{"id":90,"date":"2019-07-12T15:47:45","date_gmt":"2019-07-12T15:47:45","guid":{"rendered":"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=90"},"modified":"2020-08-11T00:10:57","modified_gmt":"2020-08-11T00:10:57","slug":"%e5%8d%8f%e5%90%8c%e4%b9%a6%ef%bc%88%e5%be%b7%e6%96%87%ef%bc%89%e7%ac%ac%e5%9b%9b%e9%83%a8%e5%88%86-%e6%96%bd%e9%a9%ac%e5%8a%a0%e7%99%bb%e4%bf%a1%e6%9d%a1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=90","title":{"rendered":"\u534f\u540c\u4e66\uff08\u5fb7\u6587\uff09\u7b2c\u56db\u90e8\u5206 \u65bd\u9a6c\u52a0\u767b\u4fe1\u6761"},"content":{"rendered":"<p>\u300a\u534f\u540c\u4e66\u300b\uff08\u5fb7\u6587\uff09\u76ee\u5f55<br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=76\">1.\u300a\u4fe1\u7ecf\u300b Glaubensbekenntnis<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=78\">2.\u300a\u5965\u65af\u5821\u4fe1\u6761\u300b Die Augsburgische Konfession<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=87\">3.\u300a\u5965\u65af\u5821\u4fe1\u6761\u300b\u7684\u8fa9\u62a4\u8bba Apologia der Konfession<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=90\">4.1\u300a\u65bd\u9a6c\u52a0\u767b\u4fe1\u6761\u300bDie Schmalkaldischen Artikel<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=93\">4.2\u300a\u8bba\u6559\u7687\u6743\u548c\u9996\u4f4d\u300bVon der Bisch\u00f6fe Gewalt und Jurisdiktion<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=98\">5.\u300a\u5c0f\u95ee\u7b54\u300bDer Kleiner Katechismus<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=102\">6.\u300a\u5927\u95ee\u7b54\u300bDer Grosse Katechismus<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/climb-lutheran.org\/?p=106\">7.\u300a\u534f\u540c\u5f0f\u300bDie Konkordienformel<\/a><\/p>\n<h2 id=\"opening\">\u65bd\u9a6c\u52a0\u767b\u4fe1\u6761<\/h2>\n<p>Die Schmalkaldischen Artikel<\/p>\n<p>Artikel christlicher Lehre,<\/p>\n<p>so da h\u00e4tten sollen aufs Konzilium in Mantua, oder wo es sonst worden w\u00e4re,<\/p>\n<p>\u00fcberantwortet werden von unsers Teils wegen, und was wir annehmen oder nachgeben k\u00f6nnten oder nicht usw.,<\/p>\n<p>durch D. Martin Luthern geschrieben<\/p>\n<p>Anno 1537.<\/p>\n<p>Vorrede Doktor Martin Luthers.<\/p>\n<p>1] Da der Papst Paulus, des Namens der dritte, ein Konzilium ausschrieb im vergangenen Jahr, auf die Pfingsten, zu Mantua zu halten, und hernach von Mantua wegr\u00fcckte, da\u00df man noch nicht weiss, wohin er\u2019s legen will oder kann, und wir uns auf unsern Teil versehen sollten, da\u00df wir entweder auch zum Konzilio berufen oder unberufen verdammt w\u00fcrden: ward mir befohlen, Artikel unsere Lehre zu stellen und zusammen[zu]bringen, ob\u2019s zur Handlung [wenn es zur Verhandlung] k\u00e4me, was und wiefern wir wollten oder k\u00f6nnten den Papisten weichen, und auf welchen wir ged\u00e4chten endlich zu beharren und zu bleiben.<\/p>\n<p>2] Demnach habe ich diese Artikel zusammen[ge]bracht und unserm Teil \u00fcberantwortet. Die sind auch von den unsern angenommen und eintr\u00e4chtiglich bekannt, und beschlossen, da\u00df man sie solle (wo der Papst mit den Seinen einmal so k\u00fchn wollte werden, ohne L\u00fcgen und Tr\u00fcgen, mit Ernst und wahrhaftig ein recht frei, christlich Konzilium zu halten, wie er wohl schuldig w\u00e4re) \u00f6ffentlich \u00fcberantworten und unsers Glaubens Bekenntnis vorbringen.<\/p>\n<p>3] Aber weil sich der r\u00f6mische Hof so greulich vor einem freien christlichen Konzilio f\u00fcrchtet und das Licht so sch\u00e4ndlich fleucht, da\u00df er auch denen, die seines Teils sind, die Hoffnung genommen hat, als werde er nimmermehr ein frei, christlich Konzilium leiden, viel weniger selbst halten; daran sie sich denn, wie billig, fast [sehr] \u00e4rgern und nicht geringe Beschwerungen dar\u00fcber haben, als die daran merken, da\u00df der Papst lieber wollte die ganze Christenheit verloren und alle Seelen verdammt sehen, ehe er sich oder die Seinen wollte ein wenig reformieren und seiner Tyrannei ein Mass setzen lassen: so hab\u2019 ich gleichwohl diese Artikel indes wollen durch \u00f6ffentlichen Druck an den Tag geben, ob ich ja eher sterben sollte, denn ein Konzilium w\u00fcrde (wie ich mich ganz versehe und verhoffe), weil die lichtfl\u00fcchtigen und tagsche\u00fcnden Schelme so j\u00e4mmerlich M\u00fche haben, das Konzilium zu verziehen und zu verhindern., damit die, so nach mir leben und bleiben werden, mein Zeugnis und Bekenntnis haben vorzuwenden [anzuf\u00fchren] \u00fcber das [ausser dem] Bekenntnis, da\u00df ich zuvor [im Jahre 1528] habe lassen ausgehen, darauf ich auch noch bisher [ge]bleiben bin und bleiben will mit Gottes Gnade.<\/p>\n<p>4] Denn was soll ich sagen? Wie soll ich klagen? Ich bin noch im Leben, schreibe, predige und lese t\u00e4glich, noch [dennoch] finden sich solche giftige Leute, nicht allein unter den Widersachern, sondern auch falsche Br\u00fcder, die unsers Teils sein wollen, die sich unterstehen, meine Schrift und Lehre stracks wider mich zu f\u00fchren, lassen mich zusehen und zuh\u00f6ren, ob sie wohl wissen, da\u00df ich anders lehre, und wollen ihr Gift mit meiner Arbeit schm\u00fccken und die armen Leute unter meinem Namen verf\u00fchren. Was will doch immermehr nach meinem Tode werden?<\/p>\n<p>5] Ja, ich sollte billig alles verantworten, weil [solange] ich noch lebe. Ja wiederum, wie kann ich allein alle M\u00e4uler des Teufels stopfen? sonderlich denen (wie sie alle vergiftet sind), die nicht h\u00f6ren noch merken wollen, was wir schreiben, sondern allein an dem sich \u00fcben mit allem Fleiss, wie sie unsere Worte in allen Buchstaben aufs sch\u00e4ndlichste verkehren und verderben m\u00f6gen. Solchen lasse ich den Teufel antworten oder zuletzt Gottes Zorn, wie sie verdienen. 6] Ich denke oft an den guten Gerson, der zweifelte, ob man etwas Gutes sollte \u00f6ffentlich schreiben. Tut man\u2019s nicht, so werden viel Seelen vers\u00e4umt, die man k\u00f6nnte erretten; tut man\u2019s aber, so ist der Teufel da mit unz\u00e4hligen giftigen, b\u00f6sen M\u00e4ulern, die alles vergiften und verkehren, da\u00df doch die Frucht verhindert wird. 7] Doch was sie daran gewinnen, steht man am Tage. Denn sintemal sie so sch\u00e4ndlich wider uns gelogen und die Leute mit L\u00fcgen haben wollen behalten, hat Gott sein Werk immer fort [voran] getrieben, ihren Haufen immer kleiner und unsern gr\u00f6\u00dfer gemacht und sie mit ihren L\u00fcgen zuschanden lassen werden, und noch immerfort.<\/p>\n<p>8] Ich muss eine Historia sagen. Es ist hie zu Wittenberg gewesen aus Frankreich ein Doktor gesandt, der vor uns \u00f6ffentlich sagte, da\u00df sein K\u00f6nig gewi\u00df und \u00fcbergerwi\u00df w\u00e4re, da\u00df bei uns keine Kirche, keine Obrigkeit, kein Ehestand sei, sondern ginge alles untereinander wie das Vieh und t\u00e4te jedermann, was er wollte. 9] Nun rat, wie werden uns an jenem Tage vor dem Richt[er]stuhl Christi ansehen die, so solche grobe L\u00fcgen dem K\u00f6nige und andern Landen durch ihre Schrift eingebildet [eingepr\u00e4gt, weisgemacht] haben f\u00fcr eitel Wahrheit? Christus, unser aller Her und Richter, weiss ja wohl, da\u00df sie l\u00fcgen und gelogen haben; des Urteil werden sie wiederum m\u00fcssen h\u00f6ren; da\u00df weiss ich f\u00fcrwahr. Gott bekehre, die zu bekehren sind, zur Busse! Den andern wird\u2019s heissen: Weh und Ach ewiglich!<\/p>\n<p>10] Und da\u00df ich wieder komme zur Sache, m\u00f6chte ich f\u00fcrwahr wohl gern ein recht christlich Konzilium sehen, damit doch viel Sachen und Leuten geholfen w\u00fcrde. Nicht da\u00df wir\u2019s bed\u00fcrfen; denn unsere Kirchen sind nun durch Gottes Gnade mit dem reinen Wort und rechtem Brauch der Sakramente, mit Erkenntnis allerlei St\u00e4nde und rechten Werken also erleuchtet und beschickt [versorgt], da\u00df wir unserthalben nach keinem Konzilio fragen und in solchen St\u00fccken vom Konzilio nichts Besseres zu hoffen noch zu gewarten wissen. Sondern da sehen wir in den Bist\u00fcmern allenthalben viel Pfarren ledig und w\u00fcst, da\u00df einem das Herz m\u00f6chte brechen, und fragen doch weder Bisch\u00f6fe noch Tumherren [Domherren] danach, wie die armen Leute leben oder sterben, f\u00fcr welche doch Christus ist gestorben, und sollen denselben nicht h\u00f6ren mit ihnen reden als den rechten Hirten mit seinen Schafen, 11] da\u00df mir graut und bange ist, er m\u00f6chte einmal einst ein Engelkonzilium lassen gehen \u00fcber Deutschland, das uns alle in Grund verderbte wie Sodom und Gomorra, weil wir sein so freventlich mit dem Konzilio spotten.<\/p>\n<p>12] \u00dcber solche n\u00f6tige Kirchensachen w\u00e4ren auch in weltlichem Stande unz\u00e4hlige grosse St\u00fccke zu bessern. Da ist Uneinigkeit der F\u00fcrsten und St\u00e4nde, Wucher und Geiz find wie eine S\u00fcndflut eingerissen und eitel Recht geworden, Mutwille, Unzucht, \u00dcbermut mit Kleidern, Fressen, Spielen, Prangen mit allerlei Untugend und Bosheit, Ungehorsam der Untertanen, Gesinde und Arbeiter aller Handwerke, auch der Ba\u00fcrn \u00dcbersetzung [\u00dcbervorteilung] (und wer kann\u2019s alles erz\u00e4hlen?) haben also \u00fcberhandgenommen, da\u00df man\u2019s mit zehn Konziliis und zwanzig Reichstagen nicht wieder wird zurechtbringen. 13] Wenn man solche Hauptst\u00fccke des geistlichen und weltlichen Standes, die wider Gott find, im Konzilio w\u00fcrde handeln, so w\u00fcrde man wohl zu tun kriegen alle H\u00e4nde voll, da\u00df man dieweil wohl w\u00fcrde vergessen des Kinderspiels und Narrenwerks von langen R\u00f6cken, grossen Platten [Tonsuren], breiten G\u00fcrteln, Bischofs= und Kardinalsh\u00fcten oder St\u00e4ben und dergleichen Gaukelei. Wenn wir zuvor h\u00e4tten Gottes Gebot und Befehl ausgerichtet im geistlichen und weltlichen Stande, so wollten wir Zeit genug finden, die Speisen, Kleider, Platten und Kaseln [Messkleider] zu reformieren. Wenn wir aber solche Kamele verschlingen und daf\u00fcr M\u00fccken seigen, die Balken lassen stehen und die Splitter richten wollen, so m\u00f6chten wir wohl auch mit dem Konzilio zufreiden sein.<\/p>\n<p>14] Darum hab\u2019 ich wenig Artikel gestellt; denn wir ohne das von Gott so viel Befehl haben in der Kirche, in der Obrigkeit, im Hause zu tun, da\u00df wir sie nimmermehr ausrichten k\u00f6nnen. Was soll\u2019s denn, oder wozu hilft\u2019s, da\u00df man dr\u00fcber viel Dekrete und Satzungen im Konzilio macht, sonderlich so man diese Hauptst\u00fccke, von Gott geboten, nicht achtet noch h\u00e4lt? Gerade als m\u00fcsste er unser Gaukelspiel feiern [ehren] daf\u00fcr, da\u00df wir seine ernsten Gebote mit F\u00fcssen treten. Aber unsere S\u00fcnden dr\u00fccken uns und lassen Gott nicht gn\u00e4dig \u00fcber uns sein; denn wir b\u00fcssen auch nicht [tun keine Busse], wollen dazu noch allen Gre\u00fcl verteidigen.<\/p>\n<p>15] Ach lieber Her Jeu Christe, halt du selber Konzilium und erl\u00f6se die Deinen durch deine herrliche Zukunft! Es ist mit dem Papst und den Seinen verloren; sie wollen dein nicht. So hilf du uns Armen und Elenden, die wir zu dir seufzen und dich suchen mit Ernst, nach der Gnade, die du uns gegeben hast, durch deinen Heiligen Geist, der mit dir und dem Vater lebet und regieret, ewiglich gelobet? Amen. <\/p>\n<p>Das erste Teil<\/p>\n<p>ist von den hohen Artikeln der g\u00f6ttlichen Majest\u00e4t, als:<\/p>\n<p>I.<\/p>\n<p>Da\u00df Vater, Sohn und Heiliger Geist, in einem g\u00f6ttlichen Wesen und Natur, drei unterschiedliche Personen, ein einiger Gott ist, der Himmel und Erde geschaffen hat;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Da\u00df der Vater von niemand, der Sohn vom Vater geboren, der Heilige Geist vom Vater und Sohn ausgehend;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Da\u00df nicht der Vater noch Heiliger Geist, sondern der Sohn sei Mensch [ge]worden;<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>Da\u00df der Sohn sei also Mensch [ge]worden, da\u00df er vom Heiligen Geist ohne m\u00e4nnlich Zutun empfangen und von der reinen, heiligen Jungfrau Maria geboren sei; danach gelitten, gestorben, begraben, zur H\u00f6lle gefahren, auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, k\u00fcnftig zu richten die Lebendigen und die Toten usw. Wie der Apostel, item St. Athanasii Symbolum und der gemeine Kinderkatechismus Lehrt.<\/p>\n<p>Diese Artikel sind in keinem Zank noch Streit, weil wir zu beiden Teilen dieselben bekennen. Darum [ist] nicht vonn\u00f6ten, jetzt davon weiter zu handeln. <\/p>\n<p>Das andere Teil<\/p>\n<p>ist von den Artikeln, so das Amt und Werk Jesu Christi oder unsere Erl\u00f6sung betreffen.<\/p>\n<p>Hier ist der erste und Hauptartikel:<\/p>\n<p>1] Da\u00df Jesus Christus, unser Gott und Her, sei um unserer S\u00fcnden willen gestorben und um unserer Gerechtigkeit willen auferstanden, R\u00f6m. 4.<\/p>\n<p>2] Und er allein das Lamm Gottes ist, das der Welt S\u00fcnde tr\u00e4gt, Joh. 1. Und Gott unser aller S\u00fcnde auf ihn gelegt hat, Jesaia 53.<\/p>\n<p>3] Item: Sie sind allzumal S\u00fcnder und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erl\u00f6sung Jeu Christi in seinem Blut usw. R\u00f6m. 3.<\/p>\n<p>4] Dieweil nun solches muss geglaubt werden und sonst mit keinem Werk, Gesetz noch Verdienst mag [kann] erlangt oder gefasst werden, so ist es klar und gewiss, da\u00df allein solcher Glaube uns gerecht mache, wie R\u00f6m. 3 St. Paulus spricht: &#8220;Wir halten, da\u00df der Mensch gerecht werde ohne Werke des Gesetzes durch den Glauben&#8221;; item: &#8220;Auf da\u00df er allein gerecht sei und gerecht mache den, der da ist des Glaubens an Jeu.&#8221;<\/p>\n<p>5] Von diesem Artikel kann man nichts weichen oder nachgeben, es falle Himmel und Erde, oder was nicht bleiben will. &#8220;Denn es ist kein anderer Name den Menschen gegeben, dadurch wir k\u00f6nnen selig werden&#8221;, spricht Petrus Act 4. &#8220;und durch seine Wunden sind wir geheilet&#8221;, Jes. 53 Und auf diesem Artikel steht alles, was wir wider den Papst, Teufel und Welt lehren und leben. Darum m\u00fcssen wir des gar gewiss sein und nicht zweifeln, sonst ist es alles verloren und beh\u00e4lt Papst und Teufel und alles wider uns den Sieg und Recht. <\/p>\n<p>Der II. Artikel. Von der Messe.<\/p>\n<p>1] Da\u00df die Messe im Papsttum muss der gr\u00f6sste und schrecklichste Gre\u00fcl sein als die stracks und gewaltiglich wider diesen Hauptartikel strebt und doch \u00fcber und vor allen andern p\u00e4pstlichen Abg\u00f6ttereien die h\u00f6chste und sch\u00f6nste gewesen ist. Den es ist gehalten [sie halten daf\u00fcr], da\u00df solch Opfer oder Werk der Messe (auch durch einen b\u00f6sen Buben getan) helfe dem Menschen von S\u00fcnden, beide hier im Leben und dort im Fegfe\u00fcr, welches doch allein soll und muss tun das Lamm Gottes, wie droben gesagt. Von diesem Artikel ist auch nicht zu weichen oder nachzulassen; denn der erste Artikel leidet\u2019s nicht.<\/p>\n<p>2] Und wo etwa vern\u00fcnftige Papisten w\u00e4ren, m\u00f6chte man dermassen [gem\u00e4ssigt] und freundlicherweise mit ihnen reden: Erstlich, warum sie doch so hart an der Messe hielten? Ist\u2019s doch ein lauter Menschenf\u00fcndlein, von Gott nicht geboten. Und alle Menschenf\u00fcndlein m\u00f6gen wir fallen lassen, wie Christus spricht Matth. 15: &#8220;Sie dienen mir vergeblich mit Menschengeboten.&#8221;<\/p>\n<p>Zum andern ist\u2019s ein unn\u00f6tig Ding, das man ohne S\u00fcnde und [Ge]Fahr wohl lassen kann.<\/p>\n<p>4] Zum dritten kann man das Sakrament viel besser und seliger[er] Weise (ja allein seliger Weise) nach Christus\u2019 Einsetzung kreigen. Was ist\u2019s denn da\u00df man um einer erdichteten, unn\u00f6tigen Sache willen, da man\u2019s sonst wohl und seliger haben kann, die Welt in Jammer und Not wollte zwingen?<\/p>\n<p>5] Man lasse den Leuten \u00f6ffentlich predigen, wie die Messe als ein Menschentand m\u00f6ge ohne S\u00fcnde nachbleiben und niemand verdammt werde, wer sie nicht achte, sondern m\u00f6ge wohl ohne Messe, durch bessere Weise selig werden: was gilt\u2019s ob die Messe alsdann nicht von ihr selbst fallen wird, nicht allein bei dem tollen P\u00f6bel, sondern auch bei allen frommen, christlichen, vern\u00fcnftigen, gottesf\u00fcrchtigen Herzen; viel mehr, wo sie h\u00f6ren w\u00fcrden da\u00df es ein [ge]f\u00e4hrlich Ding, ohne Gottes Wort und willen erdichtet und erfunden ist.<\/p>\n<p>6] Zum vierten, weil solche unz\u00e4hlige unaussprechliche Mi\u00dfbr\u00e4uche in aller Welt mit Kaufen und Verkaufen der Messen entstanden [sind], sollte man sie billig lassen fahren, auch allein [um] solchen Mi\u00dfbr\u00e4uchen zu wehren, wenn sie gleich an ihr selbst etwas N\u00fctzliches und Gutes h\u00e4tte. Wieviel mehr soll man sie fahren lassen, solche Mi\u00dfbr\u00e4uche ewiglich zu verh\u00fcten, weil sie doch gar unn\u00f6tig, unn\u00fctz und [ge]f\u00e4hrlich ist und man alles n\u00f6tiger, n\u00fctzlicher und gewisser ohne die Messe haben kann!<\/p>\n<p>7] Zum f\u00fcnften. Nun aber die Messe nichts anders ist noch sein kann (wie der Kanon und alle B\u00fccher sagen) denn ein Werk der Menschen (auch b\u00f6ser Buben), damit einer sich selbst und andere mit sich gegen Gott vers\u00f6hnen, Vergebung der S\u00fcnden und Gnade erwerben und verdienen will (denn also wird sie gehalten, wenn sie aufs allerbeste wird gehalten; was sollte sie sonst?), so soll und muss man sie verdammen und verwerfen. Denn das ist stracks wider den Hauptartikel, der da sagt, da\u00df nicht ein b\u00f6ser oder frommer Me\u00dfknecht mit seinem Werk, sondern das Lamm Gottes und Sohn Gottes unsere S\u00fcnde tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>8] Und ob einer zum guten Schein wollte vorgeben, er wollte zur Andacht sich selbst berichten [mit dem Sakrament versehen] oder kommunizieren, das ist nicht Ernst. Den wo [wenn] er mit Ernst will kommunizieren, so hat er\u2019s gewiss und aufs beste im Sakrament, nach der Einsetzung Christi gereicht. Aber sich selbst kommunizieren ist ein Menschend\u00fcnkel [eine menschliche Meinung], ungewiss und unn\u00f6tig dazu verboten. Und er weiss auch nicht, was er macht, weil er ohne Gottes Wort falschem Menschend\u00fcnkel und F\u00fcndlein [Erfindung] folgt. 9] So ist\u2019s auch nicht Recht (wenn alles sonst schlecht [richtig] w\u00e4re), da\u00df einer das gemeine Sakrament der Kirche nach seiner eigenen Andacht will brauchen und damit seines Gefallens ohne Gottes Wort ausser der Kirche Gemeinschaft spielen.<\/p>\n<p>10] Dieser Artikel von der Messe wird\u2019s ganz und gar sein im Konzilio. Denn wo es m\u00f6glich w\u00e4re da\u00df sie uns alle andern Artikel nachg\u00e4ben, so k\u00f6nnen sie doch diesen Artikel nicht nachgeben. Wie der Campegius zu Augsburg gesagt, er wollte sich eher auf [in] St\u00fccke zerreissen lassen, ehe er wollte die Messe fahren lassen. So werde ich mich auch mit Gottes Hilfe eher lassen zu Asche machen, ehe ich einen Messknecht mit seinem Werke, er sei gut oder b\u00f6se, lasse meinem Hern und Heiland Jeu Christo gleich oder h\u00f6her sein. Also sind und bleiben wir ewiglich geschieden und widereinander. Sie f\u00fchlen\u2019s wohl, wo die Messe f\u00e4llt, so liegt das Papsttum; ehe sie das lassen geschehen, so t\u00f6ten sie uns alle, wo sie es verm\u00f6gen.<\/p>\n<p>11] \u00dcber das alles hat dieser Drachenschwanz, die Messe, viel Ungeziefer und Geschmeiss, mancherlei Abg\u00f6tterei gezeugt.<\/p>\n<p>12] Erstlich das Fegfe\u00fcr. Da hat man mit Seelenmessen, Vigilien, dem Siebenten, dem Dreissigsten und j\u00e4hrlichen Beg\u00e4ngnissen, zuletzt mit der Gemeinwoche und aller Seelen Tag und Seelbad [Freibad f\u00fcr Arme, zum Seelenheil des Stifters gespendet] ins Fegfe\u00fcr gehandelt, da\u00df die Messe schier allein f\u00fcr die Toten gebraucht ist, so doch Christus das Sakrament allein f\u00fcr die Lebendigen gestiftet hat. Darum ist das Fegfe\u00fcr mit allem seinem Gepr\u00e4nge, Gottesdienst und Gewerbe f\u00fcr ein lauter Teufelsgespenst zu achten. Denn es ist auch wider den Hauptartikel, da\u00df allein Christus und nicht Menschenwerk den Seelen helfen soll; ohne da\u00df sonst auch uns nichts von den Toten befohlen noch geboten ist. Derhalben mag man es wohl lassen, wenn es schon kein Irrtum noch Abg\u00f6tterei w\u00e4re.<\/p>\n<p>13] Die Papisten f\u00fchren hier Augustinum und etliche V\u00e4ter [an], die vom Fegfe\u00fcr sollen geschrieben haben, und meinen, wir sehen nicht, wozu und wohin sie solche Spr\u00fcche f\u00fchren. St. Augustinus schreibt nicht, da\u00df ein Fegfe\u00fcr sei, hat auch keine Schrift, die ihn dazu zwinge, sondern l\u00e4sst es in Zweifel hangen ob eins sei, und sagt, seine Mutter habe begehrt, da\u00df man ihrer sollte gedenken bei dem Altar oder Sakrament. Nun, solches alles ist ja nichts denn Menschenandacht gewesen einzelner Personen, die keine Artikel des Glaubens (welches allein Gott zugeh\u00f6rt) stiften.<\/p>\n<p>14] Aber unsere Papisten f\u00fchren solch Menschenwort dahin, da\u00df man solle glauben ihrem sch\u00e4ndlichen, l\u00e4sterlichen, verfluchten Jahrmarkt von Seelmessen ins Fegfe\u00fcr zu opfern usw. Solches werden sie noch lange nicht aus St. Augustino beweisen. Wenn sie nun den fegfe\u00fcrischen Messenjahrmarkt abgetan haben, davon St. Augustinus nie getr\u00e4umt hat, alsdann wollen wir mit ihnen reden, ob St. Augustinus\u2019 Wort ohne Schrift m\u00f6ge zu dulden sein und der Toten gedacht werden bei dem Sakrament. 15] Es gilt nicht, da\u00df man aus der heiligen V\u00e4ter Werken oder Worten Artikel des Glaubens macht, sonst m\u00fcsste auch ein Artikel des Glaubens werden, was sie f\u00fcr Speise, Kleider, H\u00e4user usw. gehabt h\u00e4tten, wie man mit dem Heiligtum [Reliquien] getan hat. Es heisst, Gottes Wort soll Artikel des Glaubens stellen und sonst niemand, auch kein Engel.<\/p>\n<p>16] Zum andern ist das daraus gefolgt, da\u00df die b\u00f6sen Geister haben viel B\u00fcberei angerichtet, da\u00df sie als Menschenseelen erschienen sind, Messen, Vigilien, Wallfahrten und andere Almosen geheischt mit uns\u00e4glichen L\u00fcgen und Schalkheiten. 17] Welches wir alle haben f\u00fcr Artikel des Glaubens halten und danach leben m\u00fcssen, und der Papst [hat] solches best\u00e4tigt, wie auch die Messe und alle andern Gre\u00fcl. Hier ist auch kein weichen oder Nachlassen.<\/p>\n<p>18] Zum dritten die Wallfahrten. Da hat man auch gesucht Messen, Vergebung der S\u00fcnden und Gottes Gnade; denn die Messe hat\u2019s alles regiert. Nun ist das ja gewiss, da\u00df solche Wallfahrten ohne Gottes Wort uns nicht geboten, auch nicht vonn\u00f6ten [sind], weil wir\u2019s wohl besser haben m\u00f6gen und sie ohne alle S\u00fcnde und [Ge]Fahr lassen m\u00f6gen. Warum l\u00e4sst man denn daheim eigene Pfarren, Gottes Wort, Weib und Kind usw., die n\u00f6tig und geboten sind, und l\u00e4uft den unn\u00f6tigen ungewissen, sch\u00e4dlichen Teufelsirrwischen nach? 19] Ohne da\u00df der Teufel den Papst geritten hat, solches zu preisen und [zu] best\u00e4tigen, damit die Leute ja h\u00e4ufig von Christo auf ihre eigenen Werke fielen und abg\u00f6ttisch w\u00fcrden, welches das \u00e4rgste dran ist, \u00fcber das, da\u00df es unn\u00f6tig, ungeboten, ungeraten und ungewiss, dazu sch\u00e4dlich Ding ist. Darum ist hier auch kein Weichen oder Nachgeben usw. 20] Und man lasse solches predigen, da\u00df es unn\u00f6tig, dazu [ge]f\u00e4hrlich sei; danach [wird man] sehen, wo Wallfahrten bleiben.<\/p>\n<p>21] Zum vierten die Br\u00fcderschaften, da sich die Kl\u00f6ster, Stifte, auch Vikaristen haben verschrieben und mitgeteilt (rechtes und redliches Kaufs) alle Messen, gute Werke usw., beide f\u00fcr Lebendige und Tote; welches nicht allein eitel Menschentand, ohne Gottes Wort, ganz unn\u00f6tig und ungeboten, sondern auch wider den ersten Artikel der Erl\u00f6sung ist, darum keinswegs zu leiden.<\/p>\n<p>22] Zum f\u00fcnften das Heiligtum, darin so manche \u00f6ffentliche L\u00fcgen und Narrenwerk erfunden, von Hunds= und Rossknochen, das auch um solcher B\u00fcberei willen, des der Teufel gelacht hat, l\u00e4ngst sollte verdammt worden sein, wenngleich etwas Gutes dran w\u00e4re; dazu [kommt, da\u00df es] auch ohne Gottes Wort, weder geboten noch geraten, ganz unn\u00f6tig und unn\u00fctz Ding ist. 23] Aber das \u00cbrgste [ist], da\u00df es auch hat m\u00fcssen Ablass und Vergebung der S\u00fcnden wirken, als ein gut Werk und Gottesdienst, wie die Messe usw.<\/p>\n<p>24] Zum sechsten, hier geh\u00f6rt her der liebe Ablass, so beide den Lebendigen und Toten ist gegeben (doch um Geld), und der leidige Judas oder Papst das Verdienst Christi samt den \u00fcbrigen Verdiensten aller Heiligen und der ganzen Kirche darin verkauft usw. Welches alles nicht zu leiden ist und auch nicht allein ohne Gottes Wort, ohne Not, ungeboten, sondern zuwider ist dem ersten Artikel. Den Christus\u2019 Verdienst nicht durch unser Werk oder Pfennig, sondern durch den Glauben aus Gnaden erlangt wird, ohne alles Geld und Verdienst, nicht durch\u2019s Papsts Gewalt, sondern durch die Predigt oder Gottes Wort vorgetragen. <\/p>\n<p>Von Anrufung der Heiligen.<\/p>\n<p>25] Anrufung der Heiligen ist auch der endechristischen [antichristischen] Missbr\u00e4uche einer und streitet wider den ersten Hauptartikel und tilgt die Erkenntnis Christi, ist auch nicht geboten noch geraten, hat auch kein Exempel der Schrift, und haben\u2019s alles tausendmal besser an Christo, wenn jenes gleich k\u00f6stlich Gut w\u00e4re, als doch nicht ist.<\/p>\n<p>26] Und wiewohl die Engel im Himmel f\u00fcr uns bitten (wie Christus selber auch tut), also auch die Heiligen auf Erden oder vielleicht auch im Himmel, so folgt daraus nicht, da\u00df wir die Engel und Heiligen anrufen, anbeten, ihnen fasten, feiern, Messe halten, opfern, Kirchen, Altar, Gottesdienst stiften und [auf] andere Weise mehr dienen und sie f\u00fcr Nothelfer halten und allerlei Hilfe unter sie teilen und jeglichem eine sonderliche z\u00fcignen sollten, wie die Papisten lehren und tun. Denn das ist Abg\u00f6tterei, und solche Ehre geh\u00f6rt Gott allein zu. 27] Denn du kannst als ein Christ und Heiliger auf Erden f\u00fcr mich bitten, nicht in einerlei, sondern in allen N\u00f6ten. Aber darum soll ich dich nicht anbeten, anrufen, feiern, fasten, opfern, Messe halten dir zu Ehren und auf dich meinen Glauben zur Seligkeit setzen. Ich kann dich sonst [auf andere Weise] wohl ehren, lieben und dir danken in Christo. 28] Wenn nun solche abg\u00f6ttische Ehre von den Engeln und toten Heiligen weggetan wird, so wird die andere Ehre ohne Schaden sein, ja bald vergessen werden. Denn wo der Nutz und Hilfe, beide leiblich und geistlich, nicht mehr zu hoffen ist, werden sie die Heiligen wohl mit Frieden lassen, beide im Grabe und im Himmel. Den umsonst oder aus Liebe wird ihrer niemand viel gedenken, achten noch [sie] ehren.<\/p>\n<p>29] Und die Summa: Was die Messe ist, was daraus [ge]kommen ist, was daran hanget, das k\u00f6nnen wir nicht leiden und m\u00fcssen\u2019s verdammen, damit wir das heilige Sakrament rein und gewiss, nach der Einsetzung Christi, durch den Glauben gebraucht und empfangen, behalten m\u00f6gen. <\/p>\n<p>Der III. Artikel. Von Stiften und Kl\u00f6stern.<\/p>\n<p>1] Da\u00df die Stifte und Kl\u00f6ster, vorzeiten guter Meinung gestiftet, zu erziehen gelehrte Leute und z\u00fcchtige Weibsbilder, sollten wiederum in solchem [Ge] Brauch geordnet werden, damit man Pfarrherren, Prediger und andere Kirchendiener haben m\u00f6ge, auch sonst n\u00f6tige Personen zu weltlichem Regiment in St\u00e4dten und L\u00e4ndern, auch wohlgezogene Jungfra\u00fcn zu Hausm\u00fcttern und Haush\u00e4lterinnen usw.<\/p>\n<p>2] Wo sie dazu nicht dienen wollen, ist\u2019s besser, man lasse sie w\u00fcste liegen oder reisse sie ein, denn da\u00df sie sollten mit ihrem l\u00e4sterlichen Gottesdienst, durch Menschen erdichtet, als etwas Besseres denn der gemeine Christenstand und von Gott gestiftet \u00cbmter und Orden [Berufe] gehalten werden. Denn das ist alles auch wider den ersten Hauptartikel von der Erl\u00f6sung Jeu Christi. Zudem, da\u00df sie auch (wie alle andern Menschenf\u00fcndlein) nicht geboten, nicht vonn\u00f6ten, nicht n\u00fctze, dazu [ge]f\u00e4hrliche und vergebliche M\u00fche machen, wie die Propheten solche Gottesdienste Aven, das ist, M\u00fche, heissen. <\/p>\n<p>Der IV. Artikel. Vom Papsttum.<\/p>\n<p>1] Da\u00df der Papst nicht sei iure divino oder aus Gottes Wort das Haupt der ganzen Christenheit (denn das geh\u00f6rt einem allen zu, der heisst Jeus Christus), sondern allein Bischof oder Pfarrherr der Kirche zu Rom und derjenigen, so sich williglich oder durch menschliche Kreatur (das ist, weltliche Obrigkeit), zu ihm begeben haben, nicht unter ihm als einem Herrn, sondern neben ihm als Br\u00fcder und Gesellen, Christen zu sein, wie solches auch die alten Konzilia und die Zeit St. Cypriani weisen [zeigen].<\/p>\n<p>2] Jetzt aber darf kein Bischof den Papst Bruder heissen wie zu der Zeit, sondern muss ihn seinen allergn\u00e4digsten Herrn heissen, wenn\u2019s auch ein K\u00f6nig oder Kaiser w\u00e4re. Das wollen, sollen und k\u00f6nnen wir nicht auf unser Gewissen nehmen; wer es aber tun will, der t\u00fc es ohne uns.<\/p>\n<p>3] Hieraus folgt, da\u00df alle dasjenige, so der Papst aus solcher falscher, freveler, l\u00e4sterlicher, angemasster Gewalt getan und vorgenommen hat, eitel teuflisch Geschichte und Gesch\u00e4ft gewesen und noch sei (ohne was das leibliche Regiment belangt, darin Gott auch wohl durch einen Tyrannen und Buben l\u00e4sst einem Volk viel Gutes geschehen), zu Verderbung der ganzen heiligen christlichen Kirche (soviel an ihm gelegen) und zu verst\u00f6ren den ersten Hauptartikel von der Erl\u00f6sung Jeu Christi.<\/p>\n<p>4] Denn da stehen alle seine Bullen und B\u00fccher, darin er br\u00fcllt wie ein L\u00f6we (als der Engel Apok. 12 bildet), da\u00df kein Christ k\u00f6nne selig werden, er sei denn ihm gehorsam und untertan in allen Dingen, was er will, was er sagt, was er tut. Welches alles nichts anderes ist, denn also viel gesagt: Wenn du gleich an Christum glaubst und alles an ihm hast, was zur Seligkeit not ist, so ist\u2019s doch nichts und alles umsonst, wo du mich nicht f\u00fcr deinen Gott h\u00e4ltst, mir untertan und gehorsam bist, so es doch offenbarlich ist, da\u00df die heilige Kirche ohne Papst gewesen zum wenigsten \u00fcber f\u00fcnfhundert Jahre, und bis auf diesen Tag die griechische und viel anderer Sprachen Kirchen noch nie unter dem Papst gewesen und noch nicht sind. 5] So ist\u2019s, wie oft gesagt, ein Menschengedicht, das nicht geboten, ohne Not und vergeblich [ist]; denn die heilige christliche Kirche ohne solch Haupt wohl bleiben kann und wohl besser geblieben w\u00e4re, wo solch Haupt durch den Teufel nicht aufgeworfen w\u00e4re. 6] Und ist auch das Papsttum kein n\u00fctze in der Kirche, denn es \u00fcbt kein christlich Amt, und muss also die Kirche bleiben und bestehen ohne den Papst.<\/p>\n<p>7] Und ich setze, da\u00df der Papst wollte sich des begeben, da\u00df er nicht iure divino oder aus Gottes Gebot der Oberste w\u00e4re, sondern, damit die Einigkeit der Christen wider die Rotten und Ketzerei desto bass [besser] erhalten w\u00fcrde, m\u00fcsste man ein Haupt haben, daran sich die andern alle hielten; solches Haupt w\u00fcrde nun durch Menschen erw\u00e4hlt und st\u00fcnde in menschlicher Wahl und Gewalt dasselbe Haupt zu \u00e4ndern, zu entsetzen, wie zu Konstanz das Konzilium fast die [ungef\u00e4hr diese] Weise hielt mit den P\u00e4psten, setzen der dreie ab und w\u00e4hlten den vierten; ich setze nun, sage ich, da\u00df sich der Papst und der Stuhl zu Rom solches begeben und annehmen wollte (welches doch unm\u00f6glich ist; denn er m\u00fcsste sein ganz Regiment und Stand lassen umkehren und zerst\u00f6ren mit allen seinen Rechten und B\u00fcchern; Summa, er kann\u2019s nicht tun): dennoch w\u00e4re damit der Christenheit nichts geholfen, und w\u00fcrden viel mehr Rotten werden den zuvor.<\/p>\n<p>8] Denn weil man solchem Haupt nicht m\u00fcsste untertan sein aus Gottes Befehl, sondern aus menschlichem guten Willen, w\u00fcrde es gar leichtlich und bald verachtet, zuletzt kein Glied behalten, m\u00fcsste auch nicht immerdar zu Rom oder anderm Ort sein, sondern wo und in welcher Kirche Gott einen solchen Mann h\u00e4tte gegeben, der t\u00fcchtig dazu w\u00e4re. O, das wollte ein weitl\u00e4uftig, w\u00fcstes Wesen werden!<\/p>\n<p>9] Darum kann die Kirche nimmermehr bass [besser] regiert und erhalten werden, denn da\u00df wir alle unter einem Haupt, Christo, leben, und die Bisch\u00f6fe alle, gleich nach dem Amt (ob sie wohl ungleich nach den Gaben), fleissig zusammenhalten in eintr\u00e4chtiger Lehre, Glauben, Sakramenten, Gebeten und Werken der Liebe usw.; wie St. Hieronymus schreibt, da\u00df die Priester zu Alexandria s\u00e4mtlich und insgemein die Kirche regierten, und [wie] die Apostel auch getan und hernach alle Bisch\u00f6fe in der ganzen Christenheit, bis der Papst seinen Kopf \u00fcber alle erhob.<\/p>\n<p>10] Dies St\u00fcck zeigt gerwaltiglich, da\u00df er der rechte Endechrist oder Widerchrist sei, der sich \u00fcber und wider Christum gesetzt und erh\u00f6ht hat, weil er will die Christen nicht lassen selig sein ohne seine Gewalt, 11] welche doch nichts ist, von Gott nicht geordnet noch geboten. Das heisst eigentlich &#8220;\u00fcber Gott und wider Gott sich setzen&#8221;, wie St. Paulus sagt 2 Thess. 2. Solches tut dennoch der T\u00fcrke noch Tatter [Tatar] nicht, wie grosse Feinde sie der Christen sind, sondern lassen glauben an Christum, wer da will, und nehmen leiblichen Zins und Gehorsam von den Christen.<\/p>\n<p>12] Aber der Papst will nicht lassen glauben, sondern spricht, man solle ihm gehorsam sein, so werde man selig. Das wollen wir nicht tun, oder dr\u00fcber sterben in Gottes Namen. 13] Das kommt alles daher, da\u00df er iure divino der Oberste hat sollen heissen \u00fcber die christliche Kirche. Darum hat er sich m\u00fcssen Christo gleich und \u00fcber Christum setzen, sich das Haupt, hernach einen Herrn der Kirche, zuletzt auch der ganzen Welt und schlecht [schlechthin] einen irdischen Gott r\u00fchmen lassen, bis er auch den Engeln im Himmelreich zu gebieten sich unterstand. 14] Und wenn man unterscheidet des Papstes Lehre von der Heiligen Schrift oder sie dagegen stellt und h\u00e4lt, so findet sich\u2019s da\u00df des Papstes Lehre, wo sie am allerbesten ist, so ist sie aus dem kaiserlichen, heidnischen Recht genommen und lehrt weltliche H\u00e4ndel und Gerichte, wie seine Dekretales zeugen. Danach lehrt sie Zeremonien von Kirchen, Kleidern, Speisen, Personen und des Kinderspiels, Larven [Scheinwesens] und Narrenwerks ohne Massen, aber in diesem allem gar nichts von Christo, Glauben und Gottes Geboten. Zuletzt ist\u2019s nichts denn eitel Teufel, da er seine L\u00fcgen von Messen, Fegfe\u00fcr, Kl\u00f6sterei, eigenem Werk und Gottesdienst (welches denn das rechte Papsttum ist) treibet \u00fcber und wider Gott, verdammt t\u00f6tet und plagt alle Christen, so solchen seinen Gre\u00fcl nicht \u00fcber alles heben und ehren. Darum, sowenig wir den Teufel selbst f\u00fcr einen Herrn oder Gott anbeten k\u00f6nnen, so wenig k\u00f6nnen wir auch seinen Apostel, den Papst oder Endechrist, in seinem Regiment zum Haupt oder Herrn leiden. Denn L\u00fcgen und Mord, Leib und Seele zu verderben ewiglich, das ist sein p\u00e4pstlich Regiment eigentlich, wie ich dasselbe in vielen B\u00fcchern bewiesen habe.<\/p>\n<p>15] An diesen vier Artikeln werden sie genugsam zu verdammen haben im Konzilio; denn sie nicht das geringste Gliedlein von der Artikel einem uns lassen k\u00f6nnen noch wollen. Des m\u00fcssen wir gewiss sein und uns erw\u00e4gen [vertra\u00fcnd hingeben der Hoffnung, Christus, unser Her, habe seinen Widersacher angegriffen und werde nachdr\u00fcken beide mit seinem Geist und Zukunft. Amen.<\/p>\n<p>Den im Konzilio; werden wir nicht vor dem Kaiser over weltlicher Obrigkeit wie zu Augsburg (der ganz ein gn\u00e4diges Ausschreiben tat und in der G\u00fcte liess die Sachen verh\u00f6ren), sondern vor dem Papst und dem Teufel selbst werden wir dastehen, der nichts gedenkt zu h\u00f6ren, sondern schlechts [zu] verdammen, [zu] worden und zur Abg\u00f6tterei zu zwingen. Darum m\u00fcssen wir hier nicht seine F\u00fcsse k\u00fcssen oder sagen: Ihr seid mein gn\u00e4diger Herr! sondern wie im Zacharia [Sacharja] der Engel zum Teufel sprach: &#8220;Strafe dich Gott, Satan!&#8221; <\/p>\n<p>Das dritte Teil der Artikel.<\/p>\n<p>Folgende St\u00fccke oder Artikel m\u00f6gen wir mit Gelehrten, Vern\u00fcnftigen oder unter uns selbst handeln. Der Papst und sein Reich achten derselben nicht viel; denn conscientia ist bei ihnen nichts, sondern Geld, Ehr\u2019 und Gewalt ist\u2019s gar. <\/p>\n<p>I. Von der S\u00fcnde.<\/p>\n<p>1] Hier m\u00fcssen wir bekennen, wie St. Paulus R\u00f6m. 5 sagt, da\u00df die S\u00fcnde sei von Adam, dem einigen Menschen, hergekommen, durch welches Ungehorsam alle Menschen sind S\u00fcnder [ge] worden, dem Tode und dem Teufel unterworfen. Dies heisse die Erbs\u00fcnde oder Haupts\u00fcnde.<\/p>\n<p>2] Solcher S\u00fcnde Fr\u00fcchte sind danach die b\u00f6sen Werke, so in den zehn Geboten verboten sind als Unglaube, falscher Glaube, Abg\u00f6tterei, ohne Gottesfurcht sei, Vermessenheit, Verzweifeln, Blindheit und Summa, Gott nicht kennen oder achten; danach: l\u00fcgen, bei Gottes Namen schw\u00f6ren, nicht beten, nicht anrufen, Gottes Wort nicht achten, Eltern ungehorsam sein, morden, Unkeuschheit, stehlen, tr\u00fcgen usw.<\/p>\n<p>3] Solche Erbs\u00fcnde ist so gar eine tiefe, b\u00f6se Verderbung der Natur, da\u00df sie keine Vernunft nicht kennt, sondern muss aus der Schrift Offenbarung geglaubt werden, Ps. 51; R\u00f6m. 5; Ex. 33; Gen. 3. Darum sind das eitel Irrt\u00fcmer und Blindheit wider diesen Artikel, das die Schultheologen [Scholastiker] gelehrt haben, n\u00e4mlich:<\/p>\n<p>4] Da\u00df nach dem Erbfall Adams des Menschen nat\u00fcrliche Kr\u00e4fte sind ganz und unverderbt [ge] blieben und der Mensch habe von Natur eine rechte Vernunft und guten Willen, wie die Philosophi solches lehren.<\/p>\n<p>5] Item, da\u00df der Mensch habe einen freien Willen, Gutes zu tun und B\u00f6ses zu lassen, und wiederum, Gutes zu lassen und B\u00f6ses zu tun.<\/p>\n<p>6] Item, da\u00df der Mensch m\u00f6ge [k\u00f6nne] aus nat\u00fcrlichen Kr\u00e4ften alle Gebote Gottes tun und halten.<\/p>\n<p>7] Item, er m\u00f6ge [k\u00f6nne] aus nat\u00fcrlichen Kr\u00e4ften Gott lieben \u00fcber alles und seinen N\u00e4chsten als sich selbst.<\/p>\n<p>8] Item, wenn ein Mensch tut, soviel an ihm ist, so gibt ihm Gott gewisslich seine Gnade.<\/p>\n<p>9] Item, wenn er zum Sakrament will gehen, ist nicht not ein guter Vorsatz, Gutes zu tun, sondern sei genug, da\u00df er nicht einen b\u00f6sen Vorsatz, S\u00fcnde zu tun, habe; so gar gut ist die Natur und das Sakrament so kr\u00e4ftig.<\/p>\n<p>10] Es sei nicht in der Schrift gegr\u00fcndet, da\u00df zum guten Werk vonn\u00f6ten sei der Heilige Geist mit seiner Gnade.<\/p>\n<p>11] Solche und dergleichen viel St\u00fccke sind aus Unverstand und Unwissenheit beide der S\u00fcnde und Christi, unsers Heilands, gekommen, rechte heidnische Lehre, die wir nicht leiden k\u00f6nnen. Denn wo diese Lehre recht sollte sein, so ist Christus vergeblich gestorben, weil kein Schade noch S\u00fcnde im Menschen ist, daf\u00fcr er sterben m\u00fcsste; oder [er] w\u00e4re allein f\u00fcr den Leib, nicht f\u00fcr die Seele auch gestorben, weil die Seele gesund und allein der Leib des Todes ist. <\/p>\n<p>II. Vom Gesetz.<\/p>\n<p>1] Heir halten wir, da\u00df das Gesetz gegeben sei von Gott, erstlich, der S\u00fcnde zu ste\u00fcrn mit Dr\u00e4\u00fcn und Schrecken der Strafe und mit Verheissen und Anbieten der Gnade und Wohltat. Aber solches alles ist der Bosheit halben, so die S\u00fcnde im Menschen gewirkt, \u00fcbel geraten. 2] Denn eines Teils sind davon \u00e4rger [ge]worden, als die dem Gesetze feind sind, darum da\u00df es verbeut, [verbietet], was sie gerne tun, und gebeut, was sie ungern tun. Derhalben, wo sie vor der Strafe k\u00f6nnen, tun sie nun mehr wider das Gesetz denn zuvor. Das sind denn die rohen, b\u00f6sen Leute, die B\u00f6ses tun, wo sie St\u00e4tte und Raum haben.<\/p>\n<p>3] Die andern werden blind und vermessen, lassen sich d\u00fcnken, sie halten und k\u00f6nnen das Gesetz halten aus ihren Kr\u00e4ften, wie jetzt droben gesagt ist von den Schultheologen; daher kommen die Heuchler und falschen Heiligen.<\/p>\n<p>4] Aber das vornehmste Amt oder Kraft des Gesetzes ist, da\u00df es die Erbs\u00fcnde mit den Fr\u00fcchten und allem offenbare und dem Menschen zeige, wie gar tief seine Natur gefallen und grundlos verderbt ist, als dem das Gesetz sagen muss, da\u00df er keinen Gott habe noch achte und bete fremde G\u00f6tter an, welches er zuvor und ohne das Gesetz nicht geglaubt h\u00e4tte. Damit wird er erschreckt, gedem\u00fctigt, verzagt, verzweifelt, wollte gern, da\u00df ihm geholfen w\u00fcrde, und weiss nicht wo aus, f\u00e4ngt an, Gott feind zu werden und zu murren usw. 5] Das heisst den R\u00f6m. 4: &#8220;Das Gesetz erreget Zorn&#8221; und R\u00f6m. 5: &#8220;Die S\u00fcnde wird gr\u00f6sser durchs Gesetz.&#8221; <\/p>\n<p>III. Von der Busse<\/p>\n<p>1] Solch Amt [*des Gesetzes] beh\u00e4lt das Ne\u00fc Testament und treibet\u2019s auch, wie St. Paulus R\u00f6m. 1 tut und spricht: &#8220;Gottes Zorn wird vom Himmel offenbart \u00fcber alle Menschen&#8221;; item 3: &#8220;Alle Welt ist vor Gott schuldig&#8221; und &#8220;Kein Mensch ist vor ihm gerecht.&#8221; Und Christus Joh. 16: &#8220;Der Heilige Geist wird die Welt strafen um die S\u00fcnde.&#8221;<\/p>\n<p>2] Das ist nun die Donneraxt [der Blitzstrahl] Gottes, damit er beide die offenbarlichen S\u00fcnder und falschen Heiligen in einen Haufen schl\u00e4gt und l\u00e4sst keinen recht haben, treibt sie allesamt in das Schrecken und Verzagen. Das ist der Hammer (wie Jeremias spricht): &#8220;Mein Wort ist ein Hammer, der die Felsen zerschmettert.&#8221; Das ist nicht activa contritio, eine gemachte Re\u00fc, sondern passiva contritio, das rechte Herzeleid, Leiden und F\u00fchlen des Todes.<\/p>\n<p>3] Und das heisst denn die rechte Busse anfangen, und muss der Mensch heir h\u00f6ren solch Urteil: Es ist nichts mit euch allen; ihr seid \u00f6ffentliche S\u00fcnder oder Heilige, ihr m\u00fcsst alle anders werden und anders tun, weder [als] ihr jetzt seid und tut, ihr seid, wer und wie gross, weise, m\u00e4chtig und heilig, als ihr wollt; hier ist niemand fromm.<\/p>\n<p>4] Aber zu solchem Amt tut das Ne\u00fc Testament flugs die tr\u00f6stliche Verheissung der Gnade durchs Evangelium, der man glauben solle, wie Christus spricht Marci 1: &#8220;Tut Busse und glaubet dem Evangelio&#8221;, das ist, werdet und macht\u2019s anders und glaubt meiner Verheissung. 5] Und vor ihm her Johannes wird genannt ein Prediger der Busse, doch zur Vergebung der S\u00fcnden, das ist er sollte sie alle strafen und zu S\u00fcndern machen, auf da\u00df sie w\u00fcssten, was sie vor Gott w\u00e4ren, und sich erkennten als verlorne Menschen und also dem Heren bereitet w\u00fcrden, die Gnade zu empfangen und der S\u00fcnden Vergebung von ihm [zu] gewarten und an[zu]nehmen. 6] Also sagt auch Christus Luk. am 24. selbst: &#8220;Man muss in meinem Namen in alle Welt predigen Busse und Vergebung der S\u00fcnden.&#8221;<\/p>\n<p>7] Wo aber das Gesetz solch sein Amt allein treibt ohne Zutun des Evangelii, da ist der Tod und die H\u00f6lle, und muss der Mensch verzweifeln wie Saul und Judas, 8] wie St. Paulus sagt: &#8220;Das Gesetz t\u00f6tet durch die S\u00fcnde.&#8221; Wiederum gibt das Evangelium nicht einerlei Weise Trost und Vergebung, sondern durchs Wort, Sakramente und dergleichen, wie wir h\u00f6ren werden, auf da\u00df die Erl\u00f6sung ja reichlich sei bei Gott, wie der 130. Psalm sagt, wider das grosse Gef\u00e4ngnis der S\u00fcnden.<\/p>\n<p>9] Aber jetzt m\u00fcssen wir die falsche Busse der Sophisten gegen die rechte Busse halten, damit sie beide desto bass [besser] verstanden werden. <\/p>\n<p>Von der falschen Busse der Papisten<\/p>\n<p>10] Unm\u00f6glich ist\u2019s gewesen, da\u00df sie sollten recht von der Busse lehren, weil sie die rechten S\u00fcnden nicht erkannten. Denn (wie droben gesagt) sie halten von der Erbs\u00fcnde nicht recht, sondern sagen, die nat\u00fcrlichen Kr\u00e4fte des Menschen seien ganz und unverderbt [ge]blieben, die Vernunft k\u00f6nne recht lehren, und der Wille k\u00f6nne recht danach tun, da\u00df Gott gewisslich seine Gnade gibt, wenn ein Mensch tut, soviel an ihm ist, nach seinem freien Willen.<\/p>\n<p>11] Hieraus musste nun folgen, da\u00df sie allein die wirklichen S\u00fcnden b\u00fcssten, als: b\u00f6se bewilligte Gedanken (denn b\u00f6se Bewegung, Lust, Reizung war nicht S\u00fcnde), b\u00f6se Worte, b\u00f6se Werke, die der freie Wille wohl h\u00e4tte k\u00f6nnen lassen.<\/p>\n<p>12] Und zu solcher Busse setzen sie drei Teile: Re\u00fc, Beichte, Genugtun, mit solcher Vertr\u00f6stung und Zusage, wo der Mensch recht reute, beichtete, genugt\u00e4te, so h\u00e4tte er damit Vergebung verdient und die S\u00fcnde vor Gott bezahlt. Weiseten [wiesen] also die Leute in der Busse auf Zuversicht eignener Werke. 13] Daher kam das Wort auf der Kanzel, wenn man die gemeine Beichte dem Volke vorsprach: &#8220;Friste mir, Her Gott, mein Leben, bis ich meine S\u00fcnde b\u00fcsse und mein Leben bessere!&#8221;<\/p>\n<p>14] Hier war kein Christus und nichts vom Glauben gedacht, sondern man hoffte mit eigenen Werken die S\u00fcnde vor Gott zu \u00fcberwinden und zu tilgen; der Meinung [mit dieser Absicht] wurden wir auch Pfaffen und M\u00f6nche, da\u00df wir uns selbst wider die S\u00fcnde legen wollten.<\/p>\n<p>15] Mit der Re\u00fc war es also getan: Weil niemand alle seine S\u00fcnden konnte bedenken (sonderlich das ganze Jahr begangen), flickten sie den Pelz also: wenn die verborgenen S\u00fcnden hernach ins Ged\u00e4chtnis k\u00e4men, m\u00fcsste man sie auch bere\u00fcn und beichten usw. Indes [bis dahin] waren sie Gottes Gnade befohlen.<\/p>\n<p>16] Zudem, weil auch niemand wusste, wie gross die Re\u00fc sein sollte, damit sie ja genugsam w\u00e4re vor Gott, gaben sie solchen Trost: wer nicht k\u00f6nnte contritionem, das ist, Re\u00fc, haben der sollte attritionem haben, welches ich mag eine halbe oder Anfang der Re\u00fc nennen; denn sie haben selbst alles beides nicht verstanden, wissen auch noch nicht, was es gesagt sei, so wenig als ich. Solche attritio ward denn contritio gerechnet, wenn man zur Beichte ging.<\/p>\n<p>17] Und wenn sich\u2019s begab, da\u00df etwa einer sprach, er k\u00f6nnte nicht re\u00fcn noch Leid haben f\u00fcr seine S\u00fcnden, als m\u00f6chte geschehen sein in der Hurenliebe oder Rachgier usw., fragten sie, ob er denn nicht w\u00fcnschte oder gern wollte, da\u00df er Re\u00fc m\u00f6chte haben. Sprach er dann: Ja (denn wer wollte hier nein sagen, ohne der Teufel selbst?), so nahmen sie es f\u00fcr die Re\u00fc an und vergaben ihm seine S\u00fcnden auf solch sein gut Werk. Hier zogen sie St. Bernhard zum Exempel an usw.<\/p>\n<p>18] Hier steht man, wie die blinde Vernunft tappt [unsicher tastet] in Gottes Sachen und Trost sucht in eigenen Werken nach ihrem D\u00fcnkel und an Christum oder den Glauben nicht denken kann. Wenn man\u2019s nun beim Licht besieht, ist solche Re\u00fc ein gemachter und gedichteter Gedanke aus eigenen Kr\u00e4ften ohne Glauben ohne Erkenntnis Christi, darin zuweilen der arme S\u00fcnder, wenn er an die Lust oder Rache gedacht, lieber gelacht denn geweint h\u00e4tte, ausgenomen, die entweder mit dem Gesetze recht [ge]troffen oder von dem Teufel vergeblich sind mit traurigem Geist geplagt gewesen; sonst ist gewiss solche Re\u00fc lauter Heuchelei gewesen und hat der S\u00fcnden Lust nicht get\u00f6tet. Den sie mussten re\u00fcn, h\u00e4tten lieber mehr ges\u00fcndigt, wenn es frei gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>19] Mit der Beichte stand es also: Ein jeglicher musste alle seine S\u00fcnden erz\u00e4hlen (welches ein unm\u00f6glich Ding ist); das war eine grosse Marter. Welche er aber vergessen hatte, wurden ihm so fern vergeben, wenn sie ihm w\u00fcrden einfallen da\u00df er sie noch m\u00fcsste beichten. Damit [infolgedessen] konnte er nimmer wissen, wann er rein genug gebeichtet oder wann das Beichten einmal ein Ende haben sollte. Ward gleichwohl auf seine Werke gewiesen und so getr\u00f6stet: je reiner er beichtete und je mehr er sich sch\u00e4mte [zuschanden machte] und sich selbst also vor dem Preister sch\u00e4ndete, je eher und besser er genugt\u00e4te f\u00fcr die S\u00fcnde; denn solche Demut erw\u00fcrbe gewisslich Gnade bei Gott.<\/p>\n<p>20] Hier war auch kein Glaube noch Christus, und die Kraft der Absolution ward ihm nicht gesagt, sondern auf S\u00fcndenz\u00e4hlen und Sch\u00e4men stand sein Trost. Es ist aber nicht zu erz\u00e4hlen, was Marter, B\u00fcberei und Abg\u00f6tterei solch Beichten angerichtet hat.<\/p>\n<p>21] Die Genugtuung ist noch das Allerweitl\u00e4uftigste. Den kein Mensch konnte wissen, wieviel er tun sollte f\u00fcr eine einige S\u00fcnde, [ge]schweige denn f\u00fcr alle. Hier fanden sie nun einen Rat, n\u00e4mlich da\u00df sie wenig Genugtuns aufsetzten [auflegten], die man wohl halten konnte, als f\u00fcnf Paternoster, einen Tag fasten usw.; mit der \u00fcbrigen Busse weisete [wies] man sie ins Fegfe\u00fcr.<\/p>\n<p>22] Hier war nun auch ein eitel Jammer und Not. Etliche meinten, sie w\u00fcrden nimmer aus dem Fegfe\u00fcr kommen, dieweil nach den alten Kanonen sieben Jahre Busse auf eine Tods\u00fcnde geh\u00f6rte. 23] Noch [dennoch] stand die Zuversicht auch auf unserm Werk der Genugtuung, und wo die Genugtuung h\u00e4tte m\u00f6gen vollkommen sein, so h\u00e4tte die Zuversicht gar drauf gestanden, und w\u00e4re weder Glaube noch Christus n\u00fctze gewesen; aber sie war unm\u00f6glich. Wenn nun einer hundert Jahre also geb\u00fcsst h\u00e4tte, so h\u00e4tte er doch nicht gewusst. wann er ausgeb\u00fcsst h\u00e4tte. Das heiss immerdar geb\u00fcsst und nimmermehr zur Busse kommen.<\/p>\n<p>24] Heir kam nun der heilige Stuhl zu Rom der armen Kirche zu Hilfe und erfand den Ablass; damit vergab und hob er auf die Genugtuung, erstlich einzeln, sieben Jahre, hundert Jahre usw., und teilte es aus unter die Kardin\u00e4le und Bisch\u00f6fe, da\u00df einer konnte hundert Jahre, einer hundert Tage Ablass geben; aber die ganze Genugtuung aufzuheben, behielt er ihm [sich] allein zuvor.<\/p>\n<p>25] Da nun solches begann Geld zu tragen und der Bullenmarkt gut ward, erdachte er das G\u00fcldenjahr und legte es gen Rom; das heiss er Vergebung aller Pein und Schuld. Da liefen die Leute zu; denn es w\u00e4re jedermann gern der schweren, un[er]tr\u00e4glichten Last losgemacht [*los gewesen]. Das heiss die Sch\u00e4tze der Erde finden und erheben. Flugs eilte der Papst weiter und machte viel G\u00fcldenjahr aufeinander; aber je mehr er Geld verschlang, je weiter ihm der Schlund ward.<\/p>\n<p>Darum schickte er\u2019s danach durch Legaten heraus in die L\u00e4nder, bis alle Kirchen und H\u00e4user voll G\u00fcldenjahre wurden. 26] Zuletzt rumpelte er auch ins Fegfe\u00fcr unter die Toten, erstlich mit Messen und Vigilien stiften, danach mit dem Ablass und dem G\u00fcldenjahr, und wurden endlich die Seelen so wohlfeil, da\u00df er eine um einen Schwertgroschen [kurs\u00e4chsische kleine M\u00fcnze] losgab.<\/p>\n<p>27] Noch half das auch alles nicht. Denn der Papst, wiewohl er die Leute auf solchen Ablass lehrte sich verlassen und vertra\u00fcn, so machte er\u2019s doch selbst wiederum auch ungewiss; denn er setzte in seine Bullen: wer des Ablasses oder G\u00fcldenjahrs wollte teilhaftig sein, der sollte bereut und gebeichtet sein [bereut und gebeichtet haben] und Geld geben. Nun haben wir droben geh\u00f6rt, da\u00df solche Re\u00fc und Beichte bei ihnen ungewiss und Heuchelei ist. Desgleichen wusste auch niemand, welche Seele im Fegfe\u00fcr w\u00e4re, und so etliche drinnen w\u00e4ren wusste niemand, welche recht gereut und gebeichtet h\u00e4tten. Also nahm er das liebe Geld und vertr\u00f6stete sie dieweil auf seine Gewalt und Ablass und weisete sie doch wiederum auf ihr ungewiss Werk.<\/p>\n<p>28] Wo nun etliche waren, die nicht solcher wirklichen S\u00fcnden mit Gedanken, Worten und Werken sich schuldig dauchten [d\u00fcnkten], wie ich und meinesgleichen in Kl\u00f6stern und Stiften, M\u00f6nche und Pfaffen sein wollten, die wir mit Fasten, Wachen, Beten, Messehalten, harten Kleidern und Lager usw. uns wehrten wider b\u00f6se Gedanken und mit Ernst und Gewalt wollten heilig sein und doch das erbliche, angeborne \u00fcbel etwa [zuweilen] im Schlaf tat (wie auch St. Augustinus und Hieronymus mit andern bekennen), was seine Art ist, so hielt doch ein jeglicher vom andern, da\u00df etliche so heilig w\u00e4ren, wie wir lehrten, die ohne S\u00fcnde, voll guter Werke w\u00e4ren, also, da\u00df wir darauf unsere guten Werke andern, als uns \u00fcberfl\u00fcssig zum Himmel, mitteilten und verkauften. Das ist ja wahr, und sind Siegel, Briefe und Exempel vorhanden.<\/p>\n<p>29] Diese [be]durften der Busse nicht. Denn was wollten sie bere\u00fcn, weil sie in b\u00f6se Gedanken nicht bewilligten? Was wollten sie beichten, weil sie [*b\u00f6se] Worte vermieden? Wof\u00fcr wollten sie genugtun, weil sie der Tat unschuldig waren, also da\u00df sie auch andern armen S\u00fcndern ihre \u00fcbrige Gerechtigkeit verkaufen konnten? Solche Heilige waren auch die Pharis\u00e4er und Schriftgelehrten zur Zeit Christi.<\/p>\n<p>30] Heir kommt der feurige Engel St. Johannes, der rechte Bussprediger, und schl\u00e4cht mit einem Donner alle beide in einen Haufen, spricht: &#8220;Tut Busse!&#8221; 31] So denken jene: Haben wir doch geb\u00fcsst. Diese denken: Wir [be]d\u00fcrfen keiner Busse. Spricht Johannes: 32] Tut alle beide Busse, denn ihr seid falsche B\u00fcsser, so sind diese falsche Heilige und [be]d\u00fcrft alle beide Vergebung der S\u00fcnden, weil ihr alle beide noch nicht wisst, was die rechte S\u00fcnde sei, schweige [geschweige denn], da\u00df ihr sie b\u00fcssen oder meiden solltet. Es ist e\u00fcr keiner gut seid voller Unglaubens, Unverstands und Unwissenheit Gottes und seines Willens. Denn da ist er vorhanden, &#8220;von des F\u00fclle wir alle m\u00fcssen nehmen Gnade um Gnade&#8221;; und kein Mensch ohne ihn vor Gott kann gerecht sein. Darum, wollt ihr b\u00fcssen, so b\u00fcsst recht; eure Busse tut\u2019s nicht. Und ihr Heuchler, die ihr keiner Busse bed\u00fcrft, ihr Schlangen[ge]ziefer, wer hat euch versichert, da\u00df ihr dem k\u00fcnftigen Zorn entrinnen werdet usw.?<\/p>\n<p>33] Also predigt auch St. Paulus R\u00f6m. 3 und spricht: &#8220;Es ist keiner verst\u00e4ndig, keiner gerecht, keiner achtet Gottes, keiner tut Gutes, auch nicht einer; allzumal sind sie unt\u00fcchtig und abtr\u00fcnnig.&#8221; 34] Und Act 17: &#8220;Nun aber gebeut [gebietet] Gott allen Menschen an allen Enden, Busse zu tun.&#8221; Allen Menschen, spricht er, niemand ausgenommen, der ein Mensch ist. 35] Diese Busse lehrt uns die S\u00fcnde erkennen, n\u00e4mlich da\u00df [es] mit uns allen verloren, Haut und Haar nicht gut ist und m\u00fcssen schlechts ne\u00fc und andere Menschen werden.<\/p>\n<p>36] Diese Busse ist nicht st\u00fccklich und bettelisch wie jene, so die wirklichen S\u00fcnden b\u00fcsst, und ist auch nicht ungewiss wie jene. Denn sie disputiert nicht welches [Werk] S\u00fcnde oder nicht S\u00fcnde sei, sondern st\u00f6sst alles in Haufen, spricht: es sei alles und eitel S\u00fcnde mit uns. Was wollen wir lange suchen, teilen und unterscheiden? Darum so ist auch hier die Re\u00fc nicht ungewiss. Denn es bleibt nichts da, damit wir m\u00f6chten etwas Gutes gedenken, die S\u00fcnde zu bezahlen, sondern ein bloss, gewiss Verzagen an allem, das wir sind, gedenken, reden oder tun usw.<\/p>\n<p>37] Desgleichen kann die Beichte auch nicht falsch, ungewiss oder st\u00fccklich sein. Denn wer bekennt, da\u00df alles mit ihm eitel S\u00fcnde sie, der begreift alle S\u00fcnden, l\u00e4sst keine aussen und vergisst auch keine. 38] Also kann die Genugtuung auch nicht ungewiss sein, denn sie ist nicht unsere ungewissen, s\u00fcndlichen Werke, sondern das Leiden und Blut des unschuldigen L\u00e4mmleins Gottes, das der Welt S\u00fcnde tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>39] Von dieser Busse predigt Johannes und hernach Christus in Evangelio und wir auch. Mit dieser Busse stossen wir Papst und alles, was auf unsere guten Werke gebaut ist, zu Boden. Denn es ist alles auf einen faulen, nichtigen Grund gebaut, welcher heisst gute Werke oder Gesetze, so doch kein gut Werk da ist, sondern eitel b\u00f6se Werke und niemand das Gesetz tut (wie Christus Joh. 7 sagt), sondern allzumal [es] \u00fcbertreten. Darum ist das Geb\u00e4u eitel L\u00fcge und Heuchelei, wo es am allerheiligsten und allersch\u00f6nsten ist.<\/p>\n<p>40] Und diese Busse w\u00e4hrt bei den Christen bis in den Tod; denn sie beisst sich [sie streitet] mit der \u00fcbrigen S\u00fcnde im Fleisch durchs ganze Leben, wie St. Paulus R\u00f6m. 7 zeugt, da\u00df er k\u00e4mpfe mit dem Gesetze seiner Glieder usw., und das nicht durch eigene Kr\u00e4fte, sondern durch die Gabe des Heiligen Geistes, welche folgt auf die Vergebung der S\u00fcnden. Dieselbe Gabe reinigt und fegt t\u00e4glich die \u00fcbrigen S\u00fcnden aus und arbeitet, den Menschen recht rein und heilig zu machen.<\/p>\n<p>41] Hiervon weiss Papst, Theologen, Juristen noch kein Mensch nichts, sondern ist eine Lehre vom Himmel, durchs Evangelium offenbart, und muss Ketzerei heissen bei den gottlosen Heiligen.<\/p>\n<p>42] Wiederum, ob etliche Rottengeister kommen w\u00fcrden, wie vielleicht etliche bereits da vorhanden sind und zur Zeit des Aufruhrs mir selbst vor Augen kamen, die da halten, da\u00df alle die, so einmal den Geist der Vergebung der S\u00fcnden empfangen h\u00e4tten oder gl\u00e4ubig [ge]worden w\u00e4ren, wenn dieselben hernach s\u00fcndigten, so blieben sie gleichwohl im Glauben und schadete ihnen solche S\u00fcnde nicht, und schrien also: Tu, was du willst, glaubst du, so ist\u2019s alles nichts, der Glaube vertilgt alle S\u00fcnden usw. Sagen dazu: wo jemand nach dem Glauben und Geist s\u00fcndigte, so habe er den Geist und Glauben nie recht gehabt. Solcher unsinnigen Menschen habe ich viel vor mir gehabt und [ich] sorge, da\u00df noch in etlichen solcher Teufel stecke.<\/p>\n<p>43] Darum so ist vonn\u00f6ten zu wissen und zu lehren, da\u00df, wo die heiligen Leute \u00fcber das, so sie die Erbs\u00fcnde noch haben und f\u00fchlen, dawider auch t\u00e4glich b\u00fcssen und streiten, etwa in \u00f6ffentliche S\u00fcnde fallen, als David in Ehebruch, Mord und Gottesl\u00e4sterung, da\u00df alsdann der Glaube und Geist ist weg gewesen. 44] Denn der Heilige Geist l\u00e4sst die S\u00fcnde nicht walten und \u00fcberhand gewinnen, da\u00df sie vollbracht werde, sondern ste\u00fcrt und wehrt, da\u00df sie nicht muss [darf] tun, was sie will. Tut sie aber, was sie will, so ist der Heilige Geist und Glaube nicht dabei; denn es heisst, wie St. Johannes sagt: &#8220;Wer aus Gott geboren ist, der s\u00fcndigt nicht und kann nicht s\u00fcndigen.&#8221; Und ist doch auch die Wahrheit (wie derselbe St. Johannes schreibt): &#8220;So wir sagen, da\u00df wir nicht S\u00fcnde haben, so l\u00fcgen wir, und Gottes Wahrheit ist nicht in uns.&#8221; <\/p>\n<p>IV. Vom Evangelium.<\/p>\n<p>Wir wollen nun wider zum Evangelio kommen, welches gibt nicht einerlei Weise Rat und Hilfe wider die S\u00fcnde; denn Gott ist \u00fcberschwenglich reich in seiner Gnade: erstlich durchs m\u00fcndliche Wort, darin gepredigt wird Vergebung der S\u00fcnden in aller Welt, welches ist das eigentliche Amt des Evangelii; zum andern durch die Taufe; zum dritten durchs heilige Sakrament des Altars; zum vierten durch die Kraft der Schl\u00fcssel und auchper mutuum colloquium et consolationem fratrum, Matth. 18: Ubi duo fuerint congregati etc. <\/p>\n<p>V. Von der Taufe.<\/p>\n<p>1] Die Taufe ist nichts anderes denn Gottes Wort im Wasser, durch seine Einsetzung befohlen, oder wie St. Paulus sagt Eph. 5: lavacrum in verbo; wie auch Augustinus sagt: Accedat verbum ad elementum, et fit sacramentum. 2] Und darum halten wir\u2019s nicht mit Thomas [Aquinas] und den Predigerm\u00f6nchen, die des Wortes (Gottes Einsetzung) vergessen und sagen, Gott habe eine geistliche Kraft ins Wasser gelegt, welche die S\u00fcnde durchs Wasser abwasche; 3] auch nicht mit Scotus und den Barf\u00fcsserm\u00f6nchen, die da lehren, da\u00df die Taufe die S\u00fcnde abwasche aus Beistehen g\u00f6ttliches Willens, also da\u00df diese Abwaschung geschieht allein durch Gottes Willen, gar nicht durchs Wort oder Wasser.<\/p>\n<p>4] Von der Kindertaufe halten wir, da\u00df man die Kinder taufen solle; denn sie geh\u00f6ren auch zu der verheissenen Erl\u00f6sung, durch Christum geschehen, und die Kirche soll sie [die Taufe] ihnen. <\/p>\n<p>VI. Von Sakrament des Altars.<\/p>\n<p>1] Vom Sakrament des Altars halten wir, da\u00df Brot und Wein im Abendmahl sei der wahrhaftige Leib und Blut Christi und werde nicht allein gereicht und empfangen von frommen, sondern auch von b\u00f6sen Christen.<\/p>\n<p>2] Und da\u00df man nicht soll einerlei Gestalt allein geben. Und wir bed\u00fcrfen der hohen Kunst nicht, die uns lehre, da\u00df unter einer Gestalt so viel sei als unter beiden, wie uns die Sophisten und das Konzilium zu Konstanz lehren. 3] Denn ob\u2019s gleich wahr w\u00e4re, da\u00df unter einer so viel sei als unter beiden, so ist doch die einige Gestalt nicht die ganze Ordnung und Einsetzung, durch Christum gestiftet und befohlen. 4] Und sonderlich verdammen und verfluchen wir in Gottes Namen diejenigen, so nicht allein beide[rlei] Gestalt lassen anstehen, sondern auch gar herrlich [selbstherrlich] daher verbieten, verdammen, l\u00e4stern als Ketzerei und setzen sich damit wider und \u00fcber Christum, unsern Heren und Gott usw.<\/p>\n<p>5] Von der Transsubstantiation achten wir der spitzigen Sophisterei gar nichts, da sie lehren, da\u00df Brot und Wein verlassen oder verlieren ihr nat\u00fcrlich Wesen, und bleibe allein Gestalt und Farbe des Brots und nicht rechtes Brot. Denn es reimt sich mit der Schrift aufs beste, da\u00df Brot da sei und bleibe, wie es St. Paulus selbst nennt: &#8220;Das Brot, das wir brechen&#8221;, und: &#8220;Also, esse er von dem Brot.&#8221; <\/p>\n<p>VII. Von [den] Schl\u00fcsseln.<\/p>\n<p>1] Die Schl\u00fcssel sind ein Amt und Gewalt, der Kirche von Christo gegeben, zu binden und zu l\u00f6sen die S\u00fcnden, nicht allein die groben und wohlbekannten S\u00fcnden, sondern auch die subtilen, heimlichen, die Gott allein erkennt,. Wie geschrieben steht im 19. Psalm: &#8220;Wer kennet wieviel er fehlet?&#8221; Und St. Paulus R\u00f6m. 7 klagt selbst &#8220;Da\u00df er mit dem Fleisch diene dem Gesetze der S\u00fcnde&#8221;. 2] Denn es steht nicht bei uns, sondern bei Gott allein, zu urteilen, welche, wie gross und wieviel S\u00fcnden sind, wie geschrieben steht im 143. Psalm: &#8220;Gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht; denn vor dir ist kein lebendiger Mensch gerecht.&#8221; 3] Und Paulus 1 Kor. 4 auch sagt: &#8220;Ich bin mir wohl nichts bewusst, aber darum bin ich nicht gerecht.&#8221; <\/p>\n<p>VIII. Von der Beichte.<\/p>\n<p>1] Weil die Absolution oder Kraft der Schl\u00fcssel [*des Schl\u00fcssels] auch eine Hilfe und Trost ist, wider die S\u00fcnde und b\u00f6ses Gewissen im Evangelio durch Christum gestiftet, so soll man die Beichte oder Absolution beileibe nicht lassen abkommen in der Kirche, sonderlich um der bl\u00f6den [verzagten] Gewissen willen, auch um des jungen rohen Volks willen, damit es verh\u00f6rt und unterrichtet werde in der christlichen Lehre.<\/p>\n<p>2] Die Erz\u00e4hlung aber der S\u00fcnden soll frei sein einem jeden, was er erz\u00e4hlen oder nicht erz\u00e4hlen will; denn solange wir im Fleisch sind, werden wir nicht l\u00fcgen, wenn wir sagen: Ich bin ein armer Mensch voller S\u00fcnden; R\u00f6m. 7: &#8220;Ich f\u00fchle ein ander Gesetz in meinen Gliedern&#8221; usw. Denn dieweil die absolution privata von dem Amt herkommt der Schl\u00fcssel, soll man sie nicht verachten, sondern hoch und wert halten wie alle andern \u00cbmter der christlichen Kirche.<\/p>\n<p>3] Und in diesen St\u00fccken, so das m\u00fcndliche, \u00e4usserliche Wort betreffen, ist fest darauf zu bleiben, da\u00df Gott niemand seinen Geist oder Gnade gibt ohne durch oder mit dem vor[her] gehenden \u00e4usserlichen Wort, damit wir uns bewahren vor den Enthusiasten, das ist, Geistern so sich r\u00fchmen, ohne und vor dem Wort den Geist zu haben, und danach die Schrift oder m\u00fcndlich Wort richten, deuten und dehnen ihres Gefallens; wie der M\u00fcnzer tat und noch viel tun heutigestages, die zwischen dem Geist und Buchstaben scharfe Richter sein wollen und wissen nicht, was sie sagen oder setzen. 4] Denn das Papsttum auch ein eitel Enthusiasmus ist, darin der Papst r\u00fchmt, alle Rechte sind im Schrein seines Herzens, und was er mit seiner Kirche urteilt und heisst, das soll Geist und Recht sein, wenn\u2019s gleich \u00fcber und wider die Schrift oder das m\u00fcndliche Wort ist.<\/p>\n<p>5] Das ist alles der alte Teufel und alte Schlange, der Adam und Eva auch zu Enthusiasten machte, vom \u00e4usserlichen Wort Gottes auf [Schwarm=] Geisterei und Eigend\u00fcnkel f\u00fchrte und tat\u2019s doch auch durch andere \u00e4usserliche Worte. 6] Gleichwie auch unsere Enthusiasten das \u00e4usserliche Wort verdammen, und doch sie selbst nicht schweigen, sondern die Welt voll plaudern und schreiben, gerade als k\u00f6nnte der Geist durch die Schrift oder m\u00fcndlich Wort der Apostel nicht kommen, aber durch ihre Schrift und Wort m\u00fcsste er kommen. Warum lassen sie auch ihre Predigt und Schrift nicht anstehen, bis der Geist selber in die Leute ohne und vor ihrer Schrift kommt, wie sie r\u00fchmen, da\u00df er in sie [ge] kommen sei ohne Predigt der [Heiligen] Schrift? Davon hier weiter nicht Zeit ist zu disputieren; wir haben\u2019s sonst genugsam getrieben.<\/p>\n<p>7] Denn auch die, so vor der Taufe glauben oder in der Taufe gl\u00e4ubig werden, haben\u2019s durchs \u00e4usserliche, vor[her]gehende Wort; als, die Alten, so zur Vernunft [ge]kommen sind, m\u00fcssen zuvor geh\u00f6rt haben, da\u00df, &#8220;wer da glaubt und getauft wird, der ist selig&#8221;, ob sie gleich, erst ungl\u00e4ubig, nach zehn Jahren den Geist und Taufe kreigen. Und Cornelius Act. am 10. hatte lange zuvor geh\u00f6rt bei den Juden vom k\u00fcnftigen Messias, dadurch er gerecht vor Gott und sein Gebet und Almosen angenehm waren in solchem Glauben (wie Lukas ihn gerecht und gottesf\u00fcrchtig nennt), und nicht ohne solch vor[her]gehendes Wort oder Geh\u00f6r konnte glauben noch gerecht sein. Aber St. Petrus musste ihm offenbaren, da\u00df der Messias (an welchen zuk\u00fcnftigen er bis daher geglaubt hatte) nun [ge]kommen w\u00e4re, und sein Glaube vom zuk\u00fcnftigen Messias ihn nicht bei den verstockten, ungl\u00e4ubigen Juden gefangen hielte, sondern w\u00fcsste, da\u00df er nun m\u00fcsste selig werden durch den gegenw\u00e4rtigen Messiam und denselben nicht mit den Juden verleugnen noch verfolgen usw.<\/p>\n<p>9] Summa, der Enthusiasmus steckt in Adam und seinen Kindern von Anfang bis zum Ende der Welt, von dem alten Drachen in sie gestiftet und gegiftet, und ist aller Ketzerei, auch des Papsttums und Mahomets, Ursprung, Kraft und Macht. 10] Darum sollen und m\u00fcssen wir darauf beharren, da\u00df Gott nicht will mit uns Menschen handeln denn durch sein \u00e4usserlich Wort und Sakrament. 11] Alles aber, was ohne solch Wort und Sakrament vom Geist ger\u00fchmt wird, das ist der Teufel. Denn Gott wollte auch Mosi erstlich durch den feurigen Busch und m\u00fcndlich Wort erscheinen; und kein Prophet, weder Elias noch Elis\u00e4us, ausser oder ohne die zehn Gebote den Geist [ge]kriegt haben. 12] Und Johannes der T\u00e4ufer nicht ohne Gabriels vorgehendes Wort empfangen noch ohne Mari\u00e4 Stimme in seiner Mutter Leibe sprang. 13] Und St. Petrus spricht: &#8220;Die Propheten haben nicht aus menschlichem Willen, sondern aus dem Heiligen Geist geweissagt, doch als die heiligen Menschen Gottes.&#8221; Aber ohne \u00e4usserlich Wort waren sie nicht heilig, viel weniger h\u00e4tte sie als noch Unheilige der Heilige Geist zu reden getrieben; denn sie waren heilig, spricht er, da der Heilige Geist durch sie redete. <\/p>\n<p>IX. Vom Bann.<\/p>\n<p>Den grossen Bann, wie es der Papst nennt, halten wir f\u00fcr eine lauter weltliche Strafe, und [derselbe] geht uns Kirchendiener nichts an. Aber der kleine, das ist, der rechte christliche Bann, ist, da\u00df man offenbarliche, halsstarrige S\u00fcnder nicht soll lassen zum Sakrament oder anderer Gemeinschaft der Kirche kommen, bis sie sich bessern und die S\u00fcnde meiden. Und die Prediger sollen in diese geistliche Strafe oder Bann nicht mengen die weltliche Strafe. <\/p>\n<p>X. Von der Weihe und Vokation.<\/p>\n<p>1] Wenn die Bisch\u00f6fe wollten rechte Bisch\u00f6fe sein und sich der Kirche und des Evangelii annehmen, so m\u00f6chte man ihnen das um der Liebe und Einigkeit willen, doch nicht aus Not lassen gegeben sein, da\u00df sie uns und unsere Prediger ordinierten und konfirmierten; doch hintangesetzt alle Larven und Gespenste [Blendwerke] unchristliches Wesens und Gepr\u00e4nges. 2] Nun sie aber nicht rechte Bisch\u00f6fe sind oder auch nicht sein wollen, sondern weltliche Herren und F\u00fcrsten, die weder predigen noch lehren noch taufen noch kommunizieren, noch einiges Werk oder Amt der Kirche treiben wollen, dazu diejenigen, die solch Amt berufen treiben, verfolgen und verdammen, so muss [darf] dennoch um ihretwillen die Kirche nicht ohne Diener bleiben.<\/p>\n<p>3] Darum, wie die alten Exempel der Kirche und der V\u00e4ter uns lehren, wollen und sollen wir selbst ordinieren t\u00fcchtige Personen zu solchem Amt. Und das haben sie uns nicht zu verbieten noch zu wehren, auch [nicht] nach ihrem eigenen Rechte. Denn ihre Rechte sagen, da\u00df diejenigen, so auch von Ketzern ordiniert sind, sollen geordiniert heissen und bleiben, gleichwie St. Hieronynmus schreibt von der Kirche zu Alexandria, da\u00df sie erstlich von Bisch\u00f6fen [*ohne Bisch\u00f6fe], durch die Priester und Prediger ingemein regiert sind worden. <\/p>\n<p>XI. Von der Priesterehe.<\/p>\n<p>1] Da\u00df sie die Ehe verboten und g\u00f6ttlichen Stand der Priester mit ewiger Keuschheit beschwert haben, das [des] haben sie weder Fug noch Recht gehabt, sondern haben gehandelt als die endechristischen, tyrannischen, verzweifelten Buben und damit Ursache gegeben allerlei erschrecklicher, greulicher, unz\u00e4hliger S\u00fcnden der Unkeuschheit, darin sie denn noch stecken. 2] Als wenig nun uns oder ihnen Macht gegeben ist, aus einem M\u00e4nnlein ein Fr\u00e4ulein oder aus einem Fr\u00e4ulein ein M\u00e4nnlein zu machen oder beides nichts zu machen, so wenig haben sie auch Macht gehabt, solche Kreaturen Gottes zu scheiden oder [zu] verbieten, da\u00df sie nicht ehrlich und ehelich beieinander sollten wohnen. 3] Darum wollen wir in ihren leidigen Z\u00f6libat nicht willigen, auch nicht leiden, sondern [wir wollen] die Ehe frei haben, wie sie Gott geordnet und gestiftet hat, und wollen sein Werk nicht zerreissen noch hindern; denn St. Paulus sagt 1 Tim. 4, es sei eine &#8220;teuflische Lehre&#8221;. <\/p>\n<p>XII. Von der Kirche.<\/p>\n<p>1] Wir gestehen ihnen nicht, da\u00df sie die Kirche seien, und [sie] sind\u2019s auch nicht, und [wir] wollen\u2019s auch nicht h\u00f6ren, was sie unter dem Namen der Kirche gebieten oder verbieten. 2] Denn es weiss, Gott Lob, ein Kind von sieben Jahren, was die Kirche sei, n\u00e4mlich die heiligen Gl\u00e4ubigen und die Sch\u00e4flein, die ihres Hirten Stimme h\u00f6ren. Denn also beten die Kinder: &#8220;Ich glaube eine heilige christliche Kirche.&#8221; 3] Diese Heiligkeit steht nicht in Chorhemden, Platten, langen R\u00f6cken und andern ihren Zeremonien, durch sie \u00fcber [hinausgehend \u00fcber] die Heilige Schrift erdichtet, sondern im Wort Gottes und rechtem Glauben. <\/p>\n<p>XIII. Wie man vor Gott gerecht wird, und von guten Werken.<\/p>\n<p>1] Was ich davon bisher und stetiglich gelehrt habe, das weiss ich gar nicht zu \u00e4ndern, n\u00e4mlich da\u00df wir durch den Glauben (wie St. Petrus sagt) ein ander, neu, rein Herz kriegen, und Gott um Christus\u2019 willen, unsers Mittlers, uns f\u00fcr ganz gerecht und heilig halten will und h\u00e4lt. Obwohl die S\u00fcnde im Fleisch noch nicht gar weg oder tot ist, so will er sie doch nicht r\u00e4chen [*rechnen (zurechnen)] noch wissen.<\/p>\n<p>2] Und auf solchen Glauben, Verne\u00fcrung und Vergebung der S\u00fcnden folgen dann gute Werke. Und was an demselben [denselben] auch noch s\u00fcndlich oder Mangel ist, soll nicht f\u00fcr S\u00fcnde oder Mangel gerechnet werden eben um desselben Christi willen, sondern der Mensch soll ganz, beide nach der Person und seinen Werken, gerecht und heilig heissen und seinen Werken, gerecht und heilig heissen und sein aus lauter Gnade und Barmherzigkeit in Christo, \u00fcber uns ausgesch\u00fcttet und ausgebreitet. 3] Darum k\u00f6nnen wir nicht r\u00fchmen viel Verdienst und Werke, wo sie ohne Gnade und Barmherzigkeit angesehen werden, sondern wie geschrieben steht 1 Kor. 1: &#8220;Wer sich r\u00fchmet, der r\u00fchme sich des Herrn&#8221;, das ist, da\u00df er einen gn\u00e4digen Gott hat. So ist\u2019s alles gut. 4] Sagen auch weiter, da\u00df, wo gute Werke nicht folgen, so ist der Glaube falsch und nicht recht. <\/p>\n<p>XIV. Von Klostergel\u00fcbden.<\/p>\n<p>1] Weil die Klostergel\u00fcbden stracks wider den ersten Hauptartikel streiten, so sollen sie schlecht abe [abgetan] sein. Denn sie sind\u2019s, da Christus von sagt Matth. 24: Ego sum Christus etc. 2] Denn wer da gelobt ein Klosterleben, der glaubt, da\u00df er ein besser Leben f\u00fchre denn der gemeine Christenmann und will durch seine Werke nicht allein ihm selber, sondern auch andern zum Himmel helfen; das heisst Christum verleugnen. 3] Und sie r\u00fchmen aus ihrem St. Thomas [Aquinas], da\u00df [das] Klostergel\u00fcbde der Teufel gleich sei. Das ist eine Gottesl\u00e4sterung. <\/p>\n<p>XV. Von Menschensatzungen<\/p>\n<p>1] Da\u00df die Papisten sagen, Menschensatzungen dienen zur Vergebung der S\u00fcnden oder verdienen die Seligkeit, das ist unchristlich und verdammt, wie Christus spricht: &#8220;Vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren, die nichts sind denn Menschengebote.&#8221; 2] Item ad Titum 1: Aversantium veritatem. Item, da\u00df sie sagen, es sie Tods\u00fcnde, solche Satzungen brechen, ist auch nicht recht.<\/p>\n<p>3] Dies sind die Artikel, darauf ich stehen muss und stehen will bis in meinem Tod, ob Gott will, und weiss darin nichts zu \u00e4ndern noch nachzugeben. Will aber jemand etwas nachgeben, das t\u00fc er auf sein Gewissen.<\/p>\n<p>4] Zuletzt ist noch der Gaukelsack [die Zaubertasche] des Papistes dahinten von n\u00e4rrischen und kindischen Artikeln, als von Kirchenweihe, von Glockentaufen, Altarsteintaufen und Gevattern dazu bitten, die dazu gaben usw. Welches Taufen ein Spott und Hohn der heiligen Taufe ist, da\u00df man\u2019s nicht leiden soll. Danach von Lichtweihen, Palmen, Fladen, Hafer, W\u00fcrzweihen usw., welches doch nicht kann geweiht heissen noch sein, sondern eitel Spott und Betrug ist. Und des Gaukelwerks unz\u00e4hlig veil, welche wir befehlen ihrem Gott und ihnen selbst anzubeten, bis sie es m\u00fcde werden; wir wollen damit unverworren sein.<\/p>\n<p>(Signatures of Luther and others included in the Latin)<\/p>\n<p>7] Ich, Philippus Melanchthon, halte diese obgestralte [oben gestellten] Artikel auch f\u00fcr recht und christlich. Vom Papst aber halte ich, so er das Evangelium wollte zulassen, da\u00df ihm um Friedens und gemeiner Einigkeit willen derjenigen Christen, so auch unter ihm sind und k\u00fcnftig sein m\u00f6chten, seine Superiorit\u00e4t \u00fcber die Bisch\u00f6fe, die er sonst hat, iure humano auch von uns zugelassen sei.<\/p>\n<p>(More signatures follow in Latin.)<\/p>\n<p>Von der Gewalt und Oberkeit des Papsts,<\/p>\n<p>durch die Gelehrten zusammengezogen zu Schmalkalden.<\/p>\n<p>Anno MXXXVII.<\/p>\n<p>1] Der Papst r\u00fchmt sich zum ersten, da\u00df er aus g\u00f6ttlichen Rechten der Oberste sei \u00fcber alle andern Bisch\u00f6fe und Pfarrherren in der ganzen Christenheit.<\/p>\n<p>2] Zum andern, da\u00df er aus g\u00f6ttlichen Rechten habe beide Schwerter, das ist, da\u00df er m\u00f6ge [k\u00f6nne] K\u00f6nige setzen und entsetzen, weltliche Reiche ordnen usw.<\/p>\n<p>3] Zum dritten sagt er, da\u00df man solches bei Verlust der ewigen Seligkeit zu glauben schuldig sei. Und dies sind die Ursachen, da\u00df der Papst sich nennt und r\u00fchmt, er sei der Statthalter Christi auf Erden.<\/p>\n<p>4] Diese drei Artikel halten und erkennen wir, da\u00df sie falsch, ung\u00f6ttlich, tyrannisch und der christlichen Kirche ganz sch\u00e4dlich sind.<\/p>\n<p>5] Auf da\u00df nun unser Grund und Meinung desto ba\u00df [besser] m\u00f6ge verstanden werden, wollen wir zum ersten anzeigen, was es hei\u00dfe, da\u00df er r\u00fchmt, er sei aus g\u00f6ttlichen Rechten der Oberste. Denn also meinen sie es, da\u00df der Papst \u00fcber die ganze christliche Kirche gemeiner Bischof und, wie sie es nennen, oecumenicus episcopus sei, das ist, von welchen alle Bisch\u00f6fe und Pfarrherren durch die ganze Welt sollen ordiniert und best\u00e4tigt werden, da\u00df er allein Recht und Macht habe, alle Bisch\u00f6fe und Pfarrherren zu w\u00e4hlen, ordnen, best\u00e4tigen und einzusetzen [*zu entsetzen]. 6] Neben dem ma\u00dft er sich auch dies an, da\u00df er Macht habe, allerlei Gesetze zu machen von Gottesdiensten, \u00cbnderung der Sakramente und der Lehre, und will, da\u00df man seine Statuta und Satzungen andern Artikeln des christlichen Glaubens und der Heiligen Schrift soll gleich halten, als die ohne S\u00fcnde nicht m\u00f6gen [k\u00f6nnen] nachgelassen werden. Denn er will solche Gewalt auf das g\u00f6ttliche Recht und Heilige Schrift gr\u00fcnden; ja er will, da\u00df man es der Heiligen Schrift und den Geboten Gottes soll vorziehen, und das noch \u00e4rger ist, setzt er noch das hinzu: Solches alles soll und mu\u00df man glauben bei Verlust der ewigen Seligkeit.<\/p>\n<p>7] Darum wollen wir zum ersten aus dem heiligen Evangelio anzeigen, da\u00df der Papst gar keiner Oberkeit [Obrigkeit, Obergewalt] \u00fcber andere Bisch\u00f6fe und Seelsorger aus g\u00f6ttlichem Recht sich m\u00f6ge anma\u00dfen.<\/p>\n<p>8] l. Luk. 22 verbietet Christus mit klaren, hellen Worten, da\u00df kein Apostel einige Oberkeit \u00fcber die andern haben soll. Denn eben dies war die Frage unter den J\u00fcngern, als Christus von seinem Leiden schon gesagt hatte, da\u00df sie disputierten untereinander, wer unter ihnen Herr sein und Christum nach seinem Absterben verwesen sollte. Aber Christus straft solchen Irrtum der Apostel und lehrt sie, es werde die Weise nicht haben, da\u00df sie wollten Herren sein und Oberkeit haben, Sondern sie sollten zugleich Apostel sein und in gleichem Amt das Evangelium predigen. Darum sagt er auch: &#8220;Die weltlichen K\u00f6nige herrschen, und die Gewaltigen hei\u00dft man gn\u00e4dige Herren. Ihr aber nicht also; sondern der Gr\u00f6\u00dfte unter euch soll sein wie der Geringste Und der Vornehmste wie ein Diener.&#8221; Hier sieht man, wenn man\u2019s gegeneinander h\u00e4lt, da\u00df er keine Herrschaft unter den Aposteln haben will.<\/p>\n<p>ll. Wie solches auch wohl scheint [deutlich hervorgeht] aus dem andern Gleichnis, da Christus in gleicher Disputation von der Herrschaft ein junges Kind mitten unter die Apostel stellt, auf da\u00df er anzeige, da\u00df, gleich wie ein Kind keiner Herrschaft begehrt noch sich unterf\u00e4ngt, also auch die Apostel und alle, so das Wort f\u00fchren sollen, nicht Oberkeit sollen suchen noch brauchen.<\/p>\n<p>9] lll. Joh. 20 sendet Christus seine Junger zugleich zum Predigtamt, ohne allen Unterschied, da\u00df einer weder mehr noch weniger Gewalt soll haben denn der andere. Denn so sagt er: &#8220;Gleichwie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich euch.&#8221; Die Worte sind hell und klar, da\u00df er einen jeden also sende, wie er ist gesendet worden. Da kann je keiner keine [be]sondere Oberkeit oder Gewalt vor und \u00fcber die andern r\u00fchmen.<\/p>\n<p>10] lV. Gal. 2 zeigt der heilige Paulus klar an, da\u00df er von Petro weder ordiniert noch konfirmiert und best\u00e4tigt sei, erkennt auch Petrum in keinem Wege daf\u00fcr, als h\u00e4tte er von ihm m\u00fcssen best\u00e4tigt werden, und insonderheit streitet [verficht] er dieses, da\u00df sein Beruf aus St. Peters Gewalt gar nicht stehe noch gegr\u00fcndet sei. Nun sollte er je Petrum als einen Obersten [an]erkannt haben, wo Petrus anders solche Oberkeit von Christo h\u00e4tte empfangen, wie der Papst ohne allen Grund r\u00fchmt. Darum spricht auch Paulus, er habe das Evangelium eine lange Zeit frei gepredigt, ehe er sich mit Petro und den andern dar\u00fcber besprochen habe. ltem, er spricht: &#8220;es liege ihm nichts an denen, die das Ansehen haben, welcherlei sie gewesen sind. Denn Gott achtet das Ansehen der Person und Menschen nicht; mir aber haben die, so das Ansehen hatten, keinen Befehl getan&#8221;. Weil nun Paulus klar zeugt, er habe bei Petro nicht wollen ansuchen, da\u00df er ihm zu predigen erlaubte, auch dazumal, da er am letzten sei zu ihm [ge]kommen, [so] haben wir eine gewisse Lehre, da\u00df das Predigtamt vom gemeinen Beruf der Apostel herkommt, und ist nicht not, da\u00df alle dieser einigen Person Petri Beruf oder Best\u00e4tigung haben.<\/p>\n<p>11] V. 1Kor. 3 macht Paulus alle Kirchendiener gleich und lehrt, da\u00df die Kirche mehr sei denn die Diener. Darum kann man mit reiner Wahrheit sagen, da\u00df Petrus einige Oberkeit oder Gewalt vor andern Aposteln \u00fcber die Kirche und alle andern Kirchendiener gehabt habe. Denn so spricht er: &#8220;Es ist alles e\u00fcr, es sei Paulus oder Apollo oder Kephas&#8221;; das ist: Es darf weder Peter noch andere Diener des Worts ihnen [sich] zumessen einige Gewalt oder Oberkeit \u00fcber die Kirche. Niemand soll die Kirche beschweren mit eigenen Satzungen, sondern hier soll es so hei\u00dfen, da\u00df keines Gewalt noch Ansehen mehr gelte denn das Wort Gottes. Man darf nicht Kephas\u2019 Gewalt h\u00f6her machen denn der andern Apostel; wie sie denn zu der Zeit pflegten zu sagen: Kephas h\u00e4lt dies also, der doch der vornehmste Apostel ist, darum soll es Paulus und andere auch so halten. Nein, spricht Paulus, und zieht Petro dies H\u00fctlein ab, da\u00df sein Ansehen und Gewalt sollte h\u00f6her sein denn der andern Apostel oder [der] Kirche. <\/p>\n<p>Aus den Historien.<\/p>\n<p>12] VI. Das Konzilium zu Niz\u00e4a hat beschlossen, da\u00df der Bischof zu Alexandrien sollte bestellen die Kirchen im Orient und der Bischof zu Rom die surburbanas, das ist, die, so zu Rom geh\u00f6rten in Okzident. Hier ist des r\u00f6mischen Bischofs Macht zum ersten gewachsen, nicht aus g\u00f6ttlichen, sondern menschlichen Rechten, wie es im Concilio Nicaeno ist beschlossen worden. So nun der r\u00f6mische Bischof nach g\u00f6ttlichem Rechte w\u00e4re der Oberste gewesen, h\u00e4tte das Konzilium zu Niz\u00e4a nicht Macht gehabt, ihm solche Gewalt zu nehmen und auf den Bischof zu Alexandria zu wenden [zu \u00fcbertragen]; ja, alle Bisch\u00f6fe im Orient sollten je und je vom Bischof zu Rom begehrt haben, da\u00df er sie ordiniert und best\u00e4tigt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>13] Vll. ltem, im Concilio Nicaeno ist beschlossen worden, da\u00df eine jegliche Kirche einen Bischof f\u00fcr sich selbst im Beiwesen eines oder mehrerer Bisch\u00f6fe, so in der N\u00e4he wohnten, w\u00e4hlen sollte. 14] Solches ist nicht allein im Orient eine lange Zeit, sondern auch in andern und lateinischen Kirchengehalten worden, wie solches klar im Cypriano und Augustino ist ausgedr\u00fcckt. Denn so spricht Cyprianus Epist. 4. ad Cornelium: &#8220;Darum soll man es flei\u00dfig nach dem Befehl Gottes und der Apostel Gebrauch halten, wie es denn bei uns und fast in allen Landen gehalten wird, da\u00df zu der Gemeinde, da ein Bischof zu w\u00e4hlen ist, andere des Orts nahe gelegene Bisch\u00f6fe zusammen sollen kommen, und in Gegenwart der ganzen Gemeinde, die eines jeden Wandel und Leben wei\u00df, der Bischof soll gew\u00e4hlt werden, wie wir denn sehen, da\u00df es in der Wahl Sabini, unsers Mitgesellen, auch geschehen ist, da\u00df er nach Wahl der ganzen Gemeinde und Rat etlicher Bisch\u00f6fe, so vorhanden gewesen, zum Bischof erw\u00e4hlt und die H\u00e4nde ihm aufgelegt sind&#8221; usw.<\/p>\n<p>15] Diese Weise hei\u00dft Cyprianus eine g\u00f6ttlich Weise und apostolischen Gebrauch und zeugt, da\u00df es fast in allen Landen dazumal so gehalten sei.<\/p>\n<p>Weil nun weder die ordinatio noch confirmatio dazumal durch das gro\u00dfe Teil der Welt, in allen Kirchen der Griechen und lateinischen, beim Bischofe zu Rom ist gesucht worden, [so] ist es klar, da\u00df die Kirche dazumal solche Oberkeit und Herrschaft dem Bischofe zu Rom nicht gegeben hat.<\/p>\n<p>16] Solche Oberkeit und Herrschaft ist auch ganz und gar unm\u00f6glich: Denn wie k\u00f6nnte es m\u00f6glich sein, da\u00df ein Bischof sollte alle Kirchen der ganzen Christenheit versorgen, oder da\u00df die Kirchen, so fern von Rom gelegen, allein von einem alle ihre Kirchendiener k\u00f6nnten ordinieren lassen? Denn das ist je gewi\u00df, da\u00df das Reich Christi durch die ganze Welt ist ausgeteilt. So sind auch noch heutigestags viele christliche Versammlungen der Kirche im Orient, welche Kirchendiener haben, so weder vom Papst noch den Seinen ordiniert noch konfirmiert sind. Weil nun solche Oberkeit, der sich der Papst wider alle Schrift anma\u00dft, auch ganz und gar unm\u00f6glich ist, und die Kirchen in der Welt hin und wieder den Papst f\u00fcr einen solchen Herrn weder [an]erkannt noch gebraucht haben, [so] sieht man wohl, da\u00df solche Oberkeit nicht von Christo eingesetzt [ist] und nicht aus g\u00f6ttlichen kommt.<\/p>\n<p>17] Vlll. Es sind vor alters viele Konzilia ausgeschrieben und gehalten worden, in welchen der Bischof zu Rom nicht als der Oberste gesessen ist, als zu Niz\u00e4a und an andern Orten mehr. Dasselbe ist je auch eine Anzeigung, da\u00df die Kirche dazumal den Papst f\u00fcr einen Oberherrn \u00fcber alle Kirchen und Bisch\u00f6fe nicht [an]erkannt habe.<\/p>\n<p>18] lX. St. Hieronymus spricht: &#8220;Wenn man will von Gewalt und Herrschaft reden, so ist je orbis mehr denn urbs, das ist, Welt ist mehr denn die Stadt Rom. Darum, es sei der Bischof zu Rom oder Eugubien, zu Konstantinopel oder Rhegio oder Alexandrien, so ist W\u00fcrde und Amt gleich&#8221; usw.<\/p>\n<p>19] X. ltem, Gregorius schreibt zum Patriarchen zu Alexandria und verbeut [verbietet] ihm, er soll ihn nicht hei\u00dfen den h\u00f6chsten Bischof, und in den Regesten sagt er, es sei im Konzilio zu Chalcedon dem Bischof zu Rom angeboten worden, er solle der oberste Bischof sein, aber er habe es nicht angenommen. [Gregorius, Epist., lib 8, Ep. 30 ad Euloglum: &#8220;Nam dixi, nec mihi vos nec cuiquam alteri tale aliquid&#8221; (Eulogius hatte mit Bezug auf Gregor den Ausdruck: &#8220;Sicut iussistis&#8221; gebraucht) &#8220;scribere debere; et ecce in praefatione epistolae, quam ad me ipsum, qui prohibui, direxistis, superbae appellationis verbum universalem me Papam dicentes imprimere curastis. Quod peto dulcissima mihi sanctitas vestra ultra non faciat.&#8221;]<\/p>\n<p>20] XI. Zum letzten, wie kann der Papst nach g\u00f6ttlichen Rechten \u00fcber die Kirche sein, weil doch die Wahl bei der Kirche steht, und dies gar mit der Zeit in die Gewohnheit gekommen ist, da\u00df die r\u00f6mischen Bisch\u00f6fe von den Kaisern sind best\u00e4tigt worden?<\/p>\n<p>22] Hier werden etliche Spr\u00fcche wider uns gef\u00fchrt, als Matth. 16: &#8220;Du bist Petrus, und auf diesen Fels will ich ba\u00fcn meine Gemeinde oder Kirche&#8221;; item: &#8220;Dir will ich die Schl\u00fcssel geben&#8221;; item: &#8220;Weide meine Schafe&#8221;, und dergleichen mehr. Weil aber dieser ganze Handel flei\u00dfig und genugsam von den Unsern zuvor ist traktiert, wollen wir dieselben Schriften hier erholt [wiederholt] haben und auf diesmal kurz antworten, wie bemeldete Spr\u00fcche im Grund zu verstehen sind.<\/p>\n<p>23] ln allen diesen Spr\u00fcchen ist Petrus eine gemeine Person und redet nicht f\u00fcr sich allein, sondern f\u00fcr alle Apostel. Dieses beweisen die Texte klar. Denn Christus fragt je Petrum allein nicht, sondern spricht: &#8220;Wer saget ihr, da\u00df ich sei?&#8221; und da\u00df Christus hier zu Petro allein redet, als: &#8220;Dir will ich die Schl\u00fcssel geben&#8221;; item: &#8220;Was du binden wirst&#8221; usw., dasselbe redet er an andern Orten zu dem ganzen Haufen: &#8220;Alles, was ihr binden werdet auf Erden&#8221; usw., item im Johanne: &#8220;Welchen ihr die S\u00fcnden vergebet&#8221; usw. Diese Worte zeugen, da\u00df die Schl\u00fcssel allen insgemein gegeben und sie alle zugleich zu predigen gesandt worden sind.<\/p>\n<p>24] \u00dcber das mu\u00df man je bekennen, da\u00df die Schl\u00fcssel nicht einem Menschen allein, sondern der ganzen Kirche geh\u00f6ren und gegeben sind, wie denn solches mit hellen und gewissen Ursachen genugsam kann erwiesen werden. Denn gleichwie die Verhei\u00dfung des Evangelii gewi\u00df und ohne Mittel der ganzen Kirche zugeh\u00f6rt, also geh\u00f6ren die Schl\u00fcssel ohne Mittel der ganzen Kirche, dieweil die Schl\u00fcssel nichts anderes sind denn das Amt, dadurch solche Verhei\u00dfung jedermann, wer es begehrt, wird mitgeteilt; wie es denn im Werk vor Augen ist, da\u00df die Kirche Macht hat, Kirchendiener zu ordinieren. Und Christus spricht bei diesen Worten: &#8220;Was ihr binden werdet&#8221; usw, und deutet, wem er die Schl\u00fcssel gegeben, n\u00e4mlich der Kirche: &#8220;Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen&#8221; usw. Item Christus gibt das h\u00f6chste und letzte Gericht der Kirche, da er spricht: &#8220;Sag\u2019s der Kirche!&#8221;<\/p>\n<p>Daraus folgt nun, da\u00df in solchen Spr\u00fcchen nicht allein Petrus, sondern der ganze Haufe der Apostel gemeint wird. Darum kann man in keinem Wege aus solchen Spr\u00fcchen eine [be]sondere Gewalt der Oberkeit [be]gr\u00fcnden, die Petrus vor andern Aposteln gehabt habe oder haben hat sollen.<\/p>\n<p>25] Da\u00df aber [da] steht: &#8220;Und auf diesen Fels will ich meine Kirche ba\u00fcn&#8221;, da mu\u00df man je bekennen, da\u00df die Kirche nicht auf einiges Menschen Gewalt gebaut sei, sondern sie ist gebaut auf das Amt, welches das Bekenntnis f\u00fchrt, das Petrus tut, n\u00e4mlich, da\u00df &#8220;JEsus sei der Christ und Sohn Gottes&#8221;. Darum redet er ihn auch an als einen Diener solches Amts, da dies Bekenntnis und Lehre innen gehen soll, und spricht: &#8220;Auf diesen Felsen&#8221;, das ist, auf diese Predigt und Predigtamt.<\/p>\n<p>26] Nun ist je das Predigtamt an keinen gewissen Ort noch Person gebunden, wie der Leviten Amt im Gesetz gebunden war, Sondern es ist durch die ganze Welt ausgestreut und ist an dem Ort, da Gott seine Gaben gibt: Apostel, Propheten, Hirten, Lehrer usw. 27] Und tut die Person gar nichts zu solchem Wort und Amt, von Christo befohlen; es predige und lehre es, wer da wolle, wo Herzen sind, die es glauben und sich daran halten, denen widerf\u00e4hrt, wie sie es h\u00f6ren und glauben. Auf diese Weise legen solchem Spruch viel alte Lehrer aus, nicht von der Person Petri, sondern vom 28] Amt und Bekenntnis, als: Origenes, Ambrosius, Cyprianus, Hilarius, Beda.<\/p>\n<p>30] Da\u00df nun an andern Orten steht: &#8220;Weide meine Schafe&#8221;, item: &#8220;Petre, hast du mich auch lieber denn diese?&#8221; [daraus] folgt noch nicht, da\u00df Petrus mehr Gewalt sollte haben denn andere Apostel, sondern er hei\u00dft ihn weiden, das ist, das Evangelium predigen oder die Kirche durchs Evangelium regieren; das geht je ebensowohl auf andere Apostel als auf Petrum.<\/p>\n<p>31] Der andere Artikel ist noch klarer denn der erste. Denn Christus hat seinen J\u00fcngern allein geistliche Gewalt gegeben, das ist, er hat ihnen befohlen, das Evangelium zu predigen, Vergebung der S\u00fcnden zu verk\u00fcndigen, die Sakramente zu reichen und die Gottlosen zu bannen, ohne leibliche Gewalt durchs Wort, und hat ihnen gar nicht befohlen, das Schwert zu f\u00fchren, noch weltliche Regimente zu bestellen, einzunehmen, K\u00f6nige zu setzen oder zu entsetzen. Denn so spricht Christus: &#8220;Gehet hin und lehret, da\u00df man das halte, was ich euch geboten habe&#8221;; item: &#8220;Wie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich euch.&#8221;Nun ist es je am Tag, da\u00df Christus nicht dazu gesandt ist, da\u00df er das Schwert sollte f\u00fchren oder auf weltliche Weise regieren, wie er denn selbst sagt: &#8220;Mein Reich ist nicht von dieser Welt.&#8221; Und Paulus spricht: &#8220;Wir herrschen nicht \u00fcber euren Glauben&#8221;; item: &#8220;Unsere Kriegsr\u00fcstung und Waffen sind nicht fleischlich&#8221; usw.<\/p>\n<p>32] Da\u00df nun Christus in seinem Leiden mit Dornen gekr\u00f6nt und im Purpurkleid hervorgef\u00fchrt und so verspottet ist worden, ist alles eine [Be]deutung gewesen, da\u00df mit der Zeit das rechte geistliche Reich Christi sollte verachtet und sein Evangelium unterdr\u00fcckt und ein ander \u00e4u\u00dferlich Reich anstatt desselben unter dem Schein geistlicher Gewalt ausgerichtet werden. 33] Darum ist die Constitutio Bonifacii Vlll. und das cap. Omnes, dist. 21, und dergleichen andere Spr\u00fcche mehr ganz und gar falsch und gottlos, damit sie erhalten wollen, da\u00df der Papst verm\u00f6ge g\u00f6ttliches Rechts ein Herr sei \u00fcber die K\u00f6nigreiche der Welt; wie denn aus solchem falschen Wahn zum ersten schreckliche Finsternis in der Kirche, und danach greuliche Zerr\u00fcttung und Rumor in Europa erfolgt sind. Denn da hat man das Predigtamt lassen fallen, und ist die Lehre vom Glauben und geistlichen Reich Christi gar verloschen, und man hat des Papstes \u00e4u\u00dferliches Wesen und Satzungen f\u00fcr christliche Gerechtigkeit gehalten.<\/p>\n<p>35] Danach sind die P\u00e4pste auch zugefahren, haben F\u00fcrstent\u00fcmer und K\u00f6nigreiche zu [an] sich gerissen, K\u00f6nige gesetzt und entsetzt und mit unbilligem Bann und Kriegen fast alle K\u00f6nige in Europa geplagt, sonderlich aber die deutschen Kaiser, bisweilen darum, da\u00df sie die St\u00e4dte in Welschland [Italien] an sich br\u00e4chten, bisweilen, da\u00df sie die Bisch\u00f6fe in Deutschland ihnen [sich] untertan machten und die Bist\u00fcmer selbst verleihen m\u00f6chten, die der Kaiser allein zu verleihen hat. Ja, das mehr ist, in der Clementina steht also: &#8220;wenn das Kaisertum ledig stehe, so sei der Papst der rechte Erbe dazu&#8221;.<\/p>\n<p>36] Also hat sich der Papst nicht allein weltlicher Herrschaft wider Gottes klaren Befehl unbillig unterfangen, sondern hat wie ein Tyrann \u00fcber alle K\u00f6nige sein wollen. Wiewohl nun solches Tun der P\u00e4pste an ihm selbst ganz und gar str\u00e4flich, so ist doch dies das \u00cbrgste daran, da\u00df er solchen Mutwillen und Frevel mit dem Befehl Christi deckt und die Schl\u00fcssel deutet aus weltliche Herrschaft und h\u00e4ngt an solche ung\u00f6ttliche und sch\u00e4ndliche Opinion der Seelen Seligkeit, da er sagt, es sollen es die Leute bei ihrer Seelen Seligkeit also glauben, da\u00df der Papst solche Macht habe aus g\u00f6ttlichen Rechten.<\/p>\n<p>37] Weil nun solche greuliche Irrt\u00fcmer die Lehre vom Glauben und Reich Christi ganz verfinstert haben, will es sich in keinem Weg leiden, da\u00df man dazu sollte stillschweigen; denn man sieht\u2019s im Werk vor Augen, was gro\u00dfer Schade der Kirche daraus erwachsen ist.<\/p>\n<p>38] Zum dritten mu\u00df man auch dies willen: obschon der Papst den Primat und Oberkeit aus g\u00f6ttlichem Recht h\u00e4tte, da\u00df man denjenigen P\u00e4psten, so falsche Gottesdienste, Abg\u00f6tterei und falsche Lehre wider das Evangelium vorgeben, keinen Gehorsam schuldig ist. Ja, das mehr ist, man solle auch solche P\u00e4pste und solch Reich f\u00fcr ein anathema und verfluchtes Wesen halten, wie Paulus klar sagt: &#8220;Wenn ein Engel vom Himmel k\u00e4me und ein ander Evangelium predigte, anders, denn wir euch gepredigt haben, der sei verflucht:&#8221; Und in Actis steht: &#8220;Man soll Gott mehr gehorchen denn den Menschen.&#8221; Wie die geistlichen Rechte selbst sagen: &#8220;Einem Papst, der ein Ketzer ist, soll man nicht gehorsam sein.&#8221;<\/p>\n<p>Der Hohepriester im Gesetze Mosis hatte das Amt aus den g\u00f6ttlichen Rechten, gleichwohl war niemand verpflichtet zum Gehorsam, wenn sie wider Gottes Wort handelten, wie man sieht, da\u00df Jeremias und andere Propheten sich von den Priestern sonderten. Also sonderten sich die Apostel von Kaiphas und waren ihm keinen Gehorsam schuldig.<\/p>\n<p>39] Nun ist es je am Tage, da\u00df die P\u00e4pste samt ihrem Anhang gottlose Lehre und falsche Gottesdienste erhalten wollen und handhaben. So reimen sich auch alle Untugenden, so in der Heiligen Schrift vom Antichrist sind weisgesagt [geweissagt], mit des Papstes Reich und seinen Gliedern. Denn Paulus, da er den Antichrist malt 2 Thess. 2, nennt er ihn einen &#8220;Widersacher Christi, der sich \u00fcber alles erhebe, das Gott oder Gottesdienst hei\u00dft, also da\u00df er sich setzt in den Tempel Gottes als ein Gott und gibt vor, er sei ein Gott&#8221; usw. Hier redet Paulus von einem, der in der Kirche regiert, und nicht von weltlichen K\u00f6nigen, und nennt ihn einen Widerw\u00e4rtigen Christi, weil er eine andere Lehre werde erdenken, und da\u00df er sich solches alles werde anma\u00dfen, als t\u00e4te er\u2019s aus g\u00f6ttlichen Rechten.<\/p>\n<p>40] Nun ist am ersten dies wahr, da\u00df der Papst in der Kirche regiert und unter dem Schein geistlicher Gewalt solche Herrschaft hat an sich [ge]bracht; denn er gr\u00fcndet sich auf diese Worte: &#8220;lch will dir die Schl\u00fcssel des Himmelreichs geben.&#8221; Zum andern ist je des Papstes Lehre in alle Wege wider das Evangelium. Zum dritten, da\u00df er vorgibt, er sei Gott, ist in dreien St\u00fccken zu merken: Zum ersten, da\u00df er sich des anma\u00dft, er m\u00f6ge die Lehre Christi und rechte Gottesdienste, von Gott selbst eingesetzt, \u00e4ndern; und will seine Lehre und eigenen erdichteten Gottesdienste gehalten haben, als h\u00e4tte sie Gott selbst geboten. Zum andern, da\u00df er sich der Gewalt anma\u00dft zu binden und [zu] entbinden nicht allein in diesem zeitlichen Leben hier, sondern auch in jenem Leben. Zum dritten, da\u00df der Papst nicht will leiden, da\u00df die Kirche oder sonst jemand ihn richte, sondern seine Gewalt soll \u00fcber alle Konzilia und die ganze Kirche gehen; das hei\u00dft aber sich selbst zum Gott machen, wenn man weder [der] Kirche noch jemandes Urteil leiden will. Zum letzten hat der Papst solche Irrt\u00fcmer und gottlos Wesen auch mit unrechter Gewalt und Morden verteidigt, da\u00df er alle, so es nicht allerma\u00dfen mit ihm gehalten, hat umbringen lassen.<\/p>\n<p>41] Weil nun dem also ist, sollen alle Christen auf das flei\u00dfigste sich h\u00fcten, da\u00df sie solcher gottlosen Lehre, Gottesl\u00e4sterung und unbilligen W\u00fcterei sich nicht teilhaftig machen, sondern sollen vom Papst und seinen Gliedern oder Anhang als von des Antichrists Reich weichen und es verfluchen, wie Christus befohlen hat: &#8220;H\u00fctet euch vor den falschen Propheten!&#8221; Und Paulus gebietet, da\u00df man falsche Prediger meiden und als einen Gre\u00fcl verfluchen soll. Und 2 Kor. 6 spricht er: &#8220;Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungl\u00e4ubigen; denn was hat das Licht f\u00fcr Gemeinschaft mit der Finsternis?&#8221; usw.<\/p>\n<p>42] Schwer ist es, da\u00df man von so viel Landen und Leuten sich trennen und eine [be]sondere Lehre f\u00fchren will. Aber hier steht Gottes Befehl, da\u00df jedermann sich soll h\u00fcten und nicht mit denen einhellig sein, so unrechte Lehre f\u00fchren oder mit W\u00fcterei zu erhalten gedenken.Darum sind unsere Gewissen deshalben wohl entschuldigt und versichert. Denn man sieht je vor Augen die gro\u00dfen Irrt\u00fcmer, so in des Papstes Reich gehen, und die Schrift schreit mit aller Macht, da\u00df solche Irrt\u00fcmer des Teufels und Antichrists Lehre seien. 43] Die Abg\u00f6tterei im Mi\u00dfbrauch der Messen ist offenbar, welche neben dem, da\u00df sie sonst nichts t\u00fcgen [taugen], zum sch\u00e4ndlichen Genie\u00df und Kr\u00e4merei mi\u00dfbraucht sind. 44] Die Lehre von der Bu\u00dfe ist vom Papst und den Seinen ganz gef\u00e4lscht und verderbt worden. Denn so lehren sie: S\u00fcnde werde vergeben um unserer eigenen Werke willen; und h\u00e4ngen dies dran, man solle dennoch zweifeln, ob die S\u00fcnden vergeben sind. Dazu lehren sie nicht, da\u00df um Christus\u2019 willen die S\u00fcnde ohne Verdienst vergeben, und solche Vergebung der S\u00fcnden durch den Glauben an Christum erlangt werde.Mit solcher Lehre nehmen sie Christo seine Ehre und berauben die Gewissen des rechten und gewissen Trostes und tun ab die rechten Gottesdienste, n\u00e4mlich die \u00dcbung des Glaubens, welcher mit dem Unglauben und Verzweiflung \u00fcber der Verhei\u00dfung des Evangelii k\u00e4mpft.<\/p>\n<p>45] Dergleichen haben sie auch die Lehre verdunkelt von der S\u00fcnde und eigene Satzungen erdichtet, wie man alle S\u00fcnden erz\u00e4hlen und beichten m\u00fcsse, daraus mancherlei Irrtum, auch endlich Verzweiflung gefolgt ist.Danach haben sie eigene Genugtuung erdacht, dadurch die Wohltat und das Verdienst Christi auch verfinstert ist.<\/p>\n<p>46] Aus diesem ist der Abla\u00df gefolgt, welcher lauter L\u00fcgen und allein um des Geldes willen erdacht ist.<\/p>\n<p>47] Was ist denn danach f\u00fcr Mi\u00dfbrauch und greuliche Abg\u00f6tterei aus dem Anrufen der Heiligen gefolgt!<\/p>\n<p>48] Was f\u00fcr Schande und Laster sind gekommen aus dem Verbot der Ehe:Wie ist nur das Evangelium durch die Lehre von [den] Gel\u00fcbden so verdunkelt worden! Da hat man gelehrt, da\u00df solche Gel\u00fcbde sind vor Gott eine Gerechtigkeit und verdienen Vergebung der S\u00fcnden, da\u00df also das Verdienst Christi auf Menschensatzungen gezogen und die Lehre vom Glauben ganz vertilgt ist. Und haben ihre n\u00e4rrischen und leichtfertigen Satzungen f\u00fcr den rechten Gottesdienst und Vollkommenheit ger\u00fchmt und den Werken, welche Gott von einem jedem in seinem Beruf fordert und geordnet hat, vorgezogen. Nun darf man\u2019s nicht daf\u00fcr achten, da\u00df solches geringe Irrt\u00fcmer sind, denn sie nehmen Christo seine Ehre und verdammen die Seelen; darum soll man sie nicht ungestraft lassen hingehen.<\/p>\n<p>49] Zu diesen Irrt\u00fcmern kommen nun zwei gro\u00dfe, greuliche S\u00fcnden: die eine, da\u00df der Papst solche Irrt\u00fcmer mit unbilliger W\u00fcterei und grausamer Tyrannei, mit Gewalt verteidigen und erhalten will; die andere, da\u00df er der Kirche das Urteil nimmt und will solche Religionssachen ordentlicherweise nicht richten lassen; ja, er will mehr denn alle Konzilia sein und die Macht haben, da\u00df er alles, so in Konzilien beschlossen, m\u00f6ge zerrei\u00dfen und aufheben; wie zuweilen die Kanones solches unversch\u00e4mt heraussagen, und haben solches die P\u00e4pste noch Unversch\u00e4mter getrieben, wie viele Exempel bezeugen.<\/p>\n<p>50] 9. Quaest. 3. spricht der Kanon: &#8220;Niemand soll den h\u00f6chsten Stuhl richten; denn den Richter richtet weder Kaiser noch die Priester, weder K\u00f6nig noch das Volk.&#8221;<\/p>\n<p>51] Also handelt der Papst auf beiden Seiten wie ein Tyrann, da\u00df er solche Irrt\u00fcmer mit Gewalt und W\u00fcterei verteidigt und will keine Richter leiden. Und dies andere St\u00fcck tut mehr Schaden denn alle W\u00fcterei. Denn alsbald der Kirche das rechte Urteil und Erkenntnis genommen ist, kann nicht m\u00f6glich sein, da\u00df man falscher Lehre oder unrechtem Gottesdienst k\u00f6nnte ste\u00fcrn, und m\u00fcssen derhalben viele Seelen verloren werden.<\/p>\n<p>52] Darum sollen gottesf\u00fcrchtige Leute solche greuliche Irrt\u00fcmer des Papstes und seine Tyrannei wohl bedenken und zum ersten wissen, da\u00df solche Irrt\u00fcmer zu stehen und die rechte Lehre der Ehre Gottes und der Seelen Seligkeit halben anzunehmen sei. 53] Danach, da\u00df man doch bedenke, wie eine greuliche, gro\u00dfe S\u00fcnde es sei, solche unbillige W\u00fcterei des Papstes helfen f\u00f6rdern, da so viel fromme Christen so j\u00e4mmerlich ermordet werden, welcher Blut ohne Zweifel Gott nicht wird ungerochen [unger\u00e4cht] lassen.<\/p>\n<p>54] Vornehmlich aber sollen K\u00f6nige und F\u00fcrsten als vornehmste Glieder der Kirche helfen und scha\u00fcn, da\u00df allerlei Irrt\u00fcmer weggetan und die Gewissen recht unterrichtet werden, wie denn Gott zu solchem Amt die K\u00f6nige und F\u00fcrsten sonderlich vermahnt im 2. psalm: &#8220;Ihr K\u00f6nige, la\u00dft euch weisen, und ihr Richter auf Erden, la\u00dft euch z\u00fcchtigen:&#8221; Denn dies soll bei den K\u00f6nigen und gro\u00dfen Herren die vornehmste Sorge sein, da\u00df sie Gottes Ehre flei\u00dfig f\u00f6rdern. Darum w\u00e4re es je unbillig, wenn sie ihre Macht und Gewalt dahin wollten wenden, da\u00df solche: greuliche Abg\u00f6tterei und andere unz\u00e4hlige Laster erhalten und die frommen Christen so j\u00e4mmerlich ermordet w\u00fcrden.<\/p>\n<p>55] Und im Fall, da\u00df der Papst gleich ein Konzilium halten wollte, wie kann der Kirche wider solche St\u00fccke geholfen werden, so der Papst nicht leiden will, da\u00df man etwas wider ihn [be]schlie\u00dfe, oder andere, denn so ihm zuvor durch schreckliche Eidespflichten, auch Gottes Wort unausgenommen, zugetan, in Kirchensachen richten sollen?<\/p>\n<p>56] Weil aber die Urteile in Konzilien der Kirche und nicht des Papstes Urteile sind, will es je den K\u00f6nigen und F\u00fcrsten geb\u00fchren, da\u00df sie dem Papst solchen Mutwillen nicht einr\u00e4umen, sondern schaffen, da\u00df der Kirche die Macht zu richten nicht genommen und alles nach der Heiligen Schrift und Wort Gottes geurteilt werde. Und gleichwie die Christen alle andern Irrt\u00fcmer des Papstes zu strafen schuldig sind, also sind sie auch schuldig, den Papst selbst zu strafen, wenn er fliehen oder wehren will das rechte Urteil und wahre Erkenntnis der Kirche.<\/p>\n<p>57] Darum, obschon der Papst aus g\u00f6ttlichen Rechten den Primat oder Oberkeit h\u00e4tte, soll man ihm dennoch keinen Gehorsam leisten, weil er falsche Gottesdienste und eine andere Lehre wider das Evangelium erhalten will. Ja, man soll sich aus Not wider ihn als den rechten Antichrist setzen. Man sieht\u2019s je am Tage, was des Papstes Irrt\u00fcmer und wie gro\u00df sie sind.<\/p>\n<p>58] So sieht man auch die W\u00fcterei, welche er wider die frommen Christen vornimmt. So steht Gottes Befehl und Wort da, da\u00df wir Abg\u00f6tterei, falsche Lehre und unbillige W\u00fcterei fliehen sollen, Darum hat ein jeder frommer Christ wichtige, n\u00f6tige und helle Ursachen genug, da\u00df er dem Papst nicht Gehorsam leiste, und sind solche n\u00f6tige Ursachen allen Christen ein gro\u00dfer Trost wider allerlei Schmach und Schande, die sie uns auslegen, da\u00df wir \u00cbrgernis geben, Zertrennung und Uneinigkeit anrichten.<\/p>\n<p>59] Die es aber mit dem Papst halten und seine Lehre und falschen Gottesdienste verteidigen, die beflecken sich mit Abg\u00f6tterei und gottesl\u00e4sterlicher Lehre und laden auf sich alles Blut der frommen Christen, die der Papst und die Seinen verfolgen; die verhindern auch Gottes Ehre und der Kirche Seligkeit, weil sie solche Irrt\u00fcmer und Laster vor aller Welt und allen Nachkommen zu Schaden verteidigen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u300a\u534f\u540c\u4e66\u300b\uff08\u5fb7\u6587\uff09\u76ee\u5f55 1.\u300a\u4fe1\u7ecf\u300b Glaubensbekenntnis 2.\u300a\u5965\u65af\u5821\u4fe1\u6761\u300b Die Augsburgische Konfession 3.\u300a\u5965\u65af\u5821\u4fe1\u6761\u300b\u7684\u8fa9\u62a4\u8bba Apologia der Konfession 4.1\u300a\u65bd\u9a6c\u52a0\u767b\u4fe1\u6761\u300bDie Schmalkaldischen Artikel 4.2\u300a\u8bba\u6559\u7687\u6743\u548c\u9996\u4f4d\u300bVon der Bisch\u00f6fe Gewalt und Jurisdiktion<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[45],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/90"}],"collection":[{"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=90"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/90\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":120,"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/90\/revisions\/120"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=90"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=90"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/climb-lutheran.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=90"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}