Denn also sagt Hieronymus \u00fcber den Propheten Sophonia [Zephanja]: &#8220;Die Priester, so das Sakrament reichen und das Blut Christi dem Volk austeilen&#8221; usw. Dasselbe zeugt auch Synodus Toletana. 5] Und es w\u00e4re fast [sehr] leicht, viele Spr\u00fcche und Zeugnisse hier einzuf\u00fchren; wir wollen\u2019s aber um [der] K\u00fcrze willen unterlassen. Denn ein jeglicher christliche Leser wird selbst bedenken k\u00f6nnen, ob sich\u2019s geb\u00fchre, [die] Ordnung und Einsetzung Christi zu verbieten und zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>6] Wie Widersacher gedenken gar nicht in ihrer Konfutation, wie derjenigen Gewissen zu tr\u00f6sten oder zu entschuldigen seien, denen unter dem Papsttum eine Gestalt entzogen ist. Dieses h\u00e4tte gelehrten und gottesf\u00fcrchtigen Doctoribus wohl angestanden, da\u00df sie best\u00e4ndige Ursache h\u00e4tten angezeigt, solche Gewissen zu tr\u00f6sten. Nun dringen sie darauf, da\u00df es christlich und recht sei, beiderlei Gestalt zu verbieten, und wollen nicht gestatten, beiderlei Gestalt zu gebrauchen. 7] F\u00fcr das erste erdichten sie aus ihrem Kopfe, da\u00df im Anfang der Kirche ein Gebrauch gewesen sei, da\u00df man den Laien allein einerlei Gestalt gereicht habe, und k\u00f6nnen doch des Gebrauchs kein gewi\u00df Exempel anzeigen. Sie ziehen etliche Spr\u00fcche aus dem Evangelisten Lukas an von dem Brechen des Brots, da geschrieben steht, da\u00df die J\u00fcnger den Herrn erkannt haben im Brotbrechen. 8] Sie ziehen auch mehr Spr\u00fcche von dem Brotbrechen an. Wiewohl wir nun nicht hart dawider sind, ob etliche vom Sakrament wollten verstanden werden, so folgt doch daraus nicht, da\u00df nur die eine Gestalt anf\u00e4nglich gereicht sei. Denn es ist gemein, da\u00df man ein St\u00fcck nennt und das Ganze meint. Sie ziehen auch an die laica communio, zu gebrauchen, welches nicht wahr ist. Denn so die Canones auflegen den Priestern, der laica communio zu gebrauchen, meinen sie, da\u00df sie zu einer Strafe nicht selbst konsekrieren sollen, sondern von einem andern gleichwohl beiderlei Gestalt empfangen. Und die Widersacher wissen das selber wohl, aber sie machen also einen Schein den Ungelehrten und Unerfahrenen. Denn wenn dieselben h\u00f6ren das Wort communio laica, denken sie von Stund\u2019 an, es sei eine communio gewesen wie zu unserer Zeit, da\u00df man die Laien mit einerlei Gestalt gespeist habe.<\/p>\n<p>9] Aber la\u00dft sehen weiter. Wie unversch\u00e4mt Ding schreiben doch die Widersacher wider Christi Einsetzung und Ordnung! Gabriel unter andern Ursachen, warum den Laien nicht beide Gestalt gereicht werde, setzt auch diese: es habe m\u00fcssen ein Unterschied sein, sagt er, unter Priestern und Laien. Und ich halte wohl, es sei die gr\u00f6\u00dfte und vornehmste Ursache, warum sie heutigestags so festhalten, damit der Pfaffenstand heiliger scheine gegen dem [den] Laienstand. Das ist nun ein Menschengedanke; worauf der gehe, ist wohl abzunehmen. 10] Und in der Konfutation ziehen sie an die Kinder Elis, 1 Sam. 2, da der Text sagt: &#8220;Wer \u00fcbrig ist von deinem Hause, der wird kommen und ihn anbeten um ein St\u00fcck Brots und wird sagen: Lieber, la\u00df mich zu einem Priesterteil, da\u00df ich einen Bissen Brots esse&#8221; usw. Da, sagen sie, ist die einerlei Gestalt bedeutet, und sagen nun, also sollen auch unsere Laien mit einem Priesterteil, das ist, mit einerlei Gestalt, zufrieden sein. Die Meister der Konfutation sind recht unversch\u00e4mte, grobe Esel, sie spielen und gaukeln mit der Schrift, wie sie wollen, so die Historien von den Kindern Elis auf das Sakrament deuten. Denn an dem Ort wird beschrieben die ernstliche Strafe \u00fcber Eli und seine Kinder. Wollen sie denn auch sagen, da\u00df den Laien eine Gestalt werde darum gewehrt zu einer Strafe? Sie sind gar t\u00f6richt und toll. Das Sakrament ist von Christo eingesetzt, erschrockene Gewissen zu tr\u00f6sten, ihren Glauben zu st\u00e4rken, wenn sie glauben, da\u00df Christi Fleisch f\u00fcr der Welt Leben gegeben ist, und da\u00df wir durch die Speise mit Christo vereinigt werden, Gnade und Leben haben. Aber die Widersacher schlie\u00dfen also, da\u00df diejenigen, so solch Sakrament in einer Gestaltempfangen, damit also gestraft werden, und sprechen, es sollen und m\u00fcssen die Laien ihnen [sich] gen\u00fcgen lassen; 11] das hei\u00dft je stolz genug dahergetrotzt. Wie, ihr Herren, d\u00fcrfen wir auch Ursache fragen, warum sie ihnen [sich] sollen gen\u00fcgen lassen? Oder soll es eitel Wahrheit hei\u00dfen, was ihr wollt und was ihr sagt? Seht aber Wunder zu, wie unversch\u00e4mt und frech die Widersacher sind: sie d\u00fcrfen ihr Wort als eitel Herrengebote setzen, sagen frei, die Laien m\u00fcssen ihnen [sich] gen\u00fcgen lassen. Wie aber, wenn sie nicht m\u00fcssen? Sind das nun die Gr\u00fcnde und Ursachen, dadurch diejenigen entschuldigt sollen sein vor Gottes Urteil, die bisanher die Leute von beiderlei Gestalt abgedrungen und unschuldig die Leute darum erw\u00fcrgt haben? Sollen sie sich damit tr\u00f6sten, da\u00df von [den] Kindern Elis geschrieben: &#8220;Sie werden betteln&#8221;? Das wird eine faule Entschuldigung sein vor Gottes Gericht.<\/p>\n<p>14] Doch ziehen sie noch mehr Ursachen an, warum beide[rlei] Gestalt nicht solle gereicht werden, n\u00e4mlich um F\u00e4hrlichkeit willen, damit nicht etwa ein Tr\u00f6pflein aus dem Kelche versch\u00fcttet werde. 15] Dergleichen Tr\u00e4ume bringen sie mehr vor, um welcher willen Christus\u2019 Ordnung billig nicht soll ge\u00e4ndert werden. Ich will aber gleich setzen, da\u00df frei w\u00e4re, einer oder beiderlei Gestalt gebrauchen. Wie wollten sie denn beweisen, da\u00df sie Macht h\u00e4tten, beiderlei Gestalt zu verbieten? Wiewohl auch den Menschen oder der Kirche nicht geb\u00fchrt, die Freiheit selbst zu machen, oder da\u00df sie auch Christi Ordnung wollten res indifferentes, das ist frei auch beiden Seiten, machen. 16] Die armen Gewissen, welchen die eine Gestalt mit Gewalt entzogen ist, und solch Unrecht haben leiden m\u00fcssen, die wollen wir hier nicht richten. Aber diejenigen, so beiderlei Gestalt verboten haben, und doch nicht allein verbeiten, sondern auch also \u00f6ffentlich lehren, predigen, die Leute darum fangen, erw\u00fcrgen usw., die laden auf sich Gottes schrecklich Gericht und Zorn, und die wissen wir gar nicht zu entschuldigen; sie m\u00f6gen sehen, wie sie Gott wollen Rechenschaft geben ihres Vornehmens. 17] Und es ist auch nicht so bald der Kirche Beschlu\u00df, was die Bisch\u00f6fe und Pfaffen beschlie\u00dfen, sonderlich so die Schrift und der Prophet Ezechiel sagt: &#8220;Es werden Priester und Bisch\u00f6fe kommen, die kein Gottesgebot noch =gesetz wissen.&#8221; <\/p>\n<p>Artikel XXIII. (XI.) Von der Priesterehe.<\/p>\n<p>1] Wiewohl die gro\u00dfe, ungeh\u00f6rte Unzucht mit Hurerei und Ehebruch unter Pfaffen und M\u00f6nchen usw. auf hohen Stiften, andern Kirchen und Kl\u00f6stern in aller Welt also r\u00fcchtig ist, da\u00df man davon singt und sagt, noch sind die Widersacher, so die Konfutation gestellt, so ganz verblendet und unversch\u00e4mt, da\u00df sie den Papstes Gesetz, dadurch die Ehe verboten, verteidigen, und dazumit falschem Schein, als sei es Geistlichkeit. Dar\u00fcber, wiewohl sie billig sich des \u00fcberaus sch\u00e4ndlichen, unz\u00fcchtigen, freien, losen Bubenlebens auf ihren Stiften und in Kl\u00f6stern in ihr Herz sch\u00e4men sollten und allein des St\u00fccks halben nicht k\u00fchnlich die Sonne ansehen, wiewohl auch ihr b\u00f6s, unruhig Herz und Gewissen ihnen billig so bange macht, sich zu entsetzen und zu sche\u00fcn, vor so l\u00f6blichem, ehrliebendem Kaiser ihre Augen aufzuheben, so sind sie doch henkersk\u00fchn, tun wie der Teufel selbst und alle verwegenene, verruchten Leute, gehen in ihrem blinden Trotz dahin, aller Ehre und Scham vergessend. Und die reinen, keuschen Leute d\u00fcrfen kaiserliche Majest\u00e4t, die Kurf\u00fcrsten und F\u00fcrsten vermahnen, da\u00df sie der Priester Ehe nicht leiden sollen ad infamiam et ignominiam imperii, das ist zu deutsch, dem r\u00f6mischen Reich zu Schmach und Unehren. Denn dies sind ihre Worte, gleich als sei ihr sch\u00e4ndlich Leben der Kirche sehr ehrlich und r\u00fchmlich.<\/p>\n<p>2] Wie k\u00f6nnten doch die Widersacher ungeschickter, unversch\u00e4mter und \u00f6ffentlicher ihre eigenen Schande und Schaden wirken und reden? Dergleichen unversch\u00e4mt Vorbringen vor einem r\u00f6mischen Kaiser wird man in keiner Historie finden. Wenn sie nicht alle Welt kennte, wenn nicht viel fromme, redliche Leute, ihre eigenen Konkanonieken, unter ihnen selbst \u00fcber so sch\u00e4ndlich, unz\u00fcchtig, unehrlich Wesen vor langer Zeit geklagt h\u00e4tten, wenn ihr ehrlose, sch\u00e4ndlich, ung\u00f6ttlich, unz\u00fcchtig, heidnisch, epikurisch Leben und die Grundsuppe aller Unzucht zu Rom nicht so gar am Tage w\u00e4re, das sich weder decken noch f\u00e4rben noch schm\u00fccken will lassen, so m\u00f6chte man denken, ihre gro\u00dfe Reinigkeit und ihre unverr\u00fcckte jungfr\u00e4uliche Keuschheit w\u00e4re eine Ursache, da\u00df sie ein Weib oder die Ehe auch nicht m\u00f6gen h\u00f6ren nennen, da\u00df sie die heilige Ehe, welche der Papst selbst ein Sakrament der heiligen Ehe hei\u00dft, infamiam imperii taufen. Wohlan, ihre Argumente und Gr\u00fcnde wollen wir hernach erz\u00e4hlen. Dieses wolle aber ein jeder christlicher Leser, alle ehrbaren, ehrliebenden, frommen Leute zu Herzen nehmen und wohl bedenken, wie ganz ohne Ehre und Scheu und alle Scham die Leute sein m\u00fcssen, so die heilige Ehe, welche die Heilige Schrift aufs h\u00f6chste preist und lobt, einen Schandflecken, eine Infamie des r\u00f6mischen Reichs d\u00fcrfen nennen; gleich als sei es so eine gro\u00dfe Ehre der Kirche und des Reichs ihre l\u00e4sterliche, greuliche Unzucht, wie man das r\u00f6mische und der Pfaffen Wesen kennt. 3] Und, allergn\u00e4digstger Herr Kaiser, bei Eurer Kaiserliche Majest\u00e4t, welche in alten Schriften wird ein z\u00fcchtiger F\u00fcrst und K\u00f6nig genannt (denn freilich dieser Spruch von Eurer Kaiserlichen Majest\u00e4t gesagt ist: Pudicus facie regnabit ubique), ja bei Eurer Majest\u00e4t und den l\u00f6blichen Reichsst\u00e4nden d\u00fcrfen solche Leute suchen und unversch\u00e4mt fordern, da\u00df Eure Majest\u00e4t (was Gott verh\u00fcte!) solche greuliche Unzucht sollen handhaben, ihre kaiserliche Macht, welche der Allm\u00e4chtige bisanher Eurer kaiserlichen Majest\u00e4t sieghaftig und seliglich zu gebrauchen gn\u00e4diglich verliehen hat, darauf wenden solle, sch\u00e4ndliche Unzucht und ungeh\u00f6rte Laster, welche auch bei den Heiden f\u00fcr greulich gehalten, zu sch\u00fctzen und zu verteidigen. Und wie sie in ihren blutd\u00fcrstigen, verblendeten Herzen gesinnt seien, da\u00df sie gern wollten ungeachtet aller g\u00f6ttlichen und nat\u00fcrlichen Rechte, ungeachtet der Konzilien und ihrer eigenen Canones solche Priesterehe mit Gewalt auf einmal zerrei\u00dfen, viel arme, unschuldige Leute [aus] keiner ander Ursache denn allein um des Ehestandes willen tyrannisch mit Galgen und Schwert dahinrichten, die Priester selbst, welcher doch in gr\u00f6\u00dferen F\u00e4llen auch die Heiden verschont haben, als die gro\u00dfen \u00dcbelt\u00e4ter um der Ehe willen erw\u00fcrgen, so viel fromme, unschuldige Weiber und Kinder ins Elend vertreiben, zu armen verlassenen Witwen und Waisen machen und ihren teuflischen Ha\u00df an unschuldigem Blute r\u00e4chen: dazu d\u00fcrfen sie Eure Kaiserliche Majest\u00e4t vermahnen. 4] Dieweil aber Gott der Allm\u00e4chtige Eure Majest\u00e4t mit sonderlicher angeborner G\u00fcte und Zucht begnadet, da\u00df Eure Majest\u00e4t aus hohem, adeligem, christlichem Gem\u00fct so gro\u00dfe Unzucht zu handhaben oder so ungeh\u00f6rte Tyrannei vorzunehmen, selbst Scheu haben und diese Handlung ohne Zweifel viel f\u00fcrstlicher und christlicher bedenken denn sie losen Leute, so hoffen wir, Eure Majest\u00e4t werden in diesem [hierin] ganz kaiserlich und gn\u00e4diglich sich erzeigen und bedenken, da\u00df wir dieses guten Grund und Ursache haben aus der Heiligen Schrift, dagegen die Widersacher eitel L\u00fcgen und Irrt\u00fcmer vorbringen.<\/p>\n<p>5] Auch so ist es ihnen gewi\u00df nicht Ernst, solchen Z\u00f6libat und ehelosen Stand zu verfechten; denn sie wissen wohl, wie reine Jungfern sie sind, wie wenige unter ihnen die Keuschheit halten. Allein sie bleiben bei ihrem Trostwort, das sie in ihrer Schrift finden: Si non caste, tamen caute, Und wissen, da\u00df keusch sich r\u00fchmen oder nennen und doch nicht sein, in der Welt einen Schein der Keuschheit hat, da\u00df auch ihr Papstreich und Pfaffenreich und Pfaffenwesen dadurch vor der Welt desto heiliger scheint. Denn Petrus der Apostel hat recht gewarnt, da\u00df solche falsche Propheten werden die Leute betr\u00fcgen mit erdichteten Worten. Die Widersacher nehmen sich der Sache der Religion, welches die Hauptsache ist, gar nicht mit Ernst an. Was sie schreiben, reden, handeln, sind eitel Worte ad hominem; da ist kein Ernst, keine Tre\u00fc, kein recht Herz zu gemeinem Nutz, den armen Gewissen oder Kirchen zu helfen. Im Grund ist\u2019s ihnen um die Herrschaft zu tun, derselben haben sie Sorge und unterst\u00fctzen [st\u00e4rken] sie fein mit eitel gottlosen, heuchlerischen L\u00fcgen; so wird sie auch stehen wie Butter an der Sonne.<\/p>\n<p>6] Wie k\u00f6nnen das Gesetz vom ehelosen Stand darum nicht annehmen, denn es ist wider g\u00f6ttlich und naturlich Recht, wider alle Heilige Schrift, wider die Konzilien und Canones selbst. Dar\u00fcber ist\u2019s lauter Heuchelei und dem Gewissen f\u00e4hrlich und ganz sch\u00e4dlich; so erfolgen auch daraus unz\u00e4hlige \u00cbrgernisse, h\u00e4\u00dfliche, schreckliche S\u00fcnden und Schanden, und wie man steht in den rechten Pfaffenst\u00e4dten und Residenzen, wie sie es nennen, Zerr\u00fcttung aller weltliche Ehre und Zucht. Die andern Artikel unserer Konfession, wiewohl sie gewi\u00df gegr\u00fcndet, sind dennoch so klar nicht, da\u00df sie nicht mit einem Schein m\u00f6chten angefochten werden. Aber dieser Artikel ist so klar, da\u00df er auf beiden Seiten gar nahe [schier] keiner Rede bedarf; allein wer ehrbar und gottesf\u00fcrchtig ist, der kann hier bald Richter sein. Und wiewohl wir die \u00f6ffentliche Wahrheit hier nun f\u00fcr uns haben, noch [dennoch] suchen die Widersacher F\u00fcndlein, unsere Gr\u00fcnde etwas anzufechten.<\/p>\n<p>7] Erstlich ist geschrieben Gen. 1, da\u00df Mann und Weib also geschaffen von Gott sind, da\u00df sie sollen fruchtbar sein, Kinder zeugen usw., das Weibe geneigt sein zum Mann, der Mann wieder zum Weibe. Und wir reden hier nicht von der unordentlichen Brunst, die nach Adams Fall gefolgt ist, sondern von nat\u00fcrlicher Neigung zwischen Mann und Weib, welche auch gewesen w\u00e4re in der Natur, wenn sie rein geblieben w\u00e4re. Und das ist Gottes Gesch\u00f6pf und Ordnung, da\u00df der Mann zum Weibe geneigt sei, das Weib zum Mann. So nun die g\u00f6ttliche Ordnung und die angeschaffene Art niemand \u00e4ndern mag noch soll denn Gott selbst, so folgt, da\u00df der Ehestand durch kein menschlich Statut oder Gel\u00fcbde mag abgetan werden.<\/p>\n<p>8] Wider diesen starken Grund spielen die Widersacher mit Worten; sagen: im Anfang der Sch\u00f6pfung habe das Wort noch stattgehabt: &#8220;Wachset und mehret euch und erf\u00fcllet die Erde&#8221;; nun aber, so die Erde erf\u00fcllt ist, sei die Ehe nicht geboten. Seht aber, wie weise Leute sind da die Widersacher! Durch dies g\u00f6ttliche Wort: &#8220;Wachset und mehret euch&#8221;, welches noch immer geht und nicht aufh\u00f6rt, ist Mann und Weibe also geschaffen, da\u00df sie sollen fruchtbar sein, nicht allein die Zeit des Anfangs, sondern solange diese Natur w\u00e4hrt. Denn gleichwie durch das Wort Gen. am 1., da Gott sprach: &#8220;Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut&#8221; usw. die Erde also geschaffen ist, da\u00df sie nicht allein im Anfang Frucht brachte, sondern da\u00df sie alle Jahre Gras, Kr\u00e4uter und ander Gew\u00e4chs br\u00e4chte, solange diese Natur w\u00e4hrt: also ist auch Mann und Weib geschaffen, fruchtbar zu sein, solange diese Natur w\u00e4hrt. Die nun das Menschengebot und =gesetz nicht \u00e4ndern kann, da\u00df die Erde nicht sollte gr\u00fcn werden usw., also kann auch kein Klostergel\u00fcbde, kein Menschengebot die menschlich Natur \u00e4ndern, da\u00df ein Weib nicht sollte eines Mannes begehren, ein Mann eines Weibes, ohne ein sonderlich Gotteswerk.<\/p>\n<p>9] Zum andern, dieweil das g\u00f6ttliche Gesch\u00f6pf und Gottes Ordnung nat\u00fcrlich Recht und Gesetz ist, so haben die Juriskonsulti recht gesagt, da\u00df den Mannes und Weibes Beieinandersein und Zusammengeh\u00f6ren ist nat\u00fcrlich Recht. So aber das nat\u00fcrliche Recht niemand ver\u00e4ndern kann, so mu\u00df je einem jeden die Ehe frei sein. Denn wo Gott die Natur nicht ver\u00e4ndert, da mu\u00df auch die Art bleiben, die Gott der Natur eingepflanzt hat, und sie kann mit Menschengesetz nicht ver\u00e4ndert werden. 10] Derhalben ist es ganz kindisch, da\u00df die Widersacher sagen, im Anfang, da der Mensch geschaffen, sei die Ehe geboten, nun aber nicht. Denn es ist gleich, als wenn sie spr\u00e4chen: Etwan [fr\u00fcher] zu Adams und der Patriarchen Zeiten, wenn ein Mann geboren ward, hatte er Mannesart an sich, wenn ein Weib geboren ward, hatte sie Wiebesart an sich, jetzund aber ist\u2019s anders; vorzeiten brachte ein Kind aus Mutterleib nat\u00fcrliche Art mit sich, nun aber nicht. 11] So bleiben wir nun billig bei dem Spruch, wie die Juriskonsulti weislich und recht gesagt haben, da\u00df Mann und Weibe beieinander sind, ist nat\u00fcrlich Recht. 12] Ist\u2019s nun nat\u00fcrlich Recht, so ist es Gottes Ordnung, also in die Natur gepflanzt, und ist also auch g\u00f6ttlich Recht. Dieweil aber das g\u00f6ttliche und nat\u00fcrliche Recht niemand zu \u00e4ndern hat denn Gott allein, so mu\u00df der Ehestand jedermann frei sein. Denn die nat\u00fcrliche angeborne Neigung des Weibes gegen den Mann, des Mannes gegen dem [das] Weib ist Gottes Gesch\u00f6pf und Ordnung. Darum ist\u2019s recht, und hat\u2019s kein Engel noch Mensch zu \u00e4ndern. Gott der Herr hat nicht allein Adam geschaffen, sondern auch Eva, nicht allein einen Mann, sondern auch ein Weib, und sie gesegnet, da\u00df sie fruchtbar seien. 13] Und wir reden, wie ich gesagt habe, nicht von der unordentlichen Brunst, die da s\u00fcndlich ist, sondern von der nat\u00fcrlichen Neigung, die zwischen Mann und Weib auch gewesen w\u00e4re, so die Natur rein geblieben w\u00e4re. Die b\u00f6se Lust nach dem Fall hat solche Neigung noch st\u00e4rker gemacht, da\u00df wir nun des Ehestandes viel mehr bed\u00fcrfen, nicht allein Kinder zu zeugen, sondern auch S\u00fcnde zu verh\u00fcten. Dies ist so ein klarer Grund, da\u00df ihn niemand wird umsto\u00dfen, sondern der Teufel und alle Welt wird ihn m\u00fcssen bleiben lassen.<\/p>\n<p>14] F\u00fcr das dritte sagt Paulus: &#8220;Zu vermeiden die Hurerei, habe ein jeglicher sein eigen Eheweib.&#8221; Das ist ein gemeiner Befehl and Gebot und geht alle diejenigen an, die nicht verm\u00f6gen, ohne Ehe zu bleiben. 15] Die Widersacher fordern, wir sollen Gottes Gebot zeigen, da er gebiete, da\u00df die Priester sollen Weiber nehmen, gleich als seien die Priester nicht Menschen. Was die Schrift insgemein vom ganzen menschlichen Geschlecht redet, das geht wahrlich die Priester mit an. 16] Paulus gebiete da, da\u00df diejenigen sollen Weiber nehmen, so nicht haben die Gabe der Jungfrauschaft; denn er legt sich bald hernach selbst aus, da er sagt: &#8220;Es ist besser ehelich werden, denn brennen.&#8221; Und Christus sagt klar: &#8220;Sie fassen nicht alle das Wort, sondern denen es gegeben ist.&#8221; Dieweil nun nach Adams Fall in uns allen die beiden beieinander sind, die nat\u00fcrliche Neigung und angeborne b\u00f6se Lust, welche die nat\u00fcrliche Neigung noch st\u00e4rker macht, also da\u00df des Ehestandes mehr vonn\u00f6ten ist, denn da die Natur unverderbt war: darum redet Paulus also von der Ehe, da\u00df damit unserer Schwachheit geholfen werde, und solch Brennen zu vermeiden, gebietet er, das diejenigen, so es bed\u00fcrfen, sollen ehelich werden. Und dies Wort: &#8220;Es ist besser, ehelich zu werden, denn brennen&#8221;, mag [kann] durch kein Menschengesetz, durch kein Klostergel\u00fcbde weggetan werden. Denn kein Gesetz kann die Natur anders machen, denn sie geschaffen oder geartet ist. 17] Darum haben wir Freiheit und Macht, ehelich zu werden, alle, so das Brennen f\u00fchlen; Und alle, die nicht recht rein und keusch verm\u00f6gen zu bleiben, die sind schuldig, diesem Gebot und Wort Pauli zu folgen: &#8220;Es soll ein jeglicher sein eigen Weib haben, zu vermeiden Hurerei.&#8221; Darin hat ein jeder f\u00fcr sich sein Gewissen zu pr\u00fcfen.<\/p>\n<p>18] Denn da\u00df die Widersacher sagen, man solle Gott um Keuschheit bitten und anrufen, man solle den Leib mit Fasten und Arbeit kasteien, sollten sie billig solch Kasteien anfangen. Aber wie ich hier oben gesagt, die Widersacher meinen diese Sache nicht mit Ernst; sie spielen und scherzen ihres Gefallens. 19] Wenn Jungfrauschaft einem jeden m\u00f6glich w\u00e4re, so bed\u00fcrfte es keiner [be]sonderen Gottesgabe. Nun sagt der Herr Christus Matth. 19, es sei eine besondere hohe Gottesgabe, und: &#8220;nicht jedermann fasse das Wort.&#8221; Die andern nun, will Gott, da\u00df sie sollen gebrauchen des Ehestandes den Gott eingesetzt. Denn Gott will nicht, da\u00df man sein Gesch\u00f6pf und Ordination verachten soll; so will er dennoch, da\u00df dieselben auch sollen keusch sein, n\u00e4mlich, da\u00df sie des Ehestandes gebrauchen, welchen er eheliche Reinigkeit und Keuschheit zu erhalten hat eingesetzt; wie er auch will, da\u00df wir sollen der Speise und des Tranks gebrauchen die er uns zur Leibeserhaltung geschaffen hat. 20] Und Gerson, der zeigt an, da\u00df viel fromme, gro\u00dfe Leute gewesen sind, die durch Leibeskasteien haben wollen Keuschheit halten und haben dennoch nichts geschafft. Darum sagt auch St. Ambrosius recht: &#8220;Allein die Jungfrauschaft ist ein solch Ding, die man raten mag und nicht gebieten.&#8221; 21] Ob jemand hier nun sagen wollte, der Herr Christus lobt diejenigen redet, welche die Gabe der Jungfrauschaft haben; denn darum setzt er dazu: &#8220;Wer es fassen kann, der fasse es.&#8221; 22] Denn dem Herrn Christo gef\u00e4llt solche unreine Keuschheit nicht, wie in Stiften und Kl\u00f6stern ist. Wir lassen auch rechte Keuschheit eine feine, edle Gottesgabe sein. Wir reden aber hier davon, da\u00df solch Gesetz und Verbot der Ehe unrecht ist, und von denen, die Gottes Gabe nicht haben. Darum soll es frei sein, und sollen nicht solche Stricke den armen Gewissen angeworfen werden.<\/p>\n<p>23] Zum vierten, so ist auch dasselbe Papstgesetz wider die Canones und alten Konzilien. Denn die alten Canones verbieten nicht die Ehe, sie zerrei\u00dfen auch nicht den Ehestand begeben, ihres geistlichen Amtes entsetzen. Das war die Zeit nach Gelegenheit mehr eine Gnade denn eine Strafe. Aber die ne\u00fcn Canones, die nicht in den Conciliis, sondern durch die P\u00e4pste gemacht sind, die verbieten die Ehe und zerrei\u00dfen die iam contracta matrimonia usw. So ist\u2019s nun am Tage, da\u00df solches wider die Schrift, auch wider Christi Gebot ist, da er sagt: &#8220;Die Gott zusammengef\u00fcgt hat, soll der Mensch nicht scheiden.&#8221; 24] Die Widersacher schreien fast [sehr], da\u00df der Z\u00f6libat oder Keuschheit der Priester geboten seit in den Conciliis. Wir fechten die Concilia des Teils nicht an, denn sie verbieten die Ehe nicht; sondern das ne\u00fc Gesetz fechten wir an, welches die P\u00e4pste wider die Concilia gemacht haben. Also gar verachten die P\u00e4pste selbst die Concilia, so sie doch andern bei Gottes Zorn und ewiger Verdammnis d\u00fcrfen gebieten, die Konzilien zu halten. 25] Darum ist das Gesetz, dadurch die Priesterehe verboten, ein recht Papstgesetz der r\u00f6mischen Tyrannei. Denn der Prophet Daniel hat das antichristische Reich also abgmalt, da\u00df es solle Ehestand und Eheweiber, ja das weibliche Geschlecht verachten lehren.<\/p>\n<p>26] Zum f\u00fcnften, wiewohl sie das ung\u00f6ttliche Gesetz nicht Heiligkeit halben, oder aus Unwissenheit verteidigen (denn sie wissen wohl, da\u00df sie Keuschheit nicht halten), so geben sie doch Ursache zu unz\u00e4hliger Heuchelei, dieweil sie einen Schein der Heiligkeit vorwenden. Sie sagen, da\u00df darum die Priester sollen Keuschheit halten, denn sie m\u00fcssen heilig und rein sein; gleich als sei der Ehestand eine Unreinigkeit, gleich als werde man eher heilig und gerecht vor Gott durch den Z\u00f6libat denn durch den Ehestand. 27] Und dazu ziehen sie an die Priester im Gesetz Mosis. Denn sie sagen, wenn die Priester haben im Tempel gedient, haben sie sich ihrer Weiber m\u00fcssen enthalten: darum, so im Ne\u00fcn Testament die Priester allezeit beten sollen, sollen sie sich auch allezeit keusch halten. Solch ungeschickt, n\u00e4rrisch Gleichnis ziehen sie an als einen ganz klaren, gewissen Grund, dadurch schon erstritten sei, da\u00df die Priester schuldig seien, ewige Keuschheit zu halten, so sie doch, wenn auch das Gleichnis hier t\u00f6chte [taugte] oder sich reimte, nichts mehr damit erhalten [beweisen], denn da\u00df die Priester sich ihrer Weiber allein eine Zeitlang enthalten sollten, n\u00e4mlich wenn sie Kirchendienst vorh\u00e4tten. Auch so ist ein ander Ding beten, ein ander Ding, in der Kirche priesterlich Amt tun. Denn viel Heilige haben wohl gebetet, wenn sie gleich nicht im Tempel gedient, und hat sie eheliche Beiwohnung daran nichts gehindert.<\/p>\n<p>28] Wir wollen aber ordentlich nacheinander auf solche Tr\u00e4ume antworten. F\u00fcr das erste m\u00fcssen je die Widersacher bekennen und k\u00f6nnen\u2019s nicht leugnen, da\u00df der Ehestand an Christgl\u00e4ubigen ein reiner, heiliger Stand sei; denn er ist je geheiligt durch das Wort Gottes. Denn von Gott ist er eingesetzt, durch Gottes Wort ist er best\u00e4tigt, wie da die Schrift reichlich zeugt. 29] Den Christus sagt: &#8220;Was Gott hat zusammengef\u00fcgt, das soll kein Mensch scheiden.&#8221; Da sagt Christus, Eheleute und Ehestand f\u00fcge Gott zusammen; so ist es ein rein, heilig, edel, l\u00f6blich Gotteswerk. 30] Und Paulus sagt von der Ehe, von Speisen und dergleichen, da\u00df sie: &#8220;geheiligt werden durch das Wort Gottes und durch das Gebet&#8221;. Erstlich durchs g\u00f6ttliche Wort, dadurch das Herz gewi\u00df wird, da\u00df Gott dem Herrn der Ehestand gef\u00e4llt. Zum andern durch das Gebet, das ist, durch Danksagung, welche im Glauben geschieht, da wir des Ehestands, Speise, Tranks mit Danksagung gebrauchen. 31] 1 Kor. 7: &#8220;Der ungl\u00e4ubige Mann wird geheiligt durch das gl\u00e4ubige Weib&#8221;, das ist, der Ehestand ist rein, gut christlich und heilig um des Glaubens willen in [an] Christum, des wir brauchen m\u00f6gen mit Danksagung, wie wir Speise und Trank usw. brauchen. 32] Item 1 Tim 2: &#8220;Das Weib aber wird selig durch Kindergeb\u00e4ren, so sie bleibt im Glauben&#8221; usw. Wenn die Widersacher von ihrer Pfaffenkeuschheit einen solchen Spruch k\u00f6nnten vorbringen, wie sollten sie triumphieren! Paulus sagt, das Weib werde selig durch Kindergeb\u00e4ren. Was h\u00e4tte doch der heilige Apostel wider die sch\u00e4ndliche Heuchelei der unfl\u00e4tigen, erlogenen Keuschheit Trefflicheres reden k\u00f6nnen, denn da\u00df er sagt, sie werden selig durch die eheliche Werke, durch Geb\u00e4ren, durch Kinders\u00e4ugen und =ziehen, durch Haushalten usw.? Ja, wie meint das Paulus? Er setzt dazu mit klaren Worten: &#8220;So sie bleibt im Glauben&#8221; usw. Denn die Werke und Arbeit im Ehestande f\u00fcr sich selbst ohne den Glauben werden hier allein nicht gelobt. So will er nun vor allen Dingen, da\u00df sie Gottes Wort haben und gl\u00e4ubig seien, durch welchen Glauben (wie er denn allenthalben sagt) sie empfangen Vergebung der S\u00fcnden und Gott vers\u00f6hnt werden. Danach gedenkt er des Werkes ihres weiblichen Amtes und Berufs. Gleichwie in allen Christen aus dem Glauben sollen gute Werke folgen, da\u00df ein jeder nach seinem Beruf etwas t\u00fc, damit er seinem N\u00e4chsten n\u00fctz werde; Und wie dieselben guten Werke Gott gefallen, also gefallen auch Gott solche Werke, die ein gl\u00e4ubig Weib tut ihrem Beruf nach; Und ein solch Weib wird selig, die also ihrem Beruf nach im ehelichen Stand ihr weiblich Amt tut.<\/p>\n<p>33] Diese Spr\u00fcche zeigen an, da\u00df der Ehestand ein heilig und christlich Ding sei. So nun Reinigkeit auch das hei\u00dft, das vor Gott heilig und angenehm ist, so ist der Ehestand heilig und angenehm, denn er ist best\u00e4tigt durch das Wort Gottes. 34] Und wie Paulus sagt: &#8220;Den Reinen ist alles rein&#8221;, das ist, denen, die da glauben in [an] Christum. Derhalben wie die Jungfrauschaft in den Gottlosen unrein ist, also ist der Ehestand heilig in den Gl\u00e4ubigen um des g\u00f6ttlichen Wortes und Glaubens willen.<\/p>\n<p>35] So aber die Widersacher das Reinigkeit hei\u00dfen, da keine Unzucht ist, so hei\u00dft Reinigkeit des Herzens, da die b\u00f6se Lust get\u00f6tet ist. Denn Gottes Gesetz verbietet nicht die Ehe, sondern die Unzucht, Ehebruch, Hurerei. Darum, \u00e4u\u00dferlich ohne Weib sein, ist nicht die rechte Reinigkeit, sondern es kann einen gr\u00f6\u00dfere Reinigkeit des Herzens sein in einem Ehemann (als in Abraham und Jakob) denn in vielen, die gleich nach leiblicher Reinigkeit ihre Keuschheit recht halten.<\/p>\n<p>36] Endlich, so sie die Keuschheit derhalben Reinigkeit nennen, da\u00df man dadurch eher sollte vor Gott gerecht werden denn durch den Ehestand, so ist es ein Irrtum. Denn ohne Verdienst, um Christus\u2019 willen allein, erlangen wir Vergebung der S\u00fcnden, wenn wir glauben, da\u00df wir durch Christus\u2019 Blut und Sterben einen gn\u00e4digen Gott haben. 37] Hier aber werden die Widersacher schreien, da\u00df wir wie Jovinianus den Ehestand der Jungfrauschaft gleichachten. Aber um ihres Geschreies willen werden wir die g\u00f6ttliche Wahrheit und die Lehre von Christo, von Gerechtigkeit des Glaubens, die wir oben angezeigt, nicht verleugnen. 38] Doch lassen wir dennoch der Jungfrauschaft ihren Preis und Lob und sagen auch, da\u00df eine Gabe sei h\u00f6her denn die andern. Denn gleichwie Weisheit zu regieren eine h\u00f6here Gabe ist denn andere K\u00fcnste, also ist die Jungfrauschaft oder Keuschheit eine h\u00f6here Gabe denn der Ehestand. 39] Und doch wiederum, wie der Regent nicht von wegen seiner Gabe und Klugheit vor Gott mehr gerecht ist denn ein anderer von wegen seiner Kunst, also ist die Keusche nicht mehr gerecht vor Gott von wegen seiner Gaben denn die Ehelichen von wegen ihres Standes, sondern ein jeder soll treulich dienen mit seiner Gabe und dabei wissen, da\u00df er um Christus\u2019 willen, durch den Glauben Vergebung der S\u00fcnden habe und gerecht vor Gott gesch\u00e4tzt werde.<\/p>\n<p>40] Der Herr Christus und Paulus auch loben die Jungfrauschaft nicht darum, da\u00df sie vor Gott gerecht mache, sondern da\u00df diejenigen, so ledig, ohne Weib oder ohne Mann, sind, desto freier, unverhindert mit Haushalten, Kinderziehen usw., lesen, beten, schreiben, dienen k\u00f6nnen. Darum sagt Paulus zu den Korinthern: &#8220;Aus der Ursache wird die Jungfrauschaft gelobt, da\u00df man in dem Stand mehr Raum hat, Gottes Wort zu lernen und andere zu lehren.&#8221; So lobt auch Christus nicht schlechthin diejenigen, so sich verschnitten, sondern setzt dazu: &#8220;um des Himmelreichs willen&#8221;, das ist, da\u00df sie desto leichter lernen und lehren k\u00f6nnen das Evangelium. Er sagt nicht, da\u00df Jungfrauschaft Vergebung der S\u00fcnden verdiene.<\/p>\n<p>41] Auf das Exempel von den levitischen Priestern haben wir geantwortet, da\u00df damit gar nicht bewiesen ist, da\u00df die Priester sollen ohne Ehestand sein. Auch so geht uns Christen das Gesetz Mosis mit den Zeremonien der Reinigkeit oder Unreinigkeit nichts an. Im Gesetz Mosis, wenn ein Mann sein Weib ber\u00fchrte, ward er etliche Zeit unrein; jetzund ist ein Christenehemann nicht unrein. Denn das Ne\u00fc Testament sagt: &#8220;Den Reinen ist alles rein.&#8221; Denn durch das Evangelium sind wir gefreit von allen Zeremonien Mosis, nicht allein von den Gesetzen der Unreinigkeit. 42] Wo aber den Z\u00f6libat jemand aus dem Grunde wollte verfechten, da\u00df er die Gewissen wollte verpflichten zu solchen levitischen Reinigkeiten, dem m\u00fc\u00dften wir ebenso heftig widerstehen, als die Apostel den Juden widerstanden haben, Act. 15, das sie zu dem Gesetz Mosis und zu der Beschneidung die Christen verpflichten wollten.<\/p>\n<p>43] Hier aber werden christliche, gottesf\u00fcrchtige Eheleute wohl in ehelicher Pflicht Ma\u00df zu halten wissen. Denn diejenigen, so in Regimenten oder der Kirchen \u00cbmtern sind und zu schaffen haben. Die werden auch im Ehestand wohl keusch m\u00fcssen sein. Denn mit gro\u00dfen Sachen und H\u00e4ndeln beladen sein, da Landen und Leuten, Regimenten und Kirchen an gelegen ist, ist ein gut remedium, da\u00df der alte Adam nicht geil werde. So wissen auch die Gottesf\u00fcrchtigen, da\u00df Paulus 1 Thess. 4 sagt: &#8220;Ein jeglicher unter euch wisse sein Fa\u00df zu behalten in Heiligung und Ehren, nicht in der Lustseuche.&#8221; 44] Dagegen aber, was kann f\u00fcr eine Keuschheit bei so viel tausend M\u00f6nchen und Pfaffen sein, die ohne Sorge in aller Lust leben m\u00fc\u00dfig und voll, haben dazu kein Gotteswort, lernen\u2019s nicht und achten\u2019s nicht? Da mu\u00df alle Unzucht folgen. Solche Leute k\u00f6nnen weder levitische noch ewige Keuschheit halten.<\/p>\n<p>45] Viele Ketzer, welche das Gesetz Mosis, oder wie es zu gebrauchen sei, nicht verstanden, reden schm\u00e4hlich von dem Ehestand, welche doch um solches heuchlerischen Scheines willen f\u00fcr heilig gehalten sind. Und Epiphanius klagt heftig, da\u00df die Enkratiten mit dem heuchlerischen Schein, sonderlich der Keuschheit, bei den Unerfahrenen ein Ansehen gewonnen haben. Sie tranken keinen Wein, auch nicht im Abendmahl des Herrn, und enthielten sich gar beides, Fische und Fleisch zu essen, waren noch heiliger denn die M\u00f6nche, welche Fische essen! Auch enthielten sie sich des Ehestandes; das hatte erst einen gro\u00dfen Schein, und hielten also, da\u00df sie durch diese Werke und erdichtete Heiligkeit Gott vers\u00f6hnten, wie unsere Widersacher lehren.<\/p>\n<p>46] Wider solche Heuchelei und Engelsheiligkeit streitet Paulus heftig zu den Kolossern. Denn dadurch wird Christus gar unterdr\u00fcckt, wenn die Leute in solchen Irrtum kommen, da\u00df sie verhoffen, rein und heilig zu sein vor Gott durch solche Heuchelei. So kennen auch solche Heuchler Gottes Gabe noch Gebote nicht; 47] denn Gott will haben, da\u00df wir mit Danksagung seiner Gaben gebrauchen sollen. Und ich w\u00fc\u00dfte wohl Exempel vorzubringen, wie manch fromm Herz und armes Gewissen dadurch betr\u00fcbt worden und in Gefahr gekommen ist, da\u00df es nicht unterrichtet, da\u00df der Ehestand, die Ehepflicht und was an der Ehe ist, heilig und christlich w\u00e4re. Der gro\u00dfe Jammer ist erfolgt aus der M\u00f6nche ungeschicktem Predigen, welche ohne Ma\u00df den Z\u00f6libat, die Keuschheit lobten und den ehelichen Stand f\u00fcr ein unrein Leben ausschrien, da\u00df er sehr hinderlich w\u00e4re zu der Seligkeit und voll S\u00fcnden.<\/p>\n<p>50] Aber unsere Widersacher halten nicht so hart \u00fcber dem ehelosen Stand um des Scheins willen der Heiligkeit; denn sie wissen, da\u00df zu Rom, auch in allen ihren Stiften, ohne Heuchelei, ohne Schein eitel Unzucht ist. So ist es auch ihr Ernst nicht, keusch zu leben, sondern wissentlich machen sie die Heuchelei vor den Leuten. Derhalben sie \u00e4rger und ihre Heuchelei ist h\u00e4\u00dflicher denn der Ketzer Enkratiten; denen war\u2019s doch mehr Ernst, aber diesen Epicureis ist\u2019s nicht Ernst, sondern sie spotten Gott and der Welt und wenden allein diesen Schein vor, damit ihr frei Leben zu erhalten.<\/p>\n<p>51] Zum sechsten, so wir so viele Ursachen haben, warum wir des Papsts Gesetz vom Z\u00f6libat nicht k\u00f6nnen annehmen, so sind doch dar\u00fcber unz\u00e4hlige F\u00e4hrlichkeiten der Gewissen, uns\u00e4glich viel \u00cbrgernisse. Darum ob solch Papstgesetz gleich nicht unrecht w\u00e4re, so sollte doch billig alle ehrbaren Leute abschrecken solche Beschwerung der Gewissen, da\u00df so unz\u00e4hlige Seelen dadurch verderben.<\/p>\n<p>52] Es haben lange vor dieser Zeit viel ehrbare Leute auch unter ihnen, ihre eigenen Bisch\u00f6fe, Cononici usw., geklagt \u00fcber die gro\u00dfe, schwere Last des Z\u00f6libats und befunden, da\u00df sie selbst und andere Leute in gro\u00dfe Gefahr ihrer Gewissen dar\u00fcber gekommen; aber der Klage hat sich niemand angenommen. Dar\u00fcber ist es am Tage, wie an vielen Orten, wo Pfaffenstifte sind, gemeine Zucht dadurch zerr\u00fcttet wird, was greuliche Unzucht, S\u00fcnde und Schande, was gro\u00dfe ungeh\u00f6rte Laster dadurch geursacht. Es sind der P\u00f6ten Schriften und satyrae vorhanden; darin mag sich Roma spiegeln.<\/p>\n<p>53] Also r\u00e4cht Gott der Allm\u00e4chtige die Verachtung seiner Gabe und seiner Gebote in denjenigen, die den Ehestand verbieten. So man nun oft etliche n\u00f6tige Gesetze aus Ursache ge\u00e4ndert hat, wenn es der gemeine Nutz erfordert, warum sollte denn dies Gesetz nicht ge\u00e4ndert werden, da so viel treffliche Ursachen sind, so viel unz\u00e4hlige Beschwerung der Gewissen, darum es billig ge\u00e4ndert werde? Wir sehen, da\u00df dies die letzten Zeiten sind, und wie ein alter Mensch schw\u00e4cher ist denn ein junger, so ist auch die ganze Welt und ganze Natur in ihrem letzten Alter und im Abnehmen. Der S\u00fcnden und Laster wird nicht weniger, sondern t\u00e4glich mehr. Derhalben sollte man wider die Unzucht und Laster desto eher der Hilfe brauchen, die Gott gegeben hat, als des Ehestands. 54] Wir sehen in dem ersten Buch Mosis, da\u00df solche Laster der Hurerei auch hatten \u00fcberhandgenommen vor der Sintflut. Item, zu Sodoma, zu Sybaris, zu Rom und andern St\u00e4dten ist greuliche Unzucht eingerissen, ehe sie zerst\u00f6rt wurden. In diesen Exempeln ist abgemalt, wie es zu den letzten Zeiten gehen werde, kurz vor der Welt Ende. 55] Derhalben, so es auch die Erfahrung gibt, da\u00df jetzund in diesen letzten Zeiten Unzucht st\u00e4rker denn je leider eingerissen, sollten tre\u00fc Bisch\u00f6fe und Obrigkeit vielmehr Gesetze und Gebote mache, die Ehe zu gebieten, denn zu verbieten, auch mit Worten, Werken und Exempeln die Leute zu dem Ehestande vermahnen; das w\u00e4re der Obrigkeiten Amt;. denn dieselben sollen Flei\u00df haben, da\u00df Ehre und Zucht erhalten wird. Nun hat Gott die Welt also geblendet, da\u00df man Ehebruch und Hurerei gar nahe ohne Strafe duldet, dagegen straft man um des Ehestands willen. Ist das nicht schrecklich zu h\u00f6ren? Dabei sollten die Prediger beiderlei unterrichten: diejenigen, so die Gabe der Keuschheit haben, vermahnen, da\u00df sie dieselbe nicht verachteten, sondern zu Gottes Ehre brauchten, die andern, welchen der eheliche Stand vonn\u00f6ten ist, dazu auch vermahnen.<\/p>\n<p>56] Der Papst dispensiert sonst t\u00e4glich in vielen n\u00f6tigen Gesetzen, daran gemeinem Nutz viel gelegen, da er billig sollte fest sein. Allein in diesem Gesetz vom Z\u00f6libat erzeigt er sich also hart als Stein und Eisen, so man doch wei\u00df, da\u00df nichts denn ein Manschengesetz ist. 57] Sie haben viel fromme, redliche, gottesf\u00fcrchtige Leute, welche niemand kein Leid getan, w\u00fcterisch und tyrannisch erw\u00fcrgt allein um des Ehestands willen, da\u00df sie aus Notdurft ihrer Gewissen sind ehelich geworden. Derhalben zu besorgen, da\u00df des Abels Blut so stark gen Himmel schreit, da\u00df sie es nimmer werden verwinden, sondern wie Kain zittern m\u00fcssen. 58] Und dieselbe kainische M\u00f6rderei des unschuldigen Bluts zeigt an, da\u00df diese Lehre vom Z\u00f6libat Teufelslehre sei. Denn der Herr Christus nennt den Teufel einen M\u00f6rder, welcher solch tyrannisch Gesetz mit eitel Blut und Morden auch gern wollte verteidigen.<\/p>\n<p>59] Wir wissen fast [sehr] wohl, da\u00df etliche sehr schreien, wir machten Schismata. Aber unsere Gewissen sind ganz sicher, nachdem wir mit allem tre\u00fcn Flei\u00df Frieden und Einigkeit gesucht haben, and die Widersacher ihnen [sich] nicht wollen gen\u00fcgen lassen, wir verleugnen denn (das Gott verh\u00fcte!) die \u00f6ffentliche g\u00f6ttliche Wahrheit, wir willigen denn mit ihnen, das h\u00e4\u00dfliche Papstgesetz anzunehmen, fromme, unschuldige Eheleute voneinander zu rei\u00dfen, die ehelichen Priester zu erw\u00fcrgen, unschuldige Weiber und Kinder ins Elend zu vertreiben, ohne alle Ursache unschuldig Blut zu vergie\u00dfen. Denn nachdem es gewi\u00df ist, das solches Gott nicht gef\u00e4llt, so sollen wir uns lassen lieb sein, da\u00df wir keine Einigkeit noch Gemeinschaft, auch keinen Schuld an so viel unschuldigem Blut mit den Widersachern haben.<\/p>\n<p>60] Wir haben Ursache angezeigt, warum wir es mit gutem Gewissen mit den Widersachern nicht halten k\u00f6nnen, die den Z\u00f6libat verteidigen. Denn es ist wider alle g\u00f6ttlichen und nat\u00fcrlichen Rechte, wider die Canones selbst, dazu ist\u2019s eitel Heuchelei und Gefahr. Denn sie halten \u00fcber derselben erdichteten Keuschheit nicht so hart Heiligkeit halben, oder da\u00df sie es nicht anders vers\u00fcnden; sie wissen wohl, da\u00df jedermann der hohen Stifte Wesen, welche wir wohl zu nennen w\u00fc\u00dften, kennt, sondern allein ihre Tyrannei und Herrschaft zu erhalten. Und es wird kein ehrbarer Mensch wider obenangezeigte starke, klare Gr\u00fcnde etwas m\u00f6gen [k\u00f6nnen] aufbringen. 61] Das Evangelium l\u00e4\u00dft allen den Jungen den Ehestand frei, denen er vonn\u00f6ten ist; so zwingt es die zum Ehestand nicht, so die Gabe der Keuschheit haben, wenn es allein rechte Keuschheit und nicht Heuchelei ist. Die Freiheit, halten wir, sei den Priestern auch zu verg\u00f6nnen, und wir wollen niemand mit Gewalt zum Z\u00f6libat zwingen, wollen auch fromme Eheleute nicht voneinander treiben oder die Ehe zerrei\u00dfen.<\/p>\n<p>62] Wir haben nun etliche unserer Gr\u00fcnde auf diesmal kurz angezeigt; auch haben wir vermeldet, wie die Widersacher so ungeschickten Behelf und Tr\u00e4ume dawider aufbringen. Nun wollen wir anzeigen, mit was starken Gr\u00fcnden sie ihr Papstgesetz verteidigen. 63] Erstlich sagen sie, solch Gesetz sei von Gott offenbart. Da steht man, wie ganz unversch\u00e4mt die heillosen Leute sind. Sie d\u00fcrfen sagen, da\u00df ihr Eheverbieten von Gott offenbart sei, so es doch \u00f6ffentlich ist wider die Schrift, wider Paulum da er sagt: &#8220;Hurerei zu vermeiden, habe ein jeglicher sein eigen Eheweib.&#8221; Item, so die Schrift und Canones stark verbeiten, da\u00df man die Ehe, so schon vollzogen, in keinem Wege zerrei\u00dfen soll, was d\u00fcrfen die Buben sagen und den hohen, allerheiligsten Namen der g\u00f6ttlichen Majest\u00e4t so frech und unversch\u00e4mt mi\u00dfbrauchen? Paulus der Apostle sagt recht, wer der Gott sei, der solch Gesetz erst eingef\u00fchrt, n\u00e4mlich der leidige Satan; denn er nennt\u2019s: &#8220;Teufelslehre&#8221;. Und wahrlich, die Frucht lehrt uns den Baum kennen, so wir sehen, da\u00df so viel schreckliche, greuliche Laster dadurch geursacht werden, wie an Rom zu sehen; item, da\u00df auch \u00fcber diesem Gesetz des W\u00fcrgens und Blutvergie\u00dfens der Teufel kein Ende macht.<\/p>\n<p>64] Der andere Grund der Widersacher, ist, da\u00df die Priester sollen rein sein, wie die Schrift sagt: &#8220;Ihr sollt rein sein, die ihr traget die Gef\u00e4\u00dfe des Herrn.&#8221; Das Argument haben wir hier oben verlegt [widerlegt]; denn wir haben genug angezeigt, da\u00df Keuschheit ohne Glauben keine Reinigkeit vor Gott sei, und der Ehestand ist Heiligkeit und Reinigkeit um des Glaubens willen, wie Paulus sagt: &#8220;Den Reinen ist alles rein.&#8221; So haben wir klar genug gesagt, da\u00df Mosis Zeremonien von Reinigkeit und Unreinigkeit dahin nicht zu ziehen seien. Denn das Evangelium will haben Reinigkeit des Herzens. Und hat keinen Zweifel, da\u00df Abrahams, Isaaks, Jakobs, der Erzv\u00e4ter Herzen, welche doch viele Weiber gehabt, reiner gewesen seien denn vieler Jungfra\u00fcn, die gleich nach Reinigkeit des Leibes rechte, reine Jungfra\u00fcn gewesen. Da\u00df aber Jesaias sagt: &#8220;Ihr sollt rein sein, die ihr das Gef\u00e4\u00df des Herrn tragt&#8221;, das ist zu verstehen von ganzer christlicher Heiligkeit und nicht von Jungfrauschaft, und eben dieser Spruch gebietet den unreinen, ehelosen Priestern, da\u00df sie reine, eheliche Priester werden. 66] Denn wie zuvor gesagt ist, die Ehe ist Reinigkeit bei den Christen.<\/p>\n<p>67] Das dritte ist erstlich ein schrecklich Argument, da\u00df der Priester Ehe solle Ketzerei sein. Gnadet unserer armen Seele, liebe Herren; fahrt sch\u00f6ne! Das ist gar ein Ne\u00fcs, da\u00df der heilige Ehestand, den Gott im Paradies geschaffen hat, soll Ketzerei sein worden. Mit der Weise w\u00fcrde die ganze Welt eitel Ketzerkinder sein. Es ist eine gro\u00dfe, unversch\u00e4mte L\u00fcge, da\u00df der Priesterehe solle Joviniani Ketzerei sein, oder da\u00df solche Priesterehe zu den Zeit von der Kirche solle verdammt sein. Denn zu Jovinianus\u2019 Zeiten hat die Kirche von diesem Papstgesetz, dadurch den Priestern die Ehe ganz verboten ist, noch nicht gewu\u00dft. Und solches wissen unsere Widersacher wohl. 68] Aber sie ziehen oft alte Ketzereien an und reimen unsere Lehre dazu wider ihr eigen Gewissen, allein den Ungelehrten einzubilden, als sei unsere Lehre vor alters von der Kirche verdammt, und also m\u00e4nniglich [jederman] wider uns zu bewegen. Mit solchen Griffen gehen sie um; Und darum haben sie und die Konfutation nicht wollen zustellen. Sie haben besorgt, man m\u00f6chte ihre \u00f6ffentlichen L\u00fcgen verantworten, welches ihnen eine ewige Schande bei allen Nachkommen sein wird. Was aber Joviniani Lehre belangt, haben wir hier oben gesagt, was wir von Keuschheit und was wir vom Ehestand halten. 69] Denn wir sagen nicht, da\u00df der Ehestand gleich sei der Jungfrauschaft, wiewohl weder Jungfrauschaft noch Ehestand gerecht macht vor Gott.<\/p>\n<p>70] Mit solchen schwachen, losen Gr\u00fcnden sch\u00fctzen und verteidigen sie des Papstes Gesetz vom Z\u00f6libat, das so zu gro\u00dfen Lastern und Unzucht hat Ursache gegeben. Die F\u00fcrsten und Bisch\u00f6fe, so diesen Lehrern glauben, werden wohl sehen, ob solche Gr\u00fcnde den Stich halten, wenn es zu der Todesstunde kommt, da\u00df man vor Gott soll Rechenschaft geben, warum sie frommer Leute Ehe zerrissen haben, warum sie diese gest\u00f6ckt und gepfl\u00f6ckt [ins Gef\u00e4ngnis geworfen] haben, warum sie so viele Priester erw\u00fcrgt und unschuldig Blut \u00fcber alles Klagen, Heulen und Weinen so vieler Witwen und Waisen vergossen haben. Denn das d\u00fcrfen sie ihnen [sich] nicht in Sinn nehmen: die Z\u00e4hren und Tr\u00e4nen der armen Witwen, das Blut der unschuldigen ist im Himmel unvergessen, es wird zu seiner Stunde als stark als des heiligen, unschuldigen Abels Blut \u00fcber sie in hohen Himmel schreien und vor Gott, dem rechten Richter, rufen. Wenn nun Gott solche Tyrannei richten wird, werden sie erfahren, da\u00df ihre Argumente Stroh und Heu sind und Gott &#8220;ein verzehrend Fe\u00fcr&#8221;, vor dem nicht bleiben kann au\u00dfer g\u00f6ttliches Worts, 1 Petr. 1, 24.25.<\/p>\n<p>71] Unsere F\u00fcrsten und Herren, es gehe, wie es wolle, haben sich des zu tr\u00f6sten, da\u00df sie mit gutem Gewissen gehandelt haben. Denn ich will gleich setzen, da\u00df der Priester Ehe etwas anzufechten sei, als nicht ist, doch ist das stracks wider Gottes Wort und Willen, da\u00df die Widersacher die vollzogenen Ehen also zerrei\u00dfen, arme, unschuldige Leute ins Elend jagen und erw\u00fcrgen. Es haben unsere F\u00fcrsten und Herren ja nicht Lust an Ne\u00fcrung und Zwiespalt, dennoch sind sie schuldig, da\u00df sie g\u00f6ttlich Wort und Wahrheit in so gerechter und gewisser Sache mehr lassen gelten denn alle andern Sachen. Da verleihe Gott Gnade zu! Amen. <\/p>\n<p>Artikel XXIV. (XII.) Von der Messe.<\/p>\n<p>1] Erstlich m\u00fcssen wir aber [abermals] dies hier zum Eingange sagen, da\u00df wir die Messe nicht abtun. Denn alle Sonntage und Feste werden in unsern Kirchen Messen gehalten, dabei das Sakrament gereicht wird denjenigen, die es begehren, doch also, da\u00df sie erst verh\u00f6rt und absolviert werden. So werden auch christliche Zeremonien gehalten mit Lesen, mit Ges\u00e4ngen, Gebeten und dergleichen usw.<\/p>\n<p>2] Die Widersacher machen ein gro\u00df Geschw\u00e4tz von der lateinischen Messe und reden ganz ungeschickt und kindisch davon, wie auch ein Ungelehrter, der Latein nicht verstehe, gro\u00df verdiene mit Messeh\u00f6ren im Glauben der Kirche. Da erdichten sie ihnen selbst, da\u00df das schlechte Werk des Messeh\u00f6rens ein Gottesdienst sei, welcher auch dann n\u00fctze sei, wenn ich kein Wort h\u00f6re oder verstehe. Das will ich nicht hier derma\u00dfen [her]ausstreichen, wie es wert w\u00e4re. 3] Wir wollen verst\u00e4ndige Leute hier richten lassen. Wir gedenken des darum, da\u00df wir anzeigen, da\u00df bei uns die lateinische Messe, Lektionen und Gebete auch gehalten werden.<\/p>\n<p>So aber die Zeremonien sollen darum gehalten werden, da\u00df die Leute die Schrift und Gottes Wort lernen und dadurch zu Gottesfurcht kommen und Trost erlangen und also recht beten, denn darum sind Zeremonien eingesetzt: so behalten wir das Latein um derer willen, die Lateinisch k\u00f6nnen, und lassen daneben deutsche christliche Ges\u00e4nge gehen, damit das gemeine Volk auch etwas lerne und zu Gottesfurcht und Erkenntnis unterrichtet werde. 4] Der Brauch ist allezeit f\u00fcr l\u00f6blich gehalten in der Kirche. Denn wiewohl an etlichen Orten mehr, an etlichen Orten weniger deutsche Ges\u00e4nge gesungen werden, so hat doch in allen Kirchen je etwas das Volk deutsch gesungen; darum ist\u2019s so neu nicht. 5] Wo steht aber diese pharis\u00e4ische Lehre geschrieben, da\u00df Messeh\u00f6ren ohne Verstand, ex opere operato, verdienstlich und seliglich sei? Sch\u00e4mt euch ins Herz, ihr Sophisten, mit solchen Tr\u00e4umen!<\/p>\n<p>6] Da\u00df wir aber nicht Privatmessen, sondern allein einen \u00f6ffentliche Messe, wenn das Volk mit kommuniziert, halte, das ist nicht wider die gemeine christlich Kirche. Denn in der griechischen Kirche werden auf diesen Tag keine Privatmessen gehalten, sondern allein eine Messe, und dasselbe auf die Sonntage und hohen Feste. Das ist alles eine Anzeigung des alten Brauchs der Kirche. Denn die Lehrer, so vor der Zeit St. Gregorius\u2019 gewesen, gedenken an keinem Ort der Privatmessen. 7] Wie aber die einzelnen Messen oder Privatmessen einen Anfang gehabt, lassen wir jetzund anstehen. Das ist gewi\u00df, da die Bettelorden und M\u00f6nche also \u00fcberhandgenommen, sind die Messen aus den falschen Lehren derselben also t\u00e4glich mehr und mehr gestiftet und eingerissen um Geldes und Geizen willen, also da\u00df die Theologen selbst dar\u00fcber allezeit geklagt haben. Und wiewohl St. Franziskus aus rechter, guter Meinung hat dem Dinge wollen [zu]vorkommen und hat geordnet den Seinen, da\u00df ein jeglich Kloster t\u00e4glich mit einer gemeinen Messe sollte zufrieden sein, dasselbe n\u00fctzliche Statut ist hernach durch Heuchelei oder um Geldes willen ge\u00e4ndert. 8] Also ver\u00e4ndern sie die Ordnung der alten V\u00e4ter, wann and wo [es] sie gel\u00fcstet, wenn es ihnen in die K\u00fcche tr\u00e4gt, und sagen uns danach, man m\u00fcsse der alten V\u00e4ter Ordnung heiliglich halten. Epiphanius schreibt, da\u00df in Asia alle Wochen communio dreimal gehalten sei, and man habe nicht t\u00e4glich Messe gehalten, und sagt, der Brauch sei von den Aposteln also hergekommen.<\/p>\n<p>9] Wiewohl nun die Widersacher an diesem Ort viele Worte und Spr\u00fcche ineinandergekocht haben, da sie mit beweisen wollen, da\u00df die Messe ein Opfer sei, so ist doch das gro\u00dfe Geschrei mit dieser einzigen Antwort bald gestillt, und ist ihnen das Maul bald gestopft, wenn wir sagen: die Spr\u00fcche, die Argumente, Gr\u00fcnde und alles, was vorgebracht [ist], beweisen nicht, da\u00df die Messen ex opere operato dem Priester oder andern, f\u00fcr die, so sie appliziert werden, verdienen Vergebung der S\u00fcnden, Erlassung der Pein und Schuld. Diese einzige, klare Antwort st\u00f6\u00dft \u00fcber einen Haufen zu Boden alles, was die Widersacher vorbringen nicht allein in der Konfutation, sondern in allen ihren B\u00fcchern und Schriften, welche sie von der Messe geschrieben [haben].<\/p>\n<p>10] Und das ist die Hauptfrage in dieser ganzen Sache, davon wollen wir einen jeden christlichen Leser verwarnt haben, da\u00df er den Widersachern genau darauf sehe, ob sie auch bei der Hauptfrage bleiben. Denn sie pflegen aus der Hauptsache viel vergebliche, ungereimte Umschweife zu machen. Denn wenn man gleich und ungewankt bei der Hauptfrage bleibt und nichts Fremdes einmengt, da ist desto leichter zu urteilen auf beiden Seiten.<\/p>\n<p>11] Wir haben in unserer Konfession angezeigt, da\u00df wir halten, da\u00df da Abendmahl oder die Messe niemand fromm mache ex opere operato, und da\u00df die Messe, so f\u00fcr andere gehalten wird, ihnen nicht verdiene Vergebung der S\u00fcnden, Erlassung [von] Pein und Schuld. 12] Und des Hauptst\u00fccks haben wir ganz starken, gewissen Grund, n\u00e4mlich diesen: Es ist unm\u00f6glich, da\u00df wir sollten Vergebung der S\u00fcnden erlange durch unsere Werke, ex opere operato, das ist, durch das getane Werk an ihm selbst, sine bono motu utentis, wenn schon das Herz keinen guten Gedanken hat, sondern durch den Glauben an Christum mu\u00df das Schrecken der S\u00fcnde, des Todes \u00fcberwunden werden, wenn unsere Herzen aufgerichtet und getr\u00f6stet werden durch die Erkenntnis Christi, wie oben gesagt, wenn wir empfinden, da\u00df wir um Christus\u2019 willen einen gn\u00e4digen Gott haben, also da\u00df uns sein Verdienst und Gerechtigkeit geschenkt wird, R\u00f6m. am 5. Kap.: &#8220;So wir denn gerecht sind worden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott&#8221; usw. Dies ist ein solch starker, gewisser Grund, da\u00df alle Pforten der H\u00f6lle dawider nichts werden k\u00f6nnen aufbringen; des sind wir gewi\u00df.<\/p>\n<p>13] Und dieses w\u00e4re eben genug von der ganzen Sache. Denn kein Vern\u00fcnftiger oder Verst\u00e4ndiger wird die pharis\u00e4ische oder heidnische Heuchelei und den gro\u00dfen Mi\u00dfbrauch vom opere operato loben m\u00f6gen. Und ist doch derselbe Irrtum in aller Welt eingerissen. Daher hat man so viele, unz\u00e4hlige Messen in aller Welt, in allen Stiften, Kl\u00f6stern, Kirchen, Klausen, in allen Winkeln gestiftet. Denn dazu werden Messen um Geld gehalten, Gottes Zorn zu vers\u00f6hnen, durch das Werk Vergebung der S\u00fcnden, Erl\u00f6sung von Pein und Schuld zu erlange, die Toten aus dem Fegfe\u00fcr zu erl\u00f6sen, Gesundheit, Reichtum, Gl\u00fcck und Wohlfahrt in Hantierung zu erlangen usw. Die heuchlerische, pharis\u00e4ische Opinion haben die M\u00f6nche und Sophisten in die Kirche gepflanzt.<\/p>\n<p>14] Wiewohl nun der Irrtum vom Mi\u00dfbrauch der Messe genugsam verlegt [widerlegt] ist dadurch, da\u00df man nicht durch unser Werk, sondern durch den Glauben an Christum Vergebung der S\u00fcnden erlangt, doch, dieweil die Widersacher viele Spr\u00fcche der Schrift ganz ungeschickt einf\u00fchren, ihren Irrtum zu verteidigen, wollen wir etwas mehr hier noch dazusetzen. Die Widersacher reden in ihrer Konfutation viel vom Opfer, so wir doch in unserer Konfession das Wort sacrificium mit Flei\u00df gemieden haben um ungewissen Verstandes willen, sondern haben ihren h\u00f6chsten Mi\u00dfbrauch mit klaren Worten ausgedr\u00fcckt, den sie unter dem Names sacrificium meinen und treiben. Da\u00df wir nun die Spr\u00fcche, so sie unrecht und f\u00e4lschlich eingef\u00fchrt, verlegen m\u00f6gen, m\u00fcssen wir erst sagen, was das Wort sacrificium oder Opfer hei\u00dft. 15] Sie haben zehn ganze Jahre viele B\u00fccher geschrieben, da\u00df die Messe ein Opfer sei, und ihrer keiner hat noch nie definiert, was Opfer sei oder nicht sei. Sie suchen allein das [die] Vokabel oder Wort sacrificium wo sie es finden inconcordantiis der Biblien, und dehnen es hierher, es reime sich oder nicht. Also tun sie auch in der alten V\u00e4ter B\u00fcchern; danach erdichten sie ihre Tr\u00e4ume dazu, gleich als m\u00fcsse sacrificum hei\u00dfen, was sie wollen. <\/p>\n<p>Was Opfer sei oder nicht sei, und wie mancherlei Opfer.<\/p>\n<p>16] Und damit man nicht blind in die Sache falle, m\u00fcssen wir erstlich Unterrschied anzeigen, was Opfer and was nicht Opfer sei, and dies ist n\u00fctzlich und gut allen Christen zu wissen. 17] Die Theologen pflegen recht zu unterscheiden sacrificium und sacramentum, Opfer und Sakrament. Nun, das genus wollen wir lassen sein ceremonia oder heilig Werk. 18] Sacramentum ist eine ceremonia oder \u00e4u\u00dferlich Zeichen oder ein Werk, dadurch uns Gott gibt dasjenige, so die g\u00f6ttlich Verhei\u00dfung, welche derselben Zeremonien angeheftet ist, anbietet. Als, die Taufe ist eine Zeremonie und ein Werk, nicht das wir Gott geben oder anbieten, sondern in welchem uns Gott gibt und anbietet, in welchem uns Gott tauft oder der Diener an Gottes Statt. Da bietet uns Gott an und gibt uns Vergebung der S\u00fcnden nach seiner Verhei\u00dfung: &#8220;Wer da glaubet und getauft wird, der soll selig werden.&#8221;: Wiederum, sacrificium oder Opfer ist eine ceremonia oder ein Werk, das wir Gott geben, damit wir ihn ehren.<\/p>\n<p>19] Es ist aber vornehmlich zweierlei Opfer und nicht mehr, darunter alle andern Opfer begriffen sind. F\u00fcr eins ist ein Vers\u00f6hnopfer, dadurch genuggetan wird f\u00fcr Pein und Schuld, Gottes Zorn gestillt und vers\u00f6hnt und Vergebung der S\u00fcnder f\u00fcr ander erlangt. Zum andern ist ein Dankopfer, dadurch nicht Vergebung der S\u00fcnden oder Vers\u00f6hnung erlangt wird, sondern [es] geschieht von den jenigen, welche schon vers\u00f6hnt sind, da\u00df sie f\u00fcr die erlangte Vergebung der S\u00fcnden und andere Gnaden und Gaben Dank sagen.<\/p>\n<p>20] Dieser zweierlei Opfer mu\u00df man mit Flei\u00df wahrnehmen in diesem Handel und in vielen andern Disputationen gar wohl darauf sehen, da\u00df man diese zwei nicht ineinandermenge. Und diese unterschiedliche Teilung hat wohl starke Beweisung aus der Epistel zu den Hebr\u00e4ern und an vielen Orten in der Schrift. 21] Und alle Opfer in Gesetz Mosis, wie mancherlei die sind, k\u00f6nnen unter diese zweierlei Opfer als unter ihre genera beschlossen und begriffen werden. Denn etliche Opfer im Gesetz Mosis werden genannt S\u00fchnopfer oder Opfer f\u00fcr die S\u00fcnden um der Bedeutung willen, nicht da\u00df Vergebung der S\u00fcnden dadurch verdient wird vor Gott, sondern da\u00df es \u00e4u\u00dferliche Vers\u00f6hnungen waren um der Bedeutgung willen: denn diejenigen, f\u00fcr welche sie geschahen, wurden durch solche Opfer vers\u00f6hnt, da\u00df sie nicht aus dem Volk Isr\u00e4l versto\u00dfen w\u00fcrden. Darum waren es genannt S\u00fchnopfer; die andern Opfer aber waren Dankopfer.<\/p>\n<p>22] Also sind im Gesetz wohl Bedeutungen gewesen des rechten Opfers, aber es ist allein ein einziges wahrhaftiges S\u00fchnopfer, Opfer f\u00fcr die S\u00fcnden, in der Welt gewesen, n\u00e4mlich der Tod Christi, wie die Epistel zu den Hebr\u00e4ern sagt: &#8220;Es ist unm\u00f6glich gewesen, da\u00df der Ochsen und B\u00f6cke Blut sollte S\u00fcnden wegnehmen.&#8221; Und bald hernach steht von dem Gehorsam und Willen Christi: &#8220;In welchem Willen wir geheiliget sind durch das Opfern des Leibes Jesu Christi einmal&#8221; usw. 23] Und Jesaias der Prophet hat auch zuvor das Gesetz Mosis ausgelegt und zeigt an, da\u00df der Tod Christi die Bezahlung f\u00fcr die S\u00fcnden ist und nicht die Opfer im Gesetz, da er von Christo sagt: &#8220;Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, so wird er Samen haben und in die L\u00e4nge leben.&#8221; Denn der Prophet hat das Wort: &#8220;Schuldopfer&#8221; auf Christus\u2019 Tod gezogen, anzuzeigen, da\u00df die Schuldopfer im Gesetz nicht das rechte Opfer w\u00e4ren, die S\u00fcnden zu bezahlen, sondern es m\u00fc\u00dfte ein ander Opfer kommen, n\u00e4mlich Christus\u2019 Tod, dadurch Gottes Zorn sollte vers\u00f6hnt werden. Item, die Schuldopfer im Gesetz mu\u00dften aufh\u00f6ren, da das Evangelium geoffenbart und das rechte Opfer ausgerichtet ward. Darum sind es nicht rechte Vers\u00f6hnungen vor Gott gewesen, denn sie haben fallen m\u00fcssen, und hat ein anderes m\u00fcssen kommen. Derhalben sind es allein Bedeutungen und Vorbilder der rechten Vers\u00f6hnung gewesen. 24] Darum bleibt dieses feststehen, da\u00df nur ein einig Opfer gewesen ist, n\u00e4mlich der Tod Christi, das f\u00fcr andere sollte appliziert werden, Gottes Zorn zu vers\u00f6hnen.<\/p>\n<p>25] \u00dcber dieses einige S\u00fchnopfer, n\u00e4mlich den Tod Christi, sind nun ander Opfer, die sind alle nur Dankopfer, als alles Leiden, Predigen, gute Werke der Heiligen. Dasselbe sind nicht solche Opfer, dadurch wir vers\u00f6hnt werden, die man f\u00fcr ander tun k\u00f6nne, oder die da verdienen ex opere operato Vergebung der S\u00fcnden oder Vers\u00f6hnung. Denn sie geschehen von denjenigen, so schon durch Christum vers\u00f6hnt sind. 26] Und solche Opfer sind unsere Opfer in Ne\u00fcn Testament, wie Petrus der Apostel 1 Petr. 2 sagt: &#8220;Ihr seid ein heilig Priestertum, da\u00df ihr opfert geistliche Opfer.&#8221;<\/p>\n<p>27] Und im Ne\u00fcn Testament gilt kein Opfer ex opere operato sine bono motu utentis, das ist, das Werk ohne einen guten Gedanken im Herzen. Denn Christus spricht Joh. am 4. : &#8220;Die rechten Anbeter werden den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit&#8221;, das ist, mit Herzen, mit herzlicher Furcht und herzlichem Glauben. Darum ist\u2019s eitel teuflische, pharis\u00e4ische und antichristische Lehre und Gottesdienst, da\u00df unsere Widersacher lehren, ihre Messe verdiene Vergebung der Schuld und Pein ex opere operato. Die Juden verstanden ihre Zeremonien auch nicht recht und meinten, sie w\u00e4ren vor Gott fromm, wenn sie die Werke getan h\u00e4tten, ex opere operato. 28] Dawider schreien die Propheten aufs allerernstlichste, damit sie die Leute von eigenen Werken auf die Zusage Gottes wiesen und sie zum Glauben und rechten Gottesdienst br\u00e4chten. Also steht Jer. am 7.: &#8220;Ich habe nicht mit euren V\u00e4tern von Opfern geredet oder Brandopfern, da ich sie aus \u00cbgyptenland f\u00fchrte, sondern dies Wort habe ich ihnen geboten: H\u00f6ret meine Stimme, und ich will e\u00fcr Gott sein&#8221; usw. Was werden wohl die halsstarrigen Juden zu dieser Predigt und Lehre gesagt haben, die da ganz \u00f6ffentlich wider das Gesetz und Mose scheint? Denn es war je \u00f6ffentlich, da\u00df Gott den V\u00e4tern von Opfern geboten hatte, das konnte Jeremias nicht leugnen. Jeremias aber verdammt ihren Irrtum von den Opfern, von welchen kein Gottesbefehl war, n\u00e4mlich da\u00df die [sie] meinten, da\u00df die Opfer ex opere operato Gott vers\u00f6hnten und gefielen. Darum setzt Jeremias das dazu vom Glauben, das Gott geboten hat: H\u00f6rt mich, das ist, glaubt mir, da\u00df ich eure Gott bin, da\u00df ich euch erhalte, mich e\u00fcr erbarme, euch alle Stunden helfe, und [be]darf eurer Opfer nicht; glaubt, da\u00df ich e\u00fcr Gott bin, der euch gerecht macht und heilig, nicht um eures Verdienstes willen, sondern um meiner Zusage willen; darum sollt ihr von mir allen Trost und Hilfe [er]warten.<\/p>\n<p>29] Auch so verwirft die heidnische Opinion vom opere operato der 50. Psalm, da er sagt: &#8220;Meinest du, da\u00df ich Ochsenfleisch essen wolle oder Bocksblut trinken? Rufe mich an in der Zeit der Not&#8221; usw. Da wird das opus operatum verworfen und sagt: &#8220;Rufe mich an!&#8221; Da zeigt er den h\u00f6chsten Gottesdienst an, wenn wir ihn von Herzen anrufen.<\/p>\n<p>Item im 40. Psalm: &#8220;Du hast keine Lust am Opfer und Speisopfer; aber die Ohren hast du mir aufgetan&#8221;, das ist, du hast mir ein Wort gegeben, das ich h\u00f6ren soll, und forderst, da\u00df ich deinem Wort glauben soll und deinen Zusagen, da\u00df du mir helfen willst. Item Ps. 51: &#8220;Du hast nicht Lust zum Opfer, ich g\u00e4be dir es sonst&#8221; usw. : &#8220;Die Opfer Gottes sind ein zerbrochener Geist&#8221; usw. Item im 4. Psalm: &#8220;Opfert Opfer der Gerechtigkeit und hoffet auf den Herrn.&#8221; Da befiehlt er, da\u00df wir sollen auf den Herrn hoffen, und nennt das ein recht Opfer. Da zeigt er an, da\u00df die andern nicht rechte Opfer seien usw. Item Ps. 116: &#8220;Dir will ich Dankopfer opfern und es Herrn Namen anrufen&#8221; usw.<\/p>\n<p>30] Und die ganze Schrift ist voll solcher Spr\u00fcche, die da anzeigen, da\u00df kein Opfer, kein Werk ex opere operato Gott vers\u00f6hnt. Darum lehrt sie, da\u00df im Ne\u00fcn Testament die Opfer des Gesetzes Mosis abgetan seien, und seien eitel reine Opfer, ohne Makel, n\u00e4mlich der Glaube gegen Gott, Danksagung, Gottes Lob, Predigt des Evangelii, Kreuz und Leiden der Heiligen und dergleichen.<\/p>\n<p>31] Und von diesen Opfern redet Maleachi, da er sagt: &#8220;Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang ist mein Name gro\u00df unter den Heiden, und an allen Orten soll meinem Namen geopfert werden ein rein Opfer.&#8221; Denselben Spruch deuten die Widersacher f\u00e4lschlich und n\u00e4rrisch, von der Messe zu verstehen, und ziehen die alten V\u00e4ter an. Es ist aber da bald geantwortet: Wenngleich Maleachi von der Messe redet, als er nicht tut, so folgt doch daraus nicht, da\u00df die Messe ex opere operato uns vor Gott fromm mache, oder da\u00df man Messe k\u00f6nne halten f\u00fcr andere, denselben Vergebung der S\u00fcnden zu erlangen. 32] Der keines sagt der Prophet, sondern die Sophisten und M\u00f6nche erdichten\u2019s unversch\u00e4mt aus ihrem eigenen Hirn. Die Worte aber des Propheten bringen selbst den rechten Verstand mit. Denn erst sagt der Prophet, es solle der Name des Herrn gro\u00df werden; das geschieht durch die Predigt des Evangelii. Denn durch dieselbe wird der Name Christi bekannt, und wird bekannt die Gnade, in Christo verhei\u00dfen. Durch die Predigt aber des Evangelii kommen die Leute zum Glauben; die rufen dann Gott recht an, die danken Gott, die leiden um Gottes willen Verfolgung, die tun gute Werke. Darum nennt\u2019s der Prophet das reinen Opfer, nicht die Zeremonie der Messe allein ex opere operato, sondern alle geistlichen Opfer, durch welche Gottes Name gro\u00df wird. N\u00e4mlich ein rein, heilig Opfer ist die Predigt des Evangelii, der Glaube, Anrufen, Gebet, das Evangelium und Christum vor der Welt bekennen usw. 33] Und wir fechten nicht gro\u00df an, ob es jemand je auch auf die Zeremonie der Messe deuten wollte, wenn er nur nicht sagt, da\u00df die schlechte ceremonia ex opere operato Gott vers\u00f6hne. Denn wie wir die Predigt hei\u00dfen ein Lobopfer, so mag die ceremonia des Abendmahls an ihm selbst ein Lobopfer sein, aber nicht ein solch Opfer, das ex opere operato vor Gott gerecht mache, oder das man f\u00fcr andere tun k\u00f6nne, ihnen Vergebung der S\u00fcnden zu erlangen. Aber bald hernach wollen wir auch sagen, wie die ceremonia ein Opfer sei. Dieweil aber Maleachi redet von allen Gottesdiensten und Opfern des Ne\u00fcn Testaments, so redet er nicht allein von der Messe oder Abendmahl. Item, dieweil er klar widerredet demselben pharis\u00e4ischen Irrtum vom opere operato, so tut der Spruch nichts wider uns, sondern vielmehr f\u00fcr uns, denn er fordert inwendig das Herz, Gott Dankopfer zu tun, durch welches der Name der Herrn recht gro\u00df werde.<\/p>\n<p>34] Es wird auch aus dem Maleachi noch ein Spruch angezogen: &#8220;und er wird seigern [seihen, l\u00e4utern] die S\u00f6hne Levi wie Gold und wie Silber, und sie werden Gott opfern Opfer der Gerechtigkeit.&#8221; Da sagt er von Opfern der Gerechtigkeit; darum ist der Text wider das opus operatum. Die Opfer aber der S\u00f6hne Levi, das ist, derjenigen, die da predigen im Ne\u00fcn Testament, ist die Predigt des Evangelii und die guten Fr\u00fcchte der Predigt, wie Paulus R\u00f6m. 15 sagt: &#8220;Ich soll sein ein Diener Christi unter den Heiden, zu opfern das Evangelium Gottes, auf da\u00df die Heiden ein Opfer werden, Gott angenehm durch den Glauben.&#8221; Denn das Ochsen= und Schafschlachten im Gesetz hat bedeutet den Tod Christi und das Predigtamt des Evangelii, dadurch der alte Adam t\u00e4glich get\u00f6tet werde, und das ne\u00fc und ewige Leben sich anf\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Aber die Widersacher deuten allenthalben das Wort Opfer oder sacrificium allein auf die Zeremonien der Messe. Von dem Predigtamt des Evangelii, vom Glauben, vom Danken und Anrufen g\u00f6ttlichen Namens reden sie gar nichts, so doch die Zeremonia darum ist eingesetzt, so doch das Ne\u00fc Testament eitel geistliche Opfer hat inwendig des Herzens und nicht solche Opfer wie das levitische Priestertum.<\/p>\n<p>35] Auch so ziehen die Widersacher an das iuge sacrificium, das ist das t\u00e4gliche Opfer, und sagen, wie im Gesetz Mosis sei gewesen ein t\u00e4glich Opfer, also sei die Messe iuge sacrificium des Ne\u00fcn Testaments. Wenn die Sache mit Allegorien au\u00dfurichten w\u00e4re, so w\u00fcrde jedermann Allegorien finden, ihm dienlich. Aber alle Verst\u00e4ndigen wissen, da\u00df man in solchen hochwichtigen Sachen vor Gott gewi\u00df und klar Gottes Wort haben mu\u00df und nicht dunkle und fremde Spr\u00fcche herzuziehen mit Gewalt. Solche ungewisse Deutungen halten den Stich nicht vor Gottes Gericht. Wiewohl wir wollten den Widersachern zu Gefallen noch die Messe wohl iuge sacrificium oder t\u00e4glich Opfer nennen lassen, wenn sie die ganze Messe, das ist die Zeremonien mit der Danksagung, mit dem Glauben im Herzen, mit dem herzlichen Anrufen g\u00f6ttlicher Gnade, iuge sacrificium des Ne\u00fcn Testaments hei\u00dfen. Denn die Zeremonia der Messe oder des Abendmahls ist um des alles willen aufgerichtet; denn sie ist um des Predigens willen eingesetzt, wie Paulus sagt: &#8220;Sooft ihr das Brot esset und den Kelch trinket, sollt ihr den Tod des Herrn verk\u00fcndigen.&#8221; Das folgt aber gar nicht aus der Figur des t\u00e4glichen Opfers, da\u00df die Messe sei ein solch Opfer, das ex opere operato Gott vers\u00f6hne, oder das man f\u00fcr andere halten oder tun k\u00f6nne, ihnen Vergebung der S\u00fcnden zu erlangen.<\/p>\n<p>36] Und wenn man iuge sacrificium oder das t\u00e4gliche Opfer recht ansieht, so malet\u2019s ab und bedeutet nicht allein die Zeremonien, sondern auch die Predigt des Evangelii. Denn im 4. Buch Mosis am 28. werden gesetzt drei St\u00fccke, die zu demselben t\u00e4glichen Opfer geh\u00f6rten. Erstlich ward geopfert ein Lamm zu einem Brandopfer, und ward Wein darauf gegossen. Danach ward auch geopfert ein Kuchen, mit Semmelmehl und \u00d6l gemenget. Das ganze Gesetz Mosis ist ein Schatten und Figure Christi und des Ne\u00fcn Testaments, darum so wird Christus darin abgemalet. Das Lamm bedeutet den Tod Christi. Wein darauf gie\u00dfen bedeutet, da\u00df in aller Welt alle Gl\u00e4ubigen von den Lammes Blut besprengt werden durch das Evangelium, das ist, da\u00df sie geheiligt werden; wie Petrus sagt 1 Petr. 12: &#8220;durch Heiligung des Geistes im Gehorsam und Besprengung des Blutes Jesu Christi&#8221;. Der Kuchen bedeutet das Anrufen und die Danksagung in aller Gl\u00e4ubigen Herzen. 37] Wie nun in Alten Testament der Schatten ist und die Bedeutung Christi oder des Evangelii, also ist im Ne\u00fcn Testament dasselbe Evangelium und die Wahrheit, welche durch die Figur bedeutet ist, zu suchen, und ist nicht erst in neure typus oder Figur zu suchen, das sie m\u00f6chten oder wollten sacrificium nennen.<\/p>\n<p>38] Darum, wiewohl die Messe oder Zeremonia im Abendmahl ein Ged\u00e4chtnis ist des Todes Christi, so ist doch nicht die Zeremonia allein das iuge sacrificium oder t\u00e4gliche Opfer, sondern das Ged\u00e4chtnis des Todes Christi zusamt der Zeremonia ist das t\u00e4gliche Opfer, das ist, die Predigt vom Glauben und Christo, welcher Glaube wahrlich glaubt, da\u00df Gott durch den Tod Christi vers\u00f6hnt sei. Zu demselben iuge sacrificio geh\u00f6rt auch die Frucht der Predigt, da\u00df wir mit dem Blut Christi besprengt, das ist, geheiligt werden, da\u00df der alte Adam get\u00f6tet [werde] und der Geist zunehme; das ist das Gie\u00dfen. Danach sollen wir auch danken und Gott loben und den Glauben mit Leiden und guten Werken bekennen; das ist durch Mehl und \u00d6l bedeutet.<\/p>\n<p>39] Also wenn der grobe pharis\u00e4ische Irrtum von dem opere operato weggetan ist, findet sich, da\u00df durch das iuge sacrificium bedeutet ist das geistliche Opfer und t\u00e4gliche Opfer der Herzen; denn Paulus sagt: Im Alten Testament ist &#8220;der Schatten der k\u00fcnftigen G\u00fcter&#8221;, &#8220;der Leib aber&#8221; und die Wahrheit &#8220;ist in Christo&#8221;, Kol. 2, 17. Das ist nun das Erkenntnis Christi und der Heilige Geist im Herzen, welcher eitel Danksagung und t\u00e4glich geistliche Opfer im Herzen wirkt. 40] Aus dem erscheint nun genug, da\u00df das Gleichnis vom iuge sacrificio oder t\u00e4glichen Opfer nichts wider uns ist, sondern vielmehr f\u00fcr uns. Denn wir haben klar angezeigt, da\u00df alles, was zum t\u00e4glichen Opfer im Gesetz Mosis geh\u00f6rt hat, mu\u00df ein wahr, herzlich Opfer, nicht opus operatum bedeuten. Der Widersacher Traum ist falsch, da sie w\u00e4hnen wollen, es werde allein das schlechte, \u00e4u\u00dferliche Werk und Zeremonien bedeutet, so doch der Glaube im Herzen, das Predigen, Bekennen, Danksagen und herzliches Anrufen die rechten t\u00e4glichen Opfer sind und das Beste an der Messe, sie nennen\u2019s gleich Opfer oder anders.<\/p>\n<p>41] Nun k\u00f6nnen alle gottesf\u00fcrchtigen, frommen, ehrbaren, christlichen Leute leichtlich merken, da\u00df der Widersacher Beschuldigung unrecht ist, da sie sagen, wir tun das iuge sacrificium ab. Die Erfahrung aber gibt\u2019s, da\u00df sie die rechten Antiochi sind, die als die w\u00fctenden Tyrannen mit eitel Durst [K\u00fchnheit] und Gewalt sich erzeigen in der Kirche, die unter einem Schein der Geistlichkeit zu sich ziehen alle Gewalt der Welt und fragen doch nichts nach dem Predigtamt, nach Christo oder dem Evangelio. Dar\u00fcber [au\u00dferdem] unterstehen sie sich, ne\u00fc Gottesdienste ihres Gefallens in der Kirche anzurichten und mit eitel Gewalt zu verfechten. 42] Denn die Widersacher behalte allein die Zeremonie der Messe, den rechten Gebrauch aber der Messe lassen sie fahren und brauchen die Messe allein zum Geiz und sch\u00e4ndlichen Jahrmarkt und erdichten danach, es sei ein Werk, das andern zugute komme, das andern Vergebung der S\u00fcnden, [der] Pein und Schuld verdiene. 43] In ihren Predigten aber lehren sie nicht das Evangelium, sie tr\u00f6sten auch nicht die Gewissen, sie predigen auch nicht, da\u00df die S\u00fcnden ohne Verdienst vergeben werden um Christus\u2019 willen, sondern predigen vom Anrufen der Heiligen, von satisfactionibus, von Genugtuungen, von Menschensatzungen und sagen, da\u00df dadurch die Leute vor Gott fromm werden. Und wiewohl derselben \u00f6ffentlichen, gottesl\u00e4sterlichen Mi\u00dfbr\u00e4uche viel sind, so wollen sie doch dieselben, dieweil sie Geld tragen, mit Gewalt erhalten. Und die gelehrtesten Prediger unter ihnen predigen verworrene philosophisch Qu\u00e4stionen und Fragen, welche weder sie selbst noch das Volk verstehen. Endlich, ob etliche unter ihnen sind nicht gar ungelehrt, so lehren sie doch eitel Gesetz und lehren von Christo oder vom Glauben gar nichts.<\/p>\n<p>44] Die Widersacher ziehen den Daniel an, der da sagt: &#8220;Es werden Gre\u00fcl und Verw\u00fcstung in der Kirche stehen&#8221;, und deuten dieses auf unsere Kirche, derhalben da\u00df die Alt\u00e4re nicht bedeckt sind, nicht Lichter drinnen brennen und dergleichen. Wiewohl es nicht wahr ist, da\u00df wir solche \u00e4u\u00dferliche Ornamente alle wegtun, dennoch, so es schon also w\u00e4re, redet Daniel nicht von solchen Dingen, die gar \u00e4u\u00dferlich sind und zur christlichen Kirche nicht geh\u00f6ren, 45] sondern meint viel eine andere, greulichere Verw\u00fcstung, welche im Papsttum stark geht, n\u00e4mlich von Verw\u00fcstung des n\u00f6tigsten, gr\u00f6\u00dften Gottesdienstes, des Predigtamts und Unterdr\u00fcckung des Evangelii. Denn bei den Widersachern predigt man das mehrere Teil von Menschensatzungen, dadurch die Gewissen von Christo auf eigene Werke und Vertra\u00fcn gef\u00fchrt werden; so ist\u2019s gewi\u00df, da\u00df unterm Papsttum die Predigt von der Bu\u00dfe oder de poenitentia, wie die Widersacher davon gelehrt, 46] niemand verstanden hat, and das ist doch das n\u00f6tigste St\u00fcck der ganzen christlichen Lehre.<\/p>\n<p>Die Widersacher haben die armen Gewissen gequ\u00e4lt und geplagt mit S\u00fcndenerz\u00e4hlen; vom Glauben an Christum, wodurch man erlangt Vergebung der S\u00fcnden, von dem rechten Kampf und Anfechtung, welche sind \u00dcbungen des Glaubens, haben sie gar nichts Rechtes gelehrt, dadurch die Gewissen h\u00e4tten m\u00f6gen Trost haben. Alle ihre B\u00fccher, alle ihre Predigten sind in dem St\u00fccke als n\u00fctze gewesen als nichts und haben dazu uns\u00e4glichen Schaden getan. 47] Dar\u00fcber [\u00fcberdies] ist bei den Widersachern der schreckliche, greuliche Mi\u00dfbrauch der Messe, desgleichen kaum je auf Erden gewesen, und sonst unz\u00e4hlig viel unchristliche, n\u00e4rrische Gottesdienste. Das ist die rechte Verw\u00fcstung, davon Daniel sagt.<\/p>\n<p>48] Dagegen in unsern Kirchen warten die Priester recht ihres Amts, lehren und predigen das Evangelium, predigen Christum, da\u00df wir nicht um unserer Werke willen, sondern um Christus\u2019 willen Vergebung der S\u00fcnden und einen gn\u00e4digen Gott haben. Diese Lehre gibt den Herzen einen rechten, gewissen, best\u00e4ndigen Trost. Auch so lehren sie die zehn Gebote und von rechtschaffenen guten Werken, welche Gott geboten hat, dar\u00fcber auch von rechtem christlichen Gebrauch der heiligen Sakramente.<\/p>\n<p>49] Und wenn ja das Abendmahl oder die Messe sollte das t\u00e4gliche Opfer genannt werden, so m\u00f6chte billiger die Messe bei uns also hei\u00dfen. Denn bei ihnen halten ihre Pfaffen das mehrere Teil alle um ihre Pr\u00e4benden und um Geldes willen Messe. In unsern Kirchen wird der heiligen Sakramente also nicht mi\u00dfbraucht. Denn da wird niemand mit Geld dazu getrieben, sondern man l\u00e4\u00dft die Gewissen sich pr\u00fcfen, Trost da zu suchen; dazu werden die Leute unterrichtet von rechtem christlichen Gebrauch des Sakraments, da\u00df es n\u00e4mlich dazu eingesetzt ist, da\u00df es sei ein Siegel und gewi\u00df Zeichen der Vergebung der S\u00fcnden, dadurch die Herzen erinnert und der Glaube gest\u00e4rkt wird, da\u00df sie gewi\u00df glauben, da\u00df ihnen die S\u00fcnden vergeben sind. So wir nun die Predigt des Evangelii und den rechten Gebrauch des Sakraments bei uns behalten, so haben wir ohne Zweifel das t\u00e4gliche Opfer.<\/p>\n<p>50] Und wenn man gleich von \u00e4u\u00dferlichem Wohlstehen sagen sollte, so sind unsere Kirchen besser geziert denn des Gegenteils. Denn der rechte \u00e4u\u00dferliche Kirchenschmuck ist auch rechte Predigt, rechter Gebrauch der Sakrament, und da\u00df das Volk mit Ernst dazu gew\u00f6hnt sei und mit Flei\u00df und z\u00fccht zusammenkomme, lerne und bete. Dieweil man nun durch Gottes Gnade in unsern Kirchen christlich und heilsam Ding lehrt von Trost in allem Anfechten, bleiben die Leute gern bei guter Predigt. 51] Denn es ist kein Ding, das die Leute mehr bei der Kirche beh\u00e4lt denn die gute Predigt. Aber unsere Widersacher predigen ihre Leute aus der Kirche; denn sie lehren nichts von den n\u00f6tigen St\u00fccken christlicher Lehre, sagen Heiligenlegenden und andere Fabeln. \u00dcberdas, wo unsere Widersacher ihre Kerzen, Alkart\u00fccher, Bilder und dergleichen Zier f\u00fcr n\u00f6tige St\u00fccke [achten] und damit Gottesdienste anrichten, sind sie des Antichrists Gesinde, davon Daniel sagt, da\u00df sie ihren Gott ehren mit Silber, Gold und dergleichen Schmuck.<\/p>\n<p>52] Auch so ziehen sie an aus der Epistel Hebr. 5: &#8220;Ein jeglicher Hoherpriester, der aus den Menschen genommen wird, der wird gesetzt f\u00fcr die Menschen gegen Gott, auf da\u00df er opfere Gaben und opfere [Opfer] f\u00fcr die S\u00fcnde.&#8221; Da schlie\u00dfen sie: Nachdem [da] im Ne\u00fcn Testament Bisch\u00f6fe sind und Priester, so folgt, da\u00df auch ein Opfer m\u00fcsse sein f\u00fcr die S\u00fcnden. Dieses nun m\u00f6chte am meisten die Ungelehrten und Unerfahrenen bewegen, sonderlich wenn sie ansehen das herrliche Gepr\u00e4nge im Tempel und Kirchen, item die Kleidung Aarons; da im Alten Testament auch viel Schmuck von Gold, Silber und Purpur gewesen, denken sie, es m\u00fcsse im Ne\u00fcn Testament gleich also ein Gottesdienst, solche Zeremonien und Opfer sein, da man f\u00fcr anderer Leute S\u00fcnden opfere wie im Alten Testament. Denn der ganze Mi\u00dfbrauch der Messen und p\u00e4pstlichen Gottesdienste ist nirgend hergekommen, denn da\u00df sie haben wollen den Mosis Zeremonien nachfolgen und haben es nicht verstanden, da\u00df das Ne\u00fc Testament mit andern Sachen umgeht, und da\u00df solche \u00e4u\u00dferliche Zeremonien, ob man sie zur Kinderzucht braucht, sollen ihr Ma\u00df haben.<\/p>\n<p>53] Und wiewohl unsere Sache sonderlich wohl gegr\u00fcndet ist in der Epistel zu den Hebr\u00e4ern, so ziehen doch die Widersacher aus derselben Epistel etliche Spr\u00fcche verst\u00fcmpelt an, als eben an dem obangezeigten Ort, da der Text sagt: &#8220;Ein jeglicher Hoherpriester usw. wird gesetzt zu opfern&#8221; usw. Der Text f\u00fchrt das bald auf Christum. Die Worte, so vorhergehen, reden vom levitischen Priestertum und sagen, das levitische Priestertum sei eine Deutung des Priestertums Christi. Denn die levitischen Opfer f\u00fcr die S\u00fcnden, die verdienten nicht Vergebung der S\u00fcnden vor Gott, sondern waren allein ein Bild Christi, welcher war das rechte, einige, wahre Opfer f\u00fcr die S\u00fcnden, wie ich oben gesagt habe. 54] Und gar nahe die ganze Epistel zu den Hebr\u00e4ern handelt das mehrere Teil davon, da\u00df das levitische Priestertum und die Opfer im Gesetz dazu nicht eingesetzt [sind], da\u00df man Vergebung der S\u00fcnden oder Vers\u00f6hnung vor Gott damit verdienen solle, sondern allein zu bedeuten das k\u00fcnftige rechte Opfer, Christum. 55] Denn die Patriarchen und Heiligen im Alten Testament sind auch gerecht geworden und Gott vers\u00f6hnt durch den Glauben an die Verhei\u00dfung von dem k\u00fcnftigen Christo, durch welchen Heil und Gnade verhei\u00dfen ward, gleichwie wir im Ne\u00fcn Testament durch den Glauben an Christum, der da offenbart ist, Gnade erlangen. Denn alle Gl\u00e4ubigen von Anbeginn haben geglaubt, da\u00df ein Opfer und Bezahlung f\u00fcr die S\u00fcnde geschehen w\u00fcrde, n\u00e4mlich Christus, welcher k\u00fcnftig und verhei\u00dfen war, wie Jesaia am 53. sagt: &#8220;Wenn er seine Seele wird geben ein Schuldopfer f\u00fcr die S\u00fcnde&#8221; usw.<\/p>\n<p>56] So nun im Alten Testament durch die Opfer niemand hat erlangt Vergebung der S\u00fcnden (denn allein sie haben bedeutet das einige Opfer Christi), so folgt, da\u00df allein ein einiges Opfer ist, n\u00e4mlich Christus, welcher f\u00fcr aller Welt S\u00fcnde bezahlt und genuggetan hat. Derhalben ist im Ne\u00fcn Testament f\u00fcrder auch kein ander Opfer zu machen, dadurch die S\u00fcnden bezahlt werden, denn allein der einige Tod Christi, so am Kreuz einmal geopfert ist.<\/p>\n<p>58] Darum, wenn sie so sagen, es m\u00fcsse im Ne\u00fcn Testament ein Priester sein, der da opfert, so ist das allein von Christo nachzugeben und zu verstehen. Und darauf dringt und [damit] stimmt stark die ganze Epistel zu den Hebr\u00e4ern. Und das hie\u00dfe auch gar andere Mittler darstellen und eindringen neben Christo, wenn wir eine andere Satisfaktion f\u00fcr die S\u00fcnden zulie\u00dfen und Vers\u00f6hnung denn den Tod Christi. 59] Und dieweil das Priestertum des Ne\u00fcn Testaments ein Amt ist, dadurch der Heilige Geist wirkt, kann kein Opfer sein, das ex opere operato andern helfe. Denn wo nicht eigener Glaube und Leben durch den Heiligen Geist gewirkt wird, kann mich eines andern opus operatum nicht fromm und selig machen. Darum kann die Messe nicht f\u00fcr andere gelten: das ist ja klar und gewi\u00df.<\/p>\n<p>60] Wir haben nun Ursache angezeigt, warum die Messe niemand vor Gott gerecht mache ex opere operato, warum auch Messen f\u00fcr andere nicht k\u00f6nnen gehalten werden; denn beides ist stracks wider den Glauben und die Lehre von Christo. Denn es ist unm\u00f6glich, da\u00df S\u00fcnden sollten vergeben werden, oder da\u00df die Schrecken des Todes, der H\u00f6lle sollten durch eines andern Werk \u00fcberwunden werden denn allein durch den Glauben an Christum, wie der Spruch lautet R\u00f6m. 5: &#8220;So wir gerecht sind worden, so haben wir Frieden mit Gott&#8221; usw.<\/p>\n<p>61] Dazu haben wir angezeigt, das die Spr\u00fcche der Schrift, welche man wider uns anzieht, auch nichts beweisen f\u00fcr die heidnische und antichristische Lehre der Widersacher vom opere operato. Und das k\u00f6nnen nun alle gottesf\u00fcrchtigen, ehrbaren Leute in aller Welt, in allen Nationen merken und urteilen. 62] Darum ist zu verwerfen der Irrtum Thom\u00e4, der da schreibt, das der Leib des Hern einmal am Kreuz geopfert sei f\u00fcr die Erbs\u00fcnde und werde t\u00e4glich f\u00fcr die t\u00e4glichen S\u00fcnden geopfert auf dem Altar, da\u00df also die Kirche habe ein Opfer, t\u00e4glich Gott zu vers\u00f6hnen. 63] Auch sind die andern Irrt\u00fcmer zu verwerfen, das die Messe zugute komme ex opere operato dem, der sie halt. Item, wenn man Messe h\u00e4lt f\u00fcr andere, die nicht obicem setzen, wenn sie gleich gottlos sind, das dieselben Vergebung der S\u00fcnden und Erl\u00f6sung von Pein und Schuld erlangen. Das alles sind eitel Irrt\u00fcmer und falsch und von eitel ungelehrten, heillosen M\u00f6nchen erdichtet, die doch vom Evangelio, von Christo und dem Glauben gar nichts wissen.<\/p>\n<p>64] Aus diesem Irrtum von solchen Misbr\u00e4uchen der Messen sind unz\u00e4hlige andere erwachsen, n\u00e4mlich da\u00df sie disputieren, ob eine Messe, wenn sie f\u00fcr viele gehalten wird, auch [so] kr\u00e4ftig sei, als wenn eine jede person eine eigene Messe f\u00fcr sich halten l\u00e4\u00dft. Aus dieser Disputation sind die Messen gewachsen und je h\u00f6her verkauft worden. Weiter, so halten sie noch Messe f\u00fcr die Toten, zu erl\u00f6sen die Seelen aus dem Fegfe\u00fcr (welches ein sch\u00e4ndlicher Jahrmarkt ist), so doch das Sakrament weder den Lebendigen noch den Toten n\u00fctze ist ohne den Glauben. 65] Und die Widersacher k\u00f6nnen aus der Schrift nicht einen Buchstaben, nicht eine Silbe vorbringen zur Best\u00e4tigung der Tr\u00e4ume und Fabeln, welche sie doch ohne alle Scheu und Scham mit gro\u00dfem Geschrei in gro\u00dfem Ansehen predigen, so sie doch dar\u00fcber weder der Kirche noch der V\u00e4ter Zeugnis haben. Darum sind es heillose, verblendete Leute, welche die \u00f6ffentliche Wahrheit Gottes wissentlich Verachten und mit F\u00fc\u00dfen treten. <\/p>\n<p>Was die alten Lehrer oder V\u00e4ter vom Opfer schreiben.<\/p>\n<p>66] Nachdem wir die Spr\u00fcche, so die Widersacher aus der Schrift angezogen, recht ausgelegt und verantwortet haben, so m\u00fcssen wir auch auf der alten V\u00e4ter Spr\u00fcche, welche sie anziehen, antworten. Wir wissen wohl, da\u00df die V\u00e4ter die Messe ein Opfer nennen; aber der V\u00e4ter Meinung ist nicht, da\u00df man durch Messehalten ex opere operato Vergebung der S\u00fcnden erlange, oder da\u00df man Messe halten solle f\u00fcr Lebendige und Tote, ihnen Vergebung der S\u00fcnden, Abla\u00df von Pein und Schuld zu erlangen. Denn sie werden nimmermehr beweisen, da\u00df von solchem Gre\u00fcl wider alle Schrift die V\u00e4ter etwas gelehrt, sondern der V\u00e4ter B\u00fccher reden von Danksagung und Dankopfer, darum nennen sie die Messe eucharistiam. 67] Wir haben aber hier oben angezeigt, da\u00df die Dankopfer uns nicht Vergebung der S\u00fcnden erlangen, sondern geschehen von denjenigen, die schon vers\u00f6hnt sind durch den Glauben an Christum. Gleichwie Kreuz und Tr\u00fcbsale nicht Vers\u00f6hnung gegen Gott verdienen, sondern sind Dankoopfer, wenn diejenigen, so vers\u00f6hnt sind, solche Tr\u00fcbsale tragen und leiden.<\/p>\n<p>Und diese kurzen Worte sind Antwort genug wider die Spr\u00fcche der V\u00e4ter, sch\u00fctzen uns auch genug wider unsere Widersacher. Denn es ist gewi\u00df, da\u00df die Tr\u00e4ume vom opere operato nirgend in der V\u00e4ter B\u00fcchern oder Schriften gefunden werden. Aber damit diese ganze Sache und Handel von der Messe desto klarer zu verstehen sei, so wollen wir auch vom rechten Gebrauch des Sakraments reden, und also, wie es in der Heiligen Schrift und in allen Schriften der V\u00e4ter auch zu finden. <\/p>\n<p>Vom rechten Gebrauch des Sakraments und von dem Opfer.<\/p>\n<p>68] Etliche vorwitzige Gelehrte erdichten ihnen selbst, das Abendmahl des Herrn sei um zweierlei Ursache willen eingesetzt. Erstlich, da\u00df es sei eine Losung und Zeichen eines Ordens, wie die M\u00f6nchskappen ihrer Orden Unterschiede und Zeichen sind. Danach gedenken sie, Christus habe sonderlich Wohlgefallen, dieselbe Losung durch ein Essen oder Abendmahl zu geben oder anzurichten, da\u00df er anzeigte die Freundschaft br\u00fcderlicher Verwandtnis, so unter den Christen sein soll: denn miteinander essen und trinken ist ein Zeichen der Freundschaft. Aber das ist ein menschlicher Gedanke und zeigt nicht den rechten Gebrauch des Sakraments an. Da wird allein von Liebe und Freundschaft geredet, welches weltliche Leute auch verstehen. Da ist aber vom Glauben nichts geredet oder von der Verhei\u00dfung Gottes, welches das Gr\u00f6\u00dfte ist; welcher Glaube ein viel h\u00f6her, gr\u00f6\u00dfer Ding ist, denn man gedenkt.<\/p>\n<p>69] Die Sakramente aber sind Zeichen des g\u00f6ttlichen Willens gegen uns und sind nicht allein Losungen oder Zeichen, dabei sich die Leute kennen; und diejenigen sagen recht die da sagen, die Sakramente sind signa gratiae. das ist, die Sakramente sind Zeichen der Gnade. Und dieweil im Sakrament zwei Dinge sind, das \u00e4u\u00dferliche Zeichen und das Wort, so ist im Ne\u00fcn Testament das Wort die Verhei\u00dfung der Gnade, welche dem Zeichen angeheftet ist. Und dieselbe Verhei\u00dfung im Ne\u00fcn Testament ist eine Verhei\u00dfung der Vergebung der S\u00fcnden, wie der Text sagt: &#8220;Das ist mein Leib, der f\u00fcr euch gegeben wird; das ist der Kelch des Ne\u00fcn Testaments in meinem Blut, welches vergossen wird f\u00fcr viele zur Vergebung der S\u00fcnden.&#8221; 70] Das Wort bietet uns an Vergebung der S\u00fcnden. Das \u00e4u\u00dferliche Zeichen ist wie ein Siegel und Bekr\u00e4ftigung der Worte und Verhei\u00dfung, wie es Paulus auch nennt. Darum, wie die Verhei\u00dfung vergeblich ist, wenn sie nicht durch den Glauben gefa\u00dft wird, also ist auch die Zeremonia oder \u00e4userliche Zeichen nicht n\u00fctze, es sei denn der Glaube da, welcher wahrhaftig daf\u00fcrh\u00e4lt, da\u00df uns Vergebung der S\u00fcnden widerf\u00e4hrt. Und derselbe Glaube tr\u00f6stet die erschrockenen Gewissen. Und wie Gott die Verhei\u00dfung gibt, solchen Glauben zu erwecken, also ist auch das \u00e4u\u00dferliche Zeichen daneben gegeben und vor die Augen gestellt, da\u00df es die Herzen zu Glauben bewege und dem Glauben st\u00e4rke. Denn durch die zwei, durchs Wort und \u00e4userliche Zeichen, wirkt der Heilige Geist.<\/p>\n<p>71] Und dies ist der rechte Gebrauch des heiligen Sakraments, wenn durch den Glauben an die g\u00f6ttliche Verhei\u00dfung die erschrockenen Gewissen werden wieder aufgerichtet. Und das ist der rechte Gottesdienst im Ne\u00fcn Testament; denn im Ne\u00fcn Testament geht der h\u00f6chste Gottesdienst inwendig im Herzen zu, da\u00df wir nach dem alten Adam get\u00f6tet werden und durch den Heiligen Geist neu geboren werden. Und dazu hat auch Christus das Sakrament eingesetzt, da er sagt: &#8220;Solches tut zu meinem Ged\u00e4chtnis!&#8221; 72] Denn solches zu Christi Ged\u00e4chtnis tun, ist nicht ein solch Ding, das allein mit Geb\u00e4rden und Werken zugeht, allein zu einer Erinnerung und zu einem Exempel, wie man in Historien Alexandri und dergleichen gedenkt usw., sondern hei\u00dft da Christum recht erkennen, Christi Wohltat suchen und begehren. Der Glaube nun, der da erkennt die \u00fcberschwengliche Gnade Gottes, der macht lebendig. Und das ist der vornehmste Gebrauch des Sakraments, daran wohl zu merken, welche recht geschickt seien zu dem Sakrament, n\u00e4mlich die erschrockenen Gewissen, welche ihre S\u00fcnden f\u00fchlen, vor Gottes Zorn und Urteil erschrecken und sich nach Trost sehnen. Darum sagt der Psalm: &#8220;Er hat ein Ged\u00e4chtnis gemacht seiner Wunder, der gn\u00e4dige und barmherzige Herr; er hat Speise gegeben denen, so ihn f\u00fcrchten.&#8221; 73] Und der Glaube, der da erkennt solche Barmherzigkeit, der macht lebendig, und das ist der rechte Gebrauch des Sakraments.<\/p>\n<p>74] Da ist denn auch und findet sich das Dankopfer oder Danksagung. Denn wenn das Herz und Gewissen empfindet, aus was gro\u00dfer Not, Angst und Schrecken es erl\u00f6st ist, so dankt es aus Herzensgrunde f\u00fcr so grossen, uns\u00e4glichen Schatz und braucht auch der Zeremonien oder \u00e4u\u00dferlichen Zeichen zu Gottes Lobe und erzeigt sich, da\u00df es solche Gottesgnade mit Dankbarkeit annehme, gro\u00df und hoch achte. Also wird die Messe ein Dankopfer oder Opfer des Lobes.<\/p>\n<p>75] Und also reden die V\u00e4ter davon von zweierlei Effekt oder Nutzen des Sakraments: erstlich, da\u00df dadurch die Gewissen getr\u00f6stet werden; zum audern, da\u00df Gott Lob und Dank gesagt werde. Das erste geh\u00f6rt eigentlich zum rechten Gebrauch des Sakraments, das andere zu dem Opfer. Vom Trost sagt Ambrosius: &#8220;Geht zu ihm, das ist, zu Christo, und empfangt Gnade usw.; denn er ist die Vergebung der S\u00fcnden. Fragt ihr aber, wer er sei? H\u00f6rt ihn selbst reden: \u2018Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubet, den wird nicht d\u00fcrsten.\u2019 &#8221; Da zeigt er an, da\u00df mit dem Sakrament angeboten wird Vergebung der S\u00fcnden. Er sagt auch, man soll solches mit dem Glauben fassen. Man findet der Spr\u00fcche unz\u00e4hlige in der V\u00e4ter B\u00fcchern, welche die Widersacher alle auf das opus operatum und auf das Messehalten, so f\u00fcr andere geschieht, deuten, so doch die V\u00e4ter vom Glauben an die Verhei\u00dfung Gottes und von dem Trost, den die Gewissen empfangen, reden, und de applicatione gar nichts sagen.<\/p>\n<p>76] Dar\u00fcber findet man Spr\u00fcche in den V\u00e4tern von Danksagung, wie denn Cyprianus fast lieblich redet vom christlichen Kommunizieren. &#8220;Ein christlich Herz&#8221;, sagt er, &#8220;teilt seinen Dank auf einen Teil f\u00fcr den geschenkten Schatz, aufs andere Teil f\u00fcr die vergebenen S\u00fcnden und dankt f\u00fcr so reiche Gnade.&#8221; Das ist, ein christlich Herz, das steht an, was ihm geschenkt ist in Christo und was ihm auch f\u00fcr gro\u00dfe Schuld aus Gnaden erlassen ist; h\u00e4lt gegeneinander unsern Jammer und die gro\u00dfe Barmherzigkeit Gottes und dankt Gott usw. 77] Und daher ist es Eucharistia genannt in der Kirche. Darum ist die Messe nicht eine solche Danksagung, die man ex opere operato f\u00fcr andere tun oder halten solle, ihnen Vergebung der S\u00fcnden zu erlangen. Denn solches w\u00e4re stracks wider den Glauben, gleich als [ob] die Messe oder die \u00e4u\u00dferliche Zeremonie ohne den Glauben jemand fromm und selig machte. <\/p>\n<p>Von dem Wort Messe.<\/p>\n<p>Hier ist zu sehen, welch grobe Esel unsere Widersacher sind. Sie sagen, das Wort missa komme von dem Wort misbeach, das ein Altar hei\u00dft; daraus soll folgen, da\u00df die Messe ein Opfer sei; denn auf dem Altar opfert man. Item das Wort liturgia, wie die Gr\u00e4ken [Griechen] die Messe nennen, soll auch ein Opfer hei\u00dfen. Darauf wollen wir kurz antworten. Alle Welt sieht, da\u00df aus diesen Gr\u00fcnden dieser heidnische und antichristische Irrtum nicht folgen m\u00fcsse, da\u00df die Messe helfe ex opere operato sine bono motu utentis. Darum sind sie Esel, da\u00df sie in solcher gro\u00dfwichtigen Sache so ungereimt Ding vorbringen. Auch so wissen die Esel keine Grammatika. Denn missa und Iiturgia hei\u00dfen nicht Opfer. Missa hei\u00dft hebr\u00e4isch eine zusammengetragene Ste\u00fcr. 5 Mos. 16, 10. Denn also ist etwa die Weise gewesen, da\u00df die Christen Speise und Trank zugut den Armen in die Versammlung gebracht haben. Und solche Weise ist von [den] Juden hergekommen, die auf ihre Feste mu\u00dften solche Ste\u00fcr bringen; die nannten sie missa. So hei\u00dft Iiturgia gr\u00e4kisch [griechisch] eigentlich ein Amt, darin man der Gemeinde dient; das schickt sich Wohl auf unsere Lehre, da\u00df der Priester da als ein gemeiner Diener denjenigen, so kommunizieren wollen, dient und das heilige Sakrament reicht.<\/p>\n<p>Etliche meinen, missa komme nicht aus dem Hebr\u00e4ischen, sondern sei als viel als remissio, Vergebung der S\u00fcnden. Denn so man kommuniziert hat, hat man gesprochen: Ite, missa est; &#8220;Zieht hin, ihr habt Vergebung der S\u00fcnden.&#8221; Und da\u00df dem also sei, ziehen sie an, da\u00df man bei den Gr\u00e4ken gesprochen hat: Lais Aphesis (laoi`&#8221; a[fesi&#8221;); das ist auch so viel: Ihnen ist verziehen. Wo dem also, w\u00e4re dieses ein feiner Verstand; denn es soll allezeit bei dieser Zeremonie Vergebung der S\u00fcnden gepredigt und verk\u00fcndigt werden. Doch ist diesem Handel wenig geholfen, das Wort missa hei\u00dfe, was es wolle. <\/p>\n<p>Von den Messen f\u00fcr die Toten.<\/p>\n<p>89] Da\u00df aber die Widersacher noch dies wollen verteidigen, da\u00df die Messe den Toten helfe, davon sie einen eigenen Jahrmarkt und sonderlich uns\u00e4gliche Kretschmerei gemacht, des haben sie kein Zeugnis noch Befehl Gottes in der Schrift. Nun ist es je ein uns\u00e4glicher, gro\u00dfer Gre\u00fcl und nicht eine kleine S\u00fcnde, da\u00df sie d\u00fcrfen ohne Gottes Wort, ohne alle Schrift, einen Gottesdienst in der Kirche anrichten und d\u00fcrfen das Abendmahl des Hern, welches Christus hat eingesetzt, das Wort zu predigen, dabei seines Todes zu gedenken, zu st\u00e4rken den Glauben derjenigen, so die Zeremonie brauchen, unversch\u00e4mt ziehen auf die Toten. Denn das hei\u00dft recht Gottes Namen mi\u00dfbrauchen wider das andere Gebot.<\/p>\n<p>Denn erstlich ist das die h\u00f6chste Schmach und L\u00e4sterung des Evangelii und Christi, da\u00df das schlechte Werk der Messe ex opere operato ein Opfer sei, das Gott vers\u00f6hne und f\u00fcr die S\u00fcnden genugt\u00fc. Es ist eine recht schreckliche, h\u00e4\u00dfliche Predigt und Lehre und ein gro\u00dfer, uns\u00e4glicher Gre\u00fcl, da\u00df das schlechte [blo\u00dfe] getane Werk eines Priesters als viel gelten solle als der Tod Christi. So ist je gewi\u00df, da\u00df die S\u00fcnde und der Tod nicht k\u00f6nnen \u00fcberwunden werden denn allein durch den Glauben an Christum, wie Paulus sagt R\u00f6m. 5. Darum so k\u00f6nnen die Messen den Toten in keinem Weg ex opere operato helfen.<\/p>\n<p>90] Wir wollen hier nicht erz\u00e4hlen, wie schwache Gr\u00fcnde die Widersacher vom Fegfe\u00fcr haben; item, woher die Lehre von der Genugtuung und Satisfaktion erst aufgekommen; wie wir denn haben oben angezeigt, da\u00df es eitel Tr\u00e4ume und erdichteter Menschentand ist. Allein das wollen wir ihnen sagen, das gewi\u00df ist, das Abendmahl geh\u00f6re eigentlich zur Vergebung der Schuld. Denn was Trost h\u00e4tten wir, so uns da sollte Vergebung angeboten werden, und sollte doch nicht Vergebung der Schuld sein? So nun die Zeremonia Vergebung der Schuld anbietet, folgt, da\u00df unm\u00f6glich ist, da\u00df eine satisfactio sei ex opere operato oder den Toten helfe. Denn geh\u00f6rt sie zur Vergebung der Schuld, so mu\u00df sie allein dazu dienen, die Gewissen zu tr\u00f6sten, das sie glauben, ihnen sei die Schuld wahrhaftig vergeben.<\/p>\n<p>91] Und wahrlich, es w\u00e4re nicht Wunder, da\u00df alle frommen, christlichen Leute vor Angst und Leid Blut weinten, wenn sie recht bed\u00e4chten, wie uns\u00e4glicher greulicher und schrecklicher Mi\u00dfbrauch der Messe unter dem Papsttum ist, n\u00e4mlich da\u00df die Messe das mehrere Teil nirgend zu anders gebraucht wird, denn f\u00fcr die Toten und die Pein des Fegfe\u00fcrs abzul\u00f6sen. Sie schreien, wir tun iuge sacrificium oder das t\u00e4gliche Opfer ab. Das hei\u00dft recht iuge sacrificium, das t\u00e4gliche Opfer abgetan aus der Kirche, das ist eine rechte Tyrannei und W\u00fcterei des gottlosen Antiochi, also das ganze Evangelium, die ganze Lehre vom Glauben, von Christo unterdr\u00fccken und auf solche Tr\u00e4ume von satisfactionibus, solche L\u00fcgen vom opere operato an die statt [statt dessen] predigen. Das hei\u00dft recht das Evangelium unter die F\u00fc\u00dfe treten, den Gebrauch der Sakramente sch\u00e4ndlich verkehren. Das sind die rechten L\u00e4sterer, da Paulus von sagt, da\u00df sie: &#8220;schuldig seien am Leib und Blut des Hern&#8221;, welche die Lehre von Christo, vom Glauben unterdr\u00fccken und mi\u00dfbrauchen der Messe und des Abendmahls zu einem sch\u00e4ndlichen, unversch\u00e4mten \u00f6ffentlichen Geiz, zu einem Jahrmarkt und Kretschmerei [Schenkwirtschaft], und das alles unter einem Heuchlerischen Schein der Satisfaktion. Und eben um dieser gro\u00dfen, uns\u00e4glichen Gottesl\u00e4sterung willen werden die Bisch\u00f6fe schwere Strafe von Gott gewarten m\u00fcssen. Es wird einmal Gott das andere Gebot wahrlich wahr machen und einen gro\u00dfen, grimmigen Zorn \u00fcber sie ausgie\u00dfen. Darum haben wir uns und alle wohl vorzusehen, da\u00df wir uns der Widersacher Mi\u00dfbrauchs nicht teilhaftig machen.<\/p>\n<p>92] Wir wollen aber wieder auf die Sache kommen. So die Messe nun nicht eine Genugtuung ist weder f\u00fcr eine Pein noch Schuld ex opere operato, so folgt, da\u00df die Messe, so man f\u00fcr die Toten h\u00e4lt, unn\u00fctz und nichts sei. Und es [be]darf nicht langer Disputation. Denn da ist gewi\u00df, das solches Messehalten fur die Toten in der Schrift gar keinen Grund hat. Nun ist es ein Gre\u00fcl in der Kirche, Gottesdienst anrichten ohne alles Gotteswort, ohne alle Schrift. Und wenn es not wird sein, so wollen wir von diesem St\u00fccke ganz reichlich mehr und nach aller Notdurft weiter reden. Denn was sollen wir uns jetzund hier viel mit den Widersachern zanken, so sie gar nicht verstehen, was Opfer, was Sakrament, was Vergebung der S\u00fcnden, was Glaube sei?<\/p>\n<p>93] Und der griechische Kanon appliziert auch nicht die Messe als eine Genugtuung f\u00fcr die Toten; denn er appliziert sie zugleich f\u00fcr alle Patriarchen, Propheten, Apostel. Daraus erscheint, da\u00df die Kirchen [*Griechen] auch als eine Danksagung opfern, nicht aber als eine Satisfaktion f\u00fcr die Pein des Fegfe\u00fcrs. Denn es wird freilich nicht ihre Meinung sein, die Propheten und Apostel aus dem Fegfe\u00fcr zu erl\u00f6sen, sondern allein Dank zu opfern neben und mit ihnen f\u00fcr die hohen ewigen G\u00fcter, so ihnen und uns gegeben sind.<\/p>\n<p>96] Die Widersacher ziehen an, da\u00df etwa f\u00fcr Ketzerei verdammt sein soll, da\u00df einer, genannt \u00cbrius, soll gehalten haben, die Messe sei nicht ein Opfer f\u00fcr die Toten. Hier behelfen sie sich aber mit ihren gew\u00f6hnlichen Griffen, da\u00df sie erdichten, unsere Lehre sei von alters her verworfen. Aber die Esel sch\u00e4men sich keiner L\u00fcge. So wissen sie nicht, wer \u00cbrius gewesen oder was er gelehrt hat. Epiphanius schreibt, da\u00df \u00cbrius gehalten habe, das das Gebet f\u00fcr die Toten sei unn\u00fctz. Nun reden wir nicht vom Gebet, sondern vom Nachtmahl Christi, ob das ex opere operato ein Opfer sei, den Toten zu helfen. Dieser unser Handel betrifft \u00cbrium nichts. Was auch sonst alle den V\u00e4tern f\u00fcr die Messe angezogen wird, belangt alles diesen Handel nicht. Denn die guten, frommen V\u00e4ter haben diesen greulichen, l\u00e4sterlichen, antichristischen Irrtum nicht gelehrt, das die Messe ex opere operato den Lebendigen und Toten Vergebung [der] Pein und Schuld verdiene. Denn dieser Irrtum vom opere operato ist eine \u00f6ffentliche Ketzerei wider alle Schrift, wider alle Propheten und Apostel, und alle Christen sollen lernen, da\u00df solche papistische Messen eitel schreckliche Abg\u00f6tterei seien. Es bleibt aber in der Welt solche Abg\u00f6tterei, solange der Antichrist regiert und bleibt. 97] Denn wie in Isr\u00e4l ein falscher Gottesdienst ward angerichtet mit Baal, auch unrechte Gottesdienste waren unter dem Schein des Gottesdienstes, den Gott geordnet hat, also hat der Antichrist in der Kirche auch einen falschen Gottesdienst aus dem Nachtmahl Christi gemacht. Und doch, wie Gott unter Isr\u00e4l und Juda dennoch seine Kirche, das ist, etliche Heilige, behalten hat, also hat Gott seine Kirche, das ist, etliche Heilige, unter dem Papsttum dennoch erhalten, da\u00df die christliche Kirche nicht ganz untergegangen ist. Wiewohl nun der Antichrist mit seinem falschen Gottesdienst zum Teil bleiben wird, bis da\u00df Christus der Her \u00f6ffentlich kommen und richten wird, so sollen doch alle Christen verwarnt sein, sich zu h\u00fcten vor solcher Abg\u00f6tterei, und sollten lernen, wie man Gott recht dienen und Vergebung der S\u00fcnden durch den Glauben an Christum erlangen soll, da\u00df sie Gott recht ehren und best\u00e4ndigen Trost wider die S\u00fcnde haben k\u00f6nnen. Denn darum hat Gott gn\u00e4diglich sein Evangelium scheinen lassen, da\u00df wir verwarnt und selig w\u00fcrden.<\/p>\n<p>99] Dieses haben wir von der Messe kurz gesagt, da\u00df alle gottesf\u00fcrchtigen, frommen, ehrbaren Leute in allen Nationen verstehen m\u00f6gen, da\u00df wir mit allem tre\u00fcn Flei\u00df die rechte Ehre und den rechte Gebrauch der Messe erhalten haben, und da\u00df wir des gro\u00dfe, hochwichtige Ursachen haben, warum wir es mit den Widersachern nicht halten. Und wir wollen alle frommen, ehrbaren Leute verwarnt haben, da\u00df sie des gro\u00dfen Gre\u00fcls und Mi\u00dfbrauchs der Messe sich mit den Widersachern nicht teilhaftig machen, damit sie sich nicht mit fremden S\u00fcnden beschweren. Es ist ein gro\u00dfer Handel und eine ganz wichtige Sache. Denn dieser Mi\u00dfbrauch ist nicht geringer, denn zu Elias\u2019 Zeiten die Sache war mit dem falschen Gottesdienst Baal. Wir haben auf diesmal mit gelinden Worten und ohne Schm\u00e4hworte diese Sache vorgetragen; werden aber die Widersacher nicht aufh\u00f6ren zu l\u00e4stern, so sollen sie innewerden, da\u00df wir ihnen auch h\u00e4rter zusprechen wollen. <\/p>\n<p>Artikel XXVII. (XIII). Von den Klostergel\u00fcbden.<\/p>\n<p>1] In der Stadt Eisenach im Land zu Th\u00fcringen ist etwan gewesen vor drei\u00dfig Jahren ein Barf\u00fc\u00dferm\u00f6nch, Johannes Hilten genannt, welcher von seinen Br\u00fcdern ist in einen Kerker geworfen, darum da\u00df er etliche \u00f6ffentliche Mi\u00dfbr\u00e4uche im Klosterleben hatte angefochten. Wir haben auch seiner Schriften zum Teil gesehen, aus welchen wohl zu merken ist, da\u00df er christlich und der Heiligen Schrift gem\u00e4\u00df gepredigt; und die ihn gekannt haben, sagen heutigestags, da\u00df es ein frommer, stiller, alter Mann gewesen ist, ganz redlichen, ehrbaren Wesens und Wandels; 2] derselbe hat viel don diesen Zeiten prophezeit und zuvor, das bereits geschehen ist, etliches auch, das geschehen soll, welches wir doch hier nicht erz\u00e4hlen wollen, damit niemand gedenke, da\u00df wir aus Neid oder jemand zu Gefallen solches vorbr\u00e4chten. Endlich, als er altershalber, und auch da\u00df ihm das Gef\u00e4ngnis seine Gesundheit verderbet, in eine Krankheit gefallen, hat er zu sich lassen bitten den Guardian, ihm seine Schwachheit angezeigt, und als der Guardian aus pharis\u00e4ischer Bitterkeit und Neid ihn mit harten Worten angefahren, darum da\u00df solche Predigt nicht wollte in der K\u00fcche n\u00fctz sein, hat er seines Leibes Schwachheit zu klagen unterlassen, tief erseufzt und mit ernsten Geb\u00e4rden gesagt, er wolle solch Unrecht um Christus\u2019 willen gern tragen und leiden, wiewohl er nichts geschrieben noch gelehrt h\u00e4tte, das der M\u00f6nche Stand nachteilig, sondern h\u00e4tte allein grobe Mi\u00dfbr\u00e4uche angegriffen. 3] Zuletzt hat er gesagt: &#8220;Es wird ein anderer Mann kommen, wenn man schreibt 1516, der euch M\u00f6nche tilgen wird, und der wird vor euch Wohl bleiben, dem werdet ihr nicht widerstehen k\u00f6nnen.&#8221; Dasselbe Wort, wie die M\u00f6ncherei w\u00fcrde ins Fallen geraten, und dieselbe Jahre\u00dfahl hat man hernach gefunden in andern seinen B\u00fcchern und sonderlich in den Commentariis \u00fcber den Daniel. 4] Was aber von dieses Mannes Rede zu halten sei, lassen wir einem jeden sein Urteil. Doch sind sonst Zeichen, da\u00df der M\u00f6nche Wesen nicht lange bestehen k\u00f6nne. Es ist am Tage, da\u00df das Klosterwesen nichts denn eine unversch\u00e4mte Heuchelei und Betrug ist, voll Geizes und Hoffarts, und je ungelehrtere Esel die M\u00f6nche sind, je halsstarriger, grimmiger und bitterer, je giftigere Ottern sie sind, die Wahrheit und Gottes Wort zu verfolgen. So sind ihre Predigten und Schriften lauter kindisch, ungereimt, n\u00e4rrisch Ding, und ist an ihr Wesen dahin gerichtet, da\u00df sie den Bauch und ihren Geiz f\u00fcllen. 5] Anf\u00e4nglich sind die Kl\u00f6ster nicht solche Kerker oder ewige Gef\u00e4ngnisse gewesen, sondern Schulen, darin man die Jugend und andere in der Heiligen Schrift hat auferzogen. Nun ist solch edel Gold zu Kot geworden und der Wein Wasser geworden. Fast in den rechten, gr\u00f6\u00dften Stiften und Kl\u00f6stern sind eitel faule, unn\u00fctze, m\u00fc\u00dfige M\u00f6nche, die unter dem Schein der Heiligkeit von gemeinen Almosen in aller Pracht und Wollust leben. 6] Christus sagt aber, da\u00df das taube Salz nichts n\u00fctze sei, denn da\u00df man\u2019s hinwegwerfe und mit F\u00fc\u00dfen trete. Darum, so die M\u00f6nche ein solch ung\u00f6ttlich Wesen f\u00fchren, so singen sie ihnen [sich] mit der Tat ihr eigen requiem, und wird bald mit ihnen aus sein. 7] Dar\u00fcber ist noch ein Zeichen, da\u00df die M\u00f6nche werden untergehen, da\u00df sie Ursacher, Stifter und Anreger sind, da\u00df viel gelehrte, redliche Leute unschuldig erw\u00fcrgt und dahingerichtet werden. Das Abelsblut schreit \u00fcber sie, und Gott wird es r\u00e4chen. 8] Wir sagen nicht von allen; es m\u00f6gen etliche in Kl\u00f6stern sein, die das heilige Evangelium von Christo wissen und keine Heiligkeit auf ihre Traditiones setzen, die sich auch des Blutes nicht schuldig gemacht haben, welches die Heuchler unter ihnen vergie\u00dfen.<\/p>\n<p>9] Wir reden aber hier von der Lehre, welche die Meister der Konfutation loben und verteidigen. Wir disputieren nicht, ob man Gel\u00fcbde Gott halten soll; denn wir halten auch, da\u00df man rechte Gel\u00fcbde zu halten schuldig sei; sondern davon reden wir, ob man durch die Gel\u00fcbde und solche M\u00f6ncherei erlange Vergebung der S\u00fcnden vor Gott; ob sie Genugtuungen seien f\u00fcr die S\u00fcnde; ob sie der Taufe gleich seien; ob sie die Vollkommenheit seien, dadurch die praecepta und consilia, das ist, nicht allein die Gebote, sondern auch die R\u00e4te, gehalten werden; ob sie sind evangelische Vollkommenheit; ob die M\u00f6nche haben merita supererogationis, das ist, so viel \u00fcbrigen Verdienstes und heiliger Werke, da\u00df sie deren auch nicht alle [be]d\u00fcrfen; ob ihre Verdienste, wenn sie die den andern mitteilen, dieselben selig machen; ob die Klostergel\u00fcbde christlich seien, der Meinung also getan; item, ob die Klostergel\u00fcbde, welche erzwungen sind von Unwilligen und denjenigen, welche noch jugendhalber nicht verstanden, was sie tun, welche die Eltern oder Freunde in die Kl\u00f6ster gesto\u00dfen des Bauchs halben, allein ihr v\u00e4terlich Erbe zu sparen, christlich und g\u00f6ttlich seien; ob die Klostergel\u00fcbde christlich seien, die gewi\u00dflich zu S\u00fcnden Ursache geben, n\u00e4mlich da\u00df die Ordenspersonen den h\u00e4\u00dflichen Misbrauch der Messe, das Anrufen und Anbeten der Heiligen loben und annehmen m\u00fcssen, und des unschuldigen Blutes, das bisanher vergossen ist, sich m\u00fcssen teilhaftig machen; item, da die Gel\u00fcbde schwachheithalber doch nicht gehalten werden, ob dieselben rechte Gel\u00fcbde und christlich seien. 10] Von diesen Fragen ist unser Streit und Disputation. Und so wir in unserer Konfession von vielen unt\u00fcchtigen Gel\u00fcbden auch gesagt haben, welche die Canones der P\u00e4pste selbst verwerfen, noch [dennoch] wollen die Widersacher alles, was wir vorgebracht, verworfen haben. Denn also sagen sie mit klaren Worten, da\u00df alles, so wir vorgebracht haben, soll verworfen werden.<\/p>\n<p>Es will aber hier not fein anzuzeigen, wie sie doch unsere Gr\u00fcnde anfechten, und was sie vorbringen, ihre Sache zu erhalten. Darum wollen wir kurz verlegen [widerlegen], was die Widersacher vorbringen. Und so nun dieser Handel flei\u00dfig und reichlich gehandelt ist in dem Buch Doctoris Martini Von den Klostegeluebden, so wollen wir dasselbe Buch hier als f\u00fcr erne\u00fcrt und erholt [wiederholt] achten.<\/p>\n<p>11] F\u00fcr das erste ist das gewi\u00df, da\u00df solche Gel\u00fcbde nicht g\u00f6ttlich noch christlich sind, wenn ich also mein Klostergel\u00fcbde t\u00fc, da\u00df ich gedenke, dadurch zu erlangen Vergebung der S\u00fcnden gegen Gott oder f\u00fcr die S\u00fcnden genugzutun. Denn das ist ein Irrtum, der da \u00f6ffentlich wider das Evangelium ist, und ist eine L\u00e4sterung Christi. Denn das Evangelium lehrt, da\u00df wir ohne Verdienst Vergebung der S\u00fcnden erlangen durch Christum, wie wir hier oben reichlich gesagt haben. Darum haben wir St. Pauli Spruch recht eingef\u00fchrt zu den Galatern am 5.: &#8220;So ihr durchs Gesetz wollt gerecht werden, so seid ihr von Christo und der Gnade abgefallen.&#8221; Denn die da suchen Vergebung der S\u00fcnden nicht durch den Glauben an Christum, sondern durch die Klostergel\u00fcbde und M\u00f6ncherei, die rauben Christo seine Ehre und kreuzigen ihn aufs ne\u00fc. H\u00f6rt aber, Lieber, h\u00f6rt, wie die Meister der Konfutation hier gerne Behelf suchen wollten, sagen: 12] Paulus sei allein vom Gesetz Mosis zu verstehen, die M\u00f6nche aber tun und halten alles um Christus\u2019 willen und flei\u00dfigen sich, aufs allern\u00e4chste dem Evangelio gem\u00e4\u00df zu leben, damit sie das ewige Leben verdienen; und setzen ein schrecklich Wort dazu: &#8220;Darum ist es&#8221;, sagen sie, &#8220;unchristlich und ketzerisch, was wider das M\u00f6nchsleben wird vorgebracht.&#8221; 13] O Her Jeu Christe, wie lange willst du leiden und dulden solche \u00f6ffentliche Schmach deines heiligen Evangelii, da unsere Feinde dein Wort und Wahrheit l\u00e4stern ?<\/p>\n<p>Wir haben in unserer Konfession gesagt, da\u00df man Vergebung der S\u00fcnden ohne Verdienst durch den Glauben an Christum erlangen m\u00fcsse. Ist das nicht das lautere, reine Evangelium, wie es die Apostel gepredigt, ist das nicht die Stimme des Evangelii des ewigen Vaters, welche du, Herr, der du sitzest im Scho\u00df des Vaters, der Welt offenbart hast, so sollen wir bilig gestraft werden. Aber, dein herber, bitterer Tod am Kreuz, dein Heiliger Geist, welchen du reichlich ausgeteilt hast, deine ganze heilige, christliche Kirche gibt stark, gewaltig und gewi\u00df Gezeugnis, welches so hell und offenbar ist als die Sonne, da\u00df dies die Summa, der Kern des Evangelii ist, da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden erlangen nicht um unsers Verdienstes Willen, sondern durch den Glauben an Christum.<\/p>\n<p>14] Wenn Paulus darf sagen, da\u00df wir durch das heilige, g\u00f6ttliche Gesetz Mosis und seine Werke nicht verdienen Vergebung der S\u00fcnden, so will er, da\u00df wir viel weniger das tun durch menschliche Satzungen, und das zeigt er zu den Kolossern klar genug an. Denn so die Werke des Gesetzes Mosis, welches durch Gott war offenbart, nicht verdienen Vergebung der S\u00fcnden, wieviel weniger werden\u2019s tun die n\u00e4rrischen Werke, M\u00f6ncherei, Rosenkr\u00e4nze und dergleichen, die auch zu weltlichem Leben nicht not noch n\u00fctze sind, viel weniger geben sie der Seele ewiges Leben.<\/p>\n<p>15] Die Widersacher erdichten ihnen selbst einen Traum, da\u00df Christus das Gesetz Mosis habe abgetan und sei gekommen also nach Mose und ein neu, gut Gesetz gebracht, dadurch man Vergebung der S\u00fcnden erlangen m\u00fcsse. 16] Durch den schw\u00e4rmerischen, n\u00e4rrischen Gedanken dr\u00fccken sie Christum unter und seine Wohltat. Danach erdichten sie weiter, da\u00df unter denen, welche die ne\u00fcn Gesetze Christi halten, die M\u00f6nche Christo und den Aposteln am n\u00e4chsten \u00e4hnlich leben und wandeln durch ihren Gehorsam, Armut und Keuschheit, so doch die ganze M\u00f6ncherei eitel unversch\u00e4mte, sch\u00e4ndliche Heuchelei ist. Sie sagen von Armut, so sie doch vor gro\u00dfem \u00dcberflu\u00df nie haben erfahren k\u00f6nnen, wie einem rechten Armen zu Herzen ist. Sie r\u00fchmen ihren Gehorsam, so kein Volk auf Erden freier ist denn die M\u00f6nche, welche aus Bischofs= und F\u00fcrftengehorsam sich meisterlich geschlossen haben. Von ihrer heiligen, gro\u00dfen, [ge]f\u00e4hrlichen Keuschheit mag ich nicht sagen; ich wiIl es Gerson sagen lassen, der auch von denjenigen, so ernstlich sich geflissen, keusch zu leben, wahrlich nicht viel Reinigkeit und Heiligkeit sagt; wiewohl das mehrere Teil ist Heuchelei und unter tausend nicht einer, der mit Ernst gedenkt, rein und keusch zu leben, da\u00df wir inwendig der Herzen Gedanken schweigen.<\/p>\n<p>17] SoIl nun das die gro\u00dfe Heiligkeit sein? Hei\u00dft das Christo und dem Evangelio gem\u00e4\u00df gelebt? Christus ist nicht also nach Mose gekommen, ne\u00fc Gesetze zu bringen, da\u00df er um unserer Werke wiIlen die S\u00fcnden vergebe, sondern sein Verdienst, seine eigenen Werke setzt er gegen Gottes Zorn f\u00fcr uns, da\u00df wir ohne Verdienst Gnade erlangen. Wer aber ohne die Vers\u00f6hnung Christi seine eigenen Werke gegen Gottes Zorn setzt und um seines eigenen Verdienstes wiIlen Vergebung der S\u00fcnden erlangen wiIl, er bringe die Werke des Gesetzes Mosis, der zehn Gebote, der Regeln Benedicti, Augustini oder andere Regeln, so wirst er hinweg die Verhei\u00dfung Christi, f\u00e4lIt ab von Christo und seiner Gnade.<\/p>\n<p>18] Hier woIlen aber Kaiserliche Majest\u00e4t, aIle F\u00fcrsten und St\u00e4nde des Reichs merken, wie \u00fcberaus unversch\u00e4mt die Widersacher sind, da\u00df sie trotziglich d\u00fcrfen sagen, es sei alles gottlos, was wir wider die M\u00f6ncherei haben vorgebracht, so wir doch ganz gewisse und klare Spr\u00fcche Pauli angezogen haben, und je nichts klarer, gewisser in der ganzen Bibel ist, denn da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden erlangen allein durch den Glauben an Christum. 19] Und diese gewisse, g\u00f6ttliche Wahrheit d\u00fcrfen die Meister der Konfutation, die verzweifelten B\u00f6sewichter und heillosen Buben, gottlose Lehre hei\u00dfen. Wir haben aber keinen Zweifel, wo Kaiserliche Majest\u00e4t und die F\u00fcrsten des verwarnt werden, sie werden eine solche \u00f6ffentliche Gottesl\u00e4sterung lassen aus der Konfutation tilgen und ausrei\u00dfen.<\/p>\n<p>20] Dieweil wir aber hier oben reichlich angezeigt, da\u00df es ein Irrtum sei, da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden um unsers Verdienstes willen erlangen soIlten, so woIlen wir hier desto k\u00fcrzer reden. Denn ein jeder verst\u00e4ndiger Leser kann leichtlich abnehmen, da\u00df wir durch die elenden M\u00f6nchswerke nicht k\u00f6nnen vom Tode und des Teufels Gewalt erl\u00f6st werden und Vergebung der S\u00fcnden verdienen. Darum ist auch das gottesl\u00e4sterliche, h\u00e4\u00dfliche Wort, welches Thomas schreibt, in keinem Wege zu leiden, da\u00df ins Kloster gehen solle eine ne\u00fc Taufe sein oder der Taufe gleich sein. Denn es ist eine teuflische W\u00fcterei und Irrtum, da\u00df man eine heillose menschliche Satzung und Gebot, welches weder Gottes Gebot noch Zusage hat, der heiligen Taufe vergleichen sollte, dabei feine [eine] Zusage oder Verhei\u00dfung Gottes ist.<\/p>\n<p>21] Zum andern, so sind diese St\u00fccke, willige Armut, Gehorsam, Keuschheit, wenn sie anders nicht unrein ist, eitel Adiaphora und leibliche \u00dcbung, darin weder S\u00fcnde noch Gerechtigkeit zu suchen ist. Darum haben die Heiligen derselben viel anders gebraucht, als St. Bernhard, Franciskus und andere, denn jetzund die M\u00f6nche. Denn dieselben haben solches Dinges gebraucht zur \u00dcbung des Leibes, da\u00df sie desto leichter warten k\u00f6nnten Lehrens, Predigens und anderer dergleichen, nicht da\u00df solche Werke Gottesdienste sollten sein, vor Gott gerecht zu machen oder das ewige Leben zu verdienen, sondern die Werke malet Paulus recht ab, da er sagt: &#8220;Leibliche \u00dcbung ist wenig n\u00fctze.&#8221; 22] Und es ist m\u00f6glich, da\u00df in etlichen Kl\u00f6stern noch etliche fromme Leute sind, welche lesen und studieren, die solcher Regeln und Satzungen brauchen ohne Heuchelei und mit diesem Bericht, da\u00df sie ihre M\u00f6ncherei nicht f\u00fcr Heiligkeit halten. 23] Das aber halten, das dieselben Werke ein Gottesdienst seien, dadurch wir vor Gott fromm werden und das ewige Leben verdienen, das ist stracks wider das Evangelium und wider Christum. Denn das Evangelium lehrt, da\u00df wir durch den Glauben an Christum gerecht werden und das ewige Leben erlangen. So ist es auch stracks wider das Wort Christi: &#8220;Sie dienen mir vergeblich mit Menschengeboten.&#8221; So ist es wider diesen Spruch Pauli: &#8220;Alles, was nicht aus dem Glauben ist, das ist S\u00fcnde.&#8221; Wie k\u00f6nnen sie aber sagen, da\u00df es Gottesdienste sind, die Gott gefallen und angenehm seien vor ihm, so sie kein Gotteswort noch Befehl haben?<\/p>\n<p>24] Hier ist aber erst zu merken, wie gar unversch\u00e4mte Heuchler und Buben sie sind. Sie d\u00fcrfen sagen, da\u00df ihre Klostergel\u00fcbde und Orden nicht allein Gottesdienste seien, die gerecht und fromm vor Gott machen, sondern setzen noch dies dazu, da\u00df es St\u00e4nde seien der Vollkommenheit, das ist, heiligere und h\u00f6here St\u00e4nde denn andere, als Ehestand, Regentenstand; und sind also in solcher ihrer m\u00f6nchischen Heuchelei und pharis\u00e4ischem Wesen unz\u00e4hlige andere greuliche, ketzerische Irrt\u00fcmer begriffen. Denn sie r\u00fchmen sich f\u00fcr die allerheiligsten Leute, welche nicht allein die Gebote oder praecepta, sondern auch die consilia, das ist, die hohen R\u00e4te, was die Schrift von hohen Gaben nicht ein Gebot, sondern einen Rat gibt, halten. Danach so sie ihnen selbst erdichten, sie seien so reich von Verdienst und Heiligkeit, da\u00df ihnen noch \u00fcberbleibt, so sind dennoch die frommen Heiligen so milde, da\u00df sie ihre merita supererogationis, ihre \u00fcbrigen Verdienste, andern anbieten und um einen gleichen Pfennig, um Geld, lassen zustehen. 25] Dieses alles ist eitel grobe, greuliche, erlogene, erstunkene Heiligkeit und eitel pharis\u00e4ische Heuchelei und Gleisnerei. Denn nachdem [da] das erste Gebot Gottes: &#8220;Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele&#8221; usw., h\u00f6her ist, denn ein Mensch auf Erden begreifen kann, nachdem es die h\u00f6chste Theologia ist, daraus alle Propheten, alle Apostel ihre beste, h\u00f6chste Lehre als aus dem Brunnen gesch\u00f6pft haben, ja, so es ein solch hohes Gebot ist, danach allein aller Gottesdienst, alle Gottesehre, alle Opfer, alle Danksagung im Himmel und auf Erden reguliert und gerichtet m\u00fcssen werden, also da\u00df alle Gottesdienste, wie hoch, k\u00f6stlich und heilig sie scheinen, wenn sie au\u00dfer dem Gebot sind, eitel Schalen und H\u00fclsen ohne Kern, ja eitel Unflat und Gre\u00fcl vor Gott sind, welches hohe Gebot so gar kein Heiliger vollkommen erf\u00fcllt hat, da\u00df noch wohl Noah und Abraham, David, Petrus und Paulus sich da f\u00fcr unvollkommen, f\u00fcr S\u00fcnder bekennen und hier unter bleiben m\u00fcssen: so ist es ungeh\u00f6rter pharis\u00e4ischer, ja recht teuflischer Stolz, das ein laufiger Barf\u00fc\u00dferm\u00f6nch oder dergleichen heilloser Heuchler soll sagen, ja predigen und lehren, er habe das heilige, hohe Gebot also vollk\u00f6mmlich gehalten und erf\u00fcllt und nach Erfordern und dem Willen Gottes so viel gute Werke getan, da\u00df ihm noch Verdienste \u00fcberbleiben. Ja, liebe Heuchler, wenn sich die heiligen zehn Gebote und das hohe erste Gottesgebot also erf\u00fcllen lie\u00dfen, wie sich die Brote und Parteken lassen in Sack stecken! Es sind unversch\u00e4mte Heuchler, damit die Welt in diesen letzten Zeiten geplagt ist. Der Prophet David sagt: &#8220;Alle Menschen sind L\u00fcgner&#8221;, das ist, kein Mensch auf Erden, auch nicht die Heiligen achten oder f\u00fcrchten Gott so hoch und gro\u00df, als sie sollten, kein Mensch auf Erden glaubt und vertraut Gott so ganz vollk\u00f6mmlich, als er soll usw. Darum sind es L\u00fcgen und heuchlerische, erdichtete Tr\u00e4ume, da\u00df die M\u00f6nche r\u00fchmen, sie leben nach der Vollkommenheit des Evangelii und der Gebote Gottes, oder tun mehr, denn sie schuldig sind, das ihnen gute Werke und etliche Zentner \u00fcbriger, \u00fcberfl\u00fcssiger Heiligkeit im Vorrat bleiben.<\/p>\n<p>26] Auch so ist das falsch und erlogen, da\u00df das M\u00f6nchsleben sollte sein eine Erf\u00fcllung der Konsilien oder R\u00e4te im Evangelio. Denn das Evangelium hat nirgend geraten solchen Unterschied der Kleider, der Speisen, oder durch solchen Bettelstab der Leute G\u00fcter au\u00dfusaugen; denn es sind eitel Menschensatzungen, von welchen Paulus sagt: &#8220;Die Speise macht uns nicht heiliger vor Gott&#8221; usw. Darum sind es auch nicht Gottesdienste, die vor Gott fromm machen, sind auch nicht eine evangelische Vollkommenheit, sondern wenn man sie mit den pr\u00e4chtigen Titeln lehrt, predigt und ausschreit, so sind\u2019s, wie sie Paulus nennt, rechte Teufelslehren.<\/p>\n<p>27] Die Jungfrauschaft lobt Paulus, und als einen guten Rat predigt er\u2019s denen, welche dieselbe Gabe haben, wie ich hier oben gesagt habe. Derhalben ist es ein sch\u00e4ndlicher, h\u00f6llischer Irrtum, lehren und halten, das evangelische Vollkommenheit in menschlichen Satzungen stehe. Denn auf die Weise m\u00f6chten sich auch die Mahometisten und T\u00fcrken r\u00fchmen (denn sie haben auch Einsiedel und M\u00f6nche, wie glaubliche Historien vorhanden), da\u00df sie evangelische Vollkommenheit hielten. So ist auch die evangelische Vollkommenheit nicht in den Dingen, welche Adiaphora sind, sondern dieweil dieses das Reich Gottes ist, da\u00df inwendig der Heilige Geist unsere Herzen erleuchte, reinige, st\u00e4rke, und da\u00df er ein neu Licht und Leben in den Herzen wirke, so ist die rechte evangelische, christliche Vollkommenheit, da\u00df wir t\u00e4glich im Glauben, in Gottesfurcht, in treulichem Flei\u00df des Berufs und Amts, das uns befohlen, zunehmen, wie auch Paulus die Vollkommenheit beschreibt, da\u00df er sagt 2 Kor. 3: &#8220;Wir werden verkl\u00e4ret in dasselbige Bild von einer Klarheit zu der andern, als vom Geist des Hern.&#8221; Er sagt nicht: Wir gehen von einem Orden in den andern, wir ziehen jetzund diese, dann jene Kappe an, jetzund diesen G\u00fcrtel, dann jenen Strick usw. Es ist erb\u00e4rmlich, da\u00df in der christlichen Kirche solche pharis\u00e4ische, ja t\u00fcrkische und mahometische Lehre \u00fcberhandgenommen hat, da\u00df sie lehren, die evangelische Vollkommenheit und das Reich Christi, durch welches sich hier die ewigen G\u00fcter und das ewige Leben anheben, sollen stehen in Kappen, in Kleidern, in Speisen und dergleichen Kinderwerk.<\/p>\n<p>28] Hier h\u00f6re man aber weiter die trefflichen Lehrer, wie sie in ihre Konfutation so eine \u00f6ffentliche Gottesl\u00e4sterung und h\u00e4\u00dflich Wort gesetzt haben. Sie d\u00fcrfen unversch\u00e4mt sagen, &#8220;es sei in der Heiligen Schrift geschrieben, da\u00df das M\u00f6nchsleben und die heiligen Orden das ewige Leben verdienen, und Christus habe dasselbe sonderlich den M\u00f6nchen \u00fcberschwenglich zugesagt, welche also verlassen Haus, Hof, Br\u00fcder, Schwestern&#8221;. 29] Das sind die klaren Worte der Widersacher. Ist aber das nicht eine ganz unversch\u00e4mte, h\u00e4\u00dfliche L\u00fcge, es sei in der Heiligen Schrift geschrieben, da\u00df man durch das M\u00f6nchsleben k\u00f6nnte das ewige Leben verdienen? Wie seid ihr doch so k\u00fchn: Wo redet doch die Schrift von M\u00f6ncherei? Also handeln diese gro\u00dfe, treffliche Sache die Widersacher; also f\u00fchren sie die Schrift ein. Die ganze Welt wei\u00df, die Historien sind vor Augen, da\u00df die Orden und M\u00f6ncherei ein ganz neu Ding ist; noch [dennoch] d\u00fcrfen sie r\u00fchmen, die Heilige Schrift rede von ihrer M\u00f6ncherei.<\/p>\n<p>30] Dar\u00fcber so l\u00e4stern sie und schm\u00e4hen Christum, da\u00df sie sagen, man k\u00f6nne durch Klosterleben das ewige Leben verdienen. Gott tut seinem eigenen Gesetz nicht die Ehre, da\u00df man durch die Werke des Gesetzes sollte das ewige Leben verdienen, wie er klar sagt Hesek. am 20.: &#8220;Ich habe ihnen gegeben Gesetze, dadurch sie das Leben nicht haben k\u00f6nnen.&#8221; 31] Denn f\u00fcr das erste ist das gewi\u00df, da\u00df durch M\u00f6ncherei niemand kann das ewige Leben verdienen, 32] sondern um Christus\u2019 Verdienstes willen, durch lauter Barmherzigkeit, wird das ewige Leben gegeben denjenigen, so durch den Glauben Vergebung der S\u00fcnden erlangen und halten denselben gegen Gottes Urteil, nicht ihr armes Verdienst. Wie auch St. Bernhard ein fein Wort geredet hat: &#8220;da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden nicht haben k\u00f6nnen denn allein durch Gottes Gnade und G\u00fcte&#8221;; item, &#8220;da\u00df wir gar nichts von guten Werken haben k\u00f6nnen, wenn er es nicht gibt&#8221;; item, &#8220;da\u00df wir das ewige Leben nicht verdienen k\u00f6nnen mit Werken, sondern es werde uns auch aus Gnaden gegeben&#8221;. Und dergleichen redet St. Bernhard viel auf dieselbe Meinung, wie wir oben erz\u00e4hlt. Und am Ende setzt noch St. Bernhard dazu: &#8220;Darum wolle niemand darin sich selbst betr\u00fcge noch verf\u00fchren; denn wird er\u2019s selbst recht bedenken, so wird er gewi\u00df finden, da\u00df er mit zehntausend dem nicht kann entgegenkommen (n\u00e4mlich Gott), der mit zwanzigtausend auf ihn zudringt.&#8221; 33] So wir denn auch nicht durch die Werke des g\u00f6ttlichen Gesetzes Vergebung der S\u00fcnden oder das ewige Leben verdienen, sondern m\u00fcssen die Barmherzigkeit suchen, welche in Christo verhei\u00dfen ist, so verdienen wir es viel weniger durch Klosterleben, M\u00f6ncherei, das eitel Menschensatzungen sind, und soll die Ehre viel weniger den bettelischen Satzungen gegeben werden.<\/p>\n<p>34] Diejenigen, die da lehren, da\u00df wir durch M\u00f6ncherei k\u00f6nnen Vergebung der S\u00fcnden verdienen, und setzen also das Vertra\u00fcn, welches Christo allein geb\u00fchrt, auf die elenden Satzungen, die treten schlecht das heilige Evangelium und die Verhei\u00dfung von Christo mit F\u00fc\u00dfen; und f\u00fcr den Heiland Christum ehren sie ihre sch\u00e4bichten Kappen, ihre m\u00f6nchischen tollen Werke. Und so es ihnen noch selbst fehlt an Gnade, so tun sie als die gottlosen, heillosen Leute, da\u00df sie noch ihre merita supererogationis erdichten und andern Leuten das \u00fcbrige Teil am Himmel verkaufen.<\/p>\n<p>35] Wir reden hier desto k\u00fcrzer von dieser Sache; denn aus dem, so droben geredet von der Bu\u00dfe, de justificatione, von Menschensatzungen usw., genug zu merken, da\u00df die Klostergel\u00fcbde nicht Schatz sind, dadurch wir erl\u00f6st und erlangen ewiges Leben usw. Und so Christus dieselben Satzungen nennt vergebliche Gottesdienste, so sind sie in keinem Wege eine evangelische Vollkommenheit<\/p>\n<p>36] Doch haben etliche vern\u00fcnftige M\u00f6nche eine Scheu gehabt, ihre M\u00f6ncherei so hoch zu r\u00fchmen, da\u00df sie sollte christliche Vollkommenheit hei\u00dfen. Die haben diesen hohen Ruhm gem\u00e4\u00dfigt, haben gesagt, es sei nicht christliche Vollkommenheit, sondern es sei ein Stand, der dazu dienen soll, christliche Vollkommenheit zu suchen. Solcher M\u00e4\u00dfigung gedenkt auch Gerson und verwirft die unchristliche Rede, da\u00df M\u00f6ncherei christliche Vollkommenheit sei. 37] Wo nun M\u00f6ncherei nur ein Stand ist, Vollkommenheit zu suchen, so ist\u2019s nicht mehr ein Stand der Vollkommenheit denn der Ba\u00fcrn und Ackerleute, der Schneider und B\u00e4cker Leben usw. Denn das alles sind auch St\u00e4nde, christliche Vollkommenheit zu suchen. Denn alle Menschen, sie seien, in was Stande sie wollen, ein jeder nach seinem Beruf, so sollen sie nach der Vollkommenheit, solange dies Leben w\u00e4hrt, streben und allzeit zunehmen in Gottesfurcht, im Glauben, in Liebe gegen den N\u00e4chsten und dergleichen geistlichen Gaben.<\/p>\n<p>38] Man liest in vitis patrum von St. Antonio und etlichen andern gro\u00dfen heiligen Einsiedeln, welche durch Erfahrung dahin sind endlich gekommen, da\u00df sie gemerkt, da\u00df sie ihre Werke vor Gott nicht mehr fromm machen denn anderer St\u00e4nde Werke. Denn St. Antonius hat auf eine Zeit Gott gebeten, das er ihm doch zeigen wolle, wie weit er gekommen w\u00e4re ins Leben der Vollkommenheit. Da ward ihm angezeigt ein Schuster zu Alexandria und ward ihm gesagt, dem Handwerksmanne w\u00e4re er in Heiligkeit gleich. Bald den andern Tag machte sich Antonius auf, zog gen Alexandria, sprach denselben Schuster an und fragte mit Flei\u00df, was er f\u00fcr einen heiligen Wandel, Leben und Wesen f\u00fchrte. Da antwortete ihm der Schuster: Ich t\u00fc nichts Besonderes; denn morgens spreche ich mein Gebet f\u00fcr die ganze Stadt und arbeite danach mein Handwerk, warte meines Hauses usw. Da verstand Antonius bald, was Gott durch die Offenbarung gemeint h\u00e4tte. Denn man wird nicht durch dies oder jenes Leben vor Gott gerecht, sondern allein durch den Glauben an Christum.<\/p>\n<p>39] Die Widersacher aber, wiewohl sie sich jetzund auch sch\u00e4men, die M\u00f6ncherei Vollkommenheit zu nennen, so halten sie es doch im Grund daf\u00fcr. Denn sie verkaufen ihre Werke und Verdienste und geben vor, sie halten nicht allein die Gebote, sondern die consilia und R\u00e4te, und w\u00e4hnen, sie behalten Verdienst noch \u00fcbrig. Hei\u00dft das nun nicht mit der Tat Vollkommenheit und Heiligkeit r\u00fchmen, wenn sie gleich mit Worten ein wenig die Sache m\u00e4\u00dfigen? Auch ist klar gesetzt in der Konfutation, da\u00df die M\u00f6nche n\u00e4her und gena\u00fcr nach dem Evangelio leben denn andere Weltliche. Wo nun ihre Meinung ist, da\u00df man dadurch dem Evangelio n\u00e4her lebt, wenn man nichts Eigenes hat, au\u00dferhalb der Ehe lebt, eine sonderliche Kleidung oder Kappe tr\u00e4gt, also fastet, also betet: so ist ja ihre Meinung, da\u00df ihre M\u00f6ncherei christliche Vollkommenheit sei, dieweil sie dem Evangelio n\u00e4her sein soll denn gemein Leben.<\/p>\n<p>40] Item, in der Konfutation steht geschrieben, da\u00df die M\u00f6nche das ewige Leben reichlicher erlangen denn andere, und ziehen an die Schrift: &#8220;Wer Haus und Hof verl\u00e4\u00dft&#8221; usw. Da r\u00fchmen sie auch eine Vollkommenheit, welche soll an der M\u00f6ncherei sein. Aber der Spruch redet nichts von der M\u00f6ncherei. Denn Christus will da nicht, da\u00df Vater, Mutter, Weib, Kind, Haus und Hof verlassen ein solch Werk sei, damit man Vergebung der S\u00fcnden und das ewige Leben verdiene, sondern auf die Weise Vater und Mutter verlassen, gef\u00e4llt Gott gar nichts und ist in die H\u00f6lle vermaledeit. Denn wenn jemand darum Eltern, Haus, Hof verl\u00e4\u00dft, da\u00df er dadurch will Vergebung der S\u00fcnden und das ewige Leben verdienen, da l\u00e4stert er Christum.<\/p>\n<p>41] Es ist aber zweierlei Verlassen. Eins geschieht aus Beruf und Gottes Gebot. Das Verlassen, welches ohne Beruf und Gottes Gebot geschieht, das l\u00e4\u00dft ihm [sich] der Her Christus gar nicht gefallen. Denn die Werke, wo wir selbst erw\u00e4hlen, nennt der Her Christus unn\u00fctze, vergebliche Gottesdienste. Man steht aber daraus noch klarer, da\u00df Christus nicht meint ein solches Fliehen von Weib und Kind; er sagt: &#8220;Wer da verl\u00e4\u00dft Weib, Kind, Haus, Hof&#8221; usw. Nun wissen wir, da\u00df Gott geboten hat, Weib, Kind nicht zu verlassen. Es ist aber ein ander Verlassen, wenn wir aus Gottes Gebot verlassen Eltern, Weib, Kind usw., und wenn wir es selbst vornehmen. Denn wenn Tyrannen mich wollten zwingen, das Evangelium zu verleugnen, oder verjagen, da haben wir Gottes Befehl, da\u00df wir sollen eher Unrecht leiden, als da\u00df wir nicht allein von Weib und Kindern, Haus und Hof vertrieben werden, sondern auch, da\u00df man uns unser Leib und Leben nimmt. Von dem Verlassen redet Christus, darum setzt er auch dazu: &#8220;um des Evangeliums Willen&#8221;, und zeigt genug an, da\u00df er von denen rede, die um des Evangeliums willen leiden, nicht Weib und Kind aus eigenem Vornehmen verlassen. 42] Denn wir sind auch schuldig, unser eigen Leben zu lassen um des Evangeliums willen. Da w\u00e4re es nun n\u00e4rrisch und ganz widersinns verstanden, wenn ich mich selbst t\u00f6ten wollte ohne Gottes Befehl. Also ist es auch n\u00e4rrisch, das f\u00fcr Heiligkeit und Gottesdienst halten, da\u00df ich aus eigenem Vornehmen verlie\u00dfe Weib und Kind ohne Gottes Befehl.<\/p>\n<p>43] Derhalben wird der Spruch Christi \u00fcbel auf die M\u00f6ncherei gedeutet. Es m\u00f6chte sich aber das auf die M\u00f6nche reimen, da\u00df sie Hundertf\u00e4ltiges in diesem Leben empfangen. Denn viele werden M\u00f6nche um des Bauchs willen, und da\u00df sie M\u00fc\u00dfiggang und feiste K\u00fcchen haben, da sie als Bettler dennoch in reiche Kl\u00f6ster kommen. 44] Wie aber die ganze M\u00f6ncherei voll Heuchelei ist und Betrugs, also ziehen sie auch die Schrift f\u00e4lschlich an, tun also zweierlei schreckliche S\u00fcnde: f\u00fcr eins, da\u00df sie die Welt mit Abg\u00f6tterei betr\u00fcgen; zum andern, da\u00df sie Gottes Namen und Wort f\u00e4lschlich anziehen, ihre Abg\u00f6tterei zu schm\u00fccken.<\/p>\n<p>45] Auch so wird ein Spruch angezogen: &#8220;So du willst vollkommen sein, so gehe, verkaufe alles, was du haft, und gib\u2019s den Armen und folge mir nach.&#8221; Der Spruch hat vielen zu schaffen gemacht, da\u00df sie haben wollen w\u00e4hnen, das sei die h\u00f6chste Heiligkeit und Vollkommenheit, nicht Eigenes haben, nicht Haus, Hof, G\u00fcter haben. 46] Es m\u00f6gen aber die Cynici, als Diogenes, der kein Haus haben wollte, sondern lag in einem Fa\u00df, solche heidnische Heiligkeit r\u00fchmen; christliche Heiligkeit steht viel auf h\u00f6heren Sachen denn auf solcher Heuchelei. Denn G\u00fcter haben, Haus und Hof, sind weltlicher Regimente Ordnungen, welche durch Gott best\u00e4tigt sind, als im siebenten Gebot: &#8220;Du sollst nicht stehlen&#8221; usw. Darum G\u00fcter, Haus und Hof verlassen, ist in der Schrift nicht geboten noch geraten. Denn evangelische, christliche Armut steht nicht darin, da\u00df ich die G\u00fcter verlasse, sondern da\u00df ich nicht darauf vertra\u00fc, gleichwie David gleichwohl arm war bei einer gro\u00dfen Gewalt und K\u00f6nigreich.<\/p>\n<p>47] Darum dieweil solch Verlassen der G\u00fcter nichts ist denn eine menschliche Satzung, so ist es ein unn\u00fctzer Gottesdienst. Und des Papsts Extravagant r\u00fchmt und lobt auch viel zu hoch solche m\u00f6nchische, heuchlerische Armut, da sie sagt, nicht Eigenes haben um Gottes willen sei ein verdienstlich, heilig Ding und ein Weg der Vollkommenheit. Wenn unerfahrene Leute solch R\u00fchmen h\u00f6ren, fallen sie darauf, es sei unchristlich, in G\u00fctern sitzen; daraus folgen denn viele Irrt\u00fcmer und Aufruhre. Durch solch R\u00fchmen ist M\u00fcntzer betrogen worden, und werden dadurch viele Anabaptisten verf\u00fchrt. 48] Sie sprechen aber: Hat\u2019s doch Christus selbst Vollkommenheit genannt. Da sage ich nein zu; denn sie tun dem Text Gewalt, da\u00df sie ihn nicht ganz anziehen. Vollkommenheit steht in diesem St\u00fcck, da Christus spricht: &#8220;Folge mir nach!&#8221; 49] Und darin steht eines jeden Christen Vollkommenheit, da\u00df er Christo folge, ein jeder nach seinem Beruf; und sind doch die Berufe ungleich; einer wird berufen zu einem Regenten, der andere zu einem Hausvater, der dritte zu einem Prediger. Darum, obschon jener J\u00fcngling berufen ist, da\u00df er verkaufen sollte, betrifft sein Beruf nicht andere, wie Davids Beruf, da\u00df er K\u00f6nig werden sollte, nicht alle betrifft; Abrahams Beruf, da\u00df er seinen Sohn opfern sollte, betrifft nicht andere. Also sind die Berufe ungleich; 50] aber der Gehorsam soll gleich sein, und darin steht Vollkommenheit, so ich in meinem Beruf gehorsam bin, nicht so ich mich eines fremden Berufs annehme, da ich nicht Befehl oder Gottes Gebot von habe.<\/p>\n<p>51] F\u00fcr das dritte, eins von den Substantialklostergel\u00fcbden ist die Keuschheit. Nun haben wir oben von der Priesterehe gesagt, da\u00df man durch kein Gesetz oder Klostergel\u00fcbde nat\u00fcrlich oder g\u00f6ttlich Recht \u00e4ndern kann; und so nicht alle Leute die Gabe der Keuschheit haben, so halten sie auch dieselben, das Gott geklagt sei. So k\u00f6nnen auch keine Klostergel\u00fcbde noch Gesetze dem Heiligen Geist sein Gebot \u00e4ndern, da Paulus sagt: &#8220;Hurerei zu vermeiden, habe ein jeglicher sein eigen Eheweib.&#8221; Darum sind die Klostergel\u00fcbde nicht christlich in denen, welche nicht haben die Gabe der Keuschheit, sondern fallen und machen\u2019s \u00e4rger aus Schwachheit. 52] Von dem Artikel haben wir hier oben gesagt, und ist wahrlich Wunder, so die Widersacher vor Augen sehen so viele, unz\u00e4hlige F\u00e4hrlichkeiten der Gewissen und \u00cbrgernisse, da\u00df sie nichtsdestoweniger als die t\u00f6richten, rasenden Leute dringen auf solche Menschensatzungen wider das \u00f6ffentliche Gottesgebot und sehen nicht, da\u00df der Her Christus so ernstlich straft die Pharis\u00e4er, welche Satzungen wider Gottes Gebot lehrten.<\/p>\n<p>53] Zum vierten, so sollte doch jedermann vom Klosterleben abschrecken der greuliche, schreckliche Misbrauch der Messen, welche gehalten werden f\u00fcr Lebendige und f\u00fcr die Toten; item, das Anrufen der Heiligen, das alles auf Geiz, auf eitel Teufelsgre\u00fcl gerichtet ist. Denn am Anrufen der Heiligen ist zweierlei Gre\u00fcl: der eine, da\u00df der Heiligen Dienst auf Geiz gerichtet ist; der andere, das die Heiligen werden gesetzt an Christus\u2019 Statt, und da\u00df sie werden abg\u00f6ttisch angebetet und f\u00fcr Mittler gegen Gott gehalten, wie allein die Predigerm\u00f6nche (schweige [geschweige denn] unz\u00e4hlige tolle Tr\u00e4ume der andern M\u00f6nche) mit der Br\u00fcderschaft des Rosenkranzes eine rechte unversch\u00e4mte Abg\u00f6tterei haben angerichtet, welches [wor\u00fcber] jetzund Feinde und Freunde selbst spotten. 54] Item, das Evangelium, welches da predigt Vergebung der S\u00fcnden um Christus\u2019 willen, von rechter Bu\u00dfe, von rechten guten Werken, die Gottes Befehl haben, h\u00f6ren sie nicht, sie lehren\u2019s auch nicht, sondern lehren aus ihren Predigten Fabeln von Heiligen und eigenerdichtete Werke, dadurch Christus wird unterdr\u00fcckt. Das alles haben die Bisch\u00f6fe leiden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>55] Wir wollen hier geschweigen der unz\u00e4hligen kindischen Zeremonien und n\u00e4rrischen Gottesdienste mit Lektionen, mit Ges\u00e4ngen und dergleichen, welche zum Teil m\u00f6chten zu dulden sein, wenn sie ein Ma\u00df h\u00e4tte und zu guter \u00dcbung gebraucht w\u00fcrden, wie man der Lektionen in der Schule und der Predigt dazu gebraucht, da\u00df die Zuh\u00f6rer davon sich bessern. Aber nun erdichten sie ihnen selbst, da\u00df solche mancherlei Zeremonien sollen Gottesdienste sein, Vergebung der S\u00fcnden dadurch zu verdienen ihnen selbst und andern; darum machen sie auch ohne Unterla\u00df ne\u00fc Zeremonien. Denn wenn sie solche Kirchendienste und Zeremonien dahin richteten, da\u00df die Jugend und der gemeine Mann m\u00f6chte ge\u00fcbt werden in Gottes Wort, so w\u00e4ren kurze und flei\u00dfige Lektionen viel n\u00fctzer denn ihr Gepl\u00e4rre im Chor, das weder Ma\u00df noch Ende hat. 56] Also ist das ganze Klosterleben gar voll Abg\u00f6tterei und voll heuchlerischer Irrt\u00fcmer wider das erste und andere Gebot, wider Christum. Dar\u00fcber ist noch die F\u00e4hrlichkeit dabei, da\u00df diejenigen, die also in Stiften oder Kl\u00f6stern sind, m\u00fcssen wissentlich helfen die Wahrheit verfolgen. Derhalben sind viel gro\u00dfe Ursachen, darum fromme, redliche Leute das Klosterleben fliehen oder auch verlassen m\u00f6gen.<\/p>\n<p>57] Dar\u00fcber, so sprechen die Canones selbst diejenigen los, die \u00fcberredet sind mit guten Worten, ehe sie zu ihrem rechten Alter gekommen sind, oder welche die Freunde wider ihren Willen in ein Kloster versto\u00dfen haben. Aus dem allem erscheint, da\u00df viele Ursachen sind, welche da anzeigen, da\u00df die Klostergel\u00fcbde, welche bisher geschehen sind, nicht rechte christliche, b\u00fcndige Gel\u00fcbde sind. Darum mag man das Klosterleben mit gutem Gewissen verlassen, nachdem [da] es voll Heuchelei und allerlei Gre\u00fcl ist.<\/p>\n<p>58] Hier werfen uns die Widersacher vor die Nazar\u00e4er [Nasir\u00e4er] im Gesetz Mosis. Aber die taten ihre Gel\u00fcbde nicht der Meinung, dadurch Vergebung der S\u00fcnden zu erlangen, wie wir oben von den M\u00f6nchsgel\u00fcbden geklagt haben. Der Nazar\u00e4er Orden war eine leibliche \u00dcbung mit Fasten, mit gewisser Speise, dadurch sie ihren Glauben bekannten, nicht da\u00df sie dadurch Vergebung der S\u00fcnden erlangten oder dadurch vom ewigen Tod erl\u00f6st w\u00fcrden; denn das suchten sie anderswo, n\u00e4mlich in der Verhei\u00dfung von dem gebenedeiten Samen. Item, wie die Beschneidung im Gesetz Mosis oder das Opferschlachten jetzund nicht soll f\u00fcr einen Gottesdienst aufgerichtet werden, also soll man das Fasten oder Zeremonie der Nazar\u00e4er nicht aufrichten oder anziehen als einen Gottesdienst, sondern soll gehalten werden f\u00fcr ein Mittelding und leibliche \u00dcbung. Derhalben k\u00f6nnen noch sollen sie ihren M\u00f6nchsstand, welcher ohne Gottes Wort erdichtet ist als ein Gottesdienst, dadurch Gott vers\u00f6hnt werde, nicht vergleichen mit der Nazar\u00e4er Stand, welchen Gott befohlen hatte, und war nicht dazu erdacht, da\u00df die Nazar\u00e4er dadurch sollten erlangen einen gn\u00e4digen Gott, sondern da\u00df es eine \u00e4u\u00dferliche Zucht und \u00dcbung w\u00e4re des Leibes wie andere Zeremonien im Gesetz Mosis. Item, gleich dasselbe ist auch von andern mancherlei Gel\u00fcbden, die im Gesetz Mosis gesetzt werden zu antworten.<\/p>\n<p>59] Auch so ziehen die Widersacher an das Exempel der Rechabiten, welche keine G\u00fcter hatten, auch keinen Wein tranken, wie Jeremia sagt am 35. Kapitel. Ja wahrlich, es reimt sich Wohl der Rechabiten Exempel zu unsern M\u00f6nchen, so ihre Kl\u00f6ster pr\u00e4chtiger denn der K\u00f6nige Pal\u00e4ste gebaut sind, so sie in allem \u00dcberflu\u00df leben. Auch so sind die Rechabiten bei ihrer Armut doch Eheleute gewesen unsere M\u00f6nche, so sie alle Pracht, allen haben, geben in ihrer Heuchelei Keuschheit vor.<\/p>\n<p>60] Nun, die verst\u00e4ndigen und Gelehrten wissen wohl, da\u00df man alle Exempel nach der Regel, das ist, nach der klaren Schrift, und nicht wider die Regel oder Schrift soll auslegen oder einf\u00fchren. Darum, so die Rechabiten in der Schrift gelobt werden, 61] so ist es gewi\u00df, da\u00df sie ihre Weise und Zeremonie nicht darum gehalten haben, dadurch Vergebung der S\u00fcnden oder ewiges Leben zu verdienen, oder da\u00df ihre Werke an ihnen selbst sie vor Gott vers\u00f6hnen k\u00f6nnten, sondern sie haben als fromme, gottesf\u00fcrchtige Kinder geglaubt an den gesegneten, gebenedeiten Samen, an den zuk\u00fcnftigen Christum, und dieweil sie haben Gebot und Befehl gehabt ihrer Eltern, wird in der Schrift gelobt ihr Gehorsam, von welchem das vierte Gebot redet: &#8220;Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.&#8221;<\/p>\n<p>62] Item, so hat der Rechabiten Weise noch eine Ursache. Sie waren unter den Heiden gewesen, da hat sie ihr Vater unterscheiden wollen von den Heiden mit etlichen Zeichen, da\u00df sie nicht wieder fielen in gottlos Wesen und Abg\u00f6tterei. Darum hat sie ihr Vater dadurch wollen erinnern der Gottesfurcht, des Glaubens, der Auferstehung der Toten; 63] und das ist eine gute Ursache. Aber die M\u00f6ncherei hat viel andere Ursachen. Sie erdichten, da\u00df die M\u00f6ncherei sei ein Gottesdienst, da durch man verdiene Vergebung der S\u00fcnden und Gott vers\u00f6hnt werde. Darum ist es gar keine Vergleichung mit der Rechabiten Exempel; da\u00df ich geschweige andern unz\u00e4hligen Unrats und \u00cbrgernisses, welche dar\u00fcber noch am Klosterleben sind.<\/p>\n<p>64] Auch so bringen sie vor aus der ersten Epistel zum Timotheo am 5. von den Witwen, welche den Kirchen dienten und von dem gemeinen Kirchengut ern\u00e4hrt wurden, da Paulus sagt: &#8220;Denn wenn sie geil worden sind wider Christum, so wollen sie freien; und haben ihr Urteil, das sie den ersten Glauben verbrochen haben.&#8221; 65] Ich will gleich setzen, da\u00df, da der Apostel von den Gel\u00fcbden rede (wie doch nicht ist), so tut doch der Spruch gar nichts dazu, da\u00df die Klostergel\u00fcbde sollten christlich sein. Denn die Klostergel\u00fcbde geschehen darum, da\u00df sie sollen ein Gottesdienst sein, dadurch man Vergebung der S\u00fcnden verdiene. Paulus aber verwirft alle Gesetze, alle Werke, alle Gottesdienste, welche also gehalten und angenommen werden, dadurch Vergebung der S\u00fcnden und das ewige Leben zu verdienen, welches wir allein durch Christum erlangen. Darum ist es gewi\u00df, ob die Witwen etliche Gel\u00fcbde getan h\u00e4tten, da\u00df sie doch ungleich den jetzigen Klostergel\u00fcbden gewesen sind.<\/p>\n<p>66] Dar\u00fcber, wenn die Widersacher je den Spruch Pauli wollen auf die Klostergel\u00fcbde ziehen und dehnen, so m\u00fc\u00dften sie das auch annehmen, da\u00df Paulus verbietet, &#8220;es solle keine Witwe eingenommen werden, die j\u00fcnger w\u00e4re denn sechzig Jahre&#8221;. 67] Also werden denn alle Klostergel\u00fcbde, welche vor der Zeit des Alters geschehen sind von j\u00fcngeren Leuten, unb\u00fcndig und nichts sein. Aber die Kirche hat von den Klostergel\u00fcbden die Zeit nichts gewu\u00dft. So verwirft nun Paulus die Witwen nicht darum, da\u00df sie ehelich werden (denn er hei\u00dft die jungen ehelich werden), sondern da\u00df sie aus dem gemeinen Kirchenkasten sich n\u00e4hren lie\u00dfen, desselben zu ihrer Lust und Mutwillen mi\u00dfbrauchten und also den ersten Glauben br\u00e4chen. Das hei\u00dft er den ersten Glauben fahren lassen nicht der Klostergel\u00fcbde, sondern ihrer Taufe, ihrer christlichen Pflicht, ihres Christentums. Und also redet er auch vom Glauben im selben Kapitel: &#8220;So jemand seine Hausgenossen nicht versorget, der hat seinen Glauben verleugnet.&#8221; 68] Denn er redet anders vom Glauben denn die Sophisten. Darum sagt er, da\u00df diejenigen den Glauben verleugnen, die ihre Hausgenossen nicht versorgen. Also sagt er auch von den vorwitzigen Weibern, da\u00df sie den Glauben fahren lassen.<\/p>\n<p>69] Wir haben etliche Ursachen angezeigt und verlegt [widerlegt], was die Widersacher vorgebracht. Dieses haben wir nicht allein um der Widersacher willen erz\u00e4hlt, sondern vielmehr um etlicher christlicher Herzen und Gewissen willen, da\u00df sie m\u00f6gen klar vor Augen haben, warum die Klostergel\u00fcbde und die mancherlei M\u00f6ncherei nicht recht oder christlich sind, welche auch alle miteinander das einige Wort Christi m\u00f6chte zu Boden sto\u00dfen, da er sagt: &#8220;Sie dienen mir vergeblich mit Menschengeboten;&#8221; Denn aus dem Wort allein hat man kurz, da\u00df die ganze M\u00f6ncherei, Kappen, Strick, G\u00fcrtel und alle eigenerdichtete Heiligkeit vor Gott unn\u00fctz, vergebliche Gottesdienste seien, und alle christlichen, frommen Herzen sollen das ganz f\u00fcr gewi\u00df halten, da\u00df dies gewi\u00df ein pharis\u00e4ischer, verdammter, h\u00e4\u00dflicher Irrtum, da\u00df wir sollten durch solche M\u00f6ncherei Vergebung der S\u00fcnden oder das ewige Leben verdienen und nicht vielmehr erlangen durch den Glauben an Christum. 70] Darum fromme Leute, so im Klosterleben selig geworden und erhalten sind, die haben endlich m\u00fcssen dahin kommen, da\u00df sie an allem ihrem Klosterleben verzagt, alle ihre Werke wie Kot verachtet, alle ihre heuchlerischen Gottesdienste verdammt und sich und die Zusage der Gnade in Christo fest gehalten haben, wie man des denn von St. Bernhard ein Exempel hat, da\u00df er gesagt: Perdite Vixi, &#8220;Ich habe s\u00fcndlich gelebt&#8221;. Denn Gott will keine andern Gottesdienste haben, denn welche er selbst hat aufgerichtet durch sein Wort. <\/p>\n<p>Artikel XXVIII. (XIV.) Von der Potestate Ecclesiastica.<\/p>\n<p>1] Die Widersacher machen hier ein gro\u00df Geschrei von den Freiheiten und Privilegien der Geistlichen (wie sie es nennen) und setzen danach einen solchen Beschlu\u00df: &#8220;Es ist&#8221;, sagen sie, &#8220;alles nichts und unt\u00fcchtig, was in diesem Artikel wider die Freiheit und Privilegien der Kirchen und Priester wird vorgebracht.&#8221; 2] Hier handeln die Meister der Konfutation aber als Buben, uns zu verunglimpfen. Denn in unserer Konfession ist nichts geredet wider der Kirchen oder Priester Freiheiten, damit sie von weltlicher Obrigkeit, Kaisern, K\u00f6nigen und F\u00fcrsten begnadet sind. Denn wir lehren ja, man soll weltliche Ordnungen und Rechte halten.<\/p>\n<p>3] Aber wollte Gott, da\u00df die Widersacher doch auch einmal h\u00f6rten die uns\u00e4gliche, erb\u00e4rmliche, gro\u00dfe Klage aller Kirchen, das gro\u00dfe Schreien und Seufzen so viel frommer Herzen und Gewissen! Der Kirchen Freiheit, und was Geld und Gut belangt, vergessen die Widersacher nicht, aber wie die n\u00f6tigsten, n\u00fctzlichsten \u00cbmter in der Kirche bestellt sind, da sorgen sie nichts. Sie fragen gar nichts danach, wie man lehre oder predige; sie fragen nicht danach, wie christlicher Gebrauch der Sakramente erhalten werde; sie ordinieren grobe Esel. Damit ist [die] christliche Lehre untergegangen, da\u00df die Kirchen nicht mit t\u00fcchtigen Predigern bestellt sind. Sie machen Traditiones und un[er]tr\u00e4gliche B\u00fcrden, die Seelen zu verderben, und ob solchen ihren Traditionen halten sie viel fester denn ob Gottes Geboten. 4] Viel arme Seelen stecken jetzund im Zweifel, wissen nicht, was sie halten sollen. Da geb\u00fchrt den Pr\u00e4laten, zu h\u00f6ren, was recht, was unrecht w\u00e4re, und die Mi\u00dfbr\u00e4uche zu \u00e4ndern, den armen Leuten aus dem Zweifel zu helfen und die Last von den beschwerten Gewissen zu nehmen. Was sie aber tun, ist am Tage. Sie machen Edikte wider [die] \u00f6ffentliche Wahrheit, zeigen unerh\u00f6rte Tyrannei wider fromme Leute zur Erhaltung etlicher ihrer Traditionen, die \u00f6ffentlich wider Gott sind. 5] So sie nun ihre Privilegia r\u00fchmen, sollten sie billig auch ihr Amt bedenken und vieler frommen Christen Seufzen und Klagen h\u00f6ren, die ohne Zweifel Gott h\u00f6rt, und [er] wird einmal Rechenschaft von den Pr\u00e4laten fordern.<\/p>\n<p>6] Auch antwortet die Konfutation nicht auf unsere Gr\u00fcnde, sondern stellt sich recht p\u00e4pstlich: sagt von gro\u00dfer Gewalt der Bisch\u00f6fe und beweist sie nicht, spricht also, da\u00df die Bisch\u00f6fe Gewalt haben zu herrschen, zu richten, zu strafen, zu zwingen, Gesetze zu machen, dienlich zum ewigen Leben. Also r\u00fchmt die Konfutatio der Bisch\u00f6fe Gewalt und beweist sie doch nicht. Von diesem Artikel ist nun der Streit: ob die Bisch\u00f6fe Macht haben, Gesetze zu machen au\u00dfer dem Evangelio und zu gebieten, dieselben zu halten als Gottesdienste, dadurch ewiges Leben zu verdienen.<\/p>\n<p>7] Darauf tun wir diesen Bericht: Man mu\u00df in der Kirche diese Lehre behalten, da\u00df wir ohne Verdienst, um Christus\u2019 willen, durch den Glauben Vergebung der S\u00fcnden erlangen; so mu\u00df man auch die Lehre behalten, da\u00df alle Menschensatzungen nicht n\u00fctze sind, Gott zu vers\u00f6hnen. Darum in Speise, Trank, Kleidern und dergleichen ist weder S\u00fcnde noch Gerechtigkeit zu setzen. Denn Paulus spricht: &#8220;Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken.&#8221; 8] Darum haben die Bisch\u00f6fe nicht Macht, Satzungen zu machen au\u00dfer dem Evangelio, also da\u00df man dadurch Vergebung der S\u00fcnden erlangen wollte, oder da\u00df es sollten Gottesdienste sein, um welcher willen uns Gott gerecht sch\u00e4tze, und zu welchen sie die Gewissen verpflichten bei einer Tods\u00fcnde. Das alles lehrt der einige Spruch in Geschichten der Apostel [am] 15. Kapitel, da Petrus sagt, &#8220;das die Herzen werden durch den Glauben gereinigt&#8221;. Und danach verbieten sie, ein Joch oder B\u00fcrde auf die J\u00fcnger zu legen, und sagen, wie [ge]f\u00e4hrlich das sei. Auch geben sie zu verstehen, das die schrecklich s\u00fcndigen und wider Gott handeln und Gott versuchen, die also die Kirche beschweren. Denn sie sagen: &#8220;Was versucht ihr Gott?&#8221; Dies harte, ernste Wort der Apostel, welches sie billig als ein Donnerschlag schrecken sollte, lassen ihnen die Widersacher gar nicht zu Herzen gehen, sondern wollen noch mit aller Tyrannei und Gewalt ihre erdichteten Gottesdienste verteidigen.<\/p>\n<p>9] Denn den XV. Artikel, darin wir gesetzt haben, da\u00df wir durch Menschensatzungen nicht verdienen Vergebung der S\u00fcnden, verdammen sie und sagen hier: Die Menschensatzungen sind n\u00fctz und dienstlich, das ewige Leben zu verdienen. Dagegen ist ja \u00f6ffentlich, da\u00df sie das Herz inwendig nicht tr\u00f6sten; so bringen sie auch kein neu Licht oder Leben in das Herz; 10] wie denn Paulus zu den Kolossern sagt, da\u00df darum die Satzungen nichts helfen, ewige Gerechtigkeit oder ewiges Leben zu erlangen, denn die Satzungen lehren vom Unterschied der Speisen, Kleider und der Dinge, welche sich unter\u2019n H\u00e4nden verzehren. Das ewige Leben aber, welches inwendig durch Glauben in diesem Leben anf\u00e4ngt, wirkt der Heilige Geist im Herzen durch das Evangelium. Darum werden die Widersacher nimmermehr beweisen, da\u00df man durch Menschensatzungen das ewige Leben verdiene.<\/p>\n<p>11] So nun das Evangelium klar verbietet, da\u00df mit solchen Satzungen die Kirchen und Gewissen nicht sollen beschwert werden, also da\u00df man dadurch Vergebung der S\u00fcnden erlangen m\u00fcsse, oder m\u00fcsse sie halten als n\u00f6tige Gottesdienste, ohne welche christliche Heiligkeit nicht sein k\u00f6nne, oder da\u00df man sie bei einer Tods\u00fcnde zu halten soll schuldig sein, so werden die Widersacher nimmermehr beweisen, da\u00df die Bisch\u00f6fe solche Gottesdienste anzurichten Macht haben.<\/p>\n<p>12] Was aber die Bisch\u00f6fe f\u00fcr ein Amt oder Gewalt haben in der Kirche, haben wir in der Konfession gesagt. Die Bisch\u00f6fe, so jetzund den Bischofsnamen tragen in der Kirche, tun gar nicht ihr bisch\u00f6flich Amt nach dem Evangelio. Aber la\u00df sie gleich Bisch\u00f6fe sein der canonica politia nach, welche wir in ihrem Wert lassen. 13] Wir reden aber von rechten, christlichen Bisch\u00f6fen, und es gef\u00e4llt mir die alte Division oder Teilung nicht \u00fcbel, da sie gesagt haben, bisch\u00f6fliche Gewalt stehe in diesen zweien, potestate ordinis und potestate iurisdictionis, das ist, in Reichung der Sakramente und geistlichem Gericht\u00dfwang. So hat ein jeder christlicher Bischof potestatem ordinis. das ist, das Evangelium zu predigen, Sakramente zu reichen; auch hat er Gewalt eines geistlichen Gericht\u00dfwangs in der Kirche, das ist, Macht und Gewalt, aus der christlichen Gemeinde zu schlie\u00dfen diejenigen, so in \u00f6ffentlichen Lastern gefunden werden, und dieselben, wenn sie sich bekehren, wieder anzunehmen und ihnen die Absolution mitzuteilen. 14] Sie haben aber nicht eine tyrannische Gewalt, das ist, ohne gewisses Gesetz zu urteilen. So haben sie auch keine k\u00f6nigliche Gewalt, das ist, \u00fcber die gegebenen [hinaus] Gesetze zu schafen, sondern haben ein gewi\u00df Gottesgebot und gemessenen Befehl, unter welchem sie sind, nach welchem sie ihre geistliche Gewalt und Gericht\u00dfwang brauchen sollen. Ob sie schon solche Jurisdiktion \u00fcber der \u00f6ffentliche Laster haben, so folgt doch nicht, da\u00df sie darum Macht haben, ne\u00fc Gottesdienste anzurichten. Denn iurisdictio und ne\u00fc Gottesdienste machen, sind weit voneinander. Item, es streckt sich auch die iurisdictio nicht auf S\u00fcnden wider ihre ne\u00fcn Gesetze, sondern allein auf solche S\u00fcnden, die wider Gottes Gebot sind. Denn das Evangelium richtet ihnen nicht ein Regiment an au\u00dfer dem Evangelio, das ist ja klar und gewi\u00df.<\/p>\n<p>15] Wiewohl wir nun in der Konfession dazugesetzt haben, wiefern die Bisch\u00f6fe m\u00f6gen Satzungen machen, n\u00e4mlich da\u00df sie die nicht als n\u00f6tige Gottesdienste aufrichten und lehren, sondern da\u00df [es] still und ordentlich in der Kirche zugehe. Aber damit sollen die Gewissen nicht gefangen sein, als seien\u2019s n\u00f6tige Gottesdienste. Denn Paulus zu\u2019n Galatern sagt am 5. Kapitel: &#8220;So stehet nun in der Freiheit, wie euch Christus hat freigemacht, und la\u00dft euch nicht wieder unter das Joch der Knechtschaft bringen!&#8221; 16] So mu\u00df man nun freilassen, solche \u00e4u\u00dferliche Satzungen zu brauchen oder nicht zu brauchen, da\u00df sie nicht f\u00fcr solche Gottesdienste geachtet oder gehalten werden, welche n\u00f6tig sollten sein zur Seligkeit. Doch ist man schuldig, \u00cbrgernis zu meiden. Also haben die Apostel viel Dings um guter Zucht willen in der Kirche geordnet, das mit der Zeit ge\u00e4ndert ist, und haben nicht Satzungen also gemacht, da\u00df sie sollten n\u00f6tig sein oder ewig bleiben. Denn sie haben wider ihre eigene Schrift und Lehre nicht, gehandelt, darin sie das gar heftig streiten [verfechten], da\u00df man die Kirche nicht solle mit Satzungen also beschweren oder verpflichten, als w\u00e4ren sie n\u00f6tig zur Seligkeit.<\/p>\n<p>17] Das ist ein einf\u00e4ltiger, klarer Unterricht von Menschensatzungen, n\u00e4mlich da\u00df wir wissen, da\u00df es nicht n\u00f6tige Gottesdienste sind, und da\u00df man sie dennoch nach Gelegenheit, \u00cbrgernis zu meiden, halten soll. 18] Und also haben viel gelehrte, gro\u00dfe Leute in der Kirche gehalten und gelehrt, und ist gewi\u00df, da\u00df die Widersacher dawider nichts k\u00f6nnen aufbringen. So ist es auch gewi\u00df, da\u00df dieses Wort des Hern Christi Luk. 10: &#8220;Wer euch h\u00f6ret, der h\u00f6ret mich&#8221;, nicht von Menschensatzungen redet, sondern ist stracks dawider. Denn die Apostel empfangen da nicht ein mandatum cum Iibera, das ist, einen ganz freien, ungemessenen Befehl und Gewalt, sondern haben einen gemessenen Befehl, n\u00e4mlich, nicht ihr eigen Wort, sondern Gottes Wort und das Evangelium zu predigen. Und der Her Christus will in den Worten: &#8220;Wer euch h\u00f6ret, der h\u00f6ret mich&#8221; alle Welt st\u00e4rken, wie auch vonn\u00f6ten war, da\u00df wir sollten ganz gewi\u00df sein, da\u00df das leibliche Wort Gottes Kraft w\u00e4re, und da\u00df niemand vom Himmel ein ander Wort d\u00fcrfte suchen oder gewarten. 19] Darum kann dies Wort: &#8220;Wer euch h\u00f6ret, der h\u00f6ret mich&#8221; von Satzungen nicht verstanden werden. Denn Christus will da, da\u00df sie also lehren sollen, da\u00df man durch ihren Mund Christum selbst h\u00f6re. So m\u00fcssen sie ja nicht ihr eigen Wort predigen, sondern sein Wort, seine Stimme und Evangelium, soll man Christum h\u00f6ren. Dies tr\u00f6stliche Wort, welches aufs allerst\u00e4rkste unsere Lehre best\u00e4tigt und viel n\u00f6tige Lehre und Trost f\u00fcr die christlichen Gewissen in sich hat, das deuten die groben Esel auf ihre n\u00e4rrischen Satzungen, auf ihre Speisen, Trank, Kleider und dergleichen Kinderwerk.<\/p>\n<p>20] Auch ziehen sie diesen Spruch an zu den Hebr\u00e4ern am 13.: &#8220;Gehorchet denen, die euch vorgehen&#8221; usw. Dieser Spruch fordert, da\u00df man soll gehorsam sein dem Evangelio; denn er gibt den Bisch\u00f6fen nicht eine eigene Herrschaft oder Herrengewalt au\u00dfer dem Evangelio; so sollen auch die Bisch\u00f6fe nicht wider das Evangelium Satzungen machen, noch ihre Satzungen wider das Evangelium auslegen. Denn wenn sie das tun, so verbietet uns das Evangelium, ihnen gehorsam zu sein, wie Paulus zu den Galatern sagt: &#8220;So euch jemand w\u00fcrde ein ander Evangelium predigen, der sei verflucht!&#8221;<\/p>\n<p>21] Gleich dasselbe antworten wir auch auf den Spruch Matth. am 23.: &#8220;Auf Mosis Stuhl sitzen die Schriftgelehrten usw.; alles nun, was sie euch sagen, das ihr hatten sollt, das haltet und tut\u2019s.&#8221; Das ist gewi\u00df, da\u00df damit nicht geboten wird universaliter, insgemein, da\u00df wir alles sollen halten, was sie gebieten, auch wider Gottes Gebot und Wort. Denn an einem andern Ort sagt die Schrift: &#8220;Man mu\u00df Gott mehr gehorchen denn den Menschen.&#8221; Darum, wenn sie unchristlich und wider die Schrift lehren, soll man sie nicht h\u00f6ren. So richtet dieser Spruch auch nicht ein Regiment an au\u00dfer dem Evangelio; darum k\u00f6nnen sie ihre Gewalt, die sie au\u00dfer dem Evangelio aufgerichtet haben, nicht durchs Evangelium beweisen. Denn das Evangelium redet nicht de traditionibus, sondern von Gottes Wort zu lehren.<\/p>\n<p>Da\u00df aber die Widersacher zu Ende der Konfutation uns verunglimpfen und beschweren, da\u00df diese Lehre zu Ungehorsam und andern mehr \u00cbrgernissen Ursache gebe, solches wird dieser unserer Lehre unbillig aufgelegt. Denn es ist \u00f6ffentlich, da\u00df [die] Obrigkeit aufs h\u00f6chste durch diese Lehre gepreiset ist. So wei\u00df man, da\u00df an den Orten, da diese Lehre gepredigt wird, durch Gottes Gnade bisanher die Obrigkeit in allen Ehren von Untertanen gehalten ist.<\/p>\n<p>Da\u00df aber Uneinigkeit und Spaltung in der Kirche ist, wei\u00df man, wie sich diese H\u00e4ndel erstlich zugetragen haben, und wer Ursache zur Trennung gegeben, n\u00e4mlich die Indulgenzkr\u00e4mer, die unleidliche L\u00fcgen unversch\u00e4mt predigten und nachmals den Luther verdammten, da\u00df er dieselben L\u00fcgen nicht billigte, dazu erregten f\u00fcr und f\u00fcr mehr H\u00e4ndel, da\u00df Luther andere, mehr Irrt\u00fcmer anzufechten verursacht ward. Dieweil aber unser Gegenteil die Wahrheit nicht hat dulden wollen und sich untersteht, \u00f6ffentliche Irrt\u00fcmer noch mit Gewalt zu handhaben, ist leichtlich zu richten, wer an der Trennung schuldig ist. Es sollte ja billig alle Welt, alle Weisheit, alle Gewalt Christo und seinem heiligen Wort weichen; aber der Teufel ist Gottes Feind, darum erregt er alle seine Macht wider Christum, Gottes Wort zu d\u00e4mpfen und [zu] unterdr\u00fccken. Also ist der Teufel mit seinen Gliedern, so sich wider Gottes Wort legt, Ursache der Spaltung und Uneinigkeit; denn wir zum h\u00f6chsten Frieden gesucht haben, des wir noch zum h\u00f6chsten begehren, so fern, da\u00df wir nicht gedrungen werden, Christum zu l\u00e4stern und zu verleugnen. Denn Gott wei\u00df, der aller Herzen Richter ist, da\u00df wir an dieser schrecklichen Uneinigkeit nicht Lust oder Freude haben. So hat der Gegenteil bisanher keinen Frieden machen wollen, darin nicht gesucht sei, da\u00df wir die heilsame Lehre von Vergebung der S\u00fcnden durch Christum ohne unser Verdienst sollten fallen lassen, dadurch doch Christus zum h\u00f6chsten gel\u00e4stert w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Und wiewohl nicht ohne ist, da\u00df, wie die Welt pflegt, in dieser Spaltung dennoch \u00c4rgernisse durch frevele und ungeschickte Leute etwa vorgefallen, denn der Teufel richtet solche \u00c4rgernisse an zu Schmach dem Evangelio: so sind sie doch alle nicht zu achten gegen den hohen Trost, den diese Lehre mit sich gebracht hat, die lehrt, da\u00df wir um Christus\u2019 willen ohne unser Verdienst Vergebung der S\u00fcnden und einen gn\u00e4digen Gott haben; item, da\u00df sie unterrichtet, da\u00df Gottesdienst nicht sei, verlassen weltliche St\u00e4nde und Obrigkeit, sondern da\u00df solche St\u00e4nde und Obrigkeit Gott gefallen und rechte heilige Werke und Gottesdienste seien.<\/p>\n<p>So wir auch des Gegenteils \u00c4rgernisse erz\u00e4hlen sollten, dazu wir wahrlich nicht Lust haben, w\u00fcrde es gar ein schrecklich Register werden: wie die Messe zu einem sch\u00e4ndlichen, l\u00e4sterlichen Jahrmarkt durch den Gegenteil gemacht; wie ein unz\u00fcchtig Leben durch ihren Z\u00f6libat angerichtet ist; wie die P\u00e4pste nun l\u00e4nger denn vierhundert Jahre mit den Kaisern gekriegt haben und des Evangelii vergessen und allein danach getrachtet, da\u00df sie selbst Kaiser w\u00e4ren und ganz Italien unter sich br\u00e4chten; wie sie mit den Kircheng\u00fctern gespielt haben; wie durch ihren Unflei\u00df viel falsche Lehre und falsche Gottesdienste durch die M\u00f6nche aufgerichtet sind. Ist doch ihr Heiligendienst eine \u00f6ffentliche heidnische Abg\u00f6tterei. Alle ihre Skribenten sagen nicht ein Wort von diesem Glauben an Christum, dadurch man Vergebung der S\u00fcnden erlangt. Die h\u00f6chste Heiligkeit setzen sie in Menschensatzungen; davon schreiben und predigen sie vornehmlich. So ist das billig auch unter ihre \u00cbrgernisse zu z\u00e4hlen, da\u00df sie sich \u00f6ffentlich erzeigen, was Geist sie haben, da\u00df sie so viel unschuldige, fromme Leute jetzund um christlicher Lehre willen ermorden. Doch wollen wir hiervon jetzund nicht reden; denn diese Sachen soll man nach Gottes Wort richten und die \u00c4rgernisse beider Seiten dieweil nicht ansehen.<\/p>\n<p>Wir hoffen, es sollen alle Gottesf\u00fcrchtigen in dieser unserer Schrift genugsam sehen, da\u00df unsere Lehre christlich und allen Frommen tr\u00f6stlich und heilsam sei. Darum bitten wir Gott, da\u00df er Gnade verleihe, da\u00df sein heiliges Evangelium bei allen erkannt und geehrt werde, zu seinem Lobe und zu Friede, Einigkeit und Seligkeit unser aller; und erbieten uns hiemit, wo es not ist, von allen Artikeln weiter Bericht zu tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u300a\u534f\u540c\u4e66\u300b\uff08\u5fb7\u6587\uff09\u76ee\u5f55 1.\u300a\u4fe1\u7ecf\u300b Glaubensbekenntnis 2.\u300a\u5965\u65af\u5821\u4fe1\u6761\u300b Die Augsburgische Konfession 3.\u300a\u5965\u65af\u5821\u4fe1\u6761\u300b\u7684\u8fa9\u62a4\u8bba Apologia der Konfession 4.1\u300a\u65bd\u9a6c\u52a0\u767b\u4fe1\u6761\u300bDie Schmalkaldischen Artikel 4.2\u300a\u8bba\u6559\u7687\u6743\u548c\u9996\u4f4d\u300bVon der Bisch\u00f6fe Gewalt und Jurisdiktion<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[45],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/87"}],"collection":[{"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=87"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/87\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":119,"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/87\/revisions\/119"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=87"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=87"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=87"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}